{"id":7544,"date":"2020-04-07T08:58:55","date_gmt":"2020-04-07T06:58:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7544"},"modified":"2020-04-07T08:58:57","modified_gmt":"2020-04-07T06:58:57","slug":"gewinne-im-krankenhaus-entstehen-auf-dem-ruecken-des-personals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7544","title":{"rendered":"Gewinne im Krankenhaus entstehen auf dem R\u00fccken des Personals"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/gesellschaft\/coronavirus-die-agrarindustrie-ist-mitverantwortlich\/\">Covid-19<\/a>\u00a0bestimmt den Alltag in Deutschland. In dieser Situation kommt den Besch\u00e4ftigten im Krankenhaussektor eine wichtige Rolle zu. Wir haben mit Katharina Schwabedissen, die 1997 ihr Krankenpflegeexamen gemacht hat und seit 2014<!--more-->\u00a0als Gewerkschaftssekret\u00e4rin arbeitet, gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:\u00a0<\/strong>Weltweit breitet sich das\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/meinungsstark-politik\/corona-schreit-care-statt-car-gedanken-ueber-die-arbeit-danach\/\">Coronavirus\u00a0<\/a>aus. Waren Deutschland und das deutsche Gesundheitssystem darauf vorbereitet?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:\u00a0<\/strong>W\u00e4re das deutsche Gesundheitswesen auf diese Pandemie \u2013 oder auf Ausnahmezust\u00e4nde \u00fcberhaut \u2013 vorbereitet gewesen, w\u00e4ren wir jetzt in einer anderen Situation. Dann g\u00e4be es jetzt keine Mangel an einfachen Dingen wie Schutzkitteln, Schutzbrillen und FFP-Masken. Und da rede ich noch nicht einmal von Beatmungspl\u00e4tzen oder Personal.<\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Politikerinnen und Politiker bedanken sich eifrig bei den Besch\u00e4ftigten im Gesundheitssektor \u2013 ist dieser Dank ausreichend?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:<\/strong>\u00a0Das m\u00fcssen letztlich die Kolleginnen und Kollegen beurteilen, denen gedankt wird. Ich erlebe beides: Menschen aus dem Gesundheitsbereich, denen der Dank sehr gut tut, aber auch viele, die zornig darauf reagieren. \u201eDank\u201c ist f\u00fcr sie auch nichts Neues: Warme Worte und Applaus gibt es f\u00fcr Besch\u00e4ftigte in den Gesundheitsbetrieben h\u00e4ufig. Das Problem ist nur, dass danach nichts mehr kommt. Seit 15 Jahren versch\u00e4rft sich die Situation in den Kliniken und Altenhilfeeinrichtungen stetig und es passiert wenig. Die Geh\u00e4lter sind schlecht, die Einf\u00fchrung einer am Bedarf orientierten Personalbemessung wird seit Jahren verhindert. Pausen, freie Wochenenden und arbeiten ohne Hetze \u2013 das kennen viele gar nicht mehr. Die Kolleginnen und Kollegen haben mehr verdient als Applaus.<\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Wie ist die aktuelle Situation von Krankenschwestern und Krankenpflegern?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:<\/strong>\u00a0ver.di hat 2014 eine Umfrage in deutschen Krankenh\u00e4usern durchgef\u00fchrt. Dabei kam heraus, dass in unseren Kliniken 162.000 Stellen fehlen \u2013 davon allein\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/pflegenotstand-langfristig-ist-die-politik-gefragt-und-muss-staerker-unter-druck-gesetzt-werden\/\">70.000 in der Pflege<\/a>. Aktuell sind dar\u00fcber hinaus ca. 17.000 vorhandene Stellen nicht besetzt. Entsprechend geht es den Pflegekr\u00e4ften: Sie sind v\u00f6llig \u00fcberlastet und arbeiten f\u00fcr zwei. 62 Prozent von ihnen sagen, dass sie den Beruf nicht bis zur Rente schaffen. Viele Azubis brechen ihre Ausbildung nach dem ersten Ausbildungsjahr ab, weil sie erleben, was es hei\u00dft, wenn Pflege zum permanenten Marathonlauf ohne Ziellinie wird. Gerade die jungen Kolleginnen und Kollegen lernen, was Pflege in der Theorie k\u00f6nnte und wie wenig davon im Alltag umsetzbar ist.<\/p>\n<p>Dazu kommt die unglaublich hohe Verantwortung. Vor zwei Jahren hat eine junge Gesundheits- und Krankenpflegerin Jens Spahn bei der Kundgebung zur Gesundheitsministerkonferenz gefragt, ob er sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man einen Menschen alleine sterben lassen muss. Das war ein unglaublicher Moment. Vielen standen die Tr\u00e4nen in den Augen, der Druck, die Trauer, die Wut waren mit H\u00e4nden zu greifen. Wenn man nachts immer wieder allein f\u00fcr 40 Patientinnen und Patienten verantwortlich ist, wenn man Menschen nicht so versorgen kann, wie es angemessen und auch m\u00f6glich w\u00e4re, dann macht das auf Dauer kaputt.<\/p>\n<p>Und jetzt? Es gab zu der zugespitzten Lage in den Kliniken Proteste, Streiks, Aktionen, Briefe, Talkshows \u2013 und jetzt kommt Covid-19. Die Kolleginnen und Kollegen sehen die Bilder aus Frankreich, Italien, den USA. Und nat\u00fcrlich steht die Frage \u201eWann ist es bei uns soweit?\u201c mitten im Raum. Schon jetzt arbeiten die Kolleginnen und Kollegen mit zu wenig Schutzkleidung. Masken sind pl\u00f6tzlich zu wertvollen Gegenst\u00e4nden geworden. Es gibt bereits jetzt die Empfehlung des Robert Koch-Instituts, dass Besch\u00e4ftige im medizinischen Bereich auch dann arbeiten sollen, wenn sie Corona Positiv getestet sind, aber keine Symptome haben. Die Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit f\u00fcr die gleichen Kolleginnen und Kollegen wurde letzte Woche im Bundestag verabschiedet. Kurz davor wurden die Pflegepersonaluntergrenzen ausgesetzt, die zumindest f\u00fcr einige Bereiche im Krankenhaus festlegen, wie viel Personal mindestens in einer Schicht arbeiten muss, damit keine \u201egef\u00e4hrliche Pflege\u201c stattfindet. F\u00fcr Krisenzeiten sind 12-Stunden-Schichten geplant \u2013 in Schutzkleidung. Da ist schon nach sechs Stunden die maximale Belastung erreicht. Es br\u00e4uchte also gerade in solchen Phasen k\u00fcrzere Schichten und mehr Pausen. Doch daf\u00fcr fehlt das Personal.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten die Schutzrechte abgebaut werden und sogar Zwangsdienste wie zum Beispiel in NRW in Gesetzentw\u00fcrfen stehen, werden Rettungsschirme in Milliardenh\u00f6he f\u00fcr die Wirtschaft gespannt. Erst langsam kommen zaghafte Vorst\u00f6\u00dfe, Produktionsbetriebe zur Herstellung von Schutzkleidung zu verpflichten und auch Preise daf\u00fcr festzulegen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/54e7d7414356ad14f1dc8460c52036761d39c3e456597748722d78d09e_640_krankenhaus-300x300-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7545\" width=\"559\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/54e7d7414356ad14f1dc8460c52036761d39c3e456597748722d78d09e_640_krankenhaus-300x300-1.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/54e7d7414356ad14f1dc8460c52036761d39c3e456597748722d78d09e_640_krankenhaus-300x300-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 559px) 100vw, 559px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Schon seit Jahren gibt es Berichte von Besch\u00e4ftigten \u00fcber die Notsituationen in Krankenh\u00e4usern. Wurden diese ernst genommen?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:<\/strong>\u00a0Ich glaube schon, dass die Berichte \u201eernst\u201c genommen wurden. Es gibt kaum ein Thema, dass politisch in diesem Land in den letzten drei Jahren so intensiv bewegt wurde, wie der Zustand des Gesundheitssystems. Als vor 15 Jahren die Unikliniken in NRW gestreikt haben, um einen Tarifvertrag zu bekommen, da wurde das in der Bev\u00f6lkerung als Skandal angesehen. Inzwischen gibt es f\u00fcr solche Proteste viel Solidarit\u00e4t aus der Bev\u00f6lkerung. In vielen St\u00e4dten haben sich B\u00fcndnisse f\u00fcr mehr Personal im Gesundheitswesen gegr\u00fcndet. Die Menschen erleben ja, was in den Krankenh\u00e4usern los ist \u2013 viele als Patientinnen, Patienten oder Angeh\u00f6rige. Es gibt Filme, Dokumentationen, Radiofeatures \u2013 und laufend neue Gesetze. Was von den politisch Verantwortlichen bewusst vermieden wurde, war die Forderung, das ganze System grundlegend zu ver\u00e4ndern und auf das Wohl der Patientinnen, Patienten und Besch\u00e4ftigten auszurichten. Das h\u00e4tte bedeutet, das Credo vom Markt, der nicht nur alles richtet, sondern auch optimiert, zu hinterfragen. Diese Frage wird lauter. Inzwischen gibt es eine Reihe von Petitionen, die fordern, das Fallpauschalensystem auszusetzen.<\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Jens Spahn r\u00fchmt sich, die Situation zu verbessern, dabei hat Deutschland immer noch den schlechtesten Schl\u00fcssel von Patientinnen zu Pflegenden\u00a0<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/16676\/patientenzahl-pro-pflegekraft-im-internationalen-vergleich\/\">unter vergleichbar hochentwickelten L\u00e4ndern<\/a>. Wie l\u00e4sst sich das erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:<\/strong>\u00a0Das Verh\u00e4ltnis von Pflegekr\u00e4ften zu Patientinnen und Patienten in deutschen Kliniken war noch nie besonders gut und die Situation von Pflegekr\u00e4ften niemals mit anderen Fachkr\u00e4ften im produzierenden Gewerbe vergleichbar. Pflege galt in diesem Land immer als Liebesdienst, geleistet von Frauen aus Freundlichkeit f\u00fcr die Welt und als Zuverdienst. Aber bis 2004 waren die Krankenh\u00e4user in der BRD vollfinanziert. Gewinne\u00a0gab es nicht und Verluste wurden von den Krankenkassen beziehungsweise den Landeshaushalten oder Kommunen ausgeglichen. Dann kam die Einf\u00fchrung der DRG \u2013 der \u201eFallpauschalen\u201c. Seitdem stehen die Kliniken st\u00e4ndig unter wirtschaftlichem Stress. Die Betriebskosten m\u00fcssen vor allem durch die Fallpauschalen erwirtschaftet werden. Wir reden \u00fcber feste Pauschalen f\u00fcr jede Krankheit. Dabei ist es egal, wie lange der behandelte Mensch tats\u00e4chlich im Krankenhaus liegt und behandelt werden muss. Der Fall bringt immer das gleiche Budget. F\u00fcr die Vorhaltung von Einrichtungen wie Krei\u00dfs\u00e4len oder Intensivstationen, die ja auch da sein m\u00fcssen, wenn mal keine \u201eF\u00e4lle\u201c da sind, gibt es keinen zus\u00e4tzlichen Pfennig.<\/p>\n<p>Im Krankenhaus sind ca. 60 Prozent der Kosten Personalkosten. Hier wurde mit der Einf\u00fchrung der DRG vor allem im pflegerischen Bereich gespart. Parallel dazu wurden Betten abgebaut. Das f\u00fchrte aber nicht zu weniger Behandlungen \u2013 im Gegenteil. Die Fallzahlen stiegen von 14,6 Millionen im Jahr 1991 auf 19,2 Millionen 2015. Parallel dazu wurden insgesamt 165.000 Krankenhausbetten gestrichen und 450 Krankenh\u00e4user geschlossen. Im gleichen Zeitraum wuchs das \u00e4rztliche Personal um 68 Prozent an. Im nicht\u00e4rztlichen Bereich wurde es um 9 Prozent reduziert.<\/p>\n<p>Mit der Kommerzialisierung kamen auch immer mehr private Tr\u00e4ger mit der Hoffnung auf hohe Gewinne. Die Hoffnung erf\u00fcllte sich auf den R\u00fccken von Besch\u00e4ftigten, Patienten und Patientinnen.<\/p>\n<p>Gewinne im Krankenhaus entstehen aus der Reduzierung von L\u00f6hnen, Personal und umfassender Versorgung. Ausreichend Pflegepersonal, aber auch Reinigungskr\u00e4fte, Handwerker, Transportkr\u00e4fte und viele andere standen im Widerspruch zur Profiten bei den Privaten und zur umfassenden Versorgung und Bereitstellung von bedarfsnotwendigen Einrichtungen der Daseinsvorsorge in \u00f6ffentlichen Kliniken. Also wurde abgebaut \u2013 bis heute.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr wurde jede neu geschaffene Pflegestellen an deutschen Krankenh\u00e4usern zu 100 Prozent refinanziert. Das Problem ist, dass es schlicht kaum noch Pflegekr\u00e4fte gibt, die eine offene Stelle besetzen wollen. In Deutschland leben rund 200.000 Examinierte, die aufgrund der Arbeitssituation ihrem Beruf den R\u00fccken gekehrt haben.<\/p>\n<p>Pflege ist ein hochprofessioneller Beruf, der in diesem Land immer noch bel\u00e4chelt wird. Es gibt hohen Respekt vor den Menschen, die ihn aus\u00fcben, aber wenig Respekt den T\u00e4tigkeiten gegen\u00fcber. Waschen, Lagern, Essenreichen \u2013 es gibt immer noch eine Mehrheit, die glaubt, dass k\u00f6nne eigentlich jede und jeder. Wenn sich dieses Denken nicht \u00e4ndert und auch materiell manifestiert, dann wird sich auch an der Situation in der Pflege nichts \u00e4ndern \u2013 und das gilt f\u00fcr viele weitere Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen ebenfalls. \u00dcberall dort, wo pl\u00f6tzlich \u201esystemrelevant\u201c draufsteht, lohnt es sich, auf den Lohn zu gucken \u2013 und auf die Geschlechterverteilung.<\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Was muss in der aktuellen Situation getan werden, um die Situation schnell zu verbessern und was ist l\u00e4ngerfristig n\u00f6tig?<\/p>\n<p><strong>Katharina Schwabedissen:<\/strong>\u00a0\u201eSchnell\u201c meint aktuell mitten in der Welle von schwer an\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/meinungsstark-politik\/corona-schreit-care-statt-car-gedanken-ueber-die-arbeit-danach\/\">Covid-19<\/a>\u00a0erkrankten Menschen, die auf Intensivstationen unter \u00e4u\u00dferst komplizierten Bedingungen beatmet werden m\u00fcssen und \u2013 so die Erfahrung aus Italien und Frankreich \u2013 eine relativ lange Beatmungszeit haben. Es braucht sofort ausreichend Schutzmaterial. Egal, wo noch Schutzmaterial gelagert wird: Es muss zentral verwaltet und wenn notwendig beschlagnahmt werden und in die Krankenh\u00e4user und Altenhilfeeinrichtungen kommen. Textilunternehmen m\u00fcssen Schutzkittel und Masken herstellen, die Preissteigerungen gedeckelt werden. Bayern hat das \u00e4hnlich bereits beschlossen. Ich finde es unertr\u00e4glich, dass an der Not der Menschen jetzt schon wieder Profite extrapoliert werden. Der Preis f\u00fcr Masken ist in den letzten zwei Woche von 36 Cent auf 2,50 Euro gestiegen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht m\u00fcssen Krankenh\u00e4user von Pflegekr\u00e4ften und \u00c4rztinnen und \u00c4rzte durch die Krise gesteuert werden und nicht von Betriebswirtschaftlern. Das DRG-System sollte ausgesetzt und Verluste in diesem Jahr refinanziert werden. Bundesgesundheitsminister Spahn k\u00f6nnte umgehend ein Gesetz zur Einf\u00fchrung der PPR 2,0 \u2013 ein \u00dcbergangspersonalbemessungssystem \u2013 auf den Weg bringen. F\u00fcr mich geh\u00f6rt dazu auch ein strenges Verbot f\u00fcr alle Tr\u00e4ger, Profite und Renditen zu erwirtschaften \u2013 auch indirekt. Hilfebed\u00fcrftigkeit darf keine Ware bleiben! Die Kolleginnen und Kollegen aus den ausgegliederten Betrieben m\u00fcssen in die Kernbetriebe zur\u00fcckgeholt und tariflich bezahlt werden. Wir werden mehr Reinigungskr\u00e4fte, mehr Krankentransporter, mehr Handwerker, mehr Laborkr\u00e4fte, mehr R\u00f6ntgenassistentinnen brauchen \u2013 und die m\u00fcssen jetzt endlich f\u00fcr ihre gute Arbeit anst\u00e4ndige L\u00f6hne erhalten. Stattdessen melden einige Servicebetriebe in Krankenh\u00e4usern Kurzarbeit an.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft ver.di fordert f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten im Gesundheitsbereich eine steuerfreie Pr\u00e4mie von 500 Euro. Es gibt bereits erste Kliniken, die bis zu 1.500 Euro \u201eCoronapr\u00e4mie\u201c f\u00fcr ihr Krankenhauspersonal zahlen.<\/p>\n<p>Und langfristig? Noch stellt niemand die Frage, wer diese Krise zahlen wird: Die Reichen und Superreichen, die seit der letzten Krise 2008 zw\u00f6lf Jahre lang Milliarden verdient haben oder die Besch\u00e4ftigten, die jetzt in Kurzarbeit sind, ihre L\u00e4den geschlossen haben, ihre Auftritte als K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler absagen mussten \u2013 oder in den Kliniken und Altenhilfeeinrichtungen einmal mehr den Kopf hinhalten, um Leben zu retten? Wird es in wenigen Monaten wieder hei\u00dfen, dass der Staat \u00fcber seine Kosten gelebt h\u00e4tte und es jetzt darum ginge, dass die 99% den G\u00fcrtel enger schnallen, damit der Bauch des 1% wieder ordentlich wachsen kann? Wird nach der Krise privatisiert, weil \u00f6ffentliche Einrichtungen die Belastungen nicht tragen k\u00f6nnen? Corona stellt die Frage, wie wir leben wollen, was wichtig ist\u00a0und wer in diesem Leben dar\u00fcber entscheidet, ziemlich konkret. Ich hoffe, dass der Mehrheit in diesem Land deutlich geworden ist, was passiert, wenn man sich nicht selbst einmischt \u2013 und sich aktiv einmischt \u2013, um die Verh\u00e4ltnisse zur\u00fcck vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe zu stellen.<\/p>\n<p>Langfristig m\u00fcsste sich die Ver\u00e4nderung im Gesundheitswesen also am Leben orientieren und nicht am Profit. Wirtschaftlich geh\u00f6rt dazu im Gesundheitswesen die Vollfinanzierung der sozialen Einrichtungen, ihre R\u00fcckf\u00fchrung in die \u00f6ffentliche Hand, das Verbot, mit F\u00fcrsorge Profit zu machen und eine deutliche materielle Aufwertung der Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen. Strukturell braucht es eine am Bedarf orientierte Personalbemessung f\u00fcr alle Berufe in diesen Betrieben \u2013 von der K\u00fcche \u00fcber die Pflege bis zu den \u00c4rztinnen und \u00c4rzten und die Finanzierung von Lagerbest\u00e4nden f\u00fcr Krisenf\u00e4lle, wie wir sie jetzt erleben. Und insgesamt brauchen wir eine demokratische Steuerung unserer Betriebe und damit eine St\u00e4rkung der Mitbestimmung der Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<p>Viele werden jetzt sagen, dass sei nicht bezahlbar. Doch was ist ein Menschenleben wert: Das von Besch\u00e4ftigten und das von Menschen, die Hilfe brauchen?<\/p>\n<p><strong>Die Freiheitsliebe:<\/strong>\u00a0Danke dir f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/gewinne-im-krankenhaus-entstehen-auf-dem-ruecken-des-personals-im-gespraech-mit-katharina-schwabedissen\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Covid-19\u00a0bestimmt den Alltag in Deutschland. In dieser Situation kommt den Besch\u00e4ftigten im Krankenhaussektor eine wichtige Rolle zu. 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