{"id":7547,"date":"2020-04-08T08:59:01","date_gmt":"2020-04-08T06:59:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7547"},"modified":"2020-04-08T08:59:02","modified_gmt":"2020-04-08T06:59:02","slug":"interview-mit-4-chinesischen-aerzten-vom-epizentrum-der-pandemie-in-wuhan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7547","title":{"rendered":"Interview mit 4\u00a0chinesischen \u00c4rzten vom Epizentrum der Pandemie in Wuhan"},"content":{"rendered":"<p><em>Benjamin Mateus. <\/em><strong>Vor einigen Wochen war der in Hongkong erscheinenden\u00a0<em>South China Morning Post<\/em>\u00a0zu entnehmen, dass sich am 17. November 2019 ein 55-j\u00e4hriger Mann vermutlich mit einem neuartigen Coronavirus infiziert habe. Diese<!--more--> Person ist der fr\u00fcheste best\u00e4tigte Fall von Covid-19.<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings halten ihn die Beh\u00f6rden nicht f\u00fcr \u201ePatient Null\u201c. Der n\u00e4chste best\u00e4tigte Fall trat am 1. Dezember 2019 auf, hatte aber keine Verbindung zum Huanan-Fischmarkt in Wuhan. Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV berichtete am 9. Januar 2020, dass der Ausbruch erstmals am 12. Dezember in Wuhan entdeckt worden sei. In den \u00f6rtlichen Krankenh\u00e4usern traten ungew\u00f6hnliche F\u00e4lle einer lungenentz\u00fcndlichen Krankheit auf.<\/p>\n<p>Das Wuhan-Institut f\u00fcr Virologie wertete die Fl\u00fcssigkeit aus, die den Lungen dieser Patienten auf Intensivstationen entnommen worden waren. Sechs von sieben Intensivpatienten waren Verk\u00e4ufer oder Lieferanten, die auf diesem Markt gearbeitet hatten. Am 21. Dezember ver\u00f6ffentlichte das chinesische Zentrum f\u00fcr Krankheitskontrolle und -pr\u00e4vention einen Bericht \u00fcber eine Gruppe von Patienten mit einer \u201eLungenentz\u00fcndung unbekannter Ursache\u201c.<\/p>\n<p>Da immer mehr Patienten, die mit dem Markt in Verbindung standen, wegen einer schweren, lungenentz\u00fcndlichen Krankheit station\u00e4r aufgenommen wurden, gab der st\u00e4dtische Gesundheitsausschuss von Wuhan am 30. Dezember eine dringende Mitteilung \u00fcber seinen Social-Media-Account weibo.com heraus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde dar\u00fcber informiert, dass es 27 Verdachtsf\u00e4lle gab, sieben davon in kritischem Zustand.<\/p>\n<p>Viele \u00c4rzte gaben diese Informationen im Internet weiter. Einer von ihnen war Dr. Li Wenliang, ein Augenarzt am Zentralkrankenhaus Wuhan, der seine Arztkollegen \u00fcber eine WeChat-Gruppe warnte. Als sein Beitrag \u00f6ffentlich bekannt wurde, kritisierten die Beh\u00f6rden ihn streng wegen \u201eFalschinformationen\u201c, die die \u201egesellschaftliche Ordnung ernstlich gest\u00f6rt\u201c h\u00e4tten, und zwangen ihn, ein Dementi zu unterschreiben. Am 12. Januar zog sich der 33-J\u00e4hrige selbst die Infektion zu, und am 7. Februar starb er.<\/p>\n<p>Am 1. Januar schlossen die chinesischen Beh\u00f6rden den Huanan-Fischmarkt in Wuhan. Am 2. Januar kamen 41 Patienten mit im Labor best\u00e4tigten Infektionen ins Krankenhaus. Sie wurden in das Jinyintan-Krankenhaus in Wuhan verlegt.<\/p>\n<p>Am 3. Januar entschl\u00fcsselten die Wissenschaftler des chinesischen Nationalen Instituts f\u00fcr Viruskrankheiten und -pr\u00e4vention die genetische Sequenz des neuartigen Virus und nannten es 2019-nCoV. Die Gesundheitsbeh\u00f6rden waren alarmiert \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Anstieg gemeldeter F\u00e4lle, von denen viele schwer erkrankten. Es waren bis dahin keine Todesf\u00e4lle gemeldet worden, aber enge Kontakte wurden \u00fcberwacht. \u00dcbrigens alarmierte CDC-Direktor Robert Redfield den amerikanischen Gesundheitsminister Alex Azar noch am selben Tag, nachdem er mit chinesischen \u00c4rzten \u00fcber das Virus gesprochen hatte.<\/p>\n<p>In Hongkong forderte das Infektionszentrum die Stadt dringend auf, mit einer strengen \u00dcberwachung der neuen viralen Lungenentz\u00fcndung zu beginnen, die sich von Mensch zu Mensch ausbreitete. In Singapur wurde das Gesundheitsministerium auf ein dreij\u00e4hriges chinesisches M\u00e4dchen mit Lungenentz\u00fcndung aufmerksam, das aus Wuhan eingereist war. Auf SARS und MERS-CoV wurde das kleine Kind negativ getestet.<\/p>\n<p>Am 7. Januar gingen in China die Beh\u00f6rden hart gegen alle sozialen Medien vor, die Informationen \u00fcber den Ausbruch ver\u00f6ffentlichten. In den USA gab die CDC eine Reisewarnung f\u00fcr Wuhan heraus. In S\u00fcdkorea stellten die Gesundheitsbeh\u00f6rden eine 36-j\u00e4hrige Chinesin unter Quarant\u00e4ne, die aus Wuhan zur\u00fcckgekehrt war und Husten und Fieber hatte. Die Weltgesundheitsorganisation best\u00e4tigte, dass am 9. Januar ein neuartiges Coronavirus isoliert worden war. Auch der erste Todesfall wurde best\u00e4tigt: Es war ein 61-j\u00e4hriger Mann, der auf dem Huanan-Fischmarkt Stammkunde gewesen war. Er wies mehrere Vorerkrankungen, darunter ein chronisches Leberleiden, auf.<\/p>\n<p>Am 13. Januar stellten chinesische Virologen die Genomsequenz des Virus in die Sequenzdatenbank der US-amerikanischen NIH, die GenBank, ein. Thailand meldete den ersten best\u00e4tigten Fall von 2019-nCoV bei einer chinesischen Frau, die am 8. Januar in Bangkok eingetroffen war. Am 15. Januar wurde der zweite Tod in China best\u00e4tigt. Es war ein 69-J\u00e4hriger, der am 31. Dezember erkrankt war.<\/p>\n<p>Die WHO best\u00e4tigte, dass ein Team des Deutschen Zentrums f\u00fcr Infektionsforschung an der Charit\u00e9 in Berlin einen neuen Labortest entwickelt habe, der 2019-nCoV nachweisen kann. Das Testprotokoll wurde ver\u00f6ffentlicht, und Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts f\u00fcr Virologie an der Charit\u00e9, erkl\u00e4rte: \u201eIch gehe davon aus, dass die breite Verf\u00fcgbarkeit des Diagnostiktests nun in kurzer Zeit helfen wird, Verdachtsf\u00e4lle zweifelsfrei aufzukl\u00e4ren und zu bestimmen, ob eine Mensch-zu-Mensch-\u00dcbertragung des neuen Virus m\u00f6glich ist.\u201c Dies sei \u201eein wichtiger Schritt zur Bek\u00e4mpfung des neuen Virus\u201c.<\/p>\n<p>Bis zum 21. Januar wurden in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Chinas insgesamt 291 F\u00e4lle gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt gingen Wissenschaftler des MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis am Londoner Imperial College von mehr als 1.700 Infektionen aus. Die chinesische Regierung begann, Beamte der unteren Ebenen anzuweisen, dass sie die Verbreitung des neuen Coronavirus nicht l\u00e4nger vertuschen sollten. Wie sp\u00e4ter bekanntwurde, hatte Pr\u00e4sident Xi Jinping schon fr\u00fcher als angegeben von dem Ausbruch gewusst. Am selben Tag meldeten amerikanische Beh\u00f6rden im Bundesstaat Washington ihren ersten Fall.<\/p>\n<p>Am 24. Januar wurden importierte F\u00e4lle von Covid-19 in weiteren L\u00e4ndern au\u00dferhalb Chinas bekannt. Der erste best\u00e4tigte Fall einer \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch au\u00dferhalb Chinas trat in Vietnam auf. Nun stellte das chinesische Politb\u00fcro die gesamte Provinz Hubei unter Quarant\u00e4ne, was fast 60 Millionen Menschen betraf.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"399\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/china.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7548\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/china.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/china-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Jinyintan Hospital, eins der ersten Krankenh\u00e4user, die Patienten mit der neuartigen Infektionskrankheit aufnahmen<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Benjamin Mateus von der\u00a0<\/em>WSWS<em>\u00a0hatte Mitte M\u00e4rz die Gelegenheit,\u00a0\u00fcber eine Kontaktperson ein Interview\u00a0mit vier chinesischen \u00c4rzten\u00a0zu f\u00fchren, die von Anfang an\u00a0am Kampf gegen\u00a0die Covid-19-Pandemie in Wuhan beteiligt waren. Um die Anonymit\u00e4t dieser Personen zu gew\u00e4hrleisten, wurden Namen und Orte ge\u00e4ndert.\u00a0Das Gespr\u00e4ch\u00a0wurde\u00a0im Interesse der Klarheit und K\u00fcrze nachtr\u00e4glich\u00a0bearbeitet.<\/em><\/p>\n<p><strong>Benjamin Mateus (BM):<\/strong>\u00a0Guten Morgen und vielen Dank Ihnen allen, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen. Diese sind f\u00fcr die Leser wichtig, damit sie verstehen, was in Wuhan passiert ist, und direkt von Ihnen h\u00f6ren, wie Sie in dieser schlimmen Zeit gearbeitet haben. Aber bevor wir beginnen \u2013 k\u00f6nnten Sie uns kurz erz\u00e4hlen, was Ihre T\u00e4tigkeit ist?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Ich bin An\u00e4sthesist in einem Provinzkrankenhaus in der Provinz Hubei.<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0Ich arbeite in der Notaufnahme. Auch ich arbeite in einem Provinzkrankenhaus, aber in einer anderen Provinz.<\/p>\n<p><strong>Dr. Z:<\/strong>\u00a0Ich danke Ihnen. Ja, ich bin Internistin mit dem Spezialgebiet der Lungenheilkunde. Mein Schwerpunkt w\u00e4hrend des Ausbruchs in Wuhan war es, verd\u00e4chtige Patienten mit Rachenabstrichen zu testen, um das Coronavirus aufzusp\u00fcren. Wir erstellten auch CT-Scans [Computertomographie-Aufnahmen]. Wer positiv getestet wurde oder einen Befund von Lungenentz\u00fcndung hatte, den wiesen wir in das Krankenhaus ein. Wir nannten diesen Bereich den \u201eBeobachtungsraum\u201c.<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Ich bin in der Geburtshilfe und Gyn\u00e4kologie t\u00e4tig, bringe Babys zur Welt und k\u00fcmmere mich um die Gesundheit der Frauen. Dr. Z und ich sind beide aus Wuhan.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. D, wann wurden Sie nach Wuhan berufen?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0D:<\/strong>\u00a0Mein Team und ich wurden am 24. Januar nach Wuhan geschickt, als die Provinz Hubei abgeriegelt wurde. Das war am chinesischen Neujahrstag. Sobald wir den Befehl der Regierung erhielten, machten wir sofort unsere Teams und die medizinische Versorgung startklar. Ich arbeitete in einem Team mit 138 Personen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Wie sind Sie dorthin gekommen?<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0Wir flogen mit einem von der Regierung gecharterten Flug. Nach unserer Ankunft wurden wir in einem nahe gelegenen Hotel untergebracht. Alle medizinischen Mitarbeiter, auch die aus Wuhan, mussten in den daf\u00fcr vorgesehenen Hotels bleiben, obwohl sie in der N\u00e4he des Krankenhauses wohnten. Das Essen war reichlich und nahrhaft. Es wurde von den Einwohnern gespendet.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Warum wurden Sie auf diese Weise abgesondert?<\/p>\n<p><strong>Dr. Z:<\/strong>\u00a0Haupts\u00e4chlich, um unsere Familien zu sch\u00fctzen. Uns war klar, dass es unm\u00f6glich war, mit ihnen zusammenzuleben und sie gleichzeitig zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0K\u00f6nnen Sie dar\u00fcber sprechen, wie die Krankenh\u00e4user versorgt wurden?<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0F\u00fcr die Koordination aller notwendigen Lieferungen war die Regierung verantwortlich. Eine Regierungsstelle koordinierte sie \u00fcber die Zweigstelle der Region, die sie dann \u00fcber die n\u00e4chsten Ebenen bis hinunter zu den Krankenh\u00e4usern verteilte. Daf\u00fcr haben wir ein besonderes Netzwerk eingerichtet.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. D, wo haben Sie gearbeitet?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0D:<\/strong>\u00a0Mein Team wurde einem traditionellen Allgemeinkrankenhaus in Hankou zugeteilt, das w\u00e4hrend des Ausbruchs in ein Krankenhaus f\u00fcr Covid-19-Patienten umgewandelt wurde.<\/p>\n<p>[Die Stadt Wuhan ist ein Zusammenschluss der \u201edrei Wuhan-St\u00e4dte\u201c Hankou, Wuchang und Hanyang. Sie liegt n\u00f6rdlich des Zusammenflusses der Fl\u00fcsse Han und Jangtse.]<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. X, k\u00f6nnen Sie \u00fcber die Zahl der Mitarbeiter des Gesundheitswesens sprechen, die Wuhan unterst\u00fctzt haben?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Als die Abriegelung in Kraft trat und unsere Ressourcen mobilisiert wurden, hatten wir meiner Meinung nach etwa 40.000 Pflegekr\u00e4fte, die unsere Bem\u00fchungen hier in der Provinz Hubei unterst\u00fctzten. Am Anfang war es schwierig. Die Krankenh\u00e4user wurden mit Patienten \u00fcberf\u00fcllt, und wir konnten nicht mehr mithalten. Die Vorr\u00e4te wurden knapp. Aber seither ist es uns gelungen, die Krankenh\u00e4user personell und mit der notwendigen Ausr\u00fcstung auszustatten.<\/p>\n<p><strong>BM:\u00a0<\/strong>Und wie verlief die Arbeit auf den Stationen? Wir haben Bilder von chinesischen \u00c4rzten in voller pers\u00f6nlicher Schutzausr\u00fcstung gesehen.<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Wir mussten schnell lernen, wie wir die Schutzkleidung an- und auszuziehen hatten. [Sie erl\u00e4uterten, dass sie nicht nur Kittel und Haarnetze, sondern eine vollst\u00e4ndige Schutzausr\u00fcstung mit Masken und Gesichtsschild und vier Paar Handschuhen trugen]. Es war sehr schwierig, darin zu arbeiten. Wir arbeiteten im Schichtbetrieb. Die \u00c4rzte hatten eine Sechsstunden-Schicht, w\u00e4hrend die Krankenschwestern in Vierstunden-Schichten arbeiteten. Vor unserer Schicht brauchten wir eine Stunde, um uns komplett in Montur zu bringen, und danach eine weitere Stunde, um sie wieder auszuziehen. Wenn wir Patienten intubierten, benutzten wir zus\u00e4tzlich Atemger\u00e4te.<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0Wir waren anf\u00e4nglich vielleicht mit dem Tragen von Schutzbrillen und der ganzen Schutzausr\u00fcstung \u00fcbereifrig und h\u00e4tten vielleicht nicht das alles gebraucht. Wir trugen drei bis vier Paar Handschuhe \u00fcbereinander. Aber es war schwer zu sagen, ob das notwendig war oder nicht. Jedenfalls gingen wir mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht an die Sache heran.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. Z, ich hatte schon gelesen, dass die chinesischen \u00c4rzte CT-Scans zur Diagnose von Patienten mit Covid-19 verwenden. Warum ist das so?<\/p>\n<p><strong>Dr. Z:<\/strong>\u00a0Wir haben erkannt, dass Patienten mit leichten Symptomen manchmal nach Hause geschickt werden, wo sie dann zusammenbrechen. Wie wir feststellten, kann der CT-Scan einen prognostischen Wert haben. Wenn also ein Patient positiv getestet wird, aber nur leichte Symptome hat, kann er nach Hause gehen, es sei denn, die CT-Untersuchung ergibt Hinweise auf eine Lungenentz\u00fcndung. Wir nehmen diese Patienten dann auf, weil wir festgestellt haben, dass sie sp\u00e4ter manchmal kollabieren.<\/p>\n<p><strong>Dr. D:\u00a0<\/strong>Auch jetzt, da die Epidemie vor\u00fcber ist, bleiben wir wachsam. Vor zwei oder drei Wochen kam ein 72-J\u00e4hriger zu uns, der weder Atembeschwerden noch Fieber hatte \u2013 er hatte nur Schwindel und war m\u00fcde. Der Patient wurde in die neurologische Abteilung eingewiesen. Als sie einen CT-Scan erstellten, zeigte sich, dass die Lungen dieses Patienten alle Merkmale von Covid-19 aufwiesen. Er hatte bereits siebzehn \u00c4rzte und Krankenschwestern angesteckt, und die Abteilung wurde geschlossen. Die CT-Untersuchung hat sich also als wertvoll erwiesen, wenn die Patienten nicht die \u00fcblichen Anzeichen und Symptome aufweisen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Wie kommen Ihre Familien damit zurecht, dass Sie nicht bei ihnen sind?<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Mein Mann arbeitet auf einer Werft in leitender Position. Wir wurden getrennt, damit er sich nicht ansteckt. Aber er engagiert sich auch im Kampf gegen das Virus. Nicht nur medizinisches Personal k\u00e4mpft dagegen, das ganze Land ist beteiligt. Wir vermissen einander, doch es hilft uns, zu wissen, dass sich alle an diesem Kampf beteiligen.<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Mein Sohn ist an der Universit\u00e4t, also wissen wir, dass er in Sicherheit ist. Meine Frau ist ebenfalls \u00c4rztin und wir arbeiten im selben Krankenhaus. Wir wohnen im Hotel, aber in getrennten Zimmern. Die Situation ist hart, aber wir wissen, man kann eine Erkrankung vermeiden, und man kann sie kontrollieren und behandeln, solange wir konsequent und wachsam bleiben.<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0Z:<\/strong>\u00a0Mein Mann ist Arzt und arbeitet ebenfalls in unserem Krankenhaus. Unseren Sohn schickten wir zu den Gro\u00dfeltern, bevor Wuhan abgeriegelt wurde. Wir wussten, dass die Situation sehr ernst werden w\u00fcrde und wir uns nicht um ihn w\u00fcrden k\u00fcmmern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Mit welchen Schwierigkeiten war Wuhan Ihrer Meinung nach beim Kampf gegen die Epidemie konfrontiert?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Als die Epidemie in Wuhan gerade ausgebrochen war, vertuschten die Beh\u00f6rden das Problem. Sie erstatteten den Gesundheitsbeh\u00f6rden und der Regierung keine Meldung. Vertuschen lie\u00df es sich sp\u00e4ter nicht mehr, doch die Zahl der Infektionen stieg stark an. Die medizinische Versorgung litt unter Personal- und Materialmangel.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Starben deshalb in Wuhan so viel mehr Menschen als in anderen Provinzen?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Wir waren in einer schwierigen Situation. Es fehlte an medizinischen Versorgungsmitteln. Doch die Regierung schaffte es, dass jedes Krankenhaus medizinische Ausr\u00fcstung \u2013 Schutzanz\u00fcge, Handschuhe, Masken -, und auch Lebensmittel und anderes mehr erhielt. Wir bauten sogar zwei Krankenh\u00e4user innerhalb von zwei Wochen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Hat einer von Ihnen dort gearbeitet? Das war ja eine unglaubliche Leistung.<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0W:<\/strong>\u00a0Nein.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0In Europa und in den Vereinigten Staaten erleben die Krankenh\u00e4user gerade einen Ansturm von Patienten. Wie haben Sie die Vielzahl von Infizierten bew\u00e4ltigt?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0X:<\/strong>\u00a0In meinem Krankenhaus hatten wir 3.000 Zimmer f\u00fcr station\u00e4re Patienten. Wir entschieden uns, Patienten mit Covid-19 gemeinsam unterzubringen, w\u00e4hrend wir Patienten mit Verdacht auf Covid-19 auf Einzelzimmer legten. So erh\u00f6hten wir die Kapazit\u00e4t. Aber man muss tun, was notwendig ist. Die Zusammenlegung von Covid-19-Patienten half diesen im Umgang mit der Krankheit, weil sie sich Gesellschaft leisteten. Von ihren Familien durften sie nicht besucht werden.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. W, haben sie erlebt, dass es schwangeren Covid-19-Patienten schlechter geht, oder dass sie st\u00e4rker von Komplikationen betroffen sind?<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Wir haben keine besonderen Risiken f\u00fcr Schwangere gegen\u00fcber nichtschwangeren Frauen festgestellt. Wir behandelten ihre Schwangerschaft wie sonst auch, aber ihre Familien d\u00fcrfen nicht bei ihnen sein.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Schwangere Frauen kamen also gut mit der Erkrankung zurecht?<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Im Wesentlichen ja. Wir entschieden uns allerdings eher schneller f\u00fcr einen Kaiserschnitt, um der Schwangeren die k\u00f6rperliche Anstrengung und das Hecheln w\u00e4hrend der Wehen zu ersparen.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Wie gingen Sie mit den Neugeborenen um?<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Sie wurden im S\u00e4uglingszimmer mit Unterdruck behandelt, isoliert und blieben zwei Wochen lang unter Quarant\u00e4ne. Die M\u00fctter blieben zwei weitere Wochen unter Quarant\u00e4ne, nachdem sie symptomfrei waren und ein Nukleins\u00e4uretest negativ war. Wenn der Test bei Mutter und Baby negativ ausfiel, konnte das Baby bei der Mutter bleiben und gestillt werden.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Welchen Teil Ihrer Arbeit empfanden Sie als gr\u00f6\u00dfte Herausforderung?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0Ich arbeitete im regionalen Aufnahmezentrum ICU. Zu uns kamen alle ernsthaft Erkrankten. Die Patienten wertsch\u00e4tzten unsere Bem\u00fchungen und sie wussten, dass wir alle unser Bestes gaben. Man sah ihnen an, dass sie Angst hatten. Manchmal f\u00fchlt man sich so hilflos, und das war schmerzhaft.<\/p>\n<p>Ich hatte einen Patienten in seinen F\u00fcnfzigern. Er hatte seine Eltern durch Covid-19 verloren. Obwohl er intubiert werden musste, richtete er seinen Daumen immer nach oben. Er versuchte immer positiv zu bleiben. Doch es ging ihm nicht besser, und da wusste ich, dass er sich nicht mehr erholen w\u00fcrde. Drei Wochen darauf verstarb er an Lungenversagen. Ich wei\u00df nicht, warum mir sein Tod so naheging. Ich war wie am Boden zerst\u00f6rt. Ich ging in mein Hotelzimmer zur\u00fcck, wo ich isoliert war. Meine Frau war im Zimmer nebenan. Wir sa\u00dfen beide an der Wand und sprachen miteinander. Ich werde diese Nacht nie vergessen.<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0Wenn wir uns ausruhten, f\u00fchlten wir uns hinterher nie wirklich erholt. Es ist schwer zu erkl\u00e4ren. Es war nicht Benommenheit oder Fassungslosigkeit. Vielleicht ein Gef\u00fchl von Schmerz oder Furcht. Mich besch\u00e4ftigte immer nur, wie ich diese Patienten retten k\u00f6nnte \u2013 ich studierte die Fachliteratur, Behandlungsrichtlinien, las Artikel, f\u00fchrte Diskussionen und nahm an Meetings teil.<\/p>\n<p>Wenn ein Patient am Beatmungsger\u00e4t ist und man sieht, dass der Sauerstoffgehalt in seinem Blut langsam sinkt, dann wei\u00df man, dass man nichts mehr tun kann. Sie langsam sterben zu sehen, ist sehr schmerzhaft. Man f\u00fchlt sich so hilflos.<\/p>\n<p>Ich glaube, an dem Krankenhaus, in dem ich arbeitete, starben allein im Februar 129 Patienten, 38 davon auf meiner Station. Als die Ausbreitung des Virus am st\u00e4rksten war, sah ich, dass vier Leichen \u00fcber 24 Stunden auf der Station verblieben, weil die Leichenhalle voll war und es an Personal mangelte. Das \u00fcberw\u00e4ltigte mich so sehr, dass ich am ganzen K\u00f6rper Furcht versp\u00fcrte. Ich empfand, dass die ganze Welt krank sei, einfach krank.<\/p>\n<p>Viele meiner Kollegen berichteten mir, dass sie nicht schlafen konnten. Viele entwickelten gro\u00dfe \u00c4ngste, als sie auf die Station kamen. Sie zitterten, wenn sie medizinische Abf\u00e4lle entsorgen mussten. Ich versuchte sie zu tr\u00f6sten, mit ihnen zu arbeiten, sie zu beruhigen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Z:<\/strong>\u00a0ich erinnere mich, ein Patient war gestorben, und ich nahm all meinen Mut zusammen, um die Familie zu benachrichtigen. Ich rief an, und als der Mann den H\u00f6rer abhob, sagte er gleich: \u201eEs geht um meinen Vater?\u201c Ich bejahte. \u201eDanke\u201c, sagte er, \u201eich werde in etwa einer Stunde da sein. Ich muss mich gerade noch um einen Patienten k\u00fcmmern.\u201c Es ist ein Kollege von mir. Er erz\u00e4hlte mir, dass seine Mutter einen Tag zuvor gestorben war und seine beiden Br\u00fcder die Woche zuvor. Er kam, unterschrieb die Papiere und ging. Ich rief ihm noch hinterher, er drehte sich um und sagte: \u201eDanke. Tsch\u00fcss\u201c, und ging.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0K\u00f6nnen Sie \u00fcber Dr. Li Wenliang sprechen? Er starb am 7. Februar an Covid-19. Im Dezember warnte er auf den sozialen Medien seine Kollegen vor dem Ausbruch des Virus. Daf\u00fcr wurde er scharf kritisiert. Wie denken Sie dar\u00fcber?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0W:<\/strong>\u00a0Ich kannte ihn und hatte mit ihm gesprochen. Sein Tod schockiert mich. Er war so jung. Seine Frau war schwanger, als er starb. Es ist schwer, dar\u00fcber zu sprechen. Es h\u00e4tte jeden treffen k\u00f6nnen. Aber dabei geht es um Politik \u2026 Und seine Familie konnte nicht bei ihm sein. Man steckte seinen K\u00f6rper in einen Sack und \u00fcbergab diesen einem Beerdigungsinstitut.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Ich las, die Kommunistische Partei habe die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckgenommen und seiner Familie eine \u201efeierliche Entschuldigung\u201c angeboten.<\/p>\n<p><strong>Dr. W:<\/strong>\u00a0Es geht doch nicht darum, dass sie ihn rehabilitiert haben. Die Kommunistische Partei Chinas \u2013 ich hasse es einfach, \u00fcber sie zu sprechen. Zu viele sinnlose Opfer. Zu viele Leben sinnlos verloren. Vier \u00c4rzte sind in ihrem eigenen Krankenhaus an Covid gestorben, zwei von derselben Abteilung, Ophthalmologie [Augenheilkunde]. Dann gibt es noch zwei \u00c4rzte, die immer noch beatmet werden, seit zwei Monaten. Man traut sich nicht, sie sterben zu lassen, weil die \u00d6ffentlichkeit das nicht verzeihen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Dr. D, wie viele medizinische Helfer kamen nach Wuhan, und wie viele haben sich infiziert?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0D:<\/strong>\u00a0Als mein Team eingetroffen war, hatten wir in der Provinz Hubei etwa 40.000 medizinische Helfer. Ich glaube, etwa 3.000 haben sich angesteckt, die meisten in der Anfangsphase der Bek\u00e4mpfung des Virus. Wir hatten noch keine strikten Infektionskontrollen, und es fehlte uns das medizinische Material.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Hat sich jemand aus Ihrem Team angesteckt?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0X:<\/strong>\u00a0Wir waren fast von Beginn an, Anfang Januar, im Einsatz. Von meinem Team infizierten sich vier, doch nur einer musste intubiert werden. Alle sind wieder gesund geworden.<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0D:<\/strong>\u00a0Von unseren 138 Pflegekr\u00e4ften hat sich keiner infiziert.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Was haben Sie von diesem Ausbruch gelernt? Was funktionierte gut, was nicht?<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0X:<\/strong>\u00a0Wichtig war eine fr\u00fche Diagnose. Wir isolierten die Patienten schnell und begannen sofort mit der Behandlung. Vor allem aber kam es darauf an, das medizinische Personal zu sch\u00fctzen. In unserer virologischen Einrichtung arbeiten etwa 200 Leute, und wir haben keine Infizierten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung war es wichtig, Masken zu tragen und die H\u00e4nde sorgf\u00e4ltig zu waschen, um Ansteckungen zu reduzieren, das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr das medizinische Personal. Wir lernten auch schnell, Schutzkleidung richtig zu benutzen. Das Durchl\u00fcften von Patientenzimmern stellte sich auch als hilfreich heraus, um Infektionen einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0Z:<\/strong>\u00a0Wir unterbrachen sofort alle klinischen Austauschprogramme f\u00fcr Medizinstudenten. Wir wiesen die Einwohner wiederholt darauf hin, pers\u00f6nliche Schutzma\u00dfnahmen strikt zu befolgen. Statt des Aufzugs nahmen wir die Treppe. Wir verbrachten so wenig Zeit wie m\u00f6glich in geschlossenen R\u00e4umen. F\u00fcr drau\u00dfen hatten wir einen Satz Kleidung, Schuhe und Kopfbedeckung. Wir spr\u00fchten unseren ganzen K\u00f6rper mit medizinischem Alkohol ein, bevor wir auf unsere Zimmer gingen, wo wir uns sofort duschten. Wir trugen unser Haar sehr kurz.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Gab es auch Behandlungsmethoden, die Sie als unwirksam erkannten? In den USA und Europa benutzen die Menschen Chloroquin, weil sie geh\u00f6rt haben, es k\u00f6nnte gegen die Infektion helfen.<\/p>\n<p><strong>Dr.\u00a0X:<\/strong>\u00a0Wir verwendeten Arbidol (Umifenovir \u2013 ein Antiviren-Medikament gegen Influenza, das in Russland und China verwendet wird). Es half \u00fcberhaupt nicht und f\u00fchrte auch zu Lebersch\u00e4den. Wir verabreichten auch Lopinavir (ein Protease-Inhibitor zur Behandlung von HIV), aber das verursachte auch Lebersch\u00e4den und rief bei den Patienten Ekel und Erbrechen hervor. Auch hier kein Erfolg. Virazole (auch bekannt als Ribavirin zur Behandlung von Infektionen durch das Respiratory-Syncytial-Virus) hatte keine sichtbaren Nebenwirkungen, aber auch keinen Nutzen. Auch Steroide schienen keinerlei Nutzen zu bringen, haben aber m\u00f6glicherweise die Immunit\u00e4t von Patienten herabgesetzt.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Was sind Ihre klinischen Erfahrungen mit dieser Infektion? Das Alter der Patienten, wie lange es dauerte, bis die Krankheit ausbrach, wie t\u00f6dlich war die Infektion?<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0F\u00fcr alte Leute ist es verheerend. Sie kommen nicht gut mit der Krankheit zurecht. Aber jedes Alter ist betroffen. Wenn eine Person in Ber\u00fchrung mit dem Virus kommt, dauert es in der Regel einige Tage oder eine Woche, bis sie Symptome entwickelt.<\/p>\n<p>Patienten mit geringf\u00fcgigen Symptomen wurden zu Hause isoliert, und Pflegekr\u00e4fte kamen regelm\u00e4\u00dfig zur Kontrolle. Nach ein oder zwei Wochen ging es ihnen entweder besser, oder sie stellten sich im Krankenhaus vor und wurden aufgenommen. Etwa 80 Prozent der Patienten, die intubiert werden mussten, starben, meistens am f\u00fcnften Tag nach der Krankenhauseinweisung. Manchmal hielten sie auch l\u00e4nger durch, aber die Chance auf Genesung sank.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Zum Abschluss w\u00fcrde ich gerne Ihre Meinung zur globalen Reaktion auf diese Pandemie h\u00f6ren. Was m\u00f6chten Sie dem Rest der Welt gerne sagen \u2013 Europa, den Vereinigten Staaten, Afrika und Lateinamerika?<\/p>\n<p><strong>Dr. D:<\/strong>\u00a0Jede Regierung muss dieser Pandemie ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Schickt Material und Pflegekr\u00e4fte dahin, wo der Bedarf am gr\u00f6\u00dften ist. Riegelt die St\u00e4dte, und sogar den l\u00e4ndlichen Raum fr\u00fchzeitig ab. Isoliert gef\u00e4hrdete Personen fr\u00fchzeitig.<\/p>\n<p><strong>Dr. Z:<\/strong>\u00a0Wichtig ist, dass wir zusammenarbeiten. Nach diesem gro\u00dfen Desaster und Versorgungsengp\u00e4ssen schickte China 300 Pflegekr\u00e4fte und Versorgungsg\u00fcter nach Italien, um zu helfen.<\/p>\n<p><strong>Dr. X:<\/strong>\u00a0In unterentwickelten L\u00e4ndern m\u00fcssen die Regierungen ihre Ressourcen so effizient als m\u00f6glich einsetzen. Sie m\u00fcssen Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Bev\u00f6lkerung ergreifen. Wenn das bedeutet, St\u00e4dte oder auch ein Land abzuriegeln, dann m\u00fcssen sie es so fr\u00fchzeitig als m\u00f6glich tun. Sie m\u00fcssen die Bev\u00f6lkerung aufkl\u00e4ren \u2013 H\u00e4nde waschen, das Haus durchl\u00fcften. Sch\u00fctzt das medizinische Personal.<\/p>\n<p>Wir haben im Anfangsstadium zu wenig getan.<\/p>\n<p><strong>BM:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte Ihnen allen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch danken. Vielen Dank f\u00fcr Ihre Arbeit. Bitte bleiben Sie gesund.<\/p>\n<p>Am 18. M\u00e4rz 2020 gaben die chinesischen Beh\u00f6rden bekannt, es gebe keine Neuinfektionen mehr. Das war ein Meilenstein in einer Pandemie, die inzwischen mehr als 200 L\u00e4nder erreicht hat, mit weit \u00fcber einer Million Infizierten und fast 80.000 Toten. Der Kampf gegen die Pandemie wird in den neuen Epizentren Europa und USA gef\u00fchrt. China konnte die Zahl der Infizierten bei rund 82.000 halten; \u00fcber 77.000 Menschen sind genesen, es gab 3.335 Tote. Gegenw\u00e4rtig sind unter 2.000 Menschen akut erkrankt.<\/p>\n<p>Am 25. M\u00e4rz endete die strikte Abriegelung Hubeis, als die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde bekanntgab, sie w\u00fcrde die Reisebeschr\u00e4nkungen lockern. \u00d6rtliche Beh\u00f6rden bestehen aber weiterhin auf dem Reiseverbot. Trotz der Bem\u00fchungen Pekings, die Menschen zur\u00fcck an die Arbeit zu bringen, gibt es weitverbreitet Bedenken und Zweifel \u00fcber die Versicherung der Regierung, die Epidemie sei unter Kontrolle. Am 28. M\u00e4rz errichtete die Polizei in der Stadt Jiujiang eine Stra\u00dfensperre, um Migranten aufzuhalten, die von Hubei kamen. Es kam zu Gewalt. Aufnahmen zeigen, dass Polizisten aus Jiujiang und Huangmei aufeinander losgingen, und dass Hunderte von Menschen die Polizei angriffen.<\/p>\n<p>Die Provinz Henan in Zentralchina, n\u00f6rdlich von Hubei gelegen, sperrte den Bezirk Jia am 31. M\u00e4rz ab, betroffen davon sind 600.000 Menschen. Alle Gesch\u00e4fte wurden geschlossen, au\u00dfer lebenswichtigen Versorgungsunternehmen, Unternehmen f\u00fcr medizinischen Bedarf und Logistik. Die Ma\u00dfnahme wurde ergriffen nach einer Meldung \u00fcber drei Neuinfektionen am Sonntag. Ein Arzt namens Lia war zuvor am Samstag positiv getestet worden, wie auch zwei seiner Kollegen, die er angesteckt hatte.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/08\/wuha-a08.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Mateus. Vor einigen Wochen war der in Hongkong erscheinenden\u00a0South China Morning Post\u00a0zu entnehmen, dass sich am 17. November 2019 ein 55-j\u00e4hriger Mann vermutlich mit einem neuartigen Coronavirus infiziert habe. 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