{"id":7559,"date":"2020-04-09T08:31:25","date_gmt":"2020-04-09T06:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7559"},"modified":"2020-04-09T08:31:26","modified_gmt":"2020-04-09T06:31:26","slug":"schweizer-gesundheitswesen-ein-opfer-der-oekonomisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7559","title":{"rendered":"Schweizer Gesundheitswesen: Ein Opfer der \u00d6konomisierung"},"content":{"rendered":"<p><em>BFS\/MPS. <\/em><strong>Einer der Gr\u00fcnde, warum das Corona-Virus f\u00fcr die Menschen so gef\u00e4hrlich ist und die Welt auf den Kopf stellt, ist weil es in allen L\u00e4ndern auf teilprivatisierte, kaputtgesparte oder nicht vorhandene Gesundheitswesen trifft. Auch<!--more--> in der Schweiz wurde das\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-im-gesundheitswesen-war-schon-vor-corona-notstand\/\"><strong>Gesundheitswesens<\/strong><\/a><strong>\u00a0seit den 1990er systematisch an neoliberale, marktwirtschaftliche Prinzipien angepasst. Der folgende Artikel wurde noch vor der Corona-Krise geschrieben. Er geht dem Prozess der \u00d6konomisierung auf den Grund, analysiert deren Mechanismen, benennt die Schuldigen, kritisiert die unsozialen Auswirkungen und macht Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein Gesundheitssystem, das sich an der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung und nicht am Profit der Krankenkassen und der Gesundheitsindustrie orientiert.<\/strong><\/p>\n<p>Gesundheit ist ein soziales und politisches Thema von besonderer Bedeutung, und zwar aufgrund des Aufeinandertreffens von drei Dynamiken:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Gesundheit als Menschenrecht:<\/strong>Das\u00a0<em>\u201eRecht auf das erreichbare H\u00f6chstmass an Gesundheit\u201c\u00a0<\/em>stellt ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkanntes Grundrecht jedes Menschen dar. Dieses Recht best\u00e4tigt die Erfahrung, dass die Gesundheit in der Tat eines der wertvollsten G\u00fcter der Menschen ist \u2013 eine Erfahrung, die im \u00dcbrigen am h\u00e4ufigsten dann gemacht wird, wenn die Gesundheit zu schwinden anf\u00e4ngt. Die Umsetzung dieses Rechts ist mit der Verf\u00fcgbarkeit und dem Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sowie anderen sozialen Grundrechten, wie \u2013 in den Worten der WHO \u2013 dem\u00a0<em>\u201eRecht auf Nahrung, Unterkunft, Arbeit [ohne Gesundheitsgef\u00e4hrdung], Bildung, Nicht-Diskriminierung, Zugang zu Information und Teilhabe\u201c,\u00a0<\/em>verkn\u00fcpft. Die Gesundheit ist also untrennbar mit den Haupt-Interessenskonflikten in unserer Gesellschaft und den durch sie ausgedr\u00fcckten emanzipatorischen Bestrebungen verbunden.\u00a0<\/li>\n<li><strong> Gesundheitswesen als Investitionsfeld<\/strong>: Der Gesundheitssektor hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem bedeutenden Investitionsfeld f\u00fcr das Kapital entwickelt. Zu den historischen Sektoren der Pharma oder der medizinischen Ger\u00e4te und Prothesen kamen in der Schweiz im Laufe der Zeit Dienstleistungsketten (Spit\u00e4ler, Hauspflegedienste, Altersheime), der Freizeit- und der \u201eSektor des Wohlbefindens\u201c (Fitness, Wellness etc.), die Informatik und, nicht zu vergessen, die Finanz- und Versicherungsaktivit\u00e4ten hinzu. Daraus folgt, dass die wachsenden Anteile dieser Aktivit\u00e4ten priorit\u00e4r gem\u00e4ss den spezifischen Anforderungen der Aufwertung des Kapitals (rentable Gestaltung etc.) organisiert und entwickelt werden. Dabei werden die Bed\u00fcrfnisse, die sich aus dem Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung ergeben, untergeordnet und neu definiert.\u00a0<\/li>\n<li><strong> Wachstum des Gesundheitswesen<\/strong>s: Die Gesundheitsdienste sind zu einem der wichtigsten und am st\u00e4rksten wachsenden Aktivit\u00e4tsbereiche geworden. In der Schweiz finden sich heute fast 11% der Arbeitspl\u00e4tze (Vollzeit\u00e4quivalente) im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen. Dieser Anteil lag im Jahr 1991 bei weniger als 7%. Wenn man die Industrie (Pharma, medizinische Ger\u00e4te) und den Handel (Apotheken) ber\u00fccksichtigt, so ist der Anteil der gesundheitsbezogenen Arbeitspl\u00e4tze noch h\u00f6her. F\u00fcr eine Mehrheit der im Gesundheitswesen besch\u00e4ftigten Personen bedeutet ihre Arbeit ein tagt\u00e4gliches Experimentieren mit den Widerspr\u00fcchen zwischen den Weisungen als Untergebene eines gewinnorientierten Unternehmens und ihrem beruflichen Ideal, das auf eine bestm\u00f6gliche Behandlung und Pflege jeder Person aufbaut.\u00a0<\/li>\n<\/ol>\n<p>Seit dem\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2016\/schweiz-das-gesundheitssystem-20-jahre-nach-der-einfuehrung-des-kvg\/\">Inkrafttreten des Krankenversicherungsgesetzes (KVG)<\/a>\u00a0im Jahr 1996 ist der Gesundheitsbereich ein Gebiet, in dem sich ein B\u00fcndel von Gegenreformen entfaltet. Diese ver\u00e4ndern von Grund auf die Gesundheitsdienste und ihre Finanzierung, den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und die Vorstellungen der Bev\u00f6lkerung \u00fcber ihre Rechte in diesem Bereich, die \u00f6ffentliche und individuelle Vorstellung von Gesundheit sowie die Arbeitserfahrungen von Gesundheitsfachleuten und ihre Auffassung dieser Arbeit.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"894\" height=\"485\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Gesund.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7560\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Gesund.png 894w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Gesund-300x163.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Gesund-768x417.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 894px) 100vw, 894px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Kr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>Zu dieser Dynamik tragen mehrere Kr\u00e4fte bei, die teils konvergierend, teils voneinander unabh\u00e4ngig oder teilweise gar widerspr\u00fcchlich sind:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Angriff auf die Sozialversicherungen:<\/strong>Die Schweizer Bourgeoisie zielt historisch auf die Abschaffung der Sozialversicherung ab, d.h. des sozialen Lohnes, der einen minimalen Umverteilungsmechanismus beinhaltet. Sie haben s\u00e4mtliche Pl\u00e4ne f\u00fcr die Umsetzung einer sozialen Krankenversicherung blockiert. Das KVG ist ein monstr\u00f6ses Gebilde, das Folgendes kombiniert:\u00a0<\/li>\n<li>a) die Versicherungspflicht<\/li>\n<li>b) die Pro-Kopf-Pr\u00e4mien, die zwar nicht direkt risikogebunden sind, aber eine fast unendliche Anzahl von Konstellationen erm\u00f6glichen (gew\u00e4hlte Versicherung, H\u00f6he der Franchise, \u201eHausarzt\u201c-Modelle und andere Modelle, usw.)<\/li>\n<li>c) einen Rekord-Selbstbehalt innerhalb der OECD-L\u00e4nder<\/li>\n<li>d) ein extrem komplexes und intransparentes System zur \u201eUnterst\u00fctzung\u201c der \u201eBed\u00fcrftigsten\u201c, indem ein Teil ihrer Pr\u00e4mien mit Steuern gezahlt wird (die sogenannte \u201ePr\u00e4mienverbilligung\u201c).\u00a0<\/li>\n<\/ol>\n<p>Daraus resultiert:\u00a0<\/p>\n<p>\u2013 eine finanzielle Belastung, die f\u00fcr einen bedeutenden Teil der Bev\u00f6lkerung immer schwieriger zu bew\u00e4ltigen ist<\/p>\n<p>\u2013 eine fast unendliche Anzahl unterschiedlicher Situationen, in der sich die Versicherten befinden, was es \u2013 wie im Fall der 2. S\u00e4ule (Pensionskassen) \u2013 erschwert, die Unzufriedenheit in einer gemeinsamen Forderung zusammenzuf\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Neoliberale Politik der leeren Kassen:\u00a0<\/strong>Die Schweizer Bourgeoisie verfolgt seit mehreren Jahrzehnten mit derselben Gewissenhaftigkeit ihre mit den obigen Bestrebungen verkn\u00fcpfte Politik der Steuerbefreiung des Kapitals und der hohen Einkommen sowie der Senkung der f\u00fcr ihre Interessen nicht priorit\u00e4ren \u00f6ffentlichen Ausgaben. Der sogenannte \u201eSteuerwettbewerb\u201c wird dazu genutzt, diese Politik der Bev\u00f6lkerung als unabwendbar aufzuzwingen. Dies f\u00fchrt zu einem zus\u00e4tzlichen finanziellen Druck zur \u201eD\u00e4mpfung der Gesundheitskosten\u201c<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftn1\">[1]<\/a>, der sich insbesondere auf die Spit\u00e4ler, die Hauspflegedienste und die Pr\u00e4mienverbilligungen auswirkt.\u00a0<\/li>\n<li><strong> Privatisierung:<\/strong>Die wichtigen kapitalistischen Sektoren m\u00f6chten ihren Spielraum \u2013 und ihre Gewinnspanne \u2013 im Gesundheitsmarkt behalten (Pharmaindustrie, Industrie f\u00fcr medizinische Ger\u00e4te) oder ihren Marktanteil ausweiten (Privatkliniken, private medizinische Ketten, Apothekenketten, Altersresidenzen- oder Hauspflegeketten), indem sie die \u00f6ffentlichen Tr\u00e4ger zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Diese Sektoren agieren in Abstimmung mit ihren politischen Vermittler*innen, um den rechtlichen Rahmen und die Politik der \u00f6ffentlichen Hand zu gestalten. F\u00fcr sie ist der Anstieg der Gesundheitskosten\u00a0<em>ihr\u00a0<\/em>gutes Gesch\u00e4ft.<\/li>\n<li><strong> Ausbau der Macht des (Gesundheits-)Kapitals:<\/strong>Die in der Krankenversicherung aktiven Finanzgruppen sind st\u00e4ndig bestrebt, ihre Schl\u00fcsselposition im Gesundheitswesen zu st\u00e4rken. Das bedeutet:\u00a0<\/li>\n<li>a) Niederschlagung jeder Aussicht auf eine Einheitskasse (mit oder ohne soziale Finanzierung) \u2013 welche sie ihrer Rolle und Macht berauben w\u00fcrde<\/li>\n<li>b) St\u00e4rkung ihrer Position als zentrale Akteurin im Gesundheitssystem, durch die Ausweitung ihrer Kontrolle der Finanzierung (Kampf f\u00fcr eine einheitliche Finanzierung des Spitalwesens und der ambulanten Behandlung) und der Leistungserbringenden (Rechnungskontrolle, Managed Care<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftn2\">[2]<\/a>, Aufhebung des Vertragszwangs usw.)<\/li>\n<li>c) Ausbau des gewinntr\u00e4chtigen Sektors der Privatversicherungen und hierf\u00fcr Aneignung von immer detaillierterem Wissen \u00fcber die Versicherten, das ihnen eine feinabgestimmte und gewinntr\u00e4chtige Gliederung ihrer Kund*innen erm\u00f6glicht.\u00a0<\/li>\n<li><strong> Individualisierung der Verantwortung:<\/strong>Es werden best\u00e4ndig ideologische und praktische, konvergierende Kampagnen zum doppelten Thema der Eigenverantwortung (in Bezug auf Gesundheit) und der Wahlfreiheit (wer einen behandelt) gef\u00fchrt.\u00a0<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Kampagnen finden Widerhall im\u00a0<em>Kult des Ich\u00a0<\/em>(und dessen Pseudo-Beherrschung), einem Nebenprodukt der Figur des Konsumenten bzw. der Konsumentin, der heute durch die neuen technologischen Instrumente verst\u00e4rkt wird (Gesundheits-Apps).\u00a0<\/p>\n<p>Sie dienen unmittelbaren praktischen Zielen, wie einer wachsenden Kostenbeteiligung der Versicherten (\u201eVerantwortung\u201c) oder dem Aufbau eines Spitalmarkts, in dem die Privatkliniken sich ohne Einschr\u00e4nkungen entwickeln k\u00f6nnen (\u201efreie Wahl\u201c).\u00a0<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlicher noch tragen diese Kampagnen dazu bei, eine Perspektive zu schaffen, bei der eine gesundheitsbezogene, individuelle Pseudo-Verantwortung bzw. das reale Erzeugen von individuellen Schuldgef\u00fchlen (mit der daraus resultierenden Legitimierung einer differenzierten Behandlung, je nach dem entsprechenden \u201eVerdienst\u201c) mit der v\u00f6lligen Ignoranz der sozialen Determinanten der Gesundheit (wie der Arbeit) kombiniert wird. Dies obwohl Letztere von grundlegender Bedeutung sind. Das f\u00fchrt u.a. zu einer immer gr\u00f6sseren sozialen Ungleichheit im Gesundheitswesen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hebel<\/strong><\/p>\n<p>Derzeit konvergieren diese verschiedenen Bestrebungen und Projekte in der Verst\u00e4rkung von zwei Hebeln, welche dem Gesundheitssektor tiefgreifende Ver\u00e4nderungen aufzwingen sollen:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Krankenkassenpr\u00e4mien als Druckmittel:<\/strong>Die Erh\u00f6hung der gesundheitsbezogenen finanziellen Belastung. In erster Linie sollen die Krankenkassenpr\u00e4mien, die f\u00fcr einen grossen Teil der Bev\u00f6lkerung immer weniger tragbar sind, weiter steigen. Dadurch wird der derzeitige Zustand immer weniger ertr\u00e4glich und ist somit ein entscheidendes Druckmittel zum Aufzwingen von Ver\u00e4nderungen, die sonst kaum eine Chance h\u00e4tten.\u00a0<\/li>\n<li><strong>Marktmechanismen zur vermeindlichen Kostensenkung:<\/strong>Die Verbreitung von Marktmechanismen in den Gesundheitsdiensten. Sie werden als Wundermittel zur \u201eD\u00e4mpfung\u201c der Kosten pr\u00e4sentiert, bei gleichzeitiger Ausweitung der Freiheit der Patient*innen\/Konsument*innen. In Wirklichkeit dienen sie dazu, die Gesundheitsdienste so umzugestalten, dass neue rentable Investitionsfelder f\u00fcr private Investor*innen entstehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Auswirkungen<\/strong><\/p>\n<p>In der derzeitigen Phase k\u00f6nnen folgende Hauptauswirkungen unterschieden werden:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Angriffe auf die Grundversicherung:\u00a0<\/strong>Die durch die Explosion der Krankenkassenpr\u00e4mien erzeugte Sackgasse verleitet zu einer Infragestellung der Deckung verschiedener Behandlungen. Es zeichnet sich ab, dass die Grundversicherung \u2013 auf welche Weise auch immer \u2013 keinen relativ vollst\u00e4ndigen Behandlungskatalog mehr abdecken wird. Zudem wird der Teil, der von freiwilligen Versicherungen oder Direktzahlungen \u2013 also der Finanzkraft der Personen \u2013 abh\u00e4ngt, ansteigen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Verbreitung von hohen Franchisen, Versicherungen, die ein bestimmtes Verfahren f\u00fcr die Senkung der Beitr\u00e4ge vorschreiben (Hausarzt, Telemedizin, Apotheke usw.) bedeutet bereits heute, dass f\u00fcr einen grossen Teil der Bev\u00f6lkerung der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen teilweise an Bedingungen gekn\u00fcpft ist. Das von den Versicherungen gepushte Managed-Care-System w\u00e4re ein zus\u00e4tzlicher Schritt in diese Richtung. Der Vorschlag der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der CSS von Jahresfranchisen in der H\u00f6he von 10\u2019000 Franken zeichnet die Fluchtlinie vor, weil sie einem Herausfallen fast aller g\u00e4ngigen Behandlungen aus der Deckung der Krankenversicherung entspricht. So entsteht zunehmend eine Stimmung, in der der finanzkraftunabh\u00e4ngige Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen nicht mehr als selbstverst\u00e4ndlich erachtet wird.\u00a0<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des letzten\u00a0<em>Gesundheitsmonitors\u00a0<\/em>(im Auftrag der Interpharma, ver\u00f6ffentlicht am 19. Juni 2018) spiegeln die diesbez\u00fcgliche Beunruhigung wieder: Das Festhalten am Status quo in Bezug auf den Zugang zu den Leistungen w\u00e4chst, w\u00e4hrend sich gleichzeitig ein Fatalismus in Bezug auf die Erh\u00f6hung der Gesundheitskosten und der Krankenkassenpr\u00e4mien zeigt.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Spit\u00e4ler im Zentrum der Gegenreformen:\u00a0<\/strong>Die Spit\u00e4ler, die das Zentrum des Gesundheitssystems bilden, stehen auch im Zentrum der Gegenreformen. Deren neue Finanzierung beginnt ihre volle Wirkung zu entfalten:\u00a0<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u2013 Der Unterschied zwischen \u00f6ffentlich und privat wird durch das Gesetz de facto ausgehebelt und der \u2013 immer erbittertere \u2013 Wettbewerb ist f\u00fcr die Gewinnung rentabler Patient*innen\/Kund*innen zur Regel geworden.\u00a0<\/p>\n<p>\u2013 Die Institutionen sind einem immer gr\u00f6sseren Finanzdruck unterworfen. Dieser ergibt sich v.a. aus: a) der K\u00fcrzung der R\u00fcckerstattungen; b) dem Bestreben der Kantone, ihre Finanzierung von gemeinn\u00fctzigen Leistungen zu reduzieren; c) der Notwendigkeit, neue Investitionen zu finanzieren; d) dem erzwungenen Transfer in Richtung ambulante Leistungen, der zu Investitionen zwingt, bei gleichzeitiger Reduktion der Einnahmen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Spit\u00e4ler reagieren auf diesen finanziellen Druck mittels:<\/p>\n<p>\u2013 einer Beschleunigung der Industrialisierung und der \u201eBehandlungskette\u201c<\/p>\n<p>\u2013 einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen des Personals (Druck auf die L\u00f6hne und Arbeitsstunden, Erh\u00f6hung der Arbeitsbelastung, die die angestrebte und angebrachte Pflege verunm\u00f6glicht, was eine moralische Belastung darstellt usw.)<\/p>\n<p>\u2013 einer Konzentration auf gr\u00f6ssere Strukturen mit Schliessung von kleineren Strukturen (das Fusionsprojekt der Spit\u00e4ler von Basel-Stadt und Basel-Land ist ein Beispiel hierf\u00fcr),<\/p>\n<p>\u2013 aber auch durch neue Investitionen. Einerseits zur Erneuerung ihrer technischen Ausstattung und\/oder ihrer Hotellerie, um so \u201eattraktiver\u201c zu sein. Andererseits f\u00fcr die Vertikalisierung ihrer Kontrolle von Behandlungsabl\u00e4ufen, durch den Einstieg in die ambulante Medizin (so baut z.B. in Luzern das Kantonsspital ein Ambulanzzentrum, das von Migros\/Medbase (!) betrieben wird, in Konkurrenz zu den ans\u00e4ssigen, unabh\u00e4ngigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten, um sein \u201eRekrutierungspotenzial\u201c besser zu kontrollieren).<\/p>\n<p>Der Spitalsektor ist in Wirklichkeit in einem Kreislauf von versch\u00e4rftem Wettbewerb\/\u00dcberinvestitionen gefangen, der in einer Krise, finanziellen Schwierigkeiten, \u00dcbernahmen, Schliessungen usw. m\u00fcnden wird. Diese Entwicklung wird von einer St\u00e4rkung des Privatsektors, einschliesslich der Privatisierung \u00f6ffentlicher Einrichtungen, begleitet.\u00a0<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Ausbreitung des Privatsektors:\u00a0<\/strong>Der Privatsektor breitet sich auch im Bereich der Langzeitpflege aus, in dem sich in den n\u00e4chsten drei Jahrzehnten ein Wachstum abzeichnet. Er nutzt den Druck zur Senkung der Kantons- und Gemeindebudgets, um Oberwasser zu gewinnen. Dies macht der Privatsektor im Namen der Tatsache, dass er \u201ebilliger\u201c w\u00e4re. Kapitalistischen Ketten \u2013 manche von ihnen international \u2013 kontrollieren bereits Teile des Angebots an Altersheimen. Private Spitex-Unternehmen sind dabei, sich mit Diskontpreisen (und entsprechenden Arbeitsbedingungen) als Alternative zu \u00f6ffentlichen Diensten durchzusetzen. Dies findet mit Hilfe von Politiker*innen \u2013 wie dem Berner SVP-Politiker Schnegg \u2013 statt, deren Programm die Zerst\u00f6rung des Sozialsystems ist.<\/li>\n<li><strong> Zunahme der Arbeitsbelastung:\u00a0<\/strong>In allen Bereichen und auf allen Ebenen treffen diese Ver\u00e4nderungen Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Der versp\u00fcrte Leidensdruck dieser Personen wird insbesondere verursacht durch die Erh\u00f6hung der Arbeitsbelastung, die Neudefinierung des Arbeitsinhalts im Widerspruch zur beruflichen Identit\u00e4t sowie die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen (Lohn, Stunden).<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>L\u00f6sungsans\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung, mittels der die Gegenreformen umgesetzt werden, gibt vor:\u00a0<em>\u201eDie Gesundheitsausgaben werden unertr\u00e4glich; Markt und Wettbewerb sind unabdingbar f\u00fcr eine wachsende Effizienz der Gesundheitsdienste und die Reduzierung ihrer Kosten; die Patient*innen m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen: jeder nach seinen Mitteln und seiner Leistung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Alternative k\u00f6nnte sein:\u00a0<em>\u201eEs ist ein Skandal, dass es soziale Ungleichheit im Gesundheitsbereich gibt; der Zugang zur Gesundheitsdienstleistungen kann und muss f\u00fcr alle garantiert sein; nur ein \u00f6ffentlicher Dienst, finanziert durch eine Sozialversicherung, kann garantieren, dass die Priorit\u00e4t der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung in Kombination mit dem Respekt des Personals gilt und nicht dem Gesch\u00e4ft einiger grosser Wirtschaftsgruppen und dem Wohlbefinden einer Minderheit.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Daraus folgt insbesondere:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Eine einkommensgebundene, soziale Finanzierung der Krankenversicherung zur Garantie eines Zugangs Aller zur besten verf\u00fcgbaren Behandlung.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die derzeitige Behandlung f\u00fchrt unweigerlich zu einer einkommensabh\u00e4ngigen Differenzierung des Deckungsgrades und des Zugangs zu Behandlungen. Daraus ergibt sich eine immer gr\u00f6ssere Behandlungsl\u00fccke f\u00fcr einen immer h\u00f6heren Anteil der Bev\u00f6lkerung.\u00a0<\/p>\n<p>Die soziale Finanzierung muss auch die Langzeitpflege, die Pflege zu Hause und die Altersheime umfassen. Tut sie das nicht, so wird in diesem Sektor \u2013 der in den kommenden Jahrzehnten von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung sein wird \u2013 die soziale Ungleichheit bez\u00fcglich des Zugangs zur Pflege explosionsartig ansteigen.\u00a0<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Gute Qualit\u00e4t im Gesundheitswesen bedingt gute Arbeitsbedingungen, gute Arbeitsbedingungen bedingen die M\u00f6glichkeit, Behandlung und Pflege von guter Qualit\u00e4t anzubieten.\u00a0<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der vorgebliche Run auf Effizienz\/Produktivit\u00e4t und die daraus resultierende Industrialisierung des Gesundheitswesens \u2013 in Spit\u00e4lern genauso wie in der Pflege zu Hause oder den Altersheimen \u2013 sind der Feind Nummer 1 eines hochqualitativen Gesundheitswesens und guter Arbeitsbedingungen.\u00a0Ein \u00dcberdenken der heutigen Behandlung und Pflege muss die Bed\u00fcrfnisse des Personals und der Patient*innen als gemeinsamen Ausgangspunkt nehmen \u2013 und nicht eine vorgebliche Produktivit\u00e4t, die auf finanzielle Ziele ausgerichtet ist.\u00a0Die unaufl\u00f6sliche Verbindung zwischen diesen zwei Dimensionen stellt die Grundlage einer m\u00f6glichen konvergierenden, sozialen und gewerkschaftlichen Mobilisierung f\u00fcr ein humaneres Gesundheitswesen dar.\u00a0<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Die Gesundheit ist keine Ware, Abschaffung der DRG-basierten Spitalfinanzierung und Schaffung von \u00f6ffentlichen Gesundheitsleistungen.\u00a0<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die neue DRG-basierte Spitalfinanzierung<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0dient dazu, in den Spit\u00e4lern und dar\u00fcber hinaus in Gesundheitsdienstleistungen die Bedingungen f\u00fcr ein Eindringen des gewinnorientierten und -geleiteten kommerziellen Sektors zu schaffen. Das bedeutet langfristig gesehen unweigerlich eine Infragestellung des Zugangs Aller zu hochqualitativen Gesundheitsdienstleistungen, sowie eine Zerst\u00f6rung der Arbeitsbedingungen des Personals.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung dieser Dynamik erfolgt \u00fcber eine soziale Mobilisierung f\u00fcr:\u00a0<\/p>\n<ol>\n<li>a) einen integrierten und kooperativen (und nicht wettbewerbsorientierten) Zugang der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Diese sollen als Bestandteile \u00f6ffentlicher Gesundheitsdienste konzipiert sein. Gesundheitsdienste d\u00fcrfen nicht in der Hand von privaten, gewinnorientierten Unternehmen bleiben.\u00a0<\/li>\n<li>b) eine Finanzierung auf der Grundlage der Aktivit\u00e4t der Gesundheitsdienste und ihrer tats\u00e4chlichen Kosten \u2013 und nicht basierend auf den Pseudopreisen und Wettbewerb. Man beachte: So werden Bildung und die \u00f6ffentliche Sicherheit (und auch die Spit\u00e4ler bis in die 2000er-Jahre) finanziert. Sprich auf Grundlage der Kosten des Funktionierens der \u00f6ffentlichen Institutionen, deren Aufgabe es ist, jene Leistungen zu liefern, die f\u00fcr die Erf\u00fcllung der als gemeinn\u00fctzig identifizierten Bed\u00fcrfnisse als notwendig erachtet werden.<\/li>\n<li>c) eine Teilhabe von Gesundheitsfachleuten und von Vertreter*innen der Nutzer*innen\/Patient*innen an der Verwaltung dieser \u00f6ffentlichen Dienste und ihrer Institutionen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0<strong>Gesundheitskosten<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Rechtfertigung der Reformen im Gesundheitswesen wird pausenlos auf die \u201eExplosion\u201c der Gesundheitskosten verwiesen. Dieses \u201eArgument\u201c muss bek\u00e4mpft werden, indem Folgendes in Erinnerung gerufen wird:\u00a0<\/p>\n<ol>\n<li>Ein schnelleres Wachstum der Gesundheitsausgaben im Vergleich zum Wachstum des j\u00e4hrlich produzierten Reichtums, der z.B. mit dem Bruttoinlandsprodukt gesch\u00e4tzt wird, ist allen reichen Industriel\u00e4ndern gemeinsam. Es spiegelt die Bedeutung wieder, die der Gesundheit und dem medizinischen Fortschritt beigemessen werden \u2013 der seine Kosten hat. Angesichts des allgemeinen Produktivit\u00e4tszuwachses auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ist die Tatsache, dass die Gesellschaft einen steigenden Anteil ihrer Ressourcen f\u00fcr die Gesundheit verwendet, nicht an sich ein Grund daf\u00fcr, dass diese Ressourcen bei anderen Grundbed\u00fcrfnissen fehlen w\u00fcrden. In anderen Worten: auf gesellschaftlicher Ebene stellt die Finanzierung der Gesundheitsausgaben keine un\u00fcberwindbare Schwierigkeit dar.\u00a0<\/li>\n<li>Ein parit\u00e4tischer Lohnabzug von etwa 3,5% w\u00fcrde heute f\u00fcr die Krankenversicherung gen\u00fcgen. Das ist weniger, als f\u00fcr die AHV gezahlt wird. Diese mathematische Tatsache untermauert einerseits die oben gemachte Feststellung und zeigt andererseits, dass das Hauptproblem nicht die H\u00f6he der Gesundheitsausgaben ist, sondern die Finanzierung der Krankenversicherung mit einkommensunabh\u00e4ngigen Pro-Kopf-Pr\u00e4mien.<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0<strong>Managed Care<\/strong><\/p>\n<p>Das Managed-Care-System, auch integrierte Versorgung genannt, zielt \u2013 unter Kontrolle der Versicherungen \u2013 auf die Installierung eines doppelten Zwangs.<\/p>\n<p>Erstens akzeptieren die Versicherten, dass sie ihre Auswahl an Leistungserbringenden einschr\u00e4nken. Sie treten einem Leistungsnetz bei, das nur eine gewisse Anzahl von Allgemeinmediziner*innen, Fach\u00e4rzt*innen, Spit\u00e4lern umfasst, und verzichten darauf, sich an Fach\u00e4rzt*innen zu wenden, die nicht Teil des Netzwerkes sind. Sie akzeptieren auch, einen vordefinierten Ablauf einzuhalten: zuerst Konsultierung der behandelnden Allgemeinmedizinerin\/des behandelnden Allgemeinmediziners, die\/der anschliessend falls notwendig an Spezialist*innen oder ein Spital weiterverweist, usw.\u00a0<\/p>\n<p>Zweitens akzeptieren die Leistungserbringenden ein Funktionieren im Netz. In den ausgereiftesten Modellen heisst das, dass das Netz das mit seiner Aktivit\u00e4t verbundene finanzielle Risiko \u00fcbernimmt: Das Netz erh\u00e4lt ein vordefiniertes j\u00e4hrliches Budget pro eingeschriebener Patientin\/eingeschriebenem Patient; es liegt an ihm, so vorzugehen, dass seine Ausgaben seine Einnahmen nicht \u00fcbersteigen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Versicherten werden durch niedrigere Krankenkassenpr\u00e4mien dazu angehalten, einem Managed-Care-Netz beizutreten. Sie riskieren allerdings im Falle eines Gesundheitsproblems, dass sie von einem Netz behandelt werden, das zur Sicherstellung seiner Rentabilit\u00e4t die angebotenen Leistungen begrenzt. Es wird also auf diese Weise eine Art von institutionalisierter Mehrklassen-Medizin eingef\u00fchrt. Um die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte zu verpflichten, Managed-Care-Systemen beizutreten, f\u00fchren die Kassen seit Jahren eine Kampagne f\u00fcr die Abschaffung ihrer heutigen Verpflichtung der R\u00fcckerstattung von Leistungen aller \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, die eine Berufsbewilligung haben. Zudem setzen sich die Kassen vehement f\u00fcr das Erreichen von \u201eVertragsfreiheit\u201c ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/#_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0<strong>Finanzierung durch die DRG (Fallpauschalen)<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Jahr 2012 ist eine neue Spitalfinanzierung in Kraft. Es handelt sich um eine Finanzierung auf Grundlage des Systems der DRG (diagnosis related groups). Dieses erstmals Anfang der 1980er Jahre in den USA eingef\u00fchrte System beruht auf dem Prinzip, dass man zur Erzwingung von mehr Effizienz der Spit\u00e4ler globale Pseudopreise f\u00fcr jede typische Spitalbehandlung fixieren muss (z.B. die Behandlung einer Blinddarmentz\u00fcndung), anstatt die gelieferten Leistungen zu finanzieren (\u00dcbernachtungen, Mahlzeiten, Benutzung des Operationssaals, Honorare der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, Medikamente usw.).\u00a0<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck werden alle in Spit\u00e4lern durchgef\u00fchrten Behandlungen in Gruppen \u2013 die DRG \u2013 eingeteilt, die aus Finanzsicht relativ homogen sein sollen (mehr als 1000 DRG\/Fallpauschalen in der Schweiz). Die H\u00f6he der R\u00fcckerstattung jeder dieser Gruppen basiert auf den Durchschnittskosten der Behandlung dieser Gruppe. Wenn also die effektiven Kosten einer spezifischen Behandlung h\u00f6her sind als der fixierte r\u00fcckerstattete Betrag, dann macht das Spital einen Verlust. Umgekehrt bringt dem Spital eine Behandlung mit geringeren Kosten einen Gewinn.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses System hat zwei Folgen:\u00a0<\/p>\n<p>1) Druck auf alle Spit\u00e4ler, die vorgesehenen R\u00fcckerstattungsbetr\u00e4ge nicht zu \u00fcberschreiten. Hierf\u00fcr sind die Spit\u00e4ler angehalten, ihre Behandlungen zu industrialisieren (Standardisierung) und die Dauer der Spitalaufenthalte zu reduzieren (mit dem Risiko von zu raschen Spitalsaustritten).<\/p>\n<p>2) ein Anreiz, sich auf \u201erentable\u201c Behandlungen zu spezialisieren und die nicht rentablen Aktivit\u00e4ten und Patient*innen zu vernachl\u00e4ssigen (z.B. \u00e4ltere Menschen mit zahlreichen Komplikationen). Diese M\u00f6glichkeit besteht v.a. f\u00fcr private Kliniken.\u00a0<\/p>\n<p><em>Quellen: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFS\/MPS. Einer der Gr\u00fcnde, warum das Corona-Virus f\u00fcr die Menschen so gef\u00e4hrlich ist und die Welt auf den Kopf stellt, ist weil es in allen L\u00e4ndern auf teilprivatisierte, kaputtgesparte oder nicht vorhandene Gesundheitswesen trifft. 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