{"id":7574,"date":"2020-04-13T12:37:14","date_gmt":"2020-04-13T10:37:14","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7574"},"modified":"2020-04-13T12:37:16","modified_gmt":"2020-04-13T10:37:16","slug":"corona-fried-chicken-megaviren-massentierhaltung-und-millionenstaedte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7574","title":{"rendered":"Corona Fried Chicken &#8211; Megaviren, Massentierhaltung und Millionenst\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p><em>Lee Humber. <\/em><strong>Woher kommt das neuartige Coronavirus? Wer verstehen will, warum sich immer mehr t\u00f6dliche Viren verbreiten, muss die globale Nahrungsmittelproduktion ins Visier nehmen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Der Text wurde leicht \u00fcberarbeitet und gek\u00fcrzt. \u00dcbersetzung aus dem Englischen von Yaak Pabst und David Paenson. Zuerst\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/socialistreview.org.uk\/455\/what-makes-disease-go-viral\"><em>erschienen<\/em><\/a><em>\u00a0in der britischen Zeitschrift Socialist Review.<\/em><\/p>\n<p>Die ersten F\u00e4lle einer \u00bbviralen Lungenentz\u00fcndung unbekannter Ursache\u00ab wurden der Weltgesundheitsorganisation WHO am 31. Dezember 2019 aus der chinesischen Stadt Wuhan gemeldet. Das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit schreibt: \u00bbMan nimmt an, dass das neuartige Coronavirus von Flederm\u00e4usen stammt. Ob andere Tierarten als Zwischenwirte des Virus zwischen Fledermaus und Mensch dienen, ist noch nicht bekannt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die ersten Erkrankten Anfang Dezember 2019 auf einem Markt in Wuhan in der Provinz Hubei, China, angesteckt haben. Das neuartige Coronavirus erhielt den offiziellen Namen \u00bbSARS-CoV-2\u00ab, und die Atemwegserkrankung, die es ausl\u00f6st, wird als \u00bbCOVID-19\u00ab bezeichnet.\u00ab<\/p>\n<p>Das ist die g\u00e4ngige Erkl\u00e4rung in den meisten Medien. Doch diese greift zu kurz. Der Evolutionsbiologe\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/coronavirus-gefahren-ursachen-loesungen\/\">Rob Wallace<\/a>\u00a0zeigt, dass es zwar einige Hinweise darauf gibt, dass der erste Ausbruch auf dem Markt f\u00fcr Wildtiere stattgefunden hat \u2013 aber eben nur einige. Nach seiner Auswertung der Studien wurden nur 33 von 585 Proben auf dem Markt in Wuhan positiv auf das Coronavirus getestet. 31 Proben wurden am Ende des Marktes, auf dem der Handel mit Wildtieren konzentriert war, gefunden. Doch nur 41 Prozent dieser positiven Proben wurden auf Marktstra\u00dfen festgestellt, wo Wildtiere gehalten wurden. Ein Viertel der urspr\u00fcnglich Infizierten besuchte nie den Markt in Wuhan. Der fr\u00fcheste Fall wurde identifiziert, bevor der Markt von dem Virus betroffen war.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"919\" height=\"347\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Unbenannt.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7575\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Unbenannt.png 919w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Unbenannt-300x113.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Unbenannt-768x290.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 919px) 100vw, 919px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Kapitalismus und Viren<\/strong><\/p>\n<p>Der Ausbruchsort f\u00fcr diesen spezifischen Virusstamm mag gefunden werden. Aber das erkl\u00e4rt weder die globale und eskalierende Vielfalt der Viruskrankheiten, noch warum sie ansteckender sind oder sich schneller und weiter als je zuvor ausbreiten. Dazu m\u00fcssen wir verstehen, wie der Kapitalismus den Kontext f\u00fcr das Gedeihen t\u00f6dlicher Viren geschaffen hat, und uns speziell mit der Nahrungsmittelproduktion besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p><strong>Beispiel China<\/strong><\/p>\n<p>China ist ein guter Ort, um damit zu beginnen. In den vergangenen 50 Jahren und insbesondere im 21. Jahrhundert ist die industrielle Nahrungsmittelproduktion dort in einem nie zuvor erlebten Ausma\u00df gewachsen. Als beispielsweise im Jahr 1997 H5N1 \u2013 ein neuer Grippestamm \u2013 auftauchte, gab es in Guangdong in S\u00fcdchina 700 Millionen H\u00fchner. Diese wurden in einem vertikal integrierten, industriellen Umfeld gez\u00fcchtet, aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet, das Futtermittelanlagen und Verarbeitungsbetriebe umfasst.<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren, als die globale Gefl\u00fcgelproduktion die Rindfleischproduktion \u00fcberstieg, verdoppelte China seinen Anteil am weltweiten Gesamtkonsum von weniger als 8 auf mehr als 17 Prozent. Es wurde damit zur zweitgr\u00f6\u00dften Konsumnation der Welt. Nach Angaben der UN-Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO stieg die Produktion von Gefl\u00fcgel allein in Festlandchina von 1989 bis 1997 um 200 Prozent. Dies war begleitet von einer starken Binnenmigration und einem anhaltenden Bev\u00f6lkerungswachstum im Perlflussdelta.<\/p>\n<p>Diese Region, die an Hongkong grenzt, hat sich zu einem der wichtigsten Export-Import-Zentren der Welt entwickelt, mit ausgedehnten Transportwegen vom Perlflussdelta ins Landesinnere und nach \u00dcbersee. Das Ausma\u00df der Intensivierung der Gefl\u00fcgelwirtschaft in Verbindung mit der zunehmenden Trockenlegung der Feuchtgebiete von Guangdong, um Wohnraum f\u00fcr die wachsende Bev\u00f6lkerung zu schaffen, hat eine Reihe von Virusinfektionen hervorgerufen, die das ganze Jahr \u00fcber in einer, wie Wallace es beschreibt, \u00bbVirulenz-Ratsche\u00ab (Konzept in der Evolutionsbiologie) zirkulieren.<\/p>\n<p><strong>Industrielle Nahrungsmittelproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Die intensive industrielle Nahrungsmittelproduktion bietet den Viren reichlich Raum zu mutieren und sich \u00fcber die Gefl\u00fcgelwirte zu verbreiten, w\u00e4hrend die N\u00e4he und Gr\u00f6\u00dfe der lokalen Bev\u00f6lkerung ein Portal f\u00fcr die \u00dcbertragung der Viren auf Menschen darstellt. Diese industrielle Massenproduktion steht neben traditionelleren\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wet_market\">Nassm\u00e4rkten<\/a>\u00a0und dem Verzehr exotischer Lebensmittel. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion durch Abholzung hat die Suche nach Nahrungsmitteln aus der Wildnis tiefer in die letzte der prim\u00e4ren Landschaften gedr\u00e4ngt, \u00bbwodurch eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt unbekannter und potenziell proto-pandemischer Krankheitserreger ausgegraben wurde\u00ab, so Wallace. Das industrielle Modell der Landwirtschaft und Viehzucht ist der Grund daf\u00fcr, dass wir jetzt jedes Jahr vor der Bedrohung durch ein neues, potenziell t\u00f6dliches und sich weltweit verbreitenden Virus stehen.<\/p>\n<p><strong>Schon Marx\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Karl Marx erkannte die vielf\u00e4ltigen Gefahren, die eine industrialisierte Landwirtschaft f\u00fcr die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit darstellt, wie die j\u00fcngste Durchsicht vieler seiner wenig bekannten Notizb\u00fccher zeigt. Tats\u00e4chlich entwickelte Marx Mitte des 19. Jahrhunderts eine detaillierte und differenzierte Kritik am industriellen Ern\u00e4hrungssystem in Gro\u00dfbritannien. Historiker bezeichnen diese Zeit als \u00bbZweite landwirtschaftliche Revolution\u00ab.<\/p>\n<p>Marx studierte nicht nur die Produktion, die Verteilung und den Konsum von Lebensmitteln. Er war auch der Erste, der dies als ein Problem der Ver\u00e4nderung von Lebensmittel-\u00bbRegimen\u00ab begriff \u2013 eine Idee, die seither im Mittelpunkt der Diskussion \u00fcber das kapitalistische Ern\u00e4hrungssystem steht. Marx begr\u00fcndete seine materialistische Geschichtsauffassung mit der Vorstellung, dass \u00bbdie erste Voraussetzung aller menschlichen Existenz\u00ab die Herstellung der Mittel f\u00fcr den Lebensunterhalt ist, angefangen bei Nahrung, Wasser, Unterkunft und Kleidung, bis hin zu allen anderen Bedarfsmitteln. \u00bbAlle Arbeit\u00ab, schrieb er in\u00a0<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me25\/me25_000.htm\">\u00bbKapital\u00ab Band 3<\/a>, \u00bbist zun\u00e4chst und urspr\u00fcnglich auf Aneignung und Produktion der Nahrung gerichtet.\u00ab Die Sicherung nahrhafter, gesunder Lebensmittel ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung.<\/p>\n<p><strong>Agrarkapitalismus im 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Mitte des 19. Jahrhunderts verurteilte Marx offen den Missbrauch von Tieren durch neue Zuchtmethoden. Schaf- und Rinderrassen wurden so gez\u00fcchtet, dass sie im Verh\u00e4ltnis zu den Knochen eine schwerere Last aus Fleisch und Fett trugen. Die Tiere konnten so oft kaum noch ihr eigenes Gewicht tragen.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr die Fleischproduktion gez\u00fcchtete Viehbestand vermehrte sich immer schneller. Schafe und Rinder wurden nach zwei statt f\u00fcnf Jahren geschlachtet. K\u00e4lber wurden fr\u00fcher entw\u00f6hnt, um die Milchproduktion und -ausbeute zu steigern. Ochsen wurden zunehmend in engen St\u00e4llen gef\u00fcttert und gehalten. Die Rinder erhielten eine Futtermischung mit Zutaten zur Wachstumsbeschleunigung, einschlie\u00dflich importierter \u00d6lkuchen zur Anreicherung des Dungs. Jeder Ochse wurde mit etwa zehn Pfund \u00d6lkuchen pro Tag gef\u00fcttert und mit Erreichen der Schlachtreife get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Marx schrieb: \u00bbIn diesen Gef\u00e4ngnissen werden die Tiere geboren und bleiben dort, bis sie geschlachtet werden. Die Frage ist, ob dieses System, verbunden mit dem der Z\u00fcchtung, das die Tiere abnormal entwickelt, und ihre Knochen unterdr\u00fcckt hat, um sie in blo\u00dfe Fleisch\u2013und Fettmassen zu verwandeln, w\u00e4hrend fr\u00fcher aber (vor 1848) die Tiere aktiv blieben, indem sie sich so viel wie m\u00f6glich unter freier Luft aufhielten, nicht schlie\u00dflich den Grund zu gro\u00dfem Verderb der Lebenskraft legen wird?\u00ab<\/p>\n<p><strong>Und heute\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine treffende Beschreibung auch f\u00fcr die heutige industrielle Gefl\u00fcgelproduktion. Im Jahr 1940 entwickelte Henry Wallace jr. die erste industriell gez\u00fcchtete H\u00fchnerrasse bei dem Unternehmen Hy-Line International, einem Ableger des landwirtschaftlichen Unternehmens seines Vaters \u2013 des ehemaligen US-Landwirtschaftsministers und Vizepr\u00e4sidenten\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henry_A._Wallace\">Henry Wallace sr.<\/a>. Innerhalb eines Jahrzehnts erzeugten fast alle kommerziellen Gefl\u00fcgelz\u00fcchter weltweit Best\u00e4nde aus diesen Hybriden.<\/p>\n<p><strong>Kapitalkonzentration<\/strong><\/p>\n<p>Heute befinden sich fast 75 Prozent der weltweiten Gefl\u00fcgelproduktion in den H\u00e4nden einiger weniger Unternehmen. Im Jahr 2006 gab es vier Hauptz\u00fcchter, die die ersten drei Generationen der \u00bbBroiler\u00ab (Fleischh\u00fchner) entwickelten, gegen\u00fcber elf im Jahr 1989. Im selben Zeitraum schrumpfte die Zahl der Unternehmen, die Legehennenlinien (f\u00fcr Eier) produzieren, von zehn auf nur noch zwei.<\/p>\n<p>Die EW Group (fr\u00fcher Erich-Wesjohann-Gruppe) allein kontrolliert fast 70 Prozent der gesamten Produktion von wei\u00dfen Eiern in der Welt. Hendrix Genetics kontrolliert 80 Prozent der Produktion von braunen Eiern und hat eine 50-prozentige Beteiligung an Nutreco, das Puten, Masth\u00e4hnchen und Schweine z\u00fcchtet. Die Grimaud-Gruppe ist das zweitgr\u00f6\u00dfte Unternehmen in der Vogelgenetik. Cobb-Vantress, der letzte der vier gro\u00dfen Gefl\u00fcgelproduzenten, ist im Besitz von Tyson Foods, dem weltweit gr\u00f6\u00dften Verarbeiter und Vermarkter von H\u00fchnerfleisch. Die Produktion wird von den Unternehmen streng und gnadenlos kontrolliert, um jede ungeplante Vielfalt zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Kritik<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2009 ver\u00f6ffentlichte die in Chicago ans\u00e4ssige Tierrechtsgruppe\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mercy_for_Animals\">Mercy for Animals<\/a>\u00a0Aufnahmen von m\u00e4nnlichen K\u00fcken von Legehennen in einer Hy-Line-Br\u00fcterei, die geschreddert wurden. Das Schreddern m\u00e4nnlicher K\u00fcken, die keine Eier legen k\u00f6nnen, ist Industriestandard und bleibt in Deutchland nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2019 weiterhin erlaubt. Janet Fulton von Hy-Line antwortete mit einer Erkl\u00e4rung: \u00bbWir haben sehr enge finanzielle Verpflichtungen. Zuchtlinien, die nicht das erforderliche wirtschaftliche Niveau erreichen, werden vernichtet.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Monokulturen<\/strong><\/p>\n<p>Eine Folge dieser Vernichtung ist, dass die weltweite Gefl\u00fcgelproduktion durch Monokulturen gekennzeichnet ist. H\u00fchner werden durch die Zucht an der Bildung von Resistenzen gegen neue Viren gehindert, weil ein begrenzter Pool von Genen die Vielfalt der Immunreaktionen auf Viren bei deren Mutation einschr\u00e4nkt. Die Folge ist die erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit einer \u00dcbertragung zwischen Gefl\u00fcgel und Mensch. Die Tiere werden in gro\u00dfen \u00bbFabrikfarmen\u00ab unter entsetzlichen Bedingungen aufgezogen.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Broiler\">Broiler<\/a>\u00a0werden in St\u00e4llen von Zehntausenden V\u00f6geln gem\u00e4stet. Die H\u00fchner werden so gez\u00fcchtet, dass sie schnell an Gewicht zunehmen \u2013 was einen schnelleren Umsatz und h\u00f6here Gewinne bedeutet \u2013 mit \u00fcbergro\u00dfer Brust, abgestimmt auf die Vorliebe f\u00fcr wei\u00dfes Fleisch.<\/p>\n<p>Sie sind inaktiv, weil so viel der Energie, die sie verbrauchen, in Wachstum umgewandelt wird, und verbringen den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Lebens auf dem Boden sitzend, w\u00e4hrend sich der Mist um sie herum ansammelt. In der Regel verlieren sie Brustfedern und werden im Laufe ihres Wachstumszyklus aufgrund des st\u00e4ndigen Kontakts mit Kot wund. Die St\u00e4lle werden erst nach dem Schlachten der H\u00fchner gereinigt, aber der Mist kann f\u00fcr die n\u00e4chste H\u00fchnergruppe \u00fcbrig bleiben, weil nur eine d\u00fcnne Schicht frischer Einstreu wie Holzsp\u00e4ne auf die alte gelegt wird.<\/p>\n<p>Die Tiere werden meist bei schwachem Kunstlicht und mit einer Lebenserwartung von sechs bis acht Wochen aufgezogen (die Konzerne verbieten oft sogar nat\u00fcrliches Licht). Die Tiere werden mit einem Futter gem\u00e4stet, das mit wachstumsf\u00f6rdernden Zusatzstoffen wie Antibiotika versetzt ist, wobei viele bei dieser beengten Haltung sterben. Das meiste handels\u00fcbliche Gefl\u00fcgelfutter ist au\u00dferdem mit Arsen versetzt, damit das Fleisch der Tiere w\u00e4hrend des Transports und des Verkaufs rosa bleibt.<\/p>\n<p><strong>\u00bbZoo f\u00fcr Viren\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Dies sind ideale Bedingungen, um das zu f\u00f6rdern, was Wallace einen \u00bbveritablen Zoo\u00ab neuer Viren, insbesondere Grippeviren, nennt. Der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Entwicklung der Ansteckungsf\u00e4higkeit ist die Versorgung mit anf\u00e4lligen Wirten. Solange es gen\u00fcgend Wirte zum Infizieren gibt, kann sich ein Virus entwickeln. Industrielle Nutztiere sind daher ideale Populationen als Tr\u00e4ger ansteckender Krankheitserreger. Genetische Monokulturen von Tieren beseitigen alle nat\u00fcrlichen Immunschranken, die sonst die \u00dcbertragung verlangsamen k\u00f6nnten. Eine gro\u00dfe Tierpopulation und -dichte f\u00f6rdert hohe \u00dcbertragungsraten. Beengte Verh\u00e4ltnisse d\u00e4mpfen die Immunreaktionen. Ein hoher Umschlag bei einem Tierbestand sorgt f\u00fcr einen st\u00e4ndig erneuerten Vorrat an anf\u00e4lligen Wirtstieren.<\/p>\n<p>Grippeinfektionen m\u00fcssen bei jedem Tier ihre \u00dcbertragungsschwelle schneller erreichen, bevor das Huhn, die Ente oder das Schwein get\u00f6tet wird, denn sobald die Nutztiere das richtige Gewicht erreichen, werden sie geschlachtet. Neuentwicklungen in der Produktion wie die Senkung des Alters bis zur Schlachtreife der H\u00fchner von 60 auf 40 Tage, haben den Druck auf die Viren erh\u00f6ht, ihre \u00dcbertragungsschwelle schneller zu erreichen.<\/p>\n<p>Die\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keulung\">Keulung<\/a>\u00a0nach einer Virusinfektion ist nicht sinnvoll. Die rasche Keulung ganzer Herden oder Best\u00e4nde als Reaktion auf Viren erm\u00f6glicht keine Auswahl der Wirtsresistenz gegen den zirkulierenden Stamm. Deshalb werden Tiere mit einer m\u00f6glichen Immunreaktion mitget\u00f6tet, sodass es zu einem wiederholten Befall kommt.<\/p>\n<p><strong>Neoliberalismus<\/strong><\/p>\n<p>Die jetzt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/corona-usa-trump-mike-davis\/\">weltweiten<\/a>\u00a0industriellen Praktiken, die der kapitalistischen Produktionsweise eigen sind und die durch 50 Jahre Neoliberalismus verst\u00e4rkt wurden, sind der N\u00e4hrboden f\u00fcr immer mehr ansteckende und t\u00f6dliche Krankheitserreger. Dieses Seuchenmuster ist kein Zufall. Es ist eine Folge der Art und Weise, wie die Lebensmittel, die wir essen, produziert werden.<\/p>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir tun? Die Antwort ist bekannt. Wir m\u00fcssen die Massentierhaltung und die industrielle Landwirtschaft beenden, die die Erde von W\u00e4ldern entleert und den Boden seiner nat\u00fcrlichen N\u00e4hrstoffe beraubt. Not tun geplante, kollektivierte, sichere und humane Massentierhaltungs- und Landwirtschaftspraktiken, die nachhaltig sind und uns mit der notwendigen Nahrung versorgen. Nicht mangelndes Wissen oder mangelnde Notwendigkeit hindert uns daran, dies zu tun, sondern weil die Mittel zur Nahrungsmittelproduktion im Besitz einer winzigen Minderheit von obsz\u00f6n reichen Kapitalisten liegt. Sie und ihre Klasse haben ein pers\u00f6nliches Interesse an der Aufrechterhaltung dieser ungesunden und potenziell t\u00f6dlichen Systeme der Nahrungsmittelherstellung. Sich von diesem Eigentum zu trennen w\u00e4re f\u00fcr sich gleichbedeutend damit, sich selbst aufzugeben. Zum Wohle der Menschheit m\u00fcssen wir ihnen diese Systeme entrei\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/corona-fried-chicken-megaviren-massentierhaltung-und-millionenstaedte\/\"><em>marx21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lee Humber. Woher kommt das neuartige Coronavirus? 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