{"id":7577,"date":"2020-04-13T15:23:59","date_gmt":"2020-04-13T13:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7577"},"modified":"2020-04-13T15:24:01","modified_gmt":"2020-04-13T13:24:01","slug":"sanders-ausstieg-vertieft-krise-der-democratic-socialists-of-america","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7577","title":{"rendered":"Sanders&#8216; Ausstieg vertieft Krise der Democratic Socialists of America"},"content":{"rendered":"<p><em>Eric London. <\/em><strong>Nun, da Senator Bernie Sanders am 7. April aus dem Rennen um die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur ausgestiegen ist, durchschauen viele Mitglieder und Unterst\u00fctzer der Democratic Socialists of America (DSA) deren zynische und doppelz\u00fcngige Rolle<!--more--> als Komplizin der Demokratischen Partei.<\/strong><\/p>\n<p>Jahrelang \u2013 sogar schon vor der Pr\u00e4sidentschaftswahl von 2016 \u2013 posaunte die DSA in die Welt, Sanders sei der furchtlose F\u00fchrer einer \u201epolitischen Revolution\u201c, die aus der Demokratischen Partei ein Werkzeug f\u00fcr weitreichenden gesellschaftlichen Wandel machen werde.<\/p>\n<p>Doch Sanders zog sich in einer Weise aus dem Vorwahlkampf der Demokraten zur\u00fcck, die nur Verachtung verdient. Sie hatte nichts mit dem letzten Aufb\u00e4umen eines alten K\u00e4mpfers gemein \u2013 tats\u00e4chlich bot die Kampagne des betagten Senators seinen Anh\u00e4ngern kaum so etwas wie letzte Zuckungen. Stattdessen akzeptierte Sanders kleinlaut das Urteil des Apparats der Demokratischen Partei und sang Loblieder auf seinen \u201ealten Freund\u201c Joe Biden. Sanders\u2018 \u201epolitische Revolution\u201c endete nicht mit einem trotzigen Schlachtruf, sondern mit unterw\u00fcrfigem Winseln.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/sand.bid_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7579\" width=\"556\" height=\"371\"\/><\/figure>\n<p>Von der Aussicht, eine Biden-Kandidatur zu unterst\u00fctzen, sind viele DSA-Mitglieder entt\u00e4uscht und angewidert. Und so veranstaltete\u00a0<em>Jacobin<\/em>, eine der DSA angegliederte Zeitschrift, am vergangenen Mittwoch ein Online-Forum mit dem Titel: \u201eWas Bernie erreicht hat und wohin es als N\u00e4chstes geht\u201c. Zu den Teilnehmern z\u00e4hlten der\u00a0<em>Jacobin<\/em>-Gr\u00fcnder Bhaskar Sunkara, die Referenten Michael Brooks, Meagan Day und Matt Karp sowie Amber Frost von\u00a0<em>Chapo Trap House<\/em>.<\/p>\n<p>Der Hauptzweck des Forums bestand darin, die Frage, \u201ewohin es als N\u00e4chstes geht\u201c mit einem unzweideutigen \u201eNirgendwohin \u2013 bleibt in der Demokratischen Partei\u201c zu beantworten. Kein Redner des Forums stellte den am Morgen desselben Tages in\u00a0<em>Jacobin<\/em>\u00a0erschienenen Artikel von Eric Blanc in Frage, in dem es hei\u00dft: \u201eWir sind noch nicht stark genug, um in absehbarer Zeit den Stimmzettel der Demokraten zu verlassen.\u201c<\/p>\n<p>Vielmehr bekr\u00e4ftigte Sunkara im Verlauf des Forums:\u00a0<em>\u201eIch spreche nicht von einer neuen sozialistischen Partei oder<\/em>\u00a0<em>so.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der unerbittlichen Opposition der Demokratischen Partei gegen Sanders\u2018 Kandidatur greift\u00a0<em>Jacobin<\/em>\u00a0auf immer absurdere Argumente zur\u00fcck, um zu erkl\u00e4ren, warum Leute, die sich als Sozialisten betrachten, weiterhin in dieser reaktion\u00e4ren Organisation bleiben sollten.<\/p>\n<p>\u201eWir sollten uns nicht erlauben, die vereinfachende Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Institution der Demokratischen Partei schlicht zu schlau oder zu stark f\u00fcr uns ist\u201c, erkl\u00e4rte Day. Denjenigen, die \u00fcber Sanders\u2018 Niederlage aufgebracht sind, schlug Day vor, \u201ean einer Wahlkampagne oder so etwas mitzuarbeiten\u201c.<\/p>\n<p>Amber Frost erkl\u00e4rte ihre Zustimmung zu Day und f\u00fcgte hinzu: \u201eEs ist ein gewisses Ma\u00df an Gl\u00fcck im Spiel. Man sollte seine Fehler auf jeden Fall analysieren, aber&#8230; man sollte den Apparat der Demokraten nicht \u00fcbersch\u00e4tzen&#8230; Sie sind offensichtlich nicht sehr selbstsicher \u2013 sie haben nochmal Gl\u00fcck gehabt und wir hatten irgendwie Pech.\u201c<\/p>\n<p>Diese \u00c4u\u00dferungen sind erb\u00e4rmliche Versuche, die Illusion wiederzubeleben, dass die Demokratische Partei von innen heraus reformiert werden k\u00f6nnte. Wenn Sanders in den Jahren 2016 und 2020 nur \u201ePech\u201c hatte, warum sollte er es 2024 dann nicht erneut versuchen? Und was ist mit einem Jahrhundert gescheiterter Bem\u00fchungen, eine Reform der Demokratischen Partei zu erwirken? Der DSA zufolge hatten alle, von William Jennings Bryan bis Jesse Jackson, wohl einfach kein gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen.<\/p>\n<p>Mehr noch als vergangene Veranstaltungen von DSA und\u00a0<em>Jacobin<\/em>\u00a0zielten die Bem\u00fchungen, den Verbleib in der Demokratischen Partei zu rechtfertigen, darauf ab, dem wachsenden Einfluss der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0und der Socialist Equality Party entgegenzuwirken, deren Opposition und Kritik an Sanders&#8216; Kampagne unter DSA-Mitgliedern wohlbekannt ist.<\/p>\n<p>Wie Day besorgt bemerkte, gibt es \u201eim Netz zurzeit viel Gerede dar\u00fcber, wohin [unzufriedene Sanders-Anh\u00e4nger] gehen k\u00f6nnen. Viele Menschen suchen nach einer neuen politischen Heimat.\u201c An anderer Stelle f\u00fcgt sie hinzu: \u201eWir h\u00f6ren eine Menge Gemurre\u201c von jenen, \u201edie uns sagen, dass Bernie Sanders kein Sozialist ist, und die uns von dieser Vorstellung abbringen m\u00f6chten. Das ist ein Leitthema \u2013 und es ist offensichtlich unausstehlich, denn was auch immer Bernie im Innersten sein mag, er verh\u00e4lt sich genau so, wie sich ein Sozialist im pulsierenden Herzen des globalen Kapitalismus verhalten sollte.\u201c<\/p>\n<p>Im Anschluss richtete Day einen Appell an \u201enicht-sektiererische Sozialisten\u201c, sich zu vereinigen, w\u00e4hrend Sunkara in Opposition zu \u201eguten Sektierern\u201c, die \u201ewissen, dass sie klein und marginal sind\u201c, erkl\u00e4rte, dass ein Bruch mit der Demokratischen Partei sinnlos sei. In \u00e4hnlicher Weise \u00e4u\u00dferte Frost Besorgnis \u00fcber die \u201eselbstgef\u00e4llige Schadenfreude von Salon-Revolution\u00e4ren\u201c.<\/p>\n<p>Wenn Sunkara und Konsorten von \u201eSektierern\u201c sprechen, dann meinen sie Personen, die keine zynischen und opportunistischen Agenten der Demokratischen Partei sind. Die DSA verwendet den Ausdruck \u201esektiererisch\u201c als Bezeichnung f\u00fcr Marxisten, die der Demokratischen Partei politisch feindlich gesinnt und von ihr unabh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Im Jahr 1935 schrieb Leo Trotzki:<\/p>\n<p>Reformisten und Zentristen zeigen bei jeder Gelegenheit mit dem Finger auf unser \u201eSektierertum\u201c; und meistens meinen sie damit nicht unsere Schw\u00e4chen, sondern unsere St\u00e4rken: unsere ernsthafte Haltung gegen\u00fcber theoretischen Fragen; unser Bem\u00fchen, jeder politischen Situation auf den Grund zu gehen und klare Parolen aufzustellen; unsere Ablehnung \u201eeinfacher\u201c und \u201ebequemer\u201c Entscheidungen, die heute von Sorgen befreien, doch schon morgen in eine Katastrophe f\u00fchren. Aus dem Munde von Opportunisten ist der Vorwurf des Sektierertums meistens ein Kompliment.<\/p>\n<p>Trotzki schrieb diese Zeilen zu einer Zeit, in der die Linke Opposition verglichen mit den sozialdemokratischen und stalinistischen Parteien zu einer kleineren Leserschaft sprach. Doch die Leserschaft der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0ist in den letzten Monaten weit \u00fcber dievon<em>\u00a0Jaccobin\u00a0<\/em>hinausgewachsen, sowohl auf Weltebene als auch in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p>Trotz bedeutender offizieller Unterst\u00fctzung und einer freundlichen Berichterstattung in der b\u00fcrgerlichen Presse ist die Leserschaft von\u00a0<em>Jacobin<\/em>\u00a0erheblich zur\u00fcckgegangen, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass die opportunistische Politik der DSA bei ihren noch unverdorbenen Anh\u00e4ngern auf wachsende Abscheu st\u00f6\u00dft. Sunkara wei\u00df genau, dass seine Behauptung, die\u00a0<em>WSWS<\/em>\u00a0sei \u201eklein und marginal\u201c, falsch ist.<\/p>\n<p><em>Jacobin<\/em>\u00a0und die DSA sind sich der entscheidenden Rolle bewusst, die sie als \u00dcbertragungsriemen f\u00fcr die Politik der Demokratischen Partei spielen.<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>Washington Post<\/em>\u00a0berief sich k\u00fcrzlich auf Peter Welch, den demokratischen Kongressabgeordneten von Vermont und Vertrauten von Sanders. Welch halte \u201eSanders f\u00fcr zentral f\u00fcr Bidens Chancen, die Unterst\u00fctzung \u201aprogressiver Linker [zu gewinnen], die die Demokratische Partei als Institution nicht besonders unterst\u00fctzen, die wir aber zur Stimmabgabe herauslocken m\u00fcssen\u2018.\u201c<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>Post<\/em>\u00a0zitierte zudem die demokratische Kongressabgeordnete Pramila Jayapal aus Washington und bemerkte: \u201eSanders&#8216; gr\u00f6\u00dfter Beitrag besteht wom\u00f6glich darin, die Bedeutung dessen aufzuzeigen, was sie als \u201aInside-\/Outside-Politik\u2018 bezeichnet.\u201c<\/p>\n<p>Echter Sozialismus basiert auf dem Kampf, eine Bewegung der Arbeiterklasse aufzubauen, die organisatorisch\u00a0<em>au\u00dferhalb<\/em>\u00a0aller politischen Parteien der Kapitalistenklasse steht und diesen mit bewusster Feindschaft entgegentritt. Nur auf diese Weise ist die Arbeiterklasse in der Lage, ihre gesellschaftliche Macht zu erkennen und zu entfesseln.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/13\/sand-a13.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eric London. Nun, da Senator Bernie Sanders am 7. 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