{"id":7591,"date":"2020-04-15T09:39:42","date_gmt":"2020-04-15T07:39:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7591"},"modified":"2020-04-15T09:40:24","modified_gmt":"2020-04-15T07:40:24","slug":"schweiz-spitaeler-weiter-geschroepft-pflegende-noch-staerker-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7591","title":{"rendered":"Schweiz: Spit\u00e4ler weiter geschr\u00f6pft, Pflegende noch st\u00e4rker unter Druck"},"content":{"rendered":"<p><em>Benoit Blanc. <\/em><strong>Die \u00dcberbelastung zehrt an den Pflegfachkr\u00e4ften und dem Gesundheitspersonal. Durch die Unterfinanzierung der Spit\u00e4ler wird eine angemessene Behandlung von Patient*innen verunm\u00f6glicht. Der Grund hierf\u00fcr ist die fehlende<!--more--> Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr eigentlich essenzielle Arbeit. Die Corona-Pandemie macht diesen Armutszustand lediglich sichtbar. Doch anstatt angemessene Massnahmen zur Unterst\u00fctzung zu ergreifen, zieht der Bundesrat die finanziellen Daumenschrauben der Spit\u00e4ler sogar noch enger an. (Red.)<\/strong><\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz steht die St\u00e4rkung der Kapazit\u00e4ten der Spit\u00e4ler zur Bew\u00e4ltigung von Covid-19 im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und scheint einhellig Zustimmung zu finden. Dies hindert den Bundesrat jedoch nicht daran, den Gesundheitsinstitutionen erneut die Luft abzuschneiden, indem man die Schraube der Finanzpolitik enger zieht.<\/p>\n<p><strong>11.Februar:<\/strong>Die Weltgesundheitsorganisation benennt die durch das neue Corona-Virus verursachte Krankheit offiziell Covid-19. Wuhan und die Region Hubei in China standen in den letzten Wochen unter einer brutalen Quarant\u00e4ne. Der Ausbruch breitet sich rasch aus, vor allem in Italien, wo der erste Fall am 20. Februar offiziell registriert wird.<\/p>\n<p><strong>12.Februar:<\/strong>Der Bundesrat f\u00fchrt eine Vernehmlassung zur Revision der Krankenversicherungsverordnung (KVV) durch. Ziel sei es \u201edie Krankenhausplanung zu verbessern\u201c, k\u00fcndigt er an. Die wichtigste \u00c4nderung dieser Revision ist in Artikel 59c Absatz 1b enthalten, der sich mit der Finanzierung der Spit\u00e4ler befasst:\u00a0<em>\u201eBezugsgr\u00f6sse sind die Kosten pro Fall oder die Tageskosten, die nach dem Schweregrad der*s Leistungserbringers*in\u00a0<\/em>[\u00c4rzt*innen, Spit\u00e4ler; Anm. d. Red.]\u00a0<em>angepasst werden. Dieser Schweregrad darf h\u00f6chstens dem 25. Perzentil der Anzahl Leistungserbringer*innen entsprechen.\u00bb\u00a0<\/em>Der Erl\u00e4uterungsbericht hebt explizit hervor: \u201e<em>Das Kriterium der Effizienz ist [schweizweit] einheitlich nach der Perzentilmethode definiert: Ein Perzentil von 25% bedeutet, dass 25% der um den Schweregrad der Spit\u00e4ler bereinigten Fallkosten unter dem Referenzwert und 75% dar\u00fcber liegen.\u00bb<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/coronavirus-4914026_m.800x450.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7592\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/coronavirus-4914026_m.800x450.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/coronavirus-4914026_m.800x450-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/coronavirus-4914026_m.800x450-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p>Auf Deutsch: Der Bundesrat hat sich an Ort und Stelle f\u00fcr die Finanzierung der Spit\u00e4ler des nationalen Referenzrahmens entschieden. Dieser Referenzrahmen basiert auf dem Vergleich der Spit\u00e4ler (der bekannte Benchmark). Dieser Benchmark richtet sich nach den 25% der Spit\u00e4ler, die die niedrigsten Behandlungskosten eines Behandlungstyps X haben und gibt damit einen unzureichenden Wert f\u00fcr die (Behandlungskosten desselben Typs X in den) restlichen 75% der Spit\u00e4ler an.<\/p>\n<p>Das Ziel lautet: \u201eWird der Referenzwert auf das 25. Perzentil statt auf das 40. Perzentil festgelegt, kann grunds\u00e4tzlich eine weitere Kostensenkung f\u00fcr die OKV [Obligatorische Krankenversicherung] von rund 200 bis 250 Millionen Franken f\u00fcr das Tarifjahr 2019 abgesch\u00e4tzt werden\u201c.<\/p>\n<p>Da die Kantone mindestens 55% der von den Spit\u00e4lern verrechneten Kosten tragen, bedeutet dies f\u00fcr die Spit\u00e4ler eine Einnahmeverringerung von mindestens 500 bis 600 Millionen Franken. Der Dachverband&nbsp;<em>H+ Die Spit\u00e4ler der Schweiz<\/em>, der sich gegen diese Revision ausspricht, sch\u00e4tzt den Verlust auf 670 Millionen Franken.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also zusammenfassen. Die Covid-19-Gesundheitskrise hat deutlich gemacht, dass die Spit\u00e4ler \u00fcber extrem begrenzte Ressourcen verf\u00fcgen, was die Betten und vor allem das Personal betrifft. Diese Situation ist nicht einfach vom Himmel gefallen: Sie ist die&nbsp;<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens\/\">bewusst in Kauf genommene Folge<\/a>&nbsp;der neuen Spitalfinanzierung, die 2012 in Kraft getreten ist. Diese ist als eine finanzielle Zwangsjacke konzipiert, die nach und nach immer enger wird und die Krankenh\u00e4user zwingt, immer \u201eeffizienter\u201c zu werden oder zu verschwinden. All dies geschieht im Namen des Kampfes gegen die sogenannte&nbsp;<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2018\/schweiz-gesundheitskosten-das-problem-ist-die-finanzierung-nicht-die-hoehe-der-kosten-i\/\">\u201eExplosion der Gesundheitskosten\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Infolgedessen sinkt die Zahl der Betten, die Verweildauer verk\u00fcrzt sich, der Personaleinsatz wird so straff wie m\u00f6glich geplant, die Arbeitsbelastung des Personals nimmt zu, und industrielle Prozesse, bei denen keine Minute verloren gehen darf, werden zum Modell f\u00fcr die Planung der Wege der Patientenversorgung.<\/p>\n<p>Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-im-gesundheitswesen-war-schon-vor-corona-notstand\/\">negativen Auswirkungen auf das Personal<\/a>&nbsp;liegen auf der Hand: Zwischen 2012 und 2017 ist der Anteil der Besch\u00e4ftigten im sozialen Gesundheitswesen, die sich sehr h\u00e4ufig oder immer gestresst f\u00fchlen, von 18% auf 23% gestiegen. Das ist die deutlichste Zunahme unter allen Branchen in der Schweiz, so die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (ESS), die vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) ver\u00f6ffentlicht wurde. Direkte Aussagen des Personals best\u00e4tigen diese Situation der chronischen \u00dcberlastung, des Mangels an Zeit f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Betreuung der Patienten und der grassierenden Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr den Bundesrat noch nicht Grund genug, um Halt zu machen: Covid-19 hin oder her, es ist an der Zeit f\u00fcr ein weiteres Anziehen der finanziellen Daumenschraube, die die Spit\u00e4ler schr\u00f6pft, die Pflegenden auslaugt und die Qualit\u00e4t der Pflege bedroht!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-erneut-werden-spitaeler-geschroepft-und-pflegende-ausgelaugt\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. April 2020&nbsp; aus <\/em><a href=\"http:\/\/alencontre.org\/suisse\/suisse-covid-19-et-hopitaux-encore-un-effort-pour-garrotter-les-hopitaux-et-epuiser-les-soignant%c2%b7e%c2%b7s.html\"><em>alencontre.org<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benoit Blanc. Die \u00dcberbelastung zehrt an den Pflegfachkr\u00e4ften und dem Gesundheitspersonal. Durch die Unterfinanzierung der Spit\u00e4ler wird eine angemessene Behandlung von Patient*innen verunm\u00f6glicht. 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