{"id":7598,"date":"2020-04-16T08:18:54","date_gmt":"2020-04-16T06:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7598"},"modified":"2020-04-16T08:26:35","modified_gmt":"2020-04-16T06:26:35","slug":"covid-19-eine-juedische-solidaritaetskampagne-mit-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7598","title":{"rendered":"Covid-19: Eine j\u00fcdische Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr Gaza"},"content":{"rendered":"<p><em>Yaara Benger Alaluf, Hadas Pe\u2019ery, Adi Golan Bikhnafo und Guy Shalev.<\/em> <strong>Aufgrund der ersten F\u00e4lle von&nbsp;<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/gesellschaft\/coronavirus-die-agrarindustrie-ist-mitverantwortlich\/\">COVID-19<\/a>&nbsp;im&nbsp;<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/lieberman-hat-recht-es-gibt-keine-krise-in-gaza-dies-ist-eine-katastrophe\/\">Gazastreifen<\/a>&nbsp;fordern Israelis von ihrer Regierung, Verantwortung f\u00fcr die sich dort abzeichnenden Krise zu \u00fcbernehmen<\/strong><!--more--><strong> und sammeln Spende f\u00fcr die vom Virus bedrohte Bev\u00f6lkerung.<\/strong><\/p>\n<p>Das neue&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/coronavirus-gaza-siege-doctors\/\">Corona-Virus hat&nbsp;Gaza erreicht<\/a>&nbsp;und es ist furchtbar, sich die potenziellen Folgen einer weiten Verbreitung von COVID-19 in diesem eingekesselten Landstreifen vorzustellen. Der Grund f\u00fcr diese Bef\u00fcrchtung liegt nicht nur an der m\u00f6glichen hohen Todesrate durch den Virus bei noch fehlendem Impfstoff, sondern auch an den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/pulse\/originals\/2020\/03\/gaza-officials-warn-health-care-system-coronavirus.html\">besonderen Bedingungen im Gazastreifen<\/a>. Die Enklave hat eine extrem hohe Bev\u00f6lkerungsdichte und Infrastrukturen, die aufgrund der t\u00f6dlichen und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Milit\u00e4rangriffe, die Israel alle paar Monate und zuletzt vor ein paar Tagen gegen den Gazastreifen durchf\u00fchrt,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-rocket-exchange-with-gaza-signals-israel-won-t-hesitate-to-act-despite-coronavirus-1.8719672\">v\u00f6llig heruntergekommenen sind<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn sogar L\u00e4nder mit einer starken Wirtschaft, einem hochentwickelten Gesundheitssystem und gut ausgebauter sozialer Absicherung Schwierigkeiten haben, mit der Pandemie fertig zu werden, wie schwerwiegend werden dann die Folgen im Gazastreifen sein? Die Masseninfektionen und die gro\u00dfe Zahl der Todesopfer, die wir in China erlebt haben und die wir jetzt in Italien, Spanien und den USA sehen, sind nur ein Vorgeschmack auf das, was passieren kann, wenn das Virus das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/coronavirus-gaza-pandemic-israel-policy\/\">gr\u00f6\u00dfte Gef\u00e4ngnis der Welt<\/a>&nbsp;verw\u00fcstet.<\/p>\n<p>Wenn wir an die bevorstehende unvermeidliche Katastrophe denken, macht uns auch die anhaltende Gleichg\u00fcltigkeit der israelischen \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber der Situation im Gazastreifen Angst. Die COVID-19-Krise birgt aber auch die M\u00f6glichkeit, unsere Realit\u00e4t zu \u00fcberdenken, den gesunden Menschenverstand zu konsultieren, unsere schrumpfenden Freiheiten zu sch\u00e4tzen, unsere Priorit\u00e4ten neu zu setzen und solidarisch zu sein.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/gaza-300x300-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7599\" width=\"514\" height=\"514\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/gaza-300x300-1.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/gaza-300x300-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 514px) 100vw, 514px\" \/><\/figure>\n<p>Aus diesem Grund haben wir, eine Gruppe j\u00fcdischer Israelis, eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/%D7%A2%D7%96%D7%94-%D7%91%D7%9E%D7%92%D7%A4%D7%94-%D9%88%D8%A8%D8%A7%D8%A1-%D8%A8%D8%BA%D8%B2%D8%A9-Epidemic-in-Gaza-112090453765706\/\">unabh\u00e4ngige Kampagne<\/a>&nbsp;unter der \u00dcberschrift \u201eEpidemie im Gazastreifen\u201c gestartet, um die Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinensern im Gazastreifen mehr ins \u00f6ffentliche Bewusstsein zu bringen und unsere Solidarit\u00e4t mit ihnen auszudr\u00fccken. Wir hoffen, dass wir auch in einer Krisensituation, in der wir uns um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer N\u00e4chsten sorgen, Raum finden, unsere Verantwortung f\u00fcr das zu erkennen, was nur wenige Kilometer von uns entfernt geschieht. Es ist unsere Pflicht, Hilfe zu leisten und vor allem eine unverz\u00fcgliche \u00c4nderung der unmenschlichen Politik Israels gegen\u00fcber den Menschen im Gazastreifen einzufordern.<\/p>\n<p>Mit jedem Tag wird es klarer, dass die Pandemie nicht nur ein medizinischer Notfall ist, sondern auch eine Manifestation der Krise der \u00f6ffentlichen Gesundheitssysteme und der sozialen Dienste. Es waren nicht die Flederm\u00e4use in China, die die Anzahl der Krankenhausbetten in Israel reduziert haben, noch waren es Schuppentiere, die den \u00f6ffentlichen Wohnungsbau zerst\u00f6rt haben. Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.globes.co.il\/en\/article-israels-poverty-remains-worst-in-oecd-1001214592\">hohe Armutsrate in Israel<\/a>&nbsp;wurde nicht durch ein Husten in die falsche Richtung verursacht. \u00c4hnlich w\u00e4ren auch das Leid und Elend, das der Gazastreifen erleiden k\u00f6nnte, nicht Folge des Virus allein, sondern auch der israelischen Politik.<\/p>\n<p>Professor Yehia Abed von der Al-Quds Universit\u00e4t in Gaza, ein Spezialist f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheit und Berater des pal\u00e4stinensischen Gesundheitsministeriums bei der Corona-Pandemie, nahm am 26. M\u00e4rz an einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=1&amp;v=7U-B-rdHrnw&amp;feature=emb_title\">J-Street-Webinar<\/a>&nbsp;teil und erz\u00e4hlte von den Bem\u00fchungen des medizinischen Personals im Gazastreifen. Er hob die enorme Kluft zwischen den in Israel und den im Gazastreifen verf\u00fcgbaren Ressourcen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie hervor \u2013 eine Folge jahrzehntelanger israelischer Kontrolle und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem erkl\u00e4rte er, dass die Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen Israel f\u00fcr die Verschlechterung ihres Gesundheitssystems verantwortlich machen. Deshalb sehen sie es als Israels Pflicht, die zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie erforderlichen medizinischen Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen. Es handelt sich dabei nicht um eine Wohlt\u00e4tigkeit, sondern ist Israel verpflichtet, solche Hilfe zu leisten. Ebenso bestehen Menschenrechtsorganisationen, darunter die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.phr.org.il\/en\/corona-in-the-gaza-strip-only-70-icu-beds-available\/\">\u00c4rzte f\u00fcr Menschenrechte-Israel<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.btselem.org\/press_releases\/20200322_corona_in_gaza\">B\u2019Tselem<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/gisha.org\/updates\/11023\">Gisha<\/a>, auf Israels moralischer und v\u00f6lkerrechtlicher Verantwortung f\u00fcr die Gesundheit der Menschen im Gazastreifen.<\/p>\n<p>Viele Israelis m\u00f6gen fragen: \u201eWarum ist das unsere Verantwortung?\u201c Es waren doch schlie\u00dflich zwei Pal\u00e4stinenser, die aus Pakistan \u00fcber \u00c4gypten zur\u00fcckkehrten und so den Virus in den Gazastreifen brachten \u2013 warum sollte also Israel daf\u00fcr verantwortlich sein? Obwohl Israel COVID-19 nicht in den Gazastreifen gebracht hat, ist Israel dennoch daf\u00fcr verantwortlich, dass die drohende Krise im Gazastreifen nicht wirksam bek\u00e4mpft werden kann.<\/p>\n<p><strong>Nicht nur sofortige Hilfe, sondern ein Aufruf zur \u00c4nderung der Politik<\/strong><\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen nicht vergessen: Die meisten Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen sind Fl\u00fcchtlinge aus dem Krieg von 1948, denen Israel die R\u00fcckkehr in ihre H\u00e4user und ihr Land verwehrt hat. Das ist der urspr\u00fcngliche Grund f\u00fcr die Armut und die hohe Bev\u00f6lkerungsdichte im Gazastreifen. Wie ist es m\u00f6glich, einen \u201esicheren Abstand\u201c einzuhalten und \u00fcberf\u00fcllte Orte zu vermeiden, wenn die Bev\u00f6lkerungsdichte \u00fcber 5.000&nbsp;Menschen pro Quadratkilometer betr\u00e4gt?<\/p>\n<p>Israel kontrolliert auch weiterhin die meisten Aspekte des Lebens im Gazastreifen, selbst nach dem \u201eR\u00fcckzug\u201c im Sommer 2005. Es hat den Luftraum, die Hoheitsgew\u00e4sser und alle Land\u00fcberg\u00e4nge unter seiner Kontrolle, mit Ausnahme von dem in Rafah, der von \u00c4gypten kontrolliert wird. Es \u00fcberwacht die Waren, die in den Gazastreifen gelangen, und begrenzt den Import von medizinischer Ausr\u00fcstung. Es schr\u00e4nkt die Wasser- und Stromversorgung ein.<\/p>\n<p>Wie ist hinreichende Hygiene m\u00f6glich, wenn mehr als 95&nbsp;Prozent des Wassers im Gazastreifen verschmutzt sind und die Abwassersysteme zusammenbrechen? Wie ist es m\u00f6glich, mit einer Pandemie fertigzuwerden, wenn die vorhandenen Reinigungs- und Desinfektionsmittel kaum ausreichen und es nur&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/middle-east\/un-official-coronavirus-spike-could-cause-collapse-of-gaza-health-system-622857\">70 Krankenhausbetten f\u00fcr Intensivbehandlung und 60 Beatmungsger\u00e4te<\/a>&nbsp;gibt, um eine Bev\u00f6lkerung von \u00fcber zwei Millionen Menschen zu versorgen?<\/p>\n<p>Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der geringen M\u00f6glichkeiten, in andere L\u00e4nder auszuwandern, arbeiten rund 6.000 im Gazastreifen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ochaopt.org\/sites\/default\/files\/2020_03_26_hct_covid-19_response.pdf\">lebende Pal\u00e4stinenser<\/a>&nbsp;in Israel, haupts\u00e4chlich im Baugewerbe und in der Landwirtschaft. Aufgrund der versch\u00e4rften Beschr\u00e4nkungen in der Bewegungsfreiheit angesichts der Corona-Krise d\u00fcrfen pal\u00e4stinensische Arbeiter aus dem Gazastreifen jedoch nicht mehr nach Israel einreisen. Wie zu erwarten, erhalten sie weder Hilfe noch Entsch\u00e4digung.<\/p>\n<p>Israel hat auch die Ein- und Ausreise aus dem Gazastreifen f\u00fcr Patientinnen und Patienten, die dringend medizinische Versorgung ben\u00f6tigen, weiter eingeschr\u00e4nkt. Diese Politik hat sich nicht ge\u00e4ndert, selbst nachdem die ersten F\u00e4lle von COVID-19 im Gazastreifen aufgetreten sind.<\/p>\n<p>Die Notfallkampagne, die wir diese Woche gestartet haben, zielt darauf ab, direkte Unterst\u00fctzung und Hilfe bei dem Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus im Gazastreifen zu leisten. Unsere Aktion zielt aber auch darauf ab, reflektierte Solidarit\u00e4t zu f\u00f6rdern, die die ungleichen Machtverh\u00e4ltnisse zwischen dem Gazastreifen und Israel anerkennt und sich weigert, Israels Gewalt als Norm zu akzeptieren oder seine Verantwortung f\u00fcr das Leben und Wohlergehen der im Gazastreifen Eingekesselten zu verringern.<\/p>\n<p>Wir waren von der Resonanz auf die Kampagne positiv \u00fcberrascht. Innerhalb von drei Tagen haben wir unser urspr\u00fcngliches Ziel von 20.000 Schekel (ca. 5.000 Euro) erreicht, und nun haben wir nur noch zehn Tage (Stand 4. April) Zeit, um unser neues Ziel von 50.000 Schekel (ca. 12.500 Euro) zu erreichen. Das gespendete Geld wird f\u00fcr den Kauf von Desinfektionsmittel f\u00fcr H\u00e4nde und andere medizinische Ausr\u00fcstung verwendet, die von den \u00c4rzten f\u00fcr Menschenrechte-Israel so bald wie m\u00f6glich in den Gazastreifen gebracht werden sollen. Wir haben auch Dutzende r\u00fchrende Antworten erhalten, unter anderem von Aktivistinnen und Aktivisten im Gazastreifen.<\/p>\n<p>In diesen unertr\u00e4glichen Zeiten der Unsicherheit und Sorge um unsere Liebsten sehen wir einen Spalt f\u00fcr Mitgef\u00fchl und eine Gelegenheit, mit unseren Schwestern und Br\u00fcdern jenseits des Grenzzauns solidarisch zu sein. Wir wollen diesen Spalt vergr\u00f6\u00dfern. Wir m\u00f6chten diese seltene Gelegenheit f\u00fcr radikale Ver\u00e4nderungen nutzen, um das Gesamtbild zu sehen, anhaltende Unterdr\u00fcckung zu erkennen und auf eine bessere Realit\u00e4t hinzuarbeiten.<\/p>\n<p>Die Situation kann so nicht weiter gehen. Israel muss die Belagerung beenden und verantwortlich handeln, um allen Menschen in dieser Region eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen. Humanit\u00e4re Ad-hoc-Hilfe ist keine nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr den Gazastreifen; daf\u00fcr bedarf es der vollst\u00e4ndigen Befreiung von der Besatzung und die Aufhebung der Belagerung.<\/p>\n<p><strong>Hier findet ihr die Spendenseite:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/giveback.co.il\/project\/56874?lang=en&amp;fbclid=IwAR0zSJ55JFJ1Pi9vbVUH-nhdLq5zW0lOCplS4-aQD5eOSIPQ2FzOLJaSdmI\">https:\/\/giveback.co.il\/project\/56874?lang=en<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/eine-israelische-solidaritaetskampagne-mit-dem-gazastreifen-angesichts-der-corona-krise\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em>&nbsp; vom 16. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yaara Benger Alaluf, Hadas Pe\u2019ery, Adi Golan Bikhnafo und Guy Shalev. 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