{"id":7655,"date":"2020-04-24T10:36:26","date_gmt":"2020-04-24T08:36:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7655"},"modified":"2020-04-24T10:36:27","modified_gmt":"2020-04-24T08:36:27","slug":"corona-pandemie-wird-zu-hungersnot-von-biblischem-ausmass-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7655","title":{"rendered":"Corona-Pandemie wird zu \u201eHungersnot von biblischem Ausma\u00df\u201c f\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p><em>Jean Shaoul. <\/em><strong>Am Dienstag warnte das Weltern\u00e4hrungsprogramm (World Food Programme, WFP) der Vereinten Nationen, dass aufgrund der Covid-19-Pandemie eine Hungersnot mit hunderten Millionen Betroffenen und Millionen Toten droht, wenn nicht<!--more--> sofort Gegenma\u00dfnahmen ergriffen und zus\u00e4tzliche Mittel bereitgestellt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Der leitende Direktor des WFP David Beasley erkl\u00e4rte vor dem UN-Sicherheitsrat, neben der gesundheitlichen Bedrohung durch das Virus drohten der Welt \u201ein wenigen Monaten mehrere Hungersn\u00f6te von biblischem Ausma\u00df\u201c, bei der pro Tag 300.000 Menschen sterben k\u00f6nnten. Beasley sprach von einer \u201eHunger-Pandemie\u201c.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte, der Welt habe schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie aufgrund zahlreicher Faktoren eine der \u201eschwersten humanit\u00e4ren Krise seit dem Zweiten Weltkrieg\u201c gedroht. Er nannte die Kriege in Syrien und im Jemen, die Krise im S\u00fcdsudan sowie Heuschreckenschw\u00e4rme in ganz Ostafrika. Im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Coronavirus, so Beasley, st\u00fcnden etwa drei Dutzend Staaten Hungersn\u00f6te bevor.<\/p>\n<p>Laut dem \u201e2020 Global Report on Food Crises\u201c, den das WFP am Montag ver\u00f6ffentlichte, seien schon jetzt 135 Millionen Menschen durch Hungersn\u00f6te gef\u00e4hrdet. Beasley erkl\u00e4rte, wenn sich das Virus weiter ausbreite, k\u00f6nnten \u201ebis Ende des Jahres 2020 weitere 130 Millionen Menschen an den Rand des Hungertodes gebracht werden. Das sind insgesamt 265 Millionen Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Im Jahr 2019 waren Afrika (wo 73 Millionen \u201evon einer Krise oder schlimmerem\u201c betroffen seien) sowie der Nahe Osten und Asien (43 Millionen Menschen) die am st\u00e4rksten betroffenen Regionen. Dort herrschte nicht nur Armut; die Regionen waren zudem von Konflikten und den Auswirkungen von Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen und dem Klimawandel betroffen. Weite Teile Ostafrikas hatten mit den schwersten Heuschreckenschw\u00e4rmen seit Jahrzehnten zu k\u00e4mpfen, wodurch 70 Millionen Menschen gef\u00e4hrdet waren.<\/p>\n<p>Beasley wies darauf hin, dass die weltweite Zahl der Menschen, die in Ern\u00e4hrungsunsicherheit leben, mit 821 Millionen bereits jetzt einen Rekordwert erreicht habe. \u201eWenn wir nicht sofort Vorbereitungen treffen und handeln, um Zug\u00e4nge zu sichern, Finanzierungsengp\u00e4sse sowie St\u00f6rungen des Handels zu verhindern\u201c, warnte er, k\u00f6nnte das Ergebnis \u201eeine humanit\u00e4re Katastrophe\u201c sein.<\/p>\n<p>Die zehn am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4nder sind der Jemen (15,9 Millionen Menschen \u201evon einer Krise oder schlimmerem\u201c betroffen), die Demokratische Republik Kongo (15,6 Millionen), Afghanistan (11,3 Millionen), Venezuela (9,3 Millionen), \u00c4thiopien (8 Millionen), S\u00fcdsudan (7 Millionen), Syrien (6,6 Millionen), Sudan (5,9 Millionen), der Nordosten von Nigeria (5 Millionen) und Haiti (3,7 Millionen). Alle diese L\u00e4nder sind Opfer von mehr als einem Jahrhundert imperialistischer Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung, die bis heute andauert. Die meisten von ihnen leiden weiterhin unter den Milit\u00e4rinterventionen, Wirtschaftssanktionen und politischen Intrigen der USA, die verheerende soziale Folgen haben.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/usa-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7656\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/usa-1.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/usa-1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Autoschlange am 10. April auf einer Stra\u00dfe in der Innenstadt von Pittsburgh. Die Greater Pittsburgh Community Food Bank verteilte Kisten mit Lebensmitteln (AP Photo\/Gene J. Puskar)<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p>In den 55 L\u00e4ndern mit Ern\u00e4hrungskrisen, auf die sich der Bericht konzentriert, sind 75 Millionen Kinder durch Hunger verk\u00fcmmert, siebzehn Millionen leiden an Auszehrung. Beasley erkl\u00e4rte: \u201eIn konfliktgeplagten L\u00e4ndern k\u00f6nnten Millionen von Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, an den Rand des Hungertodes geraten. Das Gespenst der Hungersnot ist eine akute und gef\u00e4hrliche Bedrohung.\u201c<\/p>\n<p>Besonders bedroht sind afrikanische L\u00e4nder wie die Zentralafrikanische Republik, Tschad, Nigeria und S\u00fcdsudan, die von Konflikten gezeichnet sind, aber auch L\u00e4nder mit einer gro\u00dfen Anzahl an Fl\u00fcchtlingen wie der Libanon und Uganda.<\/p>\n<p>Im Jemen und im S\u00fcdsudan droht \u00fcber der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung nach jahrelangem Krieg bereits jetzt akuter Nahrungsmittelmangel, noch bevor das Virus sie erreicht hat. Im Jemen leben mindestens vierzehn Millionen am Rande der Hungersnot, 80 Prozent der vierundzwanzig Millionen Einwohner sind auf Hilfslieferungen von Nahrungsmitteln angewiesen.<\/p>\n<p>Die Hilfsorganisation Save the Children kam letztes Jahr zu der Einsch\u00e4tzung, dass seit Beginn des Kriegs, den Saudi-Arabien mit Unterst\u00fctzung der USA gegen den Jemen f\u00fchrt, mindestens 75.000 Kinder unter f\u00fcnf Jahren verhungert sind. Fast 3,6 Millionen Menschen wurden durch den Konflikt vertrieben.<\/p>\n<p>Im S\u00fcdsudan droht mehr als f\u00fcnf Millionen Menschen, die zum \u00dcberleben auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, der Hungertod. 1,7 Millionen Frauen und Kinder sind akut unterern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>In mehr als 30 der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt k\u00f6nnte es zu gr\u00f6\u00dferen Hungersn\u00f6ten kommen, in zehn davon stehen bereits mehr als eine Million am Rande der Hungersnot.<\/p>\n<p>Das WFP erkl\u00e4rte, die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern mit fragilen Gesundheitssystemen sowie gedr\u00e4ngten und unhygienischen Lebensbedingungen h\u00e4tten die Ausbreitung des Coronavirus nicht verhindern k\u00f6nnen, gleichzeitig jedoch Millionen von Arbeitern ihrer ohnehin d\u00fcrftigen Lebensgrundlage beraubt und zu einer wirtschaftlichen und humanit\u00e4ren Katastrophe gef\u00fchrt. Die fast auf der ganzen Welt eingef\u00fchrte Einschr\u00e4nkungen aller nicht-lebensnotwendigen Arbeit und Reisen betreffen auch Arbeiter in der Landwirtschaft und beeintr\u00e4chtigen die Lieferketten.<\/p>\n<p>In Afrika und anderen L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen k\u00f6nnen Millionen von Bauern, die bereits jetzt unter starker Ern\u00e4hrungsunsicherheit leiden, m\u00f6glicherweise ihr Land nicht bestellen und keine Nahrungsmittel anbauen. Von den 257 Millionen hungernden Menschen in Afrika leben die meisten in l\u00e4ndlichen Gebieten.<\/p>\n<p>Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist ein ersch\u00fctterndes Beispiel daf\u00fcr, was bevorsteht. Kleinbauern konnten ihr Land nicht bestellen, ihre Produkte nicht verkaufen und keine Samen und andere wichtige Produkte kaufen, sodass mehr als 40 Prozent des Ackerlandes unkultiviert blieb.<\/p>\n<p>Das WFP wies au\u00dferdem darauf hin, dass viele der \u00e4rmsten L\u00e4nder auch stark vom Zusammenbruch der Reise- und Tourismusbranche betroffen waren. So gibt es etwa im Atlasgebirge von Marokko D\u00f6rfer, deren \u00dcberleben fast g\u00e4nzlich von Touristen und Wanderern abh\u00e4ngt. Andere werden unter dem katastrophalen R\u00fcckgang von Geld\u00fcberweisungen leiden (laut Weltbank um bis zu zwanzig Prozent), da Wanderarbeiter in Urlaub geschickt oder entlassen werden.<\/p>\n<p>Dies wird konfliktgeplagte Staaten wie Somalia, Haiti und den S\u00fcdsudan oder kleine Inselstaaten wie Tonga ersch\u00fcttern, in denen Geldsendungen mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, jedoch auch gr\u00f6\u00dfere Staaten wie Indien, Pakistan, \u00c4gypten, Nigeria und die Philippinen, in denen Geld\u00fcberweisungen eine wichtige externe Finanzierungsquelle sind. Der Geldfluss nach Subsahara-Afrika ist um dreiundzwanzig Prozent eingebrochen.<\/p>\n<p>Besonders gef\u00e4hrdet sind Fl\u00fcchtlinge und Vertriebene, die in st\u00e4dtischen Lagern und Siedlungen leben, sowie \u00c4ltere, junge Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Behinderungen.<\/p>\n<p>Diejenigen, deren Leben bereits jetzt am seidenen Faden h\u00e4ngt, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie \u00fcber den Rand sto\u00dfen. Aus den L\u00e4ndern unterhalb der Sahara mehren sich Berichte \u00fcber Lebensmittelhortung und Preissteigerungen, wodurch Nahrungsmittel f\u00fcr die Bed\u00fcrftigsten unbezahlbar werden. In S\u00fcdafrika hat die Wut \u00fcber Lebensmittelknappheit in den letzten zwei Wochen gewaltsame Proteste ausgel\u00f6st, auch im Libanon kam es zu Protesten.<\/p>\n<p>Im Nordosten Nigerias sind aufgrund des Aufstands von Boko Haram schon fast drei Millionen Menschen durch eine Hungersnot bedroht, 440.000 Kinder unter f\u00fcnf Jahren sind stark unterern\u00e4hrt. In Indien, Bangladesch und Myanmar ist das Hungerrisiko bereits hoch. Auf den Philippinen setzt die Polizei Ausgangsbeschr\u00e4nkungen mit Waffengewalt durch, w\u00e4hrend die Regierung angesichts wachsender Unruhen die Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts vorbereitet.<\/p>\n<p>Angesichts dieser globalen Katastrophe hat Beasley den UN-Sicherheitsrat gedr\u00e4ngt, die k\u00fcmmerlichen zwei Milliarden Dollar Hilfsgelder bereitzustellen, die bereits versprochen, aber nicht ausgezahlt wurden. Er warnte, weitere 350 Millionen Dollar seien alleine f\u00fcr das Logistiknetzwerk notwendig, um Nahrung und medizinische G\u00fcter wie Schutzausr\u00fcstung dorthin zu bringen, wo sie ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Diese armselige Bitte wird auf taube Ohren sto\u00dfen. Die geforderten Summen sind ein Bruchteil der Billionen, die die USA, die europ\u00e4ischen und andere imperialistische M\u00e4chte den steuerfl\u00fcchtigen Konzernen und Finanzinstituten in den Rachen werfen, um sie liquide zu halten. Die einzigen Ausgaben, die die Gro\u00dfm\u00e4chte im Zusammenhang mit den unterdr\u00fcckten Nationen ausgeben, werden in ihre eigenen Streitkr\u00e4fte flie\u00dfen: um diesen L\u00e4ndern mittels kolonialer Interventionen ihre Rohstoffe zu stehlen und die wachsende soziale Wut unter Arbeitern und armen Bauern in Schach zu halten.<\/p>\n<p>Millionen von Menschenleben in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt k\u00f6nnen nur gerettet werden, wenn die Arbeiter \u00fcberall den Kampf f\u00fcr das Ende des Kapitalismus und die Errichtung eines globalen sozialistischen Systems aufnehmen, in dem durch eine geplante Produktion die Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerungen erf\u00fcllt werden. Der Aufbau einer sozialistischen politischen Bewegung der Arbeiterklasse gegen die herrschenden Klassen in den imperialistischen Zentren und ihre jeweiligen Werkzeuge in den unterdr\u00fcckten Nationen ist die einzige M\u00f6glichkeit, wie die am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdeten Menschen der Welt vor den schrecklichen Folgen der Pandemie gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/24\/hung-a24.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Shaoul. 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