{"id":7659,"date":"2020-04-24T10:53:34","date_gmt":"2020-04-24T08:53:34","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7659"},"modified":"2020-04-24T10:53:35","modified_gmt":"2020-04-24T08:53:35","slug":"amazon-groesster-streik-beginnt-wild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7659","title":{"rendered":"Amazon: Gr\u00f6\u00dfter Streik beginnt wild"},"content":{"rendered":"<p><em>In\u00e9s In. <\/em><strong>Am Dienstag 21. April sind in den USA mehr als 350 Amazon-Besch\u00e4ftigte in den Streik getreten. Sie hatten sich krank gemeldet und wollen das den gesamten Rest der Woche weiterhin tun.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In den mindestens 130 Amazon-Lagern der USA, in denen der Betrieb fast ungeachtet der h\u00f6chsten Ansteckungs- und Todesraten weltweit aufrecht erhalten wird, kann schon l\u00e4nger nicht mehr von Alltag die Rede sein. K\u00fcrzlich war ans Licht geraten, dass 75 Mitarbeiter*innen im gr\u00f6\u00dften Lager des multinationalen Unternehmens positiv auf Corona getestet worden waren, was dem Rest der Belegschaft verschwiegen worden war. Daraufhin hatten diese dahingehend Druck ausge\u00fcbt, dass sich auch Saison- und Teilzeitbesch\u00e4ftigte, die einen Gro\u00dfteil der Belegschaft ausmachen, unter vollem Lohnausgleich krank melden k\u00f6nnen \u2013 mit Erfolg. Doch Amazon schr\u00e4nkte die Regelung ein: Sie gelte nur f\u00fcr den Fall, erwiesenerma\u00dfen mit dem Covid-19 infiziert zu sein.<\/p>\n<p>Es ist allgemein bekannt, dass viele der Infektionen ohne jegliche Symptome verlaufen. Zudem fehlt es \u00fcberall an Tests. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass eine solche Handhabung eine Ausbreitung in den Reihen der Arbeitenden und ihrer Familien mehr als wahrscheinlich macht.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/chris-smalls-1000x600-890x550-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7660\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/chris-smalls-1000x600-890x550-1.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/chris-smalls-1000x600-890x550-1-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/chris-smalls-1000x600-890x550-1-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p><strong>23,6 Milliarden Dollar Profit, keinen Cent f\u00fcr die Sicherheit der Angestellten<\/strong><\/p>\n<p>Wegen Covid-19 haben Gesch\u00e4fte in vielen L\u00e4ndern geschlossen. Zudem sind weltweit Menschen \u2013 freiwillig oder nicht \u2013 in Quarant\u00e4ne. Beides kam dem Online-Riesen zugute. Denn wann wird mehr online bestellt als in Zeiten, in denen man viele Waren nirgendwo anders kriegt? Zu welchem Zeitpunkt w\u00e4hlen Menschen die Option, sich G\u00fcter nach Hause liefern zu lassen, statt sie selbst dorthin zu bef\u00f6rdern, wenn nicht jetzt?<\/p>\n<p>Die Lieferung von allen nicht wirklich notwendigen G\u00fctern wie Haushaltswaren und medizinischen Produkten wurde in Frankreich per Gesetz verboten. Das w\u00e4re f\u00fcr Jeff Bezos, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des multinationalen Unternehmens und reichster Kapitalist der modernen Geschichte, nicht n\u00f6tig gewesen: Er priorisiert aktuell sowieso deren Lieferung. Seine Motivation ist jedoch nicht Menschlichkeit, sondern Profit. Denn Bezos profitiert von der Pandemie: W\u00e4hrend in den USA im letzten Monat 22 Millionen Menschen arbeitslos geworden sind und damit ihre Existenzgrundlage verloren haben, ist er um 23,6 Milliarden Dollar reicher geworden.<\/p>\n<p>Der Sicherheit seiner Angestellten kommt davon kein Cent zugute. Sie m\u00fcssen rund um die Uhr arbeiten. Unter dem zus\u00e4tzlichen Druck des Akkordzwangs k\u00f6nnen grundlegende Hygienestandards wie 20-sek\u00fcndiges H\u00e4ndewaschen nicht eingehalten werden. Vor zwei Wochen hatte Amazon den Besch\u00e4ftigten Masken und regelm\u00e4\u00dfige Temperaturchecks versprochen \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/workers-voices-from-the-amazon-walk-out\"><strong>bei den meisten Betroffenen kamen sie aber nie an<\/strong><\/a>. Dort wo sie es taten, kam es vermehrt dazu, dass Kolleg*innen fiebersenkende Medikamente wie Tylenol zu sich nahmen, um nicht unbezahlt nach Hause geschickt zu werden.<\/p>\n<p>Und um das Horrorszenario zu vervollst\u00e4ndigen: Wer diese miserablen Arbeitsbedingungen beklagt, wird gefeuert. So erging es zum Beispiel Chris Smalls, der in Staten Island (New York) einen Protest gegen die Firma, f\u00fcr die er zu diesem Zeitpunkt bereits f\u00fcnf Jahre gearbeitet hatte, organisierte.<\/p>\n<p>Diese Zust\u00e4nde lassen die Besch\u00e4ftigten sich nicht gefallen. In den USA haben sich mehr als 350 von ihnen am Dienstag krank gemeldet und somit eine traditionelle Protestform der Arbeiter*innenklasse, das Walkout (ein gemeinsames Verlassen der Fabrik), an die aktuelle Situation angepasst. Der wilde Streik soll die ganze Woche anhalten. Am Freitag wollen Ingenieur*innen und Programmierer*innen des Online-H\u00e4ndlers ihre Arbeit ebenfalls niederlegen. Ihre Forderungen: gewerkschaftsfeindliche Praktiken beenden, gek\u00fcndigte Kolleg*innen wieder einstellen.<\/p>\n<p>Die Belegschaften fordern in erster Linie, dass alle Werke f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Wochen geschlossen werden und sie w\u00e4hrenddessen vollen Lohn ausgezahlt bekommen und von dem Unternehmen krankenversichert werden. Andernfalls st\u00fcnde man vor der\u00a0<a href=\"https:\/\/therealnews.com\/stories\/amazon-workers-strikes-coronavirus-warehouses-safety-sick-out\"><strong>Wahl zwischen Pest und Cholera<\/strong><\/a>, so Smalls: \u201eWir sollten nicht gezwungen werden, zur Arbeit zu gehen oder f\u00fcr ein Quarant\u00e4negehalt einen positiven Test vorweisen zu m\u00fcssen oder sonst unbezahlt zuhause zu bleiben. Das ist keine Option. Es hilft uns nicht finanziell und stellt daher keine L\u00f6sung des Problems dar\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/athenaforall\"><strong>Athena<\/strong><\/a>, ein relativer loser Zusammenschluss von Amazon-Besch\u00e4ftigten, hat bereits verk\u00fcndet, den Streik fortzusetzen, wenn Amazon nicht f\u00fcr ausreichend Mundschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel und die h\u00e4ufigere Reinigung der Arbeitspl\u00e4tze sorgt.<\/p>\n<p><strong>Der Kampf f\u00fcr Sicherheit und Hygiene ist ein Kampf um Arbeiter*innenkontrolle<\/strong><\/p>\n<p>In einer Situation, in der in den USA \u00fcber 22 Millionen neue Arbeitslose registriert wurden und Schwarze und Latinx-Communitys besonders von den Folgen der Krise betroffen sind, sind Leuchtturmbeispiele wie das der k\u00e4mpferischen Arbeiter*innen von Amazon dringend notwendig \u2013 besonders, wenn Trump eine von Milliard\u00e4r*innen, die ihre Profite angegriffen sehen, finanzierte Kampagne f\u00fcr die Wiederaufnahme der Produktion startet. Die Arbeiter*innen von Amazon, die \u2013 wie viele andere \u2013 an der Front gegen die Pandemie k\u00e4mpfen, wissen selbst am Besten, welche Notfallma\u00dfnahmen ergriffen werden m\u00fcssen, um die notwendige Sicherheit und Hygiene daf\u00fcr sicherzustellen, dass sie weiterhin liefern und Kund*innen weiterhin empfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Aktion der hunderten Besch\u00e4ftigten, die im ganzen Land koordiniert wurde, ist wahrscheinlich einer der gr\u00f6\u00dften koordinierten Aktionen in der Streikgeschichte gegen den multinationalen Riesen Amazon. Und diese mutige Aktion steht in einer Reihe vieler weiterer Proteste in den vergangenen Wochen, die vor allem zwei Forderungen aufstellen: Lohnfortzahlung bei Krankmeldung und Schutzausr\u00fcstung. Beides sind zentrale Forderungen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/gegen-normalisierung-auf-dem-ruecken-der-arbeiterinnen-fuer-eine-unabhaengige-stimme-gegen-die-interessen-des-kapitals\/\"><strong>damit die Krise nicht auf die Arbeiter*innen abgew\u00e4lzt wird.<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Um sie umzusetzen, ist es notwendig, nicht nur f\u00fcr diese Forderungen zu streiken, sondern den Kampf f\u00fcr Sicherheits- und Hygienekommissionen der Arbeiter*innen aufzunehmen, die die Umsetzung dieser Forderungen \u00fcberwachen und die Kontrolle dar\u00fcber aus\u00fcben, wer arbeitet und wie gearbeitet wird \u2013 und perspektivisch auch, was \u00fcberhaupt produziert wird.<\/p>\n<p>Smalls machte seinen ehemaligen Kolleg*innen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.leftvoice.org\/rehirechrissmalls-amazon-worker-fired-for-organizing-walkout\"><strong>im Gespr\u00e4ch mit Left Voice Mut<\/strong><\/a>:\u00a0<em>\u201eWehrt euch. Habt keine Angst. Wir haben Macht. Dieses Geb\u00e4ude w\u00fcrde ohne uns nicht funktionieren.\u201c<\/em>\u00a0Tats\u00e4chlich kann ohne uns, die Arbeiter*innenklasse, gar nichts funktionieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/amazon-groesster-streik-beginnt-wild\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In\u00e9s In. Am Dienstag 21. April sind in den USA mehr als 350 Amazon-Besch\u00e4ftigte in den Streik getreten. 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