{"id":7686,"date":"2020-04-27T14:56:18","date_gmt":"2020-04-27T12:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7686"},"modified":"2020-04-27T14:56:19","modified_gmt":"2020-04-27T12:56:19","slug":"der-krieg-gegen-den-poebel-in-frankreichs-vorstaedten-wird-verschaerft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7686","title":{"rendered":"Der Krieg gegen den \u201eP\u00f6bel\u201c in Frankreichs Vorst\u00e4dten wird versch\u00e4rft"},"content":{"rendered":"<p>Es fing am 19. April 2020 in Villeneuve-la-Garenne, Gro\u00dfraum Paris an, nachdem eine Polizeikontrolle zur schweren Verletzung eines Motoradfahrers f\u00fchrte: Heftige und militante Proteste gegen das Polizeiregime, das die franz\u00f6sischen<!--more--> Vorst\u00e4dte schon lange kennen, das aber sowohl seit dem Amtsantritt der Regierung Macron, als auch nochmals nach Ausbruch der Corona-Epidemie weiter versch\u00e4rft wurde. Neben dem einen oder anderen brennenden Polizeiauto gab es auch Aktionen, die oft etwas generalisierend als \u201eriots\u201c bezeichnet werden \u2013 wenn man nicht so genau einzuordnen wei\u00df. Denn naheliegenderweise sind auch franz\u00f6sische Vororte vom Wirken ganz unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Kr\u00e4fte gepr\u00e4gt (so auch mit bisher nicht weiter begr\u00fcndeten Behauptungen \u00fcber die Aktivit\u00e4ten \u201cislamistischer Kr\u00e4fte\u201d dabei)\u00a0 \u2013 wie Favelas in Brasilien, shanty Towns in S\u00fcdafrika, Slums in Indien und \u00fcberall auf der Welt. Nach mehreren Tagen des Protestes in einer wachsenden Zahl von Orten in Frankreich haben sich auch zahlreiche gewerkschaftliche, soziale und demokratische Organisationen in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung an die \u00d6ffentlichkeit gewandt.\u00a0<a href=\"https:\/\/solidaires.org\/La-colere-des-quartiers-populaires-est-legitime\">\u201eLa col\u00e8re des quartiers populaires est l\u00e9gitime\u201c vom 24. April 2020<\/a>\u00a0(hier dokumentiert beim Gewerkschaftsbund SUD Solidaires) ist von 35 Organisationen unterzeichnet, neben den Gewerkschaftsf\u00f6derationen SUD Solidaires, CGT und CNT-SO auch etwa vom Comit\u00e9 Adama, von Attac oder der ATMF (Association des travailleurs maghr\u00e9bins de France) und unterstreicht massiv die Berechtigung dieser Proteste. Diese seien insbesondere Ergebnis einer rassistisch strukturierten sozialen Benachteiligung, verbunden mit immerw\u00e4hrender polizeilicher Repression, die stets dokumentiert sei und niemals aufgekl\u00e4rt oder gar verfolgt werde. Weswegen die unterzeichnenden Organisationen nicht nur ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr diesen Protest \u00f6ffentlich darlegen und begr\u00fcnden, sondern auch ihre Bereitschaft unterstreichen, mit der Bev\u00f6lkerung der Armutsquartiere gemeinsam zu k\u00e4mpfen. Siehe in der\u00a0<strong>Materialsammlung<\/strong>\u00a0dazu zwei weitere aktuelle Beitr\u00e4ge, sowie drei Beitr\u00e4ge zur \u201esozialen Vorgeschichte\u201c dieser Entwicklungen und drei Beitr\u00e4ge zu unterschiedlichen politischen Reaktionen (sowohl in Unterst\u00fctzung der K\u00e4mpfe, als auch dem Geschrei nach noch mehr Polizeirepression) \u2013 und, in einem\u00a0<strong>Update vom 27. April 2020<\/strong>, ein Aktionsbericht aus Toulouse:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/solidaires-zur-revolte-in-den-banlieues-im-april-2020.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7687\" width=\"583\" height=\"332\"\/><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/www.autonomie-magazin.org\/2020\/04\/25\/unruhen-in-beaubreuil-wir-sind-im-krieg-gegen-die-polizei\/\">\u201eUnruhen in Beaubreuil: \u201cWir sind im Krieg\u201d\u2026 gegen die Polizei!\u201c am 25. April 2020 beim Autonomie Magazin<\/a>\u00a0ist die kommentierte \u00dcbersetzung eines Berichts aus Limoges von Sebastian Lotzer, in dem es zun\u00e4chst kommentierend und dann berichtend unter anderem hei\u00dft: \u201e\u2026\u00a0<em>Die Corona Pandemie trifft die Armen der Armen, die Bewohner der quartiers populaires, der Vororte, besonders hart. Auf der einen Seite gibt es eine wesentlich h\u00f6here Infektionsrate, weil die Menschen auf viel engerem Raum leben, diejenigen, die schlecht bezahlte Jobs in den Innenst\u00e4dten haben, m\u00fcssen in \u00fcberf\u00fcllten Bussen und Bahnen zur Arbeit fahren. Es gibt viele Menschen mit chronischen Krankheiten, die medizinische Versorgung ist wesentlich schlechter. Auf der anderen Seite verlieren viele ihren eh bescheidenen Lebensunterhalt, alles was schwarz oder in Form von Trinkgeld dazu verdient wurde, f\u00e4llt weg. Die Kinder k\u00f6nnen nicht mehr kostenlos in der Schule oder Kita essen. Man sieht lange Schlange von Menschen, die sich an den wenigen Ausgabestellen f\u00fcr kostenlose Nahrungsmittel anstellen. H\u00e4ufig zusammengedr\u00e4ngt in den zu kleinen Wohnungen der Trabantenst\u00e4dte nimmt die Ausgangssperre den Menschen die letzten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein halbwegs ertr\u00e4gliches Leben. Unter diesen Umst\u00e4nden kam es vom ersten Tag der Verh\u00e4ngung der Ausgangssperre an (die in Frankreich viel umfassender als in der BRD gehandhabt wird) zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen aufgebrachten Jugendlichen und den Bullen. Nach den Geschehnissen in Villeneuve-la-Garenne eskalierte dann die Situation. Von Stra\u00dfburg bis Marseille kam es zu Riots, die f\u00fcr die Jugendlichen aufgrund der Ausgangssperre unter wesentlich schwierigeren Bedingungen zu organisieren waren. (\u2026)\u00a0In den letzten Wochen hat der \u00c4rger zugenommen. Aber andererseits ist das nichts Neues. Die Stadt Limoges ist seit langem eine Stadt der Bullen. Die Stadtbullerei ist milit\u00e4risch bewaffnet und unterdr\u00fcckt t\u00e4glich die Menschen auf der Stra\u00dfe, Huren, Drogenabh\u00e4ngige. Sie nehmen dich immer mit, wenn sie wollen\u2026 Wenn du zu betrunken, zu fremd, zu viel was auch immer bist\u2026 Und wenn dies keine Allgemeinverst\u00e4ndlichkeit ist, unterst\u00fctzen andere diese t\u00e4glichen Praktiken, ohne etwas zu sagen. Also, alle in einem Korb! Gestern in Beaubreuil wurde ein Mann von den Bullen (der BAC, wer sonst) \u00fcbelst verm\u00f6belt. Ein Bewohner sagt uns, dass er nicht \u00fcberrascht ist. Denn seit Beginn der Ausgangssperre hat die Polizei alle beleidigt: \u201cdie Mitarbeiter von Limoges Habitat (HLM-B\u00fcro), die Passanten, alle\u201d. Die Umst\u00e4nde der Aggression sind nicht klar, aber gesichert sind die Infos \u00fcber die Gewalt der Polizisten. Sie sollen Blendgranaten eingesetzt haben.Wie \u00fcblich gaben die Medien die Informationen mit der Version der Polizisten weiter. Vor allem durch die Stimme der Gewerkschaft Allianz (4), die ihren Hass auf die Nachbarschaft zum Ausdruck gebracht hat\u2026 Die \u201cNo-Go\u201d-Zone seid ihr! Heute, am Mittwoch, 22. April, unterdr\u00fcckt die Polizei die Bewohner von Beaubreuil, die ihre Wut zum Ausdruck bringen! Sie werden es nicht weiter hinnehmen. Im Gegenzug schie\u00dfen die Bullen mit Flash-Balls und Tr\u00e4nengas auf den Marktplatz. Um sich zu verteidigen, brennen Autos und der Rauch steigt bis \u00fcber die Wohnt\u00fcrme (in Richtung des alten Schwimmbades, das die Gemeinde zerst\u00f6rt hat\u2026 ) ! Eine Leiter wird auf eine Baustange gestellt, um eine \u00dcberwachungskamera zu erreichen. Einer der Protagonisten schl\u00e4gt darauf ein und l\u00e4sst sie zu Boden fallen! Die Aktion wurde an einem anderen Ort und dann noch an einem anderen Ort wiederholt! Die Kameras sind weit geflogen! Um 18.30 Uhr wird bei der Molotow-Cocktailparty der Anbau des Rathauses bis auf die Grundmauern niedergebrannt! Die Symbole st\u00fcrzen! In der durch Tr\u00e4nengas ger\u00e4ucherten Atmosph\u00e4re wird der Bezirk, obwohl eingeschlossen, mit Tr\u00e4nengas eingeh\u00fcllt. Die Gendarmerie unterst\u00fctzt die Polizei bei Ausschreitungen<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/24\/fran-a24.html\">\u201eFrankreich: Polizeibrutalit\u00e4t provoziert wachsende Unruhen\u201c von Will Morrow am 24. April 2020 bei wsws<\/a>\u00a0berichtet \u2013 und erinnert \u2013 unter anderem: \u201c\u2026\u00a0<em>Der unmittelbare Ausl\u00f6ser f\u00fcr die aktuellen Unruhen war ein Akt der Polizeibrutalit\u00e4t in Villeneuve-la-Garenne, einer Stadt im Departement Hauts-de-Seine, n\u00f6rdlich von Paris. Ein Polizist \u00f6ffnete die T\u00fcr seines Wagens genau in dem Moment, als ein 30-j\u00e4hriger Motorradfahrer vorbeifuhr. Der junge Mann erlitt bei dem Vorfall einen schweren Beinbruch und liegt seither im Krankenhaus. Ein Video mit dem Verletzten verbreitete sich rasch in den sozialen Medien, und mehrere Zeugen gaben an, dass der Polizist die Wagent\u00fcr absichtlich genau in dem Moment ge\u00f6ffnet habe, um den Motorradfahrer zu rammen. Das Polizeiauto war nicht als solches gekennzeichnet, und die Polizei gab zu, weder die Sirene noch Blaulicht angeschaltet zu haben. Der Polizist sagte jedoch aus, er habe nur versucht, das Opfer anzuhalten. Anis Kesraoui, ein Freund der Familie des Verletzten, sagte gegen\u00fcber France Television: \u201eDer Wagen der Polizei \u2026 war schwarz und trug keine Aufschrift \u201aPolizei\u2018. Das Auto hielt an der Ampel, als das Motorrad herankam. Und dann riss er [der Polizist] die T\u00fcr absichtlich auf.\u201c Kesraoui f\u00fcgte hinzu: \u201eMan kann auf dem Video sehen, dass die T\u00fcr des Autos an der Innenseite besch\u00e4digt wurde, nicht an der Au\u00dfenseite.\u201c Andere Anwohner, die am Tatort zugegen waren, sagten aus, der Beamte habe nach Alkohol gerochen. Laut\u00a0Le Monde\u00a0war er ein ranghoher Kommissar, von denen es in Frankreich etwa 1.200 und in der Region Paris \u00fcber 100 gibt. Die Polizei ver\u00e4nderte ihre Darstellung. Wie von\u00a0Lib\u00e9ration\u00a0dokumentiert, hie\u00df es in einem ersten Polizeibericht, der Polizist habe neben dem Auto gestanden und versucht, den Motorradfahrer anzuhalten, der sich jedoch geweigert habe und bei einem Fluchtversuch verungl\u00fcckt sei. Diese Darstellung wurde offenbar sp\u00e4ter fallen gelassen: In allen sp\u00e4teren Berichten hei\u00dft es, der Kommissar sei im Fahrzeug gewesen, als die T\u00fcr ge\u00f6ffnet wurde. Das Opfer wirft der Polizei vors\u00e4tzliche Gewaltanwendung vor. Sein Anwalt, St\u00e9phane Gas, hat erkl\u00e4rt: \u201eMein Mandant war unterwegs von zuhause, und die Polizei war nicht als solche zu erkennen. Sie hatte nicht einmal das Blaulicht eingeschaltet. Es kann sich also nicht darum handeln, dass mein Mandant sich geweigert h\u00e4tte, den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten.\u201c Er sagte gegen\u00fcber\u00a0Lib\u00e9ration: \u201eMein Mandant ist in diesem Punkt eindeutig. Er sagte: \u201aEs steht au\u00dfer Frage: Ich hatte das Recht, dort vorbeizufahren; die Wagent\u00fcr war geschlossen und wurde erst in dem Moment ge\u00f6ffnet, als ich am Auto vorbeifuhr. Auf der Stra\u00dfe war kein Polizist.&#8217;\u201d Seit f\u00fcnf N\u00e4chten kommt es immer wieder zu Zusammenst\u00f6\u00dfen, und schwer bewaffnete Polizisten nehmen Dutzende von Jugendlichen fest, die mit Feuerwerksk\u00f6rpern und Steinw\u00fcrfen reagieren. Die Unruhen begannen zwar in Ville-la-Garenne, aber seither haben sie sich auf die benachbarten Regionen Seine-Saint-Denis und Nanterre im Nordwesten von Paris ausgeweitet. In Frankreich kam es in den verarmten\u00a0Banlieues,\u00a0rund um die Gro\u00dfst\u00e4dte, schon wiederholt zu urbanen Revolten. Im Oktober 2005 wurden zwei Jugendliche von der Polizei durch die Vorst\u00e4dte von Paris gejagt und auf der Flucht get\u00f6tet, was Unruhen in ganz Frankreich ausl\u00f6ste. Diese richteten sich gegen die soziale Ungleichheit, Armut und unerbittlichen Polizeischikanen. Immer wieder unterdr\u00fcckte die Bereitschaftspolizei die Unruhen mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t. Die Regierung Sarkozy verh\u00e4ngte damals landesweit den Ausnahmezustand und verhaftete im Laufe mehrerer Wochen mehr als 2.800 Personen<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2020-03\/corona-vorsorge-pariser-vororte-ausgangsbeschraenkungen-regierung\/komplettansicht\">\u201eWas, wenn sie in den Vorst\u00e4dten die Nerven verlieren?\u201c von Tassilo Hummel fragte bereits am 24. M\u00e4rz 2020 in der Zeit online<\/a>\u00a0\u2013 also deutlich fr\u00fcher, als dann die Proteste begannen: \u201e\u2026\u00a0<em>Wer in Frankreich momentan ohne eine Bescheinigung und einen triftigen Grund die Wohnung verl\u00e4sst, muss 135 Euro Strafe zahlen. Viele wohlhabende St\u00e4dter sind deswegen aus den Gro\u00dfst\u00e4dten in ihre Ferienh\u00e4user oder Zweitwohnsitze auf dem Land geflohen, wo sich der Hausarrest besser aushalten l\u00e4sst. In Esmilis Heimat Seine Saint-Denis kann sich das kaum jemand leisten. In dem Departement, das n\u00f6rdlich an Paris grenzt, leben mehr als anderthalb Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Wohnblocksiedlungen, die sich hinter dem Stade de France an der Pariser Stadtgrenze bis zum Horizont auft\u00fcrmen, bilden eine Kulisse, die viele Deutsche nur aus Rapvideos und Brennpunkt-Kinofilmen kennen: ein buntes Wirrwarr aus Ethnien und Nationen inmitten von Beton. Vielschichtig, aber aus den Medien vor allem f\u00fcr zwei Dinge bekannt: Armut und Delinquenz. Es liegt wohl auch an diesem Umstand, dass die Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen hier nur schlecht zu greifen scheinen. In sozialen Medien finden sich viele Posts von Anwohnern, die sich beschweren, dass die \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tze noch voller Menschen seien. Vergangenen Freitag wurde au\u00dferdem bekannt, dass zehn Prozent aller landesweiten Verst\u00f6\u00dfe gegen die Ausgangssperre in Seine Saint Denis aufgetreten sind.\u00a0 (\u2026) Immer gr\u00f6\u00dfer wird daher die Angst davor, was passieren k\u00f6nnte, wenn die Jugendlichen in den Vororten irgendwann die Nerven verlieren. Die rei\u00dferische, aber \u00fcber die Vororte bestens informierte Zeitung\u00a0Le Parisien\u00a0hatte in der ersten Woche unter Ausgangssperre bereits von einigen Scharm\u00fctzeln berichtet: Am Dienstagabend habe eine Gruppe Jugendlicher in Aulnay-sous-Bois M\u00fclleimer angez\u00fcndet und Polizisten in einen Hinterhalt gelockt, um sie zu verletzen. Im benachbarten Boissy-Saint-L\u00e9ger habe sich ein 22-J\u00e4hriger t\u00e4tlich gegen die Polizisten gewehrt, die ihn wegen Versto\u00dfes gegen die Ausgangssperren kontrollierten. Und in Clichy-sous-Bois, jener durch die gro\u00dfen Massenaufst\u00e4nde 2005 international ber\u00fchmt gewordenen Trabantenstadt, h\u00e4tten in der Nacht zum Sonntag zwei Laster gebrannt und Polizisten seien mit Eisenkugeln beworfen worden. Im Rathaus von Clichy-sous-Bois will man das Detail mit den Eisenkugeln nicht best\u00e4tigen. Aus dem Umfeld des B\u00fcrgermeisters hei\u00dft es, zu echten Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der Polizei sei es nicht gekommen, auch wenn in der Tat Fahrzeuge in Brand gesetzt wurden. Man sei derzeit besonders hinsichtlich der sozialen Spannungen sensibilisiert, sagt ein Sprecher der Rathauses, denn schlie\u00dflich sei es eine schwierige Situation, wenn Familien jetzt rund um die Uhr teilweise zu sechst auf 50 Quadratmetern zusammenleben und es an jeglichen Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die Jugendlichen fehle. Ein Team aus neun Streetworkern, zehn Gemeindepolizisten und ebenso vielen Stadtteil-Mediatoren sei daher mobilisiert, um der Bev\u00f6lkerung gerade in pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen zu vermitteln, wie wichtig die Ma\u00dfnahmen gegen das Virus sind. Man z\u00e4hle auf die Unterst\u00fctzung der Eltern \u2013 zumindest dort, wo es Eltern gibt, die sich um die Familie k\u00fcmmern\u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Trabantenstaedte-Das-Geld-reicht-nicht-4705433.html\">\u201eTrabantenst\u00e4dte: \u201cDas Geld reicht nicht\u201d\u201c von Thomas Pany am 20. April 2020 bei telepolis<\/a>\u00a0zur \u201esozialen Ausgangslage\u201c unter anderem: \u201e\u2026\u00a0<em>Solche Warnungen gibt es regelm\u00e4\u00dfig. Immer wenn es in Frankreich sozial kritisch wird, schaut man auf die Banlieues, bzw. Trabantenst\u00e4dte. Clichy-sous-Bois ist einer der bekanntesten Vororte. 2005 brachen dort Unruhen aus, die sich \u00fcber mehrere Orte ausdehnten und Schlagzeilen \u00fcber Frankreichs Grenzen hinaus machten: Aufruhr in den St\u00e4dten. Der soziale Z\u00fcndstoff kann tats\u00e4chlich hochgehen, wie sich auch seither immer wieder zeigte. Eine Zeitlang wurde administrativ von \u201csensiblen oder problematischen Zonen\u201d gesprochen. Derzeit werden die Orte, die die wirtschaftlichen Wohlstandsversprechungen nicht erreichen, \u201cquartier prioritaire de la politique de la ville\u201d (QPV) genannt. 1.514 sind als solche QPV registriert. Der Begriff ist, wie sich angesichts der Corona-Krise erneut zeigt, ein doppelter Schwindel. Die Trabantenst\u00e4dte mit der \u201csozio-\u00f6konomisch benachteiligten\u201d Einwohnerschaft haben bei weitem nicht die politischen Priorit\u00e4t, die der Begriff suggeriert, und die Probleme, die im neuen administrativen Begriff nicht mehr auftauchen, sind nicht verschwunden. Ob die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in Frankreich das Klima in den Banlieues derart aufladen, dass es erneut zu Ausschreitungen kommt, ist schwer einzusch\u00e4tzen. Deutlich wird aus den genannten Texten der\u00a0Le Monde\u00a0ein gro\u00dfer Abstand zum Alltag vieler anderer, die in den Medien den Ton angeben. Die Problemlagen sind Welten von dem entfernt, was die gro\u00dfen Medien in Frankreich wie auch in Deutschland an Befindlichkeiten in \u201cCorona-Tageb\u00fcchern\u201d als Ausschnitte aus einer Wohlstandswelt pr\u00e4sentieren. Die Welt der \u201cQuartiers populaires\u201d (Unterklassen-Wohnviertel) kommt kaum in der gr\u00f6\u00dferen franz\u00f6sischen Medien\u00f6ffentlichkeit vor. Sie wird zur Seite geschoben wie vor den Gelbwesten-Protesten die Welt der schlecht verdienenden Angestellten und Freiberufler aus der Peripherie. Die anderen Vergessenen, die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, sind durch die Corona-Epidemie etwas nach vorne ger\u00fcckt zumindest f\u00fcr eine gewisse Zeit. Die Banlieues bleiben drau\u00dfen. Bezeichnend ist, dass der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron schon am Anfang seiner Amtszeit die Ver\u00f6ffentlichung eines lang angek\u00fcndigten Regierungsberichts \u00fcber die Banlieues erst hinausschob und dann g\u00e4nzlich in der Schublade verschwinden lie\u00df. Es gibt im Rahmen dessen, wie Macron seine Wirtschaftspolitik absteckt, kein \u201cErfolgsrezept\u201d, mit dem er punkten k\u00f6nnte. \u201cDas Geld reicht nicht\u201d, ist ein Kernsatz in der Le Monde-Reportage, wo ein paar Stimmen aus unterschiedlichen\u00a0Quartiers populaires\u00a0gesammelt werden. 150 Euro mehr im Monat plus 100 Euro pro Kind hat Macron in seiner Fernsehansprache am 13.M\u00e4rz als au\u00dfergew\u00f6hnliche Hilfe f\u00fcr Familien in finanziell-\u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen versprochen. Doch sind diese Hilfen an administrative Bedingungen gekn\u00fcpft, die viele Familien nicht erf\u00fcllen, so eine weitere Quintessenz aus Berichten zur Lage der\u00a0Quartiers populaires\u00a0zu Zeiten der Corona-Epidemie. Die Arbeitslosigkeit, ohnehin schon \u00fcberdurchschnittlich hoch vor Ausbruch der Epidemie, hat sich durch die Schlie\u00dfung der Gastronomie, der Hotels und anderer Dienstleistungsbetriebe in einem Ma\u00dfe versch\u00e4rft, f\u00fcr das es noch gar keine Zahlen gibt. Aber dass die Lage katastrophal ist, daran gibt es keinen Zweifel<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/paris-luttes.info\/hopitaux-chronique-d-une-13857?lang=fr\">H\u00f4pitaux: chronique d\u2019une catastrophe annonc\u00e9e et d\u00e9nonc\u00e9e\u201c am 24. April 2020 bei Paris-Luttes.info<\/a>\u00a0dokumentiert ein Flugblatt der Basisgewerkschaft CNT-SO zur Bilanz jahrzehntelangen Abbaus des Gesundheitswesens. Die durch Privatisierungen und \u201ebetriebswirtschaftliche Rechnungsf\u00fchrung\u201c \u2013 die sich, keineswegs zuf\u00e4llig, in den Armenvierteln als besonders gef\u00e4hrlich erweist \u2013 und zahlreicher weiterer Ma\u00dfnahmen, inklusive etwa zun\u00e4chst neutral klingender Bestimmungen \u00fcber berufliche Laufbahnen, einen Zustand geschaffen haben, der bereits im Sommer 2019 in verschiedenen Regionen (etwa, wie hier gezeigt, in Elsa\u00df) t\u00f6dliche Folgen hatte und angesichts der Epidemie noch gef\u00e4hrlicher wird\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/paris-luttes.info\/au-nom-de-la-lutte-contre-le-covid-13848?lang=fr\">\u201eAu nom de la lutte contre le covid-19, la police fran\u00e7aise a d\u00e9j\u00e0 tu\u00e9 5 personnes et fait plus de 10 bless\u00e9s graves\u201c am 20. April 2020 bei Paris-Luttes.info<\/a>\u00a0zog eine Zwischenbilanz polizeilichen Wirkens im Epidemie-Ausnahmezustand: 5 Tote, 10 Schwerverletzte. Das war nur die Bilanz der ersten 8 Tage \u2013 und die \u201eGummi\u201c-Geschosse auf ein f\u00fcnfj\u00e4hriges M\u00e4dchen waren dabei einer der Punkte, die das \u201eFass \u00fcberlaufen\u201c lie\u00dfen\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/alt-rev.com\/2020\/04\/22\/deux-menaces-pesent-sur-les-quartiers-le-coronavirus-et-la-police\/\">\u201eDeux menaces p\u00e8sent sur les quartiers: le coronavirus et la police\u201c am 22. April 2020 bei Alternative R\u00e9volutionnaire Communiste<\/a>\u00a0steht hier als Beispiel f\u00fcr die Reaktion einer ganzen Reihe linker Organisationen in Frankreich auf diese Entwicklungen in den Armenvierteln \u2013 die zwei Gefahren gegen\u00fcberstehen: Der Epidemie und der Polizei\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Revoltes-dans-les-quartiers-populaires-le-RN-appelle-a-toujours-plus-de-repression-policiere\">\u201eR\u00e9voltes dans les quartiers populaires: le RN appelle \u00e0 toujours plus de r\u00e9pression polici\u00e8re\u201c von Ju Angio am 22. April 2020 bei R\u00e9volution Permanente<\/a>\u00a0ist ein Beitrag, der darauf verweist, mit welcher Hetzkampagne die radikale Rechte in Frankreich aus Anlass dieser Proteste versucht, noch mehr Polizeistaat einzufordern, als es Macron ohnehin bereits die ganze Zeit praktiziert\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sansattendre.noblogs.org\/archives\/12819\">\u201eToulouse: Beau comme un vautour du logement qui part en fum\u00e9e\u201c am 26. April 2020 bei Sans attendre Demain<\/a>\u00a0ist ein an diesem Datum aktualisierter Bericht \u00fcber militante Aktionen in Toulouse, mit zahlreichen Fotos dokumentiert\u2026<\/p>\n<ul>\n<li>Wir erinnern an unsere Rubrik im LabourNet-Archiv:\u00a0<a href=\"http:\/\/archiv.labournet.de\/internationales\/fr\/ghettorevolte.html\">Frankreichs Ghettos in der Revolte<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/der-krieg-gegen-den-poebel-in-frankreichs-vorstaedten-wird-unter-epidemie-bedingungen-weiter-verschaerft-ohne-erfolg\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es fing am 19. April 2020 in Villeneuve-la-Garenne, Gro\u00dfraum Paris an, nachdem eine Polizeikontrolle zur schweren Verletzung eines Motoradfahrers f\u00fchrte: Heftige und militante Proteste gegen das Polizeiregime, das die franz\u00f6sischen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[87,121,61,45,49,17],"class_list":["post-7686","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-arbeitswelt","tag-covid-19","tag-frankreich","tag-neoliberalismus","tag-repression","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7686"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7686\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7688,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7686\/revisions\/7688"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}