{"id":7753,"date":"2020-05-08T10:26:24","date_gmt":"2020-05-08T08:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7753"},"modified":"2020-05-08T10:26:26","modified_gmt":"2020-05-08T08:26:26","slug":"75-jahre-seit-dem-ende-des-zweiten-weltkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7753","title":{"rendered":"75 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em><strong>Vor 75 Jahren ging in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende. Am fr\u00fchen Morgen des 7. Mai unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im US-Hauptquartier in Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.<\/strong> <!--more--><strong>Adolf Hitler hatte sich eine Woche zuvor angesichts der anr\u00fcckenden Roten Armee im Berliner F\u00fchrerbunker erschossen. Am 8. Mai 1945 um Mitternacht wurden alle Kampfhandlungen beendet. Im Pazifik dauerte der Krieg weitere f\u00fcnf Monate bis zur Kapitulation Japans am 2. September.<\/strong><\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg war das brutalste und verlustreichste Gemetzel der Menschheitsgeschichte. Die Verbrechen und Grausamkeiten, die begangen wurden, \u00fcberstiegen alles, was sich die menschliche Phantasie bisher hatte vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rund 70 Millionen Menschen wurden get\u00f6tet, zwei Drittel davon Zivilisten \u2013 unbewaffnete M\u00e4nner, Frauen und Kinder. Und dabei handelte es sich nicht um \u201eKollateralsch\u00e4den\u201c. Die Ausrottung gro\u00dfer Teile der Zivilbev\u00f6lkerung war von Anfang an erkl\u00e4rtes Ziel des Vernichtungskriegs der Nazis, der seinen barbarischen H\u00f6hepunkt in der planm\u00e4\u00dfigen Ermordung von sechs Millionen Juden fand.<\/p>\n<p>Die Sowjetunion allein verlor rund 27 Millionen ihrer B\u00fcrger, mehr als die H\u00e4lfte davon Zivilisten. Von den 13 Millionen Toten in Uniform starben 3,3 Millionen an Hunger und K\u00e4lte in deutschen Kriegsgefangenenlagern \u2013 an sich schon ein gewaltiges Kriegsverbrechen. Wer als Mitglied der Kommunistischen Partei, Jude oder Partisan deutschen Einheiten in die H\u00e4nde fiel, wurde auf der Stelle erschossen. Ganze Landstriche wurden ausgehungert, niedergebrannt und vernichtet.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"383\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/1945.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7754\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/1945.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/1945-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Unterzeichung der Bedingungslosen Kapitulation am 7. M\u00e4rz 1945 in Reims; General Jodl vorne links (Bild: Mus\u00e9e de la reddition de Reims)<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der m\u00f6rderische Terror beschr\u00e4nkte sich nicht auf die Front. Neben Juden, die aus ganz Europa nach Auschwitz gekarrt wurden, fielen Hunderttausende Sinti und Roma, Mitglieder anderer Minderheiten, Zwangsarbeiter und politische Gefangene den Nazis zum Opfer. Rund 200.000 Behinderte wurden im Rahmen des Euthanasieprogramms get\u00f6tet. Die deutsche Milit\u00e4rjustiz verurteilte 1,5 Millionen Wehrmachtsoldaten wegen Wehrkraftzersetzung und \u00e4hnlichen Taten, 30.000 davon zum Tode. Die Opfer der Ziviljustiz wurden nie genau ermittelt. Allein der Volksgerichtshof verh\u00e4ngte 5200 Todesurteile.<\/p>\n<p>Die Alliierten passten ihre Methoden zunehmend jenen ihrer Gegner an. Erstmals in einem modernen Krieg vernichteten beide Seiten gezielt die Zivilbev\u00f6lkerung von Gro\u00dfst\u00e4dten. Der zweij\u00e4hrigen Belagerung Leningrads durch die Wehrmacht fielen \u00fcber eine Million Menschen zum Opfer. Die von alliierten Bombern entfachten Feuerst\u00fcrme t\u00f6teten in Dresden, Hamburg und anderen St\u00e4dten weit abseits der Front zehntausende Zivilisten. Im April unterzeichnete US-Pr\u00e4sident Harry Truman in Potsdam, keine 30 Kilometer von Hitlers F\u00fchrerbunker entfernt, den Befehl zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.<\/p>\n<p>Das Trauma, das Entsetzen und der Abscheu \u00fcber die unsagbaren Verbrechen und Gr\u00e4uel des Zweiten Weltkriegs verankerten in breiten Teilen der deutschen und der Weltbev\u00f6lkerung die \u00dcberzeugung: \u201eNie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!\u201c Doch 75 Jahre nach Kriegsende sind Faschismus und Krieg weltweit wieder eine unmittelbare Gefahr. Das begann lange vor der Covid-19-Krise, doch die globale Pandemie hat ihre Entwicklung dramatisch beschleunigt.<\/p>\n<p>Begriffe wie \u201eHerdenimmunit\u00e4t\u201c und \u201eTriage\u201c haben die Alltagssprache erobert. Sie stehen f\u00fcr die Diskussion dar\u00fcber, wie viele Menschenleben den Interessen der \u201eWirtschaft\u201c, d.h. der B\u00f6rsenspekulanten und Superreichen geopfert werden sollen. Millionen Arbeiter werden trotz der eindringlichen Warnung von medizinischen Experten an die Arbeit zur\u00fcckgezwungen. US-Pr\u00e4sident Donald Trump bezeichnet die Amerikaner als \u201eKrieger\u201c, die bereit sein m\u00fcssten, ihr Leben f\u00fcr die h\u00f6here Sache zu geben. Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang Sch\u00e4uble\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/29\/scha-a29.html\"><strong>erkl\u00e4rt<\/strong><\/a>, es sei \u201enicht richtig zu sagen, der Schutz von Leben und Gesundheit habe unbedingten Vorrang vor allem anderen\u201c.<\/p>\n<p>Noch nie war das Risiko eines dritten Weltkriegs, der das Ende der menschlichen Zivilisation bedeuten w\u00fcrde, so gro\u00df wie heute.<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident sympathisiert offen mit faschistischen Milizen in den USA und rechten Diktatoren auf der ganzen Welt und droht Iran, Venezuela und der Nuklearmacht China mit Krieg. Die oppositionellen Demokraten unterst\u00fctzen ihn dabei. Neben dem Milit\u00e4rhaushalt der USA, der sich in diesem Jahr auf 738 Milliarden Dollar bel\u00e4uft, verblassen die R\u00fcstungsausgaben des Dritten Reichs. Hitler hatte 1938, dem letzten Vorkriegsjahr, 17, 5 Milliarden Reichsmark in die R\u00fcstung gesteckt. Das entspricht nach heutiger Kaufkraftparit\u00e4t 78 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Ausgerechnet Deutschland ist zum Brennpunkt der Rehabilitierung von Krieg und Nationalsozialismus geworden. Kein anderes europ\u00e4isches Land hat den Verteidigungsetat in j\u00fcngster Zeit derart gesteigert. Allein 2019 wuchs er um 10 Prozent auf fast 50 Milliarden Dollar. Deutschland hat damit Gro\u00dfbritannien \u00fcberholt und ist weltweit auf Rang sieben hinter Frankreich aufgestiegen.<\/p>\n<p>Die Perspektive der herrschenden Klasse brachte der Gr\u00fcne Joschka Fischer auf den Punkt, als er die Deutschen zum 8. Mai aufrief, \u201eihren instinktiven Pazifismus\u201c zu \u00fcberwinden. Das Land m\u00fcsse sich \u201evon seinen pazifistischen Instinkten\u201c l\u00f6sen, schrieb der ehemalige Au\u00dfenminister im\u00a0<em>Tagesspiegel<\/em>. Das j\u00e4he Ende der \u201esanften Patronage\u201c durch die Schutzmacht USA zwinge \u201eEuropa zur verst\u00e4rkten Verteidigung seiner eigenen Sicherheit\u201c. Das k\u00f6nne \u201eohne Deutschland nicht funktionieren\u201c. Mit der Abschw\u00e4chung des amerikanischen Schutzes stellten sich \u201ef\u00fcr Deutschland wieder Fragen, die seit dem Fr\u00fchjahr 1945 andere f\u00fcr uns beantwortet haben\u201c. \u2013 Also: Zur\u00fcck vor 1945!<\/p>\n<p>Der Oppositionsf\u00fchrer im deutschen Bundestag, Alexander Gauland, bezeichnet den 8. Mai als \u201eTag der absoluten Niederlage\u201c, an dem Deutschland seine \u201eGestaltungsm\u00f6glichkeit\u201c verloren habe. Er wies damit einen Vorschlag der Auschwitz-\u00dcberlebenden\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/01\/27\/beja-j27.html\"><strong>Esther Bejarano<\/strong><\/a>\u00a0zur\u00fcck, das Kriegsende zum nationalen Feiertag zu erkl\u00e4ren. Zuvor hatte bereits Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/11\/06\/pers-n06.html\"><strong>Sch\u00e4uble<\/strong><\/a>\u00a0(CDU) 1945 als Jahr der \u201eKatastrophe\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Der rechtsextreme Historiker J\u00f6rg Baberowski hatte schon vor sechs Jahren mit der Behauptung, Hitler sei \u201enicht grausam\u201c, die Rehabilitierung der Nazis eingeleitet. Er wurde von Universit\u00e4tsleitung, Medien und Regierung verteidigt, w\u00e4hrend die Sozialistische Gleichheitspartei, die ihn kritisierte, vom Inlandsgeheimdienst auf die Liste verfassungsfeindlicher Organisationen gesetzt wurde. Nun sollte Baberowski die Festrede auf der zentralen Gedenkfeier an das Ende des Zweiten Weltkriegs in der s\u00e4chsischen Gedenkst\u00e4tte Torgau halten. Nur die Corona-Krise, die zur Absage der Veranstaltung zwang, verhinderte seinen Auftritt.<\/p>\n<p>Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in Deutschland und auf der ganzen Welt lehnt die R\u00fcckkehr zu Militarismus und Faschismus ab. Aber Ablehnung allein reicht nicht aus, um eine Katastrophe zu verhindern. Notwendig sind ein Verst\u00e4ndnis der Ursachen und eine klare politische Pesrpektive. Der Kampf gegen Krieg und Faschismus, das zeigen die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg, ist untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen den Kapitalismus. Er erfordert die Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse f\u00fcr ein sozialistisches Programm.<\/p>\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige historische, soziologische und literarische Werke \u00fcber den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Doch die Auseinandersetzung \u00fcber die Lehren aus dem Absturz der menschlichen Kultur in die Barbarei kollidierte von Anfang an mit m\u00e4chtigen gesellschaftlichen und politischen Interessen.<\/p>\n<p>Die deutschen Eliten setzten ihre Karrieren in Wirtschaft, Regierung, Geheimdienst, Polizei, Justiz, Universit\u00e4ten und Armee nach 1945 bruchlos fort und hatten kein Interesse, in der Vergangenheit zu w\u00fchlen. Hitler, dem sie sich angedient und um den Hals geworfen hatten, stand nun pl\u00f6tzlich als Verf\u00fchrer und Vergewaltiger da. Der F\u00fchrer war an allem schuld, und sie waren h\u00f6chstens Befehlsempf\u00e4nger, wenn nicht sogar heimliche Widerstandk\u00e4mpfer gewesen. Es dauerte 18 Jahre, bis in Frankfurt der erste Prozess gegen die SS-Mannschaften des Konzentrationslagers Auschwitz stattfand, die zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen ermordet hatten.<\/p>\n<p>Die US-Regierung, die in den N\u00fcrnberger Prozessen der ganzen Welt die Verbrechen der Nazis vor Augen f\u00fchrte, vollzog eine rasch Kehrtwende, als sie die Nazi-Experten im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion brauchte. Die Prozesse wurden eingestellt, nachdem zwei Dutzend der \u00fcbelsten Verbrecher zum Tode und etwa f\u00fcnf Mal so viele zu Haftstrafen verurteilt worden waren.<\/p>\n<p>Die stalinistischen Herrscher der Sowjetunion und Osteuropas gingen zwar etwas konsequenter gegen Kriegsverbrecher vor, hatten aber auch kein Interesse, historische Fragen zu kl\u00e4ren. Das h\u00e4tte unweigerlich die eigene kriminelle Rolle am Vorabend des Zweiten Weltkriegs aufgebracht, als die stalinistische B\u00fcrokratie den Kampf der Kommunistischen Massenparteien gegen Faschismus und Krieg l\u00e4hmte und sabotierte.<\/p>\n<p>In Deutschland weigerte sich die KPD, f\u00fcr eine Einheitsfront mit der SPD gegen die Nazis zu k\u00e4mpfen, obwohl die beiden Arbeiterparteien bis 1932 zusammen weit st\u00e4rker waren als die Nazis. In Frankreich und Spanien ordneten die stalinistischen Parteien die Arbeiterklasse einer Volksfront mit der liberalen Bourgeoisie unter, verfolgten und ermordeten revolution\u00e4re Arbeiter und erm\u00f6glichten so den Sieg der Reaktion.<\/p>\n<p>Die Schriften Leo Trotzkis, der das Erbe des Marxismus und der Russischen Oktoberrevolution gegen die stalinistische Degeneration verteidigte, bilden bis heute die wichtigste Quelle zum Verst\u00e4ndnis des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Diktatur.<\/p>\n<p>Trotzki beharrte darauf, dass der Zweite Weltkrieg denselben Ursachen entsprang wie der Erste: Dem Kampf m\u00e4chtiger kapitalistischer Nationalstaaten um eine Vormachstellung in der zunehmend integrierten Weltwirtschaft; dem Widerspruch zwischen Weltwirtschaft und Nationalstaat, auf dem der Kapitalismus beruht; dem Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4ften und Privateigentum an den Produktionsmitteln.<\/p>\n<p>Bereits im Sommer 1934, f\u00fcnf Jahre vor Ausbruch des Weltkriegs, warnte er:<\/p>\n<p>Dieselben Faktoren, die den letzten imperialistischen Krieg hervorgerufen haben und die vom heutigen Kapitalismus untrennbar sind, entfalten gegenw\u00e4rtig ungleich gr\u00f6\u00dfere Kraft als Mitte 1914. Nur die Furcht vor den Folgen eines neuen Krieges bremst gegenw\u00e4rtig noch den Drang des Imperialismus zum Kriege. Doch ist die Kraft dieser Bremse begrenzt. Die Spannung der inneren Widerspr\u00fcche st\u00f6\u00dft ein Land nach dem anderen auf den Weg des Faschismus, der sich wiederum nur an der Macht halten kann, indem er sich anschickt, internationale Explosionen auszul\u00f6sen. Alle Regierungen f\u00fcrchten den Krieg, doch keine einzige hat die freie Wahl. Ohne proletarische Revolution ist ein neuer Weltkrieg unvermeidlich. (1)<\/p>\n<p>Hitlers Pers\u00f6nlichkeit hatte Einfluss auf den Ablauf der Ereignisse, aber sie war nicht die Ursache des Krieges. Die Frage war vielmehr, warum ein antisemitischer Psychopath aus der Gosse Wiens zum \u201eF\u00fchrer\u201c Deutschlands aufsteigen konnte. Die Antwort ist eindeutig: Die herrschende Klasse brauchte Hitler und seine faschistische Bewegung als Rammbock gegen die sozialistischen Bestrebungen der Arbeiterklasse und um einen zweiten imperialistischen Raubkrieg vorzubereiten.<\/p>\n<p>\u201eDieser deutsche Epileptiker mit einer Rechenmaschine in seinem Sch\u00e4del und unbegrenzter Macht in seinen H\u00e4nden fiel nicht vom Himmel und kam nicht aus der H\u00f6lle; er ist nichts als die Verk\u00f6rperung der Zerst\u00f6rungskr\u00e4fte des Imperialismus\u201c,(2) schrieb Trotzki 1940 \u00fcber Hitler.<\/p>\n<p>Auch die USA und Gro\u00dfbritannien f\u00fchrten keinen Krieg zur Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus, wie sie behaupteten, sondern einen Krieg um die imperialistische Neuaufteilung der Welt.<\/p>\n<p>Der Krieg l\u00f6ste keines der Probleme, die ihn hervorgerufen hatten. Gest\u00fctzt auf die \u00f6konomische St\u00e4rke der USA und die Politik des Stalinismus, der die revolution\u00e4ren Bestrebungen der Arbeiterklasse unterdr\u00fcckte und die m\u00e4chtigen Widerstandsbewegungen in Italien und Frankreich entwaffnete, entstand nach 1945 ein neues, labiles Gleichgewicht zwischen den imperialistischen M\u00e4chten. Auch in Osteuropa fanden keine sozialistischen Revolutionen statt. Die Stalinisten gingen in den sogenannten Pufferstaaten erst zu Enteignungen im gro\u00dfen Stil \u00fcber, als sich die b\u00fcrgerlichen Elemente verst\u00e4rkt nach Westen orientierten. Gleichzeitig unterdr\u00fccken sie Arbeiteraufst\u00e4nde, wie 1953 in der DDR und 1956 in Ungarn.<\/p>\n<p>Auf die Massenstreiks und Studentenrevolten, die zwischen 1968 und 1975 Frankreich, gro\u00dfe Teile Europas und die USA ersch\u00fctterten, reagierten die Kapitalisten mit einer Gegenoffensive und der Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte. Die Folgen waren eine beispiellose internationale Integration der Produktion und eine Versch\u00e4rfung des Kampfs um internationale Vorherrschaft.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Jahr 1991 bedeutete nicht das Scheitern des Sozialismus, sondern des nationalistischen Programms der stalinistischen B\u00fcrokratie. Sie k\u00fcndigte, wie das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) damals als einzige politische Tendenz betonte, ein neues Stadium interimperialistischer Konflikte und eine neue Epoche von Kriegen und Revolutionen an.<\/p>\n<p>Drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter steht die Korrektheit dieser Analyse au\u00dfer Zweifel. Der globale Kapitalismus steuert auf eine weitere Katastrophe zu, w\u00e4hrend sich die Arbeiterklasse \u2013 die heute weitaus zahlreicher und international viel enger verbunden ist \u2013 rasch radikalisiert. Alles h\u00e4ngt nun davon ab, [\u2026 auf internationaler Ebene revolution\u00e4re politische Organisationen in der Tradition des revolution\u00e4ren Marxismus] aufzubauen, um den K\u00e4mpfen der Arbeiterklasse eine sozialistische Orientierung zu geben. Nur der Sturz des Kapitalismus kann eine weitere Katastrophe wie den Zweiten Weltkrieg verhindern.<\/p>\n<p><strong>Zitate<\/strong><\/p>\n<p>1) Leo Trotzki, \u201eDer Krieg und die IV. Internationale\u201c, in:\u00a0<em>Schriften\u00a03<\/em>, Bd. 3.3, K\u00f6ln 2001, S. 550.<\/p>\n<p>2) Leo Trotzki, \u201eManifest der IV. Internationale zum imperialistischen Krieg und zur proletarischen Weltrevolution\u201c, in:\u00a0<em>Das \u00dcbergangsprogramm<\/em>, Essen 1997, S. 224.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/05\/08\/mai8-m08.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. Mai 2020 mit einer kleinen \u00c4nderung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Vor 75 Jahren ging in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende. Am fr\u00fchen Morgen des 7. Mai unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im US-Hauptquartier in Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[34,18,76,20,46,118],"class_list":["post-7753","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-faschismus","tag-imperialismus","tag-neue-rechte","tag-sowjetunion","tag-usa","tag-zweiter-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7753"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7753\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7755,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7753\/revisions\/7755"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}