{"id":7760,"date":"2020-05-08T10:56:22","date_gmt":"2020-05-08T08:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7760"},"modified":"2020-05-08T10:56:23","modified_gmt":"2020-05-08T08:56:23","slug":"chile-in-der-arbeiterklasse-staut-sich-wut-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7760","title":{"rendered":"Chile: \u00abIn der Arbeiterklasse staut sich Wut auf\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei der internationalistischen Kundgebung der FT-CI am 1. Mai sprach Lester Calder\u00f3n, Pr\u00e4sident der Gewerkschaft 1 Orica &#8211; Constramet und Mitglied der Partei Revolution\u00e4rer Arbeiter*innen (PTR) aus Chile. Er sprach von der Realit\u00e4t der Entlassungen inmitten der Pandemie.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Von Chile aus m\u00f6chte ich einen herzlichen Gru\u00df an alle Genoss*innen senden, die an dieser internationalen Kundgebung teilgenommen haben, denn an diesem 1. Mai zeigt sich mehr denn je, dass die Arbeiter*innenklasse keine Grenzen kennt.<\/em><\/p>\n<p><em>In Chile merkt man immer heftiger die Auswirkungen der Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Hunderttausende Entlassungen und Suspendierungen zeigen, dass die Forderungen des Massenaufstandes, der im letzten Oktober begann, dringender denn je sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir gingen auf die Stra\u00dfe, weil unsere Eltern und Gro\u00dfeltern im Sterben lagen und darauf warteten, in Krankenh\u00e4usern von einem bereits zusammengebrochenen Gesundheitssystem behandelt zu werden. Allein im Jahr 2018 starben fast 26.000 Menschen auf Wartelisten f\u00fcr Behandlungen, die nie durchgef\u00fchrt wurden.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir lehnten uns auf, weil unsere Gro\u00dfeltern aufgrund eines w\u00e4hrend der Diktatur eingef\u00fchrten Rentensystems bis zum Tod weiterarbeiten m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p><em>In Chile gelang es dem Massenaufstand, die politische Agenda aufzur\u00fctteln und die neoliberalen Reformen, die die Regierung vertiefen wollte, zu bremsen. Heute wollen sie die Pandemie nutzen, um diese Ma\u00dfnahmen wieder aufzugreifen und sie zu versch\u00e4rfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Pi\u00f1eras Plan ist dreist. Sie wollen, dass wir weiter arbeiten und zwingen uns, in \u00fcberf\u00fcllten \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, w\u00e4hrend sie gleichzeitig zwischen 22:00 Uhr und 05:00 Uhr eine Ausgangssperre verh\u00e4ngen\u2026 mit anderen Worten k\u00f6nnen wir nachts vom Milit\u00e4r ermordet werden, aber morgens m\u00fcssen wir zur Arbeit fahren und mit der M\u00f6glichkeit einer Ansteckung leben!<\/em><\/p>\n<p><em>Dar\u00fcber hinaus verabschiedete die Regierung ein echtes unternehmensfreundliches Arbeitslosengesetz, das es gro\u00dfen Unternehmen erm\u00f6glicht, uns ohne Bezahlung zu suspendieren. Obendrein m\u00fcssen wir unser Einkommen mit unseren eigenen Ersparnissen aus der Arbeitslosenversicherung decken, ohne dass die Bosse \u00fcberhaupt etwas zahlen.<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-von-2020-05-07-19-42-03-890x550-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7761\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-von-2020-05-07-19-42-03-890x550-1.png 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-von-2020-05-07-19-42-03-890x550-1-300x185.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Bildschirmfoto-von-2020-05-07-19-42-03-890x550-1-768x475.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p><em>Jetzt denkt die Regierung, sie habe die Oberhand, aber sie irrt sich. Im Untergrund, an unseren Arbeitspl\u00e4tzen und in den Arbeiter*innenvierteln, staut sich Wut auf. Es ist auch die Wut der Jugend, die weiter gegen die m\u00f6rderischen Bullen k\u00e4mpft, die nach wie vor v\u00f6llige Straffreiheit genie\u00dfen. Wir sind sicher, dass sich diese Wut fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in Widerstand verwandeln wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Und bereits jetzt sehen wir die ersten Versuche. Es gibt Mobilisierung von Hafenarbeitern und von der Bev\u00f6lkerung in den Armenvierteln.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Gesundheitspersonal hat bereits protestiert, um den Mangel an Schutz und Material anzuprangern, der das Leben einer Mitarbeiterin im Gesundheitssektor gekostet hat, wie das Beispiel der Besch\u00e4ftigten des Krankenhauses Barros Luco Trudeau in Santiago de Chile zeigt, wo wir alle unsere Kr\u00e4fte in den Dienst dieses Kampfes gestellt haben.<\/em><\/p>\n<p><em>In Antofagasta, einer Bergbau-, Hafen- und Industriestadt, die eines der Epizentren des Massenaufstandes war, haben wir vom Notfall- und Schutzkomitee aus die Solidarit\u00e4t gef\u00f6rdert, und wir sind auch Teil der Koordination von Gewerkschaften wie SGS Minerals, SGS Chile und Bur\u00f3 Veritas, die heute gemeinsam gegen Entlassungen k\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch von der Gewerkschaft der Arbeiter*innen von Orica, der ich angeh\u00f6re, unterst\u00fctzen wir zusammen mit den Bergarbeitern von Guanaco und den Lehrerinnen den Kampf der Reinigungskr\u00e4fte des Krankenhauses von Antofagasta, die f\u00fcr Material und Hygienebedingungen gek\u00e4mpft und gewonnen haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind auch Teil des Kampfes der prek\u00e4ren Jugend von Starbucks und Burger King. Wir setzen uns f\u00fcr den Aufbau einer starken Bewegung gegen Entlassungen und Suspendierungen im ganzen Land ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Um dem Plan der Regierung und der Bosse entgegenzutreten, ist die Einheit der Arbeiter*innen, der Arbeitslosen und der Menschen in den Armenvierteln unerl\u00e4sslich.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch das B\u00fcndnis mit der Studierendenbewegung, den territorialen Versammlungen und den Frauen, die in diesem Jahr die Stra\u00dfen f\u00fcllten und f\u00fcr ihre Rechte und die der Arbeiter und Arbeiterinnen k\u00e4mpften.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 12. November letzten Jahres, w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Generalstreiks der letzten Jahrzehnte, sahen wir das Potenzial der Arbeiter*innenklasse, die vereint mit den Massen und der k\u00e4mpferische Jugend der \u201ePrimera Linea\u201c k\u00e4mpfte.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist kein Zufall, dass die Rebellion in Chile zu den Ereignissen geh\u00f6rte, die zur Einberufung der Lateinamerikanischen Konferenz der Front der Linken und Arbeiter*innen in Argentinien f\u00fchrten, denn gegen diejenigen, die behaupten, den Rechten antwortet man mit parlamentarischen und gerichtlichen Man\u00f6vern, konnten wir zeigen, dass der wahre Motor der Geschichte der Klassenkampf ist.<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend Millionen von uns auf den Stra\u00dfen Geschichte schrieben, wurde die so genannte \u201eparlamentarische K\u00fcche\u201c zwischen der Rechten, der ehemaligen Concertaci\u00f3n, und der Frente Amplio (reformistisches Parteienb\u00fcndnis) organisiert, um unsere Rebellion mittels T\u00e4uschungen zu bremsen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun hat die Kommunistische Partei Chiles gemeinsam mit den rechten Parteien das Arbeitslosengesetz der Regierung abgesegnet. Diese Partei steht an der Spitze des Gewerkschaftsdachverbandes CUT, und heute gibt es viele von uns, die die CUT, die in den Untergrund verschwunden ist, als ein echtes Beispiel f\u00fcr Passivit\u00e4t anprangern. Wir fordern von ihnen das Ende des Waffenstillstands und den Kampf gegen alle Angriffe aufzunehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Jeder Angriff, den sie durchgehen lassen, gibt den Rechten mehr Selbstvertrauen. So sehr, dass sie nun versuchen, die Durchf\u00fchrung des Plebiszits aufzuschieben und Pinochets Verfassung unangetastet zu lassen, wie sie es selbst mit Ausreden angedeutet haben, indem sie sagten, man k\u00f6nne das Plebiszit aufschieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir verurteilen jeden Versuch der kriminellen Regierung, das Plebiszit zu verschieben oder abzusagen und die Militarisierung aufrechtzuerhalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch w\u00e4hrend wir diesen antidemokratischen Versuch anprangern, haben wir das aus der \u201eparlamentarischen K\u00fcche\u201c geborene Plebiszit in Frage gestellt, weil es nicht die Option einer wirklich souver\u00e4nen Verfassungsgebenden Versammlung beinhaltet, wie sie die Massen auf der Stra\u00dfe forderten.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur durch den Kampf und mit den Methoden der Arbeiter*innenklasse werden wir eine freie und souver\u00e4ne Verfassungsgebende Versammlung erobern, \u00fcber der keine Institution des Regimes steht. Nur so werden wir das Erbe der Diktatur beenden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wissen, dass wir in diesem Kampf dem eisernen Widerstand der Kapitalist*innen entgegenstehen werden, dem nur die Arbeiter*innenklasse, selbstorganisiert und im B\u00fcndnis mit den Massen, entgegentreten kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Und deshalb bereiten wir uns jetzt vor, und als Partei Revolution\u00e4rer Arbeiter*innen (PTR) k\u00e4mpfen wir f\u00fcr den Aufbau einer neuen Linken, einer revolution\u00e4ren Partei der Arbeiter*innenklasse.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Linke, die versucht, die Traditionen des Kampfes und der Selbstorganisierung der chilenischen Arbeiter*innenklasse wiederzuerlangen, jene, die den Himmel erst\u00fcrmte, indem sie in den 1970er Jahren die m\u00e4chtigen Cordones Industriales (Selbstverwaltungsorgane der Arbeiter*innen im Industrieg\u00fcrtel von Santiago) errichtete.<\/em><\/p>\n<p><em>Weil wir wissen, dass wir nicht bei Null anfangen. Und wir wissen, dass diese Partei in Chile aus der Zusammenkunft all derer hervorgehen wird, die die Lehren aus dem Kampf der letzten Zeit ziehen wollen, zusammen mit einer Strategie und einem Programm, das f\u00fcr eine Regierung der Arbeiter*innen im Bruch mit dem Kapitalismus k\u00e4mpft.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir k\u00e4mpften f\u00fcr die Eroberung dessen, was auf den W\u00e4nden des Landes zu lesen war: \u201ef\u00fcr ein Leben, das wert ist, gelebt zu werden\u201c, das nur erreicht werden kann, wenn dieses System im Dienste des Gro\u00dfkapitals besiegt und alle Formen der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung beendet werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/chile-im-untergrund-an-unseren-arbeitsplaetzen-und-in-den-arbeiterinnenvierteln-staut-sich-wut-auf\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. Mai 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der internationalistischen Kundgebung der FT-CI am 1. 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