{"id":7781,"date":"2020-05-11T10:57:22","date_gmt":"2020-05-11T08:57:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7781"},"modified":"2020-05-11T10:57:23","modified_gmt":"2020-05-11T08:57:23","slug":"streiks-und-proteste-gegen-rueckkehr-an-die-arbeit-nehmen-weltweit-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7781","title":{"rendered":"Streiks und Proteste gegen R\u00fcckkehr an die Arbeit nehmen weltweit zu"},"content":{"rendered":"<p><em>Shannon Jones. <\/em><strong>W\u00e4hrend Regierungen weltweit versuchen, eine vorschnelle R\u00fcckkehr an die Arbeit zu erzwingen, wehren sich die Arbeiter weiterhin mit Streiks und Protesten dagegen, dass sie f\u00fcr die Profite der Konzerne ihr Leben aufs Spiel setzen sollen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Zahl der Covid-19-Infizierten liegt mittlerweile bei \u00fcber vier Millionen weltweit, die Zahl der Toten bei \u00fcber 280.000. In mehreren L\u00e4ndern steigt die Zahl der Neuansteckungen rapide an, u.a. in Brasilien, Indien, Gro\u00dfbritannien und Russland. In den europ\u00e4ischen Staaten wie Spanien und Italien, die ohnehin schon stark von der Pandemie betroffen sind, ist die Zahl der Neuinfektionen weiterhin hoch. Gro\u00dfbritannien hat mittlerweile die zweith\u00f6chste Gesamtzahl an Covid-19-Todesf\u00e4llen (fast 32.000), gleich nach den USA (\u00fcber 80.000).<\/p>\n<p>Die Inkompetenz und kaltschn\u00e4uzige Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber Menschenleben, die die kapitalistischen Machthaber in einem Land nach dem anderen an den Tag legen, f\u00fchrt zu einer Versch\u00e4rfung des Klassenkampfs. Diesen Kampf mussten die Arbeiter gr\u00f6\u00dftenteils ohne die korrupten und wirtschaftsfreundlichen Gewerkschaften f\u00fchren und die Angelegenheit in die eigenen H\u00e4nde nehmen. Die Gewerkschaften arbeiten \u00fcberall Hand in Hand mit den Regierungen und Arbeitgebern zusammen, um den Widerstand gegen eine verfr\u00fchte R\u00fcckkehr an die Arbeit zu stoppen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/us.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7782\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/us.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/us-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Protestierende Pflegekr\u00e4fte vor dem Pflegeheim \u201eThe Villa at Windsor Park\u201c im S\u00fcden Chicagos am 6. Mai 2020 (AP Photo\/Charles Rex Arbogast)<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p>Besonders die am st\u00e4rksten unterdr\u00fcckten und ausgebeuteten Schichten der Arbeiter, wie Immigranten oder Besch\u00e4ftigte des Dienstleistungsgewerbes, setzen sich zur Wehr. Viele dieser K\u00e4mpfe sind zwar klein, aber dennoch symptomatisch f\u00fcr die allgemeine Entschlossenheit, nicht zuzulassen, dass Menschenleben f\u00fcr Konzernprofite geopfert werden.<\/p>\n<p>Laut der Website paydayreport.com gab es seit dem 1. M\u00e4rz in den USA 173 Streiks als Reaktion auf die Corona-Pandemie. Angesichts der Bestrebungen, die Betriebe wieder zu \u00f6ffnen, wird sich diese Zahl vermutlich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Am Mittwoch vergangener Woche gab die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer (Demokraten), gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Wiederer\u00f6ffnung der Autowerke im gesamten Bundesstaat am 11. Mai. Michigan ist nicht nur ein Zentrum der Autoindustrie, sondern auch eines der Zentren der Corona-Pandemie in den USA; vor allem Detroit ist stark betroffen. Die Autoproduktion in einem Gro\u00dfteil von Nordamerika wurde erst nach einer Welle von spontanen Streiks im M\u00e4rz stillgelegt. In den USA, Kanada und Mexiko herrscht unter den Arbeitern weiterhin starker Widerstand gegen eine verfr\u00fchte R\u00fcckkehr an die Arbeit.<\/p>\n<p>In Mexiko hat eine Welle von Streiks die Produktion in vielen der \u201eMaquiladora\u201c-Werke entlang der Grenze zu den USA zum Erliegen gebracht. Die Regierung dr\u00e4ngt jedoch auf Druck der Autobauer auf eine Wiederaufnahme der Produktion. General Motors erkl\u00e4rte, es habe sich noch nicht f\u00fcr ein festes Datum f\u00fcr die Wiederer\u00f6ffnung des Werks in Silao entschieden; einige Arbeiter sollen jedoch die Benachrichtigung erhalten haben, sie sollten am 18. Mai wieder zur Arbeit erscheinen.<\/p>\n<p>In Spanien ist die Autoproduktion auf Anweisung der PSOE-Regierung gegen die Empfehlungen von Gesundheitsexperten bereits wieder angelaufen. Am Montag streikten die Arbeiter des Nissan-Presswerks in Montcada, sodass das gro\u00dfe Nissan-Werk in Barcelona kurz nach seiner Wiederer\u00f6ffnung schlie\u00dfen musste. Nissan besch\u00e4ftigt in Spanien etwa 4.000 Arbeiter. Viele f\u00fcrchten um ihren Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der letzten Woche kam es in mehreren Branchen und Berufsgruppen in den USA zu Streiks. Am Donnerstag protestierten Lastwagenfahrer in den H\u00e4fen von Los Angeles und Long Beach (Kalifornien) vor der Hafenverwaltung von Los Angeles f\u00fcr besseren Schutz vor Covid-19.<\/p>\n<p>Mehr als 30 Lastwagen stellten sich um das Geb\u00e4ude auf, an einigen waren Schilder mit Aufschriften wie \u201eHafen von Los Angeles, setze deine Gesetze durch\u201c oder \u201eWir sind systemrelevante Arbeiter und verdienen Schutzausr\u00fcstung\u201c.<\/p>\n<p>In Palo Alto (Kalifornien) protestierten Pflegekr\u00e4fte des Stanford Hospital gegen die aktuelle Entscheidung des Managements, ihre L\u00f6hne um 20 Prozent zu k\u00fcrzen. Diese K\u00fcrzung trat am 27. April in Kraft, doch die Service Employees International Union (SEIU) verz\u00f6gerte den Arbeitskampf bis letzte Woche.<\/p>\n<p>Auch in den Fleischverarbeitungsbetrieben in den USA, in denen es eine Welle von Infektionen gab, halten die Proteste an. Die US-Seuchenschutzbeh\u00f6rde ver\u00f6ffentlichte am 1. Mai einen Bericht, laut dem es in diesen Betrieben bis zum 20. April 4.913 F\u00e4lle und 20 Todesopfer gab. Zweifellos ist diese Zahl seither deutlich angestiegen. Am Freitag wurde gemeldet, dass im Tyson-Foods-Werk in Waterloo (Iowa) 1.031 Arbeiter positiv auf das Virus getestet wurden. Die republikanische Gouverneurin Kim Reynolds hatte einen Tag zuvor nur eine halb so gro\u00dfe Zahl gemeldet.<\/p>\n<p>In Kanada verhinderte die Gewerkschaft United Food and Commercial Workers letzte Woche einen Arbeitskampf gegen die R\u00fcckkehr zur Arbeit in dem riesigen Fleischverarbeitungsbetrieb in Cargill (Alberta). Dieser war vor\u00fcbergehend geschlossen worden, nachdem sich \u00fcber 900 Arbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten. 85 Prozent der Arbeiter erkl\u00e4rten, sie h\u00e4tten Angst davor, wieder an die Arbeit zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Donald Trump verf\u00fcgte am 28. April per Dekret, dass die Fleischverarbeitungsbetriebe in den USA trotz Covid-19-Infektionen als \u201erelevante Infrastruktur\u201c ge\u00f6ffnet bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am Mittwoch legten im Gefl\u00fcgelverarbeitungsbetrieb des Unternehmens Raeford in West Columbia (South Carolina) 20 Arbeiter die Arbeit nieder, um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren. Die Arbeiter erkl\u00e4rten, es gebe zu wenig soziale Distanzierung. Sie Bedingungen seien schlecht, und sie forderten eine Gefahrenzulage.<\/p>\n<p>Ein Arbeiter erkl\u00e4rte in der Lokalpresse: \u201eMan sollte uns sch\u00e4tzen, da wir systemrelevante Arbeiter sind&#8230; Wenn wir so wichtig sind, m\u00fcssen wir uns wichtig und gesch\u00e4tzt f\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p>Am Freitag beteiligten sich Dutzende Arbeiter an einer Protestveranstaltung mit Wohnwagen vor dem Gefl\u00fcgelverarbeitungswerk von Bell &amp; Evans in Lebanon County (Pennsylvania). Dort arbeiten 1.800 Besch\u00e4ftigte, die meisten von ihnen sind Immigranten. Zwei von ihnen sind an Covid-19 gestorben. Die Arbeiter fordern die Schlie\u00dfung und Grundreinigung des Werks, bevor der Betrieb wiederaufgenommen wird.<\/p>\n<p>In Monmouth (Illinois) protestierten die Arbeiter von Smithfield Foods am 2. Mai mit Gesichtsmasken und selbst gemalten Papierschildern gegen die geplante Wiederer\u00f6ffnung des Schweinefleisch-Verarbeitungsbetriebs, der wegen Covid-19-F\u00e4llen vor\u00fcbergehend geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Die Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen stand: \u201eWir wollen Tests, bevor wir wieder arbeiten gehen\u201c, und skandierten ihre Forderungen.<\/p>\n<p>Am 1. Mai demonstrierten die Kinder der Smithfield-Food-Arbeiter in Crete (Nebraska) bereits das zweite Wochenende in Folge mutig f\u00fcr die Schlie\u00dfung des dortigen Werks, nachdem sich 50 Arbeiter mit Covid-19 infiziert hatten.<\/p>\n<p>Auf ihren Schildern war u.a. zu lesen: \u201eUnsere Eltern sind systemrelevant und nicht entbehrlich.\u201c Ein junger Demonstrant erkl\u00e4rte in einer lokalen Nachrichtensendung: \u201eWann werden wir aufh\u00f6ren? Wenn 300 Arbeiter krank sind?\u201c Ein anderer f\u00fcgte hinzu: \u201eWir w\u00fcrden lieber wochen- oder sogar monatelang kein Fleisch essen, damit alle gesch\u00fctzt sind.\u201c<\/p>\n<p>Am Donnerstag protestierten au\u00dferdem Besch\u00e4ftigte der Restaurantkette Chipotle in Manhattan vor der Filiale am Empire State Building f\u00fcr \u201eRespekt f\u00fcr systemrelevante Arbeiter\u201c und die Abschaffung von Billigl\u00f6hnen. Auch die Besch\u00e4ftigten von Caribou Coffee demonstrierten f\u00fcr bessere L\u00f6hne und sichere Arbeitsbedingungen. Beim Schnapshersteller Hood River Distillers in Oregon legten die Arbeiter am Mittwoch die Arbeit nieder, nachdem das Management einen minderwertigen Plan zur medizinischen Versorgung vorgelegt hatte. Als Reaktion auf die Pandemie hatte das Unternehmen die Produktion von Handdesinfektionsmittel aufgenommen.<\/p>\n<p>Am Samstag protestierten 70 Eigent\u00fcmer und Betreiber von Lastwagen in Washington DC vor dem Wei\u00dfen Haus gegen Tarifsenkungen f\u00fcr Lastwagenfahrer, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben.<\/p>\n<p>Auch die Arbeiter des Landwirtschaftsbetriebs Allan Brothers Fruit in Naches (Washington) sind in den Streik getreten, um vom Management bessere Arbeitsbedingungen und Gefahrenzulagen zu fordern. Sie erkl\u00e4ren, soziale Distanzierungsma\u00dfnahmen seien unm\u00f6glich. Das Angebot des Unternehmens, f\u00fcnf Wochen unbezahlten Urlaub zu nehmen, haben die Besch\u00e4ftigten zur\u00fcckgewiesen. In Providence (Rhode Island) haben die Arbeiter des Groden Center, einer Betreuungseinrichtung f\u00fcr autistische Kinder, f\u00fcr Gefahrenzulagen protestiert.<\/p>\n<p>In Kenia drohen Pflegekr\u00e4fte, Klinikpersonal, medizinische Labortechniker, pharmazeutische Techniker, Ern\u00e4hrungswissenschaftler und andere Besch\u00e4ftigte des Gesundheitswesens mit einem Streik wegen fehlender Schutzausr\u00fcstung. Mehrere Gewerkschaften der Kenya Health Professionals Society ver\u00f6ffentlichten am 4. Mai einen Streikaufruf f\u00fcr 14 Tage. Momentan liegen 12 infizierte Arbeiter des Gesundheitswesens mit schweren Symptomen in Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p>In Neu-Delhi legten Pflegekr\u00e4fte des Krankenhauses Baba Saheb Ambedkar am 4. Mai die Arbeit nieder, um gegen die unsicheren Bedingungen in der Einrichtung zu demonstrieren. Zahlreiche \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte und andere Besch\u00e4ftigte haben sich bereits mit Covid-19 angesteckt.<\/p>\n<p>In Kerman in S\u00fcd-Zentral-Iran streikten am Montag etwa 3.500 Kohlebergarbeiter f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung und bessere Renten. In Ahwas im S\u00fcdwesten des Landes protestierten am gleichen Tag st\u00e4dtische Besch\u00e4ftigte vor dem Geb\u00e4ude der Provinzregierung f\u00fcr die Auszahlung von seit Februar ausstehenden L\u00f6hnen und gegen die nicht erfolgte Bezahlung ihrer Neujahrszulage.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien fand letzte Woche eine Drive-By-Auto-Demonstration zur Unterst\u00fctzung von Besch\u00e4ftigten des Abfallentsorgungsunternehmens Norse Medway statt, denen die Entlassung angedroht wird, weil sie Schutzausr\u00fcstung gefordert hatten. Norse Medway, das im s\u00fcdenglischen Medway f\u00fcr die Abfallbeseitigung zust\u00e4ndig ist, hatte zun\u00e4chst die Bereitstellung von Schutzausr\u00fcstung versprochen, diese Zusage jedoch sp\u00e4ter zur\u00fcckgenommen.<\/p>\n<p>In Kuwait organisierten \u00e4gyptische Gastarbeiter am Montag eine Protestveranstaltung, um auf ihre katastrophale Lage hinzuweisen. Tausende von \u00e4gyptischen Gastarbeitern, deren Arbeitserlaubnis abgelaufen ist, sitzen in Kuwait fest und k\u00f6nnen das Land nicht verlassen, weil die Fl\u00fcge nach \u00c4gypten wegen der Corona-Pandemie eingestellt wurden.<\/p>\n<p>Der zunehmende Widerstand gegen die r\u00fccksichtslose Wiederaufnahme der Produktion ist Ausdruck eines grundlegenden Zusammensto\u00dfes von Klasseninteressen. Auf der einen Seite versuchen Arbeiter, ihr Leben und das ihrer Familien und Kollegen zu verteidigen. Die uners\u00e4ttlichen M\u00e4rkte hingegen fordern immer mehr Profit. Der Widerstand der Arbeiter muss einen bewussten und organisierten Ausdruck finden. Zu diesem Zweck m\u00fcssen Aktionskomitees in Betrieben und Arbeitsst\u00e4tten errichtet werden, die unabh\u00e4ngig von den wirtschaftsfreundlichen Gewerkschaften agieren. Dieser Kampf muss von einem sozialistischen Programm geleitet werden, das die Umwandlung der riesigen transnationalen Konzerne und Banken in \u00f6ffentliches Eigentum unter der Kontrolle der Arbeiterklasse vorsieht.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/05\/11\/lead-m11.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Mai 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Shannon Jones. 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