{"id":7834,"date":"2020-05-18T11:29:54","date_gmt":"2020-05-18T09:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7834"},"modified":"2020-05-18T11:29:56","modified_gmt":"2020-05-18T09:29:56","slug":"impfstoffhersteller-pokern-hoch-angriffe-auf-patentschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7834","title":{"rendered":"Impfstoffhersteller pokern hoch &#8211; Angriffe auf Patentschutz"},"content":{"rendered":"<p><em>Ulrike Henning. <\/em>Das globale Wettrennen um den ersten Impfstoff gegen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1136779.coronakrise-wer-zahlt-fuer-die-krise.html\">das neuartige Coronavirus<\/a>\u00a0nimmt Fahrt auf, noch bevor auch nur f\u00fcr einen Kandidaten alle Tests abgeschlossen sind. Kurzzeitig sah es dabei so aus, als h\u00e4tten sich die USA das Recht<!--more--> der gr\u00f6\u00dften Vorbestellung auf einen Impfstoffkandidaten des franz\u00f6sischen Pharmariesen Sanofi gesichert. Dem hat der Hersteller inzwischen aber widersprochen und versichert, alle Regionen der Welt sollen ein solches Mittel zur gleichen Zeit bekommen.<\/p>\n<p>Dennoch ist weiterhin offen, ob k\u00fcnftige Impfstoffe wirklich allen Menschen zug\u00e4nglich sein wird. Vor allem die USA in der Person ihres Pr\u00e4sidenten Donald Trump beanspruchen Vorrechte und wollen diese auch sichern. Sanofi hatte zusammen mit dem britischen Unternehmen Glaxo-SmithKline eine Impfstoffentwicklung bis 2021 angestrebt. Beide Konzerne erhalten finanzielle Unterst\u00fctzung von der Beh\u00f6rde f\u00fcr biomedizinische Forschung und Entwicklung (Barda) des US-Gesundheitsministeriums. Gleichzeitig befindet sich Sanofi in Gespr\u00e4chen mit der EU sowie den Regierungen in Paris und Berlin,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1136787.corona-und-soziale-folgen-kanzleramt-stellt-klar-keine-impfpflicht-gegen-corona.html\">um die regionale Impfstoffentwicklung zu beschleunigen<\/a>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/215786.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7835\" width=\"555\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/215786.jpg 320w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/215786-300x176.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><figcaption> Mittlerweile laufen weltweit mehr als 100 Projekte zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Foto: AFP\/Andrew Caballero-Reynolds <\/figcaption><\/figure>\n<p>Das weist darauf hin, dass den Herstellern der seuchenpolitische Druck, dem sich Regierungen ausgesetzt sehen, mehrfach von Nutzen ist. Sie sto\u00dfen auf eine gr\u00f6\u00dfere Bereitschaft, Zulassungskriterien aufzuweichen. Zudem k\u00f6nnen sie vermutlich bessere Preise durchsetzen als sonst bei Impfstoffen. F\u00fcr diejenigen, die bereits Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr noch nicht zugelassene Vakzine aufbauen, d\u00fcrfte sich selbst ein Fehlschlag lohnen, denn er ginge auf Kosten der jeweils bestellenden Staaten. Geschehen k\u00f6nnte letzteres bei dem Schweizer Hersteller Lonza, der Produktionsst\u00e4tten auf mehreren Kontinenten hat und mit dem US-Unternehmen Moderna einen Vertrag \u00fcber eine Milliarde Impfdosen abgeschlossen hat. Moderna hat bereits 400 Millionen Dollar von der Barda erhalten. Lonza m\u00f6chte die Produktion schon im Juli beginnen und k\u00f6nnte bei erfolgloser Zulassung zur Vernichtung einer ganzen Charge gezwungen sein.<\/p>\n<p>Durch derartiges Vorgehen geraten unter anderem die EU-Staaten unter Druck. Anfang Mai hatte die Europ\u00e4ische Kommission mit einer internationalen Geberkonferenz der Impfstoffforschung Auftrieb verleihen wollen. Dabei wurden insgesamt sieben Milliarden Dollar eingeworben &#8211; der weitaus gr\u00f6\u00dfte Batzen aus Frankreich, aber auch Gelder aus Kanada, Saudi-Arabien, Gro\u00dfbritannien, Australien, Japan und China eingeworben. Die Kooperation mit China k\u00f6nnte von Nutzen sein, denn unter den zehn vielversprechendsten Impfstoffkandidaten der weltweit laufenden mehr als 100 Projekte ist die EU nur an Dreien beteiligt, chinesische Firmen und Forschungsinstitute an weiteren f\u00fcnf.<\/p>\n<p>Die Finanzierung durch Industriestaaten sichert noch lange nicht, dass die Impfung auch in \u00e4rmeren L\u00e4ndern zug\u00e4nglich sein wird. Deshalb haben vor der verk\u00fcrzten WHO-Jahresversammlung an diesem Montag und Dienstag, die online stattfindet, 140 Regierungspolitiker und Experten aus aller Welt eine kostenlose Behandlung und Impfung gegen das Coronavirus f\u00fcr alle Menschen verlangt. In der am vergangenen Donnerstag vom Hilfsprogramm UN-Aids ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rung wurde ebenfalls gefordert, dass Medikamente in gro\u00dfen Mengen und ohne Patentschutz hergestellt werden sollten.<\/p>\n<p>Patente auch auf neue Impfstoffe sichern den Inhabern hohe Erl\u00f6se, und nicht alle L\u00e4nder k\u00f6nnen es sich leisten, Lizenzen zu erwerben. In bestimmten gesundheitlichen Notlagen ist es manchen Staaten jedoch erlaubt, Zwangslizenzen f\u00fcr eine Produktion f\u00fcr den eigenen Bedarf zu erteilen. Diese M\u00f6glichkeit brachte jetzt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese ins Gespr\u00e4ch, allerdings f\u00fcr den Fall, dass die EU bei der Impstoffent-wicklung ausgebootet w\u00fcrde. Dann k\u00f6nnte auch ohne Genehmigung des Patentinhabers produziert werden, dieser w\u00fcrde durch eine staatlich festgelegte Geb\u00fchr entsch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Ein weiterer Anw\u00e4rter darauf, einen Corona-Impfstoff auf eigenes Risiko herzustellen, meldete sich aus Indien zu Wort. Das Serum Institute of India, heute der gr\u00f6\u00dfte Impfstoffhersteller der Welt, k\u00fcndigte den Produktionsbeginn noch f\u00fcr diesen Monat an. Zun\u00e4chst sollen 40 Millionen Dosen eines an der Universit\u00e4t Oxford entwickelten Impfstoffes hergestellt werden, den die Oxford Vaccine Group noch bis Ende September abschlie\u00dfend testen soll. Dort l\u00e4uft im Moment eine Studie mit insgesamt 1100 Freiwilligen. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Serum Institute of India, Adar Poonawalla, k\u00fcndigte an, den m\u00f6glichen Impfstoff nicht patentieren zu lassen. Es werde dar\u00fcber nachgedacht, eine Dosis f\u00fcr zw\u00f6lf Euro zu verkaufen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1136795.coronavirus-impfstoffhersteller-pokern-hoch.html\"><em>neues-deutschland.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Mai 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Henning. Das globale Wettrennen um den ersten Impfstoff gegen\u00a0das neuartige Coronavirus\u00a0nimmt Fahrt auf, noch bevor auch nur f\u00fcr einen Kandidaten alle Tests abgeschlossen sind. 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