{"id":7878,"date":"2020-05-23T09:44:34","date_gmt":"2020-05-23T07:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7878"},"modified":"2020-05-23T09:44:36","modified_gmt":"2020-05-23T07:44:36","slug":"usa-fast-40-millionen-antraege-auf-arbeitslosengeld-seit-maerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7878","title":{"rendered":"USA: Fast 40 Millionen Antr\u00e4ge auf Arbeitslosengeld seit M\u00e4rz"},"content":{"rendered":"<p><em>Niles Niemuth. <\/em><strong>Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, haben letzte Woche mehr als 2,4 Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterst\u00fctzung beantragt. Die Gesamtzahl der Neuantr\u00e4ge ist damit auf \u00fcber 38,6 Millionen angestiegen, seit Mitte M\u00e4rz soziale<\/strong><!--more--> <strong>Distanzierungsma\u00dfnahmen und die bundesstaatliche Ausgangsbeschr\u00e4nkungen eingef\u00fchrt wurden.<\/strong><\/p>\n<p>Mittlerweile haben sich in der neunten Woche in Folge jeweils mehr als zwei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das ist zwar ein R\u00fcckgang gegen\u00fcber dem H\u00f6hepunkt Ende M\u00e4rz, als es 6,8 Millionen Neuantr\u00e4ge auf Arbeitslosenunterst\u00fctzung gab, stellt aber dennoch die schlimmsten Wochen der Rezession von 2008 in den Schatten. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde nicht abgebremst, obwohl die Trump-Regierung die Wiederer\u00f6ffnung der Wirtschaft und die Lockerung der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in allen 50 Staaten forciert \u2013 trotz steigender Zahlen bei Infektionen und Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/usa.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7879\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/usa.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/usa-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Ein Mann vor einem Gesch\u00e4ft in Niles (Illinois), das wegen Covid-19 geschlossen wurde. Aufgenommen am 21. Mai. (AP Photo\/Nam Y. Huh)<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vermutlich wird die offizielle Arbeitslosenquote f\u00fcr Mai, die in der ersten Juniwoche von der US-Bundesregierung bekanntgegeben wird, etwa 20 Prozent betragen. Letzten Monat lag sie noch bei 14,7 Prozent. Diese Zahl ist jedoch deutlich zu niedrig angesetzt, da Millionen arbeitslose Immigranten keine Leistungen beantragen k\u00f6nnen und viele andere Arbeiter momentan nicht arbeitssuchend sind und deshalb nicht als arbeitslos gez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Laut einer Sch\u00e4tzung des Magazins\u00a0<em>Fortune<\/em>\u00a0liegt die reale Arbeitslosenquote bereits bei mindestens 22,5 Prozent, d. h. nahe dem H\u00f6chstwert von \u00fcber 25 Prozent w\u00e4hrend der Gro\u00dfen Depression 1933. In den kommenden Wochen d\u00fcrften weitere Millionen Menschen Leistungen beantragen, sodass die Quote der schwersten Wirtschaftskrise der USA \u00fcberschritten wird.<\/p>\n<p>Doch selbst diese Zahlen spiegeln das Ausma\u00df der Krise dar, die sich jetzt im ganzen Land anbahnt, nur unvollst\u00e4ndig wider. Aufgrund von veralteten Computersystemen konnten Millionen Menschen wochenlang keine Arbeitslosenunterst\u00fctzung beantragen, ein betr\u00e4chtlicher Teil davon hat in dieser Zeit keinerlei Zahlungen erhalten. Zudem gibt es in vielen Bundesstaaten auch gro\u00dfe Verz\u00f6gerungen bei der Bearbeitung der Antr\u00e4ge, u.a. in Indiana, Missouri, Wyoming und Hawaii. Gleichzeitig hat sich Florida, einer der Bundesstaaten mit den strengsten Auflagen, geweigert, f\u00fcr die wenigen, deren Antr\u00e4ge \u00fcberhaupt bewilligt werden, die armselige dreimonatige Bezugsdauer von Arbeitslosenhilfe zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Die Pandemie hat die gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftskrise seit den 1930ern ausgel\u00f6st, die bereits jetzt verheerende Folgen f\u00fcr Millionen Menschen hat. Ihre Arbeitspl\u00e4tze sind pl\u00f6tzlich verschwunden, weitere Millionen werden bei ihrer R\u00fcckkehr an die Arbeit drastisch reduzierte L\u00f6hne, Zusatzleistungen und Arbeitszeiten vorfinden. Die zun\u00e4chst optimistischen Prognosen, die amerikanische Wirtschaft werde sich nach der Aufhebung der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen schnell wieder erholen, verd\u00fcstern sich zusehends.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t Chicago ver\u00f6ffentlichte Anfang des Monats eine Analyse, laut der 42 Prozent der gestrichenen Stellen dauerhaft wegfallen. Bei den derzeitigen Rekordzahlen w\u00e4ren das 16,2 Millionen Arbeitspl\u00e4tze \u2013 fast doppelt so viele, wie w\u00e4hrend der Gro\u00dfen Rezession vor zehn Jahren verloren gingen.<\/p>\n<p>Einer der Mitverfasser der Studie, der \u00d6konom Nicholas Bloom von der Universit\u00e4t Stanford, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der\u00a0<em>New York Times<\/em>: \u201eIch sage es nicht gerne, aber das wird l\u00e4nger dauern und schlimmer sein, als wir dachten.\u201c<\/p>\n<p>Die Statistikbeh\u00f6rde f\u00fchrte Ende April und Anfang Mai eine Umfrage durch, laut der 47 Prozent der Erwachsenen oder ein Mitglied aus ihrem Haushalt seit dem 13. M\u00e4rz ihren Arbeitsplatz verloren haben. 39 Prozent rechnen damit, dass sie oder jemand aus ihrem Haushalt im n\u00e4chsten Monat seinen Arbeitsplatz verlieren wird. Fast 11 Prozent erkl\u00e4rten, sie h\u00e4tten ihre Mieten oder Immobilienkreditraten nicht rechtzeitig bezahlt. Mehr als 21 Prozent haben kein oder nur geringes Vertrauen darauf, dass sie das im n\u00e4chsten Monat tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da Millionen ihre Mieten und Raten nicht zahlen k\u00f6nnen, werden in den kommenden Wochen und Monaten Zehntausende von Familien auf der Stra\u00dfe landen, was zu einem dramatischen Anstieg der Obdachlosigkeit f\u00fchren wird. Im M\u00e4rz hatten viele Bundesstaaten einen Stopp auf Zwangsr\u00e4umungen verh\u00e4ngt, und da die Gerichte geschlossen waren, konnten keine R\u00e4umungsklagen eingereicht werden. Doch diese Ma\u00dfnahmen laufen jetzt aus, und die Gerichte nehmen ihre T\u00e4tigkeit wieder auf.<\/p>\n<p>Der Polizeichef von Oklahoma County k\u00fcndigte am Donnerstag per Twitter an, dass seine Beh\u00f6rde am 26. Mai die Durchsetzung von Zwangsr\u00e4umungen wieder aufnehmen w\u00fcrde. In Oklahoma City wurden zwischen Montag und Dienstag fast 300 R\u00e4umungsklagen eingereicht. Dies wiederholt sich in den St\u00e4dten und Landkreisen im ganzen Land. Auch in Texas sollen die Zwangsr\u00e4umungen ab n\u00e4chste Woche wieder durchgesetzt werden. Viele Familien in Texas haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen, weil ein oder beide Elternteile keine Papiere haben. Das Verbot von Zwangsr\u00e4umungen von Grundst\u00fccken mit staatlich subventionierten Hypotheken, das im CARES Act festgeschrieben ist, l\u00e4uft am 25. Juli aus und gilt in Texas nur f\u00fcr ein Drittel aller H\u00e4user.<\/p>\n<p>Gleichzeitig rechnet das Congressional Budget Office f\u00fcr Ende Juni mit einer zweiten Welle von Entlassungen und Freistellungen, wenn das milliardenschwere Payment Protection Program (PPP) ausl\u00e4uft. Dieses Programm wurde als Rettungsaktion f\u00fcr Kleinunternehmer verkauft, das w\u00e4hrend der notwendigen Gesch\u00e4ftsschlie\u00dfungen Arbeitspl\u00e4tze erhalten sollte. In Wirklichkeit war es jedoch eine Geldspritze f\u00fcr Gro\u00dfkonzerne, deren Tochtergesellschaften und Unternehmen Beziehungen zur Trump-Regierung hatten. Viele Kleinunternehmen haben keine Hilfsgelder gesehen, und viele haben keinen Anspruch auf den Erlass ihrer Schulden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das soziale Elend der Arbeiterklasse zunimmt, waren die Zeiten f\u00fcr diejenigen an der Spitze der Gesellschaft nie besser. Amerikas Milliard\u00e4re konnten ihr Gesamtverm\u00f6gen seit dem Beginn der Lockdowns in den Bundesstaaten um 434 Milliarden Dollar erh\u00f6hen. Die Kurse an den Finanzm\u00e4rkten sind in die H\u00f6he geschossen, da die Zentralbank t\u00e4glich 80 Milliarden Dollar zuschie\u00dft.<\/p>\n<p>An vorderster Stelle liegt Amazon-Chef Jeff Bezos, der Ende des Monats die Gefahrenzulage von zwei Dollar pro Stunde f\u00fcr seine Lagerhausarbeiter wieder streicht. Sein pers\u00f6nliches Verm\u00f6gen stieg seit Anfang der Pandemie um 34,6 Milliarden Dollar. Ihm hart auf den Fersen folgt Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit einem Verm\u00f6genszuwachs um 25 Milliarden Dollar. Tesla-Chef Elon Musk konnte sein Verm\u00f6gen, acht Wochen nachdem der Aktienmarkt sich von seinem Zusammenbruch erholt hatte, um 48 Prozent auf 36 Milliarden Dollar steigern. Er hatte sein Autowerk in Kalifornien trotz des Verbots durch die Regulierungsbeh\u00f6rden, daf\u00fcr aber mit Unterst\u00fctzung durch US-Pr\u00e4sident Trump wieder ge\u00f6ffnet. Insgesamt besitzen die 620 Milliard\u00e4re des Landes mittlerweile 3,382 Billionen Dollar, d.h. 15 Prozent mehr als vor zwei Monaten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/05\/23\/unem-m23.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Mai 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niles Niemuth. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, haben letzte Woche mehr als 2,4 Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterst\u00fctzung beantragt. 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