{"id":795,"date":"2015-11-06T15:00:17","date_gmt":"2015-11-06T13:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=795"},"modified":"2015-11-06T15:00:17","modified_gmt":"2015-11-06T13:00:17","slug":"die-schweiz-paradies-fuer-das-kapital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=795","title":{"rendered":"Die Schweiz \u2013 Paradies f\u00fcr das Kapital"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der neue <a href=\"http:\/\/publications.credit-suisse.com\/tasks\/render\/file\/index.cfm?fileid=C26E3824-E868-56E0-CCA04D4BB9B9ADD5\">Global Wealth Report 2015<\/a>\u00a0 der Credit Suisse zeigt aktuelle Tendenzen der weltweiten und nationalen -Verm\u00f6gensverteilung. Linke Aufkl\u00e4rung, die sich auf die publizierten Daten bezieht, hat in der Schweiz einen schweren Stand.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Anfang Oktober jeden Jahres publiziert die Grossbank Credit Suisse ihren \u00abGlobal Wealth Report\u00bb und liefert damit objektiv Z\u00fcndstoff f\u00fcr linke Anliegen. Die Resultate der Studie sind brisant, wenn auch wenig \u00fcberraschend. Das reichste Prozent der Welt besitzt rund die H\u00e4lfte des Weltverm\u00f6gens. Allerdings reichen bereits 759\u2019900 Dollar, um zu jenem noch von der Occupy-Bewegung zur Parole erhobenen einen Prozent zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aus der Studie geht auch hervor, dass den reichsten 10\u00a0Prozent der Schweizer EinwohnerInnen \u00fcber 71 Prozent des gesamten Verm\u00f6gens geh\u00f6ren. Die Schweiz geh\u00f6rt damit zu denjenigen imperialistischen L\u00e4ndern, in denen das Geld am ungleichsten verteilt ist. Und die Ungleichheit nimmt zu. Der sogenannte Gini-Koeffizient hat sich im letzten Jahr um rund 3 Punkte auf 61,2 Z\u00e4hler erh\u00f6ht. W\u00e4re der Wert bei 100 w\u00fcrde eine Person das ganze Verm\u00f6gen besitzen, w\u00e4re er bei null, h\u00e4tten alle gleich viel. Die SchweizerInnen scheint das alles nicht sonderlich zu interessieren. Offensichtlich gilt im helvetischen G\u00e4rtchen die Losung: Was den Reichen n\u00fctzt, das n\u00fctzt der Schweiz. Wohl auch deswegen d\u00fcrften linke Vorhaben wie der Mindestlohn, die Erbschaftssteuer oder die 1:12-Initiative vor dem Stimmvolk in j\u00fcngerer Vergangenheit keine Chance gehabt haben.<\/p>\n<p><strong>Schl\u00fcsse der Studie<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ihren Report haben die \u00d6konomInnen der Credit Suisse Daten aus 52 L\u00e4ndern erhoben, die zusammen 66 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung und rund 96 Prozent des globalen Verm\u00f6gens abdecken. Die Messungen wurden durch \u00f6konometrische Techniken erg\u00e4nzt, die indirekte Schl\u00fcsse \u00fcber den Reichtum jener 160 L\u00e4nder zulassen, f\u00fcr die ein oder mehrere Jahre keine Daten zur Verf\u00fcgung standen. Erhoben wurden dabei die Bruttoverm\u00f6gen. Es wurden also den Verm\u00f6genswerten keine allf\u00e4lligen Schulden abgezogen. Das ist f\u00fcr die Schweiz besonders wichtig: In keinem anderen der untersuchten L\u00e4nder haben sich pro Kopf mehr Schulden angesammelt.<\/p>\n<p>Die Rangliste der reichsten L\u00e4nder wird von der Schweiz angef\u00fchrt. Rund 567\u2019000 Dollar soll hier der durchschnittliche Besitz betragen; wovon allerdings noch jeweils 145\u2019000 Dollar Schulden abgezogen werden m\u00fcssten. Die <a href=\"http:\/\/www.handelszeitung.ch\/konjunktur\/schweiz-land-der-reichen-land-der-schuldner-885845\">Handelszeitung <\/a>\u00a0\u2013 ganz Kind ihrer Zunft \u2013 war sich dann auch nicht zu bl\u00f6d, die SchweizerInnen als \u00abdas reichste Volk der Welt\u00bb zu bezeichnen. Davon k\u00f6nnen die rund 750\u2019000 Armutsbetroffenen in der Schweiz bestimmt ein Volkslied singen. Global sieht es trotz des offiziell erreichten UN-Milleniumsziels, die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren, erst recht katastrophal aus: Mehr als eine Milliarde Menschen m\u00fcssen mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben.<\/p>\n<p><strong>Die richtigen Fragen stellen<\/strong><\/p>\n<p>Ein guter Teil des von der Studie konstatierten globalen Verm\u00f6genszuwachses ist auf Gewinne an den Aktienm\u00e4rkten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese Buchgewinne stehen aber auf ziemlich wackeligen F\u00fcssen und ihre Vernichtung durch einbrechende Kurse oder platzende Blasen ist immer mal wieder zu erwarten. Aber mit dieser Feststellung deutet der Report auch eine Sackgasse der g\u00e4ngigen linken Diskussion an: Es sind eben nicht prim\u00e4r die auseinandertreibenden L\u00f6hne, die unter dem Gesichtspunkt der Verteilungsgerechtigkeit wichtig sind, wie das etwa die Gewerkschaften immer mal wieder betonen. Zwar geht die Lohnschere auch auf: Von 1994 bis 2012 stiegen die obersten 10 Prozent der Sal\u00e4re um 41 Prozent, w\u00e4hrend sich die Lohnabh\u00e4ngigen im mittleren und untersten Segment mit 18 Prozent Zuwachs begn\u00fcgen mussten. Doch entscheidend f\u00fcr die klaffende L\u00fccke d\u00fcrften vor allem die Kapitaleinkommen sein: Profite und Zinsen. Und hier kennt die Schweiz im Gegensatz zu den meisten Nachbarl\u00e4ndern keine Steuerpflicht. Die Kapitalgewinnsteuer musste erst im Fr\u00fchling aus der geplanten Steuerreform gestrichen werden; ausser den Gr\u00fcnen und der SPS hatten sich alle gr\u00f6sseren Parteien dagegen gewehrt. 2001 noch hatte das brave Schweizer Stimmvolk eine solche Steuer mit wuchtigen zwei Dritteln an der Urne abgelehnt.<\/p>\n<p><strong>Die linke Debatte<\/strong><\/p>\n<p>RealpolitikerInnen von linksaussen haben es also nicht leicht in einem Land, das von kleingeistiger Konformit\u00e4t und vorauseilendem Gehorsam f\u00fcr den nationalen Standort gepr\u00e4gt ist. Dennoch m\u00fcssten sie offensiv die Frage nach Kapitalbesitz und -verf\u00fcgungsgewalt stellen, statt sich in Diskussionen \u00fcber die Lohnschere zu \u00fcben. Das hat den Vorteil, dass man damit nicht innerhalb der Proletarisierten unn\u00f6tige Gr\u00e4ben aufmacht (wobei klar ist, dass die Bez\u00fcge des obersten Segments kaum als Lohn durchgehen und ihre BezieherInnen nicht zum Proletariat gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen; zumal sie nach wenigen J\u00e4hrchen allerhand liquides Kapitals besitzen d\u00fcrften). Das Wichtigste an der Fokussierung auf den Kapitalgewinnen ist aber, dass damit die innere Struktur der kapitalistischen \u00d6konomie thematisiert w\u00fcrde \u2013 das Verh\u00e4ltnis der betreffenden Menschen zum Kapital \u2013 und damit objektiv die Funktionsweise unsere Gesellschaft zur Debatte gestellt w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>Quelle: vorw\u00e4rts.ch vom 3. November 2015 mit einigen \u00c4nderungen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue Global Wealth Report 2015\u00a0 der Credit Suisse zeigt aktuelle Tendenzen der weltweiten und nationalen -Verm\u00f6gensverteilung. 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