{"id":7962,"date":"2020-06-01T10:35:05","date_gmt":"2020-06-01T08:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7962"},"modified":"2020-06-01T10:35:06","modified_gmt":"2020-06-01T08:35:06","slug":"rassistischer-polizeimord-in-den-usa-all-cops-are-derek-chauvin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7962","title":{"rendered":"Rassistischer Polizeimord in den USA: All Cops Are Derek Chauvin"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schaber. <\/em>Insgesamt 8 Minuten und 46 Sekunden kniete der US-amerikanische Polizist Derek Chauvin auf Nacken und Hinterkopf des 46-j\u00e4hrigen George Floyd. 8 Minuten und 46 Sekunden,<!--more--> in denen Floyd r\u00f6chelte, keine Luft mehr bekam, um sein Leben flehte. Erst als der Schwarze Floyd offenkundig halbtot war, sich nicht mehr bewegte, lie\u00dfen die Cops von ihm ab und spazierten seelenruhig weg. Wenig sp\u00e4ter wurde der Tod des ohne sichtlichen Grund ermordeten Floyd festgestellt.<\/p>\n<p>Der Polizeimord an George Floyd ist kein Einzelfall. In Schwarzen und armen Communities sind Tote durch staatliche Gewalt keine Seltenheit, eine Studie errechnet, dass statistisch 1 von 1000 Schwarzen M\u00e4nnern in den USA\u00a0<a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/science\/story\/2019-08-15\/police-shootings-are-a-leading-cause-of-death-for-black-men\">damit rechnen kann, von der Polizei get\u00f6tet zu werden<\/a>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"840\" height=\"472\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/scott.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7963\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/scott.jpg 840w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/scott-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/scott-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><figcaption>Diese Aufnahme zeigt den fl\u00fcchtenden Walter Scott und den auf ihn zielenden Polizeibeamten Michael Slager 2015 in North Charleston, kurz vor seinem Mord an Scott. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Gelegentlich wird einer dieser F\u00e4lle zum Ausgangspunkt politischer Demonstrationen und lokaler Aufst\u00e4nde, so wie derzeit. Nach dem Mord an Trayvon Martin war das der Fall, genauso nach dem an Michael Brown oder Eric Garner. Und wann immer das Thema dann in den Medien ist, werden auch jene liberalen Gutmenschen aufgescheucht, die sofort den Zeigefinger heben und\u00a0<a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2015\/04\/28\/unsere-gewalt-und-ihre-gewalt\/\">zur Gewaltlosigkeit aufrufen<\/a>.<\/p>\n<p>Nun ist grunds\u00e4tzlich ja nichts Schlechtes an Gewaltlosigkeit. Wenn man etwas gewaltlos erreichen kann, sollte man diesen Weg nat\u00fcrlich gehen. Nur steht diese Option f\u00fcr die Masse der Armen und rassistisch Unterdr\u00fcckten in den USA nicht zur Verf\u00fcgung. Sie haben keine Wahl, als sich zu wehren, auch mit Gewalt, denn die einzige Alternative w\u00e4re Unterwerfung. Wenn eine Armee von militarisierten Polizeieinheiten Jagd auf jede Person macht, die sie als Schwarz identifiziert, gibt es keine M\u00f6glichkeit mehr, sich \u201efriedlich\u201c f\u00fcr seine Interessen einzusetzen.<\/p>\n<p>Dem liberalen Aufruf, doch bitte nett und zivilisiert emp\u00f6rt zu sein, liegt ein grunds\u00e4tzliches Missverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, was diese Polizei ist, zu Grunde. Der Mittelklassenliberalo sieht in den Cops grunds\u00e4tzlich einen Schutz der \u201eB\u00fcrger*innen\u201c eines Landes. Und diese L\u00e4nder, weil er gar keinen Begriff von Klassenherrschaft hat, h\u00e4lt er f\u00fcr \u201edemokratisch\u201c. Insofern glaubt er: Wenn man ruhig bleibt, Petitionen schreibt und ein paar Lieder singt, kann man sich \u201eeinbringen\u201c und alles wird gut.<\/p>\n<p>Allerdings ist in der Wirklichkeit, fernab von den wohlsituierten Gutmenschen-Bubbles, das Gegenteil der Fall: Nationen wie die USA sind auf Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung errichtet, ihr Gesch\u00e4ftskonzept ist genau das. Und die letztendliche Funktion der Polizei als Ganzer ist es nicht, Kinder \u00fcber Zebrastreifen zu lotsen, sondern diese Ordnung aufrechtzuerhalten, die am Ende nur mit Gewalt aufrechterhalten werden kann, weil sie gegen die Lebensinteressen der Mehrheit der Menschen eingerichtet ist. Gerade in der Sklavenhalternation USA, in der bis heute Schwarze aus den Armenvierteln in den Gef\u00e4ngnis-Industriellen-Komplex eingespeist werden, bedeutet das auch: Die Polizei ist nicht dazu da, den Rassismus zu bek\u00e4mpfen, sie ist dazu da, ihn aufrechtzuerhalten. Und zwar unabh\u00e4ngig von der Hautfarbe, dem Geschlecht oder der Gesinnung des einzelnen Cops.<\/p>\n<p>Deshalb ist Derek Chauvin auch kein au\u00dfergew\u00f6hnlich \u201eschlechter Polizist\u201c, sondern einfach einer, der das Ungl\u00fcck hatte, bei seinem t\u00e4glichen Broterwerb gefilmt zu werden. Die Derek Chauvins dieser Welt, die den Mord ausf\u00fchren, leben in \u201ePolizeifamilien\u201c, die den Mord decken und werden gest\u00fctzt von Regierungen, die das durchgehen lassen, weil sie wissen, dass die Grundlage ihrer Macht am Ende in genau dem Gewaltmonopol besteht, dass auch den Derek Chauvins die M\u00f6glichkeit gibt, hie und da mal \u201e\u00fcber die Str\u00e4nge zu schlagen\u201c. Die Aufgabe der Derek Chauvins und ihrer Kolleg*innen ist am Ende, die Bev\u00f6lkerung ruhig zu halten: Dort, wo es reicht, durch eine Drohkulisse und juristische Verfahren, dort wo es nicht mehr reicht, durch offene Gewalt bis hin zum Mord.<\/p>\n<p>Die dutzenden Augen, die die franz\u00f6sische Polizei in ihrem Kampf gegen die Gelbwesten ausschoss, die selbst von Jurist*innen bem\u00e4ngelte vollkommene Straflosigkeit deutscher Polizist*innen nach \u00dcbergriffen, die vielen hundert Polizeimorde jedes Jahr in den USA, die Massenmorde brasilianischer Sondereinheiten in den Favelas und die Hinrichtungen von Oppositionellen durch die Polizei der Junta in Bolivien \u2013 sie sind alle Symptom ein und derselben Sache: Eine Truppe, deren Sinn und Zweck die Aufrechterhaltung eines gegen die Bed\u00fcrfnisse und Interessen der Mehrheit der Menschen gerichteten Systems ist, muss die Bev\u00f6lkerung als Feind sehen. Und solange der Feind ruhig ist, holt man ihm auch mal die Katze vom Baum oder setzt einen lustigen Tweet ab. Aber wehe, er muckt auf.<\/p>\n<p>Die Entbl\u00f6\u00dfung dieser Funktion der Bullen bis zur h\u00e4sslichsten Nacktheit fand in den vergangenen Tagen nicht nur durch Derek Chauvin statt. Viel ehrlicher waren noch seine tausenden Kolleg*innen, die seit zwei Tagen die rebellierenden St\u00e4dte der USA heimsuchten: Sie fuhren mit dem Dienstwagen in Menschenmengen, schossen Tr\u00e4nengas unterschiedslos auf friedliche wie militante Demonstrant*innen, entf\u00fchrten mit Taser-Einsatz Zivilist*innen aus ihren Autos, zogen schwer bewaffnet durch v\u00f6llig ruhige Stra\u00dfen und schossen auf Passant*innen, die es wagten, sich au\u00dferhalb ihres Hauses aufzuhalten.<\/p>\n<p>Jedes einzelne Bild dokumentiert umfassenden Staatsterror, denn \u201eTerror\u201c, das ist der Versuch, eine Bev\u00f6lkerungsgruppe durch systematische Gewalt einzusch\u00fcchtern und zu unterwerfen. Nichts anderes sehen wir. Und jede*r Polizist*in, auch die, die sich jetzt mit irgendwelchen humanistischen Statements zu Wort melden, ist Teil dieses Terrors. Die einzige Ausnahme: Diejenigen, die ihre Uniform ausziehen, fein s\u00e4uberlich zusammenlegen, anz\u00fcnden und dann auf die andere Seite wechseln.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2020\/05\/31\/rassistischer-polizeimord-in-den-usa-all-cops-are-derek-chauvin\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schaber. 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