{"id":7972,"date":"2020-06-02T11:24:03","date_gmt":"2020-06-02T09:24:03","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7972"},"modified":"2020-06-02T11:24:25","modified_gmt":"2020-06-02T09:24:25","slug":"thesen-zum-leninismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7972","title":{"rendered":"Thesen zum \u201eLeninismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eDie Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit besch\u00e4ftigt scheinen, sich und die Dinge umzuw\u00e4lzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolution\u00e4rer Krise beschw\u00f6ren<!--more--> sie \u00e4ngstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kost\u00fcm, um in dieser altehrw\u00fcrdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue[] Weltgeschichtsszene aufzuf\u00fchren.\u201c<\/em>\u00a0(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Portal:Marxismus\/Zitate\/28\">Karl Marx<\/a>)<\/p>\n<p><em>\u201eDie materialistische Lehre, da\u00df die Menschen Produkte der Umst\u00e4nde und der Erziehung, ver\u00e4nderte Menschen also Produkte anderer Umst\u00e4nde und ge\u00e4nderter Erziehung sind, vergi\u00dft, da\u00df die Umst\u00e4nde eben von den Menschen ver\u00e4ndert werden und da\u00df der Erzieher selbst erzogen werden mu\u00df.\u201c<\/em>\u00a0(<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me03\/me03_533.htm\">Karl Marx<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Zur geschichtlichen Vergangenheit, die nicht sterben kann<\/strong><\/p>\n<p>Die Literatur \u00fcber Lenin, \u201aLeninismus\u2018 und \u201aRealsozialismus\u2018 ist so umfangreich, dass sie vermutlich niemand \u00fcberblicken kann. Mich hat die Auseinandersetzung \u00fcber den \u201apolit-\u00f6konomischen Charakter\u2018<em>\u00a0nicht-kapitalistischer<\/em>\u00a0Gesellschaften (ein Ausdruck, den ich von\u00a0<a href=\"https:\/\/systemcrash.wordpress.com\/grundzuge-einer-synthetischen-theorie-des-stalinismus-thesen\/\">Rudolf Bahro<\/a>\u00a0\u00fcbernommen habe) seit ich politisch aktiv bin, immer sehr stark besch\u00e4ftigt. Auch in der Zeit als ich mich durchaus im \u201aorthodoxen\u2018 Sinne als \u201aTrotzkist\u2018 verstanden hatte, hatte ich starke Zweifel am Konzept der \u201adeformierten oder degenerierten Arbeiterstaaten\u2018. Mir wollte einfach nicht in den Kopf, wie eine \u201aArbeiterklasse\u2018\u00a0<em>\u00f6konomisch<\/em>\u00a0\u201aherrschen\u2018 kann, aber\u00a0<em>politisch<\/em>\u00a0expropriiert sein soll. Gewiss, es gibt die Analogie zum\u00a0<em>Bonapartismus<\/em>\u00a0und f\u00fcr den<em>\u00a0Kapitalismus<\/em>\u00a0mag ein bonapartistischer Staat auch Sinn machen; aber ein \u201aproletarischer Bonapartismus\u2018 scheint mir mit der marxistischen Theorie unvereinbar zu sein (da sie ja die \u201aSelbstbefreiung der Arbeiterklasse\u2018 anstrebt. Aber eine politisch expropriierte Klasse ist\u00a0<em>zu gar keiner Handlung<\/em>\u00a0mehr f\u00e4hig. Und ein Staat kann sich nicht [historisch] an deren Stelle setzen. Das w\u00fcrde die gesamte Geschichtsauffassung des Marxismus \u00fcber den Haufen werfen).<\/p>\n<p>So kam ich denn \u00fcber viele Umwege darauf, den \u201aRealsozialismus\u2018 als historische Neuentstehung einer \u201aasiatischen Produktionsweise\u2018 (APW) anzusehen (nat\u00fcrlich als modifizierte Form), die aber den Klassengegensatz nicht aufhebt, auch wenn sich die herrschende\u00a0<em>Klasse<\/em>\u00a0\u201aKommunistische Partei\u2018 nennt. (Ich grenze mich aber auch von \u201aStaatskapitalismus\u2018-Theorien ab, da die Eigentumsverh\u00e4ltnisse meines Erachtens\u00a0<em>nicht<\/em>\u00a0kapitalistische waren).<\/p>\n<p>Aber nicht um den \u201aRealsozialismus\u2018 soll es in diesen Thesen gehen, sondern im Wesentlichen um die \u201aleninstische\u2018 Konzeption der Partei und die damit verbundenen Probleme und Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Aber warum ein Text \u00fcber ein so historisches Thema wie den \u201aLeninismus\u2018 zum jetzigen Zeitpunkt? Gewiss, das Thema ist nicht gerade\u00a0<em>aktuell<\/em>\u00a0zu nennen in einem journalistischen Sinne. Aber die Auseinandersetzungen \u00fcber die Partei- bzw.\u00a0<em>Organisationsfrage<\/em>\u00a0und die historischen Folgen der russischen Revolution f\u00fcr die linke und Arbeiterbewegung h\u00e4ngen seit fast 100 Jahren wie ein Damoklesschwert und ein dunkler Schatten \u00fcber ihre K\u00e4mpfe und Debatten. Was in ihren Auswirkungen nur als \u201afatal\u2018 bezeichnet werden kann. Ansonsten kann ich als \u201aEntschuldigung\u2018 \ud83d\ude09 f\u00fcr diesen Text nur noch meine<em>\u00a0pers\u00f6nliche<\/em>\u00a0\u201aBetroffenheit\u2018 anf\u00fchren. Ob diese Betroffenheit auch zu einer \u00fcbertriebenen\u00a0<em>Subjektivit\u00e4t<\/em>\u00a0bei der Behandlung und Herangehensweise an das Thema gef\u00fchrt haben mag, \u2013 diese Frage zu beantworten, muss ich dem geneigten und kritischen Leser \u00fcberlassen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/lenin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7973\" width=\"521\" height=\"834\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/lenin.jpg 375w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/lenin-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><\/figure>\n<p>Ich habe selbstverst\u00e4ndlich nicht den Anspruch, diesen Gordischen Knoten durchschlagen zu k\u00f6nnen (jeder, der mich ein bisschen kennt, weiss, dass ich normalerweise historische Fragestellungen meide wie der Teufel das Weihwasser). Aber es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass er wenigstens einen kleinen Beitrag zu einer notwendigen Aufarbeitung leisten sollte.<\/p>\n<p>Ich verdanke die Anregung f\u00fcr diesen Artikel einem Text der\u00a0<a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ein-schritt-die-falsche-richtung\">\u201agruppe eiszeit\u2018, die im komoprolet erschienen<\/a>\u00a0ist (September 2009) (auf den ich auch eher zuf\u00e4llig gestossen bin). Der<em>\u00a0kosmoprolet<\/em>\u00a0steht in der Tradition des \u201aLinkskommunismus\u2018, der sich im Wesentlichen in der Auseinandersetzung mit dem \u201aLeninismus\u2018 (oder m\u00fcsste es genauer heissen: einer\u00a0<em>Lesart<\/em>\u00a0von ihm?) herausgebildet hatte. Trotz meiner Sozialisation am Rande \u201atrotzkistischer\u2018 Kleinstgruppen (die nat\u00fcrlich pro-leninistisch waren und sind) hatte ich aber immer auch eine starke Sympathie f\u00fcr die linken \u201aanti-Leninisten\u2018: angefangen von Rosa Luxemburg bis zu den \u201aR\u00e4tekommunisten\u2018 wie Pannekoek und Gorter. (Die italienischen \u201aLinkskommunisten\u2018 in der Tradition von Amadeo Bordiga sind mir hingegen so gut wie nicht bekannt).<\/p>\n<p>So hoffe ich, dass ich dem selbstgestellten Thema zumindest\u00a0<em>halbwegs<\/em>\u00a0gerecht werden kann, \u2013 wenn auch keineswegs ersch\u00f6pfend. Aber diesem Anspruch kann vermutlich niemand gerecht werden, \u2013 es sei denn, man h\u00e4tte den Luxus, sich 30 Jahre in den Lesesaal des britischen Museums zu setzen (und selbst dann ist das keineswegs sicher \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p><strong>Das prek\u00e4re Verh\u00e4ltnis von Klasse und organisatorisch-politischem Ausdruck\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Marx hat mitnichten die<em>\u00a0Klassen<\/em>\u00a0entdeckt, wie viele denken. Er hat die \u00f6konomische Funktionsweise der\u00a0<em>spezifisch kapitalistischen<\/em>\u00a0<em>Ausbeutung<\/em>\u00a0entdeckt (na ja,\u00a0<em>analysiert<\/em>\u00a0muss es wohl besser heissen. Amerika gab es ja auch schon\u00a0<em>vor<\/em>\u00a0Columbus \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>Auch die<em>\u00a0Arbeiterbewegung<\/em>\u00a0gab es schon\u00a0<em>vor<\/em>\u00a0Marx. Man k\u00f6nnte sogar sagen, wenn die Widerspr\u00fcche der kapitalistischen Produktionsweise nicht schon\u00a0<em>entfaltet vorgelegen h\u00e4tten<\/em>, dann h\u00e4tte Marx sein Hauptwerk \u201adas Kapital\u2018 gar nicht schreiben k\u00f6nnen. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass sein Autor ein \u201aG<em>enie<\/em>\u201a gewesen sein muss.[1]<\/p>\n<p>Aber auch wenn Marx die \u00f6konomischen \u201aFunktionsgesetze\u2018 des Kapitalismus aufgedeckt hat, eine\u00a0<em>Theorie der Vermittlung von Politik und (Klassen)Gesellschaft<\/em>\u00a0hat er nicht geliefert (das w\u00e4re auch vlt. ein bissl viel verlangt \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>An dieser Stelle kommt nun Lenin ins Spiel. Obgleich Lenin selbst nie den Anspruch hatte, \u00fcber Marx hinauszugehen, hat er mit seinem \u201aParteikonzept\u2018 doch den \u201aMarxismus\u2018\u00a0<a href=\"http:\/\/arschhoch.blogsport.de\/2011\/11\/21\/was-spricht-eigentlich-gegen-lenins-parteitheorie\/\">transzendiert<\/a>[2].<\/p>\n<p>Aber bevor auf das Parteikonzept eingegangen werden kann, soll noch der Begriff \u201aArbeiterklasse\u2018 problematisiert werden. Hier m\u00fcssen jetzt leider auch historische und philosophische Fragen er\u00f6rtert werden, und da ich weder \u201aPhilosoph\u2018 und schon gar nicht \u201aHistoriker\u2018 bin, kann ich eventuell auftretende Fehler nicht ausschliessen. Ich bitte den geneigten Leser dies zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Sofern man bei Marx von einer \u201aGeschichtsphilosophie\u2018 sprechen kann, ist diese im Wesentlichen durch Hegel gepr\u00e4gt. Nur, dass Marx nicht an den \u201aWeltgeist\u2018 \u201aglaubte\u2018, sondern an die\u00a0<em>materiellen Triebkr\u00e4fte<\/em>\u00a0der Geschichte[3]. Zumindest in seinen Fr\u00fchschriften sieht Marx im \u201aProletariat\u2018 die\u00a0<em>Negation<\/em>\u00a0aller bisherigen Antinomien der Gesellschaften (und damit die M\u00f6glichkeit ihrer potentiellen \u201aSynthese\u2018 im \u201aKommunismus\u2018). Dabei schwebte bei Marx nicht die\u00a0<em>real existierende<\/em>\u00a0Klasse, wie sie in der kapitalistischen Gesellschaft\u00a0<em>empirisch<\/em>\u00a0auftritt und erscheint vor, sondern in ihrer gesellschaftlichen Lage bef\u00e4nde sich\u00a0<em>objektiv<\/em>\u00a0das\u00a0<em>Interesse<\/em>\u00a0einer \u201aAufhebung\u2018 aller gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Dabei ist mit \u201aobjektiv\u2018 gemeint, dass dieses \u201aInteresse\u2018\u00a0<em>unabh\u00e4ngig vom (realen) Bewusstsein<\/em>\u00a0existiert. Hier wird es jetzt hakelig. Interesse setzt ja implizit ein Bewusstsein voraus (<em>inter esse<\/em>\u00a0[lat.] = dazwischen sein). Ein \u201aInteresse\u2018, was aber im Bewusstsein nicht vorhanden ist, kann auch nicht<em>\u00a0vertreten<\/em>\u00a0werden. Dabei halte ich es nicht f\u00fcr anr\u00fcchig, aus der objektiven Lage ein (subjektives) Interesse herzuleiten (ansonsten w\u00e4re der gesamte \u201aMarxismus\u2018 hinf\u00e4llig). Aber es stellt sich zumindest die fundamentale Frage: w<em>ie l\u00e4sst sich der Zwiespalt von Lage (Sein) und Bewusstsein \u00fcberbr\u00fccken?\u00a0<\/em>(Das B\u00fcrgertum hat dieses Problem allerdings weniger).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Marx noch dazu neigte, aus der Entwicklung des Kapitalismus selbst auch eine fortschreitende organisierende Kraft der Arbeiterbewegung abzuleiten (wenn man es so nennen will: eine fr\u00fche Variante des \u201a\u00d6konomismus\u2018), war Lenin da schon realistischer. Er sah die unterschiedlichen\u00a0<em>Fraktionierungen<\/em>\u00a0in der Arbeiterbewegung und wusste, dass nur die\u00a0<em>programmatische \u00dcbereinstimmung\u00a0<\/em>(oder doch zumindest: Ann\u00e4herung) zu einer (politischen)\u00a0<em>Handlungsf\u00e4higkeit<\/em>\u00a0f\u00fchren kann. Es ist zwar zu vermuten, dass Lenin selbst nicht wusste (oder besser: ahnen konnte), welche Folgen die\u00a0<em>Spaltung<\/em>\u00a0von Bolschewiki und Menschewiki (in der russischen Sozialdemokratie) hervorbringen w\u00fcrde, aber nichtsdestotrotz hat er damit die Arbeiterbewegung auf eine neue (theoretische) Grundlage gestellt.<\/p>\n<p><strong>Lenin als fr\u00fcher \u201aPostmoderner\u2018<\/strong><\/p>\n<p>Lenin wollte den Marxismus f\u00fcr die \u201apraktische Politik\u2018 nutzbar machen. Im Grunde liegt aber hier schon (a priori) ein konzeptionelles Ur-Missverst\u00e4ndnis vor. Lenin war in einem gewissen Sinne ein fr\u00fcher Post-Moderner, da er eine\u00a0<a href=\"http:\/\/arschhoch.blogsport.de\/2011\/11\/21\/was-spricht-eigentlich-gegen-lenins-parteitheorie\/\">Trennung von \u00d6konomie und Bewusstsein<\/a>[2] vornahm (wie stark diese Trennung von Lenin wirklich gemeint war, kann ich nicht beantworten[4]. Ich bin kein Lenin-Exeget und Experte daf\u00fcr. Aber zumindest in \u201aWas tun\u2018 ist diese Trennung glasklar nachvollziehbar mit dem ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Diktum, dass das Klassenbewusstsein nur<em>\u00a0\u201avon aussen\u2018<\/em>\u00a0an die Klasse herangetragen werden kann und muss. Dabei stammt dieser Gedanke noch nicht einmal urspr\u00fcnglich von Lenin, sondern von einem gewissen\u00a0<em>Karl Kautsky<\/em>, dem eigentlichen \u201aLehrer\u2018 von Lenin. Die Begr\u00fcndung f\u00fcr dieses \u201avon aussen\u2018, dass der Marxismus eine\u00a0<em>\u201aWissenschaft\u2018<\/em>\u00a0sei und daher nur von einer Minderheit der Arbeiter verstanden werden kann, ist dabei gar nicht mal so einfach von der Hand zu weisen. Aber man wird das unangenehme Bauchgef\u00fchl einfach nicht los, dass darin auch eine geh\u00f6rige Portion\u00a0<em>\u201aElitismus\u2018<\/em>\u00a0steckt. Und der Schritt von der \u201aElite\u2018 zur \u201a(Partei)B\u00fcrokratie\u2018 ist dann gar nicht mal so weit entfernt).<\/p>\n<p>Durch diese \u201aTrennung\u2018 konnte Lenin zwar den Fokus auf die<em>\u00a0programmatischen Unterschiede<\/em>\u00a0in der Arbeiterbewegung legen, \u201a\u00fcbersah\u2018 aber das Problem, dass eine \u201areine Programmatik\u2018 nicht die Frage l\u00f6st, wie eine\u00a0<em>Vermittlung<\/em>\u00a0zu den \u201abreiten Massen\u2018 hergestellt werden kann. Die \u201ametaphysische\u2018 Ineinssetzung von Partei und Klasse[6] ist nicht nur in\u00a0<em>logischer<\/em>\u00a0Hinsicht unzureichend , sie hat sich auch<em>\u00a0historisch<\/em>\u00a0als \u00e4usserst verh\u00e4ngnisvoll erwiesen (wobei ich nicht dar\u00fcber spekulieren m\u00f6chte, wieviel \u201aLeninismus\u2018 im \u201aStalinismus\u2018 steckt; wenn ich auch nicht verhehle, dass dieser Gedankengang einen gewissen Reiz aus\u00fcben kann).<\/p>\n<p>Der Gedanke, dass\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0Klassenbestimmung noch lange nicht\u00a0<em>eine bestimmte<\/em>\u00a0Politik hervorbringt, wird sicher das bleibende Verdienst vom \u201aLeninismus\u2018 sein. Denn dadurch \u00f6ffnet sich das Feld der theoretischen und programmatischen Kritik\u00a0<em>innerhalb<\/em>\u00a0der Arbeiterbewegung (und der \u201alinken\u2018).<\/p>\n<p>(Wenn allerdings die \u201alinken\u2018 so abgekoppelt von einer\u00a0<em>realen Klassenbewgung<\/em>\u00a0sind, wie in der heutigen Zeit, dann stellen sich die innerlinken Differenzen manchmal wie St\u00fcrme im Wasserglas dar. Aber \u2014 WAS TUN? \ud83d\ude09 )<\/p>\n<p>\u201e<em>Der Kommunismus ist f\u00fcr uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.\u201c<\/em>\u00a0(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Portal:Marxismus\/Zitate\/34\">Marx\/Engels<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Das \u201ajakobinische\u2018 Erbe im Bolschewismus<\/strong><\/p>\n<p>Aber was das \u201aVermittlungsproblem\u2018 (zwischen Theorie und sozialer Bewegung) betrifft, da f\u00e4llt Lenin (weit) hinter Marx zur\u00fcck und landet bei der (b\u00fcrgerlichen) Aufkl\u00e4rung (das Ideal des leninistischen \u201aAufkl\u00e4rers\u2018 ist der \u201aVolkstribun\u2018). Man muss allerdings Lenin zugutehalten, dass er seine politische Theorie vor dem Hintergrund der konkreten russischen Verh\u00e4ltnisse entwickelt hat.[7] Der verh\u00e4ngnisvolle \u201aFehler\u2018 (der nat\u00fcrlich mit den\u00a0<em>Machtverschiebungen<\/em>\u00a0innerhalb der III. Internationale zusammenh\u00e4ngt) war der, dass man sie nicht f\u00fcr\u00a0<em>andere L\u00e4nder<\/em>\u00a0h\u00e4tte verallgemeinern d\u00fcrfen.[8]<\/p>\n<p>Solange das \u201aProletariat\u2018\u00a0<em>aufgekl\u00e4rt<\/em>\u00a0werden muss, solange kann es nicht selbstbestimmt handeln (jedenfalls nicht als \u201aGanzes\u2018). Und solange es\u00a0<em>Politik (als Stellvertretung)<\/em>\u00a0gibt, solange gibt es auch noch gesellschaftliche Gegens\u00e4tze, deren Ursache die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln und die\u00a0<em>Trennung von Hand- und Kopfarbeit<\/em>\u00a0ist. Und die (Avantgarde)Partei spielt dabei die Rolle des materiellen Tr\u00e4gers einer k\u00fcnftigen \u201aPhilosophenrepublik\u2018, die an die Stelle des kritischen Prozesses der \u201a<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bestimmte_Negation\">bestimmten Negation<\/a>\u201a (gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse) auf eine \u201aVolksp\u00e4dagogik\u2018 setzt (daher wird auch gern der Begriff \u201aErziehungsdiktatur\u2018 verwendet, der aber in Bezug auf Lenin sicher eine polemische \u00dcbertreibung ist. Stalin w\u00e4re da allerdings ein anderes Kaliber[6]).<\/p>\n<p>Dabei sollte eine kritische Marx-Lekt\u00fcre doch zumindest\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0Erkenntnis zeitigen: der \u201aKommunismus\u2018 kann\u00a0<em>nicht<\/em>\u00a0die Verl\u00e4ngerung der (b\u00fcrgerlichen) Aufkl\u00e4rung sein, sondern muss ihre\u00a0<em>dialektische Aufhebung<\/em>\u00a0sein.<\/p>\n<p>Der Sozialismus (wenn er denn\u00a0<em>mehr<\/em>\u00a0sein will als eine [notwendigerweise: fragile] \u201a\u00dcbergangsgesellschaft\u2018) kann auch kein verallgemeinerter \u201aStaatskonzern\u2018 sein (es sei daran erinnert, dass Lenin ein Verteidiger des Taylor-Systems war. Keine noch so grosse \u00f6konomische Not k\u00f6nnte einen solchen Standpunkt als \u201aproletarisch\u2018 rechtfertigen. Aber das war auch Lenin sicher bewusst; man muss es vermutlich als schieren\u00a0<em>Akt der Verzweiflung<\/em>\u00a0ansehen. Aber ab welchen Zeitpunkt w\u00fcrde sich die Frage nach einer\u00a0<em>Exit-Strategie<\/em>\u00a0stellen?), sondern muss die (Selbst)entfaltung der \u201aproletarischen\u2018 Kreativit\u00e4t und Selbstbstimmung bef\u00f6rdern. Und er muss auch v\u00f6llig neue (humanere) Produktionstechnologien und (kooperative) Produktionsverfahren hervorbringen. Er kann nicht einfach die<em>\u00a0kapitalistische\u00a0<\/em>Technologie \u201a\u00fcbernehmen\u2018 und fortf\u00fchren (schon aus \u00f6kologischen Erw\u00e4gungen, aber nicht\u00a0<em>nur<\/em>). In der Technologie ist ihr\u00a0<em>Klassencharakter<\/em>\u00a0quasi\u00a0<em>eingeschrieben<\/em>. Auch diesen Aspekt scheint Lenin entweder gar nicht gesehen oder zumindest untersch\u00e4tzt zu haben. Auch der Hinweis auf den\u00a0<em>unterentwickelten<\/em>\u00a0Charakter Russlands scheint mir daf\u00fcr keine Rechtfertigung zu sein; zumal, wenn man auch noch den Anspruch erhebt, eine\u00a0<em>internationale Strategie<\/em>\u00a0zu verfolgen. Wie er ja von den Epigonen Lenins (sp\u00e4ter) erhoben wurde (inwieweit Trotzki dazu z\u00e4hlt, w\u00e4re eine<em>\u00a0g\u00e4nzlich eigene<\/em>\u00a0Debatte, die ich hier nicht behandle). Dass die Verh\u00e4ltnisse in Deutschland, England und Frankreich v\u00f6llig anders gelagert waren als in Russland muss doch f\u00fcr jeden einigermassen klar denkenden politischen Beobachter v\u00f6llig evident gewesen sein. Dementsprechend m\u00fcssen\u00a0<em>politische Taktiken<\/em>\u00a0auch an die konkreten Bedingungen (vor Ort) angepasst werden, und k\u00f6nnen nicht einfach aus einem v\u00f6llig anderen\u00a0<em>Kontext<\/em>\u00a0\u201aimportiert\u2018 werden (bestenfalls: modifiziert).<\/p>\n<p>Die Aufhebung des Gegensatzes von \u201aAvantgarde\u2018 und \u201aBasis\u2018 kann allenfalls realistischerweise nur der allerletzte Entwicklungsschritt sein, \u2013\u00a0<em>falls er denn \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist<\/em>.[9]<\/p>\n<p>Die<em>\u00a0leninsche K\u00f6chin<\/em>, die mal so nebenher die Regierungsgesch\u00e4fte \u00fcbernehmen kann, d\u00fcrfte jedenfalls eine Utopie bleiben, \u2013 wenn auch \u2013 das sei zugestanden \u2013 eine durchaus sympathische.<\/p>\n<p>Hingegen hatten andere K\u00f6che sehr scharfe (Staats)Speisen angerichtet, die uns Nachgeborenen noch immer schwer im Magen liegen. Und ob die Nachgeborenen mit den Umst\u00e4nden der damaligen Zeiten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lyrikline.org\/de\/gedichte\/die-nachgeborenen-740\">Nachsicht<\/a>\u00a0haben werden, ist auch noch lange nicht ausgemacht. Die Zukunft bleibt \u2026 ungewiss, aber die Barbarei scheint n\u00e4her zu liegen als die\u00a0<em>M\u00f6glichkeiten<\/em>\u00a0des \u201aFortschritts\u2018. Und es ist die Verantwortung der \u201alinken\u2018, in diesen sehr schwierigen Verh\u00e4ltnissen trotzdem zu versuchen, das Beste daraus zu machen.<\/p>\n<p><strong>\u201eJeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seinen Be\u00fcrfnissen.\u201c<\/strong>[10]<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p>[1] In dem Film\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_junge_Karl_Marx\">der junge Marx<\/a>\u00a0gibt es eine Szene, wo sich Engels und Marx bei Ruge in Paris treffen und Engels bezeichnet Marx als den gr\u00f6ssten materialistischen Denker unserer Zeit. Und Marx lobt Engels Buch \u00fcber die Lage der arbeitenden Klassen in England als \u201akolossal\u2018. Ungeachtet dessen, ob das\u00a0<em>historisch<\/em>\u00a0auch so war, kann man anhand dieser Szene<em>\u00a0emotional<\/em>\u00a0nachvollziehen, dass die Beiden sich intellektuell\u00a0<em>erkannt<\/em>\u00a0haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>[2] \u201eDer entscheidende, das marxistische Denken umw\u00e4lzende Gedanke in\u00a0<em>Was tun?<\/em>\u00a0ist\u201c demgegen\u00fcber, \u201eda\u00df sich eine Politik nie einfach aus der Klassenbestimmung ergibt, sondern da\u00df \u2013 umgekehrt \u2013 ein und dieselbe Klassenbestimmung mit verschiedenen, ja einander entgegengesetzten Politiken artikuliert sein kann. Dieser Gedanke bricht radikal mit der Vorstellung, wie wir sie auch bei Marx und Engels in manchen Formulierungen gefunden haben, da\u00df sich der Zusammenhalt und die Organisierung der Arbeiter mehr oder minder aus der \u00f6konomischen Entwicklung des Kapitalismus selbst ergeben w\u00fcrde. So ist Schlu\u00df mit jeder Illusion \u00fcber ein letztliches Zusammenfallen von Partei und Klasse durch die Entwicklung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Die Partei und ihre Politik werden erst zu einem Gegenstand von Theorie.\u201c (Wieland Elfferding,\u00a0<em>Klassenpartei und Hegemonie<\/em>. Zur impliziten Parteientheorie des Marxismus, in: ders. \/ Michael J\u00e4ger \/ Thomas Scheffler,\u00a0<em>Marxismus und Theorie der Parteien)\u00a0<\/em><\/p>\n<p>[3] Aus diesem Umstand wird auch der Gegensatz von Materialismus und Idealismus postuliert. Man muss allerdings Marx (und durchaus auch Engels) zugute halten, dass sie lange nicht so vulg\u00e4r gedacht haben wie ihre sp\u00e4teren Epigonen.<\/p>\n<p><em>\u201eMan sieht, wie Subjektivismus und Objektivismus, Spiritualismus und Materialismus, T\u00e4tigkeit und Leiden erst im gesellschaftlichen Zustand ihren Gegensatz und damit ihr Dasein als solche Gegens\u00e4tze verlieren; (man sieht, wie die L\u00f6sung der theoretischen\u00a0Gegens\u00e4tze selbst\u00a0nur\u00a0auf eine\u00a0praktische\u00a0Art, nur durch die praktische Energie des Menschen m\u00f6glich ist und ihre Losung daher keineswegs nur eine Aufgabe der Erkenntnis, sondern eine\u00a0wirkliche\u00a0Lebensaufgabe ist, welche die\u00a0Philosophie\u00a0nicht l\u00f6sen konnte, eben weil sie dieselbe als\u00a0nur theoretische Aufgabe fa\u00dfte.\u201c<\/em>\u00a0(<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me40\/me40_533.htm\">\u00f6konomisch-philosophische manuskripte<\/a>). Oder einfacher ausgedr\u00fcckt: das Sein bestimmt das Bewusstsein \u2013 aber umgekehrt stimmt es auch. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>[4] \u201eWeil Lenin die marxsche Theorie zwar nicht als vollkommen vom \u00f6konomischen Prozess entkoppelt, aber doch als vornehmlich der geistigen Tradition entstammend versteht, ist sie nicht mehr theoretischer Ausdruck der materiellen Entwicklungen und der proletarischen Bewegung, sondern das Produkt eines genialen Denkers. Unter diesen Voraussetzungen kann Lenin dann auch von einer \u201esozialistischen Ideologie\u201c sprechen, welche der b\u00fcrgerlichen Ideologie gegen\u00fcberstehe, statt von dem Gegensatz zwischen der Einsicht in die tats\u00e4chlichen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und deren Erscheinungsformen an der Oberfl\u00e4che.\u201c[5] (<a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ein-schritt-die-falsche-richtung\">gruppe eiszeit, kosmoprolet<\/a>)<\/p>\n<p>[5] \u201eEs ist gerade ein wesentliches Moment der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, dass an ihrer Oberfl\u00e4che die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse mystifiziert erscheinen. Marx hat dies im Kapital \u2013 insbesondere im Fetischkapitel \u2013 grundlegend dargestellt. Darin ist die Wirkungsmacht b\u00fcrgerlicher Ideologie erkl\u00e4rt. Kommunistische Theorie und Praxis ist keine Gegenideologie und auch keine reine Kritik der Gedanken, sondern der Versuch, nach Ans\u00e4tzen zu suchen, um die praktische Selbstaufkl\u00e4rung und schlie\u00dflich Selbstaufhebung der Klasse zu bef\u00f6rdern.\u201c (<a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ein-schritt-die-falsche-richtung\">gruppe einzeit, kosmoprolet<\/a>)<\/p>\n<p>[6] Trotzki bezeichnete diese Ineinssetzung in einer fr\u00fchen Polemik gegen Lenin (\u201eunsere politischen Aufgaben\u201c) als \u201aSubstitutionismus\u2018. Er hatte damit die M\u00f6glichkeit einer \u201ab\u00fcrokratischen Usurpation\u2018 der Revolution geistig antizipiert zu einer Zeit, als die Revolution bestenfalls n\u00e4chtliche Fieberwahntr\u00e4ume einiger weniger war.<\/p>\n<p><em>\u201eAber diese komplizierte Aufgabe [der Revolution] kann nicht dadurch gel\u00f6st werden. indem man \u00fcber das Proletariat ein paar gut ausgesuchte Leute stellt\u2026oder eine Person, die mit der Macht zu liquidieren und zu degradieren ausger\u00fcstet ist.\u201c<\/em>\u00a0(zit. nach Isaac Deutscher, Trotzki I, S. 98).<\/p>\n<p>Isaac Deutscher schreibt dazu:<\/p>\n<p>\u201eUnd doch zeigte das Zerrbild [Lenin als Usurpator] getreulich die Zukunft, wenn auch der russische Robespierre nicht so sehr Lenin glich als seinem Nachfolger, der damals ein noch unbekannter kaukasicher Sozialdemokrat war [Stalin]. [\u2026] Ferner nehmen wir den Koflikt der beiden Seelen im Bolschewismus wahr, den Konflikt zwischen Jakobinern und Marxisten, den weder Lenin noch der Bolschewismus noch Trotzki selbst in sich \u00fcberwinden konnten.\u201c (Deutscher, ebenda, S. 100)<\/p>\n<p>Aber was ist der Jakobinismus anderes als eine<em>\u00a0b\u00fcrgerliche<\/em>\u00a0Auffassung von der Revolution, deren Kern die\u00a0<em>\u00dcbersch\u00e4tzung der Rolle des Staates<\/em>\u00a0ist (\u201aEtatismus\u2018)?<\/p>\n<p>\u201eSchon allein die Fragestellung \u201eDiktatur der Partei oder Diktatur der Massen\u201c (\u2026) zeugt von einer unglaublichen Begriffsverwirrung (\u2026) jedermann wei\u00df, dass die Massen sich in Klassen teilen; dass die Klassen gew\u00f6hnlich und in den meisten F\u00e4llen, wenigstens in den modernen zivilisierten L\u00e4ndern, von den politischen Parteien gef\u00fchrt werden; dass die politischen Parteien in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten, einflussreichsten, erfahrensten, auf die verantwortungsvollsten Posten gestellten Personen geleitet werden, die man F\u00fchrer nennt. [so dass], das ganze Gerede ob \u201evon oben\u201c oder \u201evon unten\u201c ob Diktatur der F\u00fchrer oder Diktatur der Massen usw. als l\u00e4cherlicher, kindischer Unsinn erscheinen muss\u201c (Lenin; Der \u201eLinke Radikalismus\u201c , die Kinderkrankheit im Kommunismus) \u2013 Zitiert nach\u00a0<a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ein-schritt-die-falsche-richtung\">gruppe eiszeit<\/a>.<\/p>\n<p>An diesem Zitat erkennt man, dass Lenin im Grunde die Frage nach einer m\u00f6glichen Problemstellung (<em>Macht- bzw. Herrschaftsverh\u00e4ltnis)<\/em>\u00a0in der Unterteilung von \u201aBasis\u2018 und \u201aF\u00fchrung\u2018 v\u00f6llig negiert; um nicht zu sagen: verleugnet. Basis und F\u00fchrung sind \u201aeins\u2018. Und damit Basta! Dass er damit eigentlich auch<em>\u00a0Taktiken<\/em>\u00a0gegen andere \u201aArbeiterparteien\u2018 f\u00fcr unm\u00f6glich erkl\u00e4rt, muss er beim Schreiben wohl \u201a\u00fcbersehen\u2018 oder verdr\u00e4ngt haben. \u2013 Man muss allerdings Lenin zugutehalten, dass er die Diskurs-Theorie eines Foucault noch nicht kennen konnte. Hingegen hat Rosa Luxemburg innerhalb der deutschen Sozialdemokratie sch\u00f6n sehr fr\u00fch auf die Tendenzen zu b\u00fcrokratischem Spiessb\u00fcrgertum hingewiesen \u2013 auch schon\u00a0<em>vor<\/em>\u00a01914.<\/p>\n<p>[7] \u201eDas Bild des zu erziehenden Menschen ist, wie alle Schl\u00fcsse Lenins, auf die materiellen Bedingungen zur\u00fcckzuf\u00fchren, unter denen er seine theoretischen Bem\u00fchungen anstellte. In Bezug auf Russland muss wie bereits beschrieben davon ausgegangen werden, dass eine nachholende Akkumulation f\u00fcr die Zwecke der Bolschewiki schlicht notwendig war, dass also die Bolschewiki erledigten, was anderswo von der aufstrebenden Bourgeoisie bewerkstelligt wurde. Lenin war sich dieser Notwendigkeit bewusst, er spricht auch an mehreren Stellen davon. Allerdings bezieht sich seine ganze Theorie der Revolution auf diese Bedingungen.\u201c (<a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ein-schritt-die-falsche-richtung\">gruppe eiszeit, kosmoprolet<\/a>)<\/p>\n<p>[8] \u201eWorauf es ankommt, ist, in der Politik der Bolschewiki das Wesentliche vom Unwesentlichen, den Kern von dem Zuf\u00e4lligen zu unterscheiden. In dieser letzten Periode, in der wir vor entscheidenden Endk\u00e4mpfen in der ganzen Welt stehen, war und ist das wichtigste Problem des Sozialismus geradezu die brennende Zeitfrage: nicht diese oder jene Detailfrage der Taktik, sondern: die Aktionsf\u00e4higkeit des Proletariats, die Tatkraft der Massen, der Wille zur Macht des Sozialismus \u00fcberhaupt. In dieser Beziehung waren Lenin und Trotzki mit ihren Freunden die ersten, die dem Weltproletariat mit dem Beispiel vorangegangen sind, sie sind bis jetzt immer noch die einzigen, die mit Hutten ausrufen k\u00f6nnen: Ich hab\u2019s gewagt! Dies ist das Wesentliche und\u00a0<em>Bleibende<\/em>\u00a0der Bolschewiki-Politik. In\u00a0<em>diesem<\/em>\u00a0Sinne bleibt ihnen das unsterbliche geschichtliche Verdienst, mit der Eroberung der politischen Gewalt und der praktischen Problemstellung der Verwirklichung des Sozialismus dem internationalen Proletariat vorangegangen zu sein und die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit in der ganzen Welt m\u00e4chtig vorangetrieben zu haben. In Ru\u00dfland konnte das Problem nur gestellt werden. Es konnte nicht in Ru\u00dfland gel\u00f6st werden.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxe\">Rosa Luxemburg<\/a>)<\/p>\n<p>[9] Hierachien scheinen mir gesellschaftlich unvermeidlich zu sein. Es wird immer Leute mit unterschiedlichen<em>\u00a0Leistungsf\u00e4higkeiten<\/em>\u00a0geben. Dass sie zu einem\u00a0<em>Machtmissbrauch<\/em>\u00a0f\u00fchren k\u00f6nnen, muss allerdings (institutionell? wenn doch der Staat im Kommunismus \u201aabgestorben\u2018 sein soll?) einged\u00e4mmt werden.<\/p>\n<p>[10] \u201eIn der Kritik des Gothaer Programms (1875) deutet Karl Marx an, wie das Verh\u00e4ltnis von Arbeit und Zuteilung in einer zuk\u00fcnftigen kommunistischen Gesellschaft aussehen k\u00f6nnte: \u201eIn einer h\u00f6heren Phase der kommunistischen Gesellschaft\u201c w\u00e4ren dann die Produktivkr\u00e4fte so weit entwickelt und die Arbeit h\u00e4tte sich so gewandelt, dass es nicht mehr notwendig sei, eine Relation zwischen Arbeitseinsatz und Zuteilungsquantit\u00e4t und -qualit\u00e4t geltend zu machen. \u201eJeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen\u201c w\u00fcrde die Aufl\u00f6sung eines Zusammenhangs zwischen Arbeit und Zuteilung bedeuten. F\u00fcr die Entnahme aus dem G\u00fcterfonds ist dann nicht ma\u00dfgebend, was und wie viel jemand arbeitet, sondern was sie \/ er f\u00fcr ein gutes Leben ben\u00f6tigt \u2013 und das kann je nach ihren \/ seinen Bed\u00fcrfnissen sehr unterschiedlich ausfallen.\u201c (<a href=\"http:\/\/stattkapitalismus.blogsport.de\/2008\/11\/12\/665jeder-nach-seinen-faehigkeiten-jedem-nach-seinen-beduerfnissen\/\">Bed\u00fcrfnisorientierte Versorgungswirtschaft<\/a>)<\/p>\n<p>\u201eDie Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern \u2013 und den Rest der Menschheit.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.kn-online.de\/Nachrichten\/Wissen\/Welten-ohne-Arbeit\">Jean-Luc Picard<\/a>)<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/systemcrash.wordpress.com\/2020\/05\/16\/thesen-zum-leninismus\/\"><em>systemcrash.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. 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