{"id":8009,"date":"2020-06-08T10:41:27","date_gmt":"2020-06-08T08:41:27","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8009"},"modified":"2020-06-08T10:41:29","modified_gmt":"2020-06-08T08:41:29","slug":"polizeimord-an-george-floyd-loest-rund-um-die-welt-massenproteste-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8009","title":{"rendered":"Polizeimord an George Floyd l\u00f6st rund um die Welt Massenproteste aus"},"content":{"rendered":"<p><em>Thomas Scripps.<\/em> <strong>An diesem Wochenende erreichten die Proteste gegen den Polizeimord an George Floyd einen neuen H\u00f6hepunkt. Rund um die Welt demonstrierten Hunderttausende Arbeiter und Jugendliche \u2013 nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern<!--more--> auch in Australien, Kanada, Gro\u00dfbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Ungarn, Brasilien, S\u00fcdkorea und vielen weiteren L\u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n<p>Schon im Verlauf der letzten Woche fanden trotz der Corona-Pandemie in Tausenden von St\u00e4dten und Gemeinden auf allen bewohnten Kontinenten Demonstrationen statt. Auch wurde weltweit vor zahlreichen US-Konsulaten protestiert.<\/p>\n<p>In S\u00fcd- und Mittelamerika demonstrierten in Brasilien viele Tausende vor dem Regierungssitz in Rio de Janeiro, in Sao Paulo, im nordbrasilianischen Recife und vor der Hochschule Universidade Federal do Paran\u00e1. Gro\u00dfe Demonstrationen fanden auch in Argentinien, in fast allen lateinamerikanischen L\u00e4ndern und selbst auf den Bermudainseln statt. In Mexiko heizte ein brutaler Polizeiangriff auf eine 16-J\u00e4hrige die Proteste in Mexiko-Stadt weiter an.<\/p>\n<p>Hunderte von Protesten gab es auch in Australasien, darunter in Sydney, Perth, Melbourne, Brisbane, Adelaide und andern australischen St\u00e4dten, sowie in Auckland (Neuseeland). Allein in Brisbane wurde die Zahl der Teilnehmer am Samstag auf 10.000, in Sydney auf \u00fcber 20.000 gesch\u00e4tzt. Transparente trugen die Aufschrift: \u201eEs ist der Regierung egal! Wir, das Volk, m\u00fcssen uns gegenseitig helfen\u201c, und: \u201eAustralien ist nicht unschuldig\u201c.<\/p>\n<p>In Asien und dem Nahen Osten gab es Demonstrationen in Indien, Japan, auf den Philippinen, in der T\u00fcrkei, in Israel und im Iran. Weitere Demonstrationen wurden aus Tokio und Seoul gemeldet.<\/p>\n<p>In Afrika wurden Kundgebungen in Ghana, Kenia, Liberia, Nigeria, S\u00fcdafrika und vielen weiteren L\u00e4ndern organisiert.<\/p>\n<p>In Kanada demonstrierten schon vor dem Samstag Tausende in mindestens 19 St\u00e4dten, darunter Halifax, Montreal, Ottawa, Toronto und Vancouver.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Paris.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8010\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Paris.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Paris-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Tausende demonstrieren am 2.Juni in Paris (Foto APTOPIX)<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p>In Europa gab es am Wochenende erneut Proteste mit Hunderttausenden Teilnehmern. In Deutschland fanden die gr\u00f6\u00dften Demonstrationen in M\u00fcnchen, Berlin und Hamburg statt (siehe Berichte auf dieser Seite!). Tausende demonstrierten in Italien und Spanien, in den Niederlanden, in Griechenland, D\u00e4nemark, Schweden, Norwegen, Polen, Litauen, der Slowakei und der Schweiz. Auch in Reykjavik auf Island gingen Jugendliche auf die Stra\u00dfe. Wichtige Slogans waren: \u201eDein Schmerz ist mein Schmerz, dein Kampf ist mein Kampf\u201c.<\/p>\n<p>Im Vereinigten K\u00f6nigreich gab es schon letzte Woche mindestens 25 Demonstrationen. \u00dcber 15.000 Menschen versammelten sich am Mittwoch im Hyde Park und marschierten zur Residenz des Premierministers in der Downing Street. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift: \u201eWer vor der Ungerechtigkeit neutral bleibt, steht auf der Seite der Unterdr\u00fccker\u201c, und, wie in Australien: \u201eGro\u00dfbritannien ist nicht unschuldig\u201c.<\/p>\n<p>In Frankreich gab es Massendemonstrationen mit \u00fcber 25.000 Menschen in Paris, die einem Demonstrationsverbot der Beh\u00f6rden trotzten, neben weiteren gro\u00dfen Demonstrationen in zahlreichen franz\u00f6sischen St\u00e4dten. Ein Sprecher verk\u00fcndete: \u201eWas in den Vereinigten Staaten geschieht, zeigt nur, was heute auch in Frankreich geschieht!\u201c<\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung war die riesige Demonstration von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/06\/06\/wien-j06.html\"><strong>50.000 Menschen am Donnerstag in Wien<\/strong><\/a>. Wenn ein \u00e4hnlicher Prozentsatz der Stadtbev\u00f6lkerung von New York auf die Stra\u00dfe ginge, k\u00e4me dies einer Versammlung von \u00fcber 200.000 Menschen gleich.<\/p>\n<p>Die internationale Solidarit\u00e4t entz\u00fcndet sich am Widerstand gegen US-Pr\u00e4sident Donald Trump, der die friedlichen Proteste von Menschen verschiedenster Herkunft brutal unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Proteste deutet darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterklasse die Gefahr der Errichtung einer Pr\u00e4sidialdiktatur zu erkennen beginnt. Dar\u00fcber sehen Arbeiter aller L\u00e4nder in den Szenen, die sich in den USA abspielen, ihre eigenen sozialen Bedingungen ausgedr\u00fcckt: Die extreme und wachsende Ungleichheit f\u00fchrt auf der ganzen Welt immer deutlicher zu faschistischen Herrschaftsformen.<\/p>\n<p>In Paris wenden sich die Demonstrationen nicht nur gegen die staatliche Gewalt in den USA, sondern auch in Frankreich selbst. Besonders geht es um den Tod des franz\u00f6sischen Jugendlichen Adama Traor\u00e9, den die Polizei im Jahr 2016 zusammengeschlagen und erstickt hatte. Schon seit \u00fcber zwei Jahren sind die Gelbwesten-Proteste, die sich gegen soziale Ungleichheit richten, mit brutalen Misshandlungen konfrontiert. Auch ist Pr\u00e4sident Emmanuel Macron daf\u00fcr bekannt, dass er versucht hat, den Nazi-Kollaborateur Marshall P\u00e9tain zu rehabilitieren.<\/p>\n<p>Brasilianische Arbeiter demonstrierten unterdessen gegen eine Welle von Morden, welche die Polizei unter Aufsicht des faschistischen Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro in den\u00a0<em>Favelas<\/em>\u00a0von Rio de Janeiro ver\u00fcbt.<\/p>\n<p>In Deutschland m\u00fcssen Arbeiter und Jugendliche seit sechs Jahre mitansehen, wie sich im Staatsapparat und an den Universit\u00e4ten eine Verschw\u00f6rung entfaltet. Sie zielt darauf ab, das Dritte Reich zu rehabilitieren, der faschistischen Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) Vorschub zu leisten und eine R\u00fcckkehr zum ungehemmten imperialistischen Militarismus den Weg zu ebnen. Trump droht damit, Demonstranten wie \u201eTerroristen\u201c zu behandeln, und der deutsche Verfassungsschutz hat die Sozialistische Gleichheitspartei auf seine Extremismus-Watchlist gesetzt. Sie wird des \u201eVerbrechens\u201c beschuldigt, den Kampf gegen diesen faschistischen Revanchismus aufzunehmen.<\/p>\n<p>Die weltweiten Proteste, die der Polizeimord an Floyd ausgel\u00f6st hat, treffen auf eine seit fast drei Monaten anhaltende Pandemie, die aufgrund der bewussten und kriminellen Politik der herrschenden Klasse verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit und die Arbeitspl\u00e4tze von Milliarden hat. Hunderttausende sind gestorben und Millionen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Gleichzeitig schleusen die Regierungen im Interesse der Finanzoligarchie Billionensummen in die Kassen der Gro\u00dfkonzerne. Jetzt werden Arbeiter unter Androhung von Hunger und Armut gezwungen, unter unsicheren Bedingungen wieder zur Arbeit zu gehen.<\/p>\n<p>Die Ermordung von George Floyd durch die Polizei und die t\u00e4glichen Szenen hemmungsloser staatlicher Gewalt gegen schwarze, wei\u00dfe und hispanische Jugendliche sind ein ausl\u00f6sendes Ereignis der Weltpolitik. Sie haben die schwelenden Klassenspannungen angefacht.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr kam es weltweit zu einer massiven Eskalation des Klassenkampfs. Millionen Menschen haben gegen die soziale Ungleichheit und die versch\u00e4rften Angriffe auf demokratische Rechte protestiert.<\/p>\n<p>Bei ihrer internationalen Online-Maikundgebung im vergangenen Monat verwies die\u00a0<em>WSWS<\/em>\u00a0auf einen besorgten Bericht des f\u00fchrenden imperialistischen Think-Tanks CSIS (Center for Strategic and International Studies). Darin hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eWir leben in einem Zeitalter globaler Massenproteste, die in ihrer H\u00e4ufigkeit, ihrem Ausma\u00df und ihrer Gr\u00f6\u00dfe historisch beispiellos sind \u2026 Das Coronavirus d\u00fcrfte die Proteste kurzfristig unterbinden \u2013 zum einen aufgrund der staatlich verordneten Beschr\u00e4nkungen im st\u00e4dtischen Raum und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass B\u00fcrger aus eigenem Antrieb gro\u00dfe \u00f6ffentliche Versammlungen meiden werden. Je nach dem k\u00fcnftigen Verlauf dieser Pandemie k\u00f6nnten die Reaktionen der Regierungen selbst jedoch neuerliche politische Massenproteste ausl\u00f6sen.\u201c<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>WSWS<\/em>\u00a0und das Internationale Komitee haben in Erwartung just eines solchen Wiederaufflammens des Klassenkampfs alles daran gesetzt, die Arbeiterklasse politisch zu alarmieren und ihr eine revolution\u00e4re Perspektive und Orientierung zu bieten.<\/p>\n<p>Sobald nun der Lockdown beendet wird, l\u00f6st der erste Akt m\u00f6rderischer Polizeigewalt in Amerika sofort eine soziale Explosion aus. Selbst unter Bedingungen, unter denen Millionen Menschen zu Recht bef\u00fcrchten, dass das Coronavirus eskaliert, kehren die erw\u00e4hnten \u201eglobalen Massenproteste\u201c zur\u00fcck und kommen mit dem Widerstand gegen die Brutalit\u00e4t des kapitalistischen Staats zusammen.<\/p>\n<p>Die amerikanischen Medien nehmen von diesen Ereignissen kaum Notiz, die vom tats\u00e4chlichen Zustand der Klassenbeziehungen und des Kr\u00e4ftegleichgewichts in den USA und in der ganzen Welt zeugen. Sie beweisen, dass die amerikanische Arbeiterklasse im Kampf um Trumps Absetzung unermesslich m\u00e4chtige Verb\u00fcndete hat. Trump ist als schurkische Personifizierung der Oligarchenherrschaft auf der ganzen Welt verhasst. Der Kampf gegen ihn wird unter Arbeitern und Jugendlichen, die in jedem Land mit ihren eigenen Herrschern in Konflikt geraten, auf gro\u00dfe Unterst\u00fctzung treffen.<\/p>\n<p>Arbeiter und Jugendliche m\u00fcssen Trumps Offensive mit einem internationalistischen Kampfprogramm entgegentreten, um Trump, Mike Pence und ihre Mitverschw\u00f6rer aus dem Amt zu entfernen. Auf dieser Grundlage wird sich eine Weltbewegung der Arbeiterklasse herausbilden. Am Kampf f\u00fcr den Sozialismus werden Trumps Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Milit\u00e4rdiktatur zerbrechen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/06\/08\/pers-j08.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Scripps. An diesem Wochenende erreichten die Proteste gegen den Polizeimord an George Floyd einen neuen H\u00f6hepunkt. 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