{"id":8048,"date":"2020-06-11T10:30:38","date_gmt":"2020-06-11T08:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8048"},"modified":"2020-06-11T10:30:40","modified_gmt":"2020-06-11T08:30:40","slug":"millionen-muessen-zwischen-hunger-oder-covid-19-waehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8048","title":{"rendered":"Millionen m\u00fcssen zwischen Hunger oder Covid-19 w\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor dem 1. Mai 2020, mitten in der Coronavirus-Pandemie, ver\u00f6ffentlichte die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) einige haarstr\u00e4ubende Statistiken. Etwa 1,6 Milliarden Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem informellen Sektor<!--more--> befinden sich aufgrund der von den Regierungen verh\u00e4ngten Sperren, mit denen die Ausbreitung des Virus gestoppt werden soll, in einer ernsten Notlage. Nach Angaben der IAO sind etwa 60% der Lohnabh\u00e4ngigen weltweit in der informellen Wirtschaft t\u00e4tig und arbeiten ohne Vertr\u00e4ge, Sicherheitsnetze oder Ersparnisse. [1] Je nach Land stellen Frauen einen h\u00f6heren oder tieferen Anteil der informellen Arbeitskr\u00e4fte und werden durchweg schlechter bezahlt als M\u00e4nner. [2]<\/p>\n<p>Jetzt gibt es wegen Quarant\u00e4ne und Beschr\u00e4nkungen, Produktionsstopps und Ausgangssperren keine Arbeit mehr. Keine Arbeit bedeutet kein Einkommen. Ohne Einkommen keine Nahrung. Ohne alternative Einkommensquellen \u00abwerden diese Lohnabh\u00e4ngigen und ihre Familien keine Mittel zum \u00dcberleben haben\u00bb, warnte die IAO. [3]<\/p>\n<p>Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter im informellen Sektor nicht in der Lage sind, sich selbst zu ern\u00e4hren, sind sie auch nicht in der Lage, weiterhin Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Menschen zu ern\u00e4hren. Die informelle Arbeit h\u00e4lt die Lebensmittelversorgung in den meisten Teilen der Welt am Laufen: Sie macht weltweit 94% der Arbeit in der Landwirtschaft und einen grossen Teil der Arbeit im Lebensmittelhandel, im Einzelhandel, bei der Zubereitung und Lieferung von Lebensmitteln in vielen Teilen der Welt aus. [4]<\/p>\n<p>Die Covid-19-Krise hat nicht nur unsere Abh\u00e4ngigkeit von gut funktionierenden Gesundheits- und Ern\u00e4hrungssystemen offengelegt, sondern auch die schreienden Ungerechtigkeiten, die denjenigen, die in diesen wesentlichen Sektoren arbeiten, in der \u00abbesten\u00bb Zeit zugef\u00fcgt wurden: niedrige L\u00f6hne, kein Zugang zur Gesundheitsversorgung, keine Kinderbetreuung, kein Sicherheitsschutz am Arbeitsplatz, oft kein Rechtsschutz und keine Vertretung bei Verhandlungen \u00fcber Arbeitsbedingungen. Dies gilt sowohl f\u00fcr den informellen als auch f\u00fcr den formellen Sektor des globalen Ern\u00e4hrungssystems. In der Tat ist der Kontrast zwischen dem Reichtum an der Spitze der gr\u00f6ssten Nahrungsmittelkonzerne und dem Elend ihrer Besch\u00e4ftigten an der vordersten Front extrem. Nestl\u00e9 beispielsweise, die Nummer eins unter den Nahrungsmittelkonzernen der Welt, sch\u00fcttete seinen Aktion\u00e4ren Ende April 2020 eine Dividende in H\u00f6he von 8 Milliarden US-Dollar aus; dieser Betrag \u00fcbersteigt das Jahresbudget des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen (WEP). [5]<\/p>\n<p>Die einzige jetzt entscheidende Frage ist, wie sichergestellt werden kann, dass alle Menschen Zugang zu Lebensmitteln haben, und ihre Sicherheit und Gesundheit entlang des ganzen Weges vom Bauernhof bis zum Verbraucher und zur Verbraucherin gew\u00e4hrleistet werden kann. Leider war dies nicht die Priorit\u00e4t, die die Lebensmittelversorgung in den letzten Jahrzehnten gepr\u00e4gt hat. Aber der Weg dorthin ist nicht so kompliziert, wie es scheinen mag.<\/p>\n<p><strong>Stilllegung f\u00fchrt zu Hunger<\/strong><\/p>\n<p>Die Abschaltung eines Grossteils der Weltwirtschaft seit M\u00e4rz 2020 hat dazu gef\u00fchrt, dass viele Menschen auf ihr Zuhause oder ihre Nachbarschaft beschr\u00e4nkt sind und nicht arbeiten k\u00f6nnen. Fabriken wurden stillgelegt, Bauprojekte gestoppt, Restaurants und B\u00fcros geschlossen und Transportmittel stellten den Betrieb ein. In vielen L\u00e4ndern haben Wanderarbeiter und -arbeiterinnen, Studentinnen und Studenten sofort versucht, nach Hause zu ihren Familien zu gelangen, auf die sie sich abst\u00fctzen k\u00f6nnen; vielen aber gelang diese Reise wegen fehlender Transportm\u00f6glichkeiten oder aufgrund von Grenzschliessungen nicht.<\/p>\n<p>Diese Corona-Massnahmen scheinen ohne grosse R\u00fccksicht auf die tats\u00e4chliche Funktionsweise der Lebensmittelversorgung umgesetzt worden zu sein. Die Landwirte waren zwar meistens \u2013 wenn auch nicht immer \u2013 in der Lage, die Arbeit auf ihren H\u00f6fen weiterzuf\u00fchren, aber es fehlt ihnen an Arbeitskr\u00e4ften \u2013 und dies gerade zu einer Zeit, wenn in vielen Teilen der Welt Ernte- oder Geburtszeit ist \u2013 und an den Mitteln, um Produkte und Vieh vom Hof zu Kooperativen, Sammelstellen, Schlachth\u00f6fen, H\u00e4ndlern oder M\u00e4rkten zu bringen. Die Schliessungen von Schulen, B\u00fcros und Restaurants haben das System erstickt, was zu einer enormen Verschwendung gef\u00fchrt hat. Infolgedessen wird Milch weggesch\u00fcttet, Tiere werden eingeschl\u00e4fert und Feldfr\u00fcchte in den Boden gepfl\u00fcgt. In \u00e4hnlicher Weise wurde gegen Fischer, die wie in Uganda nachts vor Ort fischen, aufgrund von Ausgangssperren Hausarrest verh\u00e4ngt. [6]<\/p>\n<p>In den St\u00e4dten haben oft Gewalt, Missbrauch und Korruption diese Schliessungen auf unverst\u00e4ndliche Weise begleitet. In Ostafrika, wie auch in Teilen Asiens, wurden Strassenverk\u00e4ufer und -verk\u00e4uferinnen, die auf der Strasse erwischt wurden, mit Peitschen und Gummigeschossen konfrontiert.[7] In st\u00e4dtischen und stadtnahen Gemeinden kam es zu Unruhen, als knappe Nahrungsmittelhilfe eintraf. [8] Im Libanon wurde bei solchen Unruhen sogar eine Person get\u00f6tet. [9] Und in eSwatini, dem ehemaligen Swasiland, hat die Regierung einfach beschlossen, dass sie nicht die St\u00e4dte ern\u00e4hren, sondern sich dabei auf die l\u00e4ndlichen Gebiete konzentrieren wird. [10]<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit wurden den Nahrungsmittelkonzernen Ausnahmeregelungen gew\u00e4hrt, die die Gesundheitskrise wesentlich versch\u00e4rft haben, ohne dass die Menschen zu gen\u00fcgend Nahrung kommen. Einige der weltweit schlimmsten Ausbr\u00fcche von Covid-19 waren in Fleischverarbeitungsbetrieben multinationaler Konzerne in Brasilien, Kanada, Spanien, Deutschland und den USA zu verzeichnen. Obwohl diese Betriebe haupts\u00e4chlich Fleisch f\u00fcr den Export produzieren, galten sie als \u00ablebenswichtige Dienstleistung\u00bb und durften ihre Kapazit\u00e4ten voll auslasten, wodurch ihre Arbeiter und Arbeiterinnen mit den umliegenden Gemeinden wissentlich einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt werden. [11] In den USA sind bis zum 6. Mai 2020 12.000 Arbeiterinnen und Arbeiter in Fleischfabriken erkrankt und 48 sind gestorben. [12] Auch Verarbeitungsbetriebe f\u00fcr Meeresfr\u00fcchte sind Hotspots, wie etwa in Ghana, wo ein Ausbruch in einer Thunfischkonservenfabrik der Thai Union f\u00fcr 11% der Covid-19-F\u00e4lle im ganzen Land verantwortlich ist. [13] Die Besch\u00e4ftigten von Superm\u00e4rkten und E-Commerce-Plattformen sehen sich ebenfalls mit der enormen Schwierigkeit konfrontiert, sich einerseits gen\u00fcgend zu sch\u00fctzen und andererseits die so genannten \u00abwesentlichen Arbeiten\u00bb zu erbringen, die von den Sperren ausgenommen sind. Die \u00d6lpalmenplantagen haben ihren Betrieb gr\u00f6sstenteils aufrechterhalten \u2013 um die Produktion dringend ben\u00f6tigter Seifen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie sicherzustellen, wie ihre Eigent\u00fcmer behaupten \u2013 aber einige haben sich \u00fcber lokale Verordnungen hinweggesetzt oder nicht den notwendigen Schutz f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten bereitgestellt. [14]<\/p>\n<p>Es besteht die Gefahr, dass die Genesung schlimmer wird als die Krankheit. Menschen, die seit dem Ausbruch der Pandemie weder Arbeit noch Lohn haben \u2013 der Grossteil des informellen Sektors, aber auch Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem formellen Sektor \u2013 sehen sich nun mit der wachsenden Realit\u00e4t des Hungers konfrontiert. Nach Angaben des WEP [Weltern\u00e4hrungsprogramm] ist das Risiko derzeit in etwa zehn L\u00e4ndern am h\u00f6chsten, von denen die meisten in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, wie Somalia oder S\u00fcdsudan. Doch der mangelnde Zugang zu Nahrungsmitteln aufgrund der Betriebsschliessungen unter Covid-19 und die daraus resultierende weltweite Rezession, die, wie uns gesagt wird, noch Monate andauern wird, bedroht jetzt viele andere L\u00e4nder. In Indien essen 50% der Landbev\u00f6lkerung aufgrund der Schliessung weniger. [15] Weltweit k\u00f6nnte sich die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden, von heute 135 Millionen auf 265 Millionen bis Ende des Jahres verdoppeln, so das WEP. [16]<\/p>\n<p>Bereits stehen die am h\u00e4rtesten Betroffenen vor dieser schmerzlichen Wahl. Das Sprichwort \u00abLieber sterbe ich am Coronavirus als zu verhungern\u00bb ist in Haiti, Angola, im Libanon, in der Demokratischen Republik Kongo, Mayotte, Indien und Lateinamerika weit verbreitet. [17] Sogar in Belgien heisst es nun: \u00abEntweder wir sterben an Hunger oder am Coronavirus. Wir m\u00fcssen uns entscheiden\u00bb. [18] In Westafrika lautet die Losung: \u00abDer Hunger wird uns t\u00f6ten, bevor es Corona tut\u00bb.<\/p>\n<p>Klar ist: Wenn dieser sich ausbreitende Hunger das Ausmass einer globalen Krise erreicht, dann nicht wegen mangelnder Produktion oder gar wegen Hortens. Das Angebot ist reichlich vorhanden. Vielmehr hat sich gezeigt, dass das System der Verteilung nicht in der Lage ist, alle sicher zu ern\u00e4hren; dies betrifft gerade die hochkonzentrierten und exponierten Bev\u00f6lkerungssegmente, die nicht auf die Krise reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/mst2-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8050\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/mst2-1.jpg 600w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/mst2-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/mst2-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>Solidarische Nahrungsmittelverteilung durch die brasilianische Landlosenbewegung MST.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kreative gemeinsame Antworten<\/strong><\/p>\n<p>Eine der ersten Massnahmen, die viele Beh\u00f6rden ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, war die Schliessung von Restaurants, Caf\u00e9s, Imbissst\u00e4nden und Frischm\u00e4rkten. Als Reaktion darauf entstanden oft spontan viele andere Wege, um Lebensmittel dorthin zu bringen, wo sie ben\u00f6tigt werden, oft unter Nutzung sozialer Medien. Auf Facebook und Whatsapp haben sich Gruppen gebildet, um gemeinsam zu ermitteln, wo sich die Lebensmittelvorr\u00e4te befinden oder um gemeinsam Produkte von Bauern zu beschaffen. Geschlossene Restaurants und Kantinen nutzen ihre Ressourcen, um auf lose Lebensmittelvorr\u00e4te wie Mehl oder Getreide zuzugreifen, sie neu zu verpacken und in kleinen Mengen zu verkaufen. \u00abUmnutzung\u00bb ist zum Wort der Stunde geworden, wenn Gemeinschaften zusammenkommen oder sich formieren, um Lebensmittel mit kreativen Mitteln zu finden und zu transportieren.<\/p>\n<p>Die Landwirte beschreiten ebenfalls innovative Wege, um ihre Produkte zu verkaufen und zu transportieren. In Europa haben sie mit dem Verkauf ab Hof, mit Lieferungen an Krankenh\u00e4user und mit Online-Vertrieb begonnen und sind \u00fcber \u00f6ffentliche Landwirtschaftsprogramme und Bauernm\u00e4rkte direkt mit den Verbrauchern und Verbraucherinnen in Kontakt getreten. [19] In Asien sind die Bauern und B\u00e4uerinnen \u00fcber soziale Medien oder E-Commerce-Instrumente online gegangen, um alternative M\u00e4rkte zu organisieren. [20] Im indischen Karnataka beispielsweise haben Landwirte begonnen, Twitter zu nutzen, um Videos zu ihren Produkten aufzuschalten und mit K\u00e4ufern und K\u00e4uferinnen in Kontakt zu treten. Andere beleben erneut traditionelle Tauschsysteme, um dem Mangel an Bargeld beizukommen und das Angebot an die Nachfrage anzupassen. In Indonesien hat eine Gewerkschaft von Fischern und Fischerinnen in Indramayu, West-Java, eine Initiative gestartet, um mit lokalen Bauerngruppen im Rahmen einer kollektiven Aktion mit dem Namen \u00abLebensmittelscheune der Fischer\u00bb Handel zu treiben. Da Restaurants und M\u00e4rkte geschlossen wurden, fehlen den Fischern die K\u00e4ufer und K\u00e4uferinnen. Deshalb tauschen sie mit den Bauern und B\u00e4uerinnen Fisch gegen Reis und Gem\u00fcse. Dadurch sorgen die verschiedenen Gemeinden f\u00fcr Nahrung und Lebensunterhalt. [22]<\/p>\n<p>In Lateinamerika sind die l\u00e4ndlichen Gemeinden am wenigsten von dem Virus betroffen. Viele von ihnen organisieren sich, um Nahrungsmittel an die Armen in den St\u00e4dten zu verteilen. In Cauca, Kolumbien, haben die Nasa \u2013 die sich selbst als Langzeit\u00fcberlebende von Viren, Kriegen und dem Eindringen der Agrarindustrie betrachten \u2013 gemeinsam einen \u00abLebensmittelmarsch\u00bb organisiert und Lieferungen aus ihrer Ernte in die verarmten Stadtviertel gebracht, um der Abriegelung zu trotzen. [23] In Brasilien hat die Landlosen-Bewegung ohne jegliche staatliche Unterst\u00fctzung 600 Tonnen gesunder Nahrungsmittel an Krankenh\u00e4user, Obdachlose und andere gef\u00e4hrdete Teile der Bev\u00f6lkerung in 24 Bundesstaaten des Landes gespendet. [24] Die Mitglieder sind auch dabei, st\u00e4dtische Caf\u00e9s in Suppenk\u00fcchen und Bildungseinrichtungen in behelfsm\u00e4ssige Krankenh\u00e4user umzuwandeln, in denen verb\u00fcndetes Gesundheitspersonal seine Dienste anbietet. [25]<\/p>\n<p>In Simbabwe hat die Abriegelung den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse von den grossen Farmen im ganzen Land zum Erliegen gebracht. Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen, die nur begrenzte Unterst\u00fctzung erhalten, f\u00fcllen die L\u00fccke und suchen neue Wege, Gem\u00fcse und andere Produkte auf die M\u00e4rkte zu bringen. Frontleute der Bauernbewegung sagen, diese Verschiebung in der Nahrungsmittelmatrix zeige, dass die 1,5 Millionen Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen des Landes in der Lage sind, die Nation zu ern\u00e4hren. [26]<\/p>\n<p>Auch lokale Regierungen, Privatpersonen und Unternehmen haben ihren Beitrag geleistet. In Vietnam wurden \u00f6ffentliche Automaten erfunden, so genannte \u00abReis-Geldautomaten\u00bb; mit diesen wird Familien der Zugang zu einer kostenlosen Tagesration Reis ohne physischen Kontakt oder Horten erm\u00f6glicht. In Indien hat der Bundesstaat Kerala eine Kampagne namens \u00abSubhiksha Keralam\u00bb gestartet, die mittels Subventionen, Infrastruktur und anderen Unterst\u00fctzungsmechanismen die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zu erreichen sucht. [28] In Thailand wurden unter der Quarant\u00e4ne mit Unterst\u00fctzung der lokalen Beh\u00f6rden Bangkoks mobile Gem\u00fcsel\u00e4den wiederbelebt. Der st\u00e4dtische Grossmarkt stellt Kleinproduzenten und H\u00e4ndlern Hunderte von Lastwagen zur Verf\u00fcgung, damit sie auf Haus-zu-Haus-Lieferungen umsteigen k\u00f6nnen. [29] Und in vielen Teilen Afrikas passen die Motorradlieferdienste ihre Praktiken an, um die Lebensmittelversorgung der Menschen zu erleichtern, die sie ben\u00f6tigen. [30]<\/p>\n<p>Ob durch Solidarit\u00e4t, gegenseitige Hilfe, ehrenamtliche Arbeit oder Kooperativen, ob formell oder informell, diese Welle gemeinschaftsorientierter Bem\u00fchungen, Nahrungsmittel dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, ist von entscheidender Bedeutung und erfordert dringend Ressourcen. Initiativen an der Basis sind zwar nicht \u00abdie\u00bb L\u00f6sung, aber sie weisen sicherlich in die richtige Richtung.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbergang zu gemeinschaftsorientierten Ern\u00e4hrungssystemen<\/strong><\/p>\n<p>Um die Katastrophe zu verhindern, vor der uns sowohl die IAO als auch das WEP warnen, fordern wir drei Arten von Massnahmen.<\/p>\n<p><u>Kurzfristig:<\/u><\/p>\n<p>1) <em>Ressource Gemeinschaftsinitiativen<\/em>: Es ist dringend notwendig, dass die Bem\u00fchungen der informellen Zusammenh\u00e4nge um die Versorgung der Bed\u00fcrftigen klar anerkannt und unterst\u00fctzt werden. F\u00fcr diese Bem\u00fchungen sollten finanzielle Mittel, Instrumente und andere Mittel bereitgestellt werden. Dabei kann es sich um Geld oder Materialien f\u00fcr Nachbarschaftsgruppen oder indigene Gemeinschaften handeln, die pers\u00f6nliche Schutzausr\u00fcstung, R\u00e4ume oder Mittel ben\u00f6tigen, mit denen Vorr\u00e4te organisiert und transportiert werden k\u00f6nnen. Dies kann Unterst\u00fctzung f\u00fcr regionale und lokale Regierungen umfassen, damit diese die Arbeit gemeinsam mit gemeindebasierten Organisationen, Kooperativen, B\u00e4uerinnen und Bauern durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Und dann die Unterst\u00fctzung der lokalen Regierungen selbst, sei es durch politische Massnahmen oder Infrastruktur. Viele tun dies bereits, aber diese Anstrengungen m\u00fcssen massiv und schnell aufgestockt werden. Die Finanzmittel der Weltbank, des Internationalen W\u00e4hrungsfonds und anderer Geber an die Regierungen f\u00fcr die Meisterung der Gesundheitskrise gehen zu einem grossen Teil an grosse Unternehmen. Es w\u00e4re besser, den lokalen Regierungen mehr Mittel zuzuweisen, damit sie die Bem\u00fchungen der Gemeinden unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><u>L\u00e4ngerfristig:<\/u><\/p>\n<p>2) <em>Verbesserung der Bedingungen f\u00fcr Bauern, B\u00e4uerinnen, Arbeiterinnen und Arbeiter<\/em>: Wir m\u00fcssen die Position der Arbeitenden im Lebensmittelsystem verbessern, von der Produktion oder Beschaffung bis hin zum Einzelhandel, zur Lieferung und zum Lebensmittelservice. Das bedeutet unter anderem: H\u00f6here L\u00f6hne oder ein universelles Grundeinkommen, das einkommensschwache Lohnabh\u00e4ngige viel besser bezahlt und auch die Menschen ausserhalb der Lohnarbeit erreicht; eine Mitentscheidung \u00fcber eine Neudefinition von Arbeit und der Arbeitsprozesse, wie es viele Gewerkschaften fordern; volle Rechte auf Gesundheitsversorgung, Gefahrenzulage, sichere Arbeitsbedingungen und Kinderbetreuung; und, vielleicht am wichtigsten, einen besseren Status in der Gesellschaft. Die Landwirte m\u00fcssen auch mit zuverl\u00e4ssigen Systemen unterst\u00fctzt werden, damit sie ihre Produkte zu fairen Preisen auf die M\u00e4rkte bringen und ihren Lebensunterhalt sichern k\u00f6nnen. Gleichzeitig m\u00fcssen den Landarbeitern und -arbeiterinnen existenzsichernde L\u00f6hne und gesunde Arbeitsbedingungen garantiert werden. Die Covid-19-Krise hat deutlich gemacht, wie wichtig landwirtschaftliche Arbeit, Transport, Lebensmittelverteilung f\u00fcr unser Wohlergehen sind. Die Menschen, die in diesem System arbeiten, arbeiten ebenso an der Front wie die Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen. Sie verdienen einen besseren Arbeitsplatz, eine bessere Bezahlung und eine gerechtere Verteilung der Leistungen. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Strukturwandel voranzutreiben.<\/p>\n<p>3) <em>Wir m\u00fcssen wieder \u00f6ffentliche Ern\u00e4hrungssysteme aufbauen<\/em>: Wir m\u00fcssen von der \u00d6ffentlichkeit kontrollierte M\u00e4rkte im Lebensmittelbereich neu erfinden und st\u00e4rken, und zwar von der lokalen Ebene an aufw\u00e4rts. Und wir m\u00fcssen diese M\u00e4rkte mit der Produktion der Kleinlandwirtschaft und Fischerei verbinden. Die Corona-Sperrmassnahmen haben uns recht deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass wir uns nicht auf den Welthandel als Strategie verlassen k\u00f6nnen, und dass die Kontrolle der Konzerne \u00fcber wichtige Segmente unserer Nahrungsmittelversorgung unser \u00dcberleben gef\u00e4hrdet. Wir m\u00fcssen damit aufh\u00f6ren, \u00f6ffentliche Gelder an grosse Nahrungsmittel- oder Agrarunternehmen zu vergeben, es sei denn zur St\u00e4rkung der Arbeitenden. Wir m\u00fcssen die Konzentration der Lebensmittelindustrie zur\u00fcckdr\u00e4ngen, und zwar durch Massnahmen wie Anti-Kartellgesetze im gesamten Nahrungsmittelsektor und mittels direkte Nahrungsmittelverteiler. Wir wissen, dass weitere Pandemien kommen werden. Jetzt ist die Gelegenheit f\u00fcr Fortschritte mit dem Aufbau einer \u00f6ffentlichen Ausrichtung unserer Lebensmittelsysteme, \u00e4hnlich wie im Gesundheitssektor, wo wir \u00f6ffentliche medizinische Forschung, \u00f6ffentliche Krankenh\u00e4user und Generika haben m\u00fcssen, die sich ausserhalb des Zugriffs von Patentgesetzen befinden, die dem Profit der Unternehmen dienen. Lebensmittel sind nicht nur ein \u00f6ffentliches Gut; sie sind ein soziales Gut und sie m\u00fcssen ebenso wie die Gesundheitsversorgung garantiert, gesch\u00fctzt und f\u00fcr alle bereitgestellt werden.<\/p>\n<p>Wenn etwas Positives aus dieser Krise hervorgehen sollte, so m\u00fcssen wir nach Jahrzehnten der Privatisierung und der Einflussnahme der Konzerne die \u00f6ffentlichen Versorgungssysteme in unseren L\u00e4ndern zur\u00fcckgewinnen und konsolidieren. Diese Systeme sollten L\u00f6sungen unterst\u00fctzen und auf L\u00f6sungen aufbauen, die lokale Gemeinschaften bereits anbieten. Nahrung ist ebenso wie Gesundheit ein entscheidender Ansatzpunkt.<\/p>\n<p>________________________________________<\/p>\n<p><em>Quelle:<\/em><em> <a href=\"https:\/\/grain.org\/e\/6465#.XsE6dyHDAHs.twitter\">https:\/\/grain.org\/e\/6465#.XsE6dyHDAHs.twitter<\/a>; \u00dcbersetzung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Endnoten:<\/strong><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh1\">1<\/a>]\u00a0Hausangestellte mit Vertr\u00e4gen, Bauern und B\u00e4uerinnen, Kleinh\u00e4ndler und Kleinh\u00e4ndlerinnen mit eingetragenen Unternehmen werden nicht unter die Definition der informellen \u00d6konomie gefasst.<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh2\">2<\/a>]\u00a0ILO, \u201cWomen and men in the informal economy: A statistical picture\u201d, 2018, <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/wcmsp5\/groups\/public\/---dgreports\/---dcomm\/documents\/publication\/wcms_626831.pdf\">https:\/\/www.ilo.org\/wcmsp5\/groups\/public\/&#8212;dgreports\/&#8212;dcomm\/documents\/publication\/wcms_626831.pdf<\/a>, page 21.<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh3\">3<\/a>]\u00a0ILO, \u201cAs job losses escalate, nearly half of global workforce at risk of losing livelihoods\u201d, 29 April 2020, <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/global\/about-the-ilo\/newsroom\/news\/WCMS_743036\/lang--en\/index.htm\">https:\/\/www.ilo.org\/global\/about-the-ilo\/newsroom\/news\/WCMS_743036\/lang&#8211;en\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh4\">4<\/a>]\u00a0ILO, \u201cWomen and men in the informal economy: A statistical picture\u201d, 2018, <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/wcmsp5\/groups\/public\/---dgreports\/---dcomm\/documents\/publication\/wcms_626831.pdf\">https:\/\/www.ilo.org\/wcmsp5\/groups\/public\/&#8212;dgreports\/&#8212;dcomm\/documents\/publication\/wcms_626831.pdf<\/a>, page 21.<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh5\">5<\/a>]\u00a0Nestl\u00e9, \u201cResults of the 153rd Annual General Meeting of Nestl\u00e9 S.A. held on April 23, 2020\u201d, <a href=\"https:\/\/www.nestle.com\/sites\/default\/files\/2020-04\/annual-general-meeting-2020-summary-minutes-en.pdf\">https:\/\/www.nestle.com\/sites\/default\/files\/2020-04\/annual-general-meeting-2020-summary-minutes-en.pdf<\/a>. Im Jahr 2018 sammelte das WEP 7.2 Milliarden US$, siehe: <a href=\"https:\/\/www.wfp.org\/overview\">https:\/\/www.wfp.org\/overview<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh6\">6<\/a>]\u00a0International Panel of Experts on Sustainable Food Systems, \u201cCOVID-19 and the crisis in food systems\u201d, April 2020, <a href=\"http:\/\/www.ipes-food.org\/pages\/covid19\">http:\/\/www.ipes-food.org\/pages\/covid19<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh7\">7<\/a>]\u00a0Alex Esagala et al, \u201cCanes, tears in Kampala over coronavirus\u201d, Daily Monitor, 26 March 2020, <a href=\"https:\/\/www.monitor.co.ug\/News\/National\/Photos-that-will-compel-you-cancel-your-journey-Kampala\/688334-5505362-g3u0ib\/index.html\">https:\/\/www.monitor.co.ug\/News\/National\/Photos-that-will-compel-you-cancel-your-journey-Kampala\/688334-5505362-g3u0ib\/index.html<\/a> and Boitumelo Metsing, \u201cFood parcel protest turns ugly as cops fire rubber bullets at hungry residents\u201d, The Star, 29 Apr 2020, <a href=\"https:\/\/www.iol.co.za\/the-star\/sport\/food-parcel-protest-turns-ugly-as-cops-fire-rubber-bullets-at-hungry-residents-47325962\">https:\/\/www.iol.co.za\/the-star\/sport\/food-parcel-protest-turns-ugly-as-cops-fire-rubber-bullets-at-hungry-residents-47325962<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh8\">8<\/a>]\u00a0Tom Odula and Idi Ali Juma, \u201cStampede in Kenya as slum residents surge for food aid\u201d, Associated Press, 10 April 2020 <a href=\"https:\/\/komonews.com\/news\/nation-world\/stampede-in-kenya-as-slum-residents-surge-for-food-aid\">https:\/\/komonews.com\/news\/nation-world\/stampede-in-kenya-as-slum-residents-surge-for-food-aid<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh9\">9<\/a>]\u00a0Jean Shaoul, \u201cProtester killed in Lebanon during riots against soaring food prices\u201d, World Socialist Website, 29 April 2020, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2020\/04\/29\/leba-a29.html\">https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2020\/04\/29\/leba-a29.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh10\">10<\/a>]\u00a0\u201dSwaziland govt. confirms it will not feed the starving in towns and cities during coronavirus lockdown\u201d, Swazi Media Commentary, 29 April 2020, <a href=\"https:\/\/allafrica.com\/stories\/202004290702.html\">https:\/\/allafrica.com\/stories\/202004290702.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh11\">11<\/a>]\u00a0United Food and Commercial Workers International Union, \u201cUFCW calls on USDA and White House to protect meatpacking workers and America\u2019s food supply\u201d, 30 April 2020, <a href=\"http:\/\/www.ufcw.org\/2020\/04\/30\/covidpacking\/\">http:\/\/www.ufcw.org\/2020\/04\/30\/covidpacking\/<\/a>. While European meat packers are also experiencing outbreaks, they have not been as deep and widespread as in the US where corporate concentration is higher, says IPES (op cit).<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh12\">12<\/a>]\u00a0Leah Douglas, \u201cMapping Covid-19 in meat and food processing plants\u201d, Food and Environment Reporting Network, 22 April 2020, <a href=\"https:\/\/thefern.org\/2020\/04\/mapping-covid-19-in-meat-and-food-processing-plants\/\">https:\/\/thefern.org\/2020\/04\/mapping-covid-19-in-meat-and-food-processing-plants\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh13\">13<\/a>]\u00a0Rachel Sapin and Drew Cherry, \u201cThai Union plant is source of coronavirus outbreak that sickened over 500, officials say\u201d, IntraFish, 12 May 2020, <a href=\"https:\/\/www.intrafish.com\/processing\/thai-union-plant-is-source-of-coronavirus-outbreak-that-sickened-over-500-officials-say\/2-1-807547\">https:\/\/www.intrafish.com\/processing\/thai-union-plant-is-source-of-coronavirus-outbreak-that-sickened-over-500-officials-say\/2-1-807547<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh14\">14<\/a>]\u00a0ARD, Green Advocates, JUSTICITIZ, MALOA, NMJD, RADD, Synaparcam and YVE, \u201cWe demand justice and safety for workers on Socfin\u2019s rubber\/oil palm plantations during the Covid-19 pandemic\u201d, Open letter to Socfin, 29 April 2020, <a href=\"https:\/\/farmlandgrab.org\/29602\">https:\/\/farmlandgrab.org\/29602<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh15\">15<\/a>]\u00a0\u201cCoronavirus impact | Half of rural India is eating less due to COVID-19 lockdown: Survey\u201d, Monetcontrol, 13 May 2020, <a href=\"https:\/\/www.moneycontrol.com\/news\/india\/covid-19-impact-half-of-rural-population-eating-less-amid-coronavirus-crisis-5259491.html\">https:\/\/www.moneycontrol.com\/news\/india\/covid-19-impact-half-of-rural-population-eating-less-amid-coronavirus-crisis-5259491.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh16\">16<\/a>]\u00a0Paul Anthem, \u201cRisk of hunger pandemic as COVID-19 set to almost double acute hunger by end of 2020\u201d, WFP, 16 April 2020, <a href=\"https:\/\/insight.wfp.org\/covid-19-will-almost-double-people-in-acute-hunger-by-end-of-2020-59df0c4a8072\">https:\/\/insight.wfp.org\/covid-19-will-almost-double-people-in-acute-hunger-by-end-of-2020-59df0c4a8072<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh17\">17<\/a>]\u00a0Bello, \u201cChoosing between livelihoods and lives in Latin America\u201d, The Economist, 2 May 2020, <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/the-americas\/2020\/05\/02\/choosing-between-livelihoods-and-lives-in-latin-america\">https:\/\/www.economist.com\/the-americas\/2020\/05\/02\/choosing-between-livelihoods-and-lives-in-latin-america<\/a>; \u201cLebanon: A New Surge in the Popular Struggle\u201d, International Socialist League, May 4, 2020, <a href=\"http:\/\/lis-isl.org\/en\/2020\/05\/04\/libano-un-nuevo-salto-en-la-rebelion-popular\/\">http:\/\/lis-isl.org\/en\/2020\/05\/04\/libano-un-nuevo-salto-en-la-rebelion-popular\/<\/a>; La R\u00e9daction, \u00ab Ici, on a plus peur de mourir de faim que du coronavirus\u202f! \u00bb, Charlie Hebdo, 6 avril 2020, <a href=\"https:\/\/charliehebdo.fr\/2020\/04\/courrier\/courrier-des-lecteurs-mayotte-on-a-plus-peur-de-mourir-de-faim-que-du-coronavirus\/\">https:\/\/charliehebdo.fr\/2020\/04\/courrier\/courrier-des-lecteurs-mayotte-on-a-plus-peur-de-mourir-de-faim-que-du-coronavirus\/<\/a>; AFP, \u201cDans l\u2019Inde confin\u00e9e, les pauvres luttent pour survivre\u201d, 9 avril 2020, <a href=\"https:\/\/www.journaldemontreal.com\/2020\/04\/09\/dans-linde-confinee-les-pauvres-luttent-pour-survivre\">https:\/\/www.journaldemontreal.com\/2020\/04\/09\/dans-linde-confinee-les-pauvres-luttent-pour-survivre<\/a>; AFP, \u201cHa\u00efti: mourir de faim aujourd\u2019hui ou du coronavirus demain\u201d, 3 May 2020, <a href=\"https:\/\/www.la-croix.com\/Monde\/Haiti-mourir-faim-aujourd-hui-coronavirus-demain-2020-05-03-1301092306\">https:\/\/www.la-croix.com\/Monde\/Haiti-mourir-faim-aujourd-hui-coronavirus-demain-2020-05-03-1301092306<\/a>; AFP, \u201c\u00abMieux vaut mourir de cette maladie que mourir de faim\u00bb: les Angolais bravent le verrouillage du virus\u201d, 6 Avril 2020, <a href=\"https:\/\/www.fr24news.com\/fr\/a\/2020\/04\/mieux-vaut-mourir-de-cette-maladie-que-mourir-de-faim-les-angolais-bravent-le-verrouillage-du-virus.html\">https:\/\/www.fr24news.com\/fr\/a\/2020\/04\/mieux-vaut-mourir-de-cette-maladie-que-mourir-de-faim-les-angolais-bravent-le-verrouillage-du-virus.html<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh18\">18<\/a>]\u00a0Annick Ovine, \u201c\u2019Nous, on doit choisir: mourir de faim ou crever du coronavirus\u2019\u201d, La Libre, 16 March 2020, <a href=\"https:\/\/www.lalibre.be\/belgique\/societe\/nous-on-doit-choisir-mourir-de-faim-ou-crever-du-coronavirus-5e6f91fc9978e201d8bcf20c\">https:\/\/www.lalibre.be\/belgique\/societe\/nous-on-doit-choisir-mourir-de-faim-ou-crever-du-coronavirus-5e6f91fc9978e201d8bcf20c<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh19\">19<\/a>]\u00a0European Coordination Via Campesina, \u201cECVC survey on the impact of Covid-19 on peasant farming\u201d, April 2020, <a href=\"https:\/\/www.eurovia.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ECVC-SURVEY-ON-THE-IMPACT-OF-COVID-19-ON-PEASANT-FARMING.pdf\">https:\/\/www.eurovia.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ECVC-SURVEY-ON-THE-IMPACT-OF-COVID-19-ON-PEASANT-FARMING.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh20\">20<\/a>]\u00a0Zhenzhong Si, \u201cCommentary: How China ensured no one went hungry during coronavirus lockdown\u201d, Channel News Asia, 19 April 2020, <a href=\"https:\/\/www.channelnewsasia.com\/news\/commentary\/coronavirus-covid-19-china-grocery-food-security-price-delivery-12640426\">https:\/\/www.channelnewsasia.com\/news\/commentary\/coronavirus-covid-19-china-grocery-food-security-price-delivery-12640426<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh21\">21<\/a>]\u00a0Shahroz Afridi, \u201cMadhya Pradesh: Left without cash, lockdown forces villagers to adopt barter system\u201d, Free Press Journal, 22 April 2020, <a href=\"https:\/\/www.freepressjournal.in\/bhopal\/madhya-pradesh-left-without-cash-lockdown-forces-villagers-to-adopt-barter-system\">https:\/\/www.freepressjournal.in\/bhopal\/madhya-pradesh-left-without-cash-lockdown-forces-villagers-to-adopt-barter-system<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh22\">22<\/a>]\u00a0Pandangan Jogja, \u201cBarter Ikan Nelayan dengan Beras Petani, Cara Nelayan Bertahan di Tengah Pandemi\u201d, Kumparan, 11 Mei 2020, <a href=\"https:\/\/kumparan.com\/pandangan-jogja\/barter-ikan-nelayan-dengan-beras-petani-cara-nelayan-bertahan-di-tengah-pandemi-1tOVhGXPMQr\">https:\/\/kumparan.com\/pandangan-jogja\/barter-ikan-nelayan-dengan-beras-petani-cara-nelayan-bertahan-di-tengah-pandemi-1tOVhGXPMQr<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh23\">23<\/a>]\u00a0Rita Valencia, \u201cLos nasa de Colombia dicen: Porque no seremos los mismos, hay que liberar\u201d, Ojarasca, 9 May 2020, <a href=\"https:\/\/ojarasca.jornada.com.mx\/2020\/05\/09\/nasa-de-colombia-porque-no-seremos-los-mismos-hay-que-liberar-1000.html\">https:\/\/ojarasca.jornada.com.mx\/2020\/05\/09\/nasa-de-colombia-porque-no-seremos-los-mismos-hay-que-liberar-1000.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh24\">24<\/a>]\u00a0MST, \u201cProduzir alimentos saud\u00e1veis e plantar \u00e1rvores: a Reforma Agr\u00e1ria Popular no combate ao Coronav\u00edrus\u201d, 29 de mar\u00e7o de 2020, <a href=\"https:\/\/mst.org.br\/2020\/03\/29\/produzir-alimentos-saudaveis-e-plantar-arvores-a-reforma-agraria-popular-no-combate-ao-coronavirus\/\">https:\/\/mst.org.br\/2020\/03\/29\/produzir-alimentos-saudaveis-e-plantar-arvores-a-reforma-agraria-popular-no-combate-ao-coronavirus\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh25\">25<\/a>]\u00a0Rebecca Tarlau, \u201cActivist farmers in Brazil feed the hungry and aid the sick as president downplays coronavirus crisis\u201d, The Conversation, 5 May 2020, <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/activist-farmers-in-brazil-feed-the-hungry-and-aid-the-sick-as-president-downplays-coronavirus-crisis-136914\">https:\/\/theconversation.com\/activist-farmers-in-brazil-feed-the-hungry-and-aid-the-sick-as-president-downplays-coronavirus-crisis-136914<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh26\">26<\/a>]\u00a0Ignatius Banda, \u201cCOVID-19: Zimbabwe\u2019s smallholder farmers step into the food supply gap\u201d, IPS, 12 May 2020, <a href=\"http:\/\/www.ipsnews.net\/2020\/05\/covid-19-zimbabwes-smallholder-farmers-step-food-supply-gap\/\">http:\/\/www.ipsnews.net\/2020\/05\/covid-19-zimbabwes-smallholder-farmers-step-food-supply-gap\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh27\">27<\/a>]\u00a0\u201dVietnam entrepreneur sets up free \u2018rice ATM\u2019 to feed the poor amid coronavirus lockdown\u201d, 16 April 2020, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/lWLuIO1DGAA\">https:\/\/youtu.be\/lWLuIO1DGAA<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh28\">28<\/a>]\u00a0Samuel Philip Matthew, \u201cCOVID-19 in Kerala: Staying ahead of the curve\u201d, Newsclick, 9 May 2020, <a href=\"https:\/\/www.newsclick.in\/COVID-19-Kerala-Highest-Recovery-Rate-Pandemic\">https:\/\/www.newsclick.in\/COVID-19-Kerala-Highest-Recovery-Rate-Pandemic<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh29\">29<\/a>]\u00a0Juarawee Kittisilpa, \u201cThai grocery trucks get new life from coronavirus shutdown\u201d, Reuters, 14 April 2020, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-health-coronavirus-thailand-grocery-t\/thai-grocery-trucks-get-new-life-from-coronavirus-shutdown-idUSKCN21W0O4?il=0\">https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-health-coronavirus-thailand-grocery-t\/thai-grocery-trucks-get-new-life-from-coronavirus-shutdown-idUSKCN21W0O4?il=0<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53338#nh30\">30<\/a>]\u00a0AFP, \u201cAfrican e-commerce firms get coronavirus boost\u201d, 15 May 2020, <a href=\"https:\/\/news.yahoo.com\/african-e-commerce-firms-coronavirus-boost-033743948.html\">https:\/\/news.yahoo.com\/african-e-commerce-firms-coronavirus-boost-033743948.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor dem 1. 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