{"id":8070,"date":"2020-06-15T16:18:47","date_gmt":"2020-06-15T14:18:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8070"},"modified":"2020-06-15T16:21:06","modified_gmt":"2020-06-15T14:21:06","slug":"massenproteste-gegen-rassistische-polizeigewalt-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8070","title":{"rendered":"Massenproteste gegen rassistische Polizeigewalt in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p> \u201e\u2026\u00a0<em>Zum Hintergrund sei zun\u00e4chst ausgef\u00fchrt, dass rassistische Polizeigewalt in Frankreich im Grunde ein altes Thema ist. Um das Ph\u00e4nomen sichtbar werden zu lassen, brauchte es nicht erst einen Anlass aus den USA: Vielmehr d\u00fcrfte eines ihrer international schlimmsten <\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Beispiele \u00fcberhaupt sich in der franz\u00f6sischen Hauptstadt zugetragen haben. Am Abend des 17. Oktober 1961 und in der darauffolgenden Nacht t\u00f6teten dort Polizeieinheiten, die durch den damaligen Pariser Polizeipr\u00e4fekten (und vormaligen Nazikollaborateur) Maurice Papon befehligt wurden, um die 300 Algerier mitten in Paris: in der Seine ertr\u00e4nkt, von Br\u00fccken geworfen, totgeschlagen. (\u2026) Doch rund um den f\u00fcnfzigsten Jahrestag des Massakers platzte die H\u00fclle, die das Schweigen bewahrte, endg\u00fcltig. Auch prominente Spitzenpolitiker etablierter Parteien bekannten sich erstmals zur historischen Verantwortung des franz\u00f6sischen Staates an diesem Punkt.<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fra-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8073\" width=\"579\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fra-1.jpg 391w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fra-1-300x153.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><\/figure>\n<p><em>Die meisten franz\u00f6sischen Zeitungen erw\u00e4hnten den Jahrestag in jenem Oktober 2011, und Tausende von Menschen demonstrierten bei einem Gedenkmarsch. Heute gibt es an mehreren Orten Gedenkplaketten f\u00fcr die Opfer, etwa an der Saint Michel-Br\u00fccke in Paris. Zwei Str\u00e4nge treffen zusammen, wenn es um die Analyse solcher und sp\u00e4terer Gewalttaten und der sie erm\u00f6glichenden Strukturen geht. Auf der einen Seite steht die postkoloniale Struktur von Staat und Gesellschaft in Frankreich, die ein Gef\u00fchl, oder eine Ideologie rassischer und\/oder kultureller \u00dcberlegenheit immer einschloss. Andererseits steht die \u2013 auch in Staaten ohne Kolonialvergangenheit zu beobachtende und hinterfragende \u2013 Dimension der Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Ordnung (franz\u00f6sisch: le maintien de l\u2019ordre) notfalls auch mit repressiven Mitteln, die wiederum in aller Regel umso repressiver ausfallen, je mehr Ungleichheiten und, objektive und\/oder empfundene, Ungerechtigkeiten eine Gesellschaft aufweist..<\/em>.\u201c \u2013 aus dem Beitrag\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Frankreich-Protest-gegen-Rassismus-und-Ungerechtigkeit-4782698.html?seite=all\">\u201eFrankreich: Protest gegen Rassismus und Ungerechtigkeit\u201c von Bernard Schmid am 13. Juni 2020 bei telepolis<\/a>\u00a0\u2013 worin neben den aktuellen Gr\u00fcnden f\u00fcr die massiven Proteste auch in Frankreich auch eine Skizze der historischen Entwicklung des rassistischen (kolonialistischen) Polizeistaats seit dem Massenmord an Algeriern 1961 gegeben wird. Siehe dazu vier weitere aktuelle Beitr\u00e4ge, auch zu den Zugest\u00e4ndnissen der Regierung und der basisgewerkschaftlichen Reaktion auf Polizeiproteste dagegen \u2013 sowie eine nachbarschaftliche Gemeinschaftserfahrung: Was so alles passieren kann, wenn man Polizeigewalt filmt\u2026<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/taz.de\/Black-Lives-Matter-Demo-in-Frankreich\/!5692487\/\">\u201ePolizei blockiert BLM-Demo\u201c von Rudolf Balmer am 13. Juni 2020 in der taz online<\/a>zur polizeilichen Reaktionen auf die Proteste gegen sie unter anderem: \u201e\u2026\u00a0<em>Am Samstag wurden in Paris und anderen franz\u00f6sischen St\u00e4dten trotz Versammlungsverbot zahlreiche Kundgebungen gegen Rassismus und Polizeigewalt organisiert. In Paris hinderte aber die Polizei rund 20.000 Personen daran, wie angek\u00fcndigt friedlich von der Place de la R\u00e9publique zur Place de l\u2019Op\u00e9ra zu marschieren. Die Begr\u00fcndung war, dass f\u00fcr die Kundgebung keine Bewilligung erteilt worden sei. Einen zus\u00e4tzlichen Anlass lieferte den Beh\u00f6rden Provokationen von rechtsradikalen Gegendemonstranten der Gruppe \u201eG\u00e9n\u00e9ration identitaire\u201c. Nach etwas mehr als zwei Stunden begannen die Ordnungtruppen, die den gro\u00dfen Platz abgeriegelt hatten, die antirassistische Kundgebung mit Tr\u00e4nengaseinsatz zu r\u00e4umen. Zur Rechtfertigung erkl\u00e4rte ein Polizeisprecher den Medien, unter den friedlich Versammelten habe es aggressive Gruppen von \u201eUltralinken\u201c gegeben. (\u2026) W\u00fctend sind auch viele Polizisten. Sie f\u00fchlen sich durch die Gewalt- und Rassismusvorw\u00fcrfe der Demonstrierenden und Medien pauschal \u201ebeschmutzt und verunglimpft\u201c, wie ein Polizeigewerkschaftssprecher sagte. Vor zahlreichen Kommissariaten protestierten Polizeibeamte in Uniform und Zivil, indem sie demonstrativ ihre Handschellen zu Boden schmissen. Innenminister Christophe Castaner hatte zu Wochenbeginn angeordnet, dass der potenziell t\u00f6dliche W\u00fcrgegriff bei Festnahmen in Zukunft nicht mehr praktiziert und auch in der Polizeiausbildung nicht gelehrt werden solle. Auch drohte Castaner Polizeibeamten k\u00fcnftig mit \u201esofortiger Suspendierung vom Dienst\u201c bei \u201ebest\u00e4tigtem Verdacht von Rassismus\u201c \u2013 unabh\u00e4ngig von eventuellen Strafverfahren oder Disziplinarma\u00dfnahmen<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/faits-divers\/police\/paris-un-groupe-de-jeunes-harceles-et-discrimines-par-la-police_4001097.html?fbclid=IwAR2Eq6SPGEsDNfrzMQjnLEAS3N7VHrbGjLZxJgIz9Mi_07rUflFit41_5i0\">\u201eViolences polici\u00e8res\u00a0: un groupe d\u2019adolescents a film\u00e9 les insultes et coups r\u00e9p\u00e9t\u00e9s des forces de l\u2019ordre\u201c am 08. Juni 2020 bei francetv.info<\/a>berichtet von einer Meldung auf France 3, die aus einem Film von Jugendlichen besteht, die einen konkreten Akt von extremer Polizeibrutalit\u00e4t festgehalten haben \u2013 was franz\u00f6sische uniformierte Schl\u00e4gerbanden so sehr m\u00f6gen, wie ihre Gesinnungsfreunde jenseits des Rheins\u2026 (mit Link zum Video).<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.europe-solidaire.org\/spip.php?article53637\">\u201eFrance and police violence \u201cThe Adama Committee has a clear objective: to force the question of police violence into public debate\u201d\u201c am 04. Juni 2020 bei Europe Solidaire<\/a>dokumentiert, ist ein Interview mit dem \u201eKomitee f\u00fcr Adama\u201c-Aktivisten Youcef Brakni, der darin nachdr\u00fccklich unterstreicht, dass es dem Komitee darum gehe, eine \u00f6ffentliche, gesamtgesellschaftliche Debatte \u00fcber Polizeigewalt in Frankreich zu erzwingen \u2013 und dies sei ein langer Kampf, denn die Widerst\u00e4nde dagegen seien gro\u00df\u2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/solidaires.org\/La-police-nationale-est-en-colere-nous-aussi\">\u201eLa police nationale est en col\u00e8re\u00a0? nous aussi\u00a0!\u201c am 12. Juni 2020 beim Gewerkschaftsbund SUD Solidaires<\/a>ist ein Flugblatt der alternativen F\u00f6deration zu den Protesten gegen Polizeigewalt, in dem auch ausf\u00fchrlich und konkret zu den Protesten der Polizei gegen die Zugest\u00e4ndnisse der Regierung \u2013 die, wie darin betont wird, ohnehin minimal seien \u2013 Stellung genommen wird, deren \u201eWut\u201c bewertet wird, als die massive Forderung, weiterhin ohne Konsequenzen gewaltt\u00e4tig sein zu k\u00f6nnen: \u201eDie sind w\u00fctend? \u2013 Wir auch!\u201c so der eindeutige Tenor der Stellungnahme, mit der weitere Ma\u00dfnahmen gegen Polizeibrutalit\u00e4t eingefordert werden.<\/li>\n<li>Siehe zum Thema zuletzt am 03. Juni 2020: Frankreichs George Floyd hei\u00dft Adama Traor\u00e9: Massenproteste gegen Rassismus und Polizeiterror im ganzen Land.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/lebensbedingungen-frankreich\/frankreichs-george-floyd-heisst-adama-traore-massenproteste-gegen-rassismus-und-polizeiterror-im-ganzen-land\/\">Artikel mit Photos von Bernard Schmid vom 3.6.2020<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/lebensbedingungen-frankreich\/massenproteste-gegen-rassistische-polizeigewalt-in-frankreich-fuehren-zu-ersten-kleinen-zugestaendnissen-der-regierung-bereits-dagegen-entwickelt-sich-polizeiprotest-basisgewerkschaft-sud\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> \u201e\u2026\u00a0Zum Hintergrund sei zun\u00e4chst ausgef\u00fchrt, dass rassistische Polizeigewalt in Frankreich im Grunde ein altes Thema ist. 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