{"id":8084,"date":"2020-06-17T15:15:55","date_gmt":"2020-06-17T13:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8084"},"modified":"2020-06-17T15:15:56","modified_gmt":"2020-06-17T13:15:56","slug":"massenproteste-in-brasilien-gegen-polizeimorde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8084","title":{"rendered":"Massenproteste in Brasilien gegen Polizeimorde"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00e4hrend in S\u00e3o Paulo Massenproteste gegen den Polizeimord an einem Jugendlichen stattfinden \u2013 erschie\u00dft die brasilianische Milit\u00e4rpolizei in Bahia das n\u00e4chste Opfer. In Natal auch\u2026<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u201e<em>Nach dem Tod eines Schwarzen 15-J\u00e4hrigen kam es gestern in S\u00e3o Paulo zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Vorstadtbewohner*innen und der Polizei. Laut der Familie des Opfers wurde der Junge von Polizisten gefoltert und ermordet<\/em>\u201c \u2013 so meldete es ein\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/niklas_franzen\/status\/1272908328528683008\">Tweet am 16. Juni 2020 \u00a0im Twitter-Kanal von Niklas Franzen<\/a>\u00a0zum neuerlichen Polizeimord in Sao Paulo (<em>siehe zur Paulistaner Milit\u00e4rpolizei auch \u201e<\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=159437\"><em>Die Party in Parais\u00f3polis endete: Mit einem (weiteren) Polizeimassaker an neun afrobrasilianischen Jugendlichen \u2013 ein Mord in voller Absicht<\/em><\/a><em>\u201c am 16. Dezember 2019 im LabourNet Germany<\/em>). Die Proteste dagegen waren massiv \u2013 denn auch in Brasilien hat die weltweite Bewegung gegen Polizeigewalt nach den US-Morden mobilisierend gewirkt (obwohl nicht ganz erkl\u00e4rlich ist, warum das gerade in diesem Land \u201en\u00f6tig\u201c war). Und die Reaktion der brasilianischen Milit\u00e4rpolizei f\u00e4llt denn auch so aus, wie es von Polizisten in aller Welt (wof\u00fcr man nicht \u00fcber Grenzen schauen muss) gew\u00fcnscht wird: Kritik ist Beleidigung und wird nieder gekn\u00fcppelt \u2013 und ansonsten: Wird weiter get\u00f6tet. W\u00e4hrend der Proteste gegen den Polizeimord an einem 15-j\u00e4hrigen in Sao Paulo starben ein 11-j\u00e4hriger in Bahia und ein weiterer Jugendlicher im n\u00f6rdlichen Natal unter Polizeikugeln\u2026 Siehe dazu zwei Videos aus S\u00e3o Paulo \u2013 in verschiedenen Phasen der Protestdemonstration \u2013 sowie zwei Meldungen \u00fcber die gleichzeitigen neuerlichen Polizeimorde in anderen St\u00e4dten, und zwei Hintergrundbeitr\u00e4ge zur rassistischen Polizeigewalt in Brasilien neben einer kurzen Analyse der Polizeimorde im Kontext allgemein versch\u00e4rfter Repression\u2026<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Justica-Guilherme.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8085\" width=\"457\" height=\"462\"\/><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?list=PLytfbsQYLZpB5uDo8LRdjf9X9RfOlFw4d&amp;time_continue=1&amp;v=qeE6r7mJn6g&amp;feature=emb_title\">\u201e\u201cValeu menor\u201d: ato na periferia de SP pede justi\u00e7a pelo assassinato de adolescente\u201c von Brasil de Fato am 16. Juni 2020 bei You Tube<\/a>\u00a0eingestellt, ist ein Video von der Protestdemonstration gegen den Polizeimord an Guilherme Guedes \u2013 vom Beginn der Proteste, bevor die \u201ebeleidigte Polizei\u201c auf ihre bekannte Art reagierte\u2026<\/p>\n<p>\u201eProtests after the murder of Guilherme Silva Guedes, a 15-year-old black boy, by the police, in S\u00e3o Paulo\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/PersonalEscrito\/status\/1272676290424963074\">am 16. Juni 2020 im Twitter-Kanal Ubique<\/a>\u00a0ist ein kurzes Video von den Protesten in S\u00e3o Paulo \u2013 zu einem Zeitpunkt, da die Protestierenden bereits auf die \u00dcberf\u00e4lle der Polizei reagieren mussten \u2013 was unter anderem einigen der (extrem \u00fcberteuerten) Busse des Nahverkehrs nicht gut bekommen ist\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/brigadaspopulares.org.br\/justica-para-gabriel\/\">\u201eJusti\u00e7a para Gabriel!\u201c am 16. Juni 2020 ebenfalls bei den Brigadas Populares<\/a>\u00a0ist ein kurze Meldung \u00fcber den Tod von Giovanne Gabriel de Souza Gomes in Natal (Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte), dessen Leiche am Vortag aufgefunden worden war. Zuletzt von Zeugen lebend gesehen: Als er auf dem Fahrrad von einer Patrouille der Milit\u00e4rpolizei angehalten und mitgenommen wurde\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/aratuon.com.br\/noticias\/assassinaram-pelas-costas-diz-pai-de-crianca-morta-durante-operacao-da-pm-no-vale-das-pedrinhas\/\">\u201e\u201dAssassinaram pelas costas\u201d, diz pai de crian\u00e7a morta durante opera\u00e7\u00e3o da PM no Vale das Pedrinhas\u201c am 16. Juni 2020 bei Aratuon<\/a>\u00a0meldet die Aussagen des Vaters des 11-j\u00e4hrigen Jungen, den die Milit\u00e4rpolizei in der Nacht zuvor in Bahia erschoss: \u201e<em>Sie haben ihn in den R\u00fccken geschossen<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Polizeigewalt-in-Brasilien\/!5689572\/\">\u201eSie kommen, um zu t\u00f6ten\u201c von Niklas Franzen am 16. Juni 2020 in der taz online<\/a>\u00a0ist eine Reportage \u2013 vom \u201eMilit\u00e4rpolizei-Hotspot\u201c Rio de Janeiro, worin es unter anderem hei\u00dft: \u201e<em>Im vergangenen Jahr t\u00f6tete die Polizei von Rio de Janeiro so viele Menschen wie nie zuvor. Trotz Corona nahmen die F\u00e4lle t\u00f6dlicher Polizeigewalt im April 2020 noch einmal um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu.Der Anstieg l\u00e4sst sich auch mit dem fulminanten Aufstieg eines Mannes erkl\u00e4ren. Ende Oktober 2018 stand ein runder, etwas tollpatschig wirkender Mann mit Halbglatze und randloser Brille am Hauptbahnhof von Rio de Janeiro und grinste in die Kameras. Wilson Witzel war wenige Stunden zuvor zum Gouverneur gew\u00e4hlt worden. Kaum jemand hatte den ehemaligen Richter auf dem Schirm gehabt, selbst Expert*innen war er weitestgehend unbekannt. Doch dann suchte Witzel die N\u00e4he zu dem heutigen Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro, \u00fcberbot gar dessen Machospr\u00fcche. Einmal versprach er, bewaffnete Verbrecher durch einen Kopfschuss t\u00f6ten zu lassen. Ein anderes Mal schwadronierte er, Dealer in einer Favela mit einer Rakete in die Luft zu jagen. Der Bolsonaro-\u00adEffekt trat ein, Witzel gewann die Wahl. \u201eMit Witzel\u201c, sagt Correia und verzieht bei dem Namen das Gesicht, \u201ehat sich f\u00fcr uns alles verschlimmert.\u201c W\u00e4hrend sie redet, l\u00e4uft im Hintergrund der Fernseher, ihr Neffe tobt durch das Wohnzimmer, in der kleinen K\u00fcche br\u00e4t Correias Mann Speck an. Viele seiner Wahlkampfversprechen habe Witzel bereits umgesetzt, so etwa den Einsatz von Polizeischarfsch\u00fctzen und Hubschraubern. Auch Intensit\u00e4t und Dauer der Eins\u00e4tze h\u00e4tten zugenommen, meint Correia. Ende Mai wurde ein junger Mann aus der Favela von der Polizei durch einen Kopfschuss get\u00f6tet. Der 23-J\u00e4hrige, so hie\u00df, sei mit einem Banditen verwechselt worden. F\u00fcr Correia und viele Nachbarn ist klar: Die Polizei kommt in ihre Viertel, um zu t\u00f6ten.<\/em>..\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Proteste-gegen-Brasiliens-Praesidenten\/!5687881\/\">\u201eMassive rassistische Polizeigewalt\u201c von Sunny Riedel am 08. Juni 2020 ebenfalls in der taz online<\/a>\u00a0zur weiter anwachsenden Mord-Statistik im Zeitalter des rechtsradikalen \u201eFeuer frei!\u201c unter anderem: \u201e\u2026\u00a0<em>In derselben Woche, in der der US-Amerikaner George Floyd von einem Polizisten brutal get\u00f6tet wurde, starb auch der 14-j\u00e4hrige Afrobrasilianer Jo\u00e3o Pedro in einem Vorort von Rio de Janeiro, ein Polizist erschoss ihn bei einer Razzia. Im vergangenen September war die 8-j\u00e4hrige Agatha im Auto mit einem Schuss in den R\u00fccken get\u00f6tet worden. Der Sch\u00fctze war Milit\u00e4rpolizist, Agatha war Schwarz. Von Januar 2016 bis M\u00e4rz 2017 wurden in der Olympiastadt Rio nach offiziellen Zahlen 1.277 Menschen bei Polizeiaktionen get\u00f6tet. Fast 90 Prozent davon Schwarze Menschen. Brasilien hat ein massives Problem mit rassistischer Polizeigewalt. Die Bev\u00f6lkerung des Landes, das als letzter amerikanischer Staat 1888 die Sklaverei offiziell abschaffte, setzt sich zu 56 Prozent aus Nachkommen von Sklaven zusammen. Sie verdienen mindestens 33 Prozent weniger als Wei\u00dfe in vergleichbaren Jobs. 60 Prozent der Gef\u00e4ngnisinsassen sind Schwarz. Schwarze sind unterdurchschnittlich in \u00f6ffentlichen \u00c4mtern oder in Universit\u00e4ten vertreten, obwohl es seit 2001 sogar eine Quote gibt. Obwohl es in Brasilien zahlenm\u00e4\u00dfig nicht nur mehr Opfer von Polizeigewalt gibt, sondern mit \u00fcber 75 Prozent auch prozentual mehr Schwarze davon betroffen sind, brauchte es als Anlass f\u00fcr landesweite Demonstrationen am Sonntag den j\u00fcngsten Fall rassistischer Polizeigewalt in den USA, damit Brasilien aufwachte. Der Claim \u201eBlack lives matter\u201c (\u201eVidas negras importam\u201c) ist auch in Lateinamerikas gr\u00f6\u00dftem Land keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/em>..\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/brigadaspopulares.org.br\/o-aumento-da-repressao-em-tempos-de-pandemia-a-periferia-quer-viver\/\">\u201eO aumento da repress\u00e3o em tempos de pandemia \u2013 a periferia quer viver!\u201c am 16. Juni 2020 bei den Brigadas Populares<\/a>\u00a0ist ein Beitrag aus Anlass des Polizeimordes in Sao Paulo, in dem das linke Basis-Netzwerk eine Gesamtbilanz der wachsenden Repression in Zeiten der Epidemie in Brasilien zieht und dabei unterstreicht, dass die Mordmaschine Milit\u00e4rpolizei die Spitze eines ganzen Eisberges darstellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/lebensbedingungen-brasilien\/waehrend-in-sao-paulo-massenproteste-gegen-den-polizeimord-an-einem-jugendlichen-stattfinden-erschiesst-die-brasilianische-militaerpolizei-in-bahia-das-naechste-opfer-in-natal-auch\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend in S\u00e3o Paulo Massenproteste gegen den Polizeimord an einem Jugendlichen stattfinden \u2013 erschie\u00dft die brasilianische Milit\u00e4rpolizei in Bahia das n\u00e4chste Opfer. In Natal auch\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[25,74,34,26,76,11,49],"class_list":["post-8084","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-brasilien","tag-faschismus","tag-gewerkschaften","tag-neue-rechte","tag-rassismus","tag-repression"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8084"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8084\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8086,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8084\/revisions\/8086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}