{"id":8087,"date":"2020-06-17T15:27:15","date_gmt":"2020-06-17T13:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8087"},"modified":"2020-06-17T15:27:16","modified_gmt":"2020-06-17T13:27:16","slug":"16-juni-2020-kampftag-in-frankreich-und-pruegelorgien-der-polizei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8087","title":{"rendered":"16. Juni 2020: Kampftag in Frankreich \u2013 und Pr\u00fcgelorgien der Polizei"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e\u2026\u00a0In ganz Frankreich demonstrierten an diesem Dienstag die Berufst\u00e4tigen der Gesundheitssektors, oft in ihren wei\u00dfen, hellgr\u00fcnen oder blauen Arbeitskleidern. An der Pariser Kundgebung, wo sich schon zwei Stunden vor dem eigentlichen<!--more--> Demonstrationsbeginn Tausende lautstark vor dem Gesundheitsministerium hinter dem Invalidendom versammelten, war auf einem Transparent ein Slogan zu lesen, der konstrastreich die vorherrschende Stimmung verdeutlicht: \u201eWei\u00dfe Kittel, schwarze Wut!\u201c Die Gesundheitsdienste waren sehr schlecht auf die Coronakrise vorbereitet. Das Personal f\u00fchlte sich nicht nur \u00fcberlastet, sondern auch von den Beh\u00f6rden missachtet, erkl\u00e4rt Pierre Etien Leblanc, Arzt in der Intensivstation von Kremlin-Bic\u00eatre im S\u00fcden von Paris. \u201eDas \u00f6ffentliche Gesundheitssystem ist krank, und das seit sehr Langem, seitdem die Finanzierung neu organisiert wurde. Die rechten und linken Regierungen hatten nur ein Ziel: die Kosten zu senken. Jetzt will die Staatsf\u00fchrung weitermachen wie vor der Covid-Krise, als wenn nichts gewesen w\u00e4re!\u201c Derzeit laufen im Gesundheitsministerium an der Avenue S\u00e9gur Gespr\u00e4che mit Delegierten der \u00f6ffentlichen Gesundheitsdienste. \u201eVon diesem S\u00e9gur-Palaver erwarte ich mir rein gar nichts\u201c, sagt Leblanc. Sein Medizinerkollege vom Pariser Krankenhaus Robert Debr\u00e9, Professor Andr\u00e9 Baruchel, ist auch nicht optimistisch: \u201eErstens sind die nichtmedizinischen Berufskategorien zu wenig repr\u00e4sentiert. Das Kollektiv Inter-Urgences, das seit 15 Monaten f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen in den Notfall-Aufnahmen gek\u00e4mpft hat, ist gar nicht vertreten. Und zweitens hat man uns im Voraus gesagt, dass diese S\u00e9gur-Gespr\u00e4che nicht Verhandlungen seien, sondern nur der Anh\u00f6rung dienen.\u201c.<\/em>..\u201c \u2013 aus dem Bericht\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Krankenhaus-Protest-in-Frankreich\/!5692987\/\">\u201e\u201eWei\u00dfe Kittel, schwarze Wut\u201c\u201c von Rudolf Balmer am 16. Juni 2020 in der taz online<\/a>, worin die wirkliche staatliche Reaktion auf den Protest der \u201eHeldInnen\u201c von gestern noch nicht Gegenstand der Berichterstattung war.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/krankenschwester.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8088\" width=\"300\" height=\"531\"\/><\/figure>\n<p>Zu den Protesten um das Gesundheitswesen in Frankreich und der staatlichen Reaktion darauf eine kleine Sammlung aktueller Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<p>Exemplarisch f\u00fcr das Vorgehen der Polizei (und ihrer outgesourcten Pressestellen auch in der BRD): \u201e<em>Cette femme, c\u2019est ma m\u00e8re. <\/em><em>50 ans, infirmi\u00e8re, elle a boss\u00e9 pendant 3 mois entre 12 et 14 heures par jour. A eu le covid. Aujourd\u2019hui, elle manifestait pour qu\u2019on revalorise son salaire, qu\u2019on reconnaisse son travail. Elle est asthmatique. Elle avait sa blouse. Elle fait 1m55<\/em>\u201c \u2013 am\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/Mellazimen\/status\/1272929930611953666\">16. Juni 2020 im Twitter-Kanal von Imen Mellaz<\/a>\u00a0ist ein Video \u00fcber einen Polizei\u00fcberfall auf eine demonstrierende Krankenschwester (siehe das Foto oben \u2013 der Mutter der Autorin, Journalistin bei France24 \u2013 die darauf verweist, dass die \u00a0furchterregende Gr\u00f6\u00dfe ihrer wenig randalierenden Mutter offensichtlich den tapferen Polizerobotern Angst machte). Dieser Tweet samt Thread steht hier als Beispiel f\u00fcr zwei zentrale Komplexe bei der gestrigen Protestaktion: Zum einen macht es eben \u00fcberdeutlich, wie Macron und Konsorten auf den Protest reagieren \u2013 mit blanker Polizeigewalt. Zum zweiten aber auch als ein Beispiel f\u00fcr die (erneute) berufliche Selbst-Disqualifikation nicht Weniger, die sich Journalisten oder Journalistinnen nennen (und vermutlich gegen Fake News-Produzenten\u00a0<em>seeehr<\/em>\u00a0kritisch sind) in bundesdeutschen Medien \u2013 die, wieder einmal, die Diktion der franz\u00f6sischen Pr\u00fcgelhorden (\u201eRandalierer haben sich untergemischt\u201c) anstandslos \u00fcbernehmen. Sollten alle diese Frau auf Knien um Verzeihung bitten m\u00fcssen \u2013 und sich einen anderen Job suchen (einen wichtigeren).<\/p>\n<p>\u201e<a href=\"https:\/\/twitter.com\/SolidairesAct\">Solidaires en action<\/a>\u201c\u00a0war der eigens f\u00fcr den 16. Juni 2020 eingerichtete Twitter-Sonderkanal des alternativen Gewerkschaftsbundes SUD Solidaires mit einer ganzen Reihe von Berichten, samt jeweils mehreren Videos und Fotos, aus verschiedenen St\u00e4dten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Toulouse-20-000-manifestants-pour-la-sante-publique-malgre-la-repression\">\u201eToulouse: 20 000 manifestants pour la sant\u00e9 publique malgr\u00e9 la r\u00e9pression !\u201c am 16. Juni 2020 bei R\u00e9volution Permanente<\/a>\u00a0berichtet von 20.000 Menschen beim Protest in Toulouse (wobei wir es uns ersparen, die \u00fcbliche Zahlenwettspiele zu kommentieren \u2013 es waren, in jedem Fall: Viele) \u2013 wobei die Korrespondenten vor allem darauf hinweisen, wie im Vorfeld zahlreiche Register gezogen wurden, um etwaige Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Einsch\u00fcchterung abzuhalten\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Bordeaux-J-ai-pas-eu-le-COVID-mais-ils-m-ont-transmis-la-rage-8000-personnes-mobilisees-pour-l\">\u201eBordeaux. \u201cJ\u2019ai pas eu le COVID, mais ils m\u2019ont transmis la rage\u201d: 8000 personnes mobilis\u00e9es\u201c ebenfalls am 16. Juni 2020 bei R\u00e9volution Permanente<\/a>\u00a0berichtet \u00fcber 8.000 Menschen in Bordeaux, unter denen vor allem eben gewerkschaftliche Organisationen wie CNT, FO, CGT, FSU und SUD auffielen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/watch\/live\/?v=2773962172816390\">\u201eManifestation des soignants \u00e0 Marseille Le 16 juin 2020\u201c von Citoyens en col\u00e8re am 16. Juni 2020 bei You Tube<\/a>\u00a0eingestellt ist ein Video von der Demonstration in Marseille, das ohne Worte deutlich macht \u2013 dass es viele waren, die sich hier beteiligt haben und \u201edie Radikalen\u201c keineswegs isoliert waren\u2026<\/p>\n<p>\u201eDes slogans antifasciste retentissent en t\u00eate du cort\u00e8ge du rassemblement de soutien et de d\u00e9fense de l\u2019h\u00f4pital public \u00e0 Paris\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/EnFautes\/status\/1272872265475129344\">am 16. Juni 2020 im Twitter-Kanal von En Fautes<\/a>\u00a0ist ein kurzes Video von der Pariser Demonstration, bei der es immer wieder zu massiven antifaschistischen und antirassistischen Bekundungen gekommen sei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/solidaires.org\/Le-16-juin-Apres-les-applaudissements-soutenons-les-soignant-es\">\u201eLe 16 juin \u2013 Apr\u00e8s les applaudissements soutenons les soignant\u00b7es\u201c am 16. Juni 2020 beim Gewerkschaftsbund SUD Solidaires<\/a>\u00a0war das gemeinsame Flugblatt der SUD Gewerkschaften im \u00f6ffentlichen Dienst zu den Demonstrationen am 16. Juni, in dem vor allem unterstrichen wird, dass nach dem \u201eBeifall\u201c es jetzt darum gehe, den Kampf der PflegerInnen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cgt.fr\/dossiers\/le-16-juin-tous-et-toutes-mobilisees-pour-la-sante\">\u201eLe 16 juin, tous et toutes mobilis\u00e9\u00b7e\u00b7s pour la sant\u00e9\u201c seit dem 12. Juni 2020 beim Gewerkschaftsbund CGT<\/a>\u00a0ist ein (fortlaufend erg\u00e4nztes) Dossier zur Situation des Gesundheitswesens und sozialer Einrichtungen in Frankreich, sowie \u00a0zu den daraus entstehenden Protesten und Aktionen. Informativ vor allem f\u00fcr alle, die die Probleme dieses Gesundheitswesens genauer kennen lernen wollen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.interurgences.fr\/2020\/06\/le-16-juin-partout-en-france\/\">\u201eLe 16 juin partout en France\u201c seit dem 13. Juni 2020 beim Collectif Inter Urgences<\/a>\u00a0war zun\u00e4chst ein \u00dcberblick \u00fcber die geplanten Proteste an diesem Tag und dem jeweiligen Stand der Mobilisierung und hat nun auch erste Berichte \u00fcber die Aktionen. Dieser gewerkschafts\u00fcbergreifende Zusammenschluss der Aktiven in Notfallkliniken hatte schon w\u00e4hrend des ganzen Jahres 2019 eine wichtige Rolle inne gehabt bei den faktisch ununterbrochenen Protesten und hat dies bei den jetzigen Demonstrationen erneut getan. (Kein Zufall, dass die Polizei-Regierung mit \u201edenen\u201c nicht sprechen will\u2026)<\/p>\n<ul>\n<li>Siehe f\u00fcr die Berichte und Videos auch: #HopitalPublic und #16Juin2020<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/der-16-juni-2020-in-frankreich-war-ein-tag-der-wahrheit-macron-laesst-seine-uniformierten-pruegelhorden-auf-die-heldinnen-und-helden-von-gestern-des-gesundheitssektors\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026\u00a0In ganz Frankreich demonstrierten an diesem Dienstag die Berufst\u00e4tigen der Gesundheitssektors, oft in ihren wei\u00dfen, hellgr\u00fcnen oder blauen Arbeitskleidern. 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