{"id":809,"date":"2015-11-18T09:41:33","date_gmt":"2015-11-18T07:41:33","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=809"},"modified":"2015-11-18T09:41:33","modified_gmt":"2015-11-18T07:41:33","slug":"die-terroranschlaege-von-paris-und-die-verschaerfung-der-imperialistischen-kriegstreiberei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=809","title":{"rendered":"Die Terroranschl\u00e4ge von Paris und die Versch\u00e4rfung der imperialistischen Kriegstreiberei"},"content":{"rendered":"<p><em>Bill van Auken. <\/em>Die Reaktion des politischen Establishments der USA und der Medien auf die Terroranschl\u00e4ge von Paris, die 129 Unschuldige t\u00f6teten, war ebenso vorhersehbar wie reaktion\u00e4r. Politiker, Experten und die Medienmacher entfesseln eine Propagandaoffensive, <!--more-->sch\u00fcren Rachegel\u00fcste und versuchen, den Schock \u00fcber die Angriffe des Islamischen Staats (IS) f\u00fcr mehr Milit\u00e4raggression im Ausland und polizeistaatliche Unterdr\u00fcckung im Inland auszunutzen.<\/p>\n<p>CIA-Direktor John Brennan forderte am deutlichsten, dass die Anschl\u00e4ge von Paris an der \u201eWeckruf\u201c wirken m\u00fcssten. Er verlangte ein Ende des \u201cH\u00e4nderingens\u201d \u00fcber die Pauschal\u00fcberwachung der Bev\u00f6lkerung der USA und der ganzen Welt durch die US-Regierung, die im Namen des Kampfs gegen den Terrorismus stattfindet.<\/p>\n<p>Republikanische Kritiker der Obama-Regierung forderten eine st\u00e4rkere US-Milit\u00e4rintervention im Nahen Osten. Eine Forderung betrifft die Entsendung eines weiteren Expeditionskorps nach Syrien. Der ehemalige Republikanische Pr\u00e4sidentschaftskandidat Mitt Romney rief in einer Meinungskolumne der <em>Washington Post<\/em> am Sonntag zum \u201eKrieg gegen den IS\u201c auf. Er sagte, die USA m\u00fcssten aufbringen, was n\u00f6tig sei, um diesen Krieg zu gewinnen, \u201ebis hin zum Einsatz von Bodentruppen\u201c. In einem sp\u00e4teren Fernsehinterview machte er klar, dass das die Entsendung von Tausenden Soldaten nach Syrien bedeute.<\/p>\n<p>Noch aufschlussreicher war das Verhalten der Medien bei Obamas Pressekonferenz vom Montag, w\u00e4hrend des G20-Gipfels im t\u00fcrkischen Antalya. Dort bezeichnete der US-Pr\u00e4sident den IS als \u201edas Gesicht des B\u00f6sen\u201c und erkl\u00e4rte, es sei das Ziel Washingtons, \u201ediese barbarische Terrororganisation zu schw\u00e4chen und schlie\u00dflich zu vernichten\u201c.<\/p>\n<p>Die Korrespondenten der gro\u00dfen amerikanischen Medien standen einer nach dem anderen auf, um aus dem Pr\u00e4sidenten die Ank\u00fcndigung einer aggressiveren Milit\u00e4rpolitik herauszulocken.<\/p>\n<p>CBS: \u201eEine einj\u00e4hrige Bombenkampagne im Irak und in Syrien hat es nicht geschafft, die Ambitionen und das Potential des IS f\u00fcr Angriffe auf den Westen einzud\u00e4mmen. Haben Sie seine F\u00e4higkeiten untersch\u00e4tzt? Und werden Sie die Einsatzregeln der US-Kr\u00e4fte ausweiten, damit sie aggressiver vorgehen k\u00f6nnen?\u201c<\/p>\n<p>ABC: \u201eWas antworten Sie Ihren Kritikern, die sagen, dass Ihr Z\u00f6gern, in einen neuen Krieg im Nahen Osten einzusteigen, und Ihre Bevorzugung der Diplomatie vor dem Einsatz des Milit\u00e4rs die Vereinigten Staaten schw\u00e4cht und unsere Feinde st\u00e4rkt?\u201c<\/p>\n<p>CNN: \u201eIch denke, eine Menge Amerikaner sind frustriert, wenn sie sehen, dass die Vereinigten Staaten das st\u00e4rkste Milit\u00e4r der Welt haben [\u2026] Ich sch\u00e4tze, sie stellen sich die Frage \u2013 wenn Sie die Ausdrucksweise verzeihen \u2013 warum k\u00f6nnen wir diese Schei\u00dfkerle nicht einfach fertig machen?\u201c<\/p>\n<p>Die Sto\u00dfrichtung dieser Fragen ist klar. Nach mehr als vierzehn Jahren eines amerikanischen Kriegs gegen den Terror, der den ganzen Nahen Osten in Chaos und Gemetzel gest\u00fcrzt hat, verlangt ein gro\u00dfer Teil des Establishments ein noch t\u00f6dlicheres Wirken des amerikanischen Imperialismus.<\/p>\n<p>Dieser \u00fcbersteigerte Patriotismus verdeckt die Tatsache, dass die Terroranschl\u00e4ge von Paris und der IS selbst das Ergebnis einer fast f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen milit\u00e4rischen Intervention der USA sind, die die amerikanische Hegemonie in dieser \u00f6lreichen Region zum Ziel hat.<\/p>\n<p>Der IS entstand als Nebenprodukt eines unprovozierten amerikanischen Aggressionskriegs gegen den Irak und der darauf folgenden Strategie des \u201eTeile und Herrsche\u201c. Diese Strategie manipulierte und versch\u00e4rfte die religi\u00f6sen Spaltungen in dem Land. Nachdem die Bush-Regierung Saddam Hussein, einen nicht-religi\u00f6sen Autokraten, beseitigt hatte, st\u00fcrzte sich die Obama-Regierung im B\u00fcndnis mit Frankreich in ein weiteres milit\u00e4risches Abenteuer. Die USA und die Nato brachen den Krieg in Libyen vom Zaun, um einen Regimewechsel durchzusetzen. Dabei nutzten die Imperialisten islamistische Milizen, die mit dem IS und al-Qaida verb\u00fcndet waren, als Stellvertretertruppen am Boden.<\/p>\n<p>Nachdem sie den ebenfalls s\u00e4kularen Herrscher Muammar Gaddafi erfolgreich gest\u00fcrzt und ermordet hatten, lie\u00dfen sie Libyen im Zustand des v\u00f6lligen Chaos und permanenten B\u00fcrgerkriegs zur\u00fcck. Nun beschloss die Obama-Regierung, diesen \u201eErfolg\u201c in Syrien zu wiederholen, wo sie den B\u00fcrgerkrieg anstachelte. Sie st\u00fctzte sich auf die gleichen islamistischen Organisationen, die mit riesigen Mengen Waffen aus Libyen ausgestattet und durch eine Armee ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer aus dem ganzen Nahen Osten, Europa und Zentralasien verst\u00e4rkt wurden.<\/p>\n<p>Heute hat der IS erfolgreich ein Drittel des Irak und etwa die H\u00e4lfte Syriens besetzt. Jetzt behauptet die Washingtoner Regierung, sie stehe \u201eim Krieg\u201c mit der islamistischen Organisation. Dabei sind ihre Hauptverb\u00fcndeten Saudi-Arabien, Katar und die T\u00fcrkei, die dem IS durch ihre religi\u00f6s-ideologische Inspiration erst zum Erfolg verholfen, ihn finanziell ausgestattet und ihm die Waffen besorgt haben.<\/p>\n<p>Dieser \u201eKrieg gegen IS\u201c dauert schon ein Jahr und wird mit Bombenangriffen, tausenden Soldaten im Irak und neuerdings Einheiten der Special Forces in Syrien gef\u00fchrt. Dennoch hat dieser \u201eKrieg\u201c praktisch nichts an der Ausdehnung und St\u00e4rke der IS-Truppen ge\u00e4ndert. Das ist kein Zufall: Washingtons Hauptziel bleibt der Regimewechsel in Syrien. Dieser ist Teil der \u00fcbergeordneten US-Strategie, den Einfluss des Iran, Russlands und Chinas in der Region zu schw\u00e4chen. Die amerikanische Regierung bereitet sich auf weit gef\u00e4hrlichere Konfrontationen vor, und im Kampf gegen die Soldaten der syrischen Regierung bleibt der IS ein Verb\u00fcndeter der USA.<\/p>\n<p>Obama verk\u00fcndet, er habe in den Ereignissen in Paris \u201edas Gesicht des B\u00f6sen\u201c gesehen. Aber als der IS weit blutigere Gr\u00e4ueltaten gegen religi\u00f6se Minderheiten und jene Syrer beging, die die Regierung von Pr\u00e4sident Baschar al-Assad unterst\u00fctzten, gab es bei den USA und ihren Verb\u00fcndeten keinen Aufschrei. In dem B\u00fcrgerkrieg der letzten vier Jahre hatte die syrische Bev\u00f6lkerung jeden Tag mehr Opfer zu beklagen, als am Freitag in Paris ums Leben kamen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem waren die Angriffe in Paris nur die j\u00fcngsten einer ganzen Serie von Anschl\u00e4gen der islamistischen Gruppe im Ausland. Als am 31. Oktober ein russisches Passagierflugzeug \u00fcber dem Sinai abst\u00fcrzte, 224 Menschen starben und der IS daf\u00fcr die Verantwortung \u00fcbernahm, war die Emp\u00f6rung der westlichen Medien von Schadenfreude ged\u00e4mpft. Offenbar war es ihnen nicht Unrecht, dass Moskau f\u00fcr sein Eingreifen in Syrien bestraft wurde.<\/p>\n<p>Auch der zweifache Bombenanschlag vergangene Woche in einem Arbeiterviertel in Beirut, dem mindestens 43 Menschen zum Opfer fielen, erschien in den amerikanischen Medien praktisch durchweg als Angriff auf eine \u201eHisbollah-Hochburg\u201c. Damit wurde unterstellt, die unschuldigen zivilen Opfer h\u00e4tten bekommen, was ihnen wegen der Unterst\u00fctzung der schiitische Bewegung f\u00fcr die Assad-Regierung zust\u00fcnde.<\/p>\n<p>Das Establishment der USA sieht Terrorismus als solchen nicht als entscheidendes Problem. Obama erkl\u00e4rte auf der Pressekonferenz in der T\u00fcrkei, seine \u201eengsten milit\u00e4rischen und zivilen Berater\u201c h\u00e4tten ihm erkl\u00e4rt, zehntausende Soldaten nach Syrien zu senden, sei nicht der M\u00fche wert.<\/p>\n<p>Vom Standpunkt dieser Elemente in dem riesigen amerikanischen Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparat ist der Terrorismus eine n\u00fctzliche Taktik, wenn er sich gegen Washingtons Feinde richtet. Wenn er sich gegen die USA und ihre Verb\u00fcndeten richtet, dann wird er als notwendiges \u00dcbel in Kauf genommen. Au\u00dferdem ist er n\u00fctzlich als Vorwand f\u00fcr mehr Militarismus und die Unterdr\u00fcckung der politischen Opposition im Innern.<\/p>\n<p>Letztlich haben Obamas \u201eBerater\u201c gr\u00f6\u00dfere Pl\u00e4ne. Vor gut einer Woche hielt US-Verteidigungsminister Ashton Carter eine Rede, in der er best\u00e4tigte, dass Russland und China die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Interessen Washingtons darstellten, und nicht der IS oder der Terrorismus. Getrieben von seiner unl\u00f6sbaren Krise und seinen Widerspr\u00fcchen bereitet der US-Imperialismus den gr\u00f6\u00dften Massenterror der Menschheitsgeschichte vor: einen dritten Weltkrieg.<\/p>\n<p><em>Quelle: www.wsws.org vom 18. November 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill van Auken. Die Reaktion des politischen Establishments der USA und der Medien auf die Terroranschl\u00e4ge von Paris, die 129 Unschuldige t\u00f6teten, war ebenso vorhersehbar wie reaktion\u00e4r. 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