{"id":8106,"date":"2020-06-22T10:26:16","date_gmt":"2020-06-22T08:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8106"},"modified":"2020-06-22T16:58:24","modified_gmt":"2020-06-22T14:58:24","slug":"frankreich-kampf-im-gesundheitssektor-trotz-repression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8106","title":{"rendered":"Frankreich: Kampf im Gesundheitssektor trotz Repression"},"content":{"rendered":"<p><em>Gabriella Manouchki.<\/em> <strong>Zehntausende von Menschen in Frankreich \u2013 von Paris bis Montpellier, von Lyon bis Bordeaux \u2013 sind dem nationalen Aufruf zum Streik f\u00fcr die Pflege am 16. Juni 2020 gefolgt. W\u00e4hrend der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident<!--more--> Macron auf Twitter Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Gesundheitssektor verspricht haben die Demonstrationen starke Repression erfahren, vor allem in Paris und Toulouse.<\/strong><\/p>\n<p>Arbeiter*innen im Gesundheitssystem stehen an der Front im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Eine gro\u00dfe Mehrheit der \u00d6ffentlichkeit betrachtet sie als Held*innen. Und sogar die Politiker*innen, die f\u00fcr die Jahre der Sparma\u00dfnahmen im Gesundheitssystem verantwortlich sind, versprechen Unterst\u00fctzung. Dennoch bleiben die Arbeitsbedingungen schrecklich.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Beitragsbild-Frankreich-Demo-16.06-890x550-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8107\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Beitragsbild-Frankreich-Demo-16.06-890x550-1.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Beitragsbild-Frankreich-Demo-16.06-890x550-1-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Beitragsbild-Frankreich-Demo-16.06-890x550-1-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p>Tausende Pfleger*innen, \u00c4rzt*innen und nicht-medizinische Krankenhausmitarbeiter*innen haben genug von dieser Situation. Sie sind bereit, f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen und haben daf\u00fcr die Solidarit\u00e4t von anderen Arbeiter*innen, Student*innen und der Gelbwestenbewegung ausgesprochen bekommen. Am Dienstag wurden in den gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten Frankreichs die Stra\u00dfen eingenommen, um mehr Investitionen f\u00fcr \u00f6ffentliche Krankenh\u00e4user und das gesamte Gesundheitssystem zu fordern.<\/p>\n<p>Mehr als 220 Demonstrationen und Proteste wurden in ganz Frankreich auf den Aufruf der Gewerkschaften der \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4user abgehalten. Die Gewerkschaften haben von Demonstrationen mit 30.000 Teilnehmer*innen in Paris, 20.000 in Toulouse, 13.000 in Lyon und mehreren Tausend in Bordeaux, Montpellier, Marseille und Rennes gesprochen. Die erste nationale Mobilisierung des Gesundheitssektors seit die Quarant\u00e4nebeschr\u00e4nkungen gelockert wurden war eine ausnahmslose Demonstrierung der St\u00e4rke der Pfleger*innen und ihren Unterst\u00fctzer*innen.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende der CGT Gewerkschaftsvereinigung, Philippe Martinez, sagte: \u201eDie Arbeiter*innen im Gesundheitssektor sind seit Monaten immer wieder im Streik und mobilisieren sich und immer noch nicht haben wir eine Antwort von der Regierung bekommen. Wir haben ihnen seit zwei Monaten von Fenstern und Balkonen zugewunken. Sogar der Pr\u00e4sident hat gesagt, es m\u00fcsse etwas f\u00fcr das Gesundheitssystem und die darin Arbeitenden getan werden. Aber es passiert nichts. Es scheint, er hat seine Worte in den letzten zwei Monaten vergessen und jetzt sind die Leute wieder auf der Stra\u00dfe.\u201c<\/p>\n<p>Ein Demonstrant sagte:<\/p>\n<p><em>Du kannst Applaus und nette Worte nicht essen. Um zu leben und zu essen brauchst du einen Job mit einer anst\u00e4ndigen Bezahlung, ausreichend Personal und genug Material.<\/em><\/p>\n<p>Versammlungen von Arbeiter*innen haben seit dem 11. Mai, dem letzten Tages der strengen Ausgangssperre, in Frankreich stattgefunden. Sie haben beschlossen eine nationale Mobilisierung an 200 Orten zu organisieren. Eine Erkl\u00e4rung der Arbeiter*innen sagte: \u201eDie Krise um Covid-19 hat gezeigt (falls jemand davor noch nicht davon \u00fcberzeugt war), dass \u00f6ffentliche Krankenh\u00e4user essentiell sind und dass sie gen\u00fcgend Personal und Material brauchen, um den Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung entsprechen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Weiter ging es: \u201eWir m\u00fcssen damit aufh\u00f6ren Krankenh\u00e4user zu schlie\u00dfen und die Bettenanzahlen zu reduzieren \u2013 Menschen brauchen Krankenh\u00e4user in der N\u00e4he ihrer Wohnorte. Die Regierung hat Milliarden von Euros in Privatunternehmen gesteckt \u2013 dasselbe k\u00f6nnen sie auch mit \u00f6ffentlicher Gesundheitsversorgung machen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Massen von Unterst\u00fctzer*innen stehen mit ihnen in Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Pflegekr\u00e4fte, die seit Anfang M\u00e4rz an der Front der Gesundheitskrise standen, sind in Massen auf die Stra\u00dfen gegangen, trotz der Einschr\u00e4nkungen ihrer Arbeit. Sie wurden breit unterst\u00fctzt \u2013 zahlreiche Menschen sind auf die Stra\u00dfe gegangen, um ihre Solidarit\u00e4t zu zeigen und \u00f6ffentliche Krankenh\u00e4user zu verteidigen. Zusammen haben sie das kriminelle Krisenmanagement der Regierung denunziert und Schutzausr\u00fcstung gefordert \u2013 denn das Fehlen jener wurde w\u00e4hrend der Pandemie zum Verh\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Gregory, eine OP-Pflegekraft in Toulouse sagte: \u201eEs ist eine Maskerade, kein richtiger Plan f\u00fcr Gesundheitsversorgung! Wenn die Regierung uns nicht zuh\u00f6rt, verst\u00e4rken wir unsere Bewegung!\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurden Pflegekr\u00e4fte nicht nur \u201ean die Front ohne Waffen gesendet\u201c \u2013 mit hohen Infektionszahlen von Covid-19 unter ihnen \u2013 sondern wurden auch gezwungen, das Fehlen von Personal und Ausr\u00fcstung zu kompensieren, indem sie ihre eigenen Ressourcen aussch\u00f6pfen, z.B. durch unbezahltes Arbeiten, das Aufopfern ihrer Familienleben mitten in der Krise und so weiter. Auszubildende und Student*innen wurden von der Regierung mit einer Bezahlung von nur 1,42 \u20ac in der Stunde zum Dienst gezwungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese \u201eEntfesselung des Zorns\u201c und trotz enormer M\u00fcdigkeit haben Entschlossenheit und Solidarit\u00e4t gesiegt. \u00dcber den Stra\u00dfen auf den Balkonen haben Menschen ihre Solidarit\u00e4t gezeigt, Leute sind auf den Stra\u00dfen gemeinsam mit Krankenhausarbeiter*innen gelaufen, um ihre Unterst\u00fctzung und ihren Wunsch nach qualitativer Gesundheitsversorgung auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Arbeiter*innen aus anderen k\u00e4mpferischen Sektoren, die sich ebenso gegen die Regierung auflehnen \u2013 Lehrer*innen, Eisenbahner*innen, Arbeiter*innen aus dem Luftverkehr und Besch\u00e4ftigte aus der Energieversorgung \u2013 haben ebenso ihre Solidarit\u00e4t gezeigt.<\/p>\n<p>Alle haben gemeinsam, dass die Regierung sie f\u00fcr die Krise bezahlen lassen will. Der Eisenbahnarbeiter Anasse Kazib und die Universit\u00e4tsprofessorin Diane haben das beide in Interviews betont:<\/p>\n<p>Anasse sagte: \u201eIch habe an vielen K\u00e4mpfen teilgenommen, aber dieser ist wirklich besonders. Gefragt zu werden, die Krankenhausbesch\u00e4ftigten zu unterst\u00fctzen, die wegen dem Fehlen von Masken, von Schutzkitteln k\u00e4mpfen m\u00fcssen\u2026 Mit ihnen hier zu sein \u2013 wow.\u201c Diane, die Professorin in Toulouse ist, sagte:<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile der antirassistischen Bewegung, die am vergangenen Samstag in Paris mehr als 180.000 Menschen zusammenbrachte, versuchten, diese Konvergenz der K\u00e4mpfe zu verk\u00f6rpern, indem sie ebenfalls ihre Unterst\u00fctzung zum Ausdruck brachten. Dazu geh\u00f6rten das Adama-Komitee, der bekannte Schauspieler und Schriftsteller Almamy Kanout\u00e9 und Adama Traor\u00e9s Schwester Assa Traor\u00e9, eine Aktivistin, die in einem Interview mit R\u00e9volution Permanente sagte, dass sie von Covid-19 ebenfalls betroffen war. \u201eDiese Maschine, mit der wir es zu tun haben, muss gemeinsam zu Fall gebracht werden\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p><strong>Macron bedankt sich bei den Pfleger*innen, w\u00e4hrend in Paris und Toulouse Repressionen entfesselt werden<\/strong><\/p>\n<p>Am Morgen der Demonstrationen twitterte Macron ein Video, in dem er eine Gruppe von Arbeiter*innen des franz\u00f6sischen multinationalen Pharmakonzerns Sanofi fragte, ob \u201edie Moral gut sei\u201c, und ihnen daf\u00fcr dankte, dass sie \u201edie Krise im Griff behalten haben\u201c. Der Tweet wurde von einer Notiz begleitet: \u201eInvestitionen in den Gesundheitssektor sind eine Investition in die Unabh\u00e4ngigkeit Frankreichs und Europas. Es ist eine Anerkennung der Exzellenz und des Know-hows von Frauen und M\u00e4nnern, die sich Gesundheitsversorgung zur Verpflichtung ihres Lebens gemacht haben\u201c. Es war eine unversch\u00e4mte Zurschaustellung genau in dem Moment, als die Mobilisierung des Gesundheitspersonals in Paris und Toulouse gewaltsam unterdr\u00fcckt wurden \u2013 angef\u00fchrt von der Bereitschaftspolizei, unter Einsatz von Tr\u00e4nengas und mit gewaltsamen Verhaftungen. In Paris wurden nicht weniger als 32 Verhaftungen gemeldet. Unter ihnen wurde mindestens eine Krankenschwester von der Polizei brutal niedergeschlagen, die sie an den Haaren zog und ihr blutende Wunden im Gesicht zuf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Die Regierung hat Arbeiter*innen aus dem Gesundheitssystem \u201enationale Held*innen\u201c genannt. Jedoch dankten sie ihnen mit Polizeirepression, weil sie mehr Ressourcen verlangten. Mehr denn je ist es notwendig, eine vereinigte Front aller verschiedenen k\u00e4mpfenden Sektoren aufzubauen, um qualitative Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle zu erk\u00e4mpfen und noch weiter, eine Alternative zu Prekarisierung und Repression zu erschaffen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/arbeiterinnen-im-gesundheitssektor-im-streik-in-frankreich-traenengasangriffe-von-der-polizei\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. Juni 2020 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriella Manouchki. Zehntausende von Menschen in Frankreich \u2013 von Paris bis Montpellier, von Lyon bis Bordeaux \u2013 sind dem nationalen Aufruf zum Streik f\u00fcr die Pflege am 16. Juni 2020 gefolgt. 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