{"id":8150,"date":"2020-06-29T08:50:05","date_gmt":"2020-06-29T06:50:05","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8150"},"modified":"2020-06-29T08:50:07","modified_gmt":"2020-06-29T06:50:07","slug":"usa-arbeiter-und-arbeiterinnen-streiken-fuer-sichere-arbeitsbedingungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8150","title":{"rendered":"USA: Arbeiter und Arbeiterinnen streiken f\u00fcr sichere Arbeitsbedingungen"},"content":{"rendered":"<p><em>Jessica Goldstein. <\/em>Am Freitag setzten die Arbeiter des Fiat-Chrysler-Fertigungswerks Jefferson North (JNAP) in Detroit ihre mutige Arbeitsniederlegung fort. Arbeiter der \u201eMannschaft B\u201c betraten das Werk um 16:30 Uhr und weigerten<!--more--> sich zu arbeiten, solange vom Unternehmen und der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsprotokolle wie Ma\u00dfnahmen zur sozialen Distanzierung und Hygienerichtlinien missachtet werden, um die Profite zu maximieren.<\/p>\n<p>Die Produktion in dem Werk stand nicht nur wegen des Arbeitskampfs gegen den Konzern und die UAW still, sondern auch, weil sich viele Arbeiter aus berechtigten gesundheitlichen Bedenken weigerten, zur Arbeit zu erscheinen.<\/p>\n<p>Die Arbeitsniederlegung in der Fabrik mit 5.000 Besch\u00e4ftigten begann am Donnerstagmittag, als Arbeiter der \u201eMannschaft A\u201c erfahren hatten, dass mindestens drei ihrer Kollegen positiv auf Covid-19 getestet worden waren.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/usa.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8151\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/usa.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/usa-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Arbeiter des Fertigungswerks Jefferson North bringen die Produktion zum Erliegen [Quelle: Twitter, @GIMMEAPCNOW15]<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Arbeiter der \u201eMannschaft B\u201c streikten von Donnerstag 16:30 bis etwa Freitagmorgen 2:00, als das Management und UAW-Funktion\u00e4re versuchten, einige von ihnen wieder an die Arbeit zu zwingen. Doch die Arbeiter der \u201eMannschaft C\u201c setzten den Kampf fort, als sie am Freitagmorgen um 3:30 Uhr eintrafen. Die Arbeiter ver\u00f6ffentlichten Videos, in denen sie um Unterst\u00fctzung baten, eines davon wurde allein auf Twitter 1.600-mal angesehen.<\/p>\n<p>Die Arbeiter agieren unabh\u00e4ngig von und gegen die UAW und nehmen den Kampf wieder auf, den die Autoarbeiter in Indiana, Michigan, Ohio und Ontario (Kanada) im M\u00e4rz begonnen hatten. Sie hatten sich damals geweigert, unter unsicheren Bedingungen zu arbeiten und brachten die nordamerikanische Autoindustrie f\u00fcr fast zwei Monate zum Erliegen.<\/p>\n<p>Der\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0berichtete als erstes \u00fcber die Arbeitsniederlegung bei JNAP, nachdem er von Arbeitern des Werks dar\u00fcber informiert worden war. Er ver\u00f6ffentlichte einen Artikel, der innerhalb von Stunden zehntausende Arbeiter erreichte. In den nationalen Medien wurde der spontane Streik totgeschwiegen, und erst am Freitagnachmittag berichteten lokale Medien dar\u00fcber. In deren Berichterstattung wurde die fragw\u00fcrdige Behauptung des Managements wiederholt, es gebe keine best\u00e4tigten Corona-F\u00e4lle in dem Werk.<\/p>\n<p>Der wichtige Kampf der JNAP-Arbeiter entwickelt sich vor dem Hintergrund zunehmender Militanz und wachsenden Widerstands der Arbeiter gegen den Angriff der herrschenden Klasse auf das Leben und die Rechte der arbeitenden Bev\u00f6lkerung w\u00e4hrend der Corona-Pandemie. Die Back-to-Work-Kampagne, die von der Trump-Regierung angef\u00fchrt, aber auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene von demokratischen Funktion\u00e4ren umgesetzt wird, geht ungehemmt weiter, obwohl ihre katastrophalen Folgen sichtbar sind: der t\u00e4gliche Rekordanstieg der Infiziertenzahlen und eine explosionsartige Zunahme der Krankenhauseinweisungen im ganzen Land.<\/p>\n<p>Die ausgemachte Kriminalit\u00e4t des Vorgehens der herrschenden Elite und beider Parteien sorgt daf\u00fcr, dass der bewusste Widerstand gegen die kapitalistische Ausbeutung unter breiten Schichten der Arbeiter w\u00e4chst. Dieser Prozess ist international. \u00dcberall auf der Welt vertreten kapitalistische Regierungen die gleiche m\u00f6rderische Politik der \u201eHerdenimmunit\u00e4t\u201c und l\u00f6sen damit unter den Arbeitern Wut und Widerstand aus.<\/p>\n<p>Ein Arbeiter des Fiat-Chrysler-Getriebewerks in Kokomo, Indiana, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber dem\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>: \u201eSie setzen uns alle wegen des allm\u00e4chtigen Dollars dem Virus aus. Ein Leben ist unbezahlbar. Unser Leben ist mehr wert als ein Getriebe. Momentan kauft sowieso niemand Autos. Es ist traurig, dass ihnen Getriebe wichtiger sind als unser Leben.\u201c<\/p>\n<p>Die herrschende Unternehmer-Klasse hat die Produktion weltweit wieder hochgefahren, obwohl es in den meisten L\u00e4ndern keine Massentests und Kontaktverfolgung gibt. Damit gef\u00e4hrdet sie das Leben, die Gesundheit und die Sicherheit der Arbeiter, um in Fabriken, Logistikzentren, Einzelhandelsgesch\u00e4ften, Krankenh\u00e4usern, Fleischverarbeitungs- und Landwirtschaftsbetrieben, B\u00fcros und an anderen Arbeitspl\u00e4tzen Profite zu erwirtschaften.<\/p>\n<p>Doch die Arbeiter leisten zunehmend Widerstand. Beim Pistazienhersteller Primex Farms in der N\u00e4he von Wasco (Kalifornien) streikt seit Donnerstag eine Gruppe von 50 Landarbeitern f\u00fcr kostenlose Gesichtsmasken, Handschuhe und Transparenz \u00fcber best\u00e4tigte positive F\u00e4lle. Die Arbeiter hatten den Streik organisiert, nachdem sie von einem lokalen Nachrichtensender erfahren hatten, dass 31 Landarbeiter des Unternehmens an Covid-19 erkrankt waren. Das Unternehmen, das in Kalifornien Pistazienplantagen von mehr als 2.000 Hektar Gesamtgr\u00f6\u00dfe, Nuss- und Trockenfruchtbetriebe besitzt, hatte seine Arbeiter nicht \u00fcber die Infektionen informiert.<\/p>\n<p>Im Riverside Community Hospital in Kalifornien haben 1.000 Pflegekr\u00e4fte und Hilfspersonal, die im Ortsverband 121RN der Service Employees International Union (SEIU) organisiert sind, gegen HCA Healthcare gestreikt. Sie k\u00e4mpfen gegen Lohnsenkungen, chronische Unterbesetzung und einen Mangel an qualitativ hochwertiger Schutzausr\u00fcstung, die das Personal vor einer Ansteckung mit Covid-19 sch\u00fctzen soll.<\/p>\n<p>Am 19. Juni beteiligten sich im mexikanischen Matamoros 3.200 Arbeiter der Autozuliefererbetriebe an einem spontanen Streik gegen das Unternehmen Tridonex Cardone, nachdem bekannt wurde, dass dort zwei Kollegen gestorben waren, die sich vermutlich mit Covid-19 infiziert hatten. Die Arbeiter forderten mehr Informationen und die Schlie\u00dfung der Betriebe, bis Sicherheitsregeln erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Bei diesen K\u00e4mpfen geraten die Arbeiter in einen unvers\u00f6hnlichen Konflikt mit dem kapitalistischen System und den Gewerkschaften, die in der Back-to-Work-Kampagne mit den Unternehmen zusammenarbeiten und ihnen helfen, unsichere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die Gewerkschaften versuchen, Arbeiter weltweit voneinander zu isolieren, obwohl sie f\u00fcr die gleichen Konzerne arbeiten, gegen das gleiche kapitalistische System und f\u00fcr die gleichen Arbeitsplatz- und Gesundheitsschutzma\u00dfnahmen gegen ein Virus k\u00e4mpfen, das keine nationalen Grenzen kennt.<\/p>\n<p>Die\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0ruft alle Autoarbeiter in den USA und der Welt auf, die JNAP-Arbeiter zu unterst\u00fctzen und den Kampf auf die gesamte Branche auszudehnen.<\/p>\n<p>Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass die Arbeiter den Kampf in die eigene Hand nehmen und unabh\u00e4ngig von den Gewerkschaften f\u00fchren. Die WSWS ruft alle Arbeiter dazu auf, Sicherheitskomitees zu gr\u00fcnden, die demokratisch aus der Belegschaft gew\u00e4hlt, organisiert und kontrolliert werden, um f\u00fcr den Gesundheitsschutz und die wirtschaftliche Sicherheit aller Mitarbeiter zu k\u00e4mpfen. Dazu sollte die Schlie\u00dfung aller nicht-systemrelevanten Betriebe bis zum Ende der Pandemie geh\u00f6ren, ferner voller Lohnausgleich, volle Gesundheitsleistungen, das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz, qualitativ hochwertige Schutzausr\u00fcstung und kostenlose medizinische Pflege f\u00fcr erkrankte Arbeiter.<\/p>\n<p>Diese Komitees m\u00fcssen die Bedingungen in den Werken \u00fcberwachen und eine Verringerung des Arbeitstempos und angemessene Ruhepausen fordern. Sie werden mit Arbeitern und Werken im ganzen Land und der Welt kommunizieren und zusammenarbeiten sowie notfalls die Produktion einstellen, um die Sicherheit und Gesundheit aller Besch\u00e4ftigten zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Arbeiter in den USA m\u00fcssen sich mit ihren Br\u00fcdern und Schwestern im Rest der Welt vereinen und die notwendigen Ma\u00dfnahmen fordern, um die Pandemie aufzuhalten und Menschenleben zu retten. Diese Ma\u00dfnahmen werden nicht von den kapitalistischen Regierungen umgesetzt werden, da sie den Interessen der Wirtschafts- und Finanzeliten dienen, die im Widerstreit zu Wissenschaft, internationaler Zusammenarbeit und der Organisation aller notwendigen Ressourcen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie stehen.<\/p>\n<p>Der Kampf um die grundlegenden Rechte der Arbeiter ist ein politischer Kampf gegen das kapitalistische System.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/06\/29\/jeff-j29.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jessica Goldstein. Am Freitag setzten die Arbeiter des Fiat-Chrysler-Fertigungswerks Jefferson North (JNAP) in Detroit ihre mutige Arbeitsniederlegung fort. 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