{"id":8281,"date":"2020-07-30T16:09:49","date_gmt":"2020-07-30T14:09:49","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8281"},"modified":"2020-07-30T16:09:50","modified_gmt":"2020-07-30T14:09:50","slug":"indien-pandemie-krise-und-kampf-der-arbeiterinnenklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8281","title":{"rendered":"Indien: Pandemie, Krise und Kampf der ArbeiterInnenklasse"},"content":{"rendered":"<p><em>Irfan Khan. <\/em>In Indien waren bis Ende Juli fast anderthalb Millionen Menschen mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Am 26.7. wurden 1.435.435 Infektionen offiziell registriert. 32.771 sind in den letzten Monaten gestorben. Angesichts des enormen<!--more--> Anstiegs der F\u00e4lle in den letzten Wochen d\u00fcrfte das ganze Land eher am Anfang als am Ende der Katastrophe stehen. Offizielle Zahlen besagen, dass t\u00e4glich 40.000 oder mehr Menschen von dem Virus betroffen sind, aber es ist allgemein bekannt, dass dies eine Untersch\u00e4tzung ist.<\/p>\n<p>Das indische Wissenschaftsinstitut rechnet damit, dass der H\u00f6hepunkt der Infektionen erst im September erreicht wird, und dies ist sein Szenario f\u00fcr die beste Annahme. Im schlimmsten Fall werden bis M\u00e4rz 2021 bis zu 61 Millionen Infizierte gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trade-union-800x533-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8282\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trade-union-800x533-1.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trade-union-800x533-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/trade-union-800x533-1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p>Von Anfang an waren die Regierung Modi und ihre Politik eher Teil des Problems als der L\u00f6sung. Ende M\u00e4rz, als es nur 564 F\u00e4lle von Covid-19 gab, setzte sie ganz Indien unter Arrest. Obwohl der Premierminister nach wie vor behauptet, dass ihre Bem\u00fchungen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie wirksam sind, ist Indien heute in Wirklichkeit das am drittmeisten infizierte Land der Welt. Dies wird eine gesundheitliche Katastrophe nicht nur f\u00fcr Indien, sondern auch f\u00fcr die Welt bedeuten. Bis jetzt war die Regierung nicht in der Lage, die Pandemie unter Kontrolle zu halten oder eine L\u00f6sung f\u00fcr sie anzubieten.<\/p>\n<p><strong>Von der Abriegelung zur Freigabe der Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Regierungspartei BJP und ihre sozialen Medien haben Modi f\u00fcr die angebliche Eind\u00e4mmung der Ausbreitung der Pandemie mit einer rechtzeitigen Abriegelung gepriesen, aber ihre Umsetzung geh\u00f6rte zu den brutalsten und unmenschlichsten der Welt. Millionen von WanderarbeiterInnen wurden von der Arbeit ausgeschlossen, ohne jegliches Einkommen oder auch nur ein Transportmittel zur\u00fcck in die D\u00f6rfer oder St\u00e4dte, aus denen sie urspr\u00fcnglich kamen. Millionen waren gezwungen, Hunderte von Kilometern weit zu marschieren, um ihre D\u00f6rfer zu erreichen, wobei sie ihre Habseligkeiten oder sogar ihre Kinder mit sich trugen. Hunderttausende von ArbeiterInnen versammelten sich an Bahnh\u00f6fen in Delhi und anderen St\u00e4dten, um nach Hause zu gelangen, und waren so gezwungen, die Ansteckungsgefahr zu ignorieren. Hunderttausende beschlossen, zur\u00fcckzugehen, um sich nicht in \u00fcberf\u00fcllten Bussen anzustecken.<\/p>\n<p>Ein Ergebnis war ein unvorhergesehenes \u00dcberangebot an billigen Wohnungen oder Zimmern in gro\u00dfen Zentren. Indische Zeitungen berichteten, dass in 30 Gro\u00dfst\u00e4dten des Landes 1,28 Millionen Wohnungen unverkauft blieben. Im Prinzip h\u00e4tte die Regierung diese f\u00fcr die Bereitstellung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Arme und Menschen ohne Einkommen verwenden k\u00f6nnen. Sie h\u00e4tte sie beschlagnahmen oder den\/die Eigent\u00fcmerIn zwingen k\u00f6nnen, sie zu \u00f6ffnen. Dasselbe gilt f\u00fcr Hotels, Clubs und kl\u00f6sterliche Meditationszentren, um zumindest einen Teil des Elends und sogar den Tod dieser ArbeiterInnen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die Abriegelung durch die Modi-Regierung f\u00fchrte zu einer humanit\u00e4ren Krise in diesem Land mit 1,3 Milliarden Menschen. Die Krise, die mit dem Massenauszug der WanderarbeiterInnen begann, legte die Klassen- und Kastenspaltung der indischen Gesellschaft offen. Die Gleichg\u00fcltigkeit des Modi-Regimes gegen\u00fcber den Schwierigkeiten der armen Bev\u00f6lkerung unterstrich seinen arbeiterInnenfeindlichen Charakter. Die WanderarbeiterInnen sahen sich nicht nur Stra\u00dfen- und Eisenbahnunf\u00e4llen, sondern auch Hunger und sogar Hungertod ausgesetzt, w\u00e4hrend sie Hunderte von Kilometern von den St\u00e4dten entfernt unterwegs waren. Dar\u00fcber hinaus sahen sie sich h\u00e4ufig Repressionen durch den Staatsapparat ausgesetzt, darunter Polizeikn\u00fcppeleins\u00e4tzen und chemischer Vernebelung. Dies zeigt das wahre Gesicht des neuen und strahlenden Indiens.<\/p>\n<p>Diese Abriegelung trug keinen planm\u00e4\u00dfigen, sondern einen chaotischen Charakter, und die ArbeiterInnenklasse und die Armen haben die Konsequenzen zu tragen gehabt. Die indische Regierung zwang der Bev\u00f6lkerung einfach die Ma\u00dfnahmen anderer L\u00e4nder auf, ohne die eigenen Realit\u00e4ten hier zu ber\u00fccksichtigen. Jetzt hat sie gro\u00dfe Teile der Wirtschaft wieder ge\u00f6ffnet und eine imagin\u00e4re Herdenimmunit\u00e4t angestrebt. Diese Freigabe stellt die Wirtschaft, genauer gesagt die Profite des indischen und imperialistischen Kapitals, vor das Leben der ArbeiterInnenklasse, der Bauern-\/B\u00e4uerinnenschaft und der Armen. Durch die \u00d6ffnung der Wirtschaft zwingt die Regierung Dutzende Millionen von NiedriglohnarbeiterInnen, an unsichere Arbeitspl\u00e4tze zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Letztendlich wird die alleinige Verantwortung f\u00fcr die Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19 dem\/r Einzelnen zugewiesen. Auch wenn es in einigen Bundesstaaten Beschr\u00e4nkungen gibt, so ermutigen sie doch alle zur Wiederer\u00f6ffnung von Industrien und Betrieben, und in Wirklichkeit werden keine Sicherheitsma\u00dfnahmen umgesetzt. Die \u00d6ffnung der Wirtschaft bedeutet jedoch keinen Nutzen f\u00fcr die Millionen von arbeitslosen InderInnen, sondern nur die Rettung des Eigentums und die Sicherung k\u00fcnftiger Profite f\u00fcr die Superreichen. Zum Beispiel f\u00fcr Mukesh D. Ambani, Vorstandsvorsitzender von Reliance Industries Ltd. (RIL), der jetzt so wohlhabend ist, dass er Warren Buffett und Elon Musk sowie die Google-Gr\u00fcnder Sergey Brin und Larry Page hinter sich gelassen hat. Laut Bloombergs Verzeichnis der Milliard\u00e4rInnen ist er heute der sechstreichste Mann der Welt.<\/p>\n<p>Ambanis Nettoverm\u00f6gen betr\u00e4gt jetzt 72,4 Milliarden US-Dollar. Es ist klar, warum sein Reichtum seit Jahren zunimmt, obwohl die meisten InderInnen mit Armut und wirtschaftlicher Katastrophe konfrontiert sind. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Modi und seine Regierung alle Ressourcen und Gelder in den Dienst Ambanis und anderer KapitalistInnen gestellt haben.<\/p>\n<p>Der sprunghafte Anstieg der Gewinne einiger Unternehmen in der schlimmsten Wirtschaftslage gibt auch dem Modi-Regime eine gewisse Hoffnung. Es zielt darauf ab, Gro\u00dfunternehmen und Investitionen aus den USA, Japan und der Europ\u00e4ischen Union anzuziehen. Modi betont, dass die indische Wirtschaft in der Lage sein wird, das Blatt zu wenden. Dieser unbegr\u00fcndete Optimismus wird von seinen eingefleischten Anh\u00e4ngerInnen und der KapitalistInnenklasse gut aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise<\/strong><\/p>\n<p>In Wirklichkeit befindet sich die indische Wirtschaft derzeit in einer d\u00fcsteren Lage. Es ist nicht nur die Covid-19-Pandemie oder die Abriegelung, die die Situation verschlimmert haben, sondern es ist vielmehr die globale Wirtschaftskrise des Kapitalismus, die die indische \u00d6konomie in ihre eigene schreckliche Krise getrieben hat.<\/p>\n<p>Auch wenn die Regierung nicht akzeptiert, dass die Abriegelung ihre Ziele verfehlt hat, stand die Wirtschaft bereits vor dem 19. November und der Pandemie vor einem ernsten Problem, das nur die Realit\u00e4t der \u00f6konomischen Situation Indiens offenbarte.<\/p>\n<p>Der Internationale W\u00e4hrungsfond (IWF) sch\u00e4tzt, dass die indische Wirtschaft im Jahr 2020 um 4,5 Prozent schrumpfen wird. Es gibt sogar noch schlechtere Prognosen, die behaupten, dass sie sogar um 10 Prozent abnehmen kann. Die Arbeitslosigkeit in st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Gebieten wird nach Berichten der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom Juni 2020 auf etwa 25 Prozent gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Die Regierung Modi hingegen nutzte die Abriegelung als Gelegenheit, um Gesetze gegen die ArbeiterInnenklasse umzusetzen. Sie legte einen Gesetzentwurf vor, mit dem 44 Arbeitsschutzgesetze auf vier reduziert wurden. Die Regierung von Gujarat hat den Arbeitstag auf 12 Stunden verl\u00e4ngert. Von der BJP gef\u00fchrte Regierungen in verschiedenen Bundesstaaten setzten Arbeitsgesetze wie das Gewerkschaftsgesetz, das Gesetz \u00fcber Arbeitskonflikte und andere aus.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Aktion<\/strong><\/p>\n<p>Ein gemeinsamer Aktionsausschuss der Zentralen Gewerkschaften, CTU, kam zusammen, um landesweite Proteste gegen drakonische \u00c4nderungen der Arbeitsgesetze, die Privatisierung von Regierungsabteilungen und Unternehmen des \u00f6ffentlichen Sektors und f\u00fcr die Rechte der nicht organisierten Besch\u00e4ftigten dieses Bereichs zu organisieren. Mitglieder des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses, INTUC, des Allindischen Gewerkschaftskongresses, AITUC, von Hindu Mazdoor Sabha, HMS, Zentrum der Indischen Gewerkschaften, CITU, der Selbstst\u00e4ndigen Frauenvereinigung, SEWA u.\u00a0a. nahmen an einem landesweiten Protesttag am 3. Juli 2020 im ganzen Land teil, an allen Arbeitspl\u00e4tzen und in allen Zentren als einen vereinten Kampf gegen Nicht-Kooperation und als Zeichen der Missachtung arbeiterInnen-, bauern\/b\u00e4uerInnen- und volksfeindlicher sowie antinationaler Politik der Regierung. Die Aktionen wurden Berichten zufolge an fast einhunderttausend Orten in allen Staaten organisiert, in den Firmen, in B\u00fcros, auf Stra\u00dfen und Wegen.<\/p>\n<p>In einer\u00a0<a href=\"http:\/\/www.citucentre.org\/672-9th-august-save-india-day\">Erkl\u00e4rung der CTU<\/a>\u00a0hie\u00df es, dass sie durch die Proteste<\/p>\n<p>\u201e \u2026 ihre Ablehnung der Desinvestition und Gro\u00dfprivatisierung von Unternehmen des \u00f6ffentlichen Sektors, des Eintritts ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen in Kernsektoren bis zu 100 Prozent \u2013 indische Eisenbahnen, Verteidigung, Hafen und Docks, Kohle, Fluggesellschaft Air India, Banken, Versicherungen einschlie\u00dflich der Privatisierung von Raumfahrtwissenschaft und Atomenergie usw. bekr\u00e4ftigten. Banken des \u00f6ffentlichen Sektors, Versicherungen und andere Finanzsektoren werden ebenfalls f\u00fcr eine gro\u00df angelegte Privatisierung ins Visier genommen. Schritte zugunsten von Unternehmen indischer und ausl\u00e4ndischer HerstellerInnen, die nat\u00fcrliche Ressourcen und Gesch\u00e4fte des Landes usurpieren und dabei den Slogan von ,Aatma-Nirbhar Bharat\u2018 (selbstst\u00e4ndiges Indien) in den Mund nehmen, werden schamlos durchgesetzt. Die Entscheidung, die Teuerungszulagen (Dearness Allowance, DA) und damit die L\u00f6hne von 480.000 MitarbeiterInnen der Zentralregierung und Dearness Relief (DR) und damit die Auszahlungen an 680.000 RentnerInnen\u00a0 einzufrieren, die sich auch auf die MitarbeiterInnen der Landesregierung auswirkt, wird trotz des vehementen Widerstands von Regierungsangestellten und CTUs nicht zur\u00fcckgenommen. Ebenso wenig wurde die Forderung nach einem Bargeldtransfer von 7.500 Rupien an alle Personen, die keine Einkommenssteuer zahlen, akzeptiert.\u201c<\/p>\n<p>Die ArbeiterInnenklasse und die Armen beginnen, ihren Zorn gegen die prokapitalistische und privatisierende Politik der Regierung Modi in Aktionen umzusetzen. Die Arbeitslosenquote hatte im April 27 Prozent erreicht. Die mittleren und kleinen Unternehmen selbst berichteten, dass 30 bis 35 Prozent der Einheiten m\u00f6glicherweise nicht in der Lage sind, ihre T\u00e4tigkeit aufzunehmen. Die indische Arbeitsorganisation sagte, dass mehr als 400 Millionen Menschen in tiefere Armut gedr\u00e4ngt und dass Unterern\u00e4hrung zunehmen und Hungertodesf\u00e4lle zur t\u00e4glichen Realit\u00e4t werden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Anstatt sich auf die dringenden Bed\u00fcrfnisse dieser Millionen von ArbeiterInnen zu konzentrieren, greift die Regierung jede Opposition an und verhaftet w\u00e4hrend dieser Pandemie Studenten- und GewerkschaftsaktivistInnen. StudentInnenf\u00fchrer, die in diesem Jahr die Proteste gegen das Staatsb\u00fcrgerschaftsgesetz organisiert haben, werden nun landesweit verhaftet und angeklagt.<\/p>\n<p>Die arbeiterInnenfeindliche Politik des Modi-Regimes, sein Versagen bei der Abriegelung und seine prokapitalistische Politik bedeuten, dass die riesige indische ArbeiterInnenklasse keine andere Wahl hat, als sich zu vereinen und gegen ihn und die herrschende Klasse, die er vertritt, zu k\u00e4mpfen. Wir haben Anfang dieses Jahres, vor Covid-19, einen Generalstreik erlebt, an dem mehr als 200 Millionen ArbeiterInnen teilnahmen. Die KohlearbeiterInnen, die\u00a0 bereits dreit\u00e4gig die Arbeit niedergelegt hatten, schlossen sich dem Streik vom 3. Juli an, und auch viele andere Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Sektors bereiten sich auf einen Streik vor.<\/p>\n<p>Die Bauern und B\u00e4uerinnen verurteilen auch die neue Gesetzgebung im Agrarsektor. Es ist klar, dass gro\u00dfe K\u00e4mpfe bevorstehen. In dieser Situation braucht die indische ArbeiterInnenklasse eine eigene, mit einem sozialistischen Programm ausgestattete Partei, die gegen die drakonischen Gesetze und f\u00fcr den Sturz der Regierung Modi k\u00e4mpft, aber diese Bewegung kann ihre Ziele nur erreichen, wenn sie den Kapitalismus st\u00fcrzt und f\u00fcr den Sozialismus k\u00e4mpft.<\/p>\n<p><strong>Wie soll es weitergehen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gewerkschaften haben einen weiteren nationalen Aktionstag f\u00fcr den 9. August und eine Solidarit\u00e4tsaktion zum Tag des Kohlestreiks am 18. August angek\u00fcndigt. Diese k\u00f6nnen zu einem Brennpunkt gemeinsamer Aktionen, Demonstrationen von St\u00e4rke und Entschlossenheit geraten. Aber sie m\u00fcssen in einen umfassenden Kampf der ArbeiterInnenklasse zur Gew\u00e4hrleistung von Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Arbeitspl\u00e4tzen und Einkommen eingebunden werden. Um die Ausbreitung der Pandemie zu bek\u00e4mpfen, m\u00fcssen der Gesundheitssektor und alle Ressourcen verstaatlicht und nach einem Plan neu organisiert werden, der von den Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesens, den \u00c4rztInnen und Gewerkschaften sowie den Organisationen der Bauern und B\u00e4uerinnen, der l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen Armen kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Die ArbeiterInnenklasse muss sich jeder Abschaffung von Arbeitsgesetzen und Sicherheitsvorschriften widersetzen. Stattdessen m\u00fcssen ein Mindestlohn, Arbeitslosen- und Sozialleistungen f\u00fcr die Armen und Renten eingef\u00fchrt werden. Diese m\u00fcssen ausreichen, um die Kosten f\u00fcr Nahrung, Medizin, Transport, Unterkunft \u2026 f\u00fcr alle arbeitenden Menschen zu decken, und die H\u00f6he sollte von den Gewerkschaften und VertreterInnen der besch\u00e4ftigten und arbeitslosen Lohnabh\u00e4ngigen festgelegt werden. Diese m\u00fcssen durch Besteuerung oder, wo n\u00f6tig, durch Beschlagnahme des Einkommens und Verm\u00f6gens der Reichen finanziert werden.<\/p>\n<p>Alle gro\u00dfen Industrien, das Handels- und Finanzkapital, seien sie indisch oder ausl\u00e4ndisch, die mit Schlie\u00dfungen, Entlassungen oder der Abschaffung von Arbeitsgesetzen drohen, m\u00fcssen entsch\u00e4digungslos enteignet werden. Die ArbeiterInnenklasse muss die Kontrolle \u00fcber diese Industrien \u00fcbernehmen, einschlie\u00dflich der Entscheidung, welche Branchen w\u00e4hrend der Pandemie gestoppt werden und welche expandieren oder unter ihrer Kontrolle weiterlaufen sollen.<\/p>\n<p>All diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen nur durch einen entschlossenen, allumfassenden Klassenkampf gegen die herrschende Klasse, die Modi-Regierung, ihren repressiven Staatsapparat und reaktion\u00e4re hinduistisch-nationalistische oder sogar faschistische Bewegungen erreicht werden. Um einen solchen Kampf erfolgreich zu f\u00fchren, bedarf es eines umfassenden Generalstreiks, Massendemonstrationen, Besetzungen von Unternehmen, Fabriken und Land. Dabei kommt den Gewerkschaften eine Schl\u00fcsselrolle zu, aber dazu ist es erforderlich, dass sie \u00fcber begrenzte t\u00e4gliche Aktionen hinausgehen.<\/p>\n<p>Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass in den Betrieben, Gemeinden, St\u00e4dten und D\u00f6rfern Aktionskomitees zur demokratischen Kontrolle und F\u00fchrung des Streiks und seiner Verteidigung von Massenversammlungen gew\u00e4hlt werden und diesen gegen\u00fcber rechenschaftspflichtig sind. Angesichts des zunehmend diktatorischen Charakters des Modi-Regimes, seiner Streitkr\u00e4fte und der hindu-nationalistischen Bewegung werden die Streiks und die Gemeinden durch Selbstverteidigungsorganisationen gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass eine solche Massenbewegung, ein Generalstreik, der in der kommenden Zeit herbeigef\u00fchrt werden k\u00f6nnte, die Frage der Macht aufwerfen wird: eine Frage, die die ArbeiterInnenklasse nicht nur mit Entschlossenheit, sondern auch mit Klarheit beantworten muss, indem sie f\u00fcr eine ArbeiterInnen- und Bauern-\/B\u00e4uerinnenregierung auf der Grundlage von ArbeiterInnen- und Bauern\/B\u00e4uerinnenr\u00e4ten k\u00e4mpft. Die Aktionskomitees, die geschaffen werden, um die Bewegung zu organisieren, k\u00f6nnten sich zu solchen R\u00e4ten entwickeln, wie sich die Bewegung und die K\u00e4mpfe entwickeln, so wie sich die Selbstverteidigungsorgane zu einer Miliz der ArbeiterInnen-, Bauern-\/B\u00e4uerinnenschaft und Armen entfalten k\u00f6nnten, die zusammen mit den SoldatInnenr\u00e4ten in der Armee den repressiven Staatsapparat der indischen Bourgeoisie aufl\u00f6sen und ersetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Vor allem aber w\u00fcrde eine ArbeiterInnen- und Bauern-\/B\u00e4uerinnenregierung entschiedene Ma\u00dfnahmen ergreifen, um ein Sofortprogramm zur Absicherung der Gesundheit, zur Beseitigung der Armut und zur Reorganisation der indischen Wirtschaft im Interesse der Vielen, nicht der Wenigen, umzusetzen. Kurz gesagt, sie w\u00fcrde das gesamte Gro\u00dfkapital unter Kontrolle der ArbeiterInnenklasse verstaatlichen, die KapitalistInnenklasse enteignen und einen demokratischen Plan einf\u00fchren und damit nicht nur den Weg f\u00fcr eine sozialistische Umgestaltung Indiens, sondern auch f\u00fcr die Ausbreitung der Revolution auf ganz S\u00fcdasien und dar\u00fcber hinaus ebnen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2020\/07\/29\/indien-pandemie-krise-und-kampf-der-arbeiterinnenklasse\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. Juli 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irfan Khan. In Indien waren bis Ende Juli fast anderthalb Millionen Menschen mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Am 26.7. wurden 1.435.435 Infektionen offiziell registriert. 32.771 sind in den letzten Monaten gestorben. 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