{"id":8316,"date":"2020-08-18T10:39:00","date_gmt":"2020-08-18T08:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8316"},"modified":"2020-08-18T10:39:02","modified_gmt":"2020-08-18T08:39:02","slug":"antikoloniale-befreiung-durch-linken-bonapartismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8316","title":{"rendered":"Antikoloniale Befreiung durch linken Bonapartismus?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thomas Sankara wird oft als revolution\u00e4res Vorbild auf dem afrikanischen Kontinent pr\u00e4sentiert. Doch sein Weg musste in die Niederlage f\u00fchren. Ein Debattenbeitrag von Baran Serhad \u00fcber die Permanente Revolution als Antwort<!--more--> auf Kolonialismus und Imperialismus.<\/strong><\/p>\n<p>Der Prozess der Befreiung vom europ\u00e4ischen Kolonialismus ist ein wichtiger Moment in der Geschichte der Revolutionen, weil die unterdr\u00fcckten V\u00f6lker einen ernsthaften Versuch unternommen haben, \u00fcber ihr eigenes Schicksal zu entscheiden und dem Kolonialismus, einem der gr\u00f6\u00dften Verbrechen in der Menschheitsgeschichte, ein Ende zu setzen. Aber was ist genau der Charakter dieser Erhebungen?<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/800px-Statue_du_Pr\u00e9sident_Thomas_Sankara2-890x550-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8317\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/800px-Statue_du_Pr\u00e9sident_Thomas_Sankara2-890x550-1.png 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/800px-Statue_du_Pr\u00e9sident_Thomas_Sankara2-890x550-1-300x185.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/800px-Statue_du_Pr\u00e9sident_Thomas_Sankara2-890x550-1-768x475.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p>Wir nehmen die Geschichte von Thomas Sankara als Beispiel, der 1983 bis zu seiner Ermordung 1987 Pr\u00e4sident von Burkina Faso (bis 1984 \u201eObervolta\u201c) war. Sankara war selbst Milit\u00e4r und st\u00fctzte sich auf die milit\u00e4rische Kraft, um Reformen in Bildung, Sozialem, Gesundheit oder Infrastruktur gegen die koloniale, imperialistische Ordnung durchzusetzen. In\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/permanente-revolution-oder-kleinburgerlicher-nationalismus\/\"><strong>meiner Polemik gegen\u00fcber Kofi Shakur<\/strong><\/a>\u00a0nahm ich eine kurze Charakterisierung von Thomas Sankara vor, die ich nun weiter ausf\u00fchren werde:<\/p>\n<p>\u201eRevolution\u00e4r\u201c wird so eine rein subjektivistische, eine pers\u00f6nliche Eigenschaft. Thomas Sankara war ein antikolonialer K\u00e4mpfer ohne proletarisches Programm. Ein Milit\u00e4r mit linken Ideen, der mit Mitteln des Putschs die Macht eroberte, die Gewerkschaften verbot und einen kleinb\u00fcrgerlichen Nationalismus predigte. Die Enteignung des Privateigentums in den H\u00e4nden des Proletariats kommt bei ihm nicht vor.<\/p>\n<p>Wir haben es bei der Verkl\u00e4rung Sankaras zum sozialistischen Revolution\u00e4r mit einem Trend zu tun, der unter dem Deckmantel des \u201eAnti-Imperialismus\u201c eine verzerrte Bilanz der antikolonialen Erfahrungen liefert. Denn wenn wir uns n\u00e4her mit dem Programm, der sozialen Basis und dem sozialen Inhalt von Sankaras Antikolonialismus besch\u00e4ftigen, erkennen wir in ihm keinen sozialistischen Revolution\u00e4r, sondern einen linken Bonaparte. Was bedeutet das?<\/p>\n<p><strong>Thomas Sankara \u2013 ein linker Bonaparte<\/strong><\/p>\n<p>Der koloniale Hintergrund von Burkina Faso war Grundlage der gesamten politischen Entwicklung. Das westafrikanische Land hie\u00df Obervolta, da es eine franz\u00f6sische Kolonie war und erst 1960 die Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4rte. Doch die Unabh\u00e4ngigkeit war rein formal, da das Land wirtschaftlich immer noch abh\u00e4ngig und politisch fragil war. Das hei\u00dft, es blieb eine Halbkolonie. Nach \u00fcber 20 Jahren Unabh\u00e4ngigkeit war Obervolta immer noch eine unterentwickelte landwirtschaftliche Nation. Die B\u00e4uer*innen bildeten im \u00fcberwiegend landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Obervolta die \u00fcberwiegende Mehrheit, n\u00e4mlich 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Die Gewerkschaften rekrutierten ihre Mitglieder dagegen aus der Stadtbev\u00f6lkerung, die im \u00f6ffentlichem Dienst oder in den halbstaatlichen Unternehmen angestellt war. Dadurch bekamen sie einen ernsthaften politischen Einfluss und bildeten vor allem in den 70ern die wichtigste politische Opposition des Landes.<\/p>\n<p>Von 1980 bis zum 4. August 1983 gab es drei Putsche, die exemplarisch f\u00fcr die politische Instabilit\u00e4t des Landes standen: Die wirtschaftliche R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, die politische Destabilisierung und die Schw\u00e4che des Proletariats gaben dem Milit\u00e4r einen hohen Grad an Selbstst\u00e4ndigkeit. Sankara selbst war an drei unterschiedlichen Phasen der Regierungsbildung der Milit\u00e4rjunta\u00a0 beteiligt \u2013 mit stufenweiser Verst\u00e4rkung seiner politischen Rolle: Zun\u00e4chst als Informationsminister 1981 unter Saye Zerbo, im Jahr 1983 als Premierminister unter Jean-Baptiste Ou\u00e9draogo und letztlich am 4. August 1983 als Pr\u00e4sident von Obervolta. Die Angriffe Sankaras auf die Korruption hatten ihn zuvor unter den Massen au\u00dferordentlich popul\u00e4r. Deshalb stie\u00df seine Verhaftung im Mai 1983 auf gro\u00dfe Proteste der Bev\u00f6lkerung. Die Junta war in einen rechten und einen linken Fl\u00fcgel gespalten, und letztlich gelang es dem linken Fl\u00fcgel um Sankara nach monatelangem Machtkampf, sich durchzusetzen.<\/p>\n<p>Sankara war von den Erfahrungen der Milit\u00e4rjunta um Jerry Rawlins in Ghana inspiriert. Rawlins hatte zun\u00e4chst im Jahr 1979 gegen das alte korrupte Regime geputscht und installierte ein Parlament. Im Jahr 1981 putschte er ein zweites Mal, indem er das Parlament au\u00dfer Kraft setzte, die Entscheidungsgewalt in seiner Hand b\u00fcndelte und sich selbst durch extreme Verselbst\u00e4ndigung seines Apparats \u00fcber die Klassen erhob. Auf die Anordnung Rawlins hin wurden \u201eVolks-\u201c und \u201eArbeiterverteidungskomitees\u201c gebildet, die allerdings nicht \u00fcber eine Entscheidungsgewalt verf\u00fcgten, also weder das Volk noch die Arbeiter*innen ausdr\u00fcckten, sondern der Kontrolle Rawlings unterworfen waren.<\/p>\n<p>Thomas Sankara \u00fcbertrug dieses Modell in seine Heimat. Am Tag der Macht\u00fcbernahme k\u00fcndigte er die Gr\u00fcndung der Komitees der Verteidigung der Revolution an:<\/p>\n<p>Der nationale Revolutionsrat (CNR) ruft alle B\u00fcrger von Obervolta, M\u00e4nner und Frauen, junge und alte, zu erh\u00f6hter Wachsamkeit und zu aktiver Unterst\u00fctzung auf. Der nationale Revolutionsrat fordert die B\u00fcrger von Obervolta dazu auf, \u00fcberall Komitees zur Verteidigung der Revolution (Comit\u00e9s de d\u00e9fense de la r\u00e9volution \/ CDR) zu bilden, um sich an dem gro\u00dfen vaterl\u00e4ndischen Kampf des CNR zu beteiligen und um unsere inneren und \u00e4u\u00dferen Feinde daran zu hindern, dem Volk Schaden zuzuf\u00fcgen. Die politischen Parteien werden selbstverst\u00e4ndlich aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie in Ghana oder auf Kuba, waren diese Komitees keine sowjetische Organe (R\u00e4te), die eine Doppelherrschaft zum Staatsapparat herstellen k\u00f6nnten. Wie in der Rede zu erkennen ist, wurden politische Parteien und die Presse verboten. Gewerkschaften, die in der Vergangenheit eine starke oppositionelle Rolle einnahmen, wurden als gegenl\u00e4ufig zu den Interessen der sogenannten \u201eVolksrevolution\u201c bezeichnet und ebenfalls unterdr\u00fcckt. Tausende von Lehrer*innen wurden zu Beginn der Machteroberung entlassen, weil sie gegen den Putsch gestreikt hatten.<\/p>\n<p>Der direkten Kontrolle des CNR unterworfen, dienten diese Komitees zur Mobilisierung der Massen im Dienste sozialer Reformen des Landes. Typisch f\u00fcr eine Revolution von oben sollten die Arbeiter*innen und B\u00e4uer*innen sich nicht eigenst\u00e4ndig in Komitees an der Basis und mit einem politischen Mandat organisieren, sondern als Man\u00f6vriermasse der Milit\u00e4rb\u00fcrokratie dienen. So wurden Arbeiter*innen aufgeteilt in \u201eFaule\u201c und \u201eEhrgeizige\u201c, die ersteren \u00f6ffentlich angeklagt. Alle Proteste wurden ohne Unterscheidung der Klassenbasis als \u201ekonterrevolution\u00e4r\u201c diffamiert, weshalb von einer echten Arbeiter*innenbewegung als Basis nicht die Rede sein konnte.<\/p>\n<p>Wir\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/was-ist-bonapartismus\/\"><strong>definieren einen solchen Prozess als Bonapartismus, eine Vermittlung zwischen den Klassen, die sich zeitweise \u00fcber sie stellt:<\/strong><\/a>\u00a0Sankara st\u00fctzte sich auf B\u00e4uer*innen und einen Teil des Milit\u00e4rapparats, um als Autorit\u00e4t \u00fcber sie eine uneingeschr\u00e4nkte Regierungsgewalt im gesamten Lande auszu\u00fcben und Reformen von oben durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Reformen von oben \u2013 der Linkspopulismus als Doktrin<\/strong><\/p>\n<p>Sankara Orientierung bestand zun\u00e4chst darin, vor allem symbolisch die Korruption zu bek\u00e4mpfen:<\/p>\n<p>Die Grundidee und das Ziel des nationalen Revolutionsrats ist die Verteidigung der Interessen des Volks von Obervolta und die Verwirklichung seines tiefen Wunsches nach Freiheit, nach echter Unabh\u00e4ngigkeit und nach wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt.<\/p>\n<p>So wurde der dekadente Lebensstil der Elite, der einen sozialen Hass in der verarmten Bev\u00f6lkerung ausl\u00f6ste, angegriffen. \u201eConsommez burkinab\u00e8\u201c wurde als Motto f\u00fcr einen bescheidenen und sparsamen Lebensstandard verbreitet.\u00a0 Um mit den Spuren der kolonialen Vergangenheit zu brechen, wurde das Land umbenannt in Burkina Faso (Land der aufrechten Menschen), eine neue Fahne und Hymne eingef\u00fchrt. Der Nationalismus des unterdr\u00fcckten Volkes wurde zur Doktrin, die die Souver\u00e4nit\u00e4t des Volkes herstellen sollte.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung der b\u00fcrgerlich-demokratischen Reformen wurde als demokratische Volksrevolution betitelt. Differenziert k\u00f6nnen wir sagen, dass in einem vom Kolonialismus und sp\u00e4ter Imperialismus zur Unterentwicklung verdammten Land solche Ma\u00dfnahmen durchaus f\u00fcr Fortschritt sorgten. Denn die Schuld f\u00fcr die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit des Landes trug nicht das Volk, sondern die unterdr\u00fcckenden Herren.<\/p>\n<p>Das Programm des sozialen Aufbruchs war dementsprechend von fortschrittlichen Elementen gepr\u00e4gt: Abschaffung der Privilegien f\u00fcr Stammesh\u00e4uptlinge und die Antikorruptionskampagne, die landesweite Alphabetisierungskampagne, die \u00f6kologische F\u00f6rderung der Wiederaufforstung gegen die W\u00fcstenausbreitung, Massenimpfungen und Aufkl\u00e4rung zur Verh\u00fctung im Kampf gegen AIDS, der Aufbau der Infrastruktur und der Eisenbahnstrecke f\u00fcr kostenlose Mobilit\u00e4t, all dies wurde mittels der Mobilisierung der gesamten Bev\u00f6lkerung eingeleitet. Die Mieten wurden deutlich gesenkt und der soziale Wohnungsbau vorangetrieben.<\/p>\n<p>Besonders die Ans\u00e4tze gegen patriarchale Unterdr\u00fcckung der Frauen gelten bis heute als wichtige Errungenschaften auf dem afrikanischen Kontinent: Gewalt an Frauen und weibliche Genitalverst\u00fcmmelung (die bis heute auf dem Kontinent praktiziert wird und ein besonderes Merkmal der Unterdr\u00fcckung darstellt) wurden mit juristischen Mitteln und Aufkl\u00e4rungsarbeit bek\u00e4mpft. Frauen wurde erm\u00f6glicht, am Produktionsprozess und am politischen Leben teilzunehmen. An der Durchf\u00fchrung aller sozialen Reformen waren Frauen beteiligt, was der vorherigen, erzwungenen \u201eunterw\u00fcrfigen\u201c Rolle gegen\u00fcberstand.<\/p>\n<p>Worin Sankara sich in der politischen Linie von seinem engsten Verb\u00fcndeten Ghana unter Rawlins unterschied, war seine prinzipielle Haltung gegen die R\u00fcckzahlung der Auslandsschulden, w\u00e4hrend Rawlins sich auf Empfehlung der Sowjetunion 1983 mit dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) verst\u00e4ndigte. So blieb der Zusammenschluss der beiden Nationen als \u201eWestafrikanische Union\u201c eine Worth\u00fclse, da es an einer einheitlichen konsequenten Orientierung f\u00fcr den Rausschmiss des Imperialismus aus der Region fehlte. Da Sankara sich vehement gegen die franz\u00f6sische Vormachtstellung engagierte, positionierten sich Frankreich nahestehende L\u00e4nder der Region wie die Republik C\u00f4te d\u2019Ivoire gegen Burkina Faso. Sankaras Ma\u00dfnahmen zielten darauf ab, auf lokaler Ebene gegen Hungersn\u00f6te und Einfl\u00fcsse des franz\u00f6sischen Kapitals eine souver\u00e4ne Wirtschaft Burkina Fasos herzustellen. Das gelang dem Land auch eine Zeit lang, sodass Burkina Faso f\u00fcr eine Weile keine Lebensmittel mehr importieren musste. Gegen die Macht der Feudalherren setzte Sankara eine Landverteilung an die B\u00e4uer*innenschaft durch.<\/p>\n<p><strong>Permanente Revolution: Der Neuaufbau des Landes unter der F\u00fchrung des Proletariats<\/strong><\/p>\n<p>Die Erfahrungen der vier Jahre in Burkina Faso von Sankaras Machtantritt bis zu seiner Ermordung zeigen, dass die Massen gewillt waren, f\u00fcr den Aufbruch ihres Landes an die vorderste Front zu gehen. Doch wir k\u00f6nnen nicht von einem sozialistischen Experiment sprechen, da das bonapartistische Regime mit einem linkspopulistischen Programm, das die sozialen Reformen von oben einleitet, die Massen zum Man\u00f6vrieren und zur Mobilisierung nutzte und die Nationalisierung des Privateigentums nicht in die H\u00e4nde der Arbeiter*innen und ihrer b\u00e4uerlichen Verb\u00fcndete \u00fcbertrug. Daran scheiterte das Projekt schlie\u00dflich auch. Da die Arbeiter*innen und B\u00e4uer*innen keine selbstst\u00e4ndige Rolle bei der Verwaltung der Produktion in den Betrieben und auf dem Land \u00fcbernahmen, waren sie weitgehend passive oder man\u00f6vrierbare Elemente des Regimes. Das erleichterte den konterrevolution\u00e4ren Putsch und die Ermordung Sankaras.<\/p>\n<p>Der revolution\u00e4re Marxismus, mit der die Erfahrungen der Oktoberrevolution verallgemeinernden Theorie der Permanenten Revolution, setzt die direkte Kontrolle und F\u00fchrung des Proletariats in der Perspektive der Ausweitung der sozialen Revolution auf internationaler Ebene Richtung Sozialismus voraus. Daf\u00fcr ist eine internationale revolution\u00e4re Arbeiter*innenpartei n\u00f6tig, konkret\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/theoretische-entwicklung-als-teil-des-wiederaufbaus-des-revolutionaeren-marxismus\/\"><strong>der Wiederaufbau der 1938 gegr\u00fcndeten Vierten Internationale<\/strong><\/a>, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1938\/uebergang\/ueberg2.htm\"><strong>in ihrem Gr\u00fcndungsprogramm<\/strong><\/a>\u00a0formulierte:<\/p>\n<p>Auf einer gewissen Stufe der Massenmobilisierung unter den Losungen der revolution\u00e4ren Demokratie k\u00f6nnen und m\u00fcssen Sowjets entstehen. Ihre geschichtliche Rolle, insbesondere ihr Verh\u00e4ltnis zur Nationalversammlung, ist in der jeweils gegebenen Periode bestimmt durch die politische Reife des Proletariats, seine Verbindung mit der b\u00e4uerlichen Klasse und durch den b\u00e4uerlichen Charakter der Politik der proletarischen Partei. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00fcssen die Sowjets die b\u00fcrgerliche Demokratie st\u00fcrzen. Nur sie sind f\u00e4hig die demokratische Revolution zu Ende zu f\u00fchren und so die \u00c4ra der sozialistischen Revolution zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Sankara konnte die Bedingungen f\u00fcr einen sozialistischen Aufbau nicht erf\u00fcllen, weil er die Macht des Proletariats als Anf\u00fchrerin der Unterdr\u00fcckten scheute und bek\u00e4mpfte. Er nahm ein Modell in Burkina Faso auf, das ausgehend von den Erfahrungen in China den unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern eine Losung der milit\u00e4risch gef\u00fchrten, b\u00e4uerlichen, nationalen und demokratischen Revolution ohne Macht des Proletariats selbst aufzwingen sollte. Dies war ein Etappenmodell des Stalinismus-Maoismus f\u00fcr in die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit gedr\u00e4ngte L\u00e4nder, das die erste Aufgabe darin sah, die nationale Einheit zum Zwecke der unerf\u00fcllten demokratischen Aufgaben zu setzen und sie von der Arbeiter*innenmacht zu trennen. So wurde die F\u00fchrungsrolle des Proletariats, die mit den Erfahrungen der Oktoberrevolution best\u00e4tigt wurde, aufgegeben. Dabei fehlte es dem Proletariat Burkina Fasos und des afrikanischen Kontinents keineswegs an Reife, sondern an revolution\u00e4rer F\u00fchrung durch eine revolution\u00e4re Partei. Wie Leo Trotzki, Anf\u00fchrer der Oktoberrevolution von 1917, bez\u00fcglich der gescheiterten Spanischen Revolution\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sozialismus.info\/2011\/07\/14288\/\"><strong>betonte<\/strong><\/a>:<\/p>\n<p>Der Oktober-Sieg ist ein ernstes Zeugnis f\u00fcr die \u201eReife\u201c des Proletariats. Aber diese Reife ist relativ. Wenige Jahre sp\u00e4ter lie\u00df dasselbe Proletariat zu, dass eine B\u00fcrokratie, die aus seinen eigenen Reihen heranwuchs, die Revolution erw\u00fcrgte. Ein Sieg ist keineswegs die reife Frucht der \u201eReife\u201c des Proletariats. Der Sieg ist eine strategische Aufgabe. Die g\u00fcnstigen Umst\u00e4nde einer revolution\u00e4ren Krise m\u00fcssen dazu genutzt werden, die Massen zu mobilisieren; der gegebene Stand ihrer \u201eReife\u201c muss als Ausgangspunkt genommen werden, um sie weiter vorw\u00e4rts zu treiben, um ihnen klarzumachen, dass der Feind keineswegs allm\u00e4chtig ist, dass er von Widerspr\u00fcchen zerrissen ist, dass hinter der imponierenden Fassade Panik herrscht.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns bedeutet die Permanente Revolution, dass es in den H\u00e4nden des Proletariats einen \u00dcbergang von den demokratischen und nationalen Aufgaben zur sozialistischen Revolution und deren Ausdehnung auf die Region und Weltarena geben muss. Das beinhaltet die Neustrukturierung der ganzen Nation unter F\u00fchrung des Proletariats. Das Proletariat ben\u00f6tigt daf\u00fcr R\u00e4testrukturen, die nicht vom Himmel fallen, sondern bewusst aufgebaut werden m\u00fcssen, wo sie nicht entstehen. Die Erf\u00fcllung der versp\u00e4teten b\u00fcrgerlich-demokratischen Aufgaben kann nicht von einem linken Bonaparte \u00fcbernommen werden, der sich aufs Milit\u00e4r oder die Zwischenklassen st\u00fctzt. Wie Trotzki betonte, ist die volle und wirkliche L\u00f6sung der demokratischen Aufgaben und des Problems der nationalen Befreiung nur mittels der Diktatur des Proletariats als Anf\u00fchrerin der unterdr\u00fcckten Nationen und vor allem ihrer b\u00e4uerlichen Massen denkbar. Das Proletariat muss im zur\u00fcckgebliebenen kolonialen Land die B\u00e4uer*innenschaft um sich sammeln, um die Macht zu ergreifen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/antikoloniale-befreiung-durch-linken-bonapartismus\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. August 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Sankara wird oft als revolution\u00e4res Vorbild auf dem afrikanischen Kontinent pr\u00e4sentiert. Doch sein Weg musste in die Niederlage f\u00fchren. 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