{"id":8344,"date":"2020-08-22T08:40:26","date_gmt":"2020-08-22T06:40:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8344"},"modified":"2020-08-22T08:40:27","modified_gmt":"2020-08-22T06:40:27","slug":"die-ermordung-von-leo-trotzki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8344","title":{"rendered":"Die Ermordung von Leo Trotzki"},"content":{"rendered":"<p><em>Simon Hardy und Dave Stockton. <\/em>Trotzki lebte in einem Haus in Coyoac\u00e1n, in Mexiko-Stadt, und war nicht nur ein Exilant, sondern auch ein Fl\u00fcchtling vor den M\u00f6rderInnen von Stalins Geheimpolizei, dem NKWD (Innenministerium der UdSSR, auch<!--more--> politische Geheimpolizei). Tats\u00e4chlich war das \u201eVolkskommissariat f\u00fcr Innere Angelegenheiten\u201c (Vorl\u00e4ufer des Innenministeriums in der RSFSR und UdSSR) insofern etwas falsch benannt, als es insbesondere seit dem spanischen B\u00fcrgerInnenkrieg (1936 \u2013 1939) ein ausgedehntes Netz von AgentInnen in Westeuropa und Amerika aufgebaut hatte.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8345\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tro.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tro-300x225.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tro-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p>Trotzki war in den Moskauer Prozessen von 1936 \u2013 1938 wiederholt als der ultimative Organisator und Inspirator von Verbrechen gegen die Sowjetunion angeprangert worden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Stalin versuchte, sein Leben zu beenden. In der Tat sagte Pawel Sudoplatow, Leiter der Verwaltung f\u00fcr Sonderaufgaben des NKWD, noch in dem Monat, als Trotzki in das Haus in der Calle Viena (Wiener Gasse) einzog, im M\u00e4rz 1939, als sein Chef Lawrenti Beria ihn zu Stalin brachte: \u201eTrotzki sollte innerhalb eines Jahres eliminiert werden\u201c.<\/p>\n<p>Damit f\u00fcgte Stalin dem riesigen Gemetzel der S\u00e4uberungen, die nicht nur alle MitarbeiterInnen Lenins, sondern auch viele seiner eigenen Anh\u00e4ngerInnen in der Zeit der Degeneration des Sowjetstaates vernichtet hatten, einschlie\u00dflich der talentiertesten Chefs der Roten Armee und zahlloser v\u00f6llig unschuldiger Menschen, einfach das kr\u00f6nende Verbrechen hinzu.<\/p>\n<p>Allein Trotzkis Anwesenheit bedeutete, dass Mexiko-Stadt von NKWD-AgentInnen durchsetzt war. Viele von ihnen waren aus Spanien gekommen, als Franco schlie\u00dflich triumphierte, wegen der gemeinsamen Sprache. Tats\u00e4chlich haben sich Beweise daf\u00fcr ergeben, dass es in Mexiko-Stadt zwei aktive GPU-Netzwerke (GPU: Geheimpolizei der UdSSR ab Ende 1922) gab, die beide aktiviert werden sollten, um die Ermordung Trotzkis auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Netzwerk<\/strong><\/p>\n<p>Das eine Netzwerk wurde \u201ePferd\u201c genannt, der Codename f\u00fcr den ber\u00fchmten mexikanischen Wandmaler David Alfardo Siqueiros, ein f\u00fchrendes Mitglied der Kommunistischen Partei. \u201ePferd\u201c wurde von einem GPU-Agenten namens Josef Grigulewitsch geleitet, der von Alexander Orlow, einem General im NKWD, rekrutiert worden war. Sie waren beide Mitglieder der GPU-\u201eSpezialeinheit\u201c, die in Spanien die Folter am prominenten F\u00fchrer der POUM, Andreu (Kastilisch: Andr\u00e9s) Nin, durchf\u00fchrte. Im Sommer 1938 wurde letzterer nach Moskau zur\u00fcckgerufen, wo er wegen seines Wissens um Stalins Verbrechen Gefahr lief, selbst liquidiert zu werden. Er lief daraufhin \u00fcber und versuchte tats\u00e4chlich, Trotzki vor den AgentInnen zu warnen, die ihm auf den Fersen waren.<\/p>\n<p>Siqueiros war zu dieser Zeit ein fanatischer Antitrotzkist, der den StalinistInnen gegen\u00fcber v\u00f6llig loyal war. Er hatte die Verbindungen und konnte andere dazu bringen, bei einem Angriff zu helfen. Aber was die GPU brauchte, war ein Weg ins Haus. Am 1. Mai organisierten die StalinistInnen einen 20.000 Menschen starken Marsch durch Mexiko-Stadt, in dem die Vertreibung Trotzkis gefordert wurde, und ein Teil der Menge forderte auch seinen Tod. Die stalinistische Politik bestand darin, maximalen Druck auf die mexikanische Regierung auszu\u00fcben, um den russischen Dissidenten auszuweisen. Ihre Presse griff Trotzki regelm\u00e4\u00dfig an und behauptete, er sei in den Versuch verwickelt, entweder die Regierung zu destabilisieren oder, alternativ, unter Verletzung seiner Visa-Vereinbarungen, die Regierung zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Um 4 Uhr morgens am Morgen des 25. Mai schlug Siqueiros\u2018 Bande zu. Als PolizistInnen verkleidet, \u00fcberraschten sie die PolizistInnen drau\u00dfen, fesselten und knebelten sie und klopften an die T\u00fcr. Die AngreiferInnen betraten das Gel\u00e4nde des Hauses, nachdem einer der amerikanischen W\u00e4chterInnen, Robert Sheldon Harte, die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hatte. Als sie in den Innenhof gingen, stellten sie Maschinengewehrposten auf und er\u00f6ffneten das Feuer auf das Haus, wobei sie \u00fcber 300 Kugeln durch die Fenster und W\u00e4nde jagten. Trotzki und Natalja Sedowa (2. Ehefrau Trotzkis) warfen sich unter das Bett, um in Deckung zu gehen. Ihr 14-j\u00e4hriger Enkel tat das Gleiche und verletzte sich dabei nur leicht an herumfliegenden Glasscheiben.<\/p>\n<p>Einer der Angreifer k\u00f6nnte sogar ins Schlafzimmer gegangen sein, um Sch\u00fcsse durch die Matratze abzufeuern. Als die Angreifer zur Flucht durch das Tor ansetzten, warf einer von ihnen eine Granate in das Haus und verursachte ein Feuer. Es wurden auch drei Bomben geworfen, aber sie explodierten nicht richtig. Schlie\u00dflich gelang es Otto Sch\u00fcssler (Pseudonym: z.\u00a0B. Oskar Fischer) und Charles Curtiss, zwei der Wach-Sekret\u00e4rInnen, das Haus zu betreten und zu Trotzkis Familie zu gelangen. Als sich der Rauch verzogen hatte, wurde wie durch ein Wunder niemand ernsthaft verletzt, aber sie entdeckten bald, dass Harte verschwunden war.<\/p>\n<p>Kurz nach Ankunft der Polizei wurden Verd\u00e4chtigungen \u00fcber den Angriff ge\u00e4u\u00dfert. Einen Tag sp\u00e4ter verhaftete sie einige von Trotzkis Wachen und beschuldigte sie, einen \u201eSelbstangriff\u201c organisiert zu haben, um zu versuchen, den StalinistInnen etwas anzuh\u00e4ngen. Dies wurde energisch bestritten. Wie Trotzki behauptete, w\u00e4re der Preis, der zu zahlen gewesen w\u00e4re, zu hoch f\u00fcr das Ansehen der Vierten Internationale gewesen und h\u00e4tte seinen Aufenthalt in Mexiko gef\u00e4hrdet, wenn diese Verschw\u00f6rung aufgedeckt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bald richtete die Polizei ihr Augenmerk auf die Suche nach Harte. Hier wurden in der Folge eine Reihe interessanter Details bekannt. Mehrere Quellen haben auf Beweise hingewiesen, die darauf hinzudeuten scheinen, dass Harte ein NKWD-Agent war. Erstens behauptete Hartes Vater in einem Interview mit der mexikanischen Polizei, dass im Zimmer seines Sohnes ein Bild von Stalin an der Wand hinge. Andere Beweise deuteten darauf hin, dass Harte bei seiner Ankunft in Mexiko Zugang zu einer betr\u00e4chtlichen Geldsumme hatte, sicherlich viel mehr als sein bescheidenes Gehalt als Wachmann ihm gegeben h\u00e4tte. Es wurde vermutet, dass Harte von seinen F\u00fchrungsoffizierInnen angewiesen worden war, die AngreiferInnen ins Haus zu lassen, und dass er dann in einem der Autos weggefahren worden war.<\/p>\n<p>Noch schwerwiegender sind die Behauptungen einiger der AngreiferInnen, die ebenfalls implizieren, dass Harte sie zumindest kannte. Eine Untersuchung der mexikanischen Polizei f\u00fchrte zur Verhaftung mehrerer Personen, die alle in irgendeiner Weise mit der mexikanischen KP verbunden waren. W\u00e4hrend des Verh\u00f6rs gab einer der an dem Angriff beteiligten M\u00e4nner zu, dass Harte beteiligt gewesen sei, er sei der Insider gewesen, der die T\u00fcr \u00f6ffnen sollte. Nestor Sanchez Hernandez, Mitglied der Kommunistischen Partei und Veteran der Internationalen Brigaden, gab gegen\u00fcber der Polizei zu, dass er Harte mit einem nicht identifizierten \u201efranz\u00f6sischen Juden\u201c, der einer der Organisatoren des Angriffs war, \u201enerv\u00f6s und freundlich\u201c sprechen gesehen habe.<\/p>\n<p>Ein anderer Bericht identifiziert den Mann als Josef Grigulewitsch und beschreibt einen gewaltigen Streit, der zwischen ihm und Harte ausbrach, der sehr aufgeregt und ver\u00e4rgert wurde. Harte war ver\u00e4rgert und behauptete, ihm sei gesagt worden, dass die Absicht der Razzia nur darin bestand, die Archive zu zerst\u00f6ren. Als sie sich davonmachten und erkannten, dass die Absicht des Angriffs tats\u00e4chlich darin bestanden hatte, den alten Mann zu ermorden, f\u00fchlte sich Harte verraten. Vermutlich entschied die GPU, dass Harte eine tickende Zeitbombe sei und man ihm nicht trauen k\u00f6nne, seinen Mund zu halten. Seine Leiche wurde einen Monat sp\u00e4ter entdeckt, erschossen und auf dem Gel\u00e4nde einer Villa auf dem Land vergraben.<\/p>\n<p>Trotzki schrieb einen Nachruf auf Harte und dementierte die bereits kursierenden Anschuldigungen, er sei ein stalinistischer Agent gewesen. Die Wahrheit wird vielleicht nie bekannt werden, aber ob Harte ein Agent war oder nicht, es ist klar, dass sich der Kreis um Trotzki schloss. Trotz offizieller Dementis seitens der Kommunistischen Partei Mexikos schickte David Siqueiros einen Brief an die Presse, in dem er erkl\u00e4rte: \u201eDie Kommunistische Partei versuchte mit diesem Angriff lediglich, Trotzkis Vertreibung aus Mexiko zu beschleunigen; alle FeindInnen der Kommunistischen Partei k\u00f6nnen eine \u00e4hnliche Behandlung erwarten.\u201c<\/p>\n<p>Es war zweifellos nur eine Frage der Zeit, bis die amateurhafte Sicherheitsarbeit im Haus wieder \u00fcberwunden war und die Attent\u00e4terInnen ihr Ziel trafen.<\/p>\n<p><strong>Das Haus wird zur Festung<\/strong><\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt wurde Trotzki von mehreren Mitgliedern der SWP bewacht, die f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Besuch nach Coyoac\u00e1n entsandt wurden, bewaffnet und als Wachposten organisiert waren. Zu diesen W\u00e4chterInnen geh\u00f6rten Jake Cooper, Walter O\u2019Rourke, Charles Cornell und Robert Sheldon Harte. Eine weitere Wache war Joseph Hansen, sp\u00e4ter ein wichtiger F\u00fchrer der SWP. Er beschreibt die neuen Ma\u00dfnahmen, die seit dem verpfuschten Versuch im Mai ergriffen wurden:<\/p>\n<p>\u201eDie Garde wurde verst\u00e4rkt, schwerer bewaffnet. Es wurden kugelsichere T\u00fcren und Fenster eingebaut. Es wurde eine Feldschanze aus bombensicheren Decken und B\u00f6den gebaut. Doppelte Stahlt\u00fcren, die durch elektrische Schalter gesteuert wurden, ersetzten den alten h\u00f6lzernen Eingang, wo Robert Sheldon Harte von den GPU-AngreiferInnen \u00fcberrascht und entf\u00fchrt worden war. Drei neue kugelsichere T\u00fcrme \u00fcberragten nicht nur den Innenhof, sondern auch die umliegende Nachbarschaft. Stacheldrahtverhaue und bombensichere Netze waren in Vorbereitung.\u201c<\/p>\n<p>Hansen sollte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen F\u00fchrer der SWP in den USA werden, aber sein erstes Treffen mit Trotzki verlief nicht gut. Als Hansen gebeten wurde, einen Teil des Haushalts durch die Stadt und in die W\u00fcste zu fahren, verirrte er sich hoffnungslos und lie\u00df Trotzki mit der Frage zur\u00fcck, ob der junge Amerikaner f\u00fcr seinen Posten in Mexiko geeignet sei.<\/p>\n<p>Eine\/r der US-TrotzkistInnen empfahl, die Wache nach dem Angriff im Mai zu professionalisieren. Er\/Sie schlug einen neuen Anf\u00fchrer der Garde vor, Ray Rainbolt, einen Sioux-Indianer von Abstammung, ehemaligen Soldaten, der der Hauptmann der Teamster von Minneapolis gewesen war. Trotzki legte gegen diese Entscheidung ein Veto ein, da er mit zu vielen Wachen und mit einem Schutz, den er f\u00fcr \u00fcberm\u00e4chtig hielt, unzufrieden war.<\/p>\n<p>Alles stand auf dem Spiel, der Tod des alten Mannes w\u00e4re eine Katastrophe f\u00fcr die Vierte Internationale gewesen, die damals unter den Hammerschl\u00e4gen der unvermeidlichen Repression des Zweiten Weltkriegs litt.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa acht oder neun Menschen dauerhaft in dem Haus, darunter Trotzki, Natalja, ihr Enkel Wsewolod Platonowitsch Wolkow, die Rosmers und andere. Manchmal hielten sich bis zu zwanzig Personen dort auf. Normalerweise gab es etwa vier Wachen.<\/p>\n<p><strong>Ram\u00f3n Mercader<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Scheitern des Pferd-Netzwerks wurde ein zweiter Versuch gestartet. Die GPU wandte sich an Ram\u00f3n Mercader, um die wichtigste Aufgabe von allen zu erledigen. Es war klar, dass C\u00e1rdenas (mexikanischer Pr\u00e4sident 1934 \u2013 1940) in der Frage der Abschiebung Trotzkis nicht umkippen w\u00fcrde, und die Kommunistische Partei war in den Skandal um den Angriff im Mai verwickelt worden, nachdem Siqueiros stolz ihre Beteiligung daran zugegeben hatte. Die GPU wandte sich an Mercader, um die Sache zu Ende zu bringen.<\/p>\n<p>Mercader verbrachte viel Zeit damit, sich Trotzki zu n\u00e4hern. Er war mit Sylvia Ageloff in die USA gereist, mit einem gef\u00e4lschten kanadischen Pass unter dem Namen Franc Jacson. Sie heirateten und hatten vor ihrer Reise nach Mexiko gemeinsam Zeit in New York verbracht. Er wartete auf den richtigen Augenblick, wartete monatelang, reiste oft zum Haus, um sie abzuholen, ging aber nie hinein. Er behielt seine Fassade als jemand bei, der kein Interesse an Politik hatte, obwohl er immer noch ein Anh\u00e4nger der Vierten Internationale war.<\/p>\n<p>Er nahm Kontakt zu anderen GPU-AgentInnen auf, die nach Mexiko entsandt worden waren, um mit der mexikanischen KP zusammenzuarbeiten und das Attentat zu orchestrieren. Ram\u00f3n Mercader war nicht aktiv in die Kommunistische Partei Mexikos involviert, seine Undercover-Identit\u00e4t bot ihm Zeit, ohne jeglichen Druck der Polizei zu handeln. Lynn Walsh (Socialist Party, englische und walisische Sektion des CWI\/Komitees f\u00fcr eine ArbeiterInneninternationale, KAI; vorher: Militant Tendency) schreibt 1980:<\/p>\n<p>\u201eDie Kampagne zur Vorbereitung der mexikanischen KP auf die Ermordung Trotzkis wurde von einer Reihe stalinistischer F\u00fchrerInnen durchgef\u00fchrt, die bereits Erfahrung darin hatten, die Befehle ihres Herrn in Moskau r\u00fccksichtslos auszuf\u00fchren: Siqueiros selbst, der in Spanien aktiv gewesen war, wahrscheinlich ein GPU-Agent seit 1928; Vittoria Codovila, eine argentinische Stalinistin, die in Spanien unter [Oberst] Eitingon operiert hatte, wahrscheinlich an der Folterung und Ermordung des POUM-F\u00fchrers Andr\u00e9s Nin beteiligt; Pedro Checa, ein F\u00fchrer der Kommunistischen Partei Spaniens im mexikanischen Exil (sein Name basierte auf einem Akronym des Wortes Tscheka); und Carlos Contreras (auch bekannt als Vittorio Vidali), der in der ,Sondereinheit\u2018 der GPU in Spanien aktiv gewesen war. Ihre Bem\u00fchungen wurden von dem allgegenw\u00e4rtigen Colonel Eitingon koordiniert.\u201c<\/p>\n<p>Die Operation wurde von Pawel A. Sudoplatow, einem hochrangigen Offizier der GPU mit Sitz in Moskau, geleitet und vorbereitet. Er behauptete in seiner Biografie, er habe Ram\u00f3n Mercader pers\u00f6nlich f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Attentats ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Durch Sylvia Ageloff begann Mercader die langsame und bewusste Aufgabe, sich seinem Ziel zu n\u00e4hern, indem er sich zun\u00e4chst bei Alfred und Marguerite Rosmer einschmeichelte. Durch kleine Gef\u00e4lligkeiten, z.\u00a0B. indem er die Rosmers herumfuhr oder Boteng\u00e4nge f\u00fcr sie erledigte, kam er seinem Ziel immer n\u00e4her. Ageloff war jedoch immer sehr vorsichtig, wenn es darum ging, ihm jeglichen Kontakt mit dem Haushalt zu gestatten, wie Deutscher betont:<\/p>\n<p>\u201eSylvia war vorsichtig genug, ,Jacson\u2018 [Mercader] niemals in Trotzkis Haus zu bringen \u2013 sie sagte Trotzki sogar, dass sein Besuch Trotzki unn\u00f6tig in Verlegenheit bringen k\u00f6nnte, da ihr Mann mit einem falschen Pass nach Mexiko gekommen war. Tats\u00e4chlich wurde sein Z\u00f6gern an den T\u00fcren des Hauses und sein Widerstreben hineinzukommen irgendwann von Trotzki bemerkt, der, da er ,Sylvias Mann\u2018 gegen\u00fcber nicht unh\u00f6flich erscheinen wollte, sagte, er solle ins Haus eingeladen werden.\u201c<\/p>\n<p>Mercader war ein geduldiger Mann und wartete seine Zeit am Rande des Trotzki-Kreises ab, um sp\u00e4ter Zugang zu ihm zu erhalten. Ageloff hegte sogar einige Bedenken gegen ihn. Als sie versuchte, ihn unter der Gesch\u00e4ftsadresse, die er ihr gab, zu kontaktieren, stellte sich diese als fiktiv heraus. Als sie ihn damit konfrontierte, erkl\u00e4rte er, er habe ihr eine alte Adresse gegeben und h\u00e4ndigte ihr eine neue aus. Ein Freund besuchte das Objekt eines Tages und erfuhr, dass das B\u00fcro \u201eJacson\u201c geh\u00f6re. Erleichtert, dass seine neue Geschichte wahr zu sein schien, missachtete sie ihren Verdacht.<\/p>\n<p>Mercader besuchte das Haus in Coyoac\u00e1n zehnmal, wobei er nie versuchte, sich hineinzudr\u00e4ngen oder sich zu Trotzki zu weit vorzudr\u00e4ngen. Er n\u00e4herte sich den Wachen, freundete sich mit ihnen an, und als er schlie\u00dflich von den Rosmers eingeladen wurde, trank er bei zwei Gelegenheiten mit Trotzki Tee. Hansen erinnert sich an ein bestimmtes Gespr\u00e4ch:<\/p>\n<p>\u201eIn einem Gespr\u00e4ch mit Jacson, an dem Cornell und ich teilnahmen, fragte Trotzki Jacson, was er von der ,Festung\u2018 halte. Jacson antwortete, dass alles gut arrangiert zu sein schien, aber ,beim n\u00e4chsten Angriff wird die GPU andere Methoden anwenden\u2018. ,Welche Methoden?\u2018 fragte einer von uns.\u201c<\/p>\n<p>Hansen erinnerte daran, dass Mercader bei dieser Frage nur mit den Achseln zuckte.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit machte Mercader seinen Zug. In den Monaten vor dem Angriff war er wiederholt gesch\u00e4ftlich in die USA zur\u00fcckgekehrt. Jedes Mal, wenn er wiederkam, schien er noch verzweifelter und nerv\u00f6ser zu sein, und er begann auch, verschiedene Wege auszuprobieren, um Trotzki nahezukommen. Trotzki hatte ihn nie gemocht. Er fand \u201eJacson\u201c oberfl\u00e4chlich und abrupt, war aber bereit, ihn wegen seiner Beziehung zu Sylvia zu tolerieren. Mercader begann, ein Interesse an der Politik und den Debatten der Vierten Internationale vorzut\u00e4uschen. Er er\u00f6rterte die M\u00f6glichkeit, einen Artikel zu schreiben, den er dann Trotzki bat, sich damit zu befassen. Trotzki stimmte dem zu.<\/p>\n<p>Mercader kam am 20. August mit einem maschinengeschriebenen Manuskript eines Artikels ins Haus, einer Polemik gegen die dritte Lagerposition Shachtmans. Er sah Natalja im Garten und bat um ein Glas Wasser. Sie fragte ihn, ob er ihr seinen Hut und seinen Mantel aush\u00e4ndigen wolle, aber er lehnte ab. In seiner Hand, unter dem Mantel, umklammerte er den Eispickel, den er als Mordwaffe benutzen wollte. Er verbarg auch einen Dolch und eine Pistole, als er sich in Trotzkis Arbeitszimmer begab.<\/p>\n<p>Nach dem Angriff gaben die Wachen zu, dass Vorkehrungen getroffen worden waren, um alle BesucherInnen zu durchsuchen und Trotzki nie mit einem Gast allein zu lassen, aber diese Verfahren waren nicht umgesetzt worden. In einem Interview mit Alan Woods im Jahr 2003 gab Trotzkis Enkel zu:<\/p>\n<p>\u201e \u2026 die Vorkehrungen f\u00fcr Trotzkis Verteidigung waren \u00e4u\u00dferst mangelhaft. Im Augenblick der Wahrheit wurde Leo Dawidowitsch mit einem relativ Unbekannten allein gelassen, dem die Wachen im August in einem schweren Regenmantel, in dem ein Eispickel, ein langer Dolch und eine Pistole versteckt waren, in unglaublicher Weise erlaubt hatten, das Geb\u00e4ude zu betreten. Die Wachen machten sich nicht einmal die M\u00fche, ihn zu ,filzen\u2018, bevor sie ihn in Trotzkis Arbeitszimmer lie\u00dfen. Eine solch elementare Vorsichtsma\u00dfnahme h\u00e4tte ausgereicht, um die gesamte Mission abzubrechen. Aber diejenigen, die angeblich Trotzki verteidigen sollten, trafen nicht die elementarsten Vorsichtsma\u00dfnahmen.\u201c<\/p>\n<p>Da nur die beiden im B\u00fcro waren, stand er hinter Trotzki. Als der alte Mann begann, den Artikel durchzulesen und Korrekturen vorzunehmen, zog er die Waffe heraus und stie\u00df ihre Spitze gewaltsam in Trotzkis Kopf. Trotzki stie\u00df einen lauten Schrei aus. Mercader beschrieb ihn anschlie\u00dfend der Polizei: \u201eIch nahm den ,Eispickel\u2018. Ich hob ihn hoch. Ich schloss meine Augen und schlug mit all meiner Kraft zu \u2026 Solange ich lebe, kann ich seinen Schrei nicht vergessen \u2026 \u201c<\/p>\n<p>Natalja beschreibt auch, wie sie einen \u201eschrecklichen, markersch\u00fctternden Schrei\u201c h\u00f6rte und in den Raum st\u00fcrmte. Als die Wachen den Raum betraten, sahen sie, dass Trotzki Mercader zu Boden gerungen hatte. Charlie Cornell st\u00fcrmte mit einer Pistole herein. Trotzki rief ihm zu: \u201eNein \u2026 es ist unzul\u00e4ssig zu t\u00f6ten, er muss zum Reden gezwungen werden.\u201c Hansen, Robins und Cornell hielten Mercader auf dem Boden fest, w\u00e4hrend die Polizei gerufen wurde. Natalja wiegte Trotzkis Kopf in ihrem Scho\u00df, als sie versuchten, die Blutung zu stoppen. Trotzki fl\u00fcsterte seiner Frau zu, dass er sie liebte, und sagte: \u201eJetzt ist es geschehen.\u201c<\/p>\n<p>Im Krankenhaus stand Hansen neben Trotzkis Bett. Der alte Mann rief ihn herbei und fl\u00fcsterte seinem amerikanischen Genossen einige seiner letzten Worte ins Ohr. Die Worte waren langsam, schwankend und schwierig, er sprach sie auf Englisch, weil Hansen kein Russisch sprach. \u201eIch bin dem Tod nahe durch den Schlag eines politischen Attent\u00e4ters \u2026 der mich in meinem Zimmer niedergestreckt hat. Ich k\u00e4mpfte mit ihm \u2026 wir gingen hinein, sprachen \u00fcber franz\u00f6sische Statistiken \u2026 er schlug mich \u2026 Bitte sage unseren FreundInnen \u2026 ich bin mir des Sieges der Vierten Internationale sicher. Geht vorw\u00e4rts!\u201c Natalja fragte Hansen, was ihr Mann gesagt hatte. Da er sie nicht mit etwas beunruhigen wollte, von dem er wusste, dass es wahrscheinlich Trotzkis letzte Worte sein w\u00fcrden, antwortete er: \u201eEr wollte, dass ich eine Notiz \u00fcber die franz\u00f6sischen Statistiken mache\u201c, und verlie\u00df den Raum.<\/p>\n<p>Die \u00c4rztInnen arbeiteten hart, aber seine Wunde war zu tief und seine Jahre waren zu weit fortgeschritten. Trotzki starb am 21. August. Sein K\u00f6rper wurde zwischen dem 22. und 27. August durch etwas geehrt, das einer \u201e\u00f6ffentlichen Aufbahrung\u201c nahekam. Etwa 300.000 Menschen kamen, um ihn zu sehen. Am 27. August wurde sein Leichnam einge\u00e4schert. Er wollte seinen Leichnam vernichtet sehen, wie Hansen es beschreibt, so dass nur seine revolution\u00e4ren Ideen \u00fcbrigblieben. Schon der Gedanke an eine Mumifizierung, wie Stalin den Leichnam Lenins pr\u00e4parieren lie\u00df, h\u00e4tte den bekennenden Materialisten angewidert. Seine Asche wurde auf dem Gel\u00e4nde des Hauses in Coyoac\u00e1n beigesetzt, dem Ort, der fast ein Gef\u00e4ngnis gewesen war, aber auch sein endliches Zuhause in den letzten Jahren seines Lebens.<\/p>\n<p>Damit hatten die StalinistInnen den Mann niedergeschlagen, der sein ganzes Erwachsenenleben der Revolution gewidmet hatte. Den jungen Revolution\u00e4r, der Lenin am fr\u00fchen Morgen aufgeweckt hatte, als er zum ersten Mal nach London kam, der w\u00e4hrend der Revolution von 1905 im Alter von 25 Jahren zum Vorsitzenden des ersten Petrograder Sowjets gemacht worden war. Er hatte f\u00fcr die Revolution drei Perioden Gef\u00e4ngnis und Exil erleiden m\u00fcssen. Er war der popul\u00e4rste Redner der Bolschewiki unter dem Proletariat bei gro\u00dfen Versammlungen im Cirque Moderne in Petrograd 1917. Er leitete auch das Milit\u00e4rische Revolutionskomitee, das den Sturz der Provisorischen Regierung organisierte und die Losung Lenins verwirklichte: \u201eAlle Macht den Sowjets!\u201c<\/p>\n<p>Trotzki hatte die Bildung der Roten Armee beaufsichtigt und ihre Verteidigung der Revolution gelenkt, als sie die vereinten Kr\u00e4fte der ImperialistInnen und der Wei\u00dfen Armeen besiegte. W\u00e4hrend der Revolution und zum Zeitpunkt des B\u00fcrgerInnenkriegs waren Lenin und Trotzki sich so nahe, dass w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teils eines Jahrzehnts, wenn FeindInnen und FreundInnen von der Oktoberrevolution und dem jungen Sowjetstaat sprachen, sie sich immer auf Lenin und Trotzki bezogen. Dennoch war Trotzki das prominenteste Opfer der b\u00fcrokratischen Degeneration der Russischen Revolution und erkl\u00e4rte eine unnachgiebige Opposition gegen Stalin, den er als den \u201eTotengr\u00e4ber der Revolution\u201c bezeichnete und sp\u00e4ter als Kain, den M\u00f6rder seines Bruders, beschrieb.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Opposition bezahlte er mit seinem Leben, aber auch seine Kinder und viele seiner FreundInnen und GenossInnen. Zu seiner von \u201eKain Stalin\u201c get\u00f6teten Familie geh\u00f6rte auch seine erste Frau Alexandra Sokolowskaja, die ihn 1897 f\u00fcr den Marxismus gewonnen hatte und 1938 erschossen wurde. Dann gab es seinen unpolitischen Sohn Sergei, der 1937 erschossen wurde, und Trotzkis engsten politischen Mitarbeiter, seinen anderen Sohn, Leo Sedow, der im Februar 1938 mit ziemlicher Sicherheit vom NKWD in einer Pariser Klinik ermordet wurde. Zu seinen jungen politischen KollaborateurInnen in den 1930er Jahren geh\u00f6rten Erwin Wolf, der 1937 auf einer Mission in Spanien ermordet wurde, und Rudolf Klement, der Sekret\u00e4r der Vierten Internationale, der im Juli 1938 in Paris ermordet wurde, als er die Gr\u00fcndungskonferenz der Vierten Internationale vorbereitete.<\/p>\n<p>Die SWP organisierte am 28. August ein Treffen in New York. Cannon hielt eine Rede, die von dem tiefen Gef\u00fchl um den Verlust ihres politischen F\u00fchrers und Leiters gepr\u00e4gt war und in der er die festeste \u00dcberzeugung der F\u00fchrerInnen der Vierten Internationale von der Richtigkeit und Gerechtigkeit ihrer Sache darlegte. Cannon erkl\u00e4rte, wie wichtig die Ideen waren, f\u00fcr die Trotzki k\u00e4mpfte:<\/p>\n<p>\u201eEr erkl\u00e4rte sie uns viele, viele Male. Einmal schrieb er: ,Nicht die Partei macht das Programm, sondern das Programm macht die Partei\u2018. In einem pers\u00f6nlichen Brief an mich schrieb er einmal: ,Wir arbeiten mit den korrektesten und m\u00e4chtigsten Ideen der Welt, mit unzureichenden zahlenm\u00e4\u00dfigen Kr\u00e4ften und materiellen Mitteln. Aber richtige Ideen erobern auf lange Sicht immer die notwendigen materiellen Mittel und Kr\u00e4fte und stellen sie sich selbst zur Verf\u00fcgung\u2018.\u201c<\/p>\n<p>Cannon fuhr fort und verwies auf die Kontinuit\u00e4t des revolution\u00e4ren Denkens von Marx, \u00fcber Lenin bis hin zu Trotzki und zur gegenw\u00e4rtigen Vierten Internationale:<\/p>\n<p>\u201eWollen Sie eine konkrete Veranschaulichung der Macht der marxistischen Ideen? Denken Sie nur daran: Als Marx 1883 starb, war Trotzki erst vier Jahre alt. Lenin war erst vierzehn Jahre alt. Keiner von beiden konnte Marx oder irgendetwas \u00fcber ihn wissen. Dennoch wurden beide durch Marx zu gro\u00dfen historischen Pers\u00f6nlichkeiten, weil Marx Ideen in der Welt verbreitet hatte, bevor sie geboren wurden. Diese Ideen lebten ihr eigenes Leben. Sie pr\u00e4gten das Leben von Lenin und Trotzki.\u201c<\/p>\n<p>Mit Absicht sprach Cannon \u00fcber seinen Glauben an die Zukunft, \u00fcber die Hoffnung, die er und die anderen Revolution\u00e4rInnen in die j\u00fcngeren Generationen setzten:<\/p>\n<p>\u201eEbenso werden die Ideen Trotzkis, die eine Weiterentwicklung der Ideen von Marx sind, uns, seine J\u00fcngerInnen, die ihn heute \u00fcberleben, beeinflussen. Sie werden das Leben weitaus gr\u00f6\u00dferer J\u00fcngerInnen pr\u00e4gen, die noch kommen werden, die Trotzkis Namen noch nicht kennen. Einige, die dazu bestimmt sind, die gr\u00f6\u00dften TrotzkistInnen zu werden, spielen heute auf den Schulh\u00f6fen. Sie werden von Trotzkis Ideen gen\u00e4hrt werden, wie er und Lenin von den Ideen von Marx und Engels gen\u00e4hrt wurden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Schicksal von Mercader<\/strong><\/p>\n<p>Mercader wurde f\u00fcr zwanzig Jahre ins Gef\u00e4ngnis gesteckt. Die mexikanischen Beh\u00f6rden waren ungl\u00fccklich \u00fcber russische Attent\u00e4terInnen, die in ihrem Land operierten, und wollten an ihm ein Exempel statuieren. Seine Mutter, selbst eine Schl\u00fcsselagentin der GPU in Spanien, die mit der Geheimpolizeieinheit in Verbindung stand, die auf die \u201eLiquidierung von TrotzkistInnen\u201c spezialisiert war, erhielt eine Medaille, ebenso wie Mercader, als er schlie\u00dflich nach Osteuropa zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Eitingon und andere planten den Versuch, Mercader 1944 aus dem Gef\u00e4ngnis auszubrechen, wie aus den Akten der Nationalen Sicherheitsbeh\u00f6rde hervorgeht. Dieser Versuch hatte offensichtlich keinen Erfolg. Als er schlie\u00dflich 1960 freigelassen wurde, flog er nach Havanna, wo er von Castros neuer Regierung willkommen gehei\u00dfen wurde. Danach flog er in die UdSSR und wurde mit einer Medaille ausgezeichnet, dem \u201eHelden der Sowjetunion\u201c. Den Rest seines Lebens lebte er zwischen Osteuropa und Kuba. Celia Hart, eine Marxistin, die sich nach den 1960er Jahren sowohl mit der Kubanischen Revolution als auch mit dem Trotzkismus identifizierte, war besonders entsetzt \u00fcber die Verbindung von Mercader mit ihrer revolution\u00e4ren Heimat. \u201eIch kann nachts immer noch nicht schlafen, wenn ich daran denke, dass Mercader nach dem Triumph der Kubanischen Revolution in mein Land kam\u201c.<\/p>\n<p>Die StalinistInnen hatten eine Spur des Todes hinterlassen, um zu Trotzki zu gelangen, um zu versuchen, seine Ideen und seine kleine Organisation zu zerschlagen: zwei seiner Kinder, seine Ex-Frau, sieben seiner Sekret\u00e4rInnen und schlie\u00dflich den alten Mann selbst. Dabei wurden die Zehntausenden von linken Oppositionellen, die in Russland ihr Leben verloren, nicht einmal mitgez\u00e4hlt. Nicht mitgez\u00e4hlt sind auch die vielen hundert TrotzkistInnen, die im kommenden Zweiten Weltkrieg ihr Leben verlieren w\u00fcrden, get\u00f6tet entweder von den FaschistInnen oder den StalinistInnen.<\/p>\n<p>Es ging darum, dass die Bewegung um Trotzki keine Sekte oder eine einfache Gruppe von \u201eAnh\u00e4ngerInnen\u201c war, die in ihn verliebt waren, als sei er eine Ber\u00fchmtheit. Sie waren kritisch denkende MarxistInnen, die in Trotzkis Kampf gegen Stalin die Fortsetzung einer marxistischen Politik angesichts einer ungez\u00fcgelten politischen Reaktion sahen. Der Verlust Trotzkis war ein schwerer Schlag, ja der schwerste, den man sich vorstellen kann, da er der letzte \u00dcberlebende der gro\u00dfen Generation klassischer MarxistInnen und Revolution\u00e4rInnen war. Aber es war nicht der t\u00f6dliche Schlag, den sich Stalin erhofft hatte, es war nicht der Gnadensto\u00df f\u00fcr die Vierte Internationale, so winzig und verfolgt sie auch war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die StalinistInnen jahrzehntelang an der Spitze von Massenparteien und sogar siegreichen b\u00fcrokratischen Revolutionen in China, Vietnam und Kuba aufbl\u00fchten, stellten sie die TrotzkistInnen als eine pathetische Irrelevanz dar. Auch AkademikerInnen und westliche KommentatorInnen schlossen sich diesem Urteil an. Wenn Trotzki und die TrotzkistInnen jedoch wirklich keine Gefahr f\u00fcr Stalin gewesen waren, warum hatte er dann seit 1936 alles getan, was er konnte, um zu versuchen, sie durch die politischen Prozesse zu diffamieren, und um dann 1937 zu einer Politik der physischen Liquidierung \u00fcberzugehen? War es einfach die Paranoia eines geistesgest\u00f6rten Tyrannen? Wenn ja, warum setzten Stalins NachfolgerInnen diese Diffamierung des Trotzkismus f\u00fcnfzig Jahre lang fort? Warum verlieh Leonid Breschnew 1961 Ram\u00f3n Mercader bei einer Zeremonie im Kreml den Goldenen Stern des Lenin-Ordens f\u00fcr die Ausf\u00fchrung einer \u201ebesonderen Aufgabe\u201c, der Ermordung Trotzkis?<\/p>\n<p>Es war ganz einfach, weil Trotzki den revolution\u00e4ren Geist und das befreiende Programm der bolschewistischen Partei, der Oktoberrevolution, der ersten Jahre des Sowjetstaates und der Kommunistischen Internationale repr\u00e4sentierte. Er repr\u00e4sentierte Zehntausende von linken Oppositionellen, die gegen die b\u00fcrokratische Konterrevolution Stalins k\u00e4mpften und bei dem Versuch umkamen. Nicht zuletzt hatte er das Erbe Lenins in den K\u00e4mpfen gegen den Faschismus w\u00e4hrend der 1930er Jahre weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Verk\u00f6rpert in der 1938 erfolgten Gr\u00fcndung der Vierten Internationale und ihrem Programm \u201eDer Todeskampf des Kapitalismus\u201c bleibt diese Tradition trotz der politischen Verzerrungen und Verbrechen, die viele so genannte TrotzkistInnen gegen sie begangen haben, ein wertvolles Verm\u00e4chtnis f\u00fcr all jene, die in den kapitalistischen Krisen, Kriegen und Revolutionen des 21. Jahrhundert revolution\u00e4re Parteien und eine revolution\u00e4re Internationale wieder aufbauen wollen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2020\/08\/21\/die-ermordung-von-leo-trotzki\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. August 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Hardy und Dave Stockton. 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