{"id":8617,"date":"2020-10-16T08:16:21","date_gmt":"2020-10-16T06:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8617"},"modified":"2020-10-16T08:17:02","modified_gmt":"2020-10-16T06:17:02","slug":"franzoesisches-und-spanisches-krankenhauspersonal-protestiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8617","title":{"rendered":"Franz\u00f6sisches und spanisches Krankenhauspersonal protestiert"},"content":{"rendered":"<p><em>Will Morrow. <\/em>Unter den Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesens in ganz Europa w\u00e4chst die Wut. In Spanien und Frankreich haben Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte diese Woche f\u00fcr dringend ben\u00f6tigte Mittel f\u00fcr den Kampf gegen die Corona-Pandemie und gegen<!--more--> die Politik der \u201eHerdenimmunit\u00e4t\u201c demonstriert, welche die Grundlage der Reaktion der europ\u00e4ischen Staaten auf das Virus bildet.<\/p>\n<p>Im Hintergrund der Proteste entwickelt sich Europa erneut zu einem globalen Hotspot der Pandemie. Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Spanien verzeichnen europaweit die meisten F\u00e4lle.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"653\" height=\"490\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/sant.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8618\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/sant.jpg 653w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/sant-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><figcaption>Demo des Gesundheitspersonals in Paris vom 15. Oktober 2020. Quelle:<br \/><a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Du-fric-pour-la-sante-pas-pour-reprimer-Les-soignants-dans-la-rue-pour-des-moyens-dans-les-hopitaux\">revolutionpermanente.fr&#8230;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Am Donnerstag demonstrierten franz\u00f6sische Pflegekr\u00e4fte vor Krankenh\u00e4usern und in Innenst\u00e4dten. Die gr\u00f6\u00dften Demonstration fand in Paris statt; die Teilnehmer forderten Lohnerh\u00f6hungen, mehr Krankenbetten und mehr Personal.<\/p>\n<p>In den Medien und den sozialen Netzwerken haben Pflegekr\u00e4fte die Bedingungen in Krankenh\u00e4usern scharf kritisiert. Es herrscht u.a. ein Mangel an Schutzausr\u00fcstung, w\u00e4hrend das Personal europaweit wieder mit \u00fcberlasteten Notaufnahmen konfrontiert ist. Sophie, eine Pflegerin aus Val-de-Marne, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber&nbsp;<em>Le Parisien<\/em>: \u201eDaf\u00fcr habe ich mich nicht beworben. Wir d\u00fcrfen den Druck und die unbezahlten \u00dcberstunden nicht mehr hinnehmen.\u201c<\/p>\n<p>Christina (46) erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der Zeitung: \u201eWir nennen uns untereinander \u201adie Unsichtbaren\u2018. Die Epidemie hat das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht. &#8230; Man hat uns applaudiert, aber dann nichts unternommen.\u201c<\/p>\n<p>Der 33-j\u00e4hrige Pfleger Arthur schrieb auf Twitter: \u201eUnser Gesundheitssystem bricht zusammen. Wir brauchen jetzt echte Taten.\u201c<\/p>\n<p>In einer Umfrage der Organisation Order of Nurses unter 60.000 Pflegekr\u00e4ften, deren Ergebnisse am 10. Oktober von&nbsp;<em>Le Parisien<\/em>&nbsp;ver\u00f6ffentlicht wurden, erkl\u00e4rten 33 Prozent der Pflegekr\u00e4fte, sie h\u00e4tten bereits vor der Krise einen Burnout gehabt. Mittlerweile ist diese Zahl auf 57 Prozent angestiegen.<\/p>\n<p>Zu dem Aktionstag hatte eine Gruppe von Gewerkschaften aufgerufen, darunter die Conf\u00e9d\u00e9ration g\u00e9n\u00e9rale du travail (CGT), Sud und die Conf\u00e9d\u00e9ration g\u00e9n\u00e9rale du Management, sowie die Organisation Inter-Urgences, die Besch\u00e4ftigte der Notaufnahmen vertritt.<\/p>\n<p>Die CGT und die anderen gro\u00dfen Gewerkschaften spielen eine besonders zynische Rolle. Erst vor vier Monaten, am 10. Juli, hatten sie eine Einigung mit der Macron-Regierung \u00fcber einen Gesundheitsetat ausgehandelt, durch den sich die Bedingungen in den Krankenh\u00e4usern verschlechtert haben. Das gleiche Gesetz wird jetzt von Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen allgemein verurteilt. Es sieht eine unzureichende Lohnerh\u00f6hung von 180 Euro pro Monat f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte vor, allerdings keine Verpflichtung zur Wiederherstellung von Bettenkapazit\u00e4ten, von denen in den letzten sechs Jahren mehr als 17.000 abgebaut wurden. Zudem wurde die Garantie der 35-Stunden-Woche f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte aufgeweicht.<\/p>\n<p>Die CGT hat das Abkommen nicht unterzeichnet, weil es bereits mit den Unterschriften der Gewerkschaftsverb\u00e4nde CFDT, UNSA und FO durchgesetzt werden konnte. Allerdings versuchte sie, jede Mobilisierung der Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen gegen den Deal zu verhindern und erkl\u00e4rte in einer Mitteilung: \u201eSelbst wenn die Regierung uns entt\u00e4uscht, m\u00fcssen wir dennoch zugeben, dass wir diese Lohnerh\u00f6hung dank der Mobilisierung des Personals in den letzten Jahren und dank der Gewerkschaften durchsetzen konnten.\u201c<\/p>\n<p>In Spanien wurden in den letzten Wochen Proteste von \u00c4rzten und anderen Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesens organisiert. Am Dienstag streikten in Katalonien Hunderte von \u00c4rzten f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>Dr. Natalia Ross, die am Dienstag an einer Protestveranstaltung in Barcelona teilnahm, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber&nbsp;<em>Swiss Info<\/em>: \u201eWir bitten um Hilfe, weil wir den Leuten nicht die Mittel geben k\u00f6nnen, die sie brauchen, um w\u00e4hrend dieser Pandemie behandelt zu werden.\u201c Berichten zufolge nahmen 5.900 \u00c4rzte aus ganz Katalonien an der Veranstaltung teil.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Gesundheitswesen die Wut zunimmt, breitet sich das Virus in Frankreich, Spanien und ganz Europa rapide aus. Das Krankenhauspersonal ist wieder mit der Aussicht auf \u00fcberf\u00fcllte Notaufnahmen konfrontiert. Diese Ausbreitung ist das vorhersehbare \u2013 und auch vorhergesehene \u2013 Ergebnis der Politik der europ\u00e4ischen Regierungen, die ihre Wirtschaft wieder in Betrieb genommen und Millionen zur R\u00fcckkehr an die Arbeitspl\u00e4tze und in die Schulen gezwungen haben, um den Fluss der Profite an die privaten Konzerne wieder in Gang zu bringen. Durch diese Politik konnte sich das Virus wieder ausbreiten.<\/p>\n<p>Am Montag meldete Aur\u00e9lien Rousseau von der regionalen Gesundheitsbeh\u00f6rde der Ile-de-France um Paris, dass siebzehn Prozent der Test dort positiv seien, was der bisher h\u00f6chste Stand war. 474 Menschen liegen wegen Covid-19 in Reanimationsbetten im Krankenhaus, was 42 Prozent der Gesamtzahl dieser Betten entspricht.<\/p>\n<p>Rousseau erkl\u00e4rte, allein am Montag habe es in Paris \u201eunter 20- bis 30-j\u00e4hrigen etwa 800 positive F\u00e4lle pro 100.000 Einwohner gegeben. Vor allem haben sich diese Zahlen in den letzten drei Tagen unter \u00c4lteren rapide erh\u00f6ht.\u201c<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte: \u201eWir wissen, was in den n\u00e4chsten f\u00fcnfzehn Tagen passieren wird, vor allem dass wir mehr schwere F\u00e4lle haben werden.\u201c Er wies darauf hin, dass sich alle Krankenh\u00e4user im \u201eKrisenmodus\u201c befinden.<\/p>\n<p>In Frankreich ist die Zahl der Corona-F\u00e4lle vom 15. September bis zum 13. Oktober um 362.000 angestiegen. In Europa liegt Frankreich an erster Stelle, gefolgt von Spanien und Gro\u00dfbritannien mit 295.000 bzw. 249.000 neuen F\u00e4llen im gleichen Zeitraum. Bei der Zahl der F\u00e4lle auf 100.000 Einwohner liegt Tschechien mit 800 an erster Stelle, gefolgt von Spanien, Belgien, den Niederlanden und Frankreich.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/10\/16\/fren-o16.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. Oktober 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will Morrow. Unter den Besch\u00e4ftigten des Gesundheitswesens in ganz Europa w\u00e4chst die Wut. 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