{"id":8663,"date":"2020-10-22T08:58:59","date_gmt":"2020-10-22T06:58:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8663"},"modified":"2020-10-22T08:59:01","modified_gmt":"2020-10-22T06:59:01","slug":"die-hoelle-von-almeria-jeglicher-reformismus-ist-zum-scheitern-verurteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8663","title":{"rendered":"Die H\u00f6lle von Almer\u00eda: \u00abJeglicher Reformismus ist zum Scheitern\u00a0verurteilt\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Region rund um die andalusische Stadt Almer\u00eda ist als \u201ePlastikmeer\u201c bekannt. Zehntausende migrantische Arbeiter*innen aus Afrika, Lateinamerika und Osteuropa schuften dort unter widrigsten Bedingungen in zahllosen Plastikgew\u00e4chsh\u00e4usern, <!--more-->um den europ\u00e4ischen Markt ganzj\u00e4hrig mit Gem\u00fcse zu beliefern. Seit 20 Jahren k\u00e4mpft die traditionsreiche andalusische Basisgewerkschaft\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/socsatalmeria.org\/\">SAT<\/a><em>\u00a0an der Seite der Besch\u00e4ftigten f\u00fcr ein Ende der Ausbeutung in der Region. Jos\u00e9 Garc\u00eda Cuevas ist seit den 1990er-Jahren in der SAT aktiv und arbeitet als deren Funktion\u00e4r im Gewerkschaftsb\u00fcro in Almer\u00eda. Alexander Gorski hat mit ihm \u00fcber den allt\u00e4glichen Ausnahmezustand in Almer\u00eda, gewerkschaftliche K\u00e4mpfe in Zeiten von SARS-CoV-2 und die Perspektiven der revolution\u00e4ren Linken in Andalusien und Spanien gesprochen.<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"840\" height=\"420\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/alm.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8664\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/alm.jpg 840w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/alm-300x150.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/alm-768x384.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Alex [revolt]: Gerade wird angesichts der Corona-Pandemie allerorten der Ausnahmezustand ausgerufen. Es ist wohl keine \u00dcbertreibung zu sagen, dass in der Landwirtschaft um Almer\u00eda der Ausnahmezustand die Regel ist. K\u00f6nntest du unseren Leser*innen die Bedingungen schildern, unter denen zehntausende migrantische Arbeiter*innen in den Gew\u00e4chsh\u00e4usern arbeiten und mit welchen Problemen sie sich konfrontiert sehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jos\u00e9 Garc\u00eda Cuevas:\u00a0<\/strong>Die Ausbeutung ist im \u00fcberwiegenden Teil der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region Almer\u00eda bittere Realit\u00e4t. Mehr als 92% der Arbeiter*innen hier sind Migrant*innen und ihre Rechte werden tagt\u00e4glich verletzt. Die L\u00f6hne liegen weit unter dem, was der Staat als Mindestlohn festgeschrieben hat. Existierende Tarifvertr\u00e4ge werden nicht eingehalten. Doch nicht nur die Arbeitsrechte werden missachtet. Auch das Recht auf w\u00fcrdigen Wohnraum und eine angemessene Gesundheitsversorgung wird mit F\u00fc\u00dfen getreten. Viele der Arbeiter*innen haben keine Papiere und leben unter \u00e4u\u00dferst prek\u00e4ren Umst\u00e4nden in slum\u00e4hnlichen Siedlungen, sogenannten c<em>habolas<\/em>. Wir gehen von etwa 7000 Menschen aus, die in solchen Verh\u00e4ltnissen leben. Sie verlassen diese Elendssiedlungen nur, um arbeiten und alle paar Tage im n\u00e4chsten Ort einkaufen zu gehen. Andere Arbeiter*innen leben zwischen den Gew\u00e4chsh\u00e4usern, ohne Zugang zu sanit\u00e4ren Einrichtungen. Diese Arbeiter*innen leben im wahrsten Sinne am Rande der Gesellschaft. Ihre einzige Funktion ist es, unter elenden Bedingungen Gem\u00fcse f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt zu produzieren. Doch auch die Arbeiter*innen, die in den D\u00f6rfern der Region wohnen, haben h\u00e4ufig nur eingeschr\u00e4nkten Zugang zur Gesundheitsversorgung und teilen sich mit vielen anderen Personen kleine Zimmer.<\/p>\n<p><strong>Als Gewerkschaft versucht ihr unter diesen Bedingungen die Arbeiter*innen zu organisieren. Was bedeutet das f\u00fcr euch im Alltag?<\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde versuchen wir an den Orten pr\u00e4sent zu sein, an denen die schamloseste Ausbeutung in der Region stattfindet. Meistens passiert dies, indem sich Arbeiter*innen aus Betrieben an uns wenden und uns ihre miserablen Arbeitsbedingungen schildern. Dann versuchen wir diesen Arbeiter*innen eine Stimme zu geben. Das hei\u00dft f\u00fcr uns viel mehr, als juristisch gegen die Missst\u00e4nde vorzugehen. Unser Ziel ist es stets, die Arbeiter*innen dazu zu bringen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, denn es ist klar, dass die L\u00f6sung von individuellen Problemen nichts an der strukturellen Situation \u00e4ndern kann. Daher versuchen wir die Arbeiter*innen dazu zu motivieren sich selbst zu organisieren und ihr politisches Bewusstsein zu sch\u00e4rfen. Im Alltag hei\u00dft das nat\u00fcrlich, dass wir oft mit den dringenden F\u00e4llen besch\u00e4ftigt sind und alle Instrumente gewerkschaftlicher Arbeit nutzen, um konkrete F\u00e4lle extremen Missbrauchs anzuzeigen und die Situation der Arbeiter*innen materiell zu verbessern. Und dennoch bleibt es unser Anspruch, bei den Arbeiter*innen ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, dass die Gewerkschaft ihr eigenes Kampfinstrument ist, dessen sie sich bei Problemen immer bedienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Die SAT blickt als k\u00e4mpferische Basisgewerkschaft auf eine jahrzehntelange Geschichte in Andalusien zur\u00fcck. Seit mittlerweile 20 Jahren seid ihr auch in der Landwirtschaft Almer\u00edas vertreten. Wie f\u00e4llt dein Fazit dieser Zeit aus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir begannen in Almer\u00eda gewerkschaftlich zu arbeiten, nachdem es im Februar 2000 zu pogromartigen \u00dcbergriffen von Teilen der andalusischen Bev\u00f6lkerung auf migrantische Arbeiter*innen gekommen war. Damals hatten die meisten Arbeiter*innen keine Papiere und lebten unter elenden Umst\u00e4nden au\u00dferhalb der D\u00f6rfer und St\u00e4dte. Deshalb war der erste gro\u00dfe Kampf unserer Gewerkschaft in der Region der Kampf um Papiere f\u00fcr alle. Damit wollten wir erreichen, dass die Arbeiter*innen in regul\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen arbeiten und ihre sozialen Rechte in Anspruch nehmen k\u00f6nnen. Deshalb ging es bei der Arbeit der SAT in Almer\u00eda nie nur um den Kampf um w\u00fcrdige Arbeitsbedingungen. Wir hatten von Anfang an auch die politischen und sozialen Rechte der Leute im Blick. Das macht uns aus: wir sind eine politisch-soziale Gewerkschaft.<\/p>\n<p><strong>Was waren in dieser Zeit die gr\u00f6\u00dften Erfolge der Gewerkschaft in Almer\u00eda?<\/strong><\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Erfolg war wahrscheinlich die Legalisierung tausender Menschen in der Region. Das war das Ergebnis eines langen und erbitterten Kampfes. In letzter Zeit gab es eine Reihe kleinerer Erfolgserlebnisse, als wir gemeinsam mit k\u00e4mpferischen Belegschaften die Arbeitsbedingungen in einigen Betrieben entscheidend verbessern und Betriebsr\u00e4te installieren konnten. Nat\u00fcrlich besteht die Situation der brutalen Ausbeutung weiter fort, aber wir sind \u00fcberzeugt, dass es Fortschritte gibt, solange wir nicht aufh\u00f6ren zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Seit einigen Woche ist SARS-CoV-2 das Thema, das alles dominiert. Wie hat sich die Pandemie auf die Landwirtschaft in Almer\u00eda ausgewirkt?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen die Arbeiter*innen hier weiterarbeiten als w\u00e4re nichts gewesen. Gleichzeitig sind die M\u00f6glichkeiten gewerkschaftlicher Aktionen durch das Coronavirus begrenzt. Wir k\u00f6nnen zum Beispiel zurzeit keine gr\u00f6\u00dferen Demonstrationen oder Kundgebungen vor den Betrieben durchf\u00fchren. Hinzu kommt, dass die staatliche Arbeitsinspektion gerade deutlich weniger unterwegs ist als sonst. Und auch die Arbeiter*innen k\u00f6nnen nicht mehr so leicht mit ihren Problemen zur Gewerkschaft kommen, da auch sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt sind.<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Problemen sind die Arbeiter*innen jetzt konfrontiert?<\/strong><\/p>\n<p>Sie werden gezwungen weiterzuarbeiten, obwohl sie die berechtigte Angst haben sich mit dem Coronavirus anzustecken. Die Ansteckungsgefahr besteht ja nicht nur in den Gew\u00e4chsh\u00e4usern, in denen oft viele dutzend Arbeiter*innen nebeneinander arbeiten. Auch auf dem Weg zur Arbeit und in den beengten Wohnverh\u00e4ltnissen besteht die st\u00e4ndige Gefahr sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Dazu kommt, dass bereits unter normalen Umst\u00e4nden Schutzkleidung bei der Arbeit mit den giftigen Pestiziden und ausreichende Sanit\u00e4ranlagen in den Betrieben fehlen. Trotz der Corona-Krise sorgen weder der Staat noch die Unternehmen daf\u00fcr, dass die Arbeiter*innen am Arbeitslatz wirksam vor Ansteckung gesch\u00fctzt werden. Wenn die Arbeiter*innen zur Aufrechterhaltung der Versorgung Europas mit Gem\u00fcse schon weiterarbeiten m\u00fcssen, dann sollten sie wenigstens Schutzmasken und Handschuhe bekommen. Wir h\u00f6ren aber immer wieder Beschwerden von Arbeiter*innen, dass genau dies nicht passiert. \u00dcbrigens auch nicht in den Bio-Betrieben mit all ihren sozialen und \u00f6kologischen Siegeln. Das kann unter den aktuellen Umst\u00e4nden nat\u00fcrlich gravierende Folgen haben. Au\u00dferdem nutzen die Arbeitgeber*innen die Situation aus und entlassen Arbeiter*innen unter fadenscheinigen Gr\u00fcnden, weil ihnen klar ist, dass es unter den derzeitigen Bedingungen schwieriger ist, sich gegen solche Ma\u00dfnahmen zur Wehr zu setzen.<\/p>\n<p><strong>Und wie wirkt sich das Coronavirus auf die Aktivit\u00e4ten der Gewerkschaft aus?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind auch wir als SAT durch das Coronavirus in unserer Handlungsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt. Aber wir versuchen weiter vor Ort zu sein und an den Betriebstoren mit den Arbeiter*innen in Kontakt zu treten. Aber die wirklich wirksamen Mittel, wie etwa Versammlungen und Kundgebungen direkt vor den Betrieben, sind aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht m\u00f6glich. Das d\u00e4mpft die Effektivit\u00e4t unserer gewerkschaftlichen Arbeit nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Forderungen der Gewerkschaft SAT angesichts der Corona-Krise?<\/strong><\/p>\n<p>Wir fordern einen Risikozuschlag f\u00fcr alle Landarbeiter*innen, die trotz der Ansteckungsgefahr in den Gew\u00e4chsh\u00e4usern arbeiten m\u00fcssen, und ein sofortiges Verbot aller Entlassungen. Au\u00dferdem m\u00fcssen alle Arbeitsvertr\u00e4ge, die w\u00e4hrend der Corona-Krise auslaufen, automatisch verl\u00e4ngert werden. Und die Arbeiter*innen m\u00fcssen alle mit der n\u00f6tigen Schutzkleidung ausger\u00fcstet werden. F\u00fcr uns als Gewerkschaft ist es nat\u00fcrlich interessant zu sehen, dass es jetzt gerade die Arbeiter*innen sind, auf die unter normalen Umst\u00e4nden herabgeschaut und deren Ausbeutung einfach hingenommen wird, die jetzt daf\u00fcr sorgen, dass Europa weiter mit Gem\u00fcse versorgt wird. Das zeigt auch, dass es so nicht weitergehen darf.<\/p>\n<p><strong>Die SAT ist ja nicht nur im Landwirtschaftssektor in Almer\u00eda aktiv. In anderen Teilen Andalusiens ist sie im Gesundheitsbereich und im Tourismus verankert. Wie sieht dort die Situation der Besch\u00e4ftigten aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe eben mit einem Genossen aus Granada gesprochen, der im Tourismusbereich aktiv ist. Er hat mir erz\u00e4hlt, dass die Gewerkschaft sich vor Anzeigen und Beschwerden kaum retten kann. Seit Monaten gibt es in einigen Teilen Andalusiens harte Arbeitsk\u00e4mpfe in Restaurants und Hotels. In diesen Auseinandersetzungen war die SAT \u00e4u\u00dferst pr\u00e4sent und hat sich dadurch bei den Besch\u00e4ftigten eine hohe Legitimit\u00e4t erarbeitet, vor allem weil es dort vorher wenige Versuche gewerkschaftlicher Organisierung gab. Da der Sektor von der Corona-Krise sehr stark betroffen ist, kommt es jetzt zu vielen Konflikten. Aber auch bei Essenslieferdiensten, in Krankenh\u00e4usern und in der Metallindustrie ist die SAT pr\u00e4sent und steht an der Seite der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p><strong>In Spanien gelten bis zum 25. April strenge Ausgangsbeschr\u00e4nkungen, Grund- und Freiheitsrechte werden extrem beschnitten. Wie beurteilt ihr diese Ma\u00dfnahmen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir verstehen selbstverst\u00e4ndlich, dass es gewisser Ma\u00dfnahmen bedarf, um die Gesundheit aller zu sch\u00fctzen und die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzud\u00e4mmen. Aber die Umsetzung durch die staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte erinnert dann doch sehr an einen Polizeistaat. Wir von der SAT pl\u00e4dieren f\u00fcr weniger repressive Ma\u00dfnahmen und f\u00fcr mehr populare Bildung, um die F\u00e4higkeiten der Menschen zur Selbstorganisation zu st\u00e4rken. Das kapitalistische System ist es, dass die Menschen im Stich l\u00e4sst und das so viele Leute am Coronavirus sterben l\u00e4sst. Milit\u00e4r und Polizei in den Stra\u00dfen helfen dagegen wenig. Viel eher sollten wir uns als Gesellschaft daran machen, dass Gesundheitssystem umfassend zu ver\u00e4ndern und die eklatanten M\u00e4ngel in der medizinischen Grundversorgung der Mehrheit der Menschen zu beseitigen.<\/p>\n<p><strong>Interessanterweise ist in Spanien ja seit Januar diesen Jahres eine Mitte-Links-Regierung an der Macht. Unter der F\u00fchrung von Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez bildeten die Sozialdemokraten (PSOE) gemeinsam mit dem Linksb\u00fcndnis<em>\u00a0Unidas Podemos<\/em>\u00a0(UP) eine Koalition. Wie steht ihr als Gewerkschaft zu dieser Regierung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nliche setzte wenig Erwartungen in die neue Regierung. Die L\u00f6sung der Probleme der Arbeiter*innenklasse kann nur aus der Klasse selbst kommen. Und da rede ich nicht von kleinen Reformen, sondern von einem anderen Gesellschaftsmodell. Das wird nat\u00fcrlich nicht kommen, solange das Kapital die beherrschende Kraft in der Gesellschaft ist und jeder Regierung nur ein gewisser Spielraum zukommt, vor allem was Ma\u00dfnahmen \u00f6konomischer Umverteilung betrifft. Allerdings kann man mit der aktuellen Regierung angesichts der Corona-Krise etwas optimistischer sein, als wenn die Rechten an der Macht w\u00e4ren. Denn der leichte wirtschaftliche Aufschwung in letzter Zeit hat daf\u00fcr gesorgt, dass Mehrwert geschaffen wurde, den die Regierung jetzt zumindest ein wenig umverteilen kann. Aber gleichzeitig ist die gegenw\u00e4rtige Koalition aus PSOE und UP durch den bestehenden kapitalistischen Rahmen limitiert. F\u00fcr mich ist klar, dass wir als revolution\u00e4re Linke mehr wollen m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen eine andere Politik machen und d\u00fcrfen nie vergessen, dass an die Macht kommen und die Macht haben zwei unterschiedliche Dinge sind. Denn auch wenn du in der Regierung bist, aber keine soziale und nachhaltige Massenbasis bei den arbeitenden Klassen hast, bringt das am Ende wieder nichts. Denn dann k\u00f6nnen die Kapitalisten dir nach Belieben in die Parade fahren.<\/p>\n<p><strong>Trotz der neuen Regierung kann in Spanien kaum von einem Linksruck gesprochen werden. Bei den letzten Wahlen holte die extrem rechte VOX 15 Prozent der Stimmen. Die<em>\u00a0Partido Popular<\/em>\u00a0(PP), langj\u00e4hrige Regierungspartei und Verwalterin des Franco-Erbes, kam auf 20,8 Prozent der Stimmen. In Andalusien kam die VOX sogar auf mehr als 20 Prozent der Stimmen. K\u00f6nnte sich dieser Trend durch die Corona-Krise verst\u00e4rken?<\/strong><\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass die extreme Rechte in Spanien immer pr\u00e4sent war. Nach dem Ende der Franco-Diktatur sammelte sie sich in der rechts-konservativen<em>\u00a0Partido Popular<\/em>\u00a0(PP). Es gibt also eine Kontinuit\u00e4t des Faschismus in Spanien. Nun kommt eben noch VOX hinzu. Die Alternative, die sie anbieten, basiert darauf, dass sie anderen die Schuld f\u00fcr die Missst\u00e4nde in der Gesellschaft geben: den Migrant*innen, den Linken und so weiter. Das kennen wir eigentlich aus allen L\u00e4ndern Europas. Ihr Ziel ist die Destabilisierung des Systems, um selbst an die Macht zu gelangen und autorit\u00e4r regieren zu k\u00f6nnen. Klar ist, dass sie versuchen werden, die Krise f\u00fcr sich zu nutzen. Vielleicht werden sie schon bald versuchen, die ihnen verhasste Mitte-Links-Regierung abzus\u00e4gen und auf Neuwahlen zu dr\u00e4ngen. Eine andere M\u00f6glichkeit ist, dass sich die Partido Popular mit der PSOE auf eine Art gro\u00dfer Koalition verst\u00e4ndigt, um UP aus der Regierung zu dr\u00e4ngen. Egal, was passiert, wir m\u00fcssen angesichts dieser Entwicklungen \u00e4u\u00dferst wachsam bleiben.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Perspektiven der revolution\u00e4ren Linken in Andalusien und Spanien?<\/strong><\/p>\n<p>Die revolution\u00e4re Linke muss hier wie \u00fcberall ihre Theorie zur Praxis machen. Denn ohne Praxis ist alles nur leere Luft. Doch ohne theoretische Einordnung unseres Handelns kommen wir auch nicht weit. Konkret hei\u00dft das, dass wir aus dem, was wir sagen, Konsequenzen f\u00fcr unser Handeln ziehen m\u00fcssen. Als Grundlage daf\u00fcr m\u00fcssen wir nach der \u00dcberzeugung handeln, dass das kapitalistische System die Menschheit an den Abgrund f\u00fchrt. Dabei m\u00fcssen wir Faktoren einbeziehen, die auch f\u00fcr uns als revolution\u00e4re Linke neu sind, wie etwa den \u00f6kologischen Kollaps. Gleichzeitig gilt: Ohne das Ziel eine radikal andere Gesellschaft aufzubauen geht nichts. Jeglicher Reformismus ist angesichts der massiven Probleme, der wir uns als Menschheit gegen\u00fcber sehen, zum Scheitern verurteilt. Mehr denn je gilt: Sozialismus oder Barbarei.<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<p><em>Die SAT pflegt eine enge Partnerschaft mit dem Berliner Kollektiv\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.interbrigadas.org\/\">INTERBRIGADAS<\/a><em>, das regelm\u00e4\u00dfig Brigaden nach Almer\u00eda organisiert und Arbeitsk\u00e4mpfe vor Ort und von Berlin aus unterst\u00fctzt.\u00a0Mehr Informationen zu der transnationalen Vernetzung findet ihr in der neuen Brosch\u00fcre von Interbrigadas:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.interbrigadas.org\/broschuere-vom-anfang-und-ende-der-lieferkette\/\">\u201eVom Anfang und Ende der Lieferkette\u201d<\/a><em>. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstand 2017 auch der Dokumentarfilm \u201eD\u00edas de lucha, d\u00edas de luto\u201c von Aline Ju\u00e1rez Contreras, den ihr euch\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/de.labournet.tv\/unter-dem-plastik-der-strand\">hier<\/a><em>\u00a0ansehen k\u00f6nnt.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/revoltmag.org\/articles\/jeglicher-reformismus-ist-zum-scheitern-verurteilt\/\"><em>revoltmag.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. Oktober 2020<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Region rund um die andalusische Stadt Almer\u00eda ist als \u201ePlastikmeer\u201c bekannt. 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