{"id":869,"date":"2015-12-18T17:12:22","date_gmt":"2015-12-18T15:12:22","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=869"},"modified":"2015-12-18T17:12:22","modified_gmt":"2015-12-18T15:12:22","slug":"zum-wandel-des-klassenkonfliktes-in-der-schweizer-chemieindustrie-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=869","title":{"rendered":"Zum Wandel des Klassenkonfliktes in der Schweizer Chemieindustrie"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><strong><em>Willi Eberle. <\/em><\/strong><strong>Die international agierenden Konzerne sind nicht nur mobiler in ihren Strukturen. Es ver\u00e4ndern sich auch die Belegschaften. Eine Standortbestimmung der gewerkschaftlichen Mobilisierung am Beispiel der Basler Chemie, einem herausragenden Beispiel des Regimes der flexiblen Akkumulation.<\/strong> <!--more--><\/p>\n<p>Die Gewerkschaften tun sich schwer mit internationaler Zusammenarbeit. Derweil k\u00e4mpft man zu Hause mit einem sich rasch ver\u00e4ndernden Umfeld. Die Gewerkschaften der Chemie- und Pharmaindustrie sind unter anderem mit einem markanten Wandel der urspr\u00fcnglichen Arbeiterklasse konfrontiert. Diesem Wandel liegen ver\u00e4nderte \u00f6konomische Strukturen zugrunde, welche die Arbeitsbedingungen nachhaltig ver\u00e4ndern und die gewerkschaftliche Mobilisierung vor neue Herausforderungen stellen.<\/p>\n<p>Nach dem langen Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit, einer andauernden Phase der Vollbesch\u00e4ftigung und des Wachstums der Einkommen, kam es in den siebziger Jahren mit dem Absinken der Profitrate und der Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft zu einem Umbruch. Tiefgreifende Umstrukturierungen sind Merkmale daf\u00fcr, dass sich seither ein neues Regime der Kapitalakkumulation herausbildet, umschrieben als \u00abflexible Akkumulation\u00bb, die die vom Fordismus gepr\u00e4gte Periode abl\u00f6st.<\/p>\n<p>In den grossen Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmen, insbesondere in der Basler Chemie, von der im Folgenden haupts\u00e4chlich die Rede sein wird, ist das Regime der flexiblen Akkumulation weit fortgeschritten. Dass sie auch zuvor, w\u00e4hrend des Wachstumspaktes des Fordismus, zu den Pionieren der Industrie z\u00e4hlten, machen einige Aspekte ihrer Entwicklung deutlich.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu ihren europ\u00e4ischen Hauptkonkurrenten, namentlich in Deutschland, hatte sich die schweizerische chemische Industrie bereits in ihren Anf\u00e4ngen zu hoher Spezialisierung weg von der Basischemie und dem Erd\u00f6l entwickelt. Sie war seit ihrer Gr\u00fcndung stark exportorientiert und hat sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten und sp\u00e4ter auch in Japan, den beiden aussereurop\u00e4ischen Polen kapitalistischer Entwicklung, produktiv verankert. Mit anderen Worten: Sie richtete ihre Strategie des Profit- und Unternehmenswachstums fr\u00fch auf Internationalisierung sowie technologische und betriebswirtschaftliche Innovation aus.<\/p>\n<p>So war es kein Zufall, dass die Basler Chemieunternehmen im ersten Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der Ende des Zweiten Weltkrieges vom Schweizerischen Textil- und Fabrikarbeiterverband (STFV) f\u00fcr das Produktionspersonal erk\u00e4mpft wurde, der Gewerkschaft nicht nur das Zugest\u00e4ndnis f\u00fcr einen korporatistischen Pakt machten. Im ersten GAV, der am 1. Januar 1945 in Kraft trat, gestand man im Sinne eines Wachstumspaktes auch den Belegschaften Verbesserungen zu (unter anderem mit einer Erh\u00f6hung der L\u00f6hne, Teuerungszulagen und Minimallohnbestimmungen). Anders als im Friedensabkommen der Schweizerischen Metall- und Maschinenindustrie vom Jahre 1937 setzte die Chemie nicht nur auf eine disziplinierende Rolle der Gewerkschaften. Der Schweizerische Textil- und Fabrikarbeiterverband, die sp\u00e4tere Gewerkschaft Textil Chemie Papier (GTCP), wurde als ernst zu nehmender Vertreter der Lohnabh\u00e4ngigen akzeptiert. Bemerkenswert ist, dass seine tragenden Kr\u00e4fte damals vor allem in der kommunistischen PdA organisiert waren.<\/p>\n<p>In den f\u00fcnfziger Jahren war der gr\u00f6sste Teil der Besch\u00e4ftigten der Basler Chemie in Berufen t\u00e4tig, die dem Geltungsbereich des Gesamtarbeitsvertrages unterstanden. Zeichnet man ein Bild von den damaligen Verh\u00e4ltnissen, so war der Produktionsprozess noch nicht so weit automatisiert wie heute, die Unterhaltswerkst\u00e4tten mit ihren handwerklichen Berufsleuten wurden noch innerbetrieblich gef\u00fchrt, der Bereich der betrieblichen Organisation war noch nicht so komplex. F\u00fcr Vertrieb und Marketing wurde ein kleinerer Aufwand betrieben, auch waren die Forschung und die Entwicklung neuer Wirksubstanzen aus verschiedenen Gr\u00fcnden bei weitem nicht so aufwendig und kostspielig wie heute. Der Anteil der so genannten Angestellten in der Chemie- und Pharmaindustrie war somit noch viel kleiner als derjenige der eigentlichen Arbeiten und Arbeiterinnen in der Produktion.<\/p>\n<p><strong>Der Wandel der Belegschaften<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund des massgebenden Gewichts der Besch\u00e4ftigten in Produktion und handwerklichem Bereich waren die betrieblichen Arbeiterkommissionen und die Gewerkschaften ernst zu nehmende Faktoren in den Konflikten zwischen Kapital und Arbeit. Die Gewerkschaften (der STFV sowie vier kleinere) hatten ihre klare Rolle in der Durchsetzung materieller Fortschritte im Gesamtarbeitsvertrag, der mehr oder weniger \u00f6ffentlich verhandelt wurde. Solche Fortschritte wurden aufgrund des anhaltenden Wachstums von Ums\u00e4tzen und Gewinnen lange Zeit von den Basler Unternehmen mehr oder weniger problemlos zugestanden. Fest stand, dass Lohnerh\u00f6hungen und Arbeitszeitverk\u00fcrzungen letztlich eine Frage des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses waren. Kaum je spielten Argumente \u00fcber den Gesch\u00e4ftsverlauf eine ernst zu nehmende Rolle, wie dies mittlerweile seit l\u00e4ngerem der Fall ist.<\/p>\n<p>Mit dem raschen Wachstum der Basler Chemieunternehmen wuchs auch die Besch\u00e4ftigung, vor allem in der betrieblichen Organisation und im Laborbereich. Es entstanden in den Betrieben interne Standesvereine der Angestellten, etwa der Akademikerverein, und die sogenannten Hausverb\u00e4nde.<\/p>\n<p>Ihre Funktion war mehr oder weniger beschr\u00e4nkt auf die Wahrnehmung berufsst\u00e4ndischer Interessen und auf die Pflege der Kultur der Firmenzugeh\u00f6rigkeit; ausserdem traten sie als \u00abRabattvereine\u00bb f\u00fcr allerlei Verg\u00fcnstigungen auf. In ihrem Verst\u00e4ndnis sahen sie sich n\u00e4her bei den Interessen der Firmenleitungen als die Gewerkschaften, und sie waren (und sind es weiterhin) vor allem in den b\u00fcrgerlichen Parteien verankert. Als selbst\u00e4ndige Verhandlungspartner gegen\u00fcber den Firmen traten sie kaum auf, zumindest nicht in wichtigen Fragen wie Lohn und Arbeitszeit. Bis in die neunziger Jahre \u00fcbernahmen die Angestellten ganz einfach die Errungenschaften, welche die Gewerkschaften im GAV durchgesetzt hatten. Und deren waren nicht wenige! Der GAV in der Basler Chemieindustrie entwickelte sich bis in die achtziger Jahre hinein zu dem Gesamtarbeitsvertrag mit den besten Bedingungen in der Schweizer Industrie.<\/p>\n<p>Tiefgehende Umstrukturierungen der Konzerne beschleunigten den Wandel in der Zusammensetzung der Belegschaften. Der \u00dcberbau \u2013 die betriebliche Organisation, Dienste, Forschung und Entwicklung \u2013 wuchs stetig, w\u00e4hrend der Anteil der in der Produktion Besch\u00e4ftigten an den Belegschaften ab den neunziger Jahren massiv sank. So arbeiten beispielsweise heute in der Syngenta in Basel mehr AkademikerInnen als ArbeiterInnen. [Ende 2015 gibt es dort nur noch wenige Dutzend Arbeiter und Arbeiterinnen und um die zwei Tausend Angestellte; Anm. Redaktion maulwuerfe.ch]<\/p>\n<p>Der Umbau der Betriebe mit dem Ziel, die Arbeitskosten konsequent zu senken, brachte eine wachsende Arbeitsintensit\u00e4t, eine forcierte Flexibilisierung vorab der L\u00f6hne (in einem in der Schweiz einzigartigen Ausmass), eine auf Leistung getrimmte Individualisierung und zunehmend unsichere Arbeitspl\u00e4tze. Der \u00dcberbau geriet mehr und mehr ins Zentrum der von den Firmen angestrebten Restrukturierungen und wurde andauernd umgebaut.<\/p>\n<p>Der enorme Druck und die wachsende Unsicherheit unter den Angestellten zwang die Hausverb\u00e4nde zu mehr Profil in wichtigen Fragen der Arbeits- und Anstellungsbedingungen, wollten sie ihre Legitimit\u00e4t nicht verlieren. Auf der anderen Seite lag es im Interesse der Unternehmen, die Hausverb\u00e4nde als \u00abglaubw\u00fcrdige Partner\u00bb einzubinden, um den Umbau besser abst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Zu diesem Zwecke wurden zu Beginn der neunziger Jahre in den meisten Firmen betriebsinterne Personalvertretungen eingerichtet, in welchen die VertreterInnen der Angestelltenorganisationen wie auch jene des GAV-Personals anstelle der vormaligen Arbeiterkommissionen Einsitz haben. Diese Personalvertretungen haben ein umso gr\u00f6sseres Gewicht, als im Zuge eines ersten Versuches, die Gewerkschaften zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, die Lohnfrage nunmehr nicht mehr Bestandteil des Gesamtarbeitsvertrages ist. Es sind die Personalvertretungen, welche \u00fcber die Weiterentwicklung des Lohnsystems und die allf\u00e4lligen Lohnerh\u00f6hungen verhandeln.<\/p>\n<p>Damit wachsen die Angestelltenorganisationen mit einer Verantwortung gegen\u00fcber der Basis in eine neue Rolle hinein. Entsprechend treten sie im betrieblichen Alltag kaum mehr als offene Gegner der Gewerkschaften auf. Und sie mussten sich auch von wichtigen Positionen distanzieren, die sie einst vehement verfochten hatten: die Individualisierung und Flexibilisierung der Lohnsysteme, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Rationalisierungsmassnahmen und das Outsourcing von Betrieben und Betriebsteilen.<\/p>\n<p><strong>Gewerkschaften herausgefordert<\/strong><\/p>\n<p>Der neoliberale Umbau der Basler Konzerne mit seinen tief greifenden Ver\u00e4nderungen auch beim Personal bietet ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die Strategie flexibler Akkumulation in einem Industriebetrieb. In der Basler Chemie sind die Gewerkschaften insbesondere mit drei Problemkreisen konfrontiert:<\/p>\n<ul>\n<li><strong> Erstens<\/strong>: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad und die Breitenwirkung des GAV haben einen historischen Tiefstand seit 1945 erreicht. Es sind grosse Anstrengungen in der Werbung neuer Mitglieder notwendig, und dies in erster Linie bei den Angestellten. Seit mindestens zehn Jahren steht f\u00fcr nahezu alle Gewerkschaften das Ziel, die Angestellten zu organisieren, zuoberst auf der Priorit\u00e4tenliste \u2013 mit m\u00e4ssigem Erfolg. Die Angestellten machen eigentlich das aus, was man heute als \u00abprofessionelle Mittelschichten\u00bb bezeichnet: gut ausgebildete, individualistisch gepr\u00e4gte, aufstiegsorientierte Angestellte, welche gemeinhin wenig Zugang zu gewerkschaftlichem Denken haben. In der Basler Chemie begannen Organisationsbestrebungen vor allem von VertreterInnen der neuen Linken innerhalb der GTCP bereits Ende der siebziger Jahre. Diese hatten einen gewissen Erfolg, wurden aber von den damaligen Arbeiterkommissionen mit unzimperlichen Methoden abgew\u00fcrgt. Das war in einer Zeit, in der die GTCP in den Betrieben wie in der \u00d6ffentlichkeit eine unbestrittene Stellung hatte: Sie war die Gewerkschaft f\u00fcr die Chemie; die Hausverb\u00e4nde spielten kaum eine Rolle. Heute sind diese Voraussetzungen nicht mehr gegeben. Die Angestelltenverb\u00e4nde entwickeln ein, wenn auch schwaches, politisches Profil. Und es scheint, dass sie sich auf eine engere Zusammenarbeit (oder gar Fusion) mit der christlichen Syna einlassen, um sich rechts von der GBI zu entwickeln. Ob ein solches Projekt gelingen kann, ist mehr als unsicher. Die Syna ist weit weniger als die GBI in den Betrieben verankert, die Angestelltenorganisationen sind ebenfalls mit einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Mitgliederentwicklung konfrontiert und, vor allem: Die Firmenleitungen d\u00fcrften wenig Interesse an einer solchen Entwicklung haben und angesichts ihrer bis anhin wenig bestrittenen Machtposition bei den Angestellten solche Bestrebungen m\u00f6glichst zu verhindern suchen.<\/li>\n<li><strong> Zweitens<\/strong> ist es den Chemie- und Pharmakonzernen gelungen, Firmenteile abzustossen, die eher die Verlierersegmente der Lohnabh\u00e4ngigen repr\u00e4sentieren: Personalrestaurants, Werkst\u00e4tten, Infrastruktur-Bereiche, auch Teile der chemischen Industrie, die \u2013 technologisch weniger spezialisiert \u2013 noch stark mit fordistischer Massenproduktion verkn\u00fcpft sind (wie Farben und Kunststoffe). Damit sind die verbliebenen Besch\u00e4ftigten, die so genannten Kernbelegschaften, in mancherlei Hinsicht gegen\u00fcber solchen Verliererschichten privilegiert; wenn auch zum Preis einer hohen Identifikation mit ihren Firmen und einem ungeheuren Arbeitsdruck, dem Abbau vieler Verg\u00fcnstigungen und der Angst um den Verlust des einst in Basel privilegierten \u00absicheren Arbeitsplatzes in der Chemie\u00bb. Zudem sind die Belegschaften mittlerweile stark internationalisiert, und sie werden im Zuge der Restrukturierungen laufend neu zusammengesetzt. All dies macht den Aufbau neuer gewerkschaftlicher Strukturen schwierig. Allerdings scheint die Zitrone gegenw\u00e4rtig ausgepresst. Sollte die gesamtgesellschaftliche Situation kippen und es zu einem Aufbruch mit sozialen Konflikten in gr\u00f6sserem Ausmass kommen, k\u00f6nnte die wachsende Verstimmung unter diesen neuen Mittelschichten einen Wandel ihrer Haltung gegen\u00fcber Macht und Willk\u00fcr des Managements herbeif\u00fchren.<\/li>\n<li><strong> Drittens<\/strong> gibt es bis anhin \u2013 sieht man von den Ans\u00e4tzen in der GBI einmal ab \u2013 kaum eine wirksame koordinierte Interessenvertretung der Besch\u00e4ftigten \u00fcber mehrere Firmen hinweg, insbesondere nicht innerhalb der international operierenden Chemiekonzerne. Daf\u00fcr notwendige gewerkschaftliche Strukturen sind entweder kaum nutzbar oder aber sie fehlen schlichtweg. Zwar k\u00f6nnen die Europ\u00e4ischen Betriebsr\u00e4te n\u00fctzliche Kontakte unter AktivistInnen bringen und gelegentlich sogar f\u00fcr eine europaweite Koordination von Aktivit\u00e4ten genutzt werden. So koordinierte die GBI im November 2000 eine europaweite Protestaktion, als mit der Fusion der Agrobereiche der Konzerne Novartis und Zeneca zum gr\u00f6ssten Agrokonzern Syngenta die Streichung von 3000 Stellen angek\u00fcndigt wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Meines Erachtens sind die Interventionsm\u00f6glichkeiten zur Mobilisierung der Belegschaften \u00fcber die europ\u00e4ischen Betriebsr\u00e4te aber sehr beschr\u00e4nkt. Zum einen sind diese Gremien immer wieder starker Instrumentalisierung durch die Firmen ausgesetzt. Hinzu kommt, dass einige Chemiegewerkschaften \u2013 allen voran Deutschlands IG BCE \u2013 einen ausgepr\u00e4gt sozialliberalen Kurs verfolgen. In Konzernen, wo auf Gewerkschaftsseite dieser Kurs \u00fcberwiegt, sind die Euro-Betriebsr\u00e4te kaum eine Plattform, die sinnvoll genutzt werden kann.<\/p>\n<p><strong>Der Europ\u00e4ische Chemiekreis<\/strong><\/p>\n<p>Es entstehen daher andere Netze, welche firmen\u00fcbergreifende Zusammenarbeit entwickeln und oft nicht auf Europa beschr\u00e4nkt sind. Solche Netze suchen auch den Anschluss an Themen, die gerade im Umfeld der modernen Chemie- und Pharmaindustrie eine wesentliche Rolle spielen und die in der Antiglobalisierungsbewegung immer wieder auftauchen: die Problematik der Biotechnologie, die Privatisierung im Gesundheitsbereich, der Zusammenhang zwischen den Interessen der Erd\u00f6lindustrie und den modernen imperialistischen Kriegen, die zunehmende Gewalt gegen\u00fcber GewerkschafterInnen etwa in Lateinamerika und einigen asiatischen L\u00e4ndern. Es sind dies Bereiche, aus der sich die politische Linke und die Gewerkschaften in Europa oft genug heraushalten oder gar problematische Positionen einnehmen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr ein solches Netz, in welchem ich selbst mitarbeite, ist der \u00abEurop\u00e4ische Chemiekreis\u00bb. Dieser wurde Ende der siebziger Jahre im Ruhrgebiet von GewerkschafterInnen gegr\u00fcndet, welche als Linke in einer internen Auseinandersetzung mit den wachsenden sozialliberalen Kr\u00e4ften teilweise sogar aus der Chemiegewerkschaft ausgeschlossen worden waren. Der sozialliberale Kurs war sozusagen der gewerkschaftliche \u00abBeitrag\u00bb der damaligen IG Chemie (heute: IG BCE) zum Deutschen Herbst und zur grossen Wende.<\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Chemiekreis trifft sich etwa einmal im Jahr an drei oder vier Tagen zu einem Schwerpunktthema und zum Erfahrungsaustausch und beteiligt sich auch an den Foren der Antiglobalisierungsbewegung. So wichtig die Anstrengungen und gelegentlichen Erfolge des Chemiekreises auch sind, er ist eine \u00e4usserst zarte Pflanze, die ausschliesslich vom Zusatzengagement einiger Kolleginnen und Kollegen lebt, die weiter gehen wollen, als die offiziellen Strukturen es zulassen.<\/p>\n<p><em>Anmerkung Redaktion maulwuerfe.ch 18. Dezember 2015: Dieser Europ\u00e4ische Chemiekreis funktioniert seit mehreren Jahren nicht mehr. W\u00e4hrenddessen ist Syngenta in der deutschen Schweiz zu einer Gewerkschaftsw\u00fcste geworden.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em>WoZ-economique 17.Oktober 2002 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Willi Eberle. Die international agierenden Konzerne sind nicht nur mobiler in ihren Strukturen. Es ver\u00e4ndern sich auch die Belegschaften. 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