{"id":8763,"date":"2020-11-10T10:05:58","date_gmt":"2020-11-10T08:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8763"},"modified":"2020-11-10T10:05:59","modified_gmt":"2020-11-10T08:05:59","slug":"vorstoss-der-gesamtmetall-bosse-generalangriff-unter-dem-corona-deckmantel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8763","title":{"rendered":"Vorsto\u00df der Gesamtmetall-Bosse: Generalangriff unter dem Corona-Deckmantel"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schaber. <\/em>Der \u201eArbeitgeberverband\u201c der deutschen Metallindustrie bl\u00e4st zur Offensive. Im Gespr\u00e4ch mit der Bild-Zeitung pr\u00e4sentierte Stefan Wolf, designierter Gesamtmetall-Chef, eine Wunschliste ausgew\u00e4hlter Grausamkeiten. Der Kern: <!--more-->Die Besch\u00e4ftigten sollen unbezahlt mehr arbeiten. \u201eMal zwei oder auch mal vier Stunden pro Woche\u201c kann er sich vorstellen, den Metallarbeiter*innen dieses Landes abzukn\u00f6pfen. Die 35-Stunden-Woche sei unzeitgem\u00e4\u00df, die L\u00f6hne in Deutschland zu hoch.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"843\" height=\"546\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wolf.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8764\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wolf.png 843w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wolf-300x194.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wolf-768x497.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 843px) 100vw, 843px\" \/><figcaption>Stefan Wolf, Vorsitzender des Verbandes S\u00fcdwestmetall und designierte Pr\u00e4sident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Foto: Marijan Murat\/dpa<\/figcaption><\/figure>\n<p>Er st\u00f6\u00dft damit in die gleiche Kerbe wie zuvor sein Vorg\u00e4nger Rainer Dulger. Der Multimillion\u00e4r und Erbe eines Familienunternehmens beweinte zuerst, dass \u201ees nichts zu verteilen gebe\u201c, weil Corona es der Industrie eben unm\u00f6glich mache. Von den Gewerkschaften erwarte er eine Nulllohnrunde \u2013 also faktisch schon ob der Inflation eine Reallohnsenkung. Mehr noch aber sei selbst das nur \u201eein Signal\u201c, denn es gehe um eine Trendwende: \u201eWir Arbeitgeber predigen seit Jahren, dass zu hohe Lohnkosten und Lohnnebenkosten Konsequenzen haben.\u201c Auf die Frage, was er Dulger von den Verhandlungsangeboten der Gewerkschaft IG Metall h\u00e4lt, antwortet der Manager mit der \u00fcblichen Erpressungsstrategie: \u201eWer in dieser Lage Arbeit noch teurer macht, als sie ohnehin schon ist, riskiert, dass Firmen auf Dauer Arbeitspl\u00e4tze ins Ausland verlagern.\u201c<\/p>\n<p>Es geht also \u2013 wie immer \u2013 um den Standort Deutschland. Der heilige Kral f\u00fcr beide Seiten der \u201eSozialpartnerschaft\u201c zu dessen Rettung am Ende die Belegschaften \u201eZugest\u00e4ndnisse\u201c machen m\u00fcssen. Doch wir haben Krise und so verlangt der heilige Standort ganz besondere Opfer.<\/p>\n<p>Die (von anderen, nicht von den Kapitalisten) zu erbringenden Opfer hat der \u201eArbeitgeberverband\u201c der Metallbranche in einem Papier festgehalten, das den Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.gesamtmetall.de\/sites\/default\/files\/downloads\/gesamtmetall-vorschlaege-fuer-die-corona-krise.pdf\">Wiederhochfahren und Wiederherstellung -Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die 2. und 3. Phase der Corona-Krise<\/a>\u201c tr\u00e4gt. Es beginnt damit, dass die Pandemie genutzt werden soll, um die ohnehin schwachen Vorgaben zum Klimaschutz aufzuweichen: Es sei n\u00f6tig, dass \u201eauf eine weitere Versch\u00e4rfung der Kli-maschutzziele, insbesondere durch die EU-Kommission verzichtet wird.\u201c<\/p>\n<p>Im selben Tenor geht es weiter, denn es soll auf sehr vieles \u201everzichtet\u201c werden: auf eine Verm\u00f6genssteuer, die Erh\u00f6hung der Erbschaftssteuer, die Grundrente und eine Reihe von Regelungen zum Schutz von Arbeiter*innen. Auch Leiharbeit und \u201eflexible\u201c Arbeitsverh\u00e4ltnisse will man nicht beschr\u00e4nkt sehen.<\/p>\n<p>Das Papier ist ein Generalangriff, denn die deutschen Industrief\u00fcrsten haben sich viel vorgenommen. Die Pandemie soll genutzt werden, um Reallohnsenkungen durchzudr\u00fccken und einen Abbau von Rechten der Werkt\u00e4tigen zu beschleunigen, der im Grunde genommen seit Jahrzehnten im Gang ist.<\/p>\n<p>Und so wie es aussieht, k\u00f6nnte zumindest einiges davon Erfolg haben. Von SPD und CDU\/CSU ist selbstredend nichts zu erwarten, aber auch die Gewerkschaften haben vielerorts bereits vor der Schlacht die Waffen gestreckt und f\u00fchren nur noch Defensivk\u00e4mpfe zum Arbeitsplatzerhalt. Und in den radikaleren Teilen der Linken dieses Landes scheint man dergleichen Attacken erst gar nicht f\u00fcr irgendwas zu halten, was einen selbst betrifft.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re die Vorlage des Klassenfeinds geeignet zur Vereinigung vieler K\u00e4mpfe, denn er richtet sich ja gegen verschiedene Teile der Bev\u00f6lkerung: Die Aufweichung der Klimaziele betrifft schlechthin alle, bewegt aber derzeit die J\u00fcngeren; die Forderung nach noch mehr Altersarmut dagegen betrifft unmittelbar die \u00c4lteren. Und die W\u00fcnsche nach Lohnk\u00fcrzungen betreffen nicht nur alle Besch\u00e4ftigten im Metallsektor, sondern haben generell Signalwirkung. Die Laissez-Faire-Auslegung des Gesundheitsschutzes verst\u00e4rkt die Pandemie. Und die Ablehnung von Sozial- und Arbeitsstandards in den Lieferketten schreibt das globale Ausbeutungsmodell des deutschen Imperialismus fest.<\/p>\n<p>Die Bosse der Metaller sind insofern ein dankbarer Gegner. Sie sagen offen, was sie wollen. Und es ist nicht schwer zu verstehen, dass es sich gegen die \u00fcberwiegende Mehrheit der Menschen richtet. Eigentlich eine gute Gelegenheit f\u00fcr eine Gegenoffensive.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2020\/10\/26\/vorstoss-der-gesamtmetall-bosse-generalangriff-unter-dem-corona-deckmantel\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. November 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schaber. Der \u201eArbeitgeberverband\u201c der deutschen Metallindustrie bl\u00e4st zur Offensive. Im Gespr\u00e4ch mit der Bild-Zeitung pr\u00e4sentierte Stefan Wolf, designierter Gesamtmetall-Chef, eine Wunschliste ausgew\u00e4hlter Grausamkeiten. 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