{"id":8800,"date":"2020-11-21T10:15:33","date_gmt":"2020-11-21T08:15:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8800"},"modified":"2020-11-21T10:15:35","modified_gmt":"2020-11-21T08:15:35","slug":"corona-in-der-schweiz-alle-intensivbetten-belegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8800","title":{"rendered":"Corona in der Schweiz: Alle Intensivbetten belegt"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens. <\/em>Eine Pressemeldung aus der Schweiz sorgte am Dienstag f\u00fcr Aufsehen. Darin schreibt die SGI (Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Intensivmedizin): \u201eAlle Personen \u2013 vor allem diejenigen, die durch das neue Coronavirus besonders gef\u00e4hrdet sind \u2013 werden<!--more--> gebeten, sich im Rahmen einer Patientenverf\u00fcgung Gedanken dazu zu machen, ob sie im Falle einer schweren Erkrankung lebensverl\u00e4ngernde Ma\u00dfnahmen erhalten m\u00f6chten oder nicht.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"937\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schweiz-1024x937.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8801\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schweiz-1024x937.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schweiz-300x274.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schweiz-768x703.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Schweiz.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u00a0W\u00f6chentliche Todesf\u00e4lle (Statistisches Bundesamt der Schweiz)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Aufforderung kommt einer Bankrotterkl\u00e4rung des vielger\u00fchmten Schweizer Gesundheitssystems gleich. Viele \u00e4ltere oder vorerkrankte Menschen verstehen sie zu Recht als Appell an sie, zugunsten von j\u00fcngeren, ges\u00fcnderen Menschen auf eins der knappen Intensivbetten zu verzichten und freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Denn in dem gleichen Rundschreiben hei\u00dft es auch, dass s\u00e4mtliche 876 zertifizierten Intensivbetten der Schweiz \u201eaktuell praktisch vollst\u00e4ndig belegt\u201c seien.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung sei \u201etragisch, da vermeidbar gewesen\u201c, kommentiert dies die Genfer Virologin Isabella Eckerle. Eine berechtigte Feststellung. Diese Wendung der Pandemie ist keine Naturkatastrophe, sondern das voraussehbare Ergebnis von bewussten politischen Entscheidungen. Auf Druck der Wirtschaft und der Banken hat die Schweizer Regierung ausdr\u00fccklich darauf verzichtet, die zweite Corona-Welle durch einen Lockdown zu brechen. W\u00f6rtlich erkl\u00e4rte Mitte September der Finanzminister des Bankenlands Schweiz, Ueli Maurer (SVP): \u201eDie Schweiz kann sich keinen zweiten Lockdown leisten. Daf\u00fcr haben wir das Geld nicht.\u201c<\/p>\n<p>Die Devise der Regierung war klar darauf gerichtet, alles zu tun, damit die Wirtschaft wieder l\u00e4uft und die Profite sprudeln. Seither wurden nicht nur s\u00e4mtliche Betriebe und damit Schulen und Kitas offen gehalten, sondern auch die Bars, Restaurants, Theater und Museen. Noch im Oktober wurde eine Vorschrift gekippt, die Veranstaltungen mit \u00fcber 1000 Leuten verbieten sollte.<\/p>\n<p>Nicht verwunderlich, hat sich das Virus in der ganzen Gesellschaft ausgebreitet und greift jetzt voll auf Senioren und Risikogruppen \u00fcber. Die Folgen sind Ausbr\u00fcche in Alten- und Pflegeheimen, \u00fcberf\u00fcllte Intensivstationen und rasch ansteigende Todeszahlen.<\/p>\n<p>\u201eIn der Schweiz sind alle Intensivbetten belegt\u201c \u2013 das brisante Thema wurde am Donnerstag auch von den internationalen Medien aufgegriffen. Rasch protestierte das offizielle Schweizer Nachrichtenportal nau.ch und versicherte, dies sei nicht wahr. \u201eFake News um Schweizer Intensivstationen\u201c, hei\u00dft ein Artikel vom Donnerstagabend auf nau.ch. Darin wird behauptet, die Intensivstationen k\u00f6nnten jederzeit durch \u201eAd Hoc\u201c-Betten erweitert werden. \u201eNoch sind viele Betten frei.\u201c Es seien \u201eausl\u00e4ndische Medien\u201c, die das Gegenteil behaupteten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Lage zunehmend katastrophal. Die Schweiz ist zum regelrechten Covid-19-Hotspot Europas geworden. Das Land hat zurzeit eine 14-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von 933 F\u00e4llen und liegt damit zwischen Tschechien (1002) und Slowenien (939), fast doppelt so hoch wie Schweden (556).<\/p>\n<p>Die hohen Zahlen sind nicht auf umfangreiche Tests zur\u00fcckzuf\u00fchren: In dieser Beziehung liegt die Schweiz auf dem Niveau der Vereinigten Staaten. Die Positivrate bei den Tests liegt landesweit bei nicht weniger 27,9 Prozent, verglichen mit 8,5 Prozent in Schweden und 8,3 Prozent in den Vereinigten Staaten. Laut WHO-Angaben bedeutet aber eine Positivrate von \u00fcber f\u00fcnf Prozent, dass das Virus au\u00dfer Kontrolle geraten ist.<\/p>\n<p>Mit der zweiten Welle sind die Neuinfektionen regelrecht explodiert, und sie haben auch die Todesfallrate angetrieben. Von den \u00fcber 290.000 Coronaf\u00e4llen endeten laut John Hopkins University bisher 3.962 mit dem Tod. Die Dunkelziffer k\u00f6nnte aber weit h\u00f6her liegen, wie das Bundesamt f\u00fcr Statistik anhand einer \u00dcbersterblichkeitsrate zeigt. Demnach starben in der ersten Novemberwoche \u2013 \u00e4hnlich Anfang April \u2013 etwa 50 % mehr Menschen als statistisch erwartet. Dies ist besonders in der Romandie der Fall, und es betrifft fast ausschlie\u00dflich die \u00fcber 65-j\u00e4hrige Bev\u00f6lkerung.In einer Diskussionsrunde im Schweizer Radio SRF zum Thema: \u201eWer soll behandelt werden, wenn der Platz in den Krankenh\u00e4usern knapp wird?\u201c, best\u00e4tigte der Intensivmediziner Miodrag Filipovic aus St. Gallen am Donnerstagabend, dass die zertifizierten Intensivbetten tats\u00e4chlich bereits zu 95 % belegt seien. Es sei zwar m\u00f6glich, zus\u00e4tzliche Betten zu schaffen, der springende Punkt sei jedoch das fehlende Fachpersonal.<\/p>\n<p>Hierzu berichtete eine Pflegekraft im Corona-Bereich \u00fcber Zw\u00f6lfstundenschichten und gestrichene Urlaubstage, und eine Covid-19-Krankenschwester best\u00e4tigte, wie ausgelaugt sich das Pflegepersonal bereits f\u00fchle: \u201eIm M\u00e4rz hat man den roten Teppich f\u00fcr uns ausgerollt, aber jetzt wird alles von uns als selbstverst\u00e4ndlich erwartet.\u201c Sie sei nicht sicher, ob ihr Team noch diesen ganzen Winter durchhalten werde.<\/p>\n<p>Interessant sind die Kommentare zu dieser SRF-Sendung. Mit der Aufforderung zur \u201eSelbst-Triage\u201c und zum Verzicht auf ein Intensivbett gehen die Zuh\u00f6rer \u00e4u\u00dferst kritisch um. \u201eDie Schweiz ist 2020 auf Platz 2 der reichsten L\u00e4nder der Welt\u201c, lautet beispielsweise der Kommentar einer Zuh\u00f6rerin. \u201eIch finde den Sozialdarwinismus in der Schweiz unertr\u00e4glich. Offensichtlich will die Schweiz in der Corona-Pandemie ihren Reichtum auf Kosten der Risikogruppen (1.605.800 Menschen) verteidigen. Sie h\u00e4tte im Vergleich zu vielen anderen L\u00e4ndern wahrlich andere Optionen.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/11\/21\/suis-n21.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. November 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens. Eine Pressemeldung aus der Schweiz sorgte am Dienstag f\u00fcr Aufsehen. 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