{"id":8836,"date":"2020-11-28T10:34:54","date_gmt":"2020-11-28T08:34:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8836"},"modified":"2020-11-28T10:34:55","modified_gmt":"2020-11-28T08:34:55","slug":"200-jahre-seit-engels-geburt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8836","title":{"rendered":"200 Jahre seit Engels\u2019 Geburt"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em><strong>Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels geboren, der zusammen mit seinem zweieinhalb Jahre \u00e4lteren Freund Karl Marx den wissenschaftlichen Sozialismus begr\u00fcndete. 200 Jahre danach ist ihr Lebenswerk von brennender Aktualit\u00e4t. Sie<!--more--> waren weitsichtiger als die unz\u00e4hligen Akademiker, deren Bem\u00fchungen, den Marxismus zu wiederlegen, ganze Bibliotheken f\u00fcllen.<\/strong><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/eng-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8837\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/eng-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/eng-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/eng-768x432.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/eng.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Friedrich Engels 1891<\/figcaption><\/figure>\n<p>Finanzm\u00e4rkte, die v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle sind; Handelskriege, die in einen dritten Weltkrieg umzuschlagen drohen; fortw\u00e4hrende Zerst\u00f6rung ganzer Weltregionen durch neokoloniale Kriege; Zerfall der Demokratie im m\u00e4chtigsten kapitalistischen Land, den USA; eine sich anbahnende Umweltkatastrophe; der vermeidbare Tod Hunderttausender als Folge der Corona-Pandemie; ein Ausma\u00df der sozialen Ungleichheit, bei dem 26 reiche Individuen gleich viel besitzen wie die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung \u2013 all dies best\u00e4tigt, dass \u201edie moderne b\u00fcrgerliche Gesellschaft\u201c einem Hexenmeister gleicht, \u201eder die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor\u201c, wie es Marx und Engels 1848 im\u00a0<em>Kommunistischen Manifest\u00a0<\/em>formulierten.<\/p>\n<p>Marx und Engels haben es nicht dabei belassen, die Widerspr\u00fcche des Kapitalismus zu analysieren und dessen Zusammenbruch vorauszusagen. Sie waren beide Revolution\u00e4re. Man kann ihre theoretische Arbeit nicht verstehen, wenn man sie von ihrer politischen und revolution\u00e4ren T\u00e4tigkeit trennt. Was sie von allen bisherigen Sozialisten, kleinb\u00fcrgerlichen Demokraten und sonstigen Kritikern der politischen Verh\u00e4ltnisse unterschied, war die Einsicht, dass nur die Machteroberung der Arbeiterklasse, der einzig \u201ewirklich revolution\u00e4ren Klasse\u201c in der kapitalistischen Gesellschaft, den R\u00fcckfall in die Barbarei verhindern, die Klassenspaltung der Gesellschaft aufheben und die Grundlage f\u00fcr einen gewaltigen Fortschritt der menschlichen Zivilisation und Kultur legen kann.<\/p>\n<p>Engels betonte dies, als er 1883 am Grab seines verstorbenen Freundes sprach:<\/p>\n<p><em>Marx war vor allem Revolution\u00e4r. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewusstsein seiner eigenen Lage und seiner Bed\u00fcrfnisse, das Bewusstsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte \u2013 das war sein wirklicher Lebensberuf. Der Kampf war sein Element. Und er hat gek\u00e4mpft mit einer Leidenschaft, einer Z\u00e4higkeit, einem Erfolg wie wenige.[1]<\/em><\/p>\n<p>Dasselbe gilt auch f\u00fcr Engels selbst. 1935, vierzig Jahre nach seinem Tod, portraitierte ihn Leo Trotzki in einem brillanten Essay und verglich ihn mit Karl Kautsky, der in London mehrere Jahre lang mit Engels zusammengearbeitet hatte, nach dessen Tod zum f\u00fchrenden marxistischen Theoretiker der Zweiten Internationale aufstieg und sich schlie\u00dflich zum erbitterten Gegner der russischen Oktoberrevolution wandelte.<\/p>\n<p>In Kautsky, so Trotzki, habe Engels schon damals den Wiener Kleinb\u00fcrger erahnt, \u201eselbstzufrieden, egoistisch und konservativ\u201c. Er habe Kautsky und Eduard Bernstein, der ebenfalls in London weilte, zwar dabei unterst\u00fctzt, \u201esich die Marxsche Methode anzueignen. Doch er konnte in ihnen weder die revolution\u00e4re Willenskraft noch die F\u00e4higkeit zu k\u00fchnem Denken entfachen. Die Sch\u00fcler waren und blieben Kinder einer anderen Geisteshaltung.\u201c Kautsky sei es w\u00e4hrend seines gesamten Lebens gelungen, \u201eall jene Schlussfolgerungen zu umschiffen, die seinen geistigen und physischen Frieden zu st\u00f6ren drohten. Er war kein Revolution\u00e4r, und das erwies sich als eine un\u00fcberwindbare Barriere, die ihn vom Roten General [Engels] trennte.\u201c [2]<\/p>\n<p><strong>Engels Beitrag zum Marxismus<\/strong><\/p>\n<p>Engels Beitrag zur Entwicklung des Marxismus wird oft untersch\u00e4tzt. Er selbst hat zwar neidlos zugegeben, dass er zu Marx\u2018 Lebzeiten die zweite Violine spielte. Man muss aber hinzuf\u00fcgen, dass er diese ebenso meisterhaft beherrschte, wie Marx die erste, und dass sie sich im Zusammenspiel gegenseitig zu immer neuen H\u00f6chstleistungen antrieben.<\/p>\n<p>Es sei unm\u00f6glich, \u201ein der Geschichte einen vergleichbaren Fall zu finden, wo zwei M\u00e4nner von so kraftvollem Temperament und eigenst\u00e4ndigem ideologischen Denken wie Marx und Engels ihr ganzes Leben lang durch die Entwicklung ihrer Ideen, ihre soziale Aktivit\u00e4t und pers\u00f6nliche Freundschaft so untrennbar miteinander verbunden blieben\u201c, bemerkt Trotzki. Die Zusammenarbeit der beiden Freunde sei so tiefgehend gewesen, \u201edass es unm\u00f6glich ist, eine Trennlinie zwischen ihren Werken zu ziehen. Aber unendlich wichtiger als das rein literarische Zusammenwirken war die geistige Verbundenheit, die zwischen den beiden existierte und die niemals zerbrach. \u2026 \u00dcber vier Jahrzehnte st\u00e4rkten sich Marx und Engels so in ihrem ununterbrochenen Kampf gegen die offizielle Wissenschaft und den traditionellen Aberglauben gegenseitig den R\u00fccken. Die \u00f6ffentliche Meinung hatten sie dabei stets gegen sich.\u201c [3]<\/p>\n<p>Einen wichtigen Beitrag zur gemeinsamen Weltanschauung leistete Engels insbesondere auf dem Gebiet der politischen \u00d6konomie und des Verst\u00e4ndnisses der revolution\u00e4ren Rolle der Arbeiterklasse. Aufgrund seiner famili\u00e4ren Herkunft, seiner \u00fcber 30-j\u00e4hrigen kaufm\u00e4nnischen T\u00e4tigkeit sowie seiner gr\u00fcndlichen Kenntnis der Arbeiterbewegung im industriell fortgeschrittenen England besa\u00df er hier Kenntnisse aus erster Hand. Au\u00dferdem verf\u00fcgte er \u00fcber ein enzyklop\u00e4disches Wissen \u2013 er beherrschte aktiv oder passiv mehr als zwei Dutzend Sprachen und \u201esein Wissen auf den Gebieten der Philosophie, der \u00d6konomie, der Geschichte, der Physik, der Philologie und der Milit\u00e4rwissenschaften h\u00e4tten f\u00fcr ein gutes Dutzend ordentlicher und au\u00dferordentlicher Professuren gereicht\u201c, wie Trotzki bemerkte. [4]<\/p>\n<p>Engels kam als \u00e4ltestes von neun Kindern eines Textilunternehmers in Barmen, heute ein Stadtteil Wuppertals, zur Welt. Er besuchte das Gymnasium, musste aber die Schule ein Jahr vor dem Abitur auf Druck seines Vaters abbrechen und eine Kaufmannsausbildung im v\u00e4terlichen Unternehmen beginnen. Ab Sommer 1838 setzte er die Ausbildung f\u00fcr drei Jahre im weltoffenen Bremen fort, wo auch seine erste publizistische T\u00e4tigkeit begann. Im linksliberalen\u00a0<em>Telegraph\u00a0f\u00fcr Deutschland<\/em>\u00a0erschienen unter einem Pseudonym die \u201eBriefe aus dem Wuppertal\u201c, in denen Engels mit dem bigotten Pietismus seiner Heimat und seines Elternhauses abrechnet und eindringlich das soziale Elend der Industriearbeiter schildert.<\/p>\n<p>Kurz vor seinem 21. Geburtstag ging Engels dann f\u00fcr ein Jahr nach Berlin, wo er offiziell seinen Milit\u00e4rdienst ableistete, vor allem aber ein intensives Studium der Philosophie aufnahm und in engen Kontakt zu den Junghegelianern trat. Seine publizistische T\u00e4tigkeit setzte er fort. Unter anderem schrieb er f\u00fcr die von Karl Marx redigierte\u00a0<em>Rheinische Zeitung<\/em>, hatte aber, abgesehen von einer fl\u00fcchtigen Begegnung, keinen pers\u00f6nlichen Kontakt zu Marx. Auch auf philosophischem Gebiet tat sich der junge Engels hervor. Er ver\u00f6ffentlichte anonym zwei glanzvolle, polemische Streitschriften gegen den Irrationalismus Schellings, der den Lehrstuhl Hegels an der Berliner Universit\u00e4t \u00fcbernommen hatte, und erregte damit gewaltiges Aufsehen.<\/p>\n<p>Ende 1842 ging Engels ins v\u00e4terliche Unternehmen nach Manchester. Er nutzte seinen Aufenthalt, um sich mit der klassischen \u00d6konomie auseinanderzusetzen, die Lage der Arbeiterklasse zu studieren und in engen Kontakt zur britischen Arbeiterbewegung zu treten. Aus dieser Zeit stammt auch seine Liebe zu Mary Burns, einer irischen Arbeiterin, die bis zu ihrem fr\u00fchen Tod 1963 seine Lebenspartnerin blieb.<\/p>\n<p>Wenige Monate vor Engels Ankunft hatte die Bewegung der Chartisten ihren Gipfelpunkt erreicht. Sie war mit 70.000 Mitgliedern die erste politische Massenbewegung der Arbeiterklasse auf der Welt. Die Chartisten hatten 3,3 Millionen Unterschriften f\u00fcr eine Petition ans Unterhaus gesammelt, die das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr M\u00e4nner ab 21 Jahren sowie eine Reihe von Sozialreformen forderte. Die Ablehnung der Petition durch das Unterhaus l\u00f6ste eine Welle von Streiks aus, die brutal niedergeschlagen wurden. Engel freundete sich mit dem linken Chartistenf\u00fchrer Julian Harney an und schrieb f\u00fcr dessen Zeitung\u00a0<em>Northern Star<\/em>. Auch mit den Anh\u00e4ngern des utopischen Sozialisten Robert Owen stand er in Kontakt.<\/p>\n<p>Anfang 1844 ver\u00f6ffentlichte der 23-j\u00e4hrige Engels dann den Artikel \u201eUmrisse zu einer Kritik der National\u00f6konomie\u201c, der Marx tief beeindruckte. Es war der erste Versuch, den Sozialismus nicht auf moralische oder ethische Postulate, sondern auf die politische \u00d6konomie zu begr\u00fcnden. Engels untersuchte darin \u201evom sozialistischen Standpunkt aus die grundlegenden Erscheinungen der modernen Wirtschaftsordnung als zwangsl\u00e4ufige Folgen der Herrschaft des Privateigentums\u201c, wie Lenin in einem Nachruf auf Engels schrieb. [5]<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter fasste Engels seine Beobachtungen in England in der Schrift \u201eDie Lage der arbeitenden Klasse in England\u201c zusammen, auf die Marx sp\u00e4ter im Kapital zur\u00fcckgriff. Er stellt darin das Proletariat nicht nur als leidende, sondern auch als k\u00e4mpfende Klasse dar, als Tr\u00e4gerin der sozialistischen Revolution.<\/p>\n<p>Engels \u201eUmrisse zu einer Kritik der National\u00f6konomie\u201c erschienen in der ersten \u2013 und einzigen \u2013 Ausgabe der\u00a0<em>Deutsch-Franz\u00f6sischen Jahrb\u00fccher<\/em>, die Karl Marx und Arnold Ruge in Paris ger\u00fcndet hatten, nachdem sie vor der preu\u00dfischen Reaktion hatten fliehen m\u00fcssen. Marx ver\u00f6ffentlichte im selben Heft den Artikel \u201eZur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie\u201c, einen Meilenstein seines Bruchs mit dem Hegelschen Idealismus.<\/p>\n<p><strong>Zusammenarbeit von Marx und Engels<\/strong><\/p>\n<p>Nun begann die enge Zusammenarbeit von Marx und Engels, die bis zu Marx\u2018 Tod 39 Jahre sp\u00e4ter andauerte. Auf der R\u00fcckreise von Manchester traf sich Engels f\u00fcr zehn Tage mit Marx in Paris zu einer intensiven Diskussion, in der sie in allen wichtigen Fragen \u00dcbereinstimmung feststellten. Ein Ergebnis dieser Diskussion war \u201eDie heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik\u201c, eine scharfe Abrechnung mit den Junghegelianern, die im Fr\u00fchjahr 1845 unter beider Namen erschien.<\/p>\n<p>Die Junghegelianer, die sich ungeheuer revolution\u00e4r geb\u00e4rdeten, vertraten eine Kritik, die \u00fcber den Klassen und Parteien stand, jede praktische T\u00e4tigkeit verneinte und die Arbeiterklasse als unkritische Masse verachtete. Sowohl der Anarchismus wie die \u201eKritische Theorie\u201c der Frankfurter Schule sollten sich sp\u00e4ter auf sie berufen. Ihre \u201eForderung, das Bewusstsein zu ver\u00e4ndern, l\u00e4uft auf die Forderung hinaus, das Bestehende anders zu interpretieren, d.h. es vermittelst einer andren Interpretation anzuerkennen\u201c, h\u00f6hnten Marx und Engels. Sie seien \u201etrotz ihrer angeblich \u201aweltersch\u00fctternden\u2018 Phrasen die gr\u00f6\u00dften Konservativen\u201c. Sie verg\u00e4\u00dfen, \u201edass sie die wirkliche bestehende Welt keineswegs bek\u00e4mpfen, wenn sie nur die Phrasen dieser Welt bek\u00e4mpfen\u201c. [6]<\/p>\n<p>Dieses Zitat stammt aus \u201eDie deutsche Ideologie\u201c, einem umfangreichen Werk, das Marx und Engels im Winter 1845\/46 gemeinsam in Br\u00fcssel verfassten, wo Engels mittlerweile hingezogen war. Es setzt die Kritik an den Junghegelianern fort und dehnt sie auf Ludwig Feuerbach aus. Feuerbach hatte Hegels objektiven Idealismus erstmals von einem materialistischen Standpunkt aus kritisiert und damit starken Einfluss auf Marx und Engels ausge\u00fcbt. Doch sein Materialismus schloss die menschliche Praxis aus und blieb deshalb kontemplativ, passiv und ahistorisch.<\/p>\n<p>In der \u201eDeutschen Ideologie\u201c arbeiteten Marx und Engels die materialistische Geschichtsauffassung, die ihren sp\u00e4teren Meisterwerken zugrunde liegt, in ihren wesentlichen Grundz\u00fcgen aus. Diese Geschichtsauffassung beruhe darauf, schrieben sie,<\/p>\n<p><em>den wirklichen Produktionsprozess, und zwar von der materiellen Produktion des unmittelbaren Lebens ausgehend, zu entwickeln, \u2026 die mit dieser Produktionsweise zusammenh\u00e4ngende und von ihr erzeugte Verkehrsform, also die b\u00fcrgerliche Gesellschaft in ihren verschiedenen Stufen, als Grundlage der ganzen Geschichte aufzufassen [und s\u00e4mtliche] theoretischen Erzeugnisse und Formen des Bewusstseins, Religion, Philosophie, Moral etc. etc., aus ihr zu erkl\u00e4ren\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>[Die materialistische Geschichtsauffassung] erkl\u00e4rt nicht die Praxis aus der Idee, [sondern] erkl\u00e4rt die Ideenformationen aus der materiellen Praxis und kommt demgem\u00e4\u00df auch zu dem Resultat, dass alle Formen und Produkte des Bewusstseins nicht durch geistige Kritik, \u2026 sondern nur durch den praktischen Umsturz der realen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, aus denen diese idealistischen Flausen hervorgegangen sind, aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen \u2013 dass nicht die Kritik, sondern die Revolution die treibende Kraft der Geschichte auch der Religion, Philosophie und sonstigen Theorie ist.<\/em><\/p>\n<p>Eine Revolution tritt dann ein, wenn die \u201emateriellen Elemente\u201c stark genug sind \u2013<\/p>\n<p><em>n\u00e4mlich einerseits die vorhandnen Produktivkr\u00e4fte, andrerseits die Bildung einer revolution\u00e4ren Masse, die nicht nur gegen einzelne Bedingungen der bisherigen Gesellschaft, sondern gegen die bisherige \u201aLebensproduktion\u2018 selbst, die \u201aGesamtt\u00e4tigkeit\u2018, worauf sie basierte, revolutioniert. [7]<\/em><\/p>\n<p>Es gelang Marx und Engels nicht, \u201eDie deutsche Ideologie\u201c zu ver\u00f6ffentlichen, das Werk erschien erst 1932 in vollem Umfang. Doch sie hatten ihr wichtigstes Ziel erreicht: Selbstverst\u00e4ndigung. Aus der Arbeit an der \u201eDeutschen Ideologie\u201c ging das gro\u00dfartigste politische Programm hervor, dass jemals geschrieben wurde, \u201eDas Manifest der Kommunistischen Partei\u201c. 1847 schlossen sich Marx und Engels dem Bund der Gerechten an, einer internationalen sozialistischen Organisation, in der viele deutsche Exilanten t\u00e4tig waren. Der Bund hatte sie dazu eingeladen und \u00e4nderte seinen Namen auf ihren Wunsch in Bund der Kommunisten. In seinem Auftrag verfassten Marx und Engels das Manifest.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt schwer, dieser Schrift, die bis heute durch ihre Klarheit, ihre Weitsicht und ihre K\u00fchnheit besticht, in wenigen S\u00e4tzen gerecht zu werden. Marx und Engels skizzieren darin mit wenigen Pinselstrichen die dynamische Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft, die alle regionalen und nationalen Grenzen sprengt, den Klassengegensatz auf die Spitze treibt und schlie\u00dflich die heraufbeschworenen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag. Die Bourgeoisie hat \u201enicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die M\u00e4nner gezeugt, die diese Waffen f\u00fchren werden \u2013 die modernen Arbeiter, die Proletarier\u201c, schreiben sie.<\/p>\n<p>Es folgt ein revolution\u00e4res, sozialistisches Programm, das in seinen Grundz\u00fcgen bis heute Bestand hat. Im Zentrum stehen die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiterklasse und ihr internationaler Charakter. Das Manifest enth\u00e4lt eine scharfe Kritik aller bisherigen \u2013 utopischen, kleinb\u00fcrgerlichen und b\u00fcrgerlichen \u2013 Formen des Sozialismus und definiert die Aufgaben in der sich anbahnenden demokratischen Revolution. Es endet mit dem ber\u00fchmten Satz: \u201eProletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!\u201c<\/p>\n<p><strong>Revolution von 1848<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eKommunistische Manifest\u201c erschien am 21. Februar 1848 in London. Drei Tage sp\u00e4ter st\u00fcrzte in Frankreich ein revolution\u00e4rer Aufstand die Monarchie. Im M\u00e4rz griff die Revolution auf Deutschland \u00fcber und dehnte sich auf ganz Europa aus. Die feudalen Machthaber der deutschen Staaten mussten reihenweise abdanken oder Parlamente und Verfassungen zulassen. Ab Mai tagte in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung, die eine Verfassung f\u00fcr ein vereintes Deutschland ausarbeiten sollte.<\/p>\n<p>Marx und Engels z\u00f6gerten keine Sekunde, sich an der Revolution zu beteiligen. Ankn\u00fcpfend an die\u00a0<em>Rheinische Zeitung<\/em>, die 1943 verboten worden war, gr\u00fcndeten sie in K\u00f6ln die\u00a0<em>Neue Rheinische Zeitung<\/em>, die vom 1. Juni 1848 bis zum 19. Mai 1949 in insgesamt 301 Ausgaben erschien und eine f\u00fcr die damalige Zeit hohe Auflage von 6000 Exemplaren erreichte. Sie verstand sich als linker Fl\u00fcgel des demokratischen Lagers und sah ihre Aufgabe darin, die b\u00fcrgerliche Revolution voranzutreiben, die \u2013 wie es im \u201eKommunistischen Manifest\u201c hie\u00df \u2013 \u201enur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen Revolution sein kann\u201c.<\/p>\n<p>Die Arbeit, die Marx und Engels leisteten, um mit den damaligen primitiven technischen Mitteln eine Tageszeitung herauszugeben, ist nahezu unvorstellbar. Engels reiste durch das ganze Land, um Gelder und Abonnenten zu werben, und steuerte gleichzeitig zahlreiche Artikel bei. Marx war als Chefredakteur treibende Kraft der Redaktion. Geldsorgen \u00fcberschatteten das Projekt von Anfang an \u2013 insbesondere nachdem Engels in der ersten Ausgabe die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, die sich \u00fcber die Tagesordnung stritten und auf die streikte Einhaltung der Essenspausen achteten, w\u00e4hrend im benachbarten Wiesbaden revolution\u00e4re K\u00e4mpfer preu\u00dfischen Kugeln zum Opfer fielen, heftig gegei\u00dfelt hatte.<\/p>\n<p>Doch die\u00a0<em>NRZ<\/em>\u00a0schw\u00e4chte ihre Kritik an den b\u00fcrgerlichen Liberalen, die sich bald mit der feudalen Reaktion gegen die Revolution verb\u00fcndeten, und den kleinb\u00fcrgerlichen Demokraten nicht ab. Sp\u00e4ter fasste Engels die Erfahrungen dieser Zeit in dem Buch \u201eRevolution und Konterrevolution in Deutschland\u201c zusammen, das ursp\u00fcnglich als Serie in der\u00a0<em>New-York Daily Tribune<\/em>\u00a0erschien. Es bleibt bis heute eine der besten Darstellungen der 48er Revolution. Engels pr\u00e4gt darin ein Urteil \u00fcber die Frankfurter Nationalversammlung, dass das deutsche \u201edemokratische\u201c Kleinb\u00fcrgertum seither immer wieder best\u00e4tigt hat:<\/p>\n<p><em>Diese Versammlung alter Weiber hatte vom ersten Tag ihres Bestehens mehr Angst vor der geringsten Volksbewegung als vor s\u00e4mtlichen reaktion\u00e4ren Komplotten s\u00e4mtlicher deutscher Regierungen zusammengenommen. [8]<\/em><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1850 fassten Marx und Engels die politischen Lehren aus der Niederlage der 48er Revolution in einer \u201eAnsprache der Zentralbeh\u00f6rde\u201c an den Bund der Kommunisten zusammen, die ma\u00dfgeblichen Einfluss auf Trotzkis Theorie der permanenten Revolution haben sollte. Sie beharrten auf der vollst\u00e4ndigen politischen Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiterklasse von den kleinb\u00fcrgerlichen Demokraten:<\/p>\n<p><em>Die demokratischen Kleinb\u00fcrger, weit entfernt, f\u00fcr die revolution\u00e4ren Proletarier die ganze Gesellschaft umw\u00e4lzen zu wollen, erstreben eine \u00c4nderung der gesellschaftlichen Zust\u00e4nde, wodurch ihnen die bestehende Gesellschaft m\u00f6glichst ertr\u00e4glich und bequem gemacht wird. \u2026 [Die Arbeiter dagegen m\u00fcssen] sich \u00fcber ihre Klasseninteressen aufkl\u00e4ren, ihre selbst\u00e4ndige Parteistellung sobald wie m\u00f6glich einnehmen, sich durch die heuchlerischen Phrasen der demokratischen Kleinb\u00fcrger keinen Augenblick an der unabh\u00e4ngigen Organisation der Partei des Proletariats irremachen lassen. Ihr Schlachtruf muss sein: Die Revolution in Permanenz. [9]<\/em><\/p>\n<p><strong>London und Manchester<\/strong><\/p>\n<p>Marx und Engels (im Hintergrund) auf dem Haager Kongress der Ersten Internationale 1872<\/p>\n<p>Nach dem Verbot der NRZ gingen Marx und seine Familie ins Londoner Exil. Engels schloss sich revolution\u00e4ren badischen Truppen an, die gegen die vorr\u00fcckende preu\u00dfische Armee k\u00e4mpften. Als Adjudant von August Willich, der sp\u00e4ter als General der Nordstaaten am amerikanischen B\u00fcrgerkrieg teilnahm, erlebte er drei Schlachten. Danach ging auch er \u00fcber die Schweiz und Italien nach London.<\/p>\n<p>Das erste Jahrzehnt des Exils war von schweren Geldsorgen gepr\u00e4gt. Marx und Engels waren nicht bereit, ihren Frieden mit den Demokraten zu machen, die die Revolution ausverkauft hatten und sich nun im Londoner Exil als Helden feiern lie\u00dfen. Engels nahm die Arbeit als kaufm\u00e4nnischer Angestellter in der v\u00e4terlichen Fabrik in Manchester wieder auf, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren und Marx zu unterst\u00fctzen, dem er dadurch die Konzentration auf die Arbeit am \u201eKapital\u201c erm\u00f6glichte. Anfangs war das Gehalt bescheiden, doch sp\u00e4ter wurde er Teilhaber der Firma. 1870 konnte er seinen Anteil zu einem Preis verkaufen, der ihm ein sorgenfreies Leben und die Unterst\u00fctzung von Marx und seiner Familie erm\u00f6glichte. Auch nach Marx\u2018 Tod half er weiterhin dessen T\u00f6chtern, denen er auch einen Gro\u00dfteil seines Verm\u00f6gens vererbte.<\/p>\n<p>20 Jahre lang lebten Marx und Engels in verschiedenen St\u00e4dten. Doch sie unterhielten einen nahezu t\u00e4glichen, brieflichen Gedankenaustausch, mit dem sie ihre intensive theoretische und politische Zusammenarbeit fortsetzten. Marx erarbeitete sein Hauptwerk, das \u201eKapital\u201c, in enger Zusammenarbeit mit Engels, den er immer wieder wegen seines Fachwissens um Rat fragte. Ohne die uneingeschr\u00e4nkte Freundschaft und Unterst\u00fctzung seines Freundes h\u00e4tte Marx sein welthistorisches Werk niemals vollbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der erste Band von \u201eDas Kapital\u201c erschien 1867. Der zweite und der dritte Band waren unfertig, als Marx 1883 starb. Engels \u00fcbernahm die Aufgabe, sie zu vollenden und herauszugeben. Trotzki beschreibt, wie penibel und sorgf\u00e4ltig er dabei arbeitete:<\/p>\n<p><em>Engels beschr\u00e4nkte sich nicht darauf, die Manuskripte f\u00fcr den zweiten und dritten Band vom Kapital zu entziffern, feinzuschleifen, zu transkribieren, Korrektur zu lesen und mit Kommentaren zu versehen, sondern wachte mit Argusaugen \u00fcber Marx\u2018 Erbe und verteidigte es gegen feindliche Angriffe. [10]<\/em><\/p>\n<p>Auch \u00fcber die weltpolitischen Ereignisse ihrer Zeit f\u00fchrten Marx und Engels eine intensive und manchmal auch kontroverse Diskussion \u2013 \u00fcber den amerikanischen B\u00fcrgerkrieg, den Krimkrieg, den polnischen Aufstand von 1863 und vieles mehr. Sie schrieben dar\u00fcber in internationalen Publikationen; teilweise nahm Engels Marx die Arbeit ab und verfasste Artikel, die dann in seinem Namen erschienen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurden sie, sobald es die Umst\u00e4nde erlaubten, wieder politisch aktiv. Nach einer Phase der Reaktion in den 1850er Jahren schwoll die Arbeiterbewegung seit Anfang der 1860er Jahre wieder stark an. 1864 wurde die Erste Internationale, die Internationalen Arbeiterassoziation gegr\u00fcndet, deren Kopf Karl Marx war. Es war der erste systematische Versuch, die Arbeiterbewegung auf einer einheitlichen, sozialistischen Perspektive aufzubauen, die Marx enorm in Anspruch nahm.<\/p>\n<p>Trotz seiner zeitraubenden beruflichen, journalistischen und politischen T\u00e4tigkeit fand Engels in Manchester die Zeit, sich weiterzubilden. Er erweiterte und vervollkommnete seine Sprachkenntnisse, entwickelte sich zu einem auch in b\u00fcrgerlichen Kreisen respektierten Milit\u00e4rwissenschaftler, was ihm den Spitznamen \u201eGeneral\u201c einbrachte, und befasste sich intensiv mit den neuesten Erkenntnissen der Naturwissenschaften.<\/p>\n<p><strong>Engels Rolle nach Marx\u2018 Tod<\/strong><\/p>\n<p>Am 14. M\u00e4rz 1883 starb Karl Marx. Engels \u00fcberlebte ihn um zw\u00f6lf Jahre. In dieser Zeit vollendete er nicht nur den zweiten und dritten Band des Kapitals, sondern leistete auch einen entscheidenden, kreativen Beitrag zur Weiterentwicklung des Marxismus und spielte eine zentrale Rolle in der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung, die sich rasant entwickelte.<\/p>\n<p>Schon in den 1870er Jahren, als Marx\u2018 Schaffenskraft aufgrund zunehmender Krankheit merklich nachlie\u00df, wuchs Engels Beitrag zur gemeinsamen Arbeit sowohl auf theoretischem, politischem und organisatorischem Gebiet. Spielte Marx die \u201eerste Violine\u201c bei der Ausarbeitung der historisch materialistischen Weltanschauung, so \u00fcbernahm Engels diese Aufgabe beim Aufbau von Massenparteien der Arbeiterklasse, der neue Herausforderungen mit sich brachte.<\/p>\n<p>Bereits nach seiner R\u00fcckkehr aus Manchester war Engels Mitglied des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation geworden. Er war korrespondierender Sekret\u00e4r f\u00fcr Belgien, Spanien und Italien. Auch mit Russland befassten sich sowohl Marx wie Engels, die beide die russische Sprache beherrschten.<\/p>\n<p>Die Internationale Arbeiterassoziation geriet nach dem deutsch-franz\u00f6sischen Krieg und der Niederlage der Pariser Kommune 1871 in die Krise und wurde schlie\u00dflich aufgel\u00f6st. Doch die sozialistische Arbeiterbewegung begann bald wieder stark zu wachsen. Am 14. August 1889, dem hundertsten Jahrestag der franz\u00f6sischen Revolution, wurde in Paris auf Engels\u2018 Initiative die Zweite Internationale gegr\u00fcndet. Rund 300 Organisationen und Parteien aus 20 Staaten waren vertreten. Engels stand in engem Kontakt mit den F\u00fchrern insbesondere der deutschen Sozialdemokratie, die regelm\u00e4\u00dfig bei ihm Rat suchten.<\/p>\n<p>Karl Kautsky hat beschrieben, welch herausragende Rolle Marx und Engels in der Ersten und Engels in der Zweiten Internationale spielten:<\/p>\n<p><em>Niemand besa\u00df in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe das Vertrauen der einsichtigen sozialistischen Elemente aller L\u00e4nder; kein Wunder, dass diese in kritischen Momenten sich stets gern an die beiden Veteranen in London um Rat gewendet haben. Und nie haben ihn diese verweigert. Sie sprachen frank und frei ihre \u00dcberzeugung aus, ohne R\u00fcckhalt, aber auch ohne sich aufdr\u00e4ngen zu wollen. Kein Proletarier, keiner, dem es um die Sache der Proletarier ernst war, hat sich je vergebens an die beiden gewendet. Zahllose Briefe in verschiedenen Sprachen legen Zeugnis ab von ihrer unerm\u00fcdlichen T\u00e4tigkeit als Berater des internationalen Proletariats. [11]<\/em><\/p>\n<p>Das ungeheure Korrespondenzpensum, das Engels dabei erledigte, l\u00e4sst sich an der Marx-Engels-Gesamtausgabe ermessen. Die gesamte Korrespondenz von Marx und Engels f\u00fcllt darin 35 B\u00e4nde von jeweils 1300 bis 1500 Seiten, von denen bisher 13 im Druck erschienen sind. Allein die Korrespondenz nach Marx\u2018 Tod, die Engels alleine erledigte, umfasst zehn B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Neben der internationalen politischen Arbeit, der Verwaltung von Marx\u2018 Nachlass und der Fertigstellung der letzten beiden B\u00e4nde des Kapitals \u2013 was alles f\u00fcr sich genommen die Arbeitskraft mehrerer Menschen erfordert h\u00e4tten \u2013, verfasste Engels eine Reihe bedeutsamer Werke, die den Triumph des Marxismus als theoretische und politische Grundlage der sozialistischen Weltbewegung sicherten. Sie wurden in Massenauflagen gedruckt, in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt und erm\u00f6glichten Hunderttausenden Arbeitern auf der ganzen Welt den Zugang zum Marxismus.<\/p>\n<p>Engels meisterhafte Beherrschung der Sprache, seine F\u00e4higkeit, komplexe Sachverhalte verst\u00e4ndlich darzustellen, sein enzyklop\u00e4disches Wissen und sein Humor, der selbst bei den ernstesten Themen durchscheint, machen die Lekt\u00fcre seiner Schriften bis heute zu einem Genuss. Das gilt nicht nur f\u00fcr die marxistischen Klassiker, sondern auch f\u00fcr seine zahlreichen zeitaktuellen Artikel und Beitr\u00e4ge. Hier bewies er ein Ausma\u00df an politischem Scharfsinn und Weitblick, wie es au\u00dfer Marx vielleicht nur noch Leo Trotzki eigen war.<\/p>\n<p>So sah Engels im Dezember 1887, als sich die kapitalistische Wirtschaft im scheinbar unaufhaltsamen Aufschwung befand und sich in der Sozialdemokratie die ersten reformistischen Illusionen breit machten, mit erstaunlicher Pr\u00e4zision den Ersten Weltkrieg voraus. Er warnte im Vorwort zu einer antimilitaristischen Brosch\u00fcre:<\/p>\n<p><em>Und endlich ist kein andrer Krieg f\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland mehr m\u00f6glich, als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abw\u00fcrgen und dabei ganz Europa so kahlfressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verw\u00fcstungen des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs zusammengedr\u00e4ngt in drei bis vier Jahre und \u00fcber den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen; rettungslose Verwirrung unsres k\u00fcnstlichen Getriebs in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankerott; Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer traditionellen Staatsweisheit, derart, dass die Kronen zu Dutzenden \u00fcber das Stra\u00dfenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt. [12]<\/em><\/p>\n<p>Allein diese Zeilen machen deutlich, wie absurd die Behauptung ist, Engels habe sich angesichts der organisatorischen Erfolge der SPD am Ende seines Lebens in einen Reformisten verwandelt.<\/p>\n<p>Noch zu Marx Lebzeiten \u2013 und in enger Zusammenarbeit mit diesem \u2013 ver\u00f6ffentlichte Engels eine Reihe grundlegender theoretischer Schriften. Sie stellten nicht nur die gemeinsam erarbeitete Weltanschauung in einer systematischen und zusammenh\u00e4ngenden Weise dar, sondern entwickelten diese auch weiter. Insbesondere Engels gr\u00fcndliche Kenntnis der Naturwissenschaften, die im 19. Jahrhundert gewaltige Fortschritte machte, spielte dabei eine zentrale Rolle. Wie sp\u00e4ter auch Lenin verstand Engels, dass der philosophische Materialismus nicht verteidigt und weiterentwickelt werden kann, wenn er nicht st\u00e4ndig die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaft ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>1877\/78 erschien, zuerst als Artikelserie im SPD-Zentralorgan\u00a0<em>Vorw\u00e4rts<\/em>, \u201eHerrn Eugen D\u00fchrings Umw\u00e4lzung der Wissenschaft\u201c. Urspr\u00fcnglich als Polemik gegen den theoretischen Scharlatan und sp\u00e4teren Begr\u00fcnder des rassistischen Antisemitismus Eugen D\u00fchring konzipiert, dessen als ultimative Wahrheit verk\u00fcndetes \u201eSystem\u201c der Philosophie und Wissenschaft in der SPD viel Verwirrung stiftete, entwickelte sich der \u201eAnti-D\u00fchring\u201c zu einer umfassenden Darstellung der marxistischen Auffassung von Philosophie, Natur- und Gesellschaftswissenschaft. \u201eDie negative Kritik wurde damit positiv,\u201c schreibt Engels. \u201eDie Polemik schlug um in eine mehr oder minder zusammenh\u00e4ngende Darstellung der von Marx und mir vertretenen dialektischen Methode und der kommunistischen Weltanschauung, und dies auf einer ziemlich umfassenden Reihe von Gebieten.\u201c [13]<\/p>\n<p>Der \u201eAnti-D\u00fchring\u201c, in dem Engels s\u00e4mtliche Auffassungen \u00fcber die Dialektik der Natur und den historischen und dialektischen Materialismus darlegt, die er in sp\u00e4teren Schriften vertiefen sollte, entstand in engster Absprache mit Marx. \u201eIch habe ihm das ganze Manuskript vor dem Druck vorgelesen, und das zehnte Kapitel des Abschnitts \u00fcber \u00d6konomie (\u201aAus der \u201eKritischen Geschichte\u201c\u2018) ist von Marx geschrieben,\u201c berichtet Engels. [14] Sp\u00e4tere Vorw\u00fcrfe, sie stellten eine \u201epositivistische\u201c Vulgarisierung von Marx\u2018 Auffassungen dar, sind also v\u00f6llig aus der Luft gegriffen.<\/p>\n<p>Aufbauend auf den \u201eAnti-D\u00fchring\u201c ver\u00f6ffentlichte Engels 1880 \u201eDie Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft\u201c, eine Einf\u00fchrung in den wissenschaftlichen Sozialismus, zu der Marx ein Vorwort verfasste und die in unz\u00e4hligen Auflagen in mehreren Sprachen erschein.<\/p>\n<p>Auch zentrale Kapitel aus der \u201eDialektik der Natur\u201c, ein Buch, das unvollendet blieb und erst nach Engels Tod erschien, waren bereits in den 1870er Jahren entstanden. Engels weist darin im Einzelnen nach, dass sich die Dialektik nicht auf das Denken beschr\u00e4nkt. Die Natur sei \u201edie Probe auf die Dialektik\u201c, welche \u201edie Dinge und ihre begrifflichen Abbilder wesentlich in ihrem Zusammenhang, ihrer Verkettung, ihrer Bewegung, ihrem Entstehen und Vergehen auffasst\u201c. Die moderne Naturwissenschaft habe \u201ef\u00fcr diese Probe ein \u00e4u\u00dferst reichliches, sich t\u00e4glich h\u00e4ufendes Material, geliefert und damit bewiesen, dass es in der Natur, in letzter Instanz, dialektisch und nicht metaphysisch hergeht\u201c. [15]<\/p>\n<p>Nach Marx Tod ver\u00f6ffentlichte Engels dann eine Reihe weiterer bedeutender Werke, die die gemeinsame Weltanschauung theoretisch vertiefen. 1884 erschien \u201eDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats\u201c, das gest\u00fctzt auf neuere Forschungen die Rolle von Staat, Eigentum und Familie in fr\u00fchere Kulturstufen zur\u00fcckverfolgt und so historisch relativiert. Die Schrift \u00fcbte ma\u00dfgeblichen Einfluss auf Lenins am Vorabend der Oktoberrevolution verfasstes Werk \u201eStaat und Revolution\u201c aus.<\/p>\n<p>\u201eLudwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie\u201c (1888) ist eine geniale Zusammenfassung der Philosophiegeschichte, deren Unterteilung der Philosophen in zwei gro\u00dfe Lager \u2013 Idealisten, \u201edie die Urspr\u00fcnglichkeit des Geistes gegen\u00fcber der Natur behaupteten\u201c, und Materialisten, \u201edie die Natur als das Urspr\u00fcngliche ansahen\u201c \u2013 bis heute einen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis und zur Einordnung der verschiedenen philosophischen Schulen liefert.<\/p>\n<p>Neben diesen grundlegenden theoretischen Werken verfasste Engels zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der marxistischen Bewegung (\u201eMarx und die Neue Rheinische Zeitung\u201c, \u201eZur Geschichte des Bundes der Kommunisten\u201c), biografische Studien (\u00fcber den Dichter Georg Weerth und den Arbeiterf\u00fchrer Johann Philipp Becker), bedeutende Vorworte zur Neuauflage marxistischer Schriften und Stellungnahmen zu aktuellen politischen Fragen.<\/p>\n<p>Engels starb am 5. August 1895 in London im Alter von 74 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Der Versuch, Engels gegen Marx auszuspielen<\/strong><\/p>\n<p>Lange Zeit galt es als selbstverst\u00e4ndlich, dass Marx und Engels \u2013 in den Worten von Marx\u2018 Tochter Eleanor \u2013 \u201eso eng miteinander verbunden waren, dass man sie unm\u00f6glich voneinander trennen kann\u201c. Doch in den vergangenen sechs Jahrzehnten hat sich in akademischen Kreisen ein regelrechter Wettbewerb entwickelt, einen Keil zwischen die beiden zu treiben.<\/p>\n<p>All diesen Bem\u00fchungen ist gemein, dass sie Engels eine \u201epositivistische\u201c Vulgarisierung des Marxismus vorwerfen. Durch seine Identifikation des Marxismus mit dem Materialismus habe er sich von dem philosophischen Humanismus abgewandt, den Marx in seinen Fr\u00fchschriften vertreten habe. W\u00e4hrend sich f\u00fcr Marx die Dialektik nur im Zusammenspiel von sozialer Praxis und menschlichem Denken manifestiere, habe Engels die Dialektik f\u00e4lschlicherweise in Materie und Natur verwurzelt.<\/p>\n<p>Inhaltlich lassen sich diese Standpunkte leicht widerlegen. Sowohl Marx\u2018 und Engels\u2018 lebenslange Zusammenarbeit wie die Tatsache, dass Engels \u2013 wie wir gezeigt haben \u2013 sein Verst\u00e4ndnis der Dialektik der Natur und des Materialismus in enger Absprache mit Marx entwickelte, beweisen das Gegenteil. Doch Engels\u2018 Gegnern geht es nicht um historische Fakten. Der Angriff auf Engels und den Materialismus ist ein Versuch, den \u201eMarxismus\u201c von der Arbeiterklasse und vom Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus zu trennen.<\/p>\n<p>George Luk\u00e1cs und Karl Korsch hatten bereits in den 1920er Jahren solche Auffassungen vertreten. Die Frankfurter Schule trieb sie dann auf die Spitze. Max Horkheimer und Theodor Adorno lehnten am Ende des Zweiten Weltkriegs in ihrer ma\u00dfgeblichen Schrift \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung\u201c das historisch materialistische Verst\u00e4ndnis der Gesellschaft und mit ihm die revolution\u00e4re Rolle der Arbeiterklasse explizit ab.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rten, der Fortschritt der Produktivkr\u00e4fte leite keine Epoche der sozialen Revolution ein, sie bilde nicht die Grundlage f\u00fcr eine h\u00f6here, sozialistische Gesellschaftsform, sondern f\u00fchre zur Verdummung der Massen, zum Niedergang der Kultur und schlie\u00dflich zum R\u00fcckfall der Gesellschaft in die Barbarei: \u201eDer Fluch des unaufhaltsamen Fortschritts ist die unaufhaltsame Regression. \u2026 Die Ohnmacht der Arbeiter ist nicht blo\u00df eine Finte der Herrschenden, sondern die logische Konsequenz der Industriegesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Die Frankfurter Schule verwandelte, wie David North schreibt, \u201eden Marxismus aus einer theoretischen und politischen Waffe des proletarischen Klassenkampfs, den Horkheimer, Adorno und Marcuse ablehnten, in eine gesellschaftlich undifferenzierte Form der Kulturkritik, die den politischen Pessimismus, die gesellschaftliche Entfremdung und die pers\u00f6nliche und psychologische Frustration von Teilen der Mittelklasse zum Ausdruck brachte.\u201c [16]<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren, als sich die Arbeiterklasse und die Jugend weltweit radikalisierten, h\u00e4uften sich die Angriffe auf Engels. 1961 ver\u00f6ffentlichte George Lichtheim sein einflussreiches Buch \u201eMarxism: An Historical and Critical Study\u201c. Es stellte Engels als einf\u00e4ltigen Deterministen und Positivisten dar, w\u00e4hrend Marx in seinen Schriften von 1843 bis 1848 eine \u201ekomplexe Dialektik der Existenz und des Wesens, der Wirklichkeit und der \u201aEntfremdung\u2018\u201c entwickelt habe. [17]<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter erschien \u201eDer Begriff der Natur in der Lehre von Marx\u201c des Adorno- und Habermas-Sch\u00fclers Alfred Schmidt, der \u00e4hnliche Thesen vertrat. Sie spielten eine wichtige Rolle dabei, die Protestbewegung der Jugend von der Arbeiterklasse zu spalten. In den folgenden Jahren gewannen solche Positionen im \u201elinken\u201c akademischen Milieu die Oberhand und mischten sich mit den reaktion\u00e4ren, irrationalistischen Konzeptionen der Postmoderne.<\/p>\n<p>Lichtheim vertrat die Auffassung, dass eine direkte Linie von Engels \u00fcber Kautsky, Plechanow und Lenin zur stalinistischen Diktatur in der Sowjetunion f\u00fchre. Sie alle h\u00e4tten, ungeachtet bestehender Differenzen, einen \u201egemeinsamen Glauben an den \u201adialektischen Materialismus\u2018 als universelle \u201aWissenschaft\u2018\u201c geteilt, der \u201ezum Eckpfeiler des sowjetischen marxistischen Bauwerks\u201c wurde. [18]<\/p>\n<p>Die Absurdit\u00e4t dieser Behauptung ist offensichtlich. Erstens beruhte die stalinistische Diktatur nicht auf dem Marxismus, sondern auf der Unterdr\u00fcckung und Ermordung zehntausender revolution\u00e4rer Marxisten, die 1937\/38 im Gro\u00dfen Terror gipfelten. Zweitens waren die einzigen, die den Stalinismus seit 1923 richtig einsch\u00e4tzten und seine Entwicklung voraussahen, die Marxisten der trotzkistischen Linken Opposition. Und drittens f\u00fchrte der Stalinismus wie in \u00f6konomischer auch in ideologischer Hinsicht eine rein parasit\u00e4re Existenz.<\/p>\n<p>Die stalinistische B\u00fcrokratie war, wie Trotzki stets betonte, keine Klasse. Sie usurpierte die Macht im Arbeiterstaat und schmarotzte von den Eigentumsverh\u00e4ltnissen, die die Oktoberrevolution geschaffen hatte. \u00c4hnlich verhielt es sich mit der marxistischen Ideologie. Die Tatsache, dass die stalinistischen Herrscher Statuen von Marx und Engels aufstellten, Stra\u00dfen und St\u00e4dte nach ihnen benannten, ihre B\u00fccher druckten und den \u201eDiaMat\u201c zum Pflichtfach erkl\u00e4rten, bedeutet nicht, dass sie sich auf den Marxismus st\u00fctzten. Es zeigt lediglich, dass selbst die revolution\u00e4rste Theorie pervertiert werden kann, wenn ein autorit\u00e4rer Staatsapparat dahintersteht. Wer es wagte, das stalinistische Regime gest\u00fctzt auf die Schriften von Marx und Engels zu kritisieren, wurde vom Geheimdienst und Staatsanwalt verfolgt und landete im Gef\u00e4ngnis, im Lager oder vor dem Exekutionskommando.<\/p>\n<p>Die Angriffe auf Engels und den historischen Materialismus gingen auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiter. David North hat sich in dem Essay \u201eEngels war an allem schuld\u201c ausf\u00fchrlich mit Philosophieprofessor Tom Rockmore auseinandergesetzt, der 2002 unter dem Titel \u201eMarx nach dem Marxismus\u201c die Angriffe auf Engels neu aufw\u00e4rmte. North gelangt zum Schluss:<\/p>\n<p>Was Rockmore will \u2013 ein Marx ohne historischen Materialismus, ohne Engels, ohne Marxismus \u2013, erweist sich am Ende als ein Marx ohne sozialistische Revolution, ein \u201aMarx\u2018, der nicht nur auf dem Kopf steht, sondern \u00fcberdies gefesselt und geknebelt ist. [19]<\/p>\n<p><strong>Engels Pers\u00f6nlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Man kann einen R\u00fcckblick auf Friedrich Engels nicht beenden, ohne auf seine au\u00dferordentlichen menschlichen Qualit\u00e4ten einzugehen. Er z\u00e4hlt, was pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t, Mut und Hingabe an die Sache der menschlichen Befreiung betrifft, zu den edelsten Figuren der Weltgeschichte. Es gibt unz\u00e4hlige Zeugnisse, die seine Warmherzigkeit, seinen Charme, seinen unverw\u00fcstlichen Optimismus, seine Lebenslust und seine unzerbrechliche Treue zu seinem Freund Marx schildern. Eine der besten stammt aus der Feder Leo Trotzkis:<\/p>\n<p><em>Engels Beziehungen zu anderen Menschen waren frei von Gef\u00fchlsduselei und Illusionen, zeichneten sich deshalb durch Unkompliziertheit aus und waren somit auch zutiefst menschlich. In seiner Gesellschaft bei einem Abendessen, wo Vertreter verschiedener L\u00e4nder und Kontinente zusammenkamen, l\u00f6sten sich alle Gegens\u00e4tze zwischen der geschliffenen radikalen Gr\u00e4fin Schack und der alles andere als geschliffenen russischen Nihilistin Vera Sassulitsch wie von Zauberhand auf. Die pr\u00e4chtige Pers\u00f6nlichkeit des Gastgebers dr\u00fcckte sich darin aus, dass er imstande war, sich selbst und die anderen \u00fcber alles Zweitrangige und Oberfl\u00e4chliche zu erheben, ohne auch nur im Geringsten von seinen Sichtweisen oder gar seinen Gewohnheiten abzuweichen.<\/em><\/p>\n<p>Dabei war Engels, so Trotzki, nichts Menschliches fremd:<\/p>\n<p><em>Dieser Mann der Pflicht und sehr tiefgehender Bindungen erinnert an alles andere als an einen Asketen. Er war ein Natur- und Kunstliebhaber, er genoss die Gemeinschaft kluger und lustiger Menschen, er umgab sich gerne mit Frauen und liebte gute Scherze, lachte gerne, sch\u00e4tzte ein gutes Abendessen, guten Wein und guten Tabak. Gelegentlich war er auch nicht abgeneigt, sich bei der Lekt\u00fcre von Rabelais, der sich gerne seine Inspiration unter der G\u00fcrtellinie suchte, einen Lachkrampf zu holen. [20]<\/em><\/p>\n<p>Wilhelm Liebknecht, ein Veteran der 1848er Revolution, der sich dem Bund der Kommunisten anschloss, in England viele Jahre eng mit Marx und Engels zusammenarbeitete und gemeinsam mit August Bebel die deutsche Sozialdemokratie gr\u00fcndete, sagte an Engels Grab:<\/p>\n<p><em>Er war eine wunderbar vielseitige und zugleich fest abgeschlossene Pers\u00f6nlichkeit, eine Pers\u00f6nlichkeit im Gro\u00dfen und im Kleinen \u2013 des Gr\u00f6\u00dften f\u00e4hig, das Kleinste nicht vernachl\u00e4ssigend. Selbstlos, sich stets der Sache unterordnend, bis zu Marx\u2018 Tod und noch nach Marx&#8216; Tod seine Person dem gro\u00dfen Freund aufopfernd, hat er stets der Pflicht gelebt, stets an sich selbst die h\u00f6chsten Anforderungen stellend. \u2026 Nichts Menschliches war ihm fremd, immer und \u00fcberall tat er seine Schuldigkeit und war liebevoll und heiter \u2013 heiter auch in den ernstesten K\u00e4mpfen. [21]<\/em><\/p>\n<p>200 Jahre nach Engels Geburt ist sein theoretisches und politisches Verm\u00e4chtnis aktueller denn je zuvor. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale, das dieses Erbe verteidigt und entwickelt hat, wird zum Anziehungspunkt f\u00fcr alle, die nach einer revolution\u00e4ren, sozialistischen Alternative zum bankrotten Kapitalismus suchen.<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p>1) Friedrich Engels, \u201eDas Begr\u00e4bnis von Karl Marx\u201c, MEW Bd. 19, Berlin 1973, S. 336<\/p>\n<p>2) Leo Trotzki, \u201e<a href=\"https:\/\/derfunke.at\/geschichte\/revolution-konterrevolution-vor-1945\/11458-engels-briefe-an-kautsky-von-leo-trotzki-oktober-1935\">Engels\u2018 Briefe an Kautsky<\/a>\u201c, Oktober 1935<\/p>\n<p>3) Ebd.<\/p>\n<p>4) Ebd.<\/p>\n<p>5) W.I.Lenin, \u201eFriedrich Engels\u201c, Werke Band 2, S.10<\/p>\n<p>6) Karl Marx und Friedrich Engels, \u201eDie deutsche Ideologie\u201c, MEW Band 3, S. 20<\/p>\n<p>7) Ebd. S. 37-39<\/p>\n<p>8) Friedrich Engels, \u201eRevolution und Konterrevolution in Deutschland\u201c, MEW Band 8, S. 46<\/p>\n<p>9) Karl Marx\/Friedrich Engels, \u201eAnsprache der Zentralbeh\u00f6rde an den Bund vom M\u00e4rz\u201c, MEW Band 7, S. 247, 254<\/p>\n<p>10) Leo Trotzki, \u201eEngels Briefe an Kautsky\u201c, Oktober 1935<\/p>\n<p>11) Karl Kautsky, \u201eFriedrich Engels. Zu seinem siebzigsten Geburtstag\u201c. In:\u00a0<em>Die Neue Zeit<\/em>, 9. Jahrg., 1. Bd., 1890\/1891<\/p>\n<p>12) Friedrich Engels, \u201eEinleitung [zu Sigismund Borkheims Brosch\u00fcre \u201aZur Erinnerung f\u00fcr die deutschen Mordspatrioten. 1806\u20131807\u2018]\u201c, MEW, Bd. 21, S. 350-51<\/p>\n<p>13) Friedrich Engels, \u201eHerrn Eugen D\u00fchrings Umw\u00e4lzung der Wissenschaft\u201c, Vorwort von 1885, MEW Band 20, S. 8<\/p>\n<p>14) Ebd. S. 9<\/p>\n<p>15) Friedrich Engels, \u201eDie Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft\u201c, MEW Band 19, S. 205<\/p>\n<p>16) David North, \u201eDie Frankfurter Schule, die Postmoderne und die Politik der Pseudolinken\u201c, Mehring-Verlag 2016, S. 195<\/p>\n<p>17) George Lichtheim, \u201eMarxism: An Historical and Critical Study\u201c, New York 1961, S.58-59<\/p>\n<p>18) Ebd, S. 234-35<\/p>\n<p>19) David North, \u201eEngels war an allem schuld: Eine Kritik von Tom Rockmores \u201aMarx nach dem Marxismus\u2018\u201c, in \u201eDie Russische Revolution und das unvollendete Zwanzigste Jahrhundert\u201c, Mehring-Verlag 2015, S. 454 (<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/library\/russian-revolution-unfinished-twentieth-century\/16.html\">WSWS<\/a>)<\/p>\n<p>20) Leo Trotzki, \u201eEngels Briefe an Kautsky\u201c, Oktober 1935<\/p>\n<p>21) Wilhelm Liebknecht, \u201eZum Tod von Friedrich Engels\u201c, 10. August 1895 (<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/liebknechtw\/1895\/08\/10.htm\">online<\/a>)<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/11\/28\/enge-n28.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. November 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels geboren, der zusammen mit seinem zweieinhalb Jahre \u00e4lteren Freund Karl Marx den wissenschaftlichen Sozialismus begr\u00fcndete. 200 Jahre danach ist ihr Lebenswerk von brennender Aktualit\u00e4t. Sie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7,5],"tags":[25,80,12,13,4,21],"class_list":["post-8836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-friedrich-engels","tag-lenin","tag-marx","tag-strategie","tag-trotzki"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8836"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8836\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8838,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8836\/revisions\/8838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}