{"id":8854,"date":"2020-12-02T09:59:05","date_gmt":"2020-12-02T07:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8854"},"modified":"2020-12-02T09:59:06","modified_gmt":"2020-12-02T07:59:06","slug":"die-schweiz-das-teuerste-gesundheitssystem-und-am-meisten-corona-tote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8854","title":{"rendered":"Die Schweiz: Das teuerste Gesundheitssystem und am meisten Corona Tote"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Chefredakteur des Sonntagsblick machte im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/meinung\/kolumnen\/editorial-von-sonntagsblick-chefredaktor-gieri-cavelty-1046-tote-in-zwei-wochen-und-die-schweiz-schweigt-id16207699.html?utm_medium=social&amp;utm_campaign=share-button&amp;utm_source=facebook&amp;fbclid=IwAR19ihmg8nbJpu34OGKtNHHBhU4q2cBFqfWFMlnkhbGARMEVrkC4isG0PN8\">Editorial der Ausgabe vom vergangenen Sonntag<\/a> ein paar banale Feststellungen und stellte Fragen zum aktuellen Umgang der Schweiz mit der Corona-Pandemie, die die Gewerkschaften\u00a0eigentlich\u00a0schon l\u00e4ngst<!--more--> h\u00e4tten aufwerfen m\u00fcssen. Die Schweiz z\u00e4hlt im November zu den L\u00e4ndern weltweit mit den meisten Corona-Toten im Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung.<\/strong>\u00a0<strong>Trotzdem wird kaum \u00fcber das Versagen der sehr beschr\u00e4nkten Schutzmassnahmen oder \u00fcber die mehr als 1\u2019000 Toten in den vergangenen zwei Wochen debattiert [<em>Redaktion sozialismus.ch<\/em>].<\/strong><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"176\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/br-1024x176.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8855\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/br-1024x176.png 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/br-300x51.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/br-768x132.png 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/br.png 1142w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Schweizer Regierung. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start.html\">Der Bundesrat admin.ch &#8211; Startseite<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>von Chris Zeller<\/p>\n<p><strong>Ein teures und ungerechtes Gesundheitssystem<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz hat zusammen mit den USA das teuerste Gesundheitswesen im Verh\u00e4ltnis zur Leistungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft (BIP). Ausgerechnet die USA haben ihre Bev\u00f6lkerung ebenfalls in die Katastrophe gef\u00fchrt. Beide L\u00e4nder haben nicht nur teure, sondern auch ausgesprochen ungerechte Gesundheitssysteme. In den USA genie\u00dfen viele Menschen noch immer nicht einen (angemessenen) Versicherungsschutz. Die Schweiz leistet sich ein Kopfpr\u00e4miensystem und dutzende gegeneinander um lukrative Risiken konkurrierende Krankenkassen. In beiden L\u00e4ndern hat sich eine individualistische und bisweilen sogar sozialdarwinistische Ideologie im Bewusstsein gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung festgeschrieben.<\/p>\n<p><strong>Weshalb stellen sich die Gewerkschaften gegen das Wohl der Lohnabh\u00e4ngigen?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wirft der Sonntagsblick-Chefredakteur Gieri Cavelty in seinem kurzen Artikel ganz einfache Fragen auf: Warum wird so wenig \u00fcber das aktuelle grosse Sterben gesprochen? Weshalb gibt es keinen politischen Vorstoss, der fragt, weshalb das Corona-Sterberisiko in der Schweiz f\u00fcnfmal gr\u00f6sser ist als in Deutschland? Und weshalb sind andere L\u00e4nder in der Lage, die Pandemie unter Kontrolle zu halten?<\/p>\n<p>Ich f\u00fcge da noch eine Frage dazu: Warum sind die Gewerkschaften, die doch eigentlich vorgeben f\u00fcr das Wohl der Lohnabh\u00e4ngigen einzustehen, nicht in der Lage, genau diese einfachen Fragen des Sonntagsblick-Chefredakteurs auf die eigene politische Agenda und die des ganzen Landes zu bringen? Liegt es wohl daran, dass sie die Interessen der Unternehmen und Konzerne mittlerweile als ihre eigenen betrachten?<\/p>\n<p>Vor vier Wochen sprach sich Daniel Lampart, der Chef\u00f6konom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, in einem Interview mit dem Radio SRF klar gegen weitere Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Bev\u00f6lkerung aus. Die Unternehmen h\u00e4tten ja schlie\u00dflich bereits umfassende Schutzkonzepte veranlasst, jetzt m\u00fcsse man schauen, ob diese wirken. Auch ein Mini-Lockdown lehnte er klar ab. \u00abEine solche radikale Massnahme w\u00e4re viel zu sch\u00e4dlich f\u00fcr die Wirtschaft und die Arbeitspl\u00e4tze\u00bb. Weiter sagte Lampart: \u00abMeine \u00dcberzeugung ist, dass die Schutzkonzepte eine grosse Wirkung haben \u2013 aber man muss schauen, dass sie \u00fcberall eingehalten werden\u00bb.<\/p>\n<p>Weil sich die Gewerkschaften offensichtlich nicht in der Lage sehen, konsequent f\u00fcr die Gesundheit ihrer Mitglieder und zwar gegen die Unternehmensleitungen und gegen die Regierung (mit ihrem sozialdemokratischen Gesundheitsminister) einzustehen, unterordnen sie sich gleich dem unternehmerischen Dogma \u201eWettbewerbsf\u00e4higkeit geht vor\u201c.<\/p>\n<p><strong>Die aktuelle Pandemiepolitik nimmt tausende Tote in Kauf<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweizer Regierung betreibt eine Pandemiepolitik, die bewusst das Leben von vielen tausend Menschen aufs Spiel setzt. Aber weil sich der Neoliberalismus schon l\u00e4ngst im Bewusstsein der Menschen tief verankert hat, gibt es keinen Aufschrei. Jacqueline Fehr, sozialdemokratische Regierungsr\u00e4tin des Kantons Z\u00fcrich, sprach sich Ende August gegen weitere Ma\u00dfnahmen und sogar gegen eine Ausweitung der Maskenpflicht aus. Sie meinte, die politischen Beh\u00f6rden k\u00f6nnten in einer Pandemie ohnehin nicht viel machen. Eine solche Aussage kommt schlicht einem politischen und pers\u00f6nlichen Totalbankrott gleich.<\/p>\n<p>Die Schweiz, eines der reichsten L\u00e4nder der Welt, mit einem der teuersten Gesundheitswesen der Welt, ist nicht willens und nicht in der Lage die Bev\u00f6lkerung mit relativ einfachen Ma\u00dfnahmen gegen eine gef\u00e4hrliche Pandemie zu sch\u00fctzen. Der liberale Individualismus zerfrisst die banalsten moralischen Regungen. Die sogenannten \u201eCorona-Leugner\u201c in Deutschland k\u00f6nnten in der Schweiz eigentlich ihr Wunschland erkennen. Und den dummen, sich selbst ausgesprochen kritisch w\u00e4hnenden \u201eLinken\u201c \u2013 vor allem in Deutschland und \u00d6sterreich \u2013, die bis heute an den Haaren herbeigezogene Vergleiche \u00fcber die Sterblichkeit dieser Pandemie anstellen, um deren relative Harmlosigkeit zu \u201ebeweisen\u201c, und die ebenfalls nur noch den autorit\u00e4ren Staat an die Wand malen, denen empfehle ich fortan die liberale und individualistische Schweiz als deren Gesellschaftsmodell anzuerkennen.<\/p>\n<p><strong>Die Pandemie ist eine umfassende gesellschaftliche Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p>Mehrere, durchaus unterschiedliche L\u00e4nder in Asien und Neuseeland haben bewiesen, dass es m\u00f6glich ist, die Pandemie zu besiegen und die Virusausbreitung auszumerzen.<\/p>\n<p>Was es dazu vor allem braucht: einen politischen und gesellschaftlichen Wille. Dieser fehlt leider in ganz Europa. Gerade weil die Regierungen in Europa mit ihrer wirtschaftsfreundlichen Pandemiepolitik nun Schiffbruch erleiden, schreiten einige von ihnen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu autorit\u00e4ren Ma\u00dfnahmen. Vorreiter ist hier der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron, der seiner gewaltt\u00e4tigen Polizei allerlei Vollmachten ausstellt.<\/p>\n<p>Die Pandemie ist eine umfassende gesellschaftliche Herausforderung, die nur international koordiniert auf eine soziale Weise angepackt werden kann. Warum stellen sich die Gewerkschaften und \u201elinken\u201c Parteien dieser Herausforderung nicht? Warum muss ein Chefredakteur einer Boulevard-Sonntagszeitung einfache Fragen stellen, die schon l\u00e4ngst in der gesellschaftliche Arena sein m\u00fcssten?<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2020\/schweiz-teuerstes-gesundheitswesen-am-meisten-corona-tote\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Chefredakteur des Sonntagsblick machte im\u00a0Editorial der Ausgabe vom vergangenen Sonntag ein paar banale Feststellungen und stellte Fragen zum aktuellen Umgang der Schweiz mit der Corona-Pandemie, die die Gewerkschaften\u00a0eigentlich\u00a0schon l\u00e4ngst<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,3],"tags":[121,44,26,45,42],"class_list":["post-8854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-schweiz","tag-covid-19","tag-gesundheitswesen","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-sozialdemokratie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8854"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8854\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8856,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8854\/revisions\/8856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}