{"id":8873,"date":"2020-12-05T12:39:01","date_gmt":"2020-12-05T10:39:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8873"},"modified":"2020-12-05T12:59:49","modified_gmt":"2020-12-05T10:59:49","slug":"spanische-generaele-rufen-in-faschistischen-chats-zu-massenmorden-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8873","title":{"rendered":"Spanische Gener\u00e4le rufen in faschistischen Chats zu Massenmorden auf"},"content":{"rendered":"<p><em>Alejandro L\u00f3pez. <\/em>Am Mittwoch ver\u00f6ffentlichte die Nachrichtenseite\u00a0<em>Infolibre<\/em>\u00a0Ausz\u00fcge aus einer privaten WhatsApp-Chatgruppe, in der ehemalige Offiziere der spanischen Luftwaffe \u00fcber die politische Lage diskutierten. Der Bericht<!--more--> stie\u00df bei Twitter auf gro\u00dfes Interesse. Die Gener\u00e4le und Obristen a.D. erkl\u00e4rten in den Diskussionen ihre Loyalit\u00e4t zum Faschismus und ihren Hass auf die Linke, r\u00fchmten sich ihrer Beziehungen zu aktiven Offizieren und forderten einen Putsch, um Millionen Menschen zu ermorden.<\/p>\n<p>Viele der Chatnachrichten stammten vom Handy ehemaligen Generalmajors Francisco Beca, dem rangh\u00f6chsten Unterzeichner eines Briefes von 39 Offizieren der spanischen Luftwaffe an das Europ\u00e4ische Parlament und K\u00f6nig Felipe VI. Darin forderten die Verfasser, gegen die gew\u00e4hlte Regierung aus der sozialdemokratischen Partido Socialista Obrero Espa\u00f1ol (PSOE) und der pseudolinken Podemos vorzugehen. Diese Beitr\u00e4ge best\u00e4tigen die Warnung der&nbsp;<em>WSWS:<\/em>&nbsp;Der Brief war Teil von Diskussionen \u00fcber einen faschistischen Putsch auf den h\u00f6chsten Ebenen des Offizierskorps.<\/p>\n<p>Beca erw\u00e4hnt das Buch&nbsp;<em>Mythen des B\u00fcrgerkriegs<\/em>&nbsp;von P\u00edo Moa, in dem General Francisco Francos faschistischer Putsch von 1936 verteidigt wird, der den Spanischen B\u00fcrgerkrieg und der Errichtung der Franco-Diktatur von 1939 bis 1978 zur Folge hatte: \u201eAls guter Faschist habe ich es gelesen, und wenn stimmt, was darin steht (ich glaube, es stimmt), haben wir keine andere Wahl, als 26 Millionen Hurens\u00f6hne zu erschie\u00dfen.\u201c Beca ruft mehrfach zum Massenmord auf, um \u201edas Krebsgeschw\u00fcr herauszuschneiden\u201c. In einem anderen Chat schreibt er: \u201eWas ich wirklich m\u00f6chte, glaube ich, ist 26 Millionen Menschen zu erschie\u00dfen !!!!!!!!\u201c<\/p>\n<p>Beca schreibt, Francos Putsch im Jahr 1936 habe \u201eeinige Jahre Fortschritt gebracht, auch wenn es ein paar Leuten schlecht ging. Spanien ist voll mit nicht au\u00dfer Kontrolle geratenen Leuten, und das einzig Richtige ist, sie zu kultivierten Menschen zu machen, aber bei der Linken ist das unm\u00f6glich. Es ist traurig, aber das ist die Realit\u00e4t in Spanien.\u201c<\/p>\n<p>Unter der Diktatur, die Franco nach seinem Sieg im B\u00fcrgerkrieg errichtet hat, kamen Millionen in Konzentrationslager. Es herrschte eine massive Zensur, das Bildungs- und Gesundheitswesen war nur f\u00fcr die Reichen zug\u00e4nglich, und Proteste und Streiks wurden brutal unterdr\u00fcckt. In den Polizeiwachen des Franco-Regimes waren Folter und Mord an der Tagesordnung. Beca erkl\u00e4rte in einem Absatz \u00fcber das Franco-Regime: \u201eLeider haben wir keine andere Wahl, als die Geschichte zu wiederholen.\u201c<\/p>\n<p>Andere Offiziere a.D., die an dem Chat teilnahmen, teilten Becas faschistische und v\u00f6lkerm\u00f6rderische Ansichten. Ein ehemaliger Hauptmann namens Jos\u00e9 Molina schrieb \u00fcber die Anh\u00e4nger und W\u00e4hler der PSOE, Podemos und ihrer Verb\u00fcndeten: \u201eSie alle, und alle ihre Nachkommen sollen sterben. Das ist, was ich will. Ist das viel verlangt?\u201c Beca antwortete darauf: \u201eAber Curro [Molinas Spitzname], wenn die alle sterben sollen, m\u00fcsste man sie erschie\u00dfen, und daf\u00fcr br\u00e4uchten wir 26 Millionen Kugeln!!!!!!!!!!\u201c<\/p>\n<p>Diese \u00c4u\u00dferungen erinnern an Francos ber\u00fcchtigtes Interview mit dem US-Journalisten Jay Allen w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs im Jahr 1936. Damals erkl\u00e4rte er, er werde in seinem Krieg vor nichts haltmachen, um die Republik und die wiederholten revolution\u00e4ren Erhebungen der spanischen Arbeiterklasse zu unterdr\u00fccken. Allen sagte dazu: \u201eSie m\u00fcssten halb Spanien t\u00f6ten.\u201c Darauf antwortete Franco: \u201eWie gesagt, ich werde jeden Preis bezahlen.\u201c<\/p>\n<p>Der Gestank des Faschismus hat sich in gro\u00dfen Teilen des Offizierskorps ausgebreitet. In einem Beitrag erkl\u00e4rte Oberst a.D. Gonz\u00e1lez Espinar, er habe mit zahlreichen Luftwaffenoffizieren \u00fcber seine Putschpl\u00e4ne diskutiert: \u201eIch habe bereits in einer Rede mit [den Stabschefs der Luftwaffe] Lombo, Gallarza u.a. gesagt&#8230; und auch bei mehr als einhundert Essen bei der Luftwaffe&#8230; ,GEBEN SIE MIR EINEN BEFEHL!!\u2018 &#8230; Und das w\u00fcrden wir auch zum K\u00f6nig sagen.\u201c<\/p>\n<p><em>Infolibre<\/em>&nbsp;ver\u00f6ffentlichte auch einen langen, mit Schimpfw\u00f6rtern \u00fcberladenen Dialog zwischen Gonz\u00e1lez Espinar und dem Obristen a.D. \u00c1ngel D\u00edaz Rivera, in dem zum Putsch aufgerufen wird, um die nationalistischen katalanischen Parteien zu unterdr\u00fccken. D\u00edaz Rivera schrieb: \u201eJemand muss anfangen, legal oder illegal, etwas gegen diese Hurens\u00f6hne zu unternehmen.\u201c Gonz\u00e1lez Espinar antwortete: \u201eEs ist schade, dass ich nicht aktiv bin und kein bewaffnetes Flugzeug von [dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt] B\u00e1rdenas zu den H\u00e4usern dieser Hurens\u00f6hne umleiten kann.\u201c<\/p>\n<p>Diese Chats m\u00fcssen als Warnung an die spanische und internationale Arbeiterklasse verstanden werden. Sie entlarven die offizielle spanische Propaganda vom \u00dcbergang von der faschistischen zur parlamentarischen Herrschaft nach 1978 als Betrug. Die vollst\u00e4ndige Amnestie f\u00fcr die Verbrechen des Faschismus, auf die sich das Franco-Regime, die PSOE und die stalinistische Kommunistische Partei Spaniens (KPE) 1977 geeinigt haben, sollte angeblich nicht nur eine dauerhafte Demokratie unter dem spanischen Kapitalismus gew\u00e4hrleisten. Spaniens vollst\u00e4ndige Einbindung in die Nato und die Europ\u00e4ische Union sollte zudem das spanische Milit\u00e4r \u201eprofessionalisieren\u201c.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit haben die engen Beziehungen zu den Streitkr\u00e4ften der USA und der anderen europ\u00e4ischen M\u00e4chte die bekannten faschistischen Tendenzen des spanischen Offizierskorps verst\u00e4rkt. Die Offiziere, die in der WhatsApp-Gruppe schrieben, wurden unter Francos Herrschaft geboren und begannen unter ihm ihre Laufbahn, dienten allerdings unter dem parlamentarischen Regime und arbeiteten eng mit den US-amerikanischen und europ\u00e4ischen Streitkr\u00e4ften zusammen. Der Bericht von&nbsp;<em>Infolibre<\/em>&nbsp;offenbar die verkommene Atmosph\u00e4re in den Milit\u00e4rf\u00fchrungen in ganz Nordamerika und Europa.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die WhatsApp-Nachrichten hin und her gingen, r\u00fcsten die Nato-M\u00e4chte milit\u00e4risch gegen die Atomm\u00e4chte Russland und China auf und verfolgen eine Politik der \u201eHerdenimmunit\u00e4t\u201c, die in den Nato-Staaten mehr als 600.000 Todesopfer gefordert hat. Weite Teile der herrschenden Klasse haben v\u00f6llig den Kopf verloren. Ihre r\u00fccksichtslose und m\u00f6rderische Politik ist eindeutig ein Ausdruck ihrer Ansicht, dass Dutzende Millionen Menschen ausgel\u00f6scht werden sollten.<\/p>\n<p>Der einzige Weg vorw\u00e4rts im Kampf gegen die Pandemie und die Gefahr von Krieg und Faschismus ist die Mobilisierung der Arbeiterklasse \u2013 unabh\u00e4ngig von den etablierten liberalen, sozialdemokratischen und kleinb\u00fcrgerlichen \u201elinkspopulistischen\u201c Parteien und ihren Verb\u00fcndeten in den Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Am Mittwoch wahrten PSOE-Ministerpr\u00e4sident Pedro Sanchez und sein Stellvertreter Pablo Iglesias zun\u00e4chst eisiges Schweigen \u00fcber die ver\u00f6ffentlichten Chats. Zuvor hatte Verteidigungsministerin Margarita Robles (PSOE) den Brief, in dem die Offiziere ihre Loyalit\u00e4t zum K\u00f6nig bekundeten, als \u201elegitim\u201c bezeichnet. Am Mittwoch blieb es dem PSOE-Abgeordneten Od\u00f3n Elorza \u00fcberlassen, die Abgeordneten der rechtsextremen Partei Vox im Kongress hilflos zu fragen, ob er, seine Familie und andere PSOE-Abgeordnete \u201ezu den 26 Millionen Menschen geh\u00f6ren, die erschossen werden sollen\u201c.<\/p>\n<p>Die Vox-Abgeordneten verteidigten daraufhin die faschistischen Offiziere. Macarena Olona erkl\u00e4rte, sie wisse nicht, ob Elorza auf irgendeiner Liste stehe, da die WhatsApp-Nachrichten nicht von Vox stammten. Dann behauptete sie jedoch, die faschistischen Offiziere w\u00fcrden f\u00fcr die \u201eEinheit\u201c Spaniens k\u00e4mpfen und erkl\u00e4rte dreist: \u201eNat\u00fcrlich sind das unsere Leute.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Vox-Parteichef Santiago Abascal der faschistischen WhatsApp-Gruppe eine Sprachnachricht geschickt, in der er in freundlichem Ton erkl\u00e4rt: \u201eGuten Abend, ich bin Santi Abascal. Man hat mir gesagt, es sei meine Pflicht, diese Gruppe zu gr\u00fc\u00dfen. Gr\u00fc\u00dfe an alle, und lang lebe Spanien!\u201c Unklar blieb, wer Abascal gesagt hat, dass diese WhatsApp-Gruppe von Bedeutung sei, oder warum er ihre Putschpl\u00e4ne \u201ebegr\u00fc\u00dfen\u201c wollte.<\/p>\n<p>Am Donnerstag brach der Generalsekret\u00e4r von Podemos, Pablo Iglesias, endlich sein Schweigen. Er ver\u00f6ffentlichte eine selbstgef\u00e4llige Erkl\u00e4rung, in der er jegliche Gefahr zur\u00fcckwies. Gegen\u00fcber RTVE erkl\u00e4rte er, die \u00c4u\u00dferungen der Offiziere seien \u201eskandal\u00f6s\u201c, weil sie den K\u00f6nig in eine \u201emissliche Lage\u201c br\u00e4chten. Allerdings betonte er: \u201eWas diese pensionierten Herren sagen, stellt keine Gefahr dar. &#8230; Wenn irgendwelche Herren glauben, es w\u00e4re gut f\u00fcr das Staatsoberhaupt, wenn sie ihm einen franquistischen Anstrich verleihen, dann verstehen sie nicht, dass sich dadurch noch mehr Spanier wie Republikaner f\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p>Podemos und ihre diversen politischen Anh\u00e4ngsel haben weit mehr Angst vor dem Widerstand der Arbeiterklasse gegen die Politik von Herdenimmunit\u00e4t, Austerit\u00e4t und Krieg, als vor einem faschistischen Putsch. Sie vertuschen bewusst und vors\u00e4tzlich die Gefahr einer Hinwendung der Herrschenden zur Milit\u00e4rdiktatur.<\/p>\n<p>Arbeiter und Jugendliche m\u00fcssen gewarnt werden: Die herrschende Klasse bereitet angesichts der zunehmenden Proteste und der wachsenden Wut \u00fcber die untragbare soziale Ungleichheit eine Diktatur vor. Das IKVI beharrt darauf, dass es notwendig ist, einen von den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien unabh\u00e4ngigen Generalstreik in Europa und der Welt vorzubereiten, um eine wissenschaftlich fundierte Politik gegen die Pandemie durchzusetzen. Dieser Kampf erfordert den Aufbau einer neuen revolution\u00e4ren F\u00fchrung in der Arbeiterklasse gegen die kleinb\u00fcrgerlichen Parteien. Nur so kann die Gefahr des Faschismus bek\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/12\/05\/what-d05.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alejandro L\u00f3pez. Am Mittwoch ver\u00f6ffentlichte die Nachrichtenseite\u00a0Infolibre\u00a0Ausz\u00fcge aus einer privaten WhatsApp-Chatgruppe, in der ehemalige Offiziere der spanischen Luftwaffe \u00fcber die politische Lage diskutierten. 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