{"id":8904,"date":"2020-12-09T17:12:07","date_gmt":"2020-12-09T15:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8904"},"modified":"2020-12-09T17:12:09","modified_gmt":"2020-12-09T15:12:09","slug":"buch-revolte-in-hongkong-die-protestbewegung-und-die-zukunft-chinas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8904","title":{"rendered":"[Buch] Revolte in Hongkong. Die Protestbewegung und die Zukunft Chinas"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201cHongkong ist in Aufruhr: Eine neue Generation junger und politisch aktiver B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ersch\u00fcttert das Regime. Von der Regenschirm-Bewegung 2014 bis zur erfolgreichen Abwehr des Auslieferungsgesetzes im Oktober 2019 \u2013 und<!--more--> dar\u00fcber hinaus \u2013 sind die Forderungen der Protestbewegung radikaler und ihre Aktionen drastischer geworden. Ihre Entschlossenheit ermutigte die Arbeiterbewegung und f\u00fchrte zu dem ersten erfolgreichen politischen Streik seit einem halben Jahrhundert und zu einer Ausweitung der demokratischen Bewegung. Die Hoffnungen reichen dabei weit \u00fcber das Politische hinaus: Diese neue Generation hat sich einer Hongkonger Identit\u00e4t verschrieben, die Inklusivit\u00e4t mit Offenheit verbindet. <\/em><\/p>\n<p><em>Das Buch stellt die \u2013 sozial und ideologisch durchaus heterogenen \u2013 neuen Protestbewegungen in den Zusammenhang von Kolonisierung, Revolution und Modernisierung in China. Au Loong-Yu untersucht Hongkongs einzigartige Stellung in der chinesischen Geschichte und die Reaktion auf die Proteste in Festland-China. Mit einem vertiefenden Blick auf die Wurzeln und die Komplexit\u00e4t der Bewegung und durch einen Vergleich mit den weltweiten Jugendprotesten seit den 1960er Jahren werden Gegens\u00e4tze wie \u00bbwestliche Werte vs. Kommunismus\u00ab und \u00bbHongkonger-Sein vs. Chinese-Sein\u00ab als Teil einer breiteren geopolitischen Entwicklung verstanden. Im Guten wie im Schlechten ist Hongkong ein Schlachtfeld geworden im gro\u00dfen historischen Wettstreit zwischen den USA, Gro\u00dfbritannien und China<\/em>.\u201d Umschlagtext zum im Oktober 2020 erschienenen Buch von Au Loong-Yu, herausgegeben vom Forum Arbeitswelten e.V. beim Verlag Bertz + Fischer. Siehe weitere Informationen zum Buch und daraus \u2013 als Leseprobe im LabourNet Germany \u2013 das Kapitel \u201cDie Klassenfrage\u201d \u2013 wir danken!<\/p>\n<ul>\n<li>Das Buch: 320 Seiten, 31 Fotos, Paperback, 12 x 16,5 cm, ISBN 978-3-86505-765-5, erschienen im Oktober 2020, 14,- [D]<\/li>\n<li>Siehe\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bertz-fischer.de\/revolteinhongkong\">Infos und Bestellung beim Verlag Bertz + Fischer<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>und dort u.a. auch das\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bertz-fischer.de\/IMG\/pdf\/revolteinhongkong_vorwort_herausgeber.pdf\">Vorwort der Herausgeber<\/a>\u00a0und die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bertz-fischer.de\/IMG\/pdf\/revolteinhongkong_vorwort_einfuehrung.pdf\">Einf\u00fchrung<\/a>\u00a0von Au Loong-Yu<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Au Loong-Yu<\/strong>arbeitet in Hongkong als Publizist und setzt sich f\u00fcr die Rechte von Arbeitenden ein. Mitte der 1980er Jahre war er Lehrer und gab die linke Zeitschrift \u00bbPioneer\u00ab heraus, die f\u00fcr ein Selbstbestimmungrecht der Bev\u00f6lkerung Hongkongs eintrat, in einer Zeit, als London und Peking hinter deren R\u00fccken das Abkommen \u00fcber Hongkongs Wiedereingliederung in die VR China vereinbarten. 1999 geh\u00f6rte er zu den Mitbegr\u00fcndern der Organisation \u00bbGlobalization Monitor\u00ab (GM), die zum Ziel hatte, die politische Bildung von Gewerkschafter*innen und Aktivist*innen \u00fcber Neoliberalismus und Globalisierung zu f\u00f6rdern. 2004 startete Au Loong-Yu das China-Arbeitersolidarit\u00e4ts-Projekt von GM, das sp\u00e4ter ein Austauschprogramm zwischen chinesischen und deutschen Basisaktiven einschloss. 2010 verlie\u00df er GM, um sich ganz auf das Forschen und Publizieren \u00fcber China zu konzentrieren. Er schreibt f\u00fcr lokale Medien wie \u00bbMing Pao Daily\u00ab und \u00bbStand News\u00ab sowie f\u00fcr englischsprachige Zeitschriften wie \u00bbWorkingUSA\u00ab, \u00bbNew Politics\u00ab, \u00bbJacobin\u00ab und \u00bbMade in China\u00ab. Sein j\u00fcngstes Buch tr\u00e4gt den Titel \u00bbChina\u2019s Rise: Strength and Fragility\u00ab (Merlin Press, 2012).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Klassenfrage<\/strong><\/p>\n<p>\u201c<em>Der Aufstand von 2019 war sicherlich eine Volksbewegung. Reich und Arm, Chines*innen und S\u00fcdasiat*innen, alle gemeinsam gegen das Auslieferungsgesetz. Doch hinter diesem gro\u00dfartigen Bild verfolgte das Gespenst der Armut viele junge Menschen. Jugendliche aus der Mittel- oder Oberschicht konnten sich der Bewegung\u00a0in Vollzeit anschlie\u00dfen, arme College-Student*innen hingegen mussten vielleicht in Teilzeit arbeiten, um leben zu k\u00f6nnen. Erstere konnten sich teure Ausr\u00fcstung kaufen, von erstklassigen Gesichtsmasken bis hin zu stichfesten Westen, und es machte ihnen nichts aus, sie wegzuwerfen, wenn sie vor der Polizei flohen (wenn solche Gegenst\u00e4nde bei ihnen gefunden wurden, konnten (wenn solche Gegenst\u00e4nde bei ihnen gefunden wurden, konnten sie ein Beweis f\u00fcr \u00bbAusschreitungen\u00ab sein).<\/em><\/p>\n<p><em>Die armen Jugendlichen konnten sich keine teure Ausr\u00fcstung leisten, und es kam h\u00e4ufig vor, dass sie verhaftet wurden, weil sie Ausr\u00fcstung f\u00fcr die Demonstrationen in ihrer Tasche hatten, denn sie konnten es sich nicht leisten, diese einfach wegzuwerfen, oder sie mussten erst durch die Gegend fahren, um sie zu verstecken. Viele hatten auch Schwierigkeiten, sich gut zu ern\u00e4hren, da sie h\u00e4ufiger ausw\u00e4rts essen mussten. Es war durchaus \u00fcblich, dass konservative Eltern ihre rebellierenden Kinder zu Hause rauswarfen. Die Jugendlichen aus der Mittelschicht kamen mit ihren Ersparnissen wahrscheinlich eine Zeit lang \u00fcber die Runden. Arme Jugendliche hatten diese M\u00f6glichkeit nicht, und es bestand die Gefahr, dass sie obdachlos wurden und hungern mussten. Die Armut beeintr\u00e4chtigte ihre F\u00e4higkeit, am Kampf teilzunehmen oder dabei selbst sicher und gut ern\u00e4hrt zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gab Leute im Gelben Lager, die glaubten: \u00bbZum Gl\u00fcck sind wir Hongkonger*innen jetzt eine Gemeinschaft und k\u00fcmmern uns umeinander.\u00ab Daher gab es unter den Protestierenden \u00bbEltern\u00ab, die bereit waren, in jeglicher Hinsicht zu helfen. Einige von ihnen waren so einf\u00fchlsam, dass sie im Bewusstsein des Stolzes der armen jungen Menschen ihre Art der Unterst\u00fctzung st\u00e4ndig \u00e4nderten, um dem Rechnung zu tragen. Sie verteilten Supermarkt-Coupons anstelle von Bargeld und f\u00fcgten zwischen den Coupons aufmunternde Zettel ein, um nicht als g\u00f6nnerhaft angesehen zu werden.<\/em><\/p>\n<p><em>All dies war gut. Aber die unbequeme Wahrheit ist, dass die Armutsfrage in der Revolte selten diskutiert wurde. (\u2026) Wenn man w\u00e4hrend der Proteste mit einfachen Leuten sprach, erfuhr man, dass viele Menschen unzufrieden waren, dass es Superreiche gab. Doch entwickelte sich daraus nie ein bewusstes Streben nach Ver\u00e4nderung. Im Unterschied zu einigen wenigen linken Bem\u00fchungen unternahmen die Liberalen nie die Anstrengung, den Stimmen der Armen Geh\u00f6r zu verschaffen. (\u2026) Die stark unternehmensfreundliche Stimmung in der Stadt machte jegliche linke Mobilisierung f\u00fcr Umverteilungsgerechtigkeit w\u00e4hrend der Revolte unpopul\u00e4r. Als der Gewerkschaftsverband HKCTU einen politischen Streik gegen die Regierung unterst\u00fctzte, war es deshalb keine \u00dcberraschung, dass er dabei nur Peking und nicht die Arbeitgeber ins Visier nahm. (\u2026) Indem die Liberalen und Lokalisten sagten, dass die jungen Rebellen nur an \u00bbpostmaterialistischen Werten\u00ab interessiert seien, \u00a0versuchten sie, die \u00f6ffentliche Debatte in eine Richtung zu lenken, in der die sehr materialistischen Fragen wie die Wohlstandsverteilung, die langen Arbeitszeiten, die niedrigen L\u00f6hne und das Fehlen einer vern\u00fcnftigen Rentenversicherung nicht gestellt w\u00fcrden. Es gelang ihnen<\/em>\u2026\u201d\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/RevolteinHongkongKlassenfrage.pdf\">Inhaltsverzeichnis und das Kapitel \u201cDie Klassenfrage\u201d<\/a>\u00a0(S. 206-212)<\/p>\n<ul>\n<li>Siehe zum Herausgeber unsere Rubrik\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/category\/internationales\/china\/worlds_of_labour\/\">Worlds of Labour \u2013 Arbeitswelten China-Deutschland<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/china\/worlds_of_labour\/buch-revolte-in-hongkong-die-protestbewegung-und-die-zukunft-chinas\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom\u00a0 9. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cHongkong ist in Aufruhr: Eine neue Generation junger und politisch aktiver B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ersch\u00fcttert das Regime. Von der Regenschirm-Bewegung 2014 bis zur erfolgreichen Abwehr des Auslieferungsgesetzes im Oktober 2019 \u2013 und<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8905,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,5],"tags":[25,23,50,45,49],"class_list":["post-8904","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-buecher","tag-china","tag-neoliberalismus","tag-repression"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8904"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8904\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8906,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8904\/revisions\/8906"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}