{"id":8911,"date":"2020-12-10T11:31:00","date_gmt":"2020-12-10T09:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8911"},"modified":"2020-12-10T11:31:01","modified_gmt":"2020-12-10T09:31:01","slug":"pandemie-politik-pandemie-hilfe-der-wirtschaft-krankheit-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8911","title":{"rendered":"Pandemie Politik: Pandemie Hilfe der Wirtschaft, Krankheit den Menschen"},"content":{"rendered":"<p><em>Lea Lotter. <\/em><strong>W\u00e4hrend seit Beginn der Coronakrise Konzernbosse wie Jeff Bezos, die Lufthansa oder die Automobilindustrie in Deutschland entweder Rekordgewinne verzeichnen oder Staatshilfen in Milliardenh\u00f6he einkassieren d\u00fcrfen, bangen<!--more--> Jugendliche und Arbeiter:innen weiterhin um ihre Existenz. Doch dahinter steckt System.<\/strong><\/p>\n<p>Der reichste Mensch der Welt verzeichnet in der Coronapandemie Ums\u00e4tze in Rekordh\u00f6he, w\u00e4hrend die Arbeiter:innen bei seinem Unternehmen Amazon unter ausbeuterischen Bedingungen f\u00fcr viel zu geringe L\u00f6hne arbeiten. Trotz \u00f6ffentlichem Wissen \u00fcber die katastrophalen Arbeitsbedingungen darf er an der Warschauer Stra\u00dfe das dann gr\u00f6\u00dfte Geb\u00e4ude Berlins errichten.<\/p>\n<p>Auch die indische Regierung versucht w\u00e4hrend der Coronakrise weiterhin ihre kapitalistische Politik zu Lasten der B\u00e4uer:innen und Arbeiter:innen durchzusetzen \u2013 mit Gesetzen, die so arbeiter:innenfeindlich sind, dass 250 Millionen Menschen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/250-millionen-auf-der-strasse-warum-die-arbeiterinnen-in-indien-streiken\/\"><strong>dagegen streiken und auf die Stra\u00dfen gehen<\/strong><\/a>. Seit Beginn der Pandemie wird noch klarer, f\u00fcr wen das System, in dem wir leben, gedacht ist, wem es nutzt und wer auf der Strecke bleibt. Auch in Deutschland werden die Interessen der herrschenden Klasse durch die Coronapolitik immer sichtbarer.<\/p>\n<p><strong>Staatszusch\u00fcsse f\u00fcr Konzerne \u2013 Entlassungen f\u00fcr Arbeiter:innen<\/strong><\/p>\n<p>9 Milliarden Euro Staatshilfe f\u00fcr die Lufthansa, 3 Milliarden f\u00fcr die Automobilindustrie \u2013 die deutsche Regierung unterst\u00fctzt die Wirtschaft in der Coronakrise mit gro\u00dfen Finanzspritzen. Doch bei wem kommt dieses Geld an? Arbeitspl\u00e4tze werden gestrichen, Arbeiter:innen in Kurzarbeit geschickt. Die, die weiterarbeiten, m\u00fcssen das wie vor der Krise f\u00fcr zu geringen Lohn unter schlechten Hygienebedingungen tun. Investor:innen wie Rene Benko, Inhaber von Galeria Karstadt Kaufhof, nehmen die Krise zum Anlass, massiv Stellen zu streichen und Filialen zu schlie\u00dfen, obwohl sich ihr Privatbesitz h\u00e4uft. Frei nach dem Motto: \u201eSolang sich mein Verm\u00f6gen vermehrt, sind die Existenzen meiner Angestellten nichts wert.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kapital vor Menschenleben<\/strong><\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die Konzerne vom Staat unterst\u00fctzt werden, bleiben die Arbeiter:innen und die Jugendlichen auf der Strecke und bangen um ihre Existenz. Studierende, von denen ein Gro\u00dfteil in der Gastronomie und in Bars arbeitete und die jetzt ihre Jobs verloren haben, m\u00fcssen neben erh\u00f6htem Arbeitsaufwand und psychischem Druck durch die digitale Lehre auch \u00fcberlegen, wo ihr Geld f\u00fcr die \u00fcberteuerte Miete herkommen soll. Die beantragbare Hilfe von maximal 500 Euro im Monat erscheint als ein schlechter Witz, wenn man \u00fcberlegt, dass in Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin oder M\u00fcnchen das Geld gerade so f\u00fcr die Miete reicht.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler:innen m\u00fcssen seit Beginn des neuen Schuljahrs wieder in die Schulen, die man f\u00fcr einen Bruchteil des Geldes, das an Konzerne ging, mit L\u00fcftungsanlagen h\u00e4tte ausstatten k\u00f6nnen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Die Betonung hier liegt auf\u00a0<em>h\u00e4tte<\/em>, denn passiert ist nichts. Flugzeuge sind der deutschen Regierung eben wichtiger als gesunde Kinder.<\/p>\n<p>Auch im Gesundheitssektor sind die jetzigen Zust\u00e4nde katastrophal. Krankenh\u00e4user sind \u00fcberlastet, es fehlen viele Betten und Mitarbeiter:innen sollen trotz einer Infektion mit Corona arbeiten. Schrecklich doch nicht verwunderlich, wenn die Privatisierung des Gesundheitssektors immer weiter voranschreitet und medizinische Versorgung etwas ist, woraus Profite gemacht werden k\u00f6nnen. Profite, die durch die Ausbeutung von Pfleger:innen, Reinigungskr\u00e4ften und anderen, oftmals outgesourcten Besch\u00e4ftigten entstehen. In Kombination sorgt das f\u00fcr eine schlechtere Versorgung der Patient:innen. Denn hier gilt, wie \u00fcberall in unserem kapitalistischen System \u2013 Geld vor Menschenleben. Dieser Grundsatz l\u00e4sst sich auch in den jetzigen Coronaregelungen finden.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fctzt Konsum vor Corona?<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment d\u00fcrfen sich h\u00f6chstens f\u00fcnf Menschen aus zwei Haushalten treffen, Kultur- und Sportangebote sind massiv eingeschr\u00e4nkt. Ohne gro\u00dfe Einschr\u00e4nkungen erlaubt bleibt Konsum. Geschenke zu Weihnachten zu kaufen ist absolut ok, doch das Offenhalten von Einkaufszentren, Malls, etc. birgt zum einen erh\u00f6hte Ansteckungsrisiken f\u00fcr die Menschen die dort einkaufen gehen, zum anderen f\u00fcr die dort Angestellten, die dort arbeiten m\u00fcssen um ihre Existenz zu sichern. Diese Arbeiter:innen k\u00f6nnen sich nicht aussuchen, ob ihnen das Ansteckungsrisiko in den \u00fcberf\u00fcllten, schlecht bel\u00fcfteten Malls zu hoch ist und sie diese lieber meiden wollen, sondern m\u00fcssen dort t\u00e4glich arbeiten gehen. Doch wenn die Einkaufsm\u00f6glichkeiten geschlossen werden w\u00fcrden, dann ginge ja auch Profit verloren \u2013 und der ist nun mal wichtiger als die mittlerweile fast 20.000 Corona-Tote in Deutschland.<\/p>\n<p>Diese Einstellung merkt man auch besonders gut am Beispiel von T\u00f6nnies, Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Schlachtbetrieb f\u00fcr Schweine: Zwei Corona-Gro\u00dfausbr\u00fcche in NRW und Sachsen Anhalt sind immer noch nicht Grund genug, die Produktion einzustellen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/schon-wieder-toennies-jetzt-erst-recht-die-wirtschaft-runterfahren\/\"><strong>wieder hei\u00dft es Profit vor Mensch<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>In Anbetracht dieser Tatsachen wird klar, worum es der Regierung w\u00e4hrend der Corona-Pandemie geht. Die Politik, die hier verfolgt wird, n\u00fctzt nur der herrschenden Klasse, die Mehrheit der Menschen bleibt auf der Strecke. Die Krise soll auf dem R\u00fccken der Arbeiter:innen ausgetragen werden \u2013 doch das darf so nicht passieren.<\/p>\n<p>Um die Bev\u00f6lkerung direkt jetzt in der Krise zu sch\u00fctzen muss die nicht-essenzielle Wirtschaft heruntergefahren werden \u2013 Arbeiter:innen sollen bei vollem Lohn freigestellt werden. Es braucht bessere finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Studierende. Doch um l\u00e4ngerfristig bessere Lebensbedingungen zu erreichen, braucht es einen Zusammenschluss der Jugend und Arbeiter:innen in einer eigenen Kraft, einer Partei die Menschenleben vor Kapital stellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/hilfe-der-wirtschaft-krankheit-den-menschen-die-prioritaetenverteilung-in-der-krise\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lea Lotter. 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