{"id":8955,"date":"2020-12-18T12:14:27","date_gmt":"2020-12-18T10:14:27","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8955"},"modified":"2020-12-18T12:15:12","modified_gmt":"2020-12-18T10:15:12","slug":"riexingers-green-new-deal-system-change-statt-sozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=8955","title":{"rendered":"Riexingers Green New Deal: \u201cSystem Change\u201d statt Sozialismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Mattis Molde. <\/em>Bernd Riexinger, der scheidende Vorsitzende der LINKEN, geht unter die BuchautorInnen. Schon 2018 legte er mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vsa-verlag.de\/nc\/buecher\/detail\/artikel\/neue-klassenpolitik\/\">\u201eNeue Klassenpolitik\u201c&nbsp;<\/a>einen Text vor, in dem er die strategische Ausrichtung der Linkspartei zu begr\u00fcnden suchte. Mit<!--more--> seinem vor wenigen Monaten beim Hamburger VSA-Verlag erschienenen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vsa-verlag.de\/nc\/buecher\/detail\/artikel\/systemchange\/\">\u201eSystem Change, Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen linken Green New Deal\u201c&nbsp;<\/a>versucht er, eine langfristige, strategische Antwort auf die derzeitige Krise vorzulegen.<\/p>\n<p>Er will deshalb die herrschenden Zust\u00e4nde angreifen, den \u201eStatus quo in Frage stellen\u201c. Auch wenn er den Kapitalismus nicht abschaffen will, so will er eine andere \u201eFormation\u201c desselben erreichen. Dass der Vorsitzende einer reformistischen Partei dem Reformismus treu bleibt, \u00fcberrascht nicht weiter. Die Besch\u00e4ftigung mit seinem Buch erweist sich dennoch als sinnvoll. Reformistische Parteien und ParteichefInnen begr\u00fcnden ihre \u201eRealpolitik\u201c in der Regel erst gar nicht theoretisch, da sie diese ohnedies, ganz im Sinne ihres engen, pragmatischen Horizonts, f\u00fcr alternativlos betrachten.<\/p>\n<p>Riexinger hingegen h\u00e4lt dies f\u00fcr n\u00f6tig, weil er einen \u201eneuen\u201c Linksreformismus begr\u00fcnden will, dessen Vorstellung von Systemwandel (System Change) und Green New Deal sich nicht nur vom revolution\u00e4ren Marxismus, sondern auch von den Konzepten der Sozialdemokratie und der Gr\u00fcnen unterscheiden und abgrenzen soll.<\/p>\n<p><strong>Krisenerscheinungen<\/strong><\/p>\n<p>Dabei greift er reale Probleme auf: \u201eLange schon schwelen verschiedene Krisen des Kapitalismus: Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise, Klimawandel, Grenzen des Wachstums, soziale Ungleichheit, Zusammenbruch der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge und das Gef\u00fchl von vielen, dass die Gesellschaft nicht mehr zusammenh\u00e4lt. Corona hat diese Vielfachkrise des Kapitalismus versch\u00e4rft und zugespitzt.\u201c (System Change, S. 9) Er beschreibt Erscheinungen und Probleme, die mit dem Kapitalismus zu tun haben bzw. von ihm produziert werden. Punkte, an denen man sp\u00fcrt, dass etwas nicht in Ordnung ist auf dieser Welt. Aber eine marxistische Krisenanalyse stellt dies nicht dar. Die kommt auch sp\u00e4ter nicht.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: \u201eSoziale Ungleichheit\u201c: Ist das eine \u201eKrise des Kapitalismus\u201c? So wie dieses System funktioniert, produziert und reproduziert es immer Ungleichheit, da die BesitzerInnen von Kapital dieses st\u00e4ndig vermehren, w\u00e4hrend die Arbeitenden im Normalfall nur sich und ihre Familie reproduzieren k\u00f6nnen. Man k\u00f6nnte die Frage stellen, ob die Ungleichheit gewachsen ist oder ob soviel Kapital angeh\u00e4uft worden ist, dass seine Verwertung so schwierig wird, dass dies zu einer Krise des Systems wird, die aus der Entfaltung seiner eigenen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten erfolgt. Das w\u00e4re eine \u201eKrise des Kapitalismus\u201c im marxistischen Sinne. Da solche Analysen in dem Buch nicht vorkommen, will uns Riexinger wohl nur sagen, dass die Ungleichheit zunimmt, dass dies ungerecht ist und bek\u00e4mpft geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Letztere Aussage ist ja unbestreitbar richtig. Wir werden sp\u00e4ter aber sehen, dass dieses Herumwerfen mit Begriffen eine politische Funktion hat.<\/p>\n<p><strong>Krisenursachen<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung des Kapitalismus findet also nicht statt und auch nicht, wie diese einzelnen \u201eKrisen\u201c zusammenh\u00e4ngen. Er beschreibt die Erscheinungen meist ganz treffend und belegt, dass die vorgeblichen Bem\u00fchungen von Bundesregierung oder EU-Kommission, bestimmte Probleme, z. B. die globale Erw\u00e4rmung, anzugehen, hilflos sind, Einzelma\u00dfnahmen darstellen und durch die generelle Ausrichtung der Politik konterkariert werden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: \u201e EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen hatte bereits Ende 2019 ein Konzept f\u00fcr einen Green Deal auf den Weg gebracht, der die Klima- und Wirtschaftspolitik st\u00e4rker aufeinander abstimmen soll. Ziel sind massive Investitionen in neue Technologien zur effizienteren Ressourcennutzung und zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Das klingt gut, erweist sich aber bei n\u00e4herem Hinsehen wie eine Mischung aus \u201eGreenwashing\u201c und Wettbewerbspolitik. Das Ziel, bis 2050 eine \u201egr\u00fcne Null\u201c zu erreichen, ist f\u00fcr die EU ein Fortschritt, reicht aber nicht aus, um die Klima-Katastrophe zu verhindern. W\u00e4hrend aus einem Fonds Investitionen in den Klimaschutz finanziert werden sollen, f\u00f6rdern zahlreiche EU-T\u00f6pfe mit Milliarden Euro klimasch\u00e4dliche Gro\u00dfprojekte.\u201c (System Change, S. 24)<\/p>\n<p>Aus all diesen Beispielen folgt f\u00fcr Riexinger, dass eine neue Politik n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p><strong>Wer soll es richten?<\/strong><\/p>\n<p>Riexingers Verdienst besteht darin, ein Projekt vorzulegen, das versucht, die ganzen Probleme in ihrer Vielf\u00e4ltigkeit anzugehen. Sein Ziel ist es, alle Bewegungen, die gegen diese aktiv sind, zu einer einzigen zu vereinen, die dann alles f\u00fcr alle erreicht, was sozial und \u00f6kologisch ist, unabh\u00e4ngig von Geschlecht und Herkunft.<\/p>\n<p>Dieses Projekt stellt politisch sehr viel mehr dar, als was andere reformistische F\u00fchrungen derzeit zu bieten haben: Die Sozialdemokratie besinnt sich gerade darauf, dass es ein Jahr vor den Bundestagswahlen vielleicht opportun w\u00e4re, wenigstens ein paar Forderungen zu haben, die klarmachen, wo sie steht, bzw. die den sch\u00e4bigen sozialen Flicken der SPD am Kost\u00fcm der Gro\u00dfen Koalition mehr Glanz verleihen sollen. Die Gewerkschaften im DGB sind komplett unf\u00e4hig, irgendeine Gemeinsamkeit f\u00fcr die \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Herausforderungen zu formulieren. Jeder Teil der B\u00fcrokratie bleibt borniert bei den Leisten seiner Branche.<\/p>\n<p>Riexinger fasst sein Projekt so zusammen: \u201eEntscheidend ist, ein B\u00fcndnis sozialer Bewegungen f\u00fcr den sozial-\u00f6kologischen Umbau und unteilbare Solidarit\u00e4t aufzubauen. Daf\u00fcr ist der Green New Deal kein Masterplan, sondern ein strategischer Vorschlag, wie wir eine bessere Welt gewinnen k\u00f6nnen.\u201c (System Change, S. 132 f.)<\/p>\n<p>Die Ziele, die er vorschl\u00e4gt, basieren auf den bekannten Forderungen der Linkspartei:<\/p>\n<ul>\n<li>L\u00f6hne, die zum Leben reichen, 13 Euro Mindestlohn, Leiharbeit verbieten, prek\u00e4re Arbeit abschaffen, Arbeitszeit um die 30-Stunden-Woche mit Lohnausgleich,<\/li>\n<li>Rentenniveau auf 53 % anheben, Mindestrente von 1.200 Euro, AlG I auf 24 Monate verl\u00e4ngern, Elterngeld auf 24 Monate anheben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die \u201eTransformation der Auto-Industrie\u201c stellt Riexinger sich unter anderem vor, Fahrzeuge f\u00fcr kollektive Mobilit\u00e4tskonzepte herzustellen und einen Ausbau der Bahn zu forcieren.<\/p>\n<p><strong>Utopie<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg, diese guten Dinge zu erreichen, geht dar\u00fcber, dass die Bewegungen, die es schon gibt und die sich ja noch mehr verbinden m\u00fcssen, soviel Druck auf den Staat aus\u00fcben, dass dieser die Konzerne und das Kapital dazu zwingt. Am Beispiel der Auto-Industrie liest sich das so: \u201eDer Staat muss die Auto-Konzerne auf einen sozial gerechten, \u00f6kologischen Transformationspfad verpflichten. Das wird nur gelingen, wenn Belegschaften, Gewerkschaften, Umweltverb\u00e4nde und Klimabewegung an einem Strang ziehen.\u201c (System Change, S. 59 f.) Er verweist darauf, dass es im Konjunkturpaket Gelder der Regierung f\u00fcr Transformation gebe.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft will er dann die Wirtschaft demokratisieren. DAX-Unternehmen sollen mindestens zu 21 % in \u00f6ffentlichem Eigentum stehen, 30 % Belegschaftseigentum, den Rest d\u00fcrfen private Aktion\u00e4rInnen behalten (System Change, S. 62). Was er nicht sagt, ist wie den DAX-Konzernen 51 % ihres Kapitals genommen werden sollen.<\/p>\n<p>Solche Utopien kann man nur schreiben, wenn man alles ignoriert, was MarxistInnen \u00fcber den b\u00fcrgerlichen Staat formuliert haben. Die Marx\u2019sche Sichtweise erledigt Riexinger, indem er die Aussage, der \u201eStaat sei nur ein Instrument in den H\u00e4nden von Kapital und Konzernen\u201c (System Change, S. 103) so interpretiert, als w\u00fcrde sie bedeuten, dass sich der Kampf zwischen Lohnarbeit und Kapital nicht im Staat reflektieren w\u00fcrde, als k\u00f6nnten \u00fcberhaupt keine politischen Reformen errungen werden. Dar\u00fcber hinaus unterstellt er der marxistischen Staatstheorie, sie w\u00fcrde Staat und Kapital als identisch betrachten. Zwar weist er die platte b\u00fcrgerliche Idee, dass \u201eder Staat ein neutrales Instrument sei\u201c (ebenda) zur\u00fcck und erkl\u00e4rt stattdessen, \u201edass sich im Staat Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse verdichten. Er ist das Feld, auf dem die verschiedenen Interessen (Klasseninteressen) ausgetragen werden.\u201c (ebenda)<\/p>\n<p>Hinter diesen Ideen, die auf u. a. auf Poulantzas zur\u00fcckgehen, steckt zwar ein K\u00f6rnchen Wahrheit, n\u00e4mlich dass rein gewerkschaftliche oder soziale K\u00e4mpfe alleine nicht ausreichen, um grundlegende Ver\u00e4nderungen zu erzielen, sondern dass ein politischer Kampf notwendig ist. Aber durch die Weigerung, den b\u00fcrgerlichen Klassencharakter dieses Staates anzuerkennen, verkommt das Ganze nur zu einer komplexeren Begr\u00fcndung einer reformistischen, b\u00fcrgerlichen Reformstrategie. Letztlich muss und kann die ArbeiterInnenklasse in Riexingers Augen den Staat in einem langwierigen gesellschaftlichen und institutionellen Kampf \u00fcbernehmen und ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zur marxistischen Staatstheorie, die den b\u00fcrgerlichen Staat als Herrschaftsinstrument des Kapitals begreift, das \u00fcber tausende F\u00e4den materieller Spitzenprivilegien die Armee, den Repressionsapparat, die Justiz- und Staatsb\u00fcrokratie auf sich als herrschende Klasse verpflichtet, um die Interessen des Gesamtkapitals wahrzunehmen. Die Crux besteht gerade darin, dass der b\u00fcrgerliche Staat als ideeller Gesamtkapitalist fungieren kann, weil er nicht mit einzelnen Kapitalien oder der \u00f6konomischen Vertretung der Bourgeoisie identisch ist. So kann er deren Gesamtinteresse auch gegen einzelne dieser Fraktionen durchsetzen \u2013 wie ironischerweise beim New Deal der 1930er Jahre.<\/p>\n<p>Das ist auch der Grund, warum ein revolution\u00e4res kommunistisches Programm immer auf die Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staates und seine Ersetzung durch einen R\u00e4testaat der ArbeiterInnenklasse, die Diktatur des Proletariats, zielt.<\/p>\n<p><strong>Kein Ausrutscher<\/strong><\/p>\n<p>Es w\u00fcrde aber auch reichen, die politische Realit\u00e4t wahrzunehmen: Es ist ja kein Ausrutscher, wenn in den Konjunkturpaketen keine Auflagen f\u00fcr die Lufthansa oder die Autokonzerne enthalten sind, denn es geht diesem Staat, seiner Regierung und seinem Apparat dabei immer um das, was im Wortsinn \u201esystemrelevant\u201c ist: den Erhalt der Profitmaschinen der deutschen Bourgeoisie im Konkurrenzkampf mit ihren internationalen Konkurrentinnen. Dem werden alle sozialen und \u00f6kologischen Fragen untergeordnet.<\/p>\n<p>Es zeigt sich an dieser Stelle, dass die Schwammigkeit zu Beginn des Buches bei der Darstellung der vielf\u00e4ltigen \u201eKrisen des Kapitalismus\u201c ihre Erg\u00e4nzung und Fortsetzung findet, wenn es um den Staat im Kapitalismus geht. Die Utopie schlie\u00dft auch ein, dass dieser sozial und \u00f6kologisch geb\u00e4ndigte Kapitalismus funktioniert und nicht weiter Krisen produziert.<\/p>\n<p>Riexinger h\u00e4lt seine Utopie f\u00fcr Realismus. Sein Credo ist, man m\u00fcsse an den realen Bewegungen ankn\u00fcpfen, weil nur Menschen in Bewegung etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Sein Irrtum besteht darin, dass er auch an den Irrt\u00fcmern der Bewegungen festh\u00e4lt, ja sie zu seinen eigenen macht. Die F\u00fchrung der Umweltbewegung beispielsweise glaubt, dass eine \u00f6kologische Wende in diesem System, ja sogar mit diesen Regierungen m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Revolution\u00e4rInnen vertreten einen anderen Ansatz: Sie wollen, dass Menschen in der Bewegung lernen und ihre Ziele \u00e4ndern. Daf\u00fcr gilt es immer, Vorschl\u00e4ge zu unterbreiten, die realistisch sind, weil sie funktionieren k\u00f6nnen. Wir hoffen nicht, dass der Staat der Bourgeoisie durch eine Bewegung gezwungen werden k\u00f6nnte, Ma\u00dfnahmen gegen jene durchzusetzen und sie teilweise zu enteignen. Wir propagieren, dass die ArbeiterInnenklasse ihre eigene Macht aufbaut. Dass die Besch\u00e4ftigten Betriebe besetzen, die geschlossen werden sollen. Dass sie unter ihrer eigenen Kontrolle die Produktion oder die Umstellung dieser organisieren. Dass sie sich gegen die \u00dcbergriffe des Staates selbst verteidigen.<\/p>\n<p>Eine solche Perspektive ist im revolution\u00e4ren Sinne realistisch, weil sie von den realen gegens\u00e4tzlichen Interessen der Klasse und der Rolle des Staates ausgeht und nicht selbst Luftschl\u00f6sser produziert. Indem sie die K\u00e4mpfenden in den Bewegungen darauf vorbereitet, deren Illusionen und falschen Vorstellungen solidarisch kritisiert und darlegt, welche Aktionen und Forderungen notwendig sind, um kurz- und langfristige Ziele zu erreichen, tritt sie f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Realismus ein.<\/p>\n<p><strong>Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr seine Vision muss sich Riexinger aber nicht nur den Kapitalismus und seinen Staat sch\u00f6nreden, sondern auch die AkteurInnen seiner Bewegung. Das f\u00e4ngt an bei der Linkspartei, die sich \u201ebehauptet\u201c und die \u201estabil\u201c ist, aber auch in \u201est\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung\u201c (System Change, S. 16). Daf\u00fcr nennt er neue Mitglieder und W\u00e4hlerInnen im Westen. Meint er auch diejenigen, die die Linke an die AfD verloren hat? Stellt er sich die Frage, warum die Linke so gut wie nichts aus den Verlusten der SPD gewinnen konnte? Was ist mit der Politik der Linken an der Regierung?&nbsp;<a href=\"https:\/\/nzz.ch\/%20international\/martin-schulz-vor-einer-regierung-spd-gruene-ramelow-hat-in-deutschland-niemand-angst-ld.1590143\">Martin Schulz<\/a>&nbsp;sagt zu Recht: \u201eEine Regierung SPD-Gr\u00fcne-Ramelow, zum Beispiel, vor der hat in Deutschland keiner Angst.\u201c Das sollte den Parteivorsitzenden der Linken Angst machen.<\/p>\n<p>In den Gewerkschaften sieht Riexinger v\u00f6llig zu Recht eine entscheidende Kraft f\u00fcr jede Ver\u00e4nderung. Er sieht auch, dass diese sich entscheiden m\u00fcssen, \u201eob sie sich als mobilisierende, organisierende und konfliktorientierte Interessenvertretung st\u00e4rken oder ob sie sich auf die korporatistische Zusammenarbeit mit (exportorientiertem) Kapital konzentrieren wollen.\u201c (System Change, S. 96) Dann lobt er das IG Metall-Vorstandsmitglied Urban, um anschlie\u00dfend festzustellen: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich gibt es auch ganz andere Stimmen. Betriebsr\u00e4te und GewerkschafterInnen, die Abwrackpr\u00e4mien auch f\u00fcr neue Dieselautos fordern.\u201c (System Change, S. 97) Diese \u201eanderen\u201c Stimmen sind in der IG Metall die absolute Mehrheit. Auch Urban hat der Forderung nach Kaufanreizen f\u00fcr Verbrenner-Autos nicht widersprochen.<\/p>\n<p>Aber die SozialpartnerInnenschaft floriert nicht nur in der Exportindustrie. Die ma\u00dfgeblich von der Linkspartei und ihren Funktion\u00e4rInnen in ver.di angesto\u00dfene Pflegekampagne wurde trotz breiter Wirkung von der ver.di-B\u00fcrokratie auf einzelne Betriebe beschr\u00e4nkt, eine Politisierung durch die Verbindung mit der Forderung nach Rekommunalisierung der Krankenh\u00e4user bek\u00e4mpft und die ganze Kampagne in die Sackgasse von B\u00fcrgerInnenbegehren gelenkt.<\/p>\n<p>Um die Gewerkschaften und ihre Millionen Mitglieder f\u00fcr antikapitalistische Kampagnen jeder Art zu gewinnen, ist also eine systematische Auseinandersetzung mit der SozialpartnerInnenschaft und ihrer Tr\u00e4gerin, der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, n\u00f6tig. Schon die Debatte dar\u00fcber, wie diese aussehen k\u00f6nnte und sollte, wird in der Linken nicht gef\u00fchrt und auf den Streikkonferenzen der Luxemburg-Stiftung konsequent unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>No Deal<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee eines sozial geb\u00e4ndigten Kapitalismus\u2018 ist nicht neu. Riexinger legt dem Raubtier nur noch eine neue \u00f6kologische Schleife an. Dieser Traum ist immer wieder befeuert worden, weil es Phasen gab, in denen die Bourgeoisie Zugest\u00e4ndnisse an die ArbeiterInnenbewegung machen musste. Er wurde auch gen\u00e4hrt, weil in Krisenperioden die g\u00e4ngigen b\u00fcrgerlichen Ideologien selbst fraglich werden. Daher suchen auch viele nach radikalen Alternativen. Auch das versuchen Riexinger und die Linkspartei wie auch viele \u00e4hnliche Str\u00f6mungen in Westeuropa, den USA und auf der gesamten Welt aufzugreifen, indem sie einen scheinbar radikaleren Reformismus als gangbare quasi-revolution\u00e4re, antikapitalistische Politik zu begr\u00fcnden versuchen.<\/p>\n<p>Wir wollen was anderes. Die Aufgabe f\u00fcr SozialistInnen und KommunistInnen bleibt es, in einer historischen Krise des kapitalistischen Systems nicht f\u00fcr eine neue sozialere Formation des Kapitalismus zu k\u00e4mpfen, welche dieses verrottete System sofort wieder zerlegen w\u00fcrde, sobald es kann. Unser Ziel ist der Sieg \u00fcber dieses System \u2013 seine endg\u00fcltige Abschaffung!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2020\/12\/16\/riexingers-green-new-deal-system-change-statt-sozialismus\/\"><em>Neue Internationale 252&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mattis Molde. Bernd Riexinger, der scheidende Vorsitzende der LINKEN, geht unter die BuchautorInnen. Schon 2018 legte er mit&nbsp;\u201eNeue Klassenpolitik\u201c&nbsp;einen Text vor, in dem er die strategische Ausrichtung der Linkspartei zu begr\u00fcnden suchte. 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