{"id":9022,"date":"2020-12-30T09:37:15","date_gmt":"2020-12-30T07:37:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9022"},"modified":"2020-12-30T09:37:17","modified_gmt":"2020-12-30T07:37:17","slug":"deutschland-tausende-amazon-arbeiterinnen-im-streik-make-bezos-pay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9022","title":{"rendered":"Deutschland: Tausende Amazon-Arbeiter:innen im Streik: Make Bezos pay!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Amazon hat seinen Gewinn w\u00e4hrend der Corona-Krise weltweit verdreifacht. P\u00fcnktlich vor Weihnachten rief Ver.di medienwirksam zum Streik in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland auf. In den drei Tagen vor Heiligabend<\/strong> <strong>wurde<\/strong><!--more--> <strong>an sechs der insgesamt 15 Standorte die Arbeit niedergelegt, um f\u00fcr eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Einzelhandels zu protestieren.<\/strong><\/p>\n<p>Erneut sind die Besch\u00e4ftigten des Online-H\u00e4ndlers Amazon in den Streik getreten. Weltweit ist das Unternehmen f\u00fcr seine arbeiter:innenfeindliche Politik bekannt. Neben der Besch\u00e4ftigung auf Leiharbeit-Basis lehnt das Unternehmen den Abschluss von Tarifvertr\u00e4gen ab und versucht die gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern. In Deutschland k\u00e4mpfen Amazon-Arbeiter:innen seit 2011 f\u00fcr einen Tarifvertrag, dessen Abwesenheit neben der Arbeitsverdichtung zu Rekordprofiten w\u00e4hrend der Corona-Krise gef\u00fchrt hat. Zuletzt verk\u00fcndete das Unternehmen Gewinne \u00fcber 6,3 Milliarden US-Dollar, eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr.<\/p>\n<p><strong>Streiks in Logistikzentren \u2013 eine Ausweitung der Streiks ist notwendig<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr eine gewisse Dramatik war der Zeitpunkt der aktuellen Streiks gut gew\u00e4hlt: Kurz vor den Feiertagen haben die Zeitungen ausreichend Platz f\u00fcr kleine Berichte \u00fcber gro\u00dfe Ungerechtigkeiten. Ebenfalls existiert eine gute Grundlage, dass sich breite Teile der Bev\u00f6lkerung und andere Sektoren der Arbeiter:innenklasse solidarisch mit den Amazon-Besch\u00e4ftigten erkl\u00e4ren, da Amazon w\u00e4hrend der Corona-Krise durch seine Rekordgewinne st\u00e4rker in der Kritik steht. Im Gegensatz dazu ist der Startpunkt des Streits zugleich ung\u00fcnstig, da ein Teil der Geschenke bereits vor dem 21. Dezember zugestellt worden sind. F\u00fcr eine echte St\u00f6rung des Weihnachtgesch\u00e4ftes w\u00e4ren l\u00e4ngere Streiks wirkungsvoller, die \u00fcber mehrere Wochen hinweg andauern.<\/p>\n<p>In diesen Tagen schuften 16.000 Besch\u00e4ftigte in den Amazon-Logistikzentren unter gro\u00dfem Zeitdruck. Ver.di gab an, mit 1.700 Streikenden zu rechnen. Wie viele sich tats\u00e4chlich beteiligt haben, ist noch nicht bekannt: Die Medien beachteten die Streik-Aktion \u00fcber die Ank\u00fcndigung hinaus nicht. Auch Ver.di selbst zieht bislang kein \u00f6ffentliches Statement dazu. Ein gro\u00dfer Teil der Besch\u00e4ftigten werden seitens des Amazon-Managements systematisch eingesch\u00fcchtert oder werden durch Streik-Pr\u00e4mien dazu bewegt sich von den Gewerkschaften zu distanzieren. Dabei ist es notwendig, dass seitens der Gewerkschaften eine gesamtgesellschaftliche Perspektive aufgeworfen wird, die auf die riesigen Gewinne des Konzerns aufmerksam macht und die Besch\u00e4ftigten so f\u00fcr die notwendigen Streiks gewinnt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne g\u00e4be es mehr als genug Gr\u00fcnde f\u00fcr gro\u00dffl\u00e4chige Streiks in allen Amazon-Standorten und Bereichen, denn seit der Corona-Krise, vor allem w\u00e4hrend des Lockdowns, gehen die Profite des US-Konzerns durch die Decke. Besonders im Kontext der Massenentlassungen in mehreren Einzelhandelsbetrieben wie bei Galeria-Karstadt-Kaufhof sollten die Streiks ausgeweitet werden, um gemeinsame Forderungen wie ein Entlassungsverbot, Anwendung des Fl\u00e4chentarifvertrags in der gesamten Branche sowie die strikte Einhaltung der Gesundheitsvorschriften, die durch die Besch\u00e4ftigten kontrolliert und umgesetzt werden, zu erk\u00e4mpfen. Durch eine solch breite Streikbewegung und Solidarit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte ein massiver Druck auf Amazon aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Eine Ausweitung und Verl\u00e4ngerung der Streiks bei Amazon in allen Bereichen des Handels, die nicht nur eine Symbolwirkung haben, steht jedoch aktuell nicht auf der Agenda des Ver.di-Vorstandes, welcher das letzte Wort \u00fcber Streikma\u00dfnahmen spricht. Im Falle von Massenentlassungen bei Galeria-Karstadt-Kaufhof bedeutete diese Haltung, trotz der Schlie\u00dfung von \u00fcber 50 Standorten, dass es nicht zu einem einzigen Streiktag kam. Versammlungen der Betriebsgruppen und Streikversammlungen k\u00f6nnen gute Mittel f\u00fcr die Arbeiter:innen darstellen, um dieser zur\u00fcckhaltende Positionierung der Gewerkschaftsf\u00fchrung mit Druck von unten entgegenzutreten. Aus solchen Versammlungen, die auch \u00fcber die einzelnen Betrieben hinaus organisiert werden, k\u00f6nnen wir als Gewerkschafter:innen und Arbeiter:innen an der Basis unsere Forderungen und Streikstrategie selber bestimmen und \u00f6ffentlich alle Gewerkschaftsorgane aufrufen, diese Positionen anzunehmen und umzusetzen. Nur so kann die Stellvertreter:innenlogik der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie gebrochen werden.<\/p>\n<p><strong>Multimilliard\u00e4r Jeff Bezos zur Kasse!<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl die Leistung der Besch\u00e4ftigten den \u201eErfolg\u201c des Unternehmens erst m\u00f6glich macht, werden weder Gehaltserh\u00f6hungen noch Krisenpr\u00e4mien angeboten. Stattdessen m\u00fcssen die Arbeiter:innen ihre Gesundheit riskieren, wie etwa beim\u00a0<a href=\"https:\/\/www.haz.de\/Umland\/Garbsen\/Corona-bei-Amazon-in-Garbsen-Sind-ueberfuellte-Shuttle-Busse-ein-Infektionsherd\"><strong>Warten an \u00fcberf\u00fcllten Shuttle-Haltestellen.<\/strong><\/a>\u00a0So wurden im Amazon-Standort Garbsen bei Hannover 250 von 900 Arbeiter:innen positiv auf Corona getestet \u2013 der Konzern spricht von \u201eUrsachen im privaten Bereich\u201c. In Deutschland behauptet Amazon, die Besch\u00e4ftigten h\u00e4tten als Lagerkr\u00e4fte keinen Anspruch auf Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Einzelhandels. In Italien jedoch argumentiert der Konzern mit dem Gegenteil, denn die Arbeiter:innen werden als Besch\u00e4ftigte des Einzelhandels eingruppiert und bezahlt. Das kommt Amazon g\u00fcnstiger als die Bezahlung nach italienischem Tarifvertrag f\u00fcr Lagerarbeiter:innen.<\/p>\n<p>Der sich durch die Welt ziehende rote Faden der Amazon-Konzernpolitik ist die Ausbeutung der Arbeiter:innen \u2013 und der Kampf der Belegschaften. Im Fr\u00fchjahr wurden zeitgleich Amazon-Standorte<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/corona-aerger-amazon-mitarbeiter-1264425\/\"><strong>in den USA, Frankreich und Italien bestreikt<\/strong><\/a>. Ausl\u00f6ser war die krampfhafte Offenhaltung von Standorten, in denen es zu Corona-Infektionen in der Belegschaft kam. F\u00fcr die Ver.di-F\u00fchrung w\u00e4re die Gelegenheit g\u00fcnstig gewesen, zur solidarischen Teilnahme am internationalen Kampf aufzurufen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es dringend Investitionen in das Gesundheitssystem zur Bek\u00e4mpfung der Corona-Pandemie braucht, sitzt Jeff Bezos auf einem Verm\u00f6gen von 185,2 Milliarden Dollar, das durch die Ausbeutung der Arbeiter:innen und Steuerverg\u00fcnstigungen wachsen konnte. Die Corona-Krise zeigt die Notwendigkeit mehr denn je, die Verm\u00f6gen der Gro\u00dfkapitalist:innen in Frage zu stellen und diese f\u00fcr Investitionen in den Gesundheitssektor, sowie f\u00fcr die Kosten der Krise, zu enteignen. Wenn eine solche Forderung seitens der weltweiten Amazon-Besch\u00e4ftigten aufgenommen wird, k\u00f6nnte sie Millionen von Menschen hinter sich vereinigen. Eine solche Perspektive muss nat\u00fcrlicherweise gegen die sozialpartnerschaftliche Gewerkschaftsb\u00fcrokratie durchgesetzt werden, die nicht gerne das Verm\u00f6gen und Eigentum der Kapitalist:innen in Frage stellt. Als Teil einer weltweiten kollegialen Bewegung k\u00f6nnten die Amazon-Kolleg:innen den Elfenbeinturm, den Konzernchef Jeff Bezos von den Fr\u00fcchten ihrer Arbeit errichtet hat, zum Zittern bringen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/tausende-amazon-arbeiterinnen-im-streik-make-bezos-pay\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. Dezember 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amazon hat seinen Gewinn w\u00e4hrend der Corona-Krise weltweit verdreifacht. P\u00fcnktlich vor Weihnachten rief Ver.di medienwirksam zum Streik in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland auf. 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