{"id":9060,"date":"2021-01-03T12:28:42","date_gmt":"2021-01-03T10:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9060"},"modified":"2021-01-03T12:28:44","modified_gmt":"2021-01-03T10:28:44","slug":"schweizer-imperialismus-eine-marxistische-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9060","title":{"rendered":"Schweizer Imperialismus: Eine marxistische Interpretation"},"content":{"rendered":"<p><em>Willi Eberle. <\/em><strong>Um die politische Mechanik in einem kapitalistischen Land zu verstehen, ist ein Imperialismusbegriff notwendig. Gerade f\u00fcr die Schweiz. Ist die Schweiz imperialistisch? Ein Land, in dem ein Selbstbild der humanit\u00e4ren Tradition, des<\/strong><!--more--> <strong>vern\u00fcnftigen Ausgleichs, des Pazifismus und der politischen Neutralit\u00e4t hochgez\u00fcchtet wird, in dem es scheinbar allen gut geht, eine starke \u00abMittelschicht\u00bb daf\u00fcr sorgt, dass alles im Lot bleibt? Ein Land, das sich gerne als \u00abErfolgsmodell\u00bb sieht? Im Folgenden wollen wir dieser Frage nachgehen. (1)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Imperialismustheorien und die Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>Ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts fand eine nachhaltige und tiefgehende Ver\u00e4nderung des Kapitalismus statt: Die moderne Staatenbildung akzentuierte sich. Die politischen Strukturen bildeten sich heraus, um die internationale Konkurrenz und den Klassenkonflikt politisch auf neue Grundlagen zu stellen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden diese Ver\u00e4nderungen auch von b\u00fcrgerlichen Theoretiker:innen noch offen und unverbl\u00fcmt debattiert. Damals standen diese Ver\u00e4nderungen auch im Zentrum der marxistischen Debatten um revolution\u00e4re politische Strategien. In der Schweiz, die bereits damals eine besondere Rolle in der sich herausbildenden imperialistischen Ordnung der Mehrwertaneignung und -verwaltung spielte, wurde dies beispielsweise durch den b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen Richard Behrendt 1931 und durch den Kommunisten Pollux, Georges Baehler, in den 1940er Jahren geleistet.<\/p>\n<p>Die Schweizer Industrie produzierte bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts mehr f\u00fcr den Export als f\u00fcr den Binnenmarkt. Die Schweizer Handelsgesellschaften hatten seit l\u00e4ngerem eine solide Verankerung rund um den Globus und Teile der Industrie und die Banken begannen zunehmend, international eine herausragende Rolle zu spielen. Die Arbeiter:innenklasse war k\u00e4mpferisch wie anderswo. Diesem Kampfgeist wurde durch die Unternehmer:innenschaft einerseits mit Repression, andererseits mit Kooptation begegnet. Und \u2013 ebenfalls wie andernorts in Europa und den USA \u2013 wurde mit der gef\u00f6rderten Immigration von billigeren Arbeitskr\u00e4ften die L\u00f6hne gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Was die Schweiz aber bereits damals von den f\u00fchrenden imperialistischen Staaten \u2013 Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Belgien, den USA und anderen \u2013 unterschied, war, dass der Militarismus innenpolitisch zwar eine wichtige Rolle spielte, sie aber \u00fcber keine Kolonien verf\u00fcgte. Die politischen Eliten beriefen sich seit fast f\u00fcnf Jahrhunderten auf die politische Neutralit\u00e4t. Ab dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert hatten die Banken innenpolitisch die F\u00fchrung \u00fcbernommen. (2) Zudem waren die grossen Organisationen der Arbeiter:innenbewegung \u00fcber ihre F\u00fchrungen sp\u00e4testens seit dem Ersten Weltkrieg in die politische Ordnung der Klassenzusammenarbeit eingegossen. Das heisst, die Gewerkschaftsf\u00fchrungen und die Sozialdemokratie setzten auf M\u00f6glichkeiten von Vereinbarungen mit den Unternehmer:innen und deren Organisationen und nicht auf die St\u00e4rkung der Kampfkraft der Arbeiter:innenbewegung. Die revolution\u00e4ren Erhebungen seit dem Ersten Weltkrieg in Europa scheiterten letztendlich an dieser politischen Grundkonstellation der Hegemonie des Reformismus. \u00c4hnliches spielte sich in allen wichtigen Staaten Europas ab, aber in der Schweiz wurden die F\u00e4den der Klassenzusammenarbeit besonders dicht und tief in das gesellschaftliche und politische Funktionieren hineingewoben. Dies vor dem Hintergrund eines \u00e4usserst stabilen inneren Zusammenhaltes der Bourgeoisie, der sich darauf st\u00fctzt, dass die Schweiz von den Zerst\u00f6rungen und tiefen Krisen, wie sie andere Staaten im 20. Jahrhundert durchlebt hatten, verschont blieb.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/theorie\/2021\/der-schweizer-imperialismus-eine-marxistische-interpretation\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. Januar 2021; Dieser Aufsatz ist in antikap 13, der Zeitschrift der Bewegung f\u00fcr den Sozialismus, erschienen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Den ganzen Aufsatz lesen: <a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Schweizer-Imperialismus-Eine-marxistische-Interpretation.pdf\">Schweizer Imperialismus &#8211; Eine marxistische Interpretation<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi Eberle. Um die politische Mechanik in einem kapitalistischen Land zu verstehen, ist ein Imperialismusbegriff notwendig. Gerade f\u00fcr die Schweiz. Ist die Schweiz imperialistisch? 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