{"id":9084,"date":"2021-01-05T16:03:53","date_gmt":"2021-01-05T14:03:53","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9084"},"modified":"2021-01-05T16:04:47","modified_gmt":"2021-01-05T14:04:47","slug":"vom-faschistischen-geist-der-philosophie-der-fall-heidegger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9084","title":{"rendered":"Vom faschistischen Geist der Philosophie: Der Fall Heidegger"},"content":{"rendered":"<p><em>Johannes Schillo. <\/em><strong>Der NS-Philosoph Martin Heidegger war im Nachkriegsdeutschland, Abt. West, eine anerkannte Geistesgr\u00f6sse \u2013 und ist es eigentlich immer noch, auch wenn seine Person heute etwas kritischer gesehen wird.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Seine Philosophie geh\u00f6rt jedenfalls zum kulturellen Erbe des christlichen Abendlandes und hat im akademischen Betrieb ihren Ehrenplatz. Mit dem heutigen Rechtsradikalismus soll dieses Erbe nichts zu tun haben. Diese Ignoranz beklagte j\u00fcngst ein Politikwissenschaftler: Untersuchungen rechter Parteien konzentrierten sich \u201eon populism while largely ignoring the role of intellectualism\u201c, wobei man von der Annahme ausgehe, beide seien \u201eseparate rather than complementary phenomena\u201c (G\u00f6pffarth 2020, 248). Dagegen will der Autor den Fokus darauf richten, wie die radikale Rechte in Deutschland populistische und intellektuelle Akteure vernetzt, indem sie speziell Heideggers Begriff von Nation und Volk zur Grundlage f\u00fcr die exklusive Neufassung deutscher Nationalit\u00e4t macht.<\/p>\n<p>Nun ist es freilich nicht so, dass diese Dimension einfach \u00fcbersehen w\u00fcrde. Der intellektuelle \u00dcberbau, den sich z.B. die AfD mit ihrer Desiderius-Erasmus-Stiftung zugelegt hat, wurde vielfach zu Kenntnis genommen \u2013 in den Mainstream-Medien meist mit Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass Rechte das Erbe eines grossen Humanisten vereinnahmen (vgl. Schillo 2019).<\/p>\n<p>Die philosophische Zeitschrift \u201eWiderspruch\u201c hat 2019 ein ganzes Heft (Nr. 68) der Neuen Rechten und dabei gerade auch den geistesgeschichtlichen Verbindungslinien gewidmet. \u201eAus sektiererischen Spinnern und durchgeknallten Pseudotheoretikern am rechten Rand wurden in den letzten Jahren Stichwortgeber im \u00f6ffentlichen Diskurs\u201c, heisst es im Editorial; gew\u00fcrdigt werden im Heft Autoren der \u201eKonservativen Revolution\u201c, aber auch der Philosoph Heidegger.<\/p>\n<p><strong>Retrograde Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Das Fazit der auf Geistes- und Philosophiegeschichte bezogenen \u201eWiderspruch\u201c-Analysen kann man, grob gesagt, so zusammenfassen: Das neue Denken der heutigen Rechten \u2013 die mittlerweile ja mit Think Tanks und philosophischen Tiefenbohrungen, die AfD sogar mit einem Parteiphilosophen aufwarten \u2013 ist das alte. Wenn man sich etwa die Wirtschafts- und Sozialpolitik der AfD ansieht, st\u00f6sst man, wie Helmut Kellershohn im Er\u00f6ffnungsbeitrag nachweist, auf zahlreiche Parallelen zur \u201enational-sozialen Programmatik in der Tradition des Weimarer TAT-Kreises oder der Idee einer europ\u00e4ischen Internationale der Faschisten\u201c.<\/p>\n<p>Beliebt sind Anleihen bei der \u201eKonservativen Revolution\u201c vom Anfang des 20. Jahrhunderts, bei Autoren wie Ernst J\u00fcnger oder Moeller van den Bruck (Verfasser von \u201eDas dritte Reich\u201c, 1923), die sich \u2013 durch fr\u00fchen Tod oder missgl\u00fcckte Karriereplanungen \u2013 nicht massgeblich an der NS-Herrschaft beteiligen konnten, sondern sich \u201enur\u201c durch eine pr\u00e4faschistische Vorreiterrolle auszeichneten, also heute weniger belastet sind.<\/p>\n<p>Ein tragischer Fall ist hier der j\u00fcdische Faschist Rudolf Borchardt, der in doppelter Weise an einer Beteiligung gehindert wurde: Zum einen war er wegen seiner Herkunft f\u00fcr die Nazis nat\u00fcrlich untragbar, wurde bei Kriegsende auch kurzzeitig interniert. Zum anderen hatte der Sch\u00f6ngeist schwerwiegende Bedenken gegen die prollige Primitivit\u00e4t und die halbschwule \u201eM\u00e4nnerei\u201c der Nazis \u2013 \u00e4hnlich wie J\u00fcnger und andere Reaktion\u00e4re mit \u00e4sthetischem Sensorium, die den v\u00f6lkischen Aufbruch der Nazis zwar begr\u00fcssten, aber an seiner Tragf\u00e4higkeit oder Solidit\u00e4t zweifelten und 1945 letztlich best\u00e4tigt wurden.<\/p>\n<p>Borchardts literarisches Werk wird \u00fcbrigens heute munter ediert, letztens auch sein tausendseitiger (\u201ereaktion\u00e4rer\u201c, \u201erassistischer\u201c, \u201eantifeministischer\u201c&#8230;) Porno \u201eWeltpuff Berlin\u201c. Angesichts der Einblicke, die sich damit in seine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Polemik gegen den Untergang des Abendlands auftun, f\u00fchlte sich der Literaturkritiker des Tagesspiegel (6.4.1998) an das Wort des emigrierten j\u00fcdischen Historikers George Mosse erinnert, es sei ein grosser Fehler der Nazis gewesen, den Juden den Eintritt in NS-Organisationen zu verwehren: Sie h\u00e4tten in Scharen davon Gebrauch gemacht!<\/p>\n<p>Borchardt, der in Gegnerschaft gegen den modernen Zeitgeist und als konservativer Revolution\u00e4r an einer \u201eRestauration deutscher Kulturtotalit\u00e4t\u201c arbeitete, zog sich nach Italien zur\u00fcck, wo er zum Bewunderer des faschistischen Diktators Mussolini wurde, von dem er im April 1933 empfangen wurde und dem er ein Exemplar seines Dante-Buchs \u00fcberreichte.<\/p>\n<p>Von diesem Kaliber g\u00e4be es einiges wiederzuentdecken \u2013 wenn man will. Allerdings stellt sich bei solchen geistesgeschichtlichen R\u00fcckblicken oder -griffen gleich eine Frage, die auch in Bernhard Schindlbecks Aufsatz \u201eDie Neue Rechte und ihr Heidegger\u201c angesprochen wird. (\u00c4hnliches gilt f\u00fcr Klaus Webers Beitrag zum \u201eFaschisierungs-Projekt Peter Sloterdijks\u201c \u2013 Sloterdijk ist der Doktorvater des AfD-MdB Marc Jongen.)<\/p>\n<p>Wenn heutigentags Rassisten oder Ausl\u00e4nderfeinde aufmarschieren, wenn Nationalisten die AfD oder NPD w\u00e4hlen, ist dann ernsthaft davon auszugehen, dass sie von einem reaktion\u00e4ren Philosophen wie Heidegger inspiriert sind, gar etwas von ihm gelesen haben? Wohl kaum, sie werden nicht einmal seinen Namen kennen, auch wenn eine j\u00fcngere intellektuelle Szene heranw\u00e4chst, die sich f\u00fcr die alten Autorit\u00e4ten interessiert und sich mit diesen Traditionslinien schm\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Der populistische Aufbruch<\/strong><\/p>\n<p>Genau auf diesen Punkt zielt Freerk Huisken mit seinem Beitrag \u00fcber den \u201eRechtspopulismus\u201c im \u201eWiderspruch\u201c-Heft (der Text ist auch im Netz auf der Homepage des Autors<a href=\"http:\/\/www.fhuisken.de\/loseTexte.html\">verf\u00fcgbar<\/a>. Er konstatiert, dass sich die neuen erfolgreichen Parteien, wie FP\u00d6 in \u00d6sterreich, RN in Frankreich oder AfD in Deutschland, ans demokratische Procedere halten, weil sie sich eine Transformation der jeweiligen v\u00f6lkischen Gesinnung in eine Mehrheit der Wahlstimmen und so eine Abrechnung mit den \u201eVolksverr\u00e4tern\u201c an der Macht erwarten.<\/p>\n<p>Huisken: \u201eSo weit sind sie mit dieser Erwartung gar nicht von den demokratischen Parteien entfernt, die zwar regelm\u00e4ssig das hohe Lied demokratischer Werte singen, jedoch nie einen Zweifel daran lassen, dass sie es nicht beim gemeinsamen Wertechor belassen wollen, sondern gegeneinander um nichts anderes k\u00e4mpfen, als von vielen B\u00fcrgern dazu erm\u00e4chtigt zu werden, allein die Macht im Nationalstaat nach ihrer Fa\u00e7on und vier Jahre lang m\u00f6glichst frei von B\u00fcrgerinterventionen auszu\u00fcben.\u201c<\/p>\n<p>Im demokratisch verwalteten Kapitalismus, der das Volk zur nationalen Verf\u00fcgungsmasse einer zunehmend h\u00e4rteren Staatenkonkurrenz macht, nistet demnach von vornherein die Frontstellung gegen andere Nationen, die im Fall des Falles durch radikalere Varianten abgerufen wird. Wenn sich Menschen in erster Linie und im Sinne einer Naturtatsache als Mitglieder eines Volkes, eines \u201ePopulus\u201c, definieren und ihr Heil in den H\u00e4nden einer starken Macht sehen, die nicht dem \u201eGlobalismus\u201c huldigt, sondern ihrer nationalen Identit\u00e4t, dann ist damit die Bereitschaft gegeben, eine feindselige Stellung gegen\u00fcber dem Ausland und den Ausl\u00e4ndern einzunehmen und auch auszutragen. Eine Feindseligkeit, die an Sch\u00e4rfe gewinnt, sofern sich der eigene Staat bzw. seine politische Klasse mit Durchsetzungsproblemen herumschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Im heutigen Nationalstaat \u2013 und nicht in einer fatalen Mentalit\u00e4tsgeschichte oder in fehlgeleiteten individual- bzw. sozialpsychologischen Verarbeitungsformen von Fremdheitserfahrungen \u2013 findet man somit den Grund f\u00fcr den sich ausbreitenden Rechtstrend. Huiskens Fazit: \u201eKritik des rechten bzw. rechtsradikalen Denkens kommt letztlich nicht aus ohne den Nachweis, dass jede Variante von Nationalismus \u2013 sei sie demokratisch oder v\u00f6lkisch \u2013 von der die Nationalstaaten bestimmenden Scheidung zwischen In- und Ausl\u00e4ndern lebt. Ihren einzigen Grund hat diese Scheidung in der begrenzten territorialen Reichweite der Staatsgewalt. Das signalisieren bewaffnete Grenzen ebenso wie der in Europa auch innerhalb der Demokraten permanent gef\u00fchrte Streit \u00fcber die Grenzen der Preisgabe nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p><strong>Altmeister Heidegger<\/strong><\/p>\n<p>Der Rechtstrend als politische Bewegung ist von daher zu erkl\u00e4ren und nicht durch kulturgeschichtliche Korrespondenzen oder Traditionen. Wobei nat\u00fcrlich stimmt, dass im Masse seiner Ausbreitung ein ideologischer \u00dcberbau entsteht, in dem sich eine rechte Intelligenz mit Stiftungen, Instituten und Bibliotheken tummelt und allerlei Bez\u00fcge zur glorreichen 1000-j\u00e4hrigen deutschen (Geistes-)Geschichte \u2013 abseits des 12-j\u00e4hrigen \u201eVogelschisses\u201c (Gauland) von 1933-45 \u2013 findet oder erfindet. Und ein prominenter Fall ist in dem Zusammenhang sicher der Seinsphilosoph Heidegger.<\/p>\n<p>Ende der 1980er Jahre, nach den Enth\u00fcllungen von V\u00edctor Far\u00edas in seinem Buch \u201eHeidegger und der Nationalsozialismus\u201c oder nach Hugo Otts Vorarbeiten zu einer kritischen Biographie \u2013 den Wendepunkten in der westdeutschen Heidegger-Verehrung \u2013, erschien erstmals Peter Deckers marxistische Analyse (Decker 2020). Sie ist jetzt in einer aktualisierten Neuausgabe zug\u00e4nglich, hat aber die Stossrichtung und Argumentation beibehalten, auch wenn inzwischen einiges an Analysen zum politischen Standort des schw\u00e4bischen Philosophen nachgereicht wurde.<\/p>\n<p>Bei Schindelbeck kann man Instruktives zur \u00fcblichen Reinwaschung dieses \u201eheimlichen K\u00f6nigs\u201c der Philosophen (so seine Geliebte Hannah Arendt) nachlesen \u2013 eine Rehabilitierung, die seit der Ver\u00f6ffentlichung von Heideggers \u201eSchwarzen Heften\u201c mit ihren klaren NS-Bekenntnissen normaler Weise etwas verklausulierter geht, vom rechten Lager aber unverdrossen fortgesetzt wird. So etwa von Ernst Nolte, der von Heideggers \u201emetaphysischem Antisemitismus\u201c spricht, was f\u00fcr den renommierten Historiker offenbar einen wichtigen Unterschied zum rassistischen Konzept markieren soll. Das \u201eWeltjudentum\u201c sei bei Heidegger \u2013 parallel zum Amerikanismus oder Bolschewismus \u2013 nur eine Erscheinungsform von etwas Tieferliegendem, n\u00e4mlich der \u201eSeinsvergessenheit\u201c des modernen Menschen, und nichts platt Politisches.<\/p>\n<p>Dieses st\u00e4ndige Bem\u00fchen um eine Rehabilitierung des Nazi-Philosophen, der nach 1945 nie ein Schuldbekenntnis abgelegt hat, ist nat\u00fcrlich erschreckend. Doch Nolte muss man zugestehen, dass er einen entscheidenden Punkt getroffen hat: Die Seinsphilosophie des schw\u00e4bischen Denkers bewegt sich auf einer anderen Ebene als Programm und Parolen der Nationalsozialisten, sie l\u00f6st sich nicht einfach in die opportunistische Bef\u00fcrwortung oder Ausschm\u00fcckung des Nationalsozialismus auf, wie sie f\u00fcr den deutschen Wissenschaftsbetrieb nach der NS-Machtergreifung selbstverst\u00e4ndlich war (und wie sie dann nach 1945 schnurstracks vom selben Personal widerrufen wurde, ohne dass man den Professoren gross mit Entnazifizierung oder Re-Education kommen musste und ohne dass die ihre alten Lehrb\u00fccher gross umschreiben mussten). Das macht die Sache aber nicht besser, ganz im Gegenteil, wie Decker nachweist.<\/p>\n<p>Seine Ausf\u00fchrungen zielen n\u00e4mlich auf die Philosophie selber, nehmen gerade nicht die pers\u00f6nlichen Verwicklungen ihres Urheber in Nazi-Machenschaften, sein Agieren in Partei oder Hochschule, ins Visier \u2013 also Heideggers Polit-Pr\u00e4ferenzen und Lebensumst\u00e4nde, die heute durch die Bank als faschistisch verurteilt werden, um dann, mehr oder weniger verst\u00e4ndnisvoll, den Kern seiner philosophischen Bem\u00fchungen von den zeitbedingten Kontaminationen zu reinigen und so letztlich den Rang dieses Denkers wieder zu retten. Es geht Decker um den philosophischen Gehalt des Heideggerschen Opus selbst, um den hier vorliegenden radikalen Fall von Sinnstiftung, der die Konsequenz aus den Bem\u00fchungen der Vorl\u00e4ufer zieht und Philosophie als respektable Instanz von Gegenaufkl\u00e4rung und Antiwissenschaft etabliert.<\/p>\n<p>Untersucht werden daher nicht speziell (wie bei Schindelbeck) die Kategorien einer politischen Philosophie. Heideggers Abstraktionsleistung, eine Trivialit\u00e4t namens \u201edas Sein\u201c, d.h. den substantivierten Infinitiv des Satzglieds \u201eist\u201c, in den Mittelpunkt zu stellen und damit ein un\u00fcberbietbares Universale zu finden, l\u00e4sst ja sowieso die klassische Aufteilung des Fachs in diverse Abteilungen hinter sich.<\/p>\n<p>Diese hielt noch den Schein der wissenschaftlichen Bearbeitung eines Gegenstandes aufrecht, Heidegger dagegen schreitet zielstrebig zur raunenden, wissensfeindlichen Beschw\u00f6rung eines philosophischen Prinzips fort. Sein Anliegen ist es, eine unwidersprechliche h\u00f6here oder tiefere Notwendigkeit festzuhalten, der \u201eder Mensch\u201c sich unterzuordnen hat. \u201eAls Philosoph will er von nichts Bestimmtem etwas wissen und ist sich gleichwohl \u2013 und nur so! \u2013 \u00fcber die letztendliche Begr\u00fcndbarkeit und Wohlbegr\u00fcndetheit von allem sicher.\u201c (Decker 2020, 74)<\/p>\n<p>Decker untersucht im Einzelnen, wie sich Heidegger den philosophischen Bedarf nach Sinnsuche erarbeitet, n\u00e4mlich als systematische Absage an wissenschaftliches Denken \u00fcberhaupt, und wie seine Abstraktionen zustandekommen, die die klassische Metaphysik \u00fcberbieten und das Sinnbed\u00fcrfnis in Reinform kultivieren: als Ansage der Notwendigkeit, das eigene \u201eGeworfensein\u201c angesichts der Not der schweren Zeit bzw. der Zeit der schweren Not auszuhalten \u2013 nicht weil es daf\u00fcr h\u00f6here Werte (Gott, Gl\u00fcckseligkeit, ewiger Frieden) g\u00e4be, sondern weil die Bestimmung des Menschen im Aushalten der Seinsgesetzlichkeit besteht. Dabei l\u00e4sst Heidegger die polemische Stossrichtung gegen Subjekte, die sich anmassen, eigene Zwecke in der Welt geltend zu machen, deutlich heraush\u00e4ngen. Solche Wichte sind ein Fall von \u201eSeinsvergessenheit\u201c \u2013 und verdienen die Verachtung all derer, die sich am elit\u00e4ren Seinsgeschwafel zu erbauen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die Analyse Deckers zielt also darauf, dass sich im Zentrum von Heideggers Philosophie durchaus Affinit\u00e4ten zu einem Staatsprogramm finden, \u201edas sich der Vorbereitung eines grossen Krieges gewidmet und daf\u00fcr auf Tugenden seiner Mannschaft Wert gelegt hat, die die f\u00e4lligen Opfer bis hin zur Aufgabe des eigenen Lebens als sinnerf\u00fcllenden Dienst an einem \u00fcbergeordneten Ganzen erscheinen lassen und nichts als diesen Lohn versprechen.\u201c (Ebd., 73) Damit \u2013 und das ist wohl das provozierendste Ergebnis von Deckers Analyse \u2013 hat man die Radikalisierung einer Idee vor sich, die alle Philosophen teilen. Also keinen Aussenseiter, der auf Abwege geriet, sondern den \u201ekonsequentesten Philosophen des 20. Jahrhunderts\u201c.<\/p>\n<p><strong>Nachweise<\/strong><\/p>\n<p>Decker, Peter, Martin Heidegger \u2013 Der konsequenteste Philosoph des 20. Jahrhunderts \u2013 Faschist (1988). Neuausgabe, M\u00fcnchen (Gegenstandpunkt) 2020, <a href=\"https:\/\/de.gegenstandpunkt.com\/\">https:\/\/de.gegenstandpunkt.com\/<\/a>.<\/p>\n<p>Julian G\u00f6pffarth, Rethinking the German nation as German Dasein: intellectuals and Heidegger\u2019s philosophy in contemporary German New Right nationalism, in: Journal of Political Ideologies, 3\/2020.<\/p>\n<p>Johannes Schillo, Alles f\u00fcr Deutschland \u2013 Seit dem Sommer 2018 verf\u00fcgt die AfD mit Desiderius-Erasmus \u00fcber eine parteinahe Stiftung, in: Junge Welt, 17.12.2019.<\/p>\n<p>Widerspruch, Nr. 68: Die Neue Rechte. M\u00fcnchen 2019, <a href=\"https:\/\/widerspruch.com\">https:\/\/widerspruch.com<\/a>.<\/p>\n<p><em>#Bild: Martin Heidegger, Mai 1960. \/&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Heidegger_2_(1960).jpg\"><em>Willy Pragher<\/em><\/a><em>&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\"><em>(CC BY-SA 3.0 unported &#8211; cropped)<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/theorie\/der-fall-martin-heidegger-vom-faschistischen-geist-der-philosophie-6176.html\"><em>untergrund-bl\u00e4ttle.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. Januar 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Schillo. Der NS-Philosoph Martin Heidegger war im Nachkriegsdeutschland, Abt. 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