{"id":9158,"date":"2021-01-21T16:22:59","date_gmt":"2021-01-21T14:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9158"},"modified":"2021-01-22T15:53:17","modified_gmt":"2021-01-22T13:53:17","slug":"usa-der-freiheitskampf-ist-seit-je-ein-kampf-der-arbeiterinnenklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9158","title":{"rendered":"USA: Der Freiheitskampf ist seit je ein Kampf der Arbeiter:innenklasse"},"content":{"rendered":"<p><em>Robin D.G.Kelley*. <\/em>W\u00e4hrend wir erneut \u00fcber die Rolle der organisierten Arbeiter:innenschaft im langen schwarzen Befreiungskampf nachdenken, haben sich in Indien genau in diesem Moment 250 Millionen Bauern und B\u00e4uerinnen, Arbeiter:innen, Student:innen<!--more--> und deren Verb\u00fcndete in einem dreimonatigen Protest gegen die neoliberale Agrarpolitik der Modi-Regierung zusammengeschlossen.<\/p>\n<p>Die neuen Gesetzentw\u00fcrfe des indischen Parlamentes beseitigen im Wesentlichen die staatlich regulierten Agrarm\u00e4rkte und erlauben direkte Transaktionen zwischen Bauern\/B\u00e4uerinnen und privaten Unternehmen \u2013 n\u00e4mlich internationalen Rohstoffh\u00e4ndlern und Konglomeraten wie Walmart und Cargill.<\/p>\n<p>Die neuen Regelungen werden kleinb\u00e4uerische Betriebe zerst\u00f6ren und diejenigen, die \u00fcberleben, dazu zwingen, Vertr\u00e4ge mit globalen Saatgut- und Agrochemielieferanten, H\u00e4ndlern, Verteilern und Einzelhandelskonzernen zu schlie\u00dfen. Die Gesetzgebung f\u00f6rdert die unregulierte Lagerung von Produkten und die Warenspekulation und hebt Gesetze auf, die das Horten von Lebensmitteln aus Profitgr\u00fcnden zu einem kriminellen Vergehen machten.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich eine Viertelmilliarde Menschen vor, die versuchen, den ungebremsten Kapitalismus zu stoppen, den Planeten zu retten und sich gegen massive Enteignungen und eine katastrophale Abwanderung in die bereits \u00fcberlasteten St\u00e4dte zu wehren: Dies ist ein eindr\u00fcckliches Beispiel f\u00fcr militante Solidarit\u00e4t angesichts einer globalen Pandemie und einer globalen Rezession. Es ist der gr\u00f6sste Generalstreik in der Geschichte der Menschheit, und kaum jemand spricht hierzulande dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Und doch bieten uns die Ereignisse in Indien vielleicht die wichtigsten Lehren f\u00fcr die Stunde: Der Streik l\u00e4dt uns ein, uns mit der Frage zu konfrontieren, wer die Arbeiter:innenklasse ausmacht und wo sie verortet ist.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber Arbeiter:innengeschichte im globalen Massstab sprechen, bin ich immer wieder \u00fcberrascht, wie schnell wir uns auf eine euro-\/US-amerikazentrierte Wahrnehmung beschr\u00e4nken und wie wir unbewusst die Stadt gegen\u00fcber dem Land privilegieren.<\/p>\n<p>Ich erinnere meine Student:innen immer wieder daran, dass die gr\u00f6ssten Arbeiter:innenrevolten des 19. und 20. Jahrhunderts weder in Europa noch in den USA stattfanden, sondern in den Kolonien und Nationen des globalen S\u00fcdens.<\/p>\n<p><strong>Schwarze Arbeiter:innen und \u00abRassenkapitalismus\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich nach der Rolle der organisierten Arbeiter:innenschaft in der schwarzen Befreiungsbewegung gefragt werde, weise ich immer schnell darauf hin, dass schwarze Arbeiter:innen an der Spitze der Arbeiter:innenbewegung standen, besonders im 19. Jahrhundert, als sich die Arbeiter:innen eher in Parteien und Massenorganisationen zusammentaten als in Z\u00fcnften &nbsp;und Handwerksgewerkschaften, wie beispielsweise in den Knights of Labor und den Greenback Labor Party.<\/p>\n<p>Schwarze Arbeiter:innen \u00fcbernahmen die F\u00fchrung weisser Arbeiter:innen \u2013 oder sie versuchten es zumindest. Die bekanntere Erz\u00e4hlung betont nat\u00fcrlich, wie Kapitalist:innen den Rassismus als Waffe einsetzen, um die Werkt\u00e4tigen zu spalten und den Widerstand zum Schweigen zu bringen; wie sie den Zwangsarm des Staates einsetzen, um Streiks niederzuschlagen oder Str\u00e4flingsarbeit zu vergeben; wie sie konservative schwarze F\u00fchrer:innen bestechen, um gegen Gewerkschaften vorzugehen und Streiks zu brechen; wie sie die Gewalt des Mobs im Namen des Schutzes der weissen Frau und des Kampfes gegen den Kommunismus sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Aber nicht ausschliesslich hinterh\u00e4ltige Kapitalist:innen sind allein schuld an der Untergrabung der kollektiven Macht der Arbeiter:innenbewegung. Die Gewerkschaften selbst waren ausgrenzend und nicht einschliessend. Sie basierten auf Handwerksberufen und dem Schutz von deren Arbeitspl\u00e4tzen. Es gab Ausnahmen, wie die IWW und die CIO, aber das Wichtigste ist, dass wenn weisse Arbeiter:innen f\u00fcr sich allein ausgrenzende, rassistische Gewerkschaften aufzubauen versuchen, sie scheitern werden. Wir k\u00f6nnen uns die Kampagne von 1866 f\u00fcr den Achtstundentag ansehen: In St. Louis bauten Gewerkschafter:innen eine rassen\u00fcbergreifende Kampagne auf und gewannen; in New Orleans ging eine Kampagne nur f\u00fcr die Weissen in einer Niederlage unter.<\/p>\n<p>Das bringt mich zum Kern der Sache. Die wirkliche Frage ist nicht die Unterst\u00fctzung der \u00abSchwarzen Befreiung\u00bb durch \u00abdie Gewerkschaften\u00bb, sondern vielmehr: Warum hat sich ein so gro\u00dfer Teil der US-Arbeiter:innenbewegung geweigert, die gesamte Klasse einzubeziehen? Denken wir nur an die lange Geschichte des Ausschlusses von schwarzen Arbeiter:innen, asiatischen Werkt\u00e4tigen, Land- und Hausarbeiter:innen. Weshalb haben so viele Gewerkschaften in der Vergangenheit konsequent eine rassenm\u00e4ssig segmentierte Arbeiterschaft und Lohnunterschiede aufgrund von Rassenzugeh\u00f6rigkeit unterst\u00fctzt oder toleriert?<\/p>\n<p>Wie erkl\u00e4rt sich die Unterst\u00fctzung der weissen Arbeiter:innenklasse f\u00fcr eine Wohnungspolitik, die nicht nur die Segregation aufrechterh\u00e4lt, sondern auch H\u00e4user in schwarzen und gemischten Vierteln entwertet und den Wert von H\u00e4usern in segregierten weissen Vierteln erh\u00f6ht? Oder eine Politik, die Schwarze von \u00f6ffentlich finanzierten Einrichtungen ausschliesst \u2013 bessere Schulen, bessere Krankenh\u00e4user und Gesundheitsversorgung?<\/p>\n<p>Sind das \u00fcberhaupt Probleme der Arbeiter:innenbewegung? Sicher sind sie das! R\u00e4umliche Segregation erkl\u00e4rt so vieles, was ein alleiniger Fokus auf den Arbeitsplatz nicht erkl\u00e4ren kann \u2013 versteckte Lebenshaltungskosten, Essensw\u00fcsten, Mobilit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen beim Zugang zu angemessenen Arbeitspl\u00e4tzen, Haus- und Grundbesitzwerte und Auswirkungen auf den Wohlstand zwischen den Generationen, Schulfinanzierung und Dienstleistungen wie Zugang zu sanit\u00e4ren Einrichtungen, Feuerwehr und Bibliotheken. (Stellen Sie sich vor, was es f\u00fcr schwarze und braune Kinder bedeutet, wenn sie bei ihrem McDonalds in der Nachbarschaft das Internet nutzen, um dem Schulunterricht beizuwohnen).<\/p>\n<p>Das ist es, was wir mit \u00abrassischem Kapitalismus\u00bb meinen, der nicht nur tiefe Rassen-, Klassen- und Geschlechterungleichheiten produziert, sondern auch weiterhin einen Teil der weissen Arbeiter:innenklasse in einem Zustand der Prekarit\u00e4t h\u00e4lt, w\u00e4hrend er sie davon \u00fcberzeugt, dass schwarze und braune Menschen daran schuld seien.<\/p>\n<p>Das verborgene Geheimnis der Langlebigkeit des rassischen Kapitalismus ist die F\u00e4higkeit des Kapitals und des Staates, die \u00abweissen\u00bb Arbeiter:innen einzufangen und ihre Identit\u00e4t an Rasse (Weisssein) und M\u00e4nnlichkeit zu binden. Wir alle m\u00fcssen uns vom rassischen Kapitalismus befreien.<\/p>\n<p><strong>Ein ideologischer Kampf<\/strong><\/p>\n<p>Ich behaupte nicht, dass Gewerkschaften hoffnungslos rassistisch sind, ebenso wenig wie Michael Goldfield in seinem herausragenden Buch <a href=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/the-southern-key-9780190079321?cc=ch&amp;lang=en&amp;\">The Southern Key<\/a>. Im Gegenteil, wir haben viele Beispiele von Gewerkschaften, die sich f\u00fcr soziale Gerechtigkeit und Antirassismus einsetzen. Ich z\u00f6gere, diese als \u00abAusnahmen\u00bb zu bezeichnen, da dies impliziert, dass die \u00abArbeiter:innenbewegung\u00bb einzigartig und einheitlich ist, anstatt vielf\u00e4ltig und uneinheitlich.<\/p>\n<p>Einfach ausgedr\u00fcckt: Die politische Ausrichtung einer Gewerkschaft kann nicht allein auf die inh\u00e4renten Widerspr\u00fcche zwischen Arbeit und Kapital reduziert werden, sondern muss innerhalb eines breiteren ideologischen Kampfes verstanden werden. Die Ausbeutung des Mehrwerts allein erkl\u00e4rt nicht, warum einige Sektoren der Arbeiter:innenbewegung eine Vision von Rassen- und Geschlechtergerechtigkeit und -gleichheit vertreten, w\u00e4hrend andere an Rassismus, Patriarchat und an der bestehenden sozialen Ordnung festhalten; vielleicht spiegeln die meisten eine chaotische, sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernde Kombination dieser Tendenzen wider.<\/p>\n<p>Und wie ich angedeutet habe, fanden einige der entscheidendsten K\u00e4mpfe nicht am Arbeitsplatz, sondern auf der Ebene des Staates statt \u2013 K\u00e4mpfe um Sozialpolitik, gegen staatliche Gewalt, um Budget- und Steuerentscheidungen, Wohnungsbau und Wohlfahrt, Bildung usw.<\/p>\n<p>Wenn wir uns die 1930er Jahre noch einmal anschauen, die \u00c4ra, die wir als die Bl\u00fctezeit des rassen\u00fcbergreifenden Radikalismus der Arbeiter:innenklasse ansehen, sollten wir drei Dinge ber\u00fccksichtigen. Die Linke, und hier meine ich speziell die Kommunistische Partei, unterschied sich von anderen sozialistischen Parteien bis zu diesem Zeitpunkt dadurch, dass sie den Antirassismus in den Mittelpunkt stellte.<\/p>\n<p>Ungeachtet der vielen Fehler und Fehltritte der KP widersetzte sie sich im Allgemeinen der Farbenblindheit, indem sie die Besonderheiten der K\u00e4mpfe schwarzer, brauner und indigener Arbeiter:innen hervorhob, w\u00e4hrend sie sich gegen den Rassismus weisser Arbeiter:innen stellte und nicht versuchte, diesen wegzuerkl\u00e4ren. Zweitens drehten sich die gr\u00f6ssten Mobilisierungen der KP nicht so sehr um Hilfsmassnahmen, Arbeitspl\u00e4tze oder gewerkschaftliche K\u00e4mpfe, sondern vor allem um die Verteidigung der \u00abScottsboro Boys\u00bb, neun junger schwarzer M\u00e4nner, die f\u00e4lschlicherweise beschuldigt wurden, zwei weisse Frauen in einem Zug in Alabama vergewaltigt zu haben.<\/p>\n<p>Drittens waren die 1930er Jahre die Periode, die wir oft als die Linkswende in den USA beschreiben, auch durch den aufkommenden Faschismus gekennzeichnet; dieser zog einen Teil der weissen Arbeiter:innenklasse zu Gruppen wie den Schwarzhemden, den Ku-Kux-Klan, der Weissen Legion und der amerikanischen Nazipartei.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, was die Gewerkschaftsbewegung f\u00fcr soziale Gerechtigkeit oder B\u00fcrgerrechte oft antreibt, sind Bewegungen mit einer Vision von Gerechtigkeit, Bewegungen, die antifaschistisch, antirassistisch und \u2013 ich wage es zu sagen \u2013 antikapitalistisch sind (obwohl die Unterst\u00fctzung des Letzteren nicht notwendigerweise mit der Unterst\u00fctzung des Ersteren gleichzusetzen ist).<\/p>\n<p><strong>Wo Organisieren erfolgreich war<\/strong><\/p>\n<p>Im S\u00fcden waren schwarze werkt\u00e4tige Aktivist:innen, unter ihnen viele Kommunisten, der Schl\u00fcssel zum Aufbau des CIO in der Region. Dies zeigte sich sogar w\u00e4hrend der fr\u00fchen Phasen der Angriffe des Kalten Krieges auf die Arbeiter:innenschaft und auf die Linke. Operation Dixie, die Nachkriegskampagne zur Organisierung des S\u00fcdens, wird gew\u00f6hnlich als totaler Misserfolg angesehen, aber wie Will Jones zeigt, war sie dort erfolgreich, wo schwarze Arbeiter:innen f\u00fchrend waren \u2013 z. B. unter schwarzen Holzarbeiter:innen in North Carolina und schwarzen Tabak- und Baumwollpressenarbeiter:innen in North Carolina, Arkansas und West-Tennessee.<\/p>\n<p>Schwarze Arbeiter:innen bauten die Kampagne der International Woodworkers of America (IWA) zur Organisierung von S\u00e4gewerksarbeitern im S\u00fcden auf und hielten sie aufrecht, trotz der unabl\u00e4ssigen Gewalt von Unternehmer:innen, verb\u00fcndeten Gesch\u00e4ftsleuten und weissen Arbeiter:innen und trotz der grossen Anstrengungen des CIO, die Rassenfrage auszublenden.<\/p>\n<p>In Elizabethtown, North Carolina, wo die IWA 1948 einen militanten Streik gegen eines der gr\u00f6ssten Holzunternehmen im S\u00fcdosten f\u00fchrte, waren es gerade die rassische Solidarit\u00e4t und die Unterst\u00fctzung der schwarzen Gemeinde, die ihren Erfolg sicherten.(1)<\/p>\n<p>Die weitgehend kommunistisch gef\u00fchrte Food, Tobacco, Agricultural, and Allied Workers of America (FTA) beruhte auf der F\u00e4higkeit der Gewerkschaft, eine tief verankerte Quelle schwarzer Solidarit\u00e4t anzuzapfen, die sich um Arbeitsplatzbedingungen, L\u00f6hne und Rassendiskriminierung drehte. Bis 1947 gewann die FTA 111 Gewerkschaftswahlen und brachte etwa 15.000 Arbeiter:innen in die Gewerkschaft.<\/p>\n<p>Winston-Salem, North Carolina, war zum Epizentrum der FTA-St\u00e4rke in der Region geworden. Angef\u00fchrt von einer aussergew\u00f6hnlichen Gruppe schwarzer Frauen, insbesondere Moranda Smith, Velma Hopkins, Theodosia Simpkins und Viola Brown, hatte die Betriebsgruppe 22 erfolgreich Arbeiter:innen bei der R.J. Reynolds Tobacco Company organisiert.<\/p>\n<p>Sie k\u00e4mpften nicht nur f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und bessere Arbeitsbedingungen, sondern vertraten die radikale schwarze Vision, dass B\u00fcrger- und Menschenrechte untrennbar mit Arbeitsrechten verbunden sind.<\/p>\n<p>Sie protestierten gegen die Rassentrennung, k\u00e4mpften gegen sexuelle Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz, belebten die \u00f6rtliche Ortsgruppe der NAACP [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/National_Association_for_the_Advancement_of_Colored_People\"><strong>National Association for the Advancement of Colored People<\/strong><\/a>] wieder, starteten Kampagnen zur W\u00e4hler:innenregistrierung, richteten Kurse zur Arbeiter:innenbildung ein, gr\u00fcndeten eine Bibliothek mit B\u00e4nden \u00fcber afroamerikanische Geschichte und politische \u00d6konomie und waren massgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass 1947 mit Reverend Kenneth Williams der erste schwarze Stadtrat von Winston-Salem gew\u00e4hlt wurde.(2)<\/p>\n<p><strong>Kollektive Macht unter Beschuss<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg der von der Linken gef\u00fchrten Gewerkschaften wie der FTA, der International Mine, Mill, and Smelter Workers, der Farm Equipment Workers, der United Electrical, Radio and Machine Workers of America (UE) und anderen wurde durch die Streikwelle von 1945-46 gest\u00e4rkt, nur um dann von der Antwort des Staates und der Unternehmen auf den Aufstand der Arbeiter:innen in der Nachkriegszeit niedergeschlagen zu werden.<\/p>\n<p>Die kollektive Macht der Arbeiter:innenschaft, insbesondere in F\u00e4llen beispielhafter rassen\u00fcbergreifender Zusammenarbeit, drohte die Macht der Unternehmen stark zu beschneiden oder, schlimmer noch, f\u00fcr das Kapital eine neue politische Ordnung einzuf\u00fchren, die die Wirtschaft weiter regulieren, den Wohlfahrtsstaat ausbauen, die Rechte der Arbeiter:innen sch\u00fctzen und die Gewinne der Unternehmen untergraben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wir alle wissen, was dann geschah: Der Krieg gegen die Arbeiter:innenschaft wurde im Namen des Kampfes gegen den Kommunismus versch\u00e4rft. Linksgerichtete k\u00e4mpferische Arbeiter:innen wurden entlassen oder deportiert oder vor das House Un-American Activities Committee (HUAC) [Das&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komitee_f%C3%BCr_unamerikanische_Umtriebe\">Komitee f\u00fcr unamerikanische Umtriebe<\/a> war im Kalten Krieg ein ber\u00fcchtigtes Gremium des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Repr%C3%A4sentantenhaus_der_Vereinigten_Staaten\">Repr\u00e4sentantenhaus<\/a>es; A.d. \u00dc] gebracht.<\/p>\n<p>Das Taft-Hartley-Gesetz (1947) schr\u00e4nkte das Streikrecht der Werkt\u00e4tigen ein; verbot die Praxis des \u00abclosed shop\u00bb, das heisst, dass in einem Betrieb nur eine Gewerkschaft aktiv sein durfte, solidarische Boykotte und \u00abSympathiestreiks\u00bb; verh\u00e4ngte saftige Geldstrafen gegen Gewerkschaftsfunktion\u00e4r:innen, die sich nicht gegen unbewilligte Streiks wehrten; hinderte die Gewerkschaften daran, politische Kampagnen zu unterst\u00fctzen; und verlangte von Gewerkschaftsfunktion\u00e4r:innen die Unterzeichnung von Loyalit\u00e4tseiden und eidesstattlichen Erkl\u00e4rungen, in denen sie versicherten, keine Kommunist:innen zu sein.<\/p>\n<p>Diejenigen, die sich weigerten zu unterschreiben, waren die linksgef\u00fchrten Gewerkschaften \u2013 die Gewerkschaften, die sich am meisten als antirassistisch erwiesen \u2013, wof\u00fcr sie zwischen 1949 und 1950 kurzerhand aus dem CIO ausgeschlossen wurden.<\/p>\n<p>Die Geschichte endet hier jedoch nicht. Immer noch ist der Mythos vorherrschend, dass die Unterdr\u00fcckung durch den Kalten Krieg die B\u00fcrgerrechtsbewegung dazu zwang, Arbeit und wirtschaftliche Gerechtigkeit zugunsten der Aufhebung der Rassentrennung in \u00f6ffentlichen Einrichtungen und anderer Forderungen der Mittelschichten fallenzulassen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ging es beim March on Washington 1963 um zwei Dinge: die Beendigung rassistischer Gewalt und die Sicherung von \u00abJobs und Freiheit\u00bb. Die f\u00fchrenden Organisatoren, Bayard Rustin und A. Philip Randolph, hatten beide ihre Wurzeln in sozialistischen und Arbeiter:innenbewegungen.<\/p>\n<p>Randolphs Er\u00f6ffnungsrede enthielt eine klare Agenda f\u00fcr die Arbeiter:innenbewegung. In Anlehnung an Karl Marx&#8216; oft zitierten Satz im Kapital, dass \u00abdie Arbeit sich in der weissen Haut nicht befreien kann, solange sie in der schwarzen gebrandmarkt ist\u00bb, warnte er:<\/p>\n<p>\u00ab[D]iese B\u00fcrgerrechtsrevolution ist nicht auf den Neger beschr\u00e4nkt, noch ist sie auf die B\u00fcrgerrechte beschr\u00e4nkt, denn unsere weissen Verb\u00fcndeten wissen, dass sie nicht frei sein k\u00f6nnen, w\u00e4hrend wir es nicht sind. . .<\/p>\n<p>\u00ab[W]ir haben keine Zukunft in einer Gesellschaft, in der 6 Millionen Schwarze und Weisse arbeitslos sind und Millionen weitere in Armut leben. Auch ist das Ziel unserer B\u00fcrgerrechtsrevolution nicht nur die Verabschiedung von B\u00fcrgerrechtsgesetzen. Ja, wir wollen, dass alle \u00f6ffentlichen Einrichtungen allen B\u00fcrgern offenstehen, aber diese Einrichtungen werden f\u00fcr diejenigen, die es sich nicht leisten k\u00f6nnen, sie zu nutzen, wenig bedeuten.<\/p>\n<p>\u00abJa, wir wollen ein Gesetz f\u00fcr faire Arbeitspraktiken, aber was wird es bringen, wenn die profitorientierte Automatisierung die Arbeitspl\u00e4tze von Millionen von Arbeitern, schwarz und weiss, vernichtet?\u00bb(3)<\/p>\n<p>Der Negro American Labor Council (NALC) war einer der Hauptunterst\u00fctzer des Marsches. Er hatte lokale M\u00e4rsche unter dem Motto \u00abFreiheit von Armut durch Vollbesch\u00e4ftigung\u00bb organisiert und drohte mit einer nationalen eint\u00e4gigen Arbeitsniederlegung, um den Kongress zur Verabschiedung des B\u00fcrgerrechtsgesetzes zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die NALC k\u00e4mpfte auch f\u00fcr die Anhebung des bundesweiten Mindestlohns und dessen Ausweitung auf alle Arbeiter:innen und unterst\u00fctzte die Bem\u00fchungen, Hausangestellte zu organisieren, das House Un-American Activities Committee abzuschaffen und die American Labor Party als Alternative zu etablieren.<\/p>\n<p>Was geschah also mit dieser Vision von wirtschaftlicher Gerechtigkeit? Erstens warfen die grossen Gruppen \u2013 die Southern Christian Leadership Conference, der Congress on Racial Equality, die NAACP und die Urban League \u2013 ihre Energien fast vollst\u00e4ndig auf die Verabschiedung des verw\u00e4sserten B\u00fcrgerrechtsgesetzes, die Unterst\u00fctzung eines Wahlrechtsgesetzes und den Versuch, die Demokratische Partei zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Zweitens verriet die Arbeiter:innenbewegung die Agenda der Koalition f\u00fcr Rassengerechtigkeit. Die AFL-CIO-F\u00fchrer George Meany und Walter Reuther von den United Auto Workers gaben hochtrabende Erkl\u00e4rungen ab und leisteten finanzielle Beitr\u00e4ge zur Unterst\u00fctzung der B\u00fcrgerrechte, w\u00e4hrend sie ihren weissen Mitgliedern, die sich Sorgen machten, dass die Beseitigung rassistischer Barrieren f\u00fcr gleiche L\u00f6hne, Zugang zu qualifizierten Arbeitspl\u00e4tzen und ungehinderten Zugang zu Wohnraum ihren privilegierten Status bedrohen w\u00fcrde, nachgaben.<\/p>\n<p>Drittens schlossen Randolph und andere F\u00fchrer:innen schwarze Frauenorganisationen davon aus, eine bedeutende Rolle in der Bewegung zu spielen. Dies schw\u00e4chte die Koalition, auch weil Aktivistinnen wie Pauli Murray, Anna Hedgeman, Dorothy L. Robinson, Rosa Parks, Gloria Richardson und Dorothy Height sich bereits verpflichtet hatten, Arbeit und wirtschaftliche Gerechtigkeit mit Fragen der Rassen- und Geschlechtergleichheit zu verbinden.(4)<\/p>\n<p><strong>Eine radikale Erneuerung f\u00fcr Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Das Student Non-Violent Coordinating Committee (SNCC) und die Mississippi Freedom Democratic Party gaben die wirtschaftliche Gerechtigkeit nie auf. Sie vertraten nicht nur ein Programm der wirtschaftlichen Gerechtigkeit, sondern gingen noch weiter und forderten die Umverteilung des Reichtums, Reparationen und die Macht der Arbeiter:innen.<\/p>\n<p>Als das SNCC im Sommer und Herbst 1963 seine Freedom-Vote-Kampagne in Mississippi organisierte, stellten sie in einer \u00abScheinwahl\u00bb eine Reihe von Kandidat:innen auf, um die weisse Demokratische Partei des Gliedstaates herauszufordern, und zwar mit einem ziemlich radikalen Programm, das das Recht der Arbeiter:innen auf Organisierung und Tarifverhandlungen, einen Mindestlohn von $ 1. 25 Dollar, Unterst\u00fctzung f\u00fcr landwirtschaftliche Kooperativen anstelle von Sharecropping [=<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sharecropping\">Naturalpacht<\/a> in Deutschland; A.d.\u00dc] und Enteignung, Bereitstellung von zinsg\u00fcnstigen Krediten f\u00fcr Kleinbauern und Kleinb\u00e4uerinnen, eine progressive Landsteuer auf Grundst\u00fccke \u00fcber 500 Acres [ca 2 km<sup>2<\/sup>] und Steuerbefreiung f\u00fcr diejenigen, deren Grundst\u00fccke kleiner als 500 Acres sind.<\/p>\n<p>Das SNCC hatte auch die Mississippi Freedom Labor Union (MFLU) gegr\u00fcndet, um Landarbeiter:innen im Delta zu organisieren. Im Fr\u00fchjahr 1965 traten etwa 350 Mitglieder der Gewerkschaft in den Streik, um 1,25 Dollar pro Stunde f\u00fcr das Hacken von Baumwolle (Unkrautbeseitigung) zu fordern. Die Pflanzer:innen gaben nicht nach, sondern vertrieben die Arbeiter:innen und liessen sie verhungern.<\/p>\n<p>Im Januar 1966, als der Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Greenville verkauft werden sollte, besetzten die Streikenden ihn, um die Aufmerksamkeit der Bundesregierung auf ihre Notlage zu lenken. Nachdem die Polizei der Air Force sie vertrieben hatte, gruppierten sie sich in einem Lager, das sie \u00abStrike City\u00bb nannten, und baten liberale Organisationen und die Regierung um Lebensmittel, Kleidung und andere grundlegende G\u00fcter.(5)<\/p>\n<p>Leider hatte die MFLU keinen wirtschaftlichen Einfluss, um die Pflanzer zur Erf\u00fcllung ihrer Forderungen zu zwingen, und es fehlte ihr an staatlicher Unterst\u00fctzung. Aber diese Niederlage pr\u00e4gte die Politik der MFDP, die eine radikale wirtschaftliche Vision verfolgte, selbst als schwarze Mississippianer:innen aus der Mittelschicht endlich in die demokratische Partei aufgenommen wurden.<\/p>\n<p>Bis 1968 unterst\u00fctzte die MFDP ein garantiertes Jahreseinkommen, eine erweiterte Tagesbetreuung f\u00fcr arme und arbeitende M\u00fctter, eine umfassende medizinische Versorgung f\u00fcr alle, erh\u00f6hte Bundesmittel f\u00fcr Lebensmittelmarkenprogramme, kostenlose Hochschulbildung, ein Ende der Wehrpflicht und einen vollst\u00e4ndigen R\u00fcckzug des Milit\u00e4rs aus Vietnam.(6)<\/p>\n<p>Diese revolution\u00e4re Vision eines Gewerkschaftswesens der sozialen Gerechtigkeit fand ihren Ausdruck unter den schwarzen Autoarbeiter:innen in Detroit. Im Mai 1968 f\u00fchrte der Veteranenorganisator General Baker einen wilden Streik von 4\u2019000 Arbeiter:innen im Dodge-Werk an, um gegen eine Beschleunigung des Fliessbandes zu protestieren. Sie gewannen nicht, da die meisten weissen Arbeiter:innen den Streik nicht unterst\u00fctzten, aber aus dieser Aktion wurde das Dodge Revolutionary Union Movement (DRUM) geboren.<\/p>\n<p>Die Streiks weiteten sich auf das Getriebe- und Achsenwerk in der Eldon Avenue aus, woraus ELRUM entstand, sowie weitere Aktionen in anderen Werken wie die Ford Revolutionary Union Movement (FRUM). Zu den spezifischen Forderungen der FRUM geh\u00f6rten die Sicherheit am Arbeitsplatz, niedrigere Produktionsanforderungen und ein Ende der rassistischen Einstellungspraktiken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wollten die RUM-F\u00fchrer bessere Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne f\u00fcr schwarze Arbeiter erk\u00e4mpfen, aber ihr ultimatives Ziel war die Freiheit f\u00fcr alle Arbeiter \u2013 und das bedeutete in ihren Augen das Ende des Kapitalismus. So kamen 1969 die F\u00fchrer aller RUMs zusammen und gr\u00fcndeten die League of Revolutionary Black Workers, mit dem langfristigen Ziel, eine politische Partei oder revolution\u00e4re Bewegung zu werden.<\/p>\n<p>Die Liga k\u00e4mpfte gegen die F\u00fchrung der UAW [Gewerkschaftsbund im Automobilsektor; A.d.\u00dc.], die nicht nur versuchte, die revolution\u00e4re Gewerkschaftsbewegung zu zerschlagen, sondern auch die Polizei rief, um ihre Treffen aufzul\u00f6sen und auf Gewalt setzte, um die Kampagne der Liga zur Wahl von Ron March, einem Mitglied der DRUM, in den Vorstand der UAW zu untergraben.<\/p>\n<p>Die Ligamitglieder wussten, dass der Rassismus die F\u00e4higkeit der Werkt\u00e4tigen einschr\u00e4nkt, sich zu vereinigen und die St\u00e4rke der gesamten Arbeiter:innen untergrub. Aber sie argumentierten auch, dass weisse Arbeiter:innen vom Rassismus in Form von h\u00f6heren L\u00f6hnen, saubereren und sichereren Arbeitspl\u00e4tzen und einer gr\u00f6sseren gewerkschaftlichen Vertretung profitierten.(7)<\/p>\n<p>Es gibt viele weitere Beispiele. Greensboro, North Carolina, war ein Zentrum der rassen\u00fcbergreifenden und antirassistischen Arbeiter:innenorganisierung. Letztes Jahr begingen wir den 50. Jahrestag des Greensboro-Massakers, als bewaffnete Ku-Kux-Klans und Nazis am helllichten Tag f\u00fcnf Organisator:innen ermordeten \u2013 vier von ihnen waren Mitglieder der Workers Viewpoint Organization (der sp\u00e4teren Kommunistischen Arbeiter:innenpartei). Die Veranstaltung am 3. November 1979 wird gew\u00f6hnlich als Anti-Klan-Kundgebung beschrieben, aber sie waren auch dort, um Textilarbeiter:innen zu organisieren.<\/p>\n<p>Spulen wir zur\u00fcck ins Jahr 1996: Die Ortsgruppe 2603 der Union of Needletrades, Industrial, and Textile Employees (UNITE) setzte sich in einer dreij\u00e4hrigen Kampagne gegen K-Mart in Greensboro durch, vor allem dank der starken Basis der Gewerkschaft in der afroamerikanischen Gemeinde.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft griff die Rassendiskriminierung frontal an, reichte eine Beschwerde bei der EEOC [<a href=\"https:\/\/www.eeoc.gov\/\">= <strong>U.S. Equal Employment Opportunity Commission<\/strong><\/a>] ein und gewann wichtige schwarze Gemeindef\u00fchrer:innen f\u00fcr die Organisation eines Boykotts. Der Boykott zwang K-Mart, die L\u00f6hne anzuheben und ein Beschwerdeverfahren einzuf\u00fchren, das die Arbeiter:innen vor ungerechten Disziplinarmassnahmen und K\u00fcndigungen sch\u00fctzen soll. Der Stadtrat von Greensboro verabschiedete eine Resolution, die verlangt, dass alle Unternehmen, die sich fortan in der Stadt ansiedeln wollen, einen existenzsichernden Lohn von 12,50 Dollar pro Stunde zahlen m\u00fcssen, bevor sie Steuerverg\u00fcnstigungen der Stadt erhalten.<\/p>\n<p>Der Boykott wurde von einer Koalition schwarzer Geistlicher aus Greensboro organisiert, die sich \u00abThe Pulpit Forum\u00bb nannte. Die F\u00fchrer:innen des Forums beteiligten sich an Massenaktionen zivilen Ungehorsams, die zur Verhaftung mehrerer Geistlicher f\u00fchrten, darunter auch Reverend Nelson Johnson. Johnson hatte zusammen mit seiner Frau Joyce die Kundgebung vom 3. November organisiert, bei der er in einer Feuersbrunst eine schwere Messerwunde erlitt.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt ist, dass UNITE eine B\u00fcrgerrechts- &amp; Gemeinschaftsstrategie verfolgte, indem sie an die gesamte schwarze Gemeinschaft und ihre Tradition des Widerstands gegen Rassismus und Ungerechtigkeit appellierte. Die Mobilisierung der gesamten schwarzen Gemeinschaft war der Schl\u00fcssel zu ihrem Sieg.<\/p>\n<p><strong>Die Arbeiter:innenklasse, wie sie wirklich ist<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste Lehre aus dem indischen Generalstreik ist, dass wir die Zusammensetzung der Arbeiter:innenklasse neu denken m\u00fcssen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit von den grossen Industriegewerkschaften, in denen wir uns die Arbeiter:innenklasse vorstellen, auf die niedrig entlohnten, marginalisierten Arbeiter:innen in den Bereichen Fast Food, Einzelhandel, Gesundheitswesen, h\u00e4usliche Pflege, Hausarbeit, Landwirtschaft usw. verlagern m\u00fcssen \u2013 Arbeiter:innen, die mit unfreiwilliger Teilzeitarbeit, Kurzzeitvertr\u00e4gen, Null-Stunden-Vertr\u00e4gen, Telemarketing (z. B. Heimarbeiter:innen und Gef\u00e4ngnisarbeit) und der Concierge-Wirtschaft \u00fcberleben m\u00fcssen: Uber, Lyft, Grub Hub und so weiter \u2013 so bietet sich ein vollst\u00e4ndig anderes Bild.<\/p>\n<p>Einst m\u00e4chtige Motoren der rassischen und geschlechtlichen Ausgrenzung, die oft mit dem Kapital zusammenarbeiteten, um gl\u00e4serne Decken und rassisch segmentierte L\u00f6hne durchzusetzen, hat sich die Arbeiter:innenbewegung des 21. Jahrhunderts weitgehend Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, des Antirassismus, der Rechte von Einwanderern und grenz\u00fcberschreitende Strategien zu eigen gemacht.<\/p>\n<p>Es scheint, dass die neuen Arbeiterf\u00fchrer:innen unter anderem Lehrer:innen, Krankenpfleger:innen und andere Besch\u00e4ftigte im Gesundheitswesen, B\u00fcroangestellte, Fast-Food-Besch\u00e4ftigte und Flugbegleiter:innen sind.<\/p>\n<p>Sie haben sich neue Strategien zu eigen gemacht, von der Verabschiedung von Mindestlohngesetzen auf kommunaler und staatlicher Ebene bis hin zum Einsatz von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Community_Benefits_Agreement\">Community Benefits Agreements<\/a> zur Sicherung von Arbeitspl\u00e4tzen mit existenzsichernden L\u00f6hnen, gerechten Arbeitsbedingungen, umweltfreundlichen Baupraktiken, bezahlbarem Wohnraum sowie von Kinderbetreuungseinrichtungen. Und im B\u00fcndnis mit Bewegungen wie dem Movement for Black Lives und Aktivisten f\u00fcr die Rechte von Einwanderer:innen sind Kampagnen wie OUR Walmart, Fight for Fifteen, Change to Win f\u00fchrend und bauen die dynamischste Arbeiter:innenbewegung auf, die wir seit Generationen gesehen haben.(8)<\/p>\n<p><strong>Fussnoten:<\/strong><\/p>\n<p>(1) William P. Jones, \u00abBlack Workers and the CIO&#8217;s Turn Toward Racial Liberalism: Operation Dixie and the North Carolina Lumber Industry, 1946-1953\u00bb, Labor History 41 no. 3 (2000), 279-306; siehe auch Goldfield, The Southern Key.<\/p>\n<p>(2) Robert Korstad, Civil Rights Unionism: Tobacco Workers and the Struggle for Democracy in the Mid-Twentieth-Century South (Chapel Hill: University of North Carolina Press, 2003).<\/p>\n<p>(3) Andrew E. Kersten, A. Philip Randolph: A Life in the Vanguard (Lanham: Rowman &amp; Littlefield, 2007), 155-56.<\/p>\n<p>(4) Siehe z. B. William P. Jones, March on Washington: Jobs, Freedom, and the Forgotten History of Civil Rights (New York: Norton, 2013); Michael K. Honey, Going Down Jericho Road: The Memphis Strike, Martin Luther King&#8217;s Last Campaign (New York: W. W. Norton, 2008); Robert Zeiger, For Jobs and Freedom: Race and Labor in America since 1865 (Lexington: University Press of Kentucky, 2010); Alan Draper, Conflict of Interest: Organized Labor and the Civil Rights Movement, 1954-1968 (Ithaca, NY: Cornell University Press, 1994); Robert Korstad und Nelson Lichtenstein, &#8222;Opportunities Found and Lost: Labor, Radicals, and the Early Civil Rights Movement&#8220;, Journal of American History 75 (Dezember 1988), 786-811.<\/p>\n<p>(5) <a href=\"https:\/\/snccdigital.org\/events\/occupation-of-greenville-air-force-base\/\">https:\/\/snccdigital.org\/events\/occupation-of-greenville-air-force-base\/<\/a><\/p>\n<p>(6) Programm der Mississippi Freedom Democratic Party [1968], <a href=\"https:\/\/www.crmvet.org\/docs\/mfdp_program.pdf\">https:\/\/www.crmvet.org\/docs\/mfdp_program.pdf<\/a><\/p>\n<p>(7) James Geschwender, Class, Race, and Worker Insurgency (Cambridge: Cambridge University Press, 1977); Dan Georgakas und Marvin Surkin, Detroit: I Do Mind Dying: A Study in Urban Revolution (Chicago: Haymarket Books, 2012, orig. 1975); Muhammad Ahmad (Maxwell Stanford), We Will Return in the Whirlwind: Black Radical Organizations, 1960-1975 (Chicago: Charles Kerr, 2003), 237-283; und siehe Film, &#8222;Finally Got the News&#8220;, dir. And prod. Stewart Bird, Rene Lichtman und Peter Gessner (First Run Icarus Films, orig. 1970).<\/p>\n<p>(8) Siehe Sarah Jaffe, Necessary Trouble: America&#8217;s New Radicals (New York: Nation Books, 2016); Bill Fletcher, Jr. und Fernando Gapasin, Solidarity Divided: The Crisis in Organized Labor and a New Path Toward Social Justice (Berkeley und Los Angeles: University of California Press, 2009); Dorian T. Warren, &#8222;The American Labor Movement in the Age of Obama: The Challenges and Opportunities of a Racialized Political Economy&#8220;, Perspectives on Politics, 8 Nr. 3 (September 2010), 847-860; Robin D. G. Kelley, &#8222;Building a Progressive Movement in 2012&#8220;, Souls 14, Nr. 1 und 2 (2012), 10-18; Premilla Nadasen, Household Workers Unite! The Untold Story of African-American Women Who Built a Movement (Boston: Beacon Press, 2016).<\/p>\n<p><em>*Robin D.G. Kelley ist Gary B. Nash-Professor f\u00fcr amerikanische Geschichte an der UCLA. Er hielt diesen Vortrag bei einem DSA-Labor-Webinar in New York City in einer Diskussionsrunde mit Michael Goldfield, dessen Buch The Southern Key ebenfalls in dieser Ausgabe von Against the Current rezensiert wird.&nbsp;Das erste Buch von Professor Kelley war Hammer and Hoe: Alabama Communists During the Great Depression (1990). Zu seinen weiteren Werken geh\u00f6ren die preisgekr\u00f6nte Biografie Thelonious Monk: The Life and Times of An American Original (2009) <\/em>und<em> Studien \u00fcber die gegenseitige Befruchtung der afroamerikanischen und afrikanischen Kulturen.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/againstthecurrent.org\/atc210\/the-freedom-struggle-is-a-labor-struggle-then-now\/\"><em>Against the Current Nr. 210&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 18. Januar 2021; \u00dcbersetzung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robin D.G.Kelley*. 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