{"id":923,"date":"2016-01-19T10:53:02","date_gmt":"2016-01-19T08:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=923"},"modified":"2016-01-19T10:53:02","modified_gmt":"2016-01-19T08:53:02","slug":"ukraine-orchestrierte-eskalation-beim-maidan-massaker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=923","title":{"rendered":"Ukraine: Orchestrierte Eskalation beim Maidan- Massaker"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bbRegime-Change\u00ab in der Ukraine: Vor zwei Jahren wurde der Oppositionsprotest auf dem Kiewer Maidan \u00a0im Rahmen des imperialistischen Aufmarsches in Osteuropa radikalisiert. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Ukraine steht mittlerweile am Rande des Staatsbankrotts. Die von der EU finanzierte Regierung in Kiew steht vor dem Zerfall.<\/strong><\/p>\n<p><em>Robert Allertz.<\/em> Der Staatsstreich in der Ukraine vor zwei Jahren war der Beginn des B\u00fcrgerkriegs im Osten und auch des Engagements Russ\u00adlands f\u00fcr seine Landsleute auf der Krim und im Donbass. Das Poroschenko-Jazenjuk-Regime setzte damals die L\u00fcge in die Welt, das Massaker in Kiew sei von Scharfsch\u00fctzen der gest\u00fcrzten Macht und Spezialkr\u00e4ften der Polizei auf Befehl von Janukowitsch ver\u00fcbt worden. Diese Darstellung wurde im Westen \u2013 von Politikern wie Medien \u2013 akzeptiert und kolportiert. Bundeskanzlerin Merkel versprach zwar unmittelbar nach dem Putsch Aufkl\u00e4rung, weil einige Fragen entstanden waren. Aber es gibt bis dato nicht einmal den Ansatz einer Anstrengung hierzulande, die Ereignisse kritisch aufzukl\u00e4ren. Experten sind sich inzwischen jedoch einig: Hier wurde ein minuti\u00f6s geplanter Regimewechsel gewaltsam vollzogen.<\/p>\n<p>Auch hier sind sich die Fachleute einig: Die Initiative f\u00fcr den neuen Kalten Krieg ging nicht von den Russen aus, sondern von den Amerikanern \u2013 im Bunde mit der EU. Der nationale Konflikt in der Ukraine lieferte nur den propagandistischen Nebel f\u00fcr den antirussischen Kurs. Putin hat recht, wenn er in dem erw\u00e4hnten Interview erkl\u00e4rte: \u00bbDie Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Sie sind t\u00f6richt und richten auf beiden Seiten nur Schaden an.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Januar 2014 \u2013 wer zieht die F\u00e4den?<\/strong><\/p>\n<p>Wei\u00dfgepudert, vom Strahl eines Trockenfeuerl\u00f6schers getroffen, steht er in Kiew bei einer Massendemonstration da wie ein New Yorker Firefighter an \u00bbNine Eleven\u00ab. Der von der Konrad-Adenauer-Stiftung aufgebaute Oppositionsf\u00fchrer, der doch Pr\u00e4sident der Ukraine werden soll, versinkt in Hohn und Spott. Die Bilder des von den eigenen Leuten Gedem\u00fctigten gehen sofort um die Welt. Witali Klitschkos Gesicht offenbart Ratlosigkeit und Unverst\u00e4ndnis. Nein, er hat noch immer nicht begriffen, dass ganz andere Kr\u00e4fte am gro\u00dfen Rad drehen und er allenfalls der n\u00fctzliche Idiot ist, das prominente Aush\u00e4ngeschild, das Feigenblatt, der vermeintliche Saubermann im Drecksgesch\u00e4ft der ukrainischen Politik.<\/p>\n<p>Es ist der 19. Januar 2014. Die aufgeputschte Masse auf dem Maidan versucht erfolglos, Regierungsgeb\u00e4ude zu st\u00fcrmen, Klitschko will sie bremsen. Sp\u00e4ter w\u00fcrde es in Kommentaren hei\u00dfen: Die Opposition habe ihre eigenen Leute nicht mehr unter Kontrolle. Klitschko als Parteichef von UDAR, Arsenij Jazenjuk von Batkiwschina und Oleg Tjagnibok von Swoboda \u2013 also die Vertreter der \u00bbOpposition\u00ab \u2013 hatten tags\u00fcber mit dem Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowitsch \u00fcber einen geordneten \u00dcbergang verhandelt. Aber Chaoten wischen nun einfach \u00fcber das Schachspiel und werfen die Figuren um \u2026 Wer zieht da im Hintergrund die F\u00e4den?<\/p>\n<p>Es ist der erste massive Zusammensto\u00df zwischen Obrigkeit und \u00bbOpposition\u00ab, die seit Ende November 2013 auf dem Kiewer Maidan-Platz ausharrt. Propagandistisch benutzter Anlass f\u00fcr den Protest: die von Pr\u00e4sident Wiktor Janukowitsch verweigerte Unterschrift unter ein Assoziierungsabkommen mit der EU. F\u00fcr das Nein der ukrainischen Regierung gab es sowohl \u00f6konomische als auch politische Gr\u00fcnde. Und der Westen, der sich schon kurz vorm Einfahren der Ernte w\u00e4hnte, begann nun ver\u00e4rgert, Druck zu machen. Auf der internationalen B\u00fchne, \u00fcber Kan\u00e4le der Diplomatie, mit Hilfe des sogenannten Euromaidan und der \u00bbOpposition\u00ab. Das vorgeblich russlandh\u00f6rige Janukowitsch-Regime sollte durch eine konzertierte Aktion gest\u00fcrzt und durch ein prowestliches ersetzt werden.<\/p>\n<p>Nachdem Million\u00e4r Klitschko sich also den Staub von der Kleidung geklopft hatte, griff er zu einem Zettel \u2013 ein Redner ist er nicht \u2013, und warnte, nein, eigentlich drohte er, dass Janukowitsch das Schicksal von Muammar Al-Ghaddafi in Libyen oder Nicolae Ceausescu in Rum\u00e4nien erleiden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>An jenem Sonntag im Januar 2014 starben die ersten Milizion\u00e4re, viele wurden verletzt. \u00bbEinen solchen Exzess im Zentrum einer europ\u00e4ischen Metropole hatte es seit Jahrzehnten nirgendwo gegeben\u00ab, schrieb Expremier Nikolai Asarow in seinen Erinnerungen (\u00bbDie Wahrheit \u00fcber den Staatsstreich\u00ab, Das Neue Berlin 2015). \u00bbDoch nicht in einer einzigen westeurop\u00e4ischen Hauptstadt regte sich Unmut \u00fcber die Randalierer, gab es gar Protest wegen dieser \u00dcbergriffe. Kein Wort der Kritik an den militanten, profaschistischen Kr\u00e4ften kam \u00fcber die Lippen der sonst so umtriebigen Au\u00dfenpolitiker und Diplomaten, eine Verurteilung im Westen unterblieb.\u00ab<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident opferte seinen Premier, Asarow trat im Januar zur\u00fcck. Nicht nur diesem hatte Victoria Nuland, die Europabeauftragte im US-Au\u00dfenministerium, direkt ins Gesicht gesagt, dass sie Jazenjuk \u2013 ihren Mann \u2013 auf seinem Stuhl haben wollte.<\/p>\n<p><strong>Februar 1014 \u2013 Fuck the EU<\/strong><\/p>\n<p>Am 19. Januar war man noch gescheitert. Fortan berannte \u00bbdieser militante, aggressive Mob, der sich au\u00dferhalb von Recht und Gesetz stellte\u00ab (Asarow), t\u00e4glich Regierungsgeb\u00e4ude. Das Justizministerium wurde besetzt, das Landwirtschaftsministerium, dann das Verteidigungs- und das Innenministerium. Selbst das Gesundheitsministerium wurde lahmgelegt. Nuland telefonierte mit dem US-Botschafter in Kiew, am 4. Februar stellten Hacker den Mitschnitt ins Netz. Man m\u00fcsse jetzt die Sache festmachen, keine Zur\u00fcckhaltung: \u00bbFuck the EU\u00ab, schei\u00df auf die EU. Schlie\u00dflich hatten die USA, laut Nuland, bereits f\u00fcnf Milliarden Dollar \u00bbEntwicklungshilfe\u00ab investiert, da wollte man Rendite. Der Sturm der Entr\u00fcstung w\u00e4hrte nur kurz im westeurop\u00e4ischen Wasserglas. Die Gewalt auf dem Maidan aber eskalierte. Zwischen dem 18. und 20. Februar wurden etwa hundert Menschen get\u00f6tet, viele von unbekannten Scharfsch\u00fctzen, w\u00e4hrend man einen \u00bbWaffenstillstand\u00ab verhandelte. Am 21. Februar 2014 unterzeichneten die drei Chefs der \u00bbOppositionsparteien\u00ab und der Pr\u00e4sident eine \u00bbVereinbarung \u00fcber die Beilegung der Krise in der Ukraine\u00ab. An den Verhandlungen waren ma\u00dfgeblich drei EU-Au\u00dfenminister (Frank-Walter Steinmeier, Laurent Fabius, Radoslaw Sikorski) und der russische Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin beteiligt. Das geschah am Freitag \u2013 und gegen die Interessen der USA. Am Samstag setzten die Rechten zum Sturm auf den Pr\u00e4sidentensitz an, Janukowitsch floh. Asarow dazu: In Kiews Zentrum erfolgte im Februar 2014 \u00bborganisierter Massenmord, ver\u00fcbt von bezahlten Profis\u00ab. Bis heute ist das Verbrechen nicht aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der Europarat monierte schon nach Jahresfrist, dass nichts unter der F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Petro Poroschenko und Premier Arsenij Jazenjuk zur Ermittlung der M\u00f6rder unternommen worden sei. Die Haltung des Kiewer Innenministeriums gegen\u00fcber den internationalen Ermittlern sei \u00bbunkooperativ und verschleppend\u00ab, der Geheimdienst SBU \u00bbblockiere\u00ab. Kiew sei erkennbar nicht an Aufkl\u00e4rung interessiert, erkl\u00e4rte Br\u00fcssel.<\/p>\n<p><strong>Was geschah beim Maidan-Massaker?<\/strong><\/p>\n<p>Ein kanadischer Wissenschaftler legte im vergangenen September seine Untersuchungsergebnisse vor. Professor Ivan Katchanovski (47) lehrt an der Universit\u00e4t Ottowa, nachdem er bereits in Harvard, Toronto und auch in Potsdam t\u00e4tig war. F\u00fcr seine 79 Seiten umfassende Studie \u00bb<a href=\"http:\/\/orientalreview.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine_APSA_Conference.pdf\">The Snipers\u2019 Massacre on the Maidan in Ukraine<\/a>\u00ab hat er alle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen ausgewertet: etwa anderthalbtausend Videoaufnahmen aus TV und Internet, Berichte von etwa hundert Journalisten, die in nationalen und internationalen Medien verbreitet wurden, Hunderte Fotos, 30 Gigabyte Funkverkehr zwischen den Einsatzkr\u00e4ften und Kommandeuren, Zeugenaussagen, Erkl\u00e4rungen von Beamten und Milizion\u00e4ren, Gutachten \u00fcber Munition und Waffen, Arztbefunde, Protokolle und dergleichen mehr (siehe auch <em>jW<\/em> vom 16. Oktober 2015).<\/p>\n<p>Wie nicht anders zu erwarten: Die Untersuchungsergebnisse wurden und werden weitgehend ignoriert. Was auch nicht \u00fcberrascht. Die, die den Staatsstreich propagandistisch vorbereiteten, haben an der Aufkl\u00e4rung so wenig Interesse wie dessen Nutznie\u00dfer.<\/p>\n<p><em>Quelle: Junge Welt vom 19. Januar 2016. Der Beitrag wurde durch die Redaktion maulwuerfe.ch leicht gek\u00fcrzt und mit Zwischentiteln versehen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0<br \/>\n\u00bbRegime-Change\u00ab in der Ukraine: Vor zwei Jahren wurde der Oppositionsprotest auf dem Kiewer Maidan \u00a0im Rahmen des imperialistischen Aufmarsches in Osteuropa radikalisiert. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[18,19],"class_list":["post-923","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-imperialismus","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/923","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=923"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/923\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":924,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/923\/revisions\/924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=923"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=923"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=923"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}