{"id":9342,"date":"2021-02-26T17:47:59","date_gmt":"2021-02-26T15:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9342"},"modified":"2021-02-26T17:47:59","modified_gmt":"2021-02-26T15:47:59","slug":"autopilot-und-chaos-italien-draghi-covid-19-und-der-neoliberalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9342","title":{"rendered":"Autopilot und Chaos: Italien, Draghi, Covid-19 und der Neoliberalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Franco \u201cBifo\u201d Berardi. <\/em>Seit das virale Chaos in die bereits durch die Ersch\u00fctterungen des Herbstes 2019 ordentlich zerr\u00fcttete Weltordnung eingebrochen ist, haben diejenigen mit empfindsamen Geh\u00f6rsinn begonnen, dort unten, dort hinten, den Klang<!--more--> einer unaufhaltsamen Desintegration wahrzunehmen, das unterirdische Donnern der Aushebelung aller Ordnungen: der wirtschaftlichen, der geopolitischen und vor allem der psychischen Ordnung.<\/p>\n<p>Keiner dieser Orders war jemals in Auftrag gegeben worden, das ist richtig. Aber die Scharniere hielten mehr oder weniger. Inmitten von unermesslichem Leid, unertr\u00e4glicher Gewalt und pl\u00f6tzlichen Zusammenbr\u00fcchen hielten die Scharniere: Das Gesetz, das Geld, die super-kakophonisch s\u00e4uselnde Masse der Medienlandschaft hielt eine alternde und verzweifelte Welt zusammen. Als die unsichtbaren Partikel begannen, sich zu vermehren und die Ansteckung sich manifestierte, als die N\u00e4he zwischen den K\u00f6rpern unterbunden wurde, an diesem Punkt sp\u00fcrten wir, dass die Scharniere nicht halten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Seit jenen ersten Tagen haben wir gesagt: Die Syndemie (1), eine Verkettung verschiedener Zusammenbr\u00fcche (Zusammenbruch der Umwelt, der Geopolitik, der Gesellschaft und des kollektiven Bewusstseins) ist dazu bestimmt, als Apokalypse zu wirken. Wenn wir es verstehen, die Lektion zu lernen, wenn wir in der Lage sind, die Produktionsweise und vor allem die Erwartungen an den Konsum zu ver\u00e4ndern, wird der Mensch vielleicht eine neue Zeit erleben. Wenn wir hingegen vorgeben, die Maschine der Normalit\u00e4t neu zu starten, wenn wir darauf abzielen, das Wirtschaftswachstum durch die Gewinnung von Ressourcen f\u00fcr die Akkumulation zu reaktivieren, dann sollten wir uns vorbereiten: Die Apokalypse bereitet das Aussterben vor.<\/p>\n<p>Lassen wir das Trauma wirken, die Verarbeitung des Traumas wird sehr lange dauern, weil auf das Trauma weitere verwandte Traumata folgen werden (Pandemie erzeugt Rezession, Rezession Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit Migrationen, Migrationen Nationalismus und Nationalismus Krieg und so weiter)\u2026<\/p>\n<p>Was uns betrifft, k\u00f6nnen wir nichts anderes tun, als dem Trauma zuzusehen und winzige Hilfsmittel f\u00fcr ein gen\u00fcgsames, egalit\u00e4res Leben zu bauen, das auf Profit statt auf Geld ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Die H\u00fcter der Akkumulation handelten schnell: Sie lie\u00dfen die vergangenen austerit\u00e4tspolitischen Unkenrufe, die vor zehn Jahren die Strangulierung der europ\u00e4ischen Gesellschaften, Verarmung und Prekarit\u00e4t verursachten, hinter sich und versprachen Lawinen von Geld.<\/p>\n<p>Aber wie? War die R\u00fcckerstattung von Schulden nicht eine nat\u00fcrliche Notwendigkeit, ein g\u00f6ttliches Gebot, das man nicht \u00fcbertreten darf, wenn man nicht wie die verr\u00e4terischen Griechen enden will, die mit Dem\u00fctigung, \u00f6ffentlicher Auspeitschung und schlie\u00dflich mit Armut bestraft wurden? Nicht mehr: Der Virus hat uns die Lektion erteilt, dass es keine nat\u00fcrlichen Wahrheiten gibt, sondern nur Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Im Jahr 2015 das strenge Gesicht der Troika, im Jahr 2020 die Geldb\u00f6rsen, die sich \u00f6ffnen, um einen immensen Strom von Geld flie\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber wie? Haben wir nicht gesagt, dass die Schulden nicht weiter steigen d\u00fcrfen, weil sonst die Enkel und Urenkel dieses Himmelreichs unter den Folgen unserer Verschwendungssucht leiden werden? Aber der Virus hat uns gelehrt, dass Geld ein reiner\u00a0<em>flatus vocis<\/em>\u00a0ist, eine sprachliche Aussage, die das Vertrauen der Gesellschaft genie\u00dft (wenn sie es genie\u00dft). Manchmal tut sie das nicht: Das Vertrauen sinkt, die Nachfrage stagniert, und Depressionen machen sich breit.<\/p>\n<p><strong>Aber: Die Maschine beschleunigt weiter<\/strong><\/p>\n<p>Die Scharniere der globalen Maschine begannen sichtbar sich aus den Angeln zu heben, aber wie klapprig die globale Maschine auch sein mag, sie l\u00e4uft weiter, zumindest so lange sie es vermag.<\/p>\n<p>Da die Politik die Aus\u00fcbung des Willens ist, der den sozialen Prozess steuert, verlor sie ihre Macht, als der Virus auftauchte: Die Politik kann nichts gegen das unendlich Kleine, das unendlich Gro\u00dfe und das irreduzibel Komplexe tun. Die Verbreitung von Mikroplastik, von nuklearer Radioaktivit\u00e4t oder des ansteckenden Virus entziehen sich dem Wirken der Politik, weil sie sich zuallererst ihrem Verst\u00e4ndnis entziehen. Genauso entziehen sich das Abschmelzen der Gletscher, die Ausbreitung von Waldbr\u00e4nden und der Anstieg des Wassers in den Ozeanen der Politik, denn gegen das Unumkehrbare kann die Politik nichts tun.<\/p>\n<p>Die Politiker teilten sich daraufhin in zwei Parteien: die Berufskiller, die sich wenig um Krankheit und Tod k\u00fcmmerten, solange das Gesch\u00e4ft nicht tangiert wurde, und diejenigen, die sich vor dem Unregierbaren f\u00fcrchteten und schnell zur Seite traten und der\u00a0<em>Gesundheitsdisziplin<\/em>\u00a0um den Preis der Unterbrechung des t\u00e4glichen Handels mit Reproduktion und Akkumulation nachgaben. Die\u00a0<em>Gesundheitsdisziplin\u00a0<\/em>trat an die Stelle der politischen Wahl. Selbst diejenigen, die ihr Leben der Bilanzierung gewidmet hatten, die darauf spezialisiert waren, das Konkrete von Arbeit und Wissen in die abstrakten Zahlen des Kapitals zu verwandeln, sahen sich gezwungen, ihr traditionelles Reservat zu verlassen und nahmen den Platz von Politikern ein, deren Kunst ihre Wirksamkeit verloren hatte.<\/p>\n<p>Dies geschah in Italien nach den spezifischen Stilmerkmalen der\u00a0<em>Commedia dell\u2019arte<\/em>, wo dramatische Themen von komischen Figuren inszeniert werden: der unwissende, gewaltt\u00e4tige Angeber, der alle Einwanderer ertr\u00e4nken will, der Au\u00dfenminister, der nicht wei\u00df, in welchem Land Pinochets Staatsstreich stattfand, der witzige Florentiner, der Kunstgeschichte aus einer Brosch\u00fcre des Fremdenverkehrsb\u00fcros auf der\u00a0<em>Piazza della Signoria<\/em>\u00a0gelernt hat, und im Hintergrund der alte Mammasantissima (2), der ein wenig begriffsstutzig, aber immer sehr aufgeschlossen gegen\u00fcber dem Schicksal seiner Unternehmen ist.<\/p>\n<p>Die globale Finanzwelt musste sich die Kontrolle \u00fcber die enormen Geldsummen sichern, die die Europ\u00e4ische Union Italien zugewiesen hatte, damit das Land nicht unterging und die Wirtschaft des Kontinents mit sich in den Abgrund zog. Man kann nicht das ganze Geld in den H\u00e4nden der\u00a0<em>F\u00fcnf Sterne<\/em>\u00a0lassen, die im letzten Jahr gelernt haben, wie man sich benimmt, aber man wei\u00df ja nie. Hier also, dass der witzige Florentiner alles zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die globale Finanzwelt kann sich auf ihn verlassen: Bei einem k\u00fcrzlichen Treffen mit einem illustren arabischen Demokraten, Besch\u00fctzer der Kunst und Aufwiegler der Journalisten, \u00e4u\u00dferte er einen Satz, der ihn mit der Confindustria (3), dem W\u00e4hrungsfonds und Goldman Sachs in Einklang bringt. Mit dem schwachsinnigen L\u00e4cheln eines Lakaien, der gestreichelt wird, weil er einen sehr fetten Arsch leckt, erkl\u00e4rte er, dass sein Traum niedrige L\u00f6hne sind, wie sie die arabischen Potentaten, die Leuchtfeuer der Zivilisation, an pakistanische, koreanische und pal\u00e4stinensische Sklaven zahlen. Die Sklaverei ist keineswegs ein schmerzhaftes \u00dcberbleibsel der Vergangenheit. In der Landwirtschaft im italienischen und spanischen S\u00fcden, in der Logistik in ganz Europa und in immer gr\u00f6\u00dferen Sektoren der prek\u00e4ren Arbeit wird die Sklaverei tendenziell zur dominierenden Form der Arbeit nach der Pandemie.<\/p>\n<p>Es sei denn, es bricht alles zusammen, dann werden wir dar\u00fcber diskutieren.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr den Moment wird sie nicht zusammenbrechen, denn der Witzbold hat den Weg f\u00fcr Draghi geebnet, der den schwafelnden Witz durch ironischen Zynismus ersetzt.<\/p>\n<p><strong>Die Aufgabe von Herrn Mario Draghi<\/strong><\/p>\n<p>Wer ist Draghi? Draghi ist ein gebildeter Mensch, der die Prinzipien bei Federico Caff\u00e8 (4) und die Anwendung der Prinzipien bei Goldman Sachs studiert hat<\/p>\n<p>Er ist sich wahrscheinlich der moralischen Unw\u00fcrdigkeit seiner Aufgabe bewusst, die darin besteht, das gesellschaftliche Leben den rechnerischen Vorgaben zu unterwerfen. Aber er ist \u00fcberzeugt, dass es zur Herrschaft des privaten Profits keine Alternative gibt.<\/p>\n<p>Warum hat die Pandemie so tief ins gesellschaftliche Leben eingegriffen? Weil seit vierzig Jahren das Gesundheitswesen unterfinanziert ist, die Grundlagenmedizin entmutigt und die Forschung privatisiert wurde. Privates Interesse, wirtschaftlicher Wettbewerb als ultimatives Kriterium der Wahrheit, als das erkenntnisleitende Kriterium, das das gesellschaftliche Wissen reguliert. Das ist das Krebsgeschw\u00fcr, das die Gesellschaft verarmt und viralen St\u00fcrmen ausgesetzt hat.<\/p>\n<p>Die Verbreitung des Impfstoffs wirft dieses Thema heute neu auf: Wenn die Regel, die regiert, die des Profits ist, wird der S\u00fcden der Welt viele Jahre warten m\u00fcssen, bevor die Bev\u00f6lkerung geimpft wird. Derzeit sind nur 5 % des Impfstoffs in die L\u00e4nder des S\u00fcdens gegangen, wie z. B. nach Indien, das eines der am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4nder ist und das den Impfstoff auf seinem Territorium produziert, ihn aber nicht verwenden darf, weil er amerikanischen Firmen geh\u00f6rt. Nur die systematische Verletzung der Privatwirtschaftsregeln k\u00f6nnte Lizenzen und Patente \u00f6ffentlich machen, k\u00f6nnte armen L\u00e4ndern erlauben, ihren eigenen Impfstoff direkt zu produzieren.<\/p>\n<p>Aber diese Normen d\u00fcrfen nicht \u00fcbertreten werden.<\/p>\n<p>Draghi wurde von einem l\u00e4cherlichen und heterogenen Chor von H\u00f6flingen bejubelt, von denen ich glaube, dass er sie zutiefst verachtet: Er hat die Kultur des gro\u00dfen Zynikers, der in der Lage ist, die kognitive Dissonanz derer zu akzeptieren, die dem B\u00f6sen bewusst dienen, weil sie erkennen, dass die Welt nichts anderes ist als der Ort des B\u00f6sen. Hat er nicht an der Jesuitenschule studiert, ist er nicht ein Anh\u00e4nger von\u00a0<em>Ignatius von Loyola<\/em>, dessen Theologie uns r\u00e4t, uns von dem Grundsatz\u00a0<em>Superiore perinde ac cadaver<\/em>\u00a0leiten zu lassen?<\/p>\n<p><em>\u2026in der \u00dcberzeugung, dass derjenige, der im Gehorsam lebt, sich von der Vorsehung durch den Oberen f\u00fchren und tragen lassen muss, als w\u00e4re er ein toter K\u00f6rper (\u201eperinde ac cadaver\u201c), der sich \u00fcberall hin tragen und nach Belieben behandeln l\u00e4sst.<\/em><\/p>\n<p>Ein anderer gro\u00dfer Mario,<em>\u00a0il Bergoglio (5)<\/em>, den wir alle lieben, verdankt seine Ausbildung Loyola (6). Italien wird von Gott und vom Autopiloten besch\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong>Der Autopilot<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2011 protestierten viele Menschen gegen die finanzielle Austerit\u00e4t, die im Namen des h\u00f6heren Prinzips der haushaltspolitischen Ausgeglichenheit und der Schuldentilgung Mittel f\u00fcr Schulen, das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen, L\u00f6hne und Renten k\u00fcrzte, und Draghi kommentierte mit dem L\u00e4cheln des gro\u00dfen Zynikers, dass es keinen Grund g\u00e4be, sich \u00fcber diesen Aufruhr Sorgen zu machen, da die Finanzwirtschaft ohnehin auf Autopilot gefahren werde.<\/p>\n<p>Der Autopilot ist eine postmoderne Deklination des h\u00f6heren Prinzips, zu dem uns der Gr\u00fcnder des Jesuitenordens\u00a0<em>perinde ac cadaver<\/em>\u00a0auffordert. Die Finanztheologie ist eine ernste Angelegenheit: Wie die Jesuitentheologie erkennt sie an, dass die Welt ein Ort ist, der vom B\u00f6sen beherrscht wird, und dass das B\u00f6se seine eigene unergr\u00fcndliche Logik hat, der wir uns beugen m\u00fcssen, um das Gute zu erreichen.<\/p>\n<p>Draghi sollte nicht das Gleichnis von Mario Monti wiederholen, der sein Amt als Ministerpr\u00e4sident nach einem friedlichen Putsch unter der F\u00fchrung von Napolitano im Auftrag des Finanzsektors \u00fcbernahm, das den peinlichen Berlusconi loswerden wollte. Monti, der arme Mann, musste den Geldhahn zudrehen, die Renten k\u00fcrzen, die Mittel f\u00fcr Schulen und das Gesundheitswesen k\u00fcrzen, mit den Ergebnissen, die wir heute sehen. Draghi hat die Aufgabe, die\u00a0<em>europ\u00e4ische Wohlfahrt\u00a0<\/em>zu verteilen, und er kann es mit einer gewissen M\u00e4\u00dfigung tun. Wir werden bald sehen, wie er sich bei Themen wie dem B\u00fcrgergeld, dem Aussetzen von Entlassungen und so weiter verh\u00e4lt. Aber ich denke, er wird eine leichte Hand haben und die parlamentarische Schlagkraft seiner neuen F\u00fcnf-Sterne-Verehrer in Betracht ziehen. Seine Aufgabe ist strategisch und wird nicht an den n\u00e4chsten sechs Monaten gemessen.<\/p>\n<p>Draghis Aufgabe ist es, dem Autopiloten (das Regime des finanziellen Profits) wieder zur Herrschaft \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen Situation zu verhelfen und zu verhindern, dass aus dem Chaos neue Formen der gesellschaftlichen Solidarit\u00e4t aufkeimen, die eine Umverteilung des Reichtums einfordern, und gleichzeitig wieder den Vorrang des Gewinns vor dem Geld zu etablieren. Kurz- bis mittelfristig wird es gelingen.<\/p>\n<p>Und weil die Hauptursache der sozialen Verarmung die systematische Privatisierung von Ressourcen war, wird Draghi \u2013 der einer der einflussreichsten Privatisierer der neoliberalen \u00c4ra war \u2013 daf\u00fcr sorgen, dass das kollektive Interesse dem privaten Interesse untergeordnet bleibt.<\/p>\n<p>Ist das Spiel also vorbei? Nicht ganz. Neben dem Autopiloten gibt es noch eine weitere Kraft auf dem Feld, und diese Kraft ist das Chaos.<\/p>\n<p>Die pandemische Apokalypse hat einen Zerfallsprozess eingeleitet, den keine finanzielle Intervention aufhalten kann. Glauben wir, dass das Geld aus dem Konjunkturfonds investiert wird, um ein Einkommen f\u00fcr alle zu garantieren, um gemeinsame G\u00fcter wie Wasser, Transport, Schulen und Gesundheit zu deprivatisieren?<\/p>\n<p>Draghi ist dazu da, dies zu verhindern, um das Wachstum \u201ewhatever it takes\u201c wiederzubeleben.<\/p>\n<p>Im Chaos k\u00f6nnen bessere Lebensformen entstehen<\/p>\n<p>Finanzielle Interventionen m\u00f6gen dazu dienen, die Unternehmensgewinne zu steigern und die Infrastruktur f\u00fcr die Rohstoffgewinnung und Ausbeutung zu errichten, aber sie werden weder die Ausbreitung des Virus stoppen, noch die Epidemie der Depression heilen, noch die Welle der Migration und des demographischen Niedergangs und der ohnm\u00e4chtigen Wut aufhalten. Dadurch wird das Chaos nicht aufgehalten.<\/p>\n<p>Das Chaos ist ein Feind, aber es kann auch ein Verb\u00fcndeter sein. Es ist verheerend, aber es kann auf magmatische Weise die Formen eines besseren Lebens enthalten. Aus dem Chaos kann, muss eine Subjektivit\u00e4t geboren werden, die in der Lage ist, die Erwartungen an die Welt, die Bed\u00fcrfnisse, die Lebensformen, die Ausrichtungen der Forschung zu ver\u00e4ndern. Die soziale Subjektivit\u00e4t befindet sich im Moment in einem Zustand der imaginativen L\u00e4hmung, so scheint es mir. Es muss ein Trauma verarbeitet werden, \u00fcber das wir noch nicht genau im Bilde sind.<\/p>\n<p>Der Autopilot wird versuchen, die soziale Maschine nach der alten Regel von Akkumulation und Ungleichheit in Gang zu setzen. Es wird eine Zeit lang gelingen, aber nicht lange, denn das Chaos wird verhindern, dass die aus den Angeln gehobenen Menschen wieder in die Balance kommen.<\/p>\n<p>Dann gilt es, dem Chaos zu lauschen, ohne sich vom Get\u00f6se der H\u00f6flinge ablenken zu lassen, auch nicht vom strengen L\u00e4cheln des Autopiloten.<\/p>\n<p><em>Fu\u00dfnoten \u00dcbersetzer:<\/em><\/p>\n<ol>\n<li>\u201c<em>Vielleicht kommt der richtige Schl\u00fcssel zu unserer Herangehensweise an Covid-19 vom Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet, Richard Horton, der in einem Leitartikel Ende September Covid nicht als Pandemie, sondern als Syndemie definiert, mit den Worten Synergie, Epidemie, Pandemie, Endemie. Sein Ansatz erforscht die synergistische Interaktion zwischen zwei oder mehreren Krankheiten und den sozialen Situationen, in denen pathologische Zust\u00e4nde auftreten, wobei er nicht nur die klassische biomedizinische Definition von Komorbidit\u00e4tszust\u00e4nden, sondern auch die Interaktion zwischen genetischen, Umwelt- und Lebensstilfaktoren ber\u00fccksichtigt\u2026 Die wichtigste Konsequenz der Einstufung von Covid als Syndemie besteht darin, seine sozialen Urspr\u00fcnge hervorzuheben.\u201d\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/coronakrise-europa.net\/2020\/12\/01\/das-system-der-pandemie\/\"><em>https:\/\/coronakrise-europa.net\/2020\/12\/01\/das-system-der-pandemie\/<\/em><\/a><\/li>\n<li><em>Italienische Begrifflichkeit, die man am besten mit einer grauen Eminenz im Hintergrund vergleichen kann, oft auch im Kontext von Mafia und Camorra verwendet.<\/em><\/li>\n<li><em>Italienischer Unternehmerverband der Gro\u00dfindustrie<\/em><\/li>\n<li><em>Italienischer Wirtschaftswissenschaftler, der in der Zeit seines Wirkens den\u00a0Keynesianismus gepredigt hat.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Papst<\/em><\/li>\n<li><em>Gr\u00fcnder des Jesuitenordens<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Dieser Text erschien auf\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/comune-info.net\/il-pilota-automatico-e-il-caos\/\"><em>commune info<\/em><\/a><em>, wir haben ihn aus dem italienischen \u00fcbersetzt. Sunzi Bingfa<\/em>.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sunzibingfa.noblogs.org\/post\/2021\/02\/22\/autopilot-und-chaos\/\"><em>sunzibingfa.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. Februar 2021 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franco \u201cBifo\u201d Berardi. 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