{"id":9372,"date":"2021-03-09T09:57:12","date_gmt":"2021-03-09T07:57:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9372"},"modified":"2021-03-09T09:57:14","modified_gmt":"2021-03-09T07:57:14","slug":"schweiz-das-egerkinger-komitee-und-die-gleichstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9372","title":{"rendered":"Schweiz: Das Egerkinger Komitee und die Gleichstellung"},"content":{"rendered":"<p><em>Philipp Gebhardt. <\/em><strong>Die M\u00e4nner hinter der Verh\u00fcllungsinitiative sind nicht nur gestandene nationalistische Rechte, sondern auch ausgewiesene Antifeministen. Ein Blick hinter die Kulissen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Das rechtsnationalistische Egerkinger Komitee hat sich auf die Fahnen geschrieben, \u00abWiderstand gegen die Machtanspr\u00fcche des politischen Islams in der Schweiz zu leisten\u00bb. Dies machen sie auch im Namen der Frauen. Doch wie steht die selbsternannte Speerspitze f\u00fcr Frauenrechte eigentlich zu Gleichstellungsfragen und Feminismus?<\/p>\n<p><strong>Das Egerkinger Komitee<\/strong><\/p>\n<p>Das Egerkinger Komitee um Pr\u00e4sident und Solothurner SVP-Mitglied Walter Wobmann wurde 2006 gegr\u00fcndet. Schweizweite Aufmerksamkeit bekam es erstmals rund um die Minarettinitiative 2009, welche von der Stimmbev\u00f6lkerung mit 57,5% Ja-Stimmen angenommen wurde und seither den Bau von Minaretten in der Schweiz verbietet. Neben Wobmann besteht der Vorstand aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Ulrich Schl\u00fcer ist Hassprediger a.D. der institutionalisierten extremen Rechten und Herausgeber des Hetzblattes \u00abSchweizerzeit\u00bb. Anfangs der 1970er Jahre war er Sekret\u00e4r von\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/antirassismus\/2020\/schweiz-50-jahre-schwarzenbach-initiative-und-die-rassistische-tradition-der-schweiz\/\">James Schwarzenbach<\/a>, aktiv in diversen rechtsnationalistischen Nischenparteien und in den 1980er zusammen mit Christoph Blocher im Vorstand der schweizerischen \u00abArbeitsgruppe S\u00fcdliches Afrika\u00bb, welche das rassistische Apartheidregime in S\u00fcdafrika unterst\u00fctze. Heute ist er Mitglied der SVP.<\/li>\n<li>Anian Liebrand ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Egerkinger Komitees, SVP-Mitglied in Luzern und Schreiberling in Schl\u00fcers \u00abSchweizerzeit\u00bb.<\/li>\n<li>Patrick Freudiger ist Mitglied der SVP in Bern und als Anwalt auf juristischer Mission f\u00fcr ein Verbot der Berner Reitschule.<\/li>\n<li>Roland Haldimann ist Pr\u00e4sident der Eidgen\u00f6ssisch-Demokratischen Union, der Partei f\u00fcr evangelikale Freikirchler:innen und christliche Rechtsextreme.<\/li>\n<li>Nils Fiechter gilt als Jung\u00abtalent\u00bb der Berner JSVP. Er macht sich stark f\u00fcr die Verwendung rassistischer W\u00f6rter und behauptet stolz, dass Trump seine orange Locke von ihm abgeschaut h\u00e4tte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit der\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/feminismus\/2021\/gegen-die-initiative-fuer-ein-verhuellungsverbot\/\">Verh\u00fcllungsinitiative<\/a>\u00a0macht sich nun dieser illustre Verein ein weiteres Mal auf, diesmal um die Frauen in der Schweiz zu retten. Deshalb die Gretchenfrage: Wie haben sie\u2019s mit dem Feminismus?<\/p>\n<p><strong>Antifeministische Positionen des Vorstandes<\/strong><\/p>\n<p>Walter Wobmann\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2015\/39\/politiker-demokratie-schweiz-fehler\">meinte<\/a>\u00a02015 in der Zeit: \u00ab<em>Lange war ich der Meinung: Kinder m\u00fcssen von der Mutter betreut werden. Punkt. Alles andere f\u00fchrt ins Verderben.\u00bb<\/em>\u00a0Seither hat er seine Position derjenigen des Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse angeglichen, der Kitas aus dem einzigen Grund bef\u00fcrwortet, weil den Schweizer Unternehmen ansonsten die weiblichen Arbeitskr\u00e4fte nicht zur Ausbeutung zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrden. Gleichstellung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/-67b2\">findet<\/a>\u00a0Wobmann n\u00e4mlich das \u00ab<em>wohl \u00fcberfl\u00fcssigste Thema unserer Zeit<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Ulrich Schl\u00fcer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/centers\/documents\/de\/verhandlungen-96465-1996-d-f.pdf\">versuchte<\/a>\u00a02003 als Nationalrat zu verhindern, dass h\u00e4usliche Gewalt und Vergewaltigungen in der Ehe zu Straftaten werden. Die bereits 1996 eingereichte parlamentarische Initiative mit dem Ziel, sexuelle Gewalt in der Ehe als Offizialdelikt im Strafgesetzbuch zu verankern, wurde schliesslich mit 135 zu 48 (!) Stimmen angenommen.<\/p>\n<p>Roland Haldimann ist als langj\u00e4hriger EDU-Pr\u00e4sident prominenter Unterst\u00fctzer des \u00ab<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/feminismus\/2019\/zuerich-wieso-der-marsch-fuers-laebe-ein-angriff-auf-unsere-freiheit-ist\/\">Marsch f\u00fcr\u2018s L\u00e4be<\/a>\u00bb und erkl\u00e4rter Gegner von Abtreibungen und des Adoptionsrechtes f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare.<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Anian Liebrand\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sachdokumentation.ch\/bestand\/pdf\/DS_548.pdf\">titelte<\/a>\u00a0in der \u00abSchweizerzeit\u00bb anl\u00e4sslich des\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/?s=womens+march\">Women\u2019s Marches<\/a>\u00a0\u2013 ein Meilenstein der neueren feministischen Bewegung in der Schweiz, an dem am 18. M\u00e4rz 2017 in Z\u00fcrich 18\u2018000 Menschen teilgenommen haben: \u00ab<em>Verbl\u00f6det, arrogant, gehirngewaschen: Feminismus \u2013 zu viel des Unguten!<\/em>\u00bb Im Artikel f\u00fchrt er aus, dass es bedauerlich sei, wie die Diskussionshoheit \u00fcber den \u00ab<em>Frauenrechtsbegriff<\/em>\u00bb weiterhin in den H\u00e4nden der \u00ab<em>ideologisch verblendeten linken \u2018Kampf-Emanzen\u2019<\/em>\u00bb liege. Als alternative Form der Gleichberechtigung der Frauen, die \u00ab<em>angeblich in der Berufswelt etwas weniger verdienen als M\u00e4nner<\/em>\u00bb, pr\u00e4sentiert er den Vorschlag, dass man das Rentenalter f\u00fcr Frauen auf 65 Jahre anheben sollte\u2026<\/p>\n<p><strong>Femonationalismus<\/strong><\/p>\n<p>Die identit\u00e4re nationalistische Rechte in Europa instrumentalisiert sp\u00e4testens seit der K\u00f6lner Silvesternacht 2015\/16 offensiv Frauenrechte f\u00fcr die nationale Sache. Schuld an der Gewalt an Frauen seien muslimische M\u00e4nner, weil der Islam grunds\u00e4tzlich frauenverachtend sei. Die italienische Sozialwissenschaftlerin und Sozialistin Sara Farris (Autorin von\u00a0<em>In the Name of Women\u2019s Rights. The Rise of Femonationalism)\u00a0<\/em>stellt diese Behauptung in ihren Forschungen vom Kopf auf die F\u00fcsse. Sie weist nach, dass viele repressive Gesetze in islamischen Gesellschaften das Produkt der europ\u00e4ischen Kolonialisierung zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert sind. Die Scharia, konservative Alltagsregeln und die Unterdr\u00fcckung von Frauen wurden von den Kolonialherren in Zusammenarbeit mit den lokalen Kollaborateuren gezielt eingesetzt, um den Widerstand der Bev\u00f6lkerung gegen die Besetzung und die imperialistische Ausbeutung zu bek\u00e4mpfen. Die Schuldfrage bez\u00fcglich Gewalt an Frauen wird so korrekt an die in allen Gesellschaften existierenden patriarchalen Strukturen gestellt.<\/p>\n<p>Den Vergewaltigungsverharmlosern und anderen Antifeministen geht es offensichtlich nicht um die Rechte von Frauen, sondern lediglich um eine Symbolpolitik, um damit W\u00e4hler:innen bei ihren \u00c4ngsten abzuholen und ihnen mit Gesetzen, die mit sch\u00e4tzungsweise\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20094308\">95 bis 130 Personen<\/a>\u00a0ohnehin nur ein Promille der Schweizer Bev\u00f6lkerung betreffen, demokratische Mitsprache vorzugaukeln. Das Ziel des Egerkinger Komitees ist es die 390\u2019000 Muslim:innen, also 5,5% der Schweizer Bev\u00f6lkerung, in Kollektivverdacht zu nehmen und als Teil der angeblichen schleichenden Islamisierung der westlichen Welt darzustellen, um damit fremdenfeindliche Ressentiments zu sch\u00fcren, nationalistische Propaganda zu machen und die Aufr\u00fcstung des Sicherheitsapparates voranzutreiben. Nichts mehr, nichts weniger.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/feminismus\/2021\/schweiz-das-egerkinger-komitee-und-die-gleichstellung\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. M\u00e4rz 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipp Gebhardt. Die M\u00e4nner hinter der Verh\u00fcllungsinitiative sind nicht nur gestandene nationalistische Rechte, sondern auch ausgewiesene Antifeministen. 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