{"id":9399,"date":"2021-03-12T17:46:23","date_gmt":"2021-03-12T15:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9399"},"modified":"2021-03-12T17:46:59","modified_gmt":"2021-03-12T15:46:59","slug":"trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterklasse-als-hegemoniales-subjekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9399","title":{"rendered":"Trotzki, Gramsci und der Aufstieg der Arbeiterklasse als hegemoniales Subjekt"},"content":{"rendered":"<p><em>Mat\u00edas Maiello &amp; Emilio Albamonte. <strong>In diesen Zeilen analysieren wir anhand von Trotzkis und Gramscis Ausarbeitungen einige Elemente zur Entwicklung der Arbeiter:innenklasse als soziales und politisches Subjekt in \u201ewestlichen\u201c L\u00e4ndern mit<\/strong><\/em><!--more--> <em><strong>komplexen sozio-politischen Strukturen. Entgegen der Idee der Eroberung von Sektoren innerhalb des Regimes und der friedlichen Koexistenz mit den B\u00fcrokratien der Massenbewegungen, aber auch entgegen der Anpassung an die Verwaltung von Sozialpl\u00e4nen des Staates oder der Anpassung an den Status Quo der Struktur der Gewerkschaften, besch\u00e4ftigen wir uns mit Trotzkis origineller Konzeption der Verbindung der Avantgarde und der Massensektoren. Dabei gehen wir von der Errichtung von Institutionen zur Vereinigung und Koordination der K\u00e4mpfe aus, die er in seinen Schriften \u00fcber Frankreich unter dem Namen \u201eAktionskomitees\u201c zum Ausdruck brachte. [\u2026].<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Unter linken Intellektuellen im Allgemeinen und selbst unter denen, die Trotzkis wichtige Beitr\u00e4ge zur marxistischen Theorie anerkennen, wurde der Hinweis zu einem Gemeinplatz, dass es Trotzki im Gegensatz zu Gramsci nicht gelungen sei, das Problem des Proletariats im Westen anzugehen: angefangen bei Michael Burawoy, der darauf hinweist, dass&nbsp;<em>\u201eTrotzkis Analysen immer wieder am Felsen des westlichen Proletariats Schiffbruch erlitten\u201c<\/em>&nbsp;h\u00e4tten und dass&nbsp;<em>\u201ees ein anderer Marxist, Antonio Gramsci, sein sollte, der eine breitere Interpretation entwickeln w\u00fcrde\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote1sym\"><strong><sup>1<\/sup><\/strong><\/a>; oder Razmig Keucheyan, der argumentiert, dass Trotzkis Fehler darin bestehe,&nbsp;<em>\u201ean einer Konzeption der sozialen Welt und damit der revolution\u00e4ren Strategie aus einer Zeit vor den von Gramsci beschriebenen strukturellen Ver\u00e4nderungen festgehalten zu haben\u201c<\/em>, insbesondere bez\u00fcglich der Unterscheidung<em>&nbsp;\u201ezwischen der \u201aOstfront\u2018 und der \u201aWestfront\u2018, d.h. zwischen den \u00f6stlichen Gesellschaften, die noch fl\u00fcssig sind, und den westlichen Gesellschaften, in denen die Zivilgesellschaft und der Staat fest verschmolzen sind\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote2sym\"><strong><sup>2<\/sup><\/strong><\/a>; oder selbst Perry Anderson, der einerseits betonte, dass Trotzkis Schriften&nbsp;<em>\u201e\u00fcber die drei wichtigsten Sozialformationen Westeuropas [Deutschland, England und Frankreich] in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen [\u2026] den Gef\u00e4ngnisheften entsprechend \u00fcberlegen\u201c<\/em>&nbsp;seien, aber andererseits hinzuf\u00fcgte, dass Trotzki&nbsp;<em>\u201e[d]ie Probleme einer, auf die sozialistischen Revolution in diesen L\u00e4ndern ausgerichteten, [\u2026] festgelegten Strategie [\u2026] niemals mit der derselben Sorge und Klarheit [aufwarf] wie Gramsci.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote3sym\"><strong><sup>3<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>Wie wir in unserem Buch \u201eSozialistische Strategie und Milit\u00e4rkunst\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote4sym\"><strong><sup>4<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;ausgef\u00fchrt haben, widerspricht die Analyse von Trotzkis theoretischem und praktischem Werk nicht nur weitgehend jenen Gemeinpl\u00e4tzen, sondern liefert auch eine solide Grundlage f\u00fcr eine \u2013 in ihrer Komplexit\u00e4t kaum erforschte \u2013 politische Theorie \u00fcber die Entstehung der Arbeiter:innenklasse als revolution\u00e4res Subjekt. In diesem Aufsatz werden wir uns besonders auf einen seiner Aspekte konzentrieren, ausgehend von einer Reihe von Schriften, die unter dem Titel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1936\/06\/inhalt.htm\"><strong>\u201eWohin geht Frankreich?\u201c<\/strong><\/a>&nbsp;bekannt wurden. Wir beziehen uns auf die Idee von \u201eAktionskomitees\u201c als Mittel zur Sammlung der Avantgarde und der Massensektoren, um die Kr\u00e4fte der Revolution\u00e4r:innen zu st\u00e4rken, den Widerstand der b\u00fcrokratischen Apparate zu \u201ebrechen\u201c und die Macht der Arbeiter:innenbewegung zu entfalten.<\/p>\n<p><strong>Das politische Terrain im \u201eWesten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Es waren Trotzki und Gramsci, die die Problematik der westlichen kapitalistischen Demokratien am gr\u00fcndlichsten analysierten. Sie waren Teil derjenigen Revolution\u00e4r:innen der Dritten Internationale, die sich mit der Komplexit\u00e4t der Revolution in Europa auseinandersetzten. Dort \u00fcberwog unter den Massen der Einfluss der b\u00fcrgerlichen Demokratie und des Parlamentarismus als Ideologie, und es hatten sich gro\u00dfe reformistische Apparate mit ihren jeweiligen politischen und gewerkschaftlichen B\u00fcrokratien entwickelt; im Gegensatz zum \u201egallertartigen\u201c und prek\u00e4ren Charakter der Institutionen im Russland vor 1917, das als Beispiel f\u00fcr eine \u201e\u00f6stliche\u201c sozio-politische Struktur diente.<\/p>\n<p>Gramsci entwickelt den Begriff des \u201eintegralen\u201c oder \u201eerweiterten Staates\u201c und seine Formel vom Staat&nbsp;<em>\u201ein integraler Bedeutung: Diktatur + Hegemonie\u201c<\/em>, mit der er die Tatsache erkl\u00e4ren will, dass die Bourgeoisie weit \u00fcber das \u201epassive Warten\u201c auf den Konsens hinausgeht und eine ganze Reihe von Mechanismen entwickelt, um ihn zu organisieren. Die \u201eErweiterung\u201c des Staates war eine Antwort auf den Aufstieg der Arbeiter:innenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote5sym\"><strong><sup>5<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Die Verstaatlichung der Massenorganisationen und die Ausdehnung der B\u00fcrokratien in ihnen waren grundlegende Elemente dessen, mit ihrer doppelten Funktion der \u201eIntegration\u201c in den Staat und der Fragmentierung der Arbeiter:innenklasse.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote6sym\"><strong><sup>6<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>Die Arbeiter:innenb\u00fcrokratie war (und ist) das Vorauskommando, um die b\u00fcrgerliche Hegemonie in den Organisationen des Proletariats zu \u201eorganisieren\u201c. Dieses Ziel wird sowohl mit Mitteln der Ideologie als auch des Zwangs verfolgt, je nach Fall in unterschiedlicher Kombination. In diesem Sinne&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1940\/08\/gewerk.htm\"><strong>wies Trotzki darauf hin<\/strong><\/a>, dass der Kapitalismus<em>&nbsp;\u201eimmer weniger gewillt [ist], sich mit der Unabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaften abzufinden. Er verlangt von der reformistischen B\u00fcrokratie und der Arbeiteraristokratie, welche die Brosamen von seiner Festtafel auflesen, da\u00df sie sich vor den Augen der Arbeiterklasse in seine politische Polizei verwandeln.\u201c<\/em>&nbsp;Gramsci n\u00e4herte sich der Frage in \u00e4hnlicher Weise, als er bemerkte, dass es der Bourgeoisie gelungen sei, eine&nbsp;<em>\u201eGesamtheit der vom Staat und den Privatleuten organisierten Kr\u00e4fte f\u00fcr den Schutz der politischen und wirtschaftlichen Herrschaft der f\u00fchrenden Klassen\u201c<\/em>&nbsp;zu organisieren, und hinzuf\u00fcgte, dass deshalb&nbsp;<em>\u201eganze \u201apolitische\u2018 Parteien und andere Organisationen wirtschaftlicher oder anderer Art als Organismen politischer Polizei mit Untersuchungs- und Vorbeugungscharakter angesehen werden\u201c<\/em>&nbsp;m\u00fcssen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote7sym\"><strong><sup>7<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Die B\u00fcrokratie, die \u201eVolksfront\u201c und die Frage des Subjekts<\/strong><\/p>\n<p>Es gab wichtige Ber\u00fchrungspunkte zwischen Trotzki und Gramsci hinsichtlich der Charakterisierung der Rolle der B\u00fcrokratie. Dazu reicht es, einige der besten Seiten der&nbsp;<em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em>&nbsp;mit Trotzkis Analyse der Einheitsfront in Deutschland angesichts des Aufstiegs des Faschismus in den fr\u00fchen 1930er Jahren zu vergleichen.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote8sym\"><strong><sup>8<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Es war jedoch Trotzki, der den \u00dcbergang von der defensiven zur offensiven Einheitsfront klar entwickelte und in diesem Rahmen die Wege zur \u00dcberwindung und Bezwingung der in den Massenorganisationen verwurzelten B\u00fcrokratien aufzeigte. Er schlug eine L\u00f6sung f\u00fcr die Frage des Aufstiegs der Arbeiter:innenklasse als politischem Subjekt in \u201ewestlichen\u201c Gesellschaften vor.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen werden Trotzkis Schriften \u00fcber den Aufstieg des Faschismus in Deutschland viel mehr gelesen und zitiert als diejenigen \u00fcber Frankreich. Das ist kein Zufall, denn in letzteren stellt er sich offen gegen die Politik der Klassenkollaboration der \u201eVolksfront\u201c, die Gramsci \u2013 eingesperrt in Mussolinis Kerker \u2013 nicht zu analysieren vermochte. Es ist jedoch in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1936\/06\/inhalt.htm\"><strong>\u201eWohin geht Frankreich?\u201c<\/strong><\/a>, wo Trotzki das volle Ausma\u00df seiner Konzeption der revolution\u00e4ren Politik aufzeigte. Trotzki schenkte der franz\u00f6sischen Situation besondere Aufmerksamkeit, mit dem zus\u00e4tzlichen Vorteil, dass er sich in diesem Land \u2013 wenn auch unter schwierigen Bedingungen \u2013 von 1933 bis Juni 1935 aufhielt, bis er ausgewiesen wurde. Er erlebte die Ver\u00e4nderung der Situation im Jahr 1934 mit den Aufst\u00e4nden der faschistischen Ligen am 6. Februar und der wichtigen Antwort der Arbeiter:innen am 12. Februar hautnah mit. Die Aktion der Arbeiter:innenbewegung war f\u00fcr die b\u00fcrokratischen Apparate der Sozialistischen Partei (SFIO) und der Kommunistischen Partei wie ein Schlag ins Gesicht und gaben der trotzkistischen Organisation, die \u00fcber einige hundert Aktivist:innen verf\u00fcgte, einen neuen Impuls. Ab September 1934 f\u00fchrten sie die Taktik des \u201eEntrismus\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote9sym\"><strong><sup>9<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;in der Sozialistischen Partei durch, um sich mit den sich radikalisierenden sozialistischen Arbeiter:innen zu verbinden. Ab 1935 bildeten Sozialdemokrat:innen und Stalinist:innen zusammen mit der Radikalen Partei \u2013 einer Partei, die mit der franz\u00f6sischen Kolonialunterdr\u00fcckung verbunden war (mit ihrer traditionellen Basis im st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Kleinb\u00fcrger:innentum) \u2013 die \u201eVolksfront\u201c und unterst\u00fctzten die Politik der \u201enationalen Verteidigung\u201c der franz\u00f6sischen Regierung.<\/p>\n<p>Wie kann sich angesichts der relativen St\u00e4rke der reformistischen Apparate und der Schw\u00e4che der Revolution\u00e4r:innen die Macht der Arbeiter:innenklasse als revolution\u00e4res Subjekt entfalten? Dies war die Frage, die Trotzki in \u201eWohin geht Frankreich?\u201c in den Mittelpunkt seiner \u00dcberlegungen stellte und in dessen Rahmen er die Debatte \u00fcber die \u201eAktionskomitees\u201c entwickelte. In ihnen sah Trotzki die M\u00f6glichkeit, dass die Revolution\u00e4r:innen, die damals \u00fcber sehr geringe Kr\u00e4fte verf\u00fcgten, sich st\u00e4rken, indem sie den Aufbau der revolution\u00e4ren Partei mit der Vereinigung und Umgruppierung der Avantgarde und der Massen im Kampf verbanden.<\/p>\n<p>Trotzki schlug vor, die Resolution des VII. Kongresses der Kommunistischen Internationale (1935) \u00fcber den Aufruf zur Bildung von \u201eAktionskomitees der Volksfront\u201c \u201ebeim Wort zu nehmen\u201c. W\u00e4hrend Trotzki in seiner Kritik am vers\u00f6hnlerischen Charakter der Volksfront unerbittlich war, machte er sich diesen Vorschlag zu eigen, den er als den einzig richtigen unter allen Resolutionen des Kongresses definierte und der, wie zu erwarten war, von der b\u00fcrokratisierten Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei nicht umgesetzt werden w\u00fcrde. Trotzki sah darin einen Weg, die Unterordnung unter die Bourgeoisie zu brechen und das Gewicht der Avantgarde durch die Entwicklung der Aktionskomitees, die direkt mit dem Klassenkampf verbunden sind, zu st\u00e4rken. Das w\u00fcrde die Vertreibung der \u201eb\u00fcrgerlichen Schieber\u201c aus der Radikalen Partei und die Niederlage der \u201evon Moskau\u201c diktierten Politik der Klassenvers\u00f6hnung erleichtern.<\/p>\n<p><strong>Institutionen der Vereinheitlichung und Koordinierung der K\u00e4mpfe, um den Widerstand der B\u00fcrokratie zu brechen<\/strong><\/p>\n<p>Trotzki entwickelte diesen anf\u00e4nglichen Ansatz weiter, bis er zu einem Schl\u00fcsselelement dessen wurde, was wir als eine Theorie \u00fcber die Konstituierung der Arbeiter:innenklasse als Subjekt in einem Szenario der \u201eS\u00e4ttigung\u201c mit b\u00fcrokratischen Apparaten definieren k\u00f6nnten, das f\u00fcr westliche soziopolitische Strukturen typisch ist.<\/p>\n<p>In seinem ber\u00fchmten Artikel \u201e<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1935\/11\/volksfront.htm\"><strong>Volksfront und Aktionskomitees\u201c<\/strong><\/a>&nbsp;vom 28. November 1935 gab Trotzki einen \u00dcberblick, in dem er sich den Komitees aus verschiedenen Blickwinkeln n\u00e4herte, ausgehend von unterschiedlichen Radikalisierungsprozessen. Das erste Beispiel, das er anf\u00fchrte, bezieht sich auf die K\u00e4mpfe der Hafenarbeiter:innen von Toulon und Brest Mitte 1935 gegen die von der Regierung der Radikalen Partei verf\u00fcgten Lohnk\u00fcrzungen. Die F\u00fchrungen der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Partei protestierten, taten aber nichts. Doch die Arbeiter:innen nahmen den Kampf auf, hissten die rote Fahne bei der Pr\u00e4fektur von Brest und errichteten in Toulon Barrikaden gegen die Repression. Bei den Zusammenst\u00f6\u00dfen gab es drei Tote und dutzende Verletzten, und es kam zu einem gro\u00dfen Solidarit\u00e4tsstreik, angesichts dessen die offizielle F\u00fchrung zur Ruhe aufrief und die Anwesenheit von \u201eProvokateuren\u201c anprangerte.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote10sym\"><strong><sup>10<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Trotzki erkl\u00e4rte seine Position mit Beispielen und argumentierte:&nbsp;<em>\u201eW\u00e4hrend der K\u00e4mpfe in Toulon und Brest w\u00fcrden die Arbeiter ohne zu z\u00f6gern eine lokale Kampforganisation geschaffen haben, h\u00e4tte man sie nur dazu aufgerufen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Er verwies im Anschluss auf die K\u00e4mpfe in Limoges Mitte November desselben Jahres, die einen \u00e4hnlichen Charakter wie die der Hafenarbeiter:innen h\u00e4tten und unter der Propaganda der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei gegen die \u201eProvokateure\u201c und den Aufrufen an die Regierung zum Vorgehen gegen die \u201eAufr\u00fchrer\u201c leiden w\u00fcrden. Dagegen benannte Trotzki ein anderes Beispiel f\u00fcr die Politik der Komitees:&nbsp;<em>\u201eAm Tage nach den blutigen Ereignissen in Limoges w\u00e4ren die Arbeiter und ein betr\u00e4chtlicher Teil des Kleinb\u00fcrgertums ohne Zweifel bereit gewesen, zur Untersuchung der blutigen Geschehnisse und zu ihrer Verhinderung in Zukunft ein gew\u00e4hltes Komitee zu bilden.\u201c<\/em>&nbsp;Er sah auch das Potential der \u201eAktionskomitees\u201c unter den Soldaten und erkl\u00e4rte:<em>&nbsp;\u201eW\u00e4hrend der Bewegung in den Kasernen im Sommer dieses Jahres gegen den \u201arabiot\u2018 (Verl\u00e4ngerung der Dienstpflicht) w\u00fcrden die Soldaten ohne zu z\u00f6gern Kompanie-, Regiments- und Garnisonsaktionskomitees gew\u00e4hlt haben, wenn man ihnen nur diesen Weg gewiesen h\u00e4tte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft, im Prozess von Toulon und Brest sah Trotzki die Aktionskomitees als \u201elokale Kampforganisation\u201c, in Limoges als Komitees \u201ezur Untersuchung der blutigen Geschehnisse und zu ihrer Verhinderung in Zukunft\u201c, in den Kasernen als Komitees gegen die Verl\u00e4ngerung des Milit\u00e4rdienstes. Die Schlussfolgerung, die er zog, war, dass sich mit der Entwicklung der revolution\u00e4ren Elemente der Situation&nbsp;<em>\u201esolche Gelegenheiten [\u2026] auf Schritt und Tritt\u201c<\/em>&nbsp;bieten w\u00fcrden: an jedem Ort, der mit den Konflikten und Prozessen verbunden war, die verschiedene Regionen durchquerten und die Gelegenheiten waren, Institutionen der Sektoren im Kampf auf lokaler Ebene und, wenn m\u00f6glich, auf nationaler Ebene zu errichten. Die Aufgabe der Revolution\u00e4r:innen, so Trotzki, besteht darin,&nbsp;<em>\u201ekeine einzige solche Gelegenheit zu verpassen\u201c<\/em>, die Avantgarde und die Massensektoren, die in den Kampf ziehen, in st\u00e4ndigen Institutionen vom Typ \u201eAktionskomitee\u201c zu organisieren.<\/p>\n<p>Auf diese Weise skizzierte Trotzki eine allgemeinere Konzeption, die von der Notwendigkeit ausgeht,&nbsp;<em>\u201eklar selber die Bedeutung der Aktionskomitees als das einzige Mittel [zu] begreifen, den antirevolution\u00e4ren Widerstand der Partei- und Gewerkschaftsapparate zu brechen\u201c<\/em>. Sein Ausgangspunkt war es, diese Notwendigkeit, den \u201eWiderstand\u201c der B\u00fcrokratien zu brechen, mit der enormen Gefahr zu verbinden, dass Teilkonflikte isoliert bleiben und die Energie der Massen in isolierten Explosionen vergeudet wird und in Apathie endet. Deshalb wies er darauf hin, dass angesichts von Streiks, Demonstrationen, Stra\u00dfenscharm\u00fctzeln oder direkten Aufst\u00e4nden, die in einer sich revolution\u00e4r entwickelnden Situation unvermeidlich sind, die Hauptaufgabe der Revolution\u00e4r:innen darin besteht,&nbsp;<em>\u201eden Abwehrkampf der werkt\u00e4tigen Massen [\u2026] zusammenzufassen und ihnen so das Bewusstsein ihrer eigenen Kraft f\u00fcr den k\u00fcnftigen Angriff zu vermitteln.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie stellte sich Trotzki nun die Bildung dieser Komitees vor? Er wies darauf hin, dass es nicht darum geht,&nbsp;<em>\u201ean einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Stunde die proletarischen und kleinb\u00fcrgerlichen Massen zur Wahl von Aktionskomitees auf Grund eines bestimmten Statuts auf[zu]rufen\u201c<\/em>. Dies w\u00e4re eine b\u00fcrokratische Art, das Problem anzugehen. Hingegen m\u00fcssten die Komitees direkt mit der Aktion verbunden sein:<\/p>\n<p><em>Aktionskomitees k\u00f6nnen die Arbeiter nur dann w\u00e4hlen, wenn sie selbst an irgendeiner Aktion teilnehmen und das Bed\u00fcrfnis nach einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung empfinden. Es handelt sich nicht um die formell-demokratische Vertretung aller und jeder Massen, sondern um die revolution\u00e4re Vertretung der k\u00e4mpfenden Massen. Das Aktionskomitee ist der Apparat des Kampfes. Es ist nicht n\u00f6tig, im Voraus zu erraten, welche Schichten der Werkt\u00e4tigen nun gerade an der Schaffung der Aktionskomitees beteiligt sein werden: die Grenzen der k\u00e4mpfenden Massen werden sich im Kampf von selbst ergehen.<\/em><\/p>\n<p>Es geht aber auch nicht darum, dass diese \u201eAktionskomitees\u201c die Parteien und Gewerkschaften ersetzen:<\/p>\n<p><em>Die Massen treten in den Kampf mit all ihren Ideen, Gruppierungen, Traditionen und Organisationen. [\u2026] Bei den Wahlen zu den Aktionskomitees wird jede Partei nat\u00fcrlich danach trachten, ihre Anh\u00e4nger durchzusetzen. Beschlie\u00dfen werden die Aktionskomitees nach Stimmenmehrheit (bei Vorhandensein v\u00f6lliger Freiheit der Parteien- und Fraktionsgruppierungen). Im Hinblick auf die Parteien kann man die Aktionskomitees ein revolution\u00e4res Parlament nennen: die Parteien sind nicht ausgeschlossen, sondern im Gegenteil notwendig vorausgesetzt: gleichzeitig werden sie in der Aktion gepr\u00fcft, und die Massen lernen sich von dem Einfluss der verrotteten Parteien zu befreien.<\/em><\/p>\n<p>Auf diese Weise ging Trotzki von der Betrachtung des Aktionskomitees im Besonderen zu einer umfassenderen Formulierung \u00fcber, in der diese Art von Organismen dazu dienen k\u00f6nnen, die Politik der Klassenkollaboration der B\u00fcrokratie zu bek\u00e4mpfen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1936\/03\/wende.htm\"><strong>Dieser stellt Trotzki gegen\u00fcber:<\/strong><\/a><em>&nbsp;\u201eDie Regel des Bolschewismus in der Frage der Blocks lautete:&nbsp;<\/em>getrennt marschieren, vereint schlagen!<em>&nbsp;Die Regel der heutigen Kominternf\u00fchrer ist:&nbsp;<\/em>vereint marschieren, um getrennt geschlagen zu werden.<em>\u201e<\/em>&nbsp;Die B\u00fcrokratien der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei beabsichtigten mit der Politik der \u201eVolksfront\u201c also, das Proletariat vermittels der Radikalen Partei und der Unterst\u00fctzung der \u201enationalen Verteidigung\u201c mit der Bourgeoisie \u201evereint marschieren\u201c zu lassen. Dies spiegelte sich in den verschiedenen Konflikten und Aufst\u00e4nden des Proletariats wider, die isoliert gelassen wurden. So konnte die Bourgeoisie die Avantgarde und die Massen einzeln besiegen und verhindern, dass die K\u00e4mpfe immer revolution\u00e4rer wurden.<\/p>\n<p>Trotzki schlug im Gegenteil dazu vor, die Kr\u00e4fte der k\u00e4mpfenden Sektoren in den Aktionskomitees zu sammeln, die somit die einzelnen punktuellen Konflikte \u00fcberschreiten und die k\u00e4mpferischen Sektoren verbinden sollten. Auf diese Weise w\u00fcrde sich die Kraft der Revolution\u00e4r:innen f\u00fcr die Arbeit in der Gewerkschaftsbasis vervielfachen. Diese Arbeit besteht darin, die dringendsten Forderungen mit einem \u00dcbergangsprogramm (in diesem konkreten Fall in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1934\/06\/progindex.htm\"><strong>\u201eEin Aktionsprogramm f\u00fcr Frankreich\u201c<\/strong><\/a>&nbsp;dargestellt) zu verbinden, das eine Br\u00fccke von den reformistischen Illusionen der Massenbewegung zum Kampf um die Macht schl\u00e4gt. Das Ziel ist es, eine revolution\u00e4re Gruppe \u2013 selbst eine kleine \u2013, in die Lage zu versetzen, einen ausreichenden Teil der Arbeiter:innenklasse zu erreichen, damit die Taktik der Arbeiter:innen-Einheitsfront des \u201egetrennt marschieren, vereint schlagen\u201c nicht nur eine ohnm\u00e4chtige Forderung gegen\u00fcber der B\u00fcrokratie bleibt, sondern effektiv durchgesetzt wird.<\/p>\n<p>Wie wir sehen, waren die \u201eAktionskomitees\u201c nicht mit den \u201eSowjets\u201c zu vergleichen, die genau genommen Organe der Einheitsfront der Massen sind. Sondern die \u201eAktionskomitees\u201c waren ein Werkzeug, um Entwicklung der \u201eSowjets\u201c und das Wachstum der revolution\u00e4ren Partei in einer Situation wie der franz\u00f6sischen von 1935 vorzubereiten. Denn die Situation war noch nicht offen revolution\u00e4r, auch wenn es radikalisierte Konflikte gab, welche aber getrennt voneinander stattfanden und nicht von einem verallgemeinerten Aufschwung des Klassenkampfes begleitet wurden. In diesem Sinne bemerkte Trotzki, dass die \u201eSowjets\u201c in der \u00f6ffentlichen Debatte mit der bereits eroberten Macht in Verbindung gesetzt wurden, was in diesem Fall jedoch nicht bevorstand. Tats\u00e4chlich kritisierte er damals die stalinistische F\u00fchrung der KPF, die als \u00dcberbleibsel der \u201eDritten Periode\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote11sym\"><strong><sup>11<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;die Losung \u201eSowjets \u00fcberall!\u201c erhob, was Trotzki f\u00fcr eine aus der Zeit gefallene Forderung und eine Vulgarisierung der Losung hielt. Erst mit der Verallgemeinerung der Streiks mit Fabrikbesetzungen im Jahr 1936 wies er auf die Aktualit\u00e4t des Aufrufs zum Aufbau von \u201eSowjets\u201c als Aktionsparole hin; ein Thema, das er in seinem Artikel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1936\/06\/revolution.htm\"><strong>\u201eDie franz\u00f6sische Revolution hat begonnen\u201c<\/strong><\/a>&nbsp;ausf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie war das Verh\u00e4ltnis zwischen den Aktionskomitees und der zuk\u00fcnftigen Entwicklung von R\u00e4ten oder Sowjets? Trotzki selbst erkl\u00e4rte es in diesem Artikel wie folgt:&nbsp;<em>\u201eUnter gewissen Umst\u00e4nden k\u00f6nnen die Aktionskomitees Sowjets werden.\u201c<\/em>&nbsp;Aber er wies darauf hin, dass sie in der Situation Frankreichs 1935, die er als&nbsp;<em>\u201evorrevolution\u00e4r\u201c<\/em>&nbsp;oder&nbsp;<em>\u201eso revolution\u00e4r, wie es bei dem nichtrevolution\u00e4ren Charakter der F\u00fchrungen der Arbeiterbewegung sein kann\u201c<\/em>&nbsp;definierte, noch weit davon entfernt seien. Au\u00dferdem stellte er gegen eine mystifizierende Sicht auf die russischen Sowjets klar, dass diese in ihren ersten Schritten&nbsp;<em>\u201edurchaus nicht das [waren], was sie sp\u00e4ter wurden, und [\u2026] damals sogar oft den bescheidenen Namen Arbeiter- oder Streikkomitees [trugen]\u201c<\/em>. In diesem Sinne hatten die \u201eAktionskomitees\u201c damals in erster Linie die Aufgabe,&nbsp;<em>\u201eden Abwehrkampf der werkt\u00e4tigen Massen Frankreichs zusammenzufassen und ihnen so das Bewusstsein ihrer eigenen Kraft f\u00fcr den k\u00fcnftigen Angriff zu vermitteln.\u201c<\/em>&nbsp;Ob sie in diesem letzten Sinne vorankommen konnten oder nicht, hing nicht nur von der Aktion der Avantgarde ab, sondern auch von der Entwicklung der objektiven Bedingungen der Situation selbst.<\/p>\n<p><strong>Die Wege zum revolution\u00e4ren Aufstieg der Arbeiter:innenklasse<\/strong><\/p>\n<p>All diese Elemente, die wir skizziert haben, sind integraler Bestandteil von Trotzkis \u00dcberlegungen zum Problem des Aufstiegs der Arbeiter:innenklasse zum revolution\u00e4ren Subjekt in einem \u201ewestlichen\u201c Szenario. In j\u00fcngster Zeit sind viele Karikaturen des Marxismus aufgebl\u00fcht, die diese Frage auf ein rein \u201eontologisches\u201c Problem beschr\u00e4nkt haben. Doch im Gegensatz dazu handelt es sich um konkrete Fragen der Politik und der Strategie. Die Aktionskomitees als Institutionen der Vereinheitlichung und Koordinierung der k\u00e4mpfenden Sektoren \u2013 noch weit vor der Entstehung von Sowjets \u2013 sind f\u00fcr Trotzki das einzige Mittel, den Widerstand der b\u00fcrokratischen Apparate zu brechen, die Einheitsfront wirksam durchzusetzen und so die Strategie der Selbstorganisation in der Perspektive der Konstituierung von R\u00e4ten oder Sowjets voranzutreiben, die die Grundlage einer alternativen Macht bilden k\u00f6nnen. Zugleich k\u00f6nnen sie eine fundamentale Kraft zum Aufbau der revolution\u00e4ren Partei sein. Trotzki setzte auf die St\u00e4rkung der Revolution\u00e4r:innen, welche die Kraft der fortgeschrittensten Sektoren der Arbeiter:innen- und Massenbewegung organisieren, und stellte diese Perspektive der von den Bed\u00fcrfnissen des Kampfes losgel\u00f6sten \u201eEinheit der Apparate\u201c entgegen, die von der \u2013 linkszentristischen \u2013 Gruppe der \u201eRevolution\u00e4ren Linken\u201c unter der F\u00fchrung von Marceau Pivert vertreten wurde.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote12sym\"><strong><sup>12<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>Auf diese Weise gibt Trotzki eine Antwort auf eines der Hauptprobleme der Arbeiter:innenklasse, zu einem hegemonialen Subjekt im Rahmen der&nbsp;<em>\u201emassive[n] Struktur der modernen Demokratien\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote13sym\"><strong><sup>13<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;zu werden, wie Gramsci sie nannte. Diese zeichnen sich durch ihre staatlichen Organisationen und einen Komplex von Assoziationen der Zivilgesellschaft aus, die das Terrain der politischen Intervention beeinflussen. Hierbei handelt es sich um eine alternative Konzeption, die den \u201etogliattianischen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote14sym\"><strong><sup>14<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Interpretationen von Gramscis Ausarbeitungen entgegensteht. Diese identifizieren \u2013 ausgehend von den Besonderheiten und der Komplexit\u00e4t \u201ewestlicher\u201c soziopolitischer Strukturen \u2013 die Aussagen des sardischen Revolution\u00e4rs zum \u201eStellungskrieg\u201c entweder mit einem Kampf um die Hegemonie im rein kulturellen Sinne, oder mit der M\u00f6glichkeit der Verwandlung der Arbeiter:innenklasse in ein revolution\u00e4res Subjekt aus der schrittweisen Entwicklung bestimmter Apparate heraus (\u201ehegemoniale Apparate\u201c, wie Peter Thomas es ausdr\u00fcckte<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote15sym\"><strong><sup>15<\/sup><\/strong><\/a>), mehr oder weniger au\u00dferhalb des Klassenkampfes und des Kampfes gegen die verschiedenen B\u00fcrokratien, die in den Organisationen der Massenbewegung verankert sind.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote16sym\"><strong><sup>16<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Ganz zu schweigen von jenen Interpretationen, die im Sinne Nicos Poulantzas der Meinung sind, dass der Staat in seinem weiten Sinne (\u00fcber den \u201ephysischen Raum des Staates\u201c hinaus) als&nbsp;<em>\u201edas Terrain eines strategischen Feldes\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote17sym\"><strong><sup>17<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;betrachtet werden k\u00f6nnte, das umk\u00e4mpft w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aber Trotzkis Konzeption ist sogar innerhalb des Trotzkismus missverstanden worden. Ernest Mandel kritisierte Trotzki daf\u00fcr, dass er die Situation in Frankreich Mitte der 1930er Jahre angeblich \u00fcbertrieben charakterisierte. Mandel bekundete, dass Trotzki f\u00e4lschlicherweise davon ausgegangen sei, dass es in \u201ewestlichen\u201c Gesellschaften eine revolution\u00e4re Krise geben k\u00f6nne, ohne dass die Massen ihre Illusionen in die b\u00fcrgerliche Demokratie verloren h\u00e4tten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote18sym\"><strong><sup>18<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Auf diese Weise reduzierte Mandel das Problem der Revolution auf eine Frage der demokratischen Legitimit\u00e4t, ohne auf die zentrale Rolle der B\u00fcrokratien einzugehen. Er erkannte also nicht, dass es sich nicht nur um ein ideologisches Problem, sondern um ein Problem der materiellen Kr\u00e4fte handelt.&nbsp;<a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1938\/leo-trotzki-brief-an-james-p-cannon-15\"><strong>Trotzkis Einsch\u00e4tzung von Frankreich ist ganz anders<\/strong><\/a>:<\/p>\n<p><em>Die Volksfront-Koalition, die absolut machtlos gegen Faschismus, Krieg, Reaktion usw. ist, erwies sich als eine gewaltige konterrevolution\u00e4re Bremse f\u00fcr die Massenbewegung, unvergleichlich m\u00e4chtiger als die Februarkoalition in Russland, weil (a) wir keine allm\u00e4chtige Arbeiterb\u00fcrokratie hatten, einschlie\u00dflich der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie; (b) wir eine bolschewistische Partei hatten.<\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich entwickelte sich nach der Macht\u00fcbernahme der Volksfront im Mai 1936 eine enorme Streikbewegung, in der sich mehr als zwei Millionen Arbeiter:innen an Fabrikbesetzungen beteiligten. Die Streiks warfen die Machtfrage auf, doch die Sozialistische Partei und die Kommunistische Partei wollten sie im Gegenzug f\u00fcr eine Reihe von Zugest\u00e4ndnissen wie Lohnerh\u00f6hungen, 40-Stunden-Woche usw. beenden. Diese Operation wurde als Matignon-Abkommen bekannt. Danach folgten zwei Jahre der W\u00e4hrungsabwertung, Entlassungen und Repression, die diese Errungenschaften in Luft aufl\u00f6sten. W\u00e4hrend dieser Zeit zerst\u00f6rte die Bourgeoisie mit Hilfe der Arbeiter:innenb\u00fcrokratie die unterschiedlichen Widerstandsherde einen nach dem anderen und verhinderte auf diese Weise eine zweite verallgemeinerte Welle nach 1936. Schlie\u00dflich verlie\u00df die Volksfront die B\u00fchne und machte der Regierung von \u00c9douard Daladier Platz, der die M\u00fcnchner Abkommen mit Hitler unterzeichnete. Die Streikbewegung, die die Grenzen des Privateigentums und des Staates zu \u00fcberschreiten drohte, stie\u00df mit dem Vorgehen der Volksfrontregierung zusammen.<\/p>\n<p>Viel n\u00e4her an Trotzkis Erkl\u00e4rung als an der von Mandel gelangte Daniel Gu\u00e9rin, der 1936 Mitglied der Gruppe von Pivert war, als er Jahre sp\u00e4ter zu einer kritischen Bilanz dieses Prozesses zur\u00fcckkehrte und die Bedeutung der Trotzki aufgeworfenen Perspektive hervorhob. Er wies darauf hin:<\/p>\n<p><em>Trotzkis bewundernswerter Artikel \u201aDie franz\u00f6sische Revolution hat begonnen\u2018, der in der beschlagnahmten Ausgabe von La Lutte Ouvriere erschien, wurde nur von wenigen Eingeweihten gelesen. H\u00e4tten wir unseren Auftrag innerhalb der Massenbewegung wirklich erf\u00fcllt, h\u00e4tten wir andere wirksame Mittel gehabt, um uns Geh\u00f6r zu verschaffen. Der Stalinismus hatte seine Herrschaft \u00fcber die Millionen neu gewerkschaftlich organisierter Menschen noch nicht gefestigt und wir h\u00e4tten mit ihm konkurrieren k\u00f6nnen. Die streikenden Massen waren sicherlich nicht bewusst revolution\u00e4r. Sie wurden von unmittelbaren Motiven angetrieben: Brot und Menschenw\u00fcrde. [\u2026] Aber selbst blind oder zumindest verwirrt, so war das Verhalten der Massen sicher revolution\u00e4r, wenn auch nicht ganz bewusst, weil es mit der etablierten Ordnung brach.<\/em><\/p>\n<p>Und angesichts dessen zieht er das bittere Fazit:&nbsp;<em>\u201eIm Juni 1936 haben wir das Boot der Geschichte verpasst\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote19sym\"><strong><sup>19<\/sup><\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Das Problem ist, dass sich in den \u201ewestlichen\u201c oder \u201everwestlichten\u201c Formationen die Entstehung der Doppelmacht von dem klassischen Beispiel der Russischen Revolution unterscheidet. Wie Juan Dal Maso hervorhebt, k\u00e4mpft in letzterer die Macht der Sowjets oder R\u00e4te direkt um die \u00dcbernahme der \u00f6ffentlichen Funktionen, w\u00e4hrend der Kampf in den \u201ewestlichen\u201c Formationen in erster Linie \u00fcber die Eroberung der Massen l\u00e4uft:<\/p>\n<p><em>[D]ie Konzeptualisierung des integralen Staates von Gramsci (oder Trotzkis Analysen des Bonapartismus und der Verstaatlichung der Gewerkschaften) machen deutlich, dass der Kampf \u2013 in dem Ma\u00dfe, wie sie die Unterscheidung zwischen \u00f6ffentlicher und privater Sph\u00e4re verwischt \u2013 in einem Rahmen stattfindet, in dem der Staat dazu tendiert, die traditionellen Arbeiter:innenorganisationen einzubeziehen, weshalb die Entwicklung von Instanzen wie den R\u00e4ten oder Sowjets einem Staat gegen\u00fcbersteht, der weitgehend auf der B\u00fcrokratisierung der Arbeiter:innenbewegung basiert.<\/em><\/p>\n<p>Daher hat&nbsp;<em>\u201edie Entwicklung von Organen der Arbeiter:innenmacht die Aufgabe, die Verstaatlichung zu brechen und auf dieser Grundlage die Hegemonie aufzubauen, um die Macht zu erobern und einen Arbeiter:innenstaat zu schaffen, indem der b\u00fcrgerliche Staatsapparat zerst\u00f6rt wird.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote20sym\"><strong><sup>20<\/sup><\/strong><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr dieses Problems formulierte Trotzki eine Antwort, indem er die Idee der \u201eAktionskomitees\u201c verallgemeinerte und so Wege vorschlug, wie selbst kleine Gruppen einen Weg finden k\u00f6nnen, um Teile der Massen zu beeinflussen. Dies kann gelingen, indem sie sich als Organisator:innen der Kraft aller k\u00e4mpfenden Sektoren beweisen. Angesichts der B\u00fcrokratien, die den franz\u00f6sischen politischen Raum beherrschten, und der Schw\u00e4che der Revolution\u00e4r:innen, erkl\u00e4rte Trotzki 1935 in diesem Sinne:<\/p>\n<p><em>Es w\u00e4re absurd zu glauben, dass wir genug Zeit haben, um eine sehr m\u00e4chtige Partei zu schaffen, die alle anderen Organisationen vor den entscheidenden Auseinandersetzungen mit dem Faschismus oder vor dem Ausbruch des Krieges ausschalten k\u00f6nnte. Aber es ist durchaus m\u00f6glich, in kurzer Zeit \u2013 die Ereignisse helfen \u2013 die breiten Massen zwar nicht f\u00fcr unser Programm, nicht f\u00fcr die Vierte Internationale, aber f\u00fcr diese Aktionskomitees zu gewinnen. Aber sobald diese Aktionskomitees geschaffen sind, w\u00fcrden sie zu einem gro\u00dfartigen Sprungbrett f\u00fcr eine revolution\u00e4re Partei werden. In einem Aktionskomitee wird Pivert zum Beispiel gezwungen sein, eine ganz andere Sprache zu sprechen als das Gestammel der Revolution\u00e4ren Linken. Die Autorit\u00e4t und der Einfluss der mutigen, entschlossenen und weitsichtigen Elemente w\u00fcrde sich sofort verzehnfachen. Das ist nicht einfach nur eine andere Angelegenheit, es ist eine Frage von Leben und Tod.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote21sym\"><strong><sup>21<\/sup><\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Und so war es dann auch.<\/p>\n<p><strong>Eine sehr aktuelle Diskussion<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation der Arbeiter:innenbewegung in den westlichen L\u00e4ndern hat sich seit dem von Trotzki analysierten franz\u00f6sischen Prozess in den 1930er Jahren stark ver\u00e4ndert. Selbst in jenem franz\u00f6sischen Mai 1968, wo \u2013 um Marx\u2018 Ausspruch in Anlehnung an Hegel aufzunehmen, dass die gro\u00dfen Ereignisse und Gestalten der Weltgeschichte erst als Trag\u00f6die und dann als Farce erscheinen \u2013 die Handlung der Kommunistischen Partei die Farce von 1936 war. Es handelt sich jedoch nicht nur um eine Frage des historischen Interesses.<\/p>\n<p>Seitdem haben sich die Charakteristika der \u201ewestlichen\u201c soziopolitischen Formationen, die zu Trotzkis und Gramscis Zeiten typisch f\u00fcr Europa und eine Handvoll zentraler L\u00e4nder waren, heute enorm auf die verschiedensten Breitengrade ausgebreitet. Obwohl in den letzten Jahrzehnten mit dem R\u00fcckzug und dem Sprung der Verstaatlichung der Gewerkschaften die Funktion der B\u00fcrokratien als Garantinnen der Zersplitterung der Klasse in den Vordergrund trat, fand damit nicht die Liquidierung des \u201eintegralen Staates\u201c statt. Zusammen mit der Neuformulierung der Rolle der traditionellen Arbeiter:innenb\u00fcrokratien haben sich parallel \u201eneue\u201c B\u00fcrokratien entwickelt, angesichts des Aufstiegs der so genannten \u201eneuen sozialen Bewegungen\u201c. Auch diese haben sich anschlie\u00dfend verstaatlicht, entweder durch die Verbindungen der so genannten NGOs mit dem Staat oder durch spezifische staatliche \u201eAbteilungen\u201c (Ministerien, Sekretariate, Agenturen), die die Aufgaben der Kooptierung und Reglementierung innerhalb der \u201eBewegungen\u201c erf\u00fcllen. Die einen und die anderen interagieren auf komplement\u00e4re Weise. Erstere beschr\u00e4nken die gewerkschaftlichen Organisationen auf die am besten gestellten Sektoren der Arbeiter:innenklasse und legen einen Korporativismus an den Tag, der sich gegen die Massen wendet. Letztere agieren, indem sie den Kampf f\u00fcr b\u00fcrgerliche oder \u201esoziale\u201c Rechte von den Forderungen der Arbeiter:innenklasse als Ganzes trennen.<\/p>\n<p>Wenn es in der Linken heute eine Gefahr gibt, dann dem Druck des Staates durch die Verwaltung der Sozialhilfe in der Arbeitslosenbewegung nachzugeben, oder sich an den Status Quo der Struktur der Gewerkschaften, an die studentische Organisation von Dienstleistungen, an die \u201eNGO-isierung\u201c und Verstaatlichung von Bewegungen wie der Frauen-, Umwelt- oder anderen Bewegungen oder an den Parlamentarismus durch vom Klassenkampf getrennte Parlamentssitze anzupassen. Das hei\u00dft, die eigene T\u00e4tigkeit an die Strukturen des \u201eerweiterten Staates\u201c anzupassen. Erst recht in Situationen wie der, die wir in Argentinien zu durchlaufen beginnen, wo sich ein&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Debate-y-conclusiones-sobre-la-actividad-politica-del-PTS\"><strong>(noch beginnendes) vorrevolution\u00e4res Stadium&nbsp;<\/strong><\/a>auftut.<\/p>\n<p>In diesem Rahmen gehen die von Trotzki skizzierten theoretischen Entwicklungen um die \u201eAktionskomitees\u201c weit \u00fcber diese Komitees und ihre spezifische Formulierung f\u00fcr Frankreich in den 1930er Jahren hinaus. Sie werfen zum Einen das allgemeinere Problem auf, dass \u201eSowjets\u201c oder \u201eR\u00e4te\u201c nie aus dem Nichts kommen, und schon gar nicht in komplexen \u201ewestlichen\u201c Gesellschaften, die durch die Ausbreitung von B\u00fcrokratien in Massenorganisationen gekennzeichnet sind. Obwohl wir uns hier nicht damit befassen k\u00f6nnen, w\u00e4re es nicht schwer, diese Frage im Arbeiter:innenaufstand der 1970er Jahre in Argentinien und den vorangegangenen Prozessen ab den 1960er Jahren nachzuzeichnen, die schlie\u00dflich zur Konstituierung der Fabrikkoordinationen im Jahr 1975 f\u00fchrten.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote22sym\"><strong><sup>22<\/sup><\/strong><\/a>&nbsp;Und zum Anderen offenbaren sie das Potenzial dieser politischen Logik als Weg f\u00fcr revolution\u00e4re Parteien, sich mit einigen tausend Mitgliedern, die mit diesen Prozessen verbunden sind, einen Weg zu den Massen zu er\u00f6ffnen und die Einheitsfront effektiv durchzusetzen. Was Trotzkis Ausarbeitung zeigt, ist die Notwendigkeit st\u00e4ndiger Institutionen der Sektoren im Kampf, in die die Revolution\u00e4r:innen ihre ganze Energie stecken, um keine Gelegenheit zu verpassen, sie zu entwickeln. Dies ist eine grundlegende Voraussetzung, um zu verhindern, dass die Energie der Massenbewegung in isolierten K\u00e4mpfen ohne Kontinuit\u00e4t verw\u00e4ssert wird. Sie dienen der Herausbildung der Arbeiter:innenklasse als Subjekt, indem sie die b\u00fcrokratische Struktur sprengen, die \u00fcber der Arbeiter:innen- und Massenbewegung steht. Das ist die Quelle, aus der die enorme Kraft entspringen kann, die f\u00fcr den Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei, die diesen Namen verdient, notwendig ist.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>Alle Aspekte, die wir in diesem Artikel entwickelt haben, sind ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass das Argument, dass Trotzki nicht in der Lage gewesen sei, politische Strukturen und Strategien f\u00fcr den \u201eWesten\u201c zu erkl\u00e4ren, auf einer oberfl\u00e4chlichen Lekt\u00fcre seiner Theorie im Allgemeinen und seiner Konzeption der Strategie im Besonderen beruht. Sowohl vulg\u00e4re als auch akademische Herangehensweisen an Gramscis und Trotzkis Werke, die sie au\u00dferhalb der Geschichte platzieren \u2013 mit ihren konkreten K\u00e4mpfen und den Problemen, die sie zu beantworten suchten \u2013, lassen beiseite, was f\u00fcr revolution\u00e4re Marxist:innen ein unsch\u00e4tzbares Gut ist, wenn sie \u00fcber den Marxismus als Anleitung zum Handeln nachdenken. Und genau dort erhalten die Ausarbeitungen, mit denen wir uns besch\u00e4ftigt haben \u2013 sowohl die von Gramsci \u00fcber den Staat als auch die von Trotzki als Theoretiker und Stratege nicht nur der Revolution im Osten, sondern auch im Westen \u2013 ihre volle Dimension.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf Spanisch bei&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Trotsky-Gramsci-y-la-emergencia-de-la-clase-trabajadora-como-sujeto-hegemonico\"><strong>Ideas de Izquierda<\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote1anc\"><strong>1<\/strong><\/a>. Michael Burawoy, \u201eTwo methods in search of science. Skocpol versus Trotsky\u201c, in:&nbsp;<em>Theory and Society<\/em>18 (1989), S. 759-805, hier: S. 789, online abrufbar unter:&nbsp;<a href=\"http:\/\/burawoy.berkeley.edu\/Methodology\/Two%20Methods.T&amp;S.pdf\"><strong>http:\/\/burawoy.berkeley.edu\/Methodology\/Two%20Methods.T&amp;S.pdf<\/strong><\/a>. Eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote2anc\"><strong>2<\/strong><\/a>. Razmig Keucheyan, \u201eMachiavel, la politique, le prince moderne et les classes subalternes\u201c, in: Antonio Gramsci,&nbsp;<em>Guerre de mouvement et guerre de position<\/em>, Par\u00eds, La fabrique, 2011, S. 163. Eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote3anc\"><strong>3<\/strong><\/a>. Perry Anderson,&nbsp;<em>Antonio Gramsci: Eine kritische W\u00fcrdigung<\/em>, Berlin, Olle und Wolter, 1979, S. 105.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote4anc\"><strong>4<\/strong><\/a>. Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello,&nbsp;<em>Estrategia socialista y arte militar<\/em>, Buenos Aires, Ediciones IPS, 2017.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote5anc\"><strong>5<\/strong><\/a>. Dazu bemerkt Gramsci, dass<em>\u201edie sozialen Elemente dieser neuen Formation, die zuvor keine Rolle spielten, [\u2026] durch den blo\u00dfen Fakt ihrer Vereinigung die politische Struktur der Gesellschaft ver\u00e4ndern\u201c. \u201eDer moderne Staat ersetzt den mechanischen Block der gesellschaftlichen Gruppen durch ihre Unterordnung unter die aktive Hegemonie der f\u00fchrenden und herrschenden Gruppe, beseitigt folglich einige Selbst\u00e4ndigkeiten, die jedoch in anderen Formen, als Parteien, Gewerkschaften, Bildungsvereine wiedererstehen.\u201c<\/em>(Antonio Gramsci, \u201eEinige allgemeine Notizen zur geschichtlichen Entwicklung der subalternen gesellschaftlichen Gruppen im Mittelalter in Rom\u201c, H25, \u00a74,&nbsp;<em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em>, 10 Bde., Hamburg, Argument, S. 2191ff.). In demselben Sinn haben wir in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-die-kapitalistische-demokratie-teil-ii\/\"><strong>\u201eTrotzki, Gramsci und die kapitalistische Demokratie\u201c<\/strong><\/a>&nbsp;geschrieben, dass Trotzki in diesen Institutionen&nbsp;<em>\u201eElemente der proletarischen Demokratie\u201c<\/em>&nbsp;sah, die die Arbeiter:innenklasse in ihrem Kampf in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft entwickelt (Leo Trotzki,&nbsp;<a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1933\/leo-trotzki-gespraech-mit-einem-sozialdemokratischen-arbeiter\"><strong>\u201eGespr\u00e4ch mit einem sozialdemokratischen Arbeiter\u201c<\/strong><\/a>).<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote6anc\"><strong>6<\/strong><\/a>. Vgl. Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello,&nbsp;<em>Estrategia socialista y arte militar<\/em>, a.a.O., Kapitel 9; und Juan Dal Maso,&nbsp;<em>El marxismo de Gramsci<\/em>, Buenos Aires, Ediciones IPS, 2017.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote7anc\"><strong>7<\/strong><\/a>. Antonio Gramsci, \u201eDer C\u00e4sarismus\u201c (H13, \u00a727), in:&nbsp;<em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em>, a.a.O., S. 1592ff.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote8anc\"><strong>8<\/strong><\/a>. Vgl. Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.estrategiainternacional.org\/Trotsky-y-Gramsci-debates-de-estrategia-sobre-la-revolucion-en-occidente?lang=es\"><strong>\u201eTrotsky, Gramsci y los debates de estrategia para la revoluci\u00f3n en \u2018occidente\u2019\u201c<\/strong><\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote9anc\"><strong>9<\/strong><\/a>. Die Kommunistische Liga, die trotzkistische Gruppe in Frankreich, benannte sich in Bolschewistisch-Leninistische Gruppe um und trat der SFIO bei. Diese Politik wurde als \u201efranz\u00f6sische Wende\u201c bekannt und bestand in dem taktischen Schritt des \u201eEntrismus\u201c in die sozialistischen Parteien mit dem Ziel, sich mit den Sektoren der Arbeiter:innenbewegung zu verbinden, die sich radikalisierten und diesen Parteien beitraten, und auf dieser Grundlage den Aufbau unabh\u00e4ngiger revolution\u00e4rer Parteien zu st\u00e4rken.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote10anc\"><strong>10<\/strong><\/a>. Vgl. Jean-Paul Joubert,&nbsp;<a href=\"https:\/\/ceip.org.ar\/Trotsky-y-el-Frente-Popular\"><strong>\u201eTrotsky y el Frente Popular\u201c<\/strong><\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote11anc\"><strong>11<\/strong><\/a>. Laut dem Stalinismus er\u00f6ffnete sich ab 1928 die \u201edritte Periode\u201c, die letzte des Kapitalismus, in der dieser bald verschwinden w\u00fcrde. Deshalb ist die Politik der Dritten Internationale zwischen 1928 und 1934, die von Stalin angef\u00fchrt wurde und die durch Ultralinkstum und die Weigerung, Einheitsfronten mit anderen Arbeiter:innenorganisationen aufzubauen, charakterisiert war, unter diesem Namen bekannt.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote12anc\"><strong>12<\/strong><\/a>. Marceau Pivert (1895-1958) hatte sich der Sozialistischen Partei nach der Spaltung von Tours angeschlossen. Er war Anf\u00fchrer der \u201eEinheits\u201c-Tendenz Sozialistischer Kampf und einer der Anf\u00fchrer der Seine-F\u00f6deration. Im September 1935 gr\u00fcndete er die Revolution\u00e4re Linke der Sozialistischen Partei.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote13anc\"><strong>13<\/strong><\/a>. Gramsci, Antonio, \u201eFrage des \u201aKollektivmenschen\u2018 oder des \u201agesellschaftlichen Konformismus&#8217;\u201c, H13, \u00a77,&nbsp;<em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em>, a.a.O., S. 1544f.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote14anc\"><strong>14<\/strong><\/a>. Palmiro Togliatti war Anf\u00fchrer der Italienischen Kommunistischen Partei und Vordenker der \u201eWende von Salerno\u201c, welche mit dem Pakt mit Marschall Badoglio, der \u201enationalen Einheit\u201c und der Entwaffnung der Partisan:innen eine zentrale Rolle in der Rettung des italienischen Kapitalismus am Ende des Zweiten Weltkriegs spielte. Die Partei verwandelte sich in einen St\u00fctzpfeiler f\u00fcr die Bourgeoisie in der gesamten folgenden Periode.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote15anc\"><strong>15<\/strong><\/a>. Vgl. Emilio Albamonte und Mat\u00edas Maiello,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-die-kapitalistische-demokratie-teil-i\/\"><strong>\u201eTrotzki, Gramsci und die kapitalistische Demokratie\u201c<\/strong><\/a>.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote16anc\"><strong>16<\/strong><\/a>. Eine besondere Erw\u00e4hnung verdienen gewisse Str\u00f6mungen der Linken, die die PTS f\u00fcr ihre Ann\u00e4herung an Gramscis Denken kritisiert haben, welche dazu gef\u00fchrt h\u00e4tte, die Theorie des marxistischen Staates und des Kampfes um die Revolution aufzugeben und durch einen \u201eKampf um die kulturelle Hegemonie\u201c zu ersetzen. Damit haben diese Kritiker:innen nur bewiesen, dass ihre Lekt\u00fcre von Gramsci nie \u00fcber die \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 ersten paar Seiten einer von Togliattis Zusammenstellungen hinausgekommen ist. Gramsci hat seine St\u00e4rken und seine Zweideutigkeiten, aber wie Juan Dal Maso in seinen B\u00fcchern (\u201eEl marxismo de Gramsci\u201c und \u201eHegemon\u00eda y lucha de clases\u201c) zeigt, ist die Gleichsetzung des Denkens des Autors der Gef\u00e4ngnishefte mit Togliattis reformistischer Interpretation ebenso l\u00e4cherlich wie die oberfl\u00e4chliche Wiederholung von Gramscis Fehlcharakterisierungen von Trotzkis Denken, wie es viele \u201eGramscianer\u201c tun.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote17anc\"><strong>17<\/strong><\/a>. Vgl. das Interview mit Nicos Poulantzas von Henri Weber, \u201eL\u2019\u00c9tat et la transition au socialisme\u201c, in:&nbsp;<em>Critique Communiste<\/em> 16, Juni 1977.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote18anc\"><strong>18<\/strong><\/a>. Vgl. Ernest Mandel, \u201eConsideraciones sobre estrategia revolucionaria\u201c (Interview von Henry Weber), in:&nbsp;<em>Cr\u00edtica de la econom\u00eda pol\u00edtica<\/em> 26, Mexiko, El Caballito, 1984, S. 114.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote19anc\"><strong>19<\/strong><\/a>. Daniel Gu\u00e9rin,&nbsp;<em>Front Populaire, r\u00e9volution manqu\u00e9e<\/em>, Marseille, Agone, 2013. Eigene \u00dcbersetzung. Wir danken Juan Dal Maso, uns auf diese interessanten Schlussfolgerungen von Gu\u00e9rin aufmerksam gemacht zu haben, und insgesamt sowohl ihm als auch Fredy Lizarrague f\u00fcr ihre Meinungen und Beitr\u00e4ge, die zur Endfassung dieses Artkels beigetragen haben.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote20anc\"><strong>20<\/strong><\/a>. Juan Dal Maso,&nbsp;<em>Hegemon\u00eda y lucha de clases<\/em>, Buenos Aires, Ediciones IPS, 2018, S. 83. Eigene \u00dcbersetzung.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote21anc\"><strong>21<\/strong><\/a>. Brief von Trotzki an Jean Rous, 13. November 1935. Eigene \u00dcbersetzung<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/#sdfootnote22anc\"><strong>22<\/strong><\/a>. Vgl. Ruth Werner und Facundo Aguirre,&nbsp;<em>Insurgencia Obrera en la Argentina 1969-1976<\/em>, Buenos Aires, Ediciones IPS, 2009.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trotzki-gramsci-und-der-aufstieg-der-arbeiterinnenklasse-als-hegemoniales-subjekt\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. M\u00e4rz 2021 mit einigen K\u00fcrzungen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mat\u00edas Maiello &amp; Emilio Albamonte. 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