{"id":9409,"date":"2021-03-14T19:04:57","date_gmt":"2021-03-14T17:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9409"},"modified":"2021-03-15T09:18:29","modified_gmt":"2021-03-15T07:18:29","slug":"9409","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9409","title":{"rendered":"Plattformkapitalismus und die Reorganisation der Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><em>Patricia Fachin.<\/em> <strong>Wenn einerseits die technologisch-wissenschaftliche Entwicklung die Schaffung neuer Technologien erm\u00f6glicht hat, wie z. B. die Nutzung von Apps zum Kauf von Essen, so hat sie andererseits den Kapitalismus und folglich <\/strong>auch<!--more--> <strong>die <\/strong><a href=\"http:\/\/www.ihu.unisinos.br\/186-noticias\/noticias-2017\/567205-uberizacao-da-economia-e-relacoes-trabalhistas\"><strong>Arbeits- und Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse<\/strong><\/a><strong> ver\u00e4ndert und ver\u00e4ndert sie weiterhin. Zu den Berufen, die in dieser Zeit des technologischen Wandels im Mittelpunkt der soziologischen Analyse stehen, geh\u00f6ren die Arbeiter der Lieferplattformen, die allein in London bereits f\u00fcr 80 % aller Lieferungen zust\u00e4ndig sind.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/strategyofrefusal.com\/\"><strong>Callum Cant<\/strong><\/a><strong>, Doktor der Soziologie an der University of West London, untersucht, wie der <\/strong><a href=\"http:\/\/www.ihu.unisinos.br\/78-noticias\/597568-o-capitalismo-de-plataforma-esta-acumulando-muito-mais-poder-e-mais-rapido-entrevista-com-ingrid-guardiola\"><strong>Plattform-Kapitalismus<\/strong><\/a><strong> organisiert ist und welche Auswirkungen er auf die Reorganisation der Arbeit, das t\u00e4gliche Leben der Arbeiter und die Organisation kollektiver Aktionen zur Forderung besserer Arbeitsbedingungen hat. Nach Abschluss seines Masterstudiums arbeitete er f\u00fcr die 2013 in London gegr\u00fcndete Deliveroo-Food Delivery, die derzeit in mehreren L\u00e4ndern vertreten ist, darunter die Niederlande, Frankreich, Belgien, Irland, der Schweiz, Spanien, Italien, Australien, Neuseeland, Singapur, Hongkong, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Februar dieses Jahres nahm Cant am XIX. Internationalen Symposium <em>IHU Homo Digitalis -The Escalation of the Algorithmization of Life<\/em> \u2013 teil, das vom Institut Humanitas Unisinos-IHU gef\u00f6rdert und \u00fcber dessen YouTube-Kanal ausgestrahlt wurde. In dem Vortrag mit dem Titel \u00abAlgorithmic Discrimination and Social Justice\u00bb (Algorithmische Diskriminierung und soziale Gerechtigkeit) berichtet er von seiner pers\u00f6nlichen Erfahrung der Teilnahme an den Streiks, die zwischen 2016 und 2017 in London und Brighton (England) stattfanden, den Gr\u00fcnden f\u00fcr den Widerstand der Streikenden, den Konflikten zwischen Arbeitern und Plattformen sowie von den Grenzen und M\u00f6glichkeiten der neuen vernetzten Arbeitsorganisationen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Folgenden geben wir seinen Vortrag in Form eines Interviews wieder, in dem er beschreibt, wie Lieferplattformen funktionieren, die von einem algorithmischen Management \u00fcberwacht werden, und wie diese Art der T\u00e4tigkeit prek\u00e4re Arbeitspl\u00e4tze geschaffen hat.&nbsp;\u00abIn England ist eine der Hauptauswirkungen, dass es in diesem Sektor keinen Mindestlohn gibt, es gibt keine M\u00f6glichkeit zu garantieren, dass der Arbeiter das Minimum verdient.&nbsp;Wir verdienen keine 8 Pfund pro Stunde, egal was passiert.&nbsp;Wir k\u00f6nnen null Pfund pro Stunde verdienen.&nbsp;Das bedeutet, dass die L\u00f6hne aussergew\u00f6hnlich niedrig sein k\u00f6nnen, weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn, weil wir technisch gesehen nicht arbeiten.\u00bb<\/strong><\/p>\n<p><strong>Cant zeigt auch die Notlage von Einwanderern auf, die durch die Angst vor Abschiebung zu einer sehr verletzlichen Bev\u00f6lkerungschicht geworden sind, die f\u00fcr jeden Lohn arbeitet. \u00abMein Argument ist, dass dies grundlegend ist f\u00fcr das, was auf den Essensplattformen geschieht. Da es kein formelles Arbeitsverh\u00e4ltnis und keinen Mindestlohn gibt, sind viele Arbeiter undokumentierte Einwanderer aus dem globalen S\u00fcden, die ihre Lieferungen auf Motorr\u00e4dern erledigen und niedrige L\u00f6hne erhalten. Sie sind gezwungen, diese Bedingungen zu akzeptieren, denn wenn sie versuchen, sich zu wehren, riskieren sie Abschiebung und Repression\u00bb, sagt er. Callum Cant ist freier Autor und Forscher, promovierte in Soziologie an der University of West London und ist Autor von <em>Riding for Deliveroo<\/em> (Polity, 2019). Sein Buch ist ein Portr\u00e4t einer neuen Klasse von k\u00e4mpferischen Arbeitern.<\/strong><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>Um was geht es in deiner Forschung \u00fcber Algorithmen vs. soziale Gerechtigkeit?<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde \u00fcber \u00abAlgorithmen vs. soziale Gerechtigkeit: Der Widerspruch zwischen der Produktion im Plattformkapitalismus und der &#8218;freien Assoziation der Produzenten&#8217;\u00bb sprechen. Was ich damit meine? Grunds\u00e4tzlich gehe ich von der Marx&#8217;schen Pr\u00e4misse aus, dass diese neueste Entwicklung der Produktionsweise den Interessen der Arbeiter, die ja eigentlich die ganze Arbeit machen, im Innersten widerspricht. W\u00e4hrend dies wie ein relativ radikaler Ausgangspunkt erscheinen mag, ist dies tats\u00e4chlich der Ort, an dem ein Gro\u00dfteil der Forschung \u00fcber die Gig-\u00d6konomie beginnt, n\u00e4mlich im Plattform-Kapitalismus. In diesem Bereich gibt es eine sehr starke Str\u00f6mung der marxistischen Forschung. Diese Str\u00f6mung \u00fcberwiegt bis heute.<\/p>\n<p>Was ist in diesem Sektor vor sich gegangen? Ich denke, es ist wichtig, von folgender Pr\u00e4misse auszugehen: Was diesen Sektor bisher charakterisiert hat, ist kollektives Handeln. Also von der Entwicklung einer Art Plattform-Kapitalismus in seinen fr\u00fchen Formen \u2013 und insbesondere werde ich mich auf Essenslieferplattformen konzentrieren; im Jahr 2015 gab es Unternehmen wie Deliveroo, Ubereats, u.a., die ihre Lieferplattformen starteten. Und von Anfang an hat es in dieser Branche Konflikte gegeben. Diese wurden immer als kollektives Handeln der Arbeiter und Arbeiterrinnen verstanden, und dieser Trend des Konflikts, der sich bis heute zeigt, hat sich fortgesetzt. Man muss sich nur anschauen, was vor Monaten in Sao Paulo passiert ist, um zu sehen, dass diese kontinuierliche Welle von K\u00e4mpfen das bestimmende Merkmal dieser Plattformen ist. Der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit bestimmt, wie wir dieses Feld verstehen m\u00fcssen. F\u00fcr mich gibt es also keine echte Studie \u00fcber die Gig-\u00d6konomie, ohne auf kollektives Handeln einzugehen, und meine gesamte Forschung in diesem Bereich konzentriert sich auf das Feld des kollektiven Handelns. Insbesondere interessiere ich mich daf\u00fcr, wie die Lohnabh\u00e4ngigen in diesem Sektor mit Innovationen auf die neuen Bedingungen reagieren.<\/p>\n<p>Das vorl\u00e4ufige Argument unserer Arbeit \u00fcber den Plattform-Kapitalismus ist, dass wir mit der Entwicklung von Apps und Technologien, wie z. B. der App\/Benutzerschnittstelle, keine grundlegende Ver\u00e4nderung der sozialen Beziehungen sehen. Was sich stattdessen ge\u00e4ndert hat, ist die Art und Weise, wie diese organisiert sind. Das Arbeitsverh\u00e4ltnis ist also immer noch das kapitalistische Lohnarbeitsverh\u00e4ltnis, aber es wird jetzt durch eine neue Reihe von technischen Komponenten produziert. Was sich damit ge\u00e4ndert hat, ist die Art der Organisation des Widerstandes.<\/p>\n<p>Ich selbst und andere Forscher, wie Jamie Woodcock und einige der Leute, mit denen ich jetzt gearbeitet habe, sprechen dar\u00fcber in Bezug auf die Klassenzusammensetzung. Wir sagen: Solange die kapitalistische Produktionsweise \u2013 und wir gehen im Kapitalismus von einem grunds\u00e4tzlichen materiellen Interessenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit aus \u2013 fortbesteht, wird es fortlaufend Ver\u00e4nderungen in der Art und Weise der Ausbeutung der Arbeit geben.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Auswirkungen dieser Ver\u00e4nderungen?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Ver\u00e4nderungen sind von einem zentralen Antagonismus gepr\u00e4gt. Hier st\u00fctze ich mich auf Tassinari und Maccarrone. Die Studie der Autoren basiert auf einem Artikel mit dem Titel \u00ab<em>Riders on the Storm<\/em>\u00bb. In meiner Einsch\u00e4tzung fassen sie die Entwicklung des Klassenkonflikts innerhalb des Plattformkapitalismus gut zusammen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/platt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"761\" height=\"412\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/platt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9410\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/platt.jpg 761w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/platt-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px\" \/><\/a><\/figure>\n<p><em>Globale Entwicklung der Arbeiterk\u00e4mpfe bei den Lieferplattformen, 2015 \u2013 2019<\/em><\/p>\n<p>Das in der Grafik sichtbare Muster ist nicht auf die Lieferplattformen beschr\u00e4nkt; eine \u00e4hnliche Dynamik ist oft auch in anderen Sektoren erkennbar. Es gibt Konfliktquellen in den Arbeitsbedingungen, seien es niedrige L\u00f6hne, ungerechtfertigte Entlassungen oder ein Restaurant, das die Arbeiter zwingt, drau\u00dfen in der K\u00e4lte zu warten, w\u00e4hrend ihre Lieferungen vorbereitet werden. Diese Art von Situation kann sich zu einem ausgewachsenen Konflikt entwickeln.<\/p>\n<p>Dies ist von einer Reihe von Faktoren abh\u00e4ngig. Je nach Plattform, oder wann oder in welcher Stadt sich der Konflikt entwickelt, k\u00f6nnen diese Faktoren unterschiedlich sein. Infolgedessen kann es zu einer etwas anderen Solidarit\u00e4t und zu neuen Formen kollektiven Handelns kommen.<\/p>\n<p>Die Autoren listen einige der wichtigsten auf: Wo treffen sich die Arbeiter, sowohl im realen Leben als auch beim Warten auf Lieferauftr\u00e4ge? Und wie kommen sie online zusammen? Wie schaffen sie eine digitale Gemeinschaft, in der sie Ideen diskutieren? Wie ist ihr Verh\u00e4ltnis zum Management? Schicken die Plattformen lokale Manager, um sie zu \u00fcberzeugen, oder kommunizieren die Manager gar nicht mit ihnen? Es gibt noch andere Faktoren, die die Autoren nicht aufz\u00e4hlen: Wie ist, wie wir es nennen, die soziale Klassenzusammensetzung der Stadt? Welche Art von Arbeitsmigranten gibt es? Sind die Immigranten untereinander gut organisiert?<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil meiner Forschung konzentrierte sich auf Brighton. In dieser Stadt haben wir eine sehr starke brasilianische Einwanderergemeinde. F\u00fcr uns deuten also alle Faktoren darauf hin, dass die brasilianischen Arbeiter kollektiv gehandelt haben, um diesen ganzen Prozess zu initiieren. Das hat die Art und Weise ver\u00e4ndert, wie Solidarit\u00e4t entstanden ist.<\/p>\n<p><strong>Wie werden kollektive Aktionen unter den Arbeitern auf der Plattform entwickelt und organisiert?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten. Eine der wichtigsten meiner Ansicht nach und wahrscheinlich die sichtbarste, ist die wilde Streikaktion. Das ist es, was mir in der Branche aufgefallen ist. Im Jahr 2016 gab es in London eine Anzahl wilder Streiks, zu einem Zeitpunkt, als kaum Forschung in diesem Sektor stattfand. Wir wussten nicht, was los war, aber wir sahen 2016 schnell in der Stadt eine Art Streikbewegung von einer betr\u00e4chtlichen Anzahl von Arbeitern aufgrund von Lohnk\u00fcrzungen entstehen. Wir sahen, wie sich Hunderte von ihnen dem Streik anschlossen und auf die Stra\u00dfe gingen, um zu protestieren.<\/p>\n<p>Sie kamen aus dem Nichts und keiner von uns verstand, was da passierte, woher diese Bewegung kam. Beobachtend und lernend begannen wir, den Sektor zu untersuchen. Aber dieses Verhalten ist eines der Merkmale der Branche: Es scheint nichts zu passieren, dann bricht es von Zeit zu Zeit aus; es gibt gro\u00dfe Streiks. Wie Tassinari und Maccarrone zeigen, gibt es andere Formen kollektiven Handelns mit weniger Auswirkungen. Es gibt Rechtsf\u00e4lle, Online-Petitionen und so weiter. Alle diese Prozesse treten auch auf.<\/p>\n<p><strong>Wie begann deine Recherche und dein Interesse an diesem Thema?<\/strong><\/p>\n<p>Ich war 2016 ein Masterstudent. Zu dieser Zeit sah ich die Streiks in London und suchte nach einem Job bei Deliveroo. Ich habe nicht mit der Absicht zu forschen in der Firma gearbeitet, sondern um zu verstehen, was vor sich geht und um mir etwas Geld zu beschaffen. Ich lebte in einer Stadt namens Brighton, wo Deliveroo die Belegschaft vor kurzem ausgebaut hatte. Ich habe dort ein paar Monate gearbeitet und w\u00e4hrend dieser Zeit haben wir uns in einer Gewerkschaft organisiert. Wir nahmen an dem Streik teil, und diese Arbeit mit der Gewerkschaft bildete die Grundlage f\u00fcr meine heutige Forschung. Danach habe ich ein Buch mit dem Titel \u00ab<em>Rider for Deliveroo<\/em>\u00bb und andere Arbeiten geschrieben.<\/p>\n<p>Lieferplattformen sind die am wenigsten dezentralen Logistik-Arbeitspl\u00e4tze, die von einem algorithmischen System \u00fcberwacht werden. Was heisst das? Grunds\u00e4tzlich arbeiten zwei verschiedene Ebenen zusammen: Eine sehr breite Schicht von Orten f\u00fcr die Bereitstellung des Essens; das sind die Restaurants rund um das Stadtzentrum. Und eine Ebene von Orten, an die zu liefern ist; das hei\u00dft, die Adressen rund um die Innenstadt. Was die Plattformen also tun, ist die Interaktion zwischen diesen beiden Ebenen zu verwalten. Sie verteilen Mitarbeiter f\u00fcr bestimmte Aufgaben und verwalten ein mitunter kompliziertes Logistiksystem. Das meiste davon wird von einem algorithmischen System \u00fcberwacht.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit waren Lieferjobs von Controllern abh\u00e4ngig, einer Person, die in einem B\u00fcro vor Monitoren sa\u00df und \u00fcberpr\u00fcfte, wo sich die Arbeiter befanden und ihnen sagte: \u00abIhr m\u00fcsst zu X gehen, um eine Lieferung an Y zu machen.\u00bb Heute ist dieser Prozess automatisiert, und die Art der Zuweisung von Arbeitern zur Erledigung dieser Aufgaben wird von einem System \u00fcbernommen. Die Anwendung, die den Arbeiter anweist, ist eine Art algorithmischer Manager.<\/p>\n<p>Selbst wenn wir keinen menschlichen Vorgesetzten haben kann seine Abwesenheit in gewisser Weise befreiend sein. Aber es unterwirft den Arbeiter auch einer starren Form der algorithmischen Kontrolle. Diese Abwesenheit ist Teil des breiteren Trends des Fehlens eines Vermittlers zwischen den Anforderungen des Kapitals und der Organisation der Arbeit, um maximale Profite f\u00fcr das Kapital zu erzielen, und zwischen den Arbeitern und der Arbeit selbst.<\/p>\n<p><strong>Wie wird die Plattformarbeit von Algorithmen verwaltet und gesteuert?<\/strong><\/p>\n<p>Es handelt sich um eine sehr direkte Steuerung. Sie zeichnet sich durch diese direkte, fast kybernetische Art der Anweisung aus. Wir h\u00f6ren genau, was zu tun ist und wann wir es tun sollen. Und der Arbeiter hat eine gewisse Freiheit, wie er die Anweisungen befolgt, aber wir sprechen hier von einer sehr direkten Beziehung zur Arbeit.<\/p>\n<p>Hier gibt es keine Tarifverhandlungen. Ich meine, diese Plattformen vermeiden es systematisch, mit den Arbeitern in eine kollektive Beziehung zu treten, oder eine Beziehung zu haben, die durch eine Gewerkschaft vermittelt wird. In vielen F\u00e4llen besteht eine strikte Weigerung, mit der Gewerkschaft zu sprechen. Als ich f\u00fcr Deliveroo gearbeitet habe, war ich selbstst\u00e4ndig. Technisch gesehen sind in England viele Lieferfahrer selbst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Hei\u00dft das, sie arbeiten nicht f\u00fcr das Kapital und sind Kleinunternehmer, die diesen Weg gew\u00e4hlt haben, um Geld zu verdienen? Nein. Es bedeutet, dass wir ganz klar eine Beziehung zwischen Lohnarbeit und Kapital haben, aber da sich die rechtliche Kategorisierung ge\u00e4ndert hat, wird das Arbeitsverh\u00e4ltnis anders reguliert und die Arbeit wird anders erlebt. In England zum Beispiel gibt es in diesem Sektor keinen Mindestlohn, keinerlei Garantie, dass der Arbeiter mindestens ein Minimum verdient. Wir verdienen keine acht Pfund pro Stunde, egal was passiert. Wir k\u00f6nnen jedoch null Pfund pro Stunde verdienen. Das bedeutet, dass sie au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrige L\u00f6hne zahlen k\u00f6nnen, die unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen, weil wir technisch gesehen keine Lohnabh\u00e4ngige sind.<\/p>\n<p>Diese Art der Ver\u00e4nderung ist wichtig f\u00fcr die Art und Weise, wie der Arbeitsprozess erlebt wird. Es gibt keinen zwischengeschalteten Staat, der sich um unsere Interessen k\u00fcmmert, es gibt keine Gesundheits- und Sicherheitsstandards, es gibt keinen Mindestlohn, es gibt keinen Schutz f\u00fcr den Arbeiter, au\u00dfer dem, was die Arbeiter durch kollektive Aktionen erreichen k\u00f6nnen. Dies der Grund, dass einige Reaktionen zugunsten kollektiver Ma\u00dfnahmen so stark sind.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Arbeitshierarchie auf diesen Plattformen organisiert?<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wissen wir heute, dass es sich um eine Besch\u00e4ftigungsstruktur ohne Aufstiegsm\u00f6glichkeit handelt. Es gibt die Chefs, diejenigen, die in der Zentrale arbeiten, die Techniker und die Auslieferungsarbeiter. Es gibt keine M\u00f6glichkeit, als Zusteller weiterzukommen. Wir haben keine Aufstiegschancen, keine Karriereperspektiven. Und dann gibt die Zentrale kein Geld daf\u00fcr aus, um uns bei Laune zu halten. In der Tat machen gl\u00fcckliche Lieferfahrer keinen gro\u00dfen Unterschied. F\u00fcr die Auslieferungen braucht es das nicht. Wenn wir nicht zufrieden sind, werden wir wahrscheinlich die Plattform verlassen und das Unternehmen wird jemand anderen einstellen. Es ist also eine sehr flache Besch\u00e4ftigungsstruktur.<\/p>\n<p>Vielleicht sind einige von euch mit Katharine Stones Werk \u00ab<em>Radical America<\/em>\u00bb vertraut, in dem es um die Entwicklung der amerikanischen Stahlindustrie geht und darum, wie sie die Art von Arbeitsstrukturen entwickelt hat, bei denen es Zwischenstufen gibt, um sicherzustellen, dass die Arbeiter glauben, es g\u00e4be einen Weg zum Aufstieg. In diesem Zusammenhang wurde uns die M\u00f6glichkeit genommen, im Job voranzukommen, und es gibt keine so intelligenten Personalstrategien, die die Belegschaft bei der Stange halten. Stattdessen sehen wir, wie Arbeiter mit einer App zusammensto\u00dfen, die App verh\u00e4lt sich oft diktatorisch; die Plattformarbeiter verstehen somit schnell, dass ihre Interessen den Interessen der Plattform-Bosse entgegengesetzt sind.<\/p>\n<p><strong>Wer sind die Arbeiter auf diesen Plattformen? Was ist das Profil der Arbeiter?<\/strong><\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen geht es um die au\u00dferst\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung, um Menschen, die durch eine Reihe von Faktoren von der Erwerbsbev\u00f6lkerung ausgeschlossen sind, sei es durch mangelnde Sprachkenntnisse oder Rassenzugeh\u00f6rigkeit oder was auch immer. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Arbeit wird von Motorradkurieren erledigt, entgegen dem Selbstverst\u00e4ndnis einiger Unternehmen. Manchmal gibt es auch Fahrradkuriere. Lieferfahrer erledigen 80 % der Lieferungen in London. Ich bin nicht \u00fcberrascht, dass es anderswo genauso ist.<\/p>\n<p>Sicher spielen undokumentierte Migranten eine wichtige Rolle. Ich beziehe mich bei der Behandlung dieser Problematik auf das Konzept von Emmanuel Terray, das \u00ab<em>D\u00e9localisation sur place<\/em>\u00bb [Auslagerung vor Ort, rvs] genannt wird. Im Grunde spreche ich hier \u00fcber den Einsatz von Wanderarbeitern, um die Kosten niedrig zu halten, was eines der zentralen Merkmale ist.<\/p>\n<p><strong>Wie kommt es in diesem Zusammenhang zur Selbstorganisation der Arbeiter?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir das logistische Netzwerk, die Restaurants und die Lieferstellen, die \u00fcber die ganze Stadt verteilt sind und eine gro\u00dfe Elastizit\u00e4t erfordern. Ich wei\u00df nicht genau, wie sp\u00e4t es in Brasilien mit dem Abendessen ist, wahrscheinlich ist es sp\u00e4ter als in England. Aber hier, gegen 19 Uhr, gibt es eine gro\u00dfe Nachfrage nach Lieferungen. Die Leute sagen: \u00abIch m\u00f6chte eine Pizza. Ich benutze die Liefer-App.\u00bb Das bedeutet, dass pl\u00f6tzlich alle verf\u00fcgbaren Arbeiter schnell arbeiten m\u00fcssen, aber eine oder zwei Stunden vorher war das Auftragsvolumen vielleicht viel geringer. Fr\u00fcher erzeugten Lieferungen kaum Arbeitsstress. Die Arbeiter konnten in Erwartung zuk\u00fcnftiger Auftr\u00e4ge herumlungern. Hier haben wir eine \u00e4hnliche Dynamik wie die des Hafenarbeiters, des LKW-Fahrers der 1920er Jahre in den Vereinigten Staaten. Es besteht eine elastische Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften. Das bedeutet, dass wir irgendwo Arbeiter horten m\u00fcssen, um ihre Arbeitskraft zu nutzen, wenn wir sie brauchen.<\/p>\n<p>Solche Situationen f\u00fchrten in der Arbeitergeschichte zu Momenten, in denen Arbeiter sich selbst organisieren, indem sie viel Zeit miteinander verbringen, nicht arbeiten, die Tatsache diskutieren, dass sie nichts tun, und oft die Tatsache beklagen, dass sie arbeitslos sind, weil das bedeutet, dass sie kein Geld verdienen.<\/p>\n<p>Meiner Erfahrung nach handelt es sich dabei um so genannte <em>zonale Treffpunkte<\/em>. Dies sind auf Apps markierte Orte, in denen Arbeiter zwischen den Lieferungen warten. Es gibt aber auch informelle Versionen davon. Immer wenn wir eine Gruppe von Motorradkurieren sehen, die sich an einer Stra\u00dfenecke versammelt haben, ist es so weit. Und diese Besammlungspunkte schaffen die M\u00f6glichkeit einer schnellen Organisation. Die Verbreitung von Massennachrichten erm\u00f6glicht eine Art Selbstorganisation der Arbeiter durch Chatgruppen. Besonders in England ist WhatsApp ein wichtiges Instrument, und viele sprechen \u00fcber Gruppen miteinander. Man wird zum Arbeiter in einer Stadt und ger\u00e4t in diese Art von Netzwerken.<\/p>\n<p>Oftmals mobilisieren sich die Arbeiter gegen K\u00fcrzungen der Lieferquoten. Diese Jobs werden auf Quotenbasis bezahlt, d.h. sie werden auf Lieferbasis und nicht als Festgehalt bezahlt. Und wenn sich die Quoten \u00e4ndern, wenn der Lohn sinkt, ist die einzige Reaktion kollektives Handeln. So werden diese Chat-Gruppen zu einer Art von organisatorischen Netzwerken, und das geschieht organisch.<\/p>\n<p>Die Aktionen m\u00fcssen nicht von einem externen Agitator erzeugt werden. Es ist die Natur des Arbeitsplatzes, die diesen Impuls entwickelt.<\/p>\n<p>Was dabei herauskommt, sind wilde Streiks, die eskalieren und ziemlich effektiv sein k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen die gro\u00dfe Mehrheit der Lieferungen in einer Stadt zunichtemachen. Sie neigen dazu, einen sehr begrenzten Zeitrahmen zu haben und sind nicht unbedingt auf l\u00e4ngere Fristen angelegt. Sie m\u00f6gen effizient sein, wenn es darum geht, eine kurzfristige Lohnerh\u00f6hung zu bekommen, aber sie bauen keine Gewerkschaft auf, die langfristige Siege garantiert. Das ist die Logik des wilden Streiks. Es gibt keine vorherrschende Einflusslogik unter den gro\u00dfen Arbeitsmarktakteuren, die bereit sind, die Ausbreitung des kapitalistischen Plattformmodells zu begrenzen, Leute, die nicht wollen, dass sich diese informelle Beziehung zwischen Arbeit und Kapital auf andere Sektoren ausbreitet, in denen es vorerst bessere regulatorische Schutzma\u00dfnahmen gibt.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, gibt es einen weltweiten Trend zu zunehmenden Klassenkonflikten. Das liegt daran, dass Plattformen wie Deliveroo, Ubereats und Glovo l\u00e4nder\u00fcbergreifend sind und mit vielen verschiedenen Vertr\u00e4gen arbeiten, so dass die Arbeiter am Ende diese Verbindungen herstellen. In Europa gibt es eine Organisation namens <a href=\"https:\/\/notesfrombelow.org\/issue\/the-transnational-courier-federation\"><em>Transnational Couriers Federation<\/em><\/a>. Heute sind viele Arbeiter miteinander in Kontakt, weil sie auf den gleichen Plattformen arbeiten. Diese entstehende Arbeiterbewegung, diese selbstorganisierte Bewegung, ist also auf der ganzen Welt intensiv vernetzt.<\/p>\n<p><strong>Wie ver\u00e4ndern Massenselbstkommunikationsnetzwerke die Organisierung von Arbeitern?<\/strong><\/p>\n<p>In England hat ein Forscher namens Alex Wood \u00fcber Massenselbstkommunikationsnetzwerke gearbeitet und dar\u00fcber, wie sie R\u00e4ume f\u00fcr die Entstehung von Gewerkschaften bei Walmart geschaffen haben. Es ist eine Studie aus dem Jahr 2015, aber ich denke, wir k\u00f6nnen das im Kontext des Plattform-Kapitalismus noch deutlicher sehen.<\/p>\n<p>Es gibt einen Forscher namens Mafi, der \u00fcber Web 2.0-Communities und den Aufstieg der App-Fahrer arbeitet. Er spricht von Uber-Fahrern. Grunds\u00e4tzlich hat Mafi eine quantitative Studie durchgef\u00fchrt und festgestellt, dass das Interesse an kollektiver Repr\u00e4sentation umso gr\u00f6\u00dfer ist, je gr\u00f6\u00dfer die digital vermittelte Interaktion mit anderen App-Fahrern ist. Das hei\u00dft, wenn Arbeiter an WhatsApp-Gruppen teilnehmen, an Formen digitaler Gemeinschaften, die mit der kollektiven Identit\u00e4t der Arbeiter verbunden sind, steigt ihr Interesse, Arbeits- und Kollektivorganisationen beizutreten. Somit ist das Online-Arbeiternetzwerk eine der aufkommenden Formen der Arbeiterbewegung, die in diesen neuen Kontexten von entscheidender Bedeutung war.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass Lohnabh\u00e4ngige die Kommunikationstechnologie nutzen, um komplexe Netzwerke aufzubauen und daran teilzunehmen. Dabei ver\u00e4ndern sie den Prozess der Gewerkschaftsbildung. Es geht nicht darum, der Gewerkschaft beizutreten, sondern einem WhatsApp-Netzwerk beizutreten. Ein mit dem Arbeitsplatz verbundenes digitales Kommunikationsnetzwerk kann ein grundlegender Bestandteil sein, um sich \u00fcber die Realit\u00e4t des Arbeitsprozesses auszutauschen.<\/p>\n<p>Eric Blanc, der in den USA lebt und \u00fcber die Lehrerstreiks in West Virginia, Oklahoma und Arizona arbeitet, spricht dar\u00fcber, wie die militante Mehrheit, der ideologisch sozialistische Teil der Arbeiterbewegung, der sich der Entwicklung einer k\u00e4mpferischen Arbeitermacht verschrieben hat, diese Gruppen, wie die auf Facebook, als ein wirklich n\u00fctzliches Mittel zur Ausweitung ihres Einflusses innerhalb der Belegschaft nutzen kann. Sie k\u00f6nnen schnell in ihrer F\u00e4higkeit wachsen, Arbeiter an sehr unterschiedlichen Orten zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Wenn Arbeiter diese digital vermittelten Netzwerke nutzen, um viele Menschen zu erreichen, k\u00f6nnen sie ihre Reichweite sehr schnell vergr\u00f6\u00dfern, sie k\u00f6nnen weit verbreitete direkte Aktionen katalysieren, sie k\u00f6nnen die Art und Weise ver\u00e4ndern, wie kollektive Aktionen verbunden werden, sie k\u00f6nnen \u00ab\u00d6l ins Feuer gie\u00dfen\u00bb, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks.<\/p>\n<p>Gleichzeitig haben diese verschiedenen Varianten auch ihre eigenen Schw\u00e4chen. Zum Beispiel kann das Fehlen von pers\u00f6nlichem Kontakt das Fehlen einer tieferen Beziehung bedeuten. Diejenigen, die einen Streik organisieren, bauen nicht unbedingt tiefe Beziehungen zu denjenigen auf, die sich daran beteiligen werden. Vielmehr gibt es eine leichtere Wechselwirkung. Es gibt nicht unbedingt eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Arbeiter, Entscheidungen kollektiv zu treffen.<\/p>\n<p>Ich denke also, dass es hier eine mobilisierende Dynamik gibt, die zu einer allgemeinen und schnellen Eskalation von kollektiven Aktionen f\u00fchrt, aber es gibt auch eine mobilisierende Dynamik, die nicht in das klassische Gewerkschaftsmodell passt. W\u00e4hrend die Gewerkschaften dazu neigen, die Entwicklung von Mobilisierungen zu kollektiven Aktionen von einem zentralisierten Standpunkt aus zu lenken und zu beaufsichtigen \u2013 sie halten eine Versammlung ab, entscheiden, was dort geschehen soll, und gehen auf die Stra\u00dfe, um zu mobilisieren \u2013, hat diese kollektive Aktion viele Zentren der Leitung. Es hat keinen bestimmten zentralen Punkt. Jedes dieser Zentren kann die Vorhut sein, kann den Weg weisen und den Rest des Netzwerks anf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberwindung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wichtig zu erkennen, dass auch die \u00dcberwindung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses gewisse Vorteile bietet. So ist in England die Teilnahme an einem Streik, ohne verklagt werden zu wollen, ein sehr langer und komplizierter Prozess, der mehrere rechtliche Schritte umfasst. Diese gesch\u00fctzten Rechtsinstrumente sind darauf ausgelegt, die Handlungsfreiheit der Lohnabh\u00e4ngigen einzuschr\u00e4nken. In diesem Kontext, in dem es kein Arbeitsverh\u00e4ltnis gibt, sei es auf Deliveroo oder einer anderen Plattform, vermeiden die Unternehmen die formale Besch\u00e4ftigung von Lohnabh\u00e4ngigen, sie sind von der Verpflichtung zur Zahlung des Mindestlohns befreit, aber sie sind auch vom Schutz vor wilden Streiks befreit. Hier er\u00f6ffnet sich f\u00fcr diese Lohnabh\u00e4ngigen die Freiheit, sofort bestimmte Aktionsformen zu ergreifen, ohne dar\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen, ob sie formale Abstimmungen ben\u00f6tigen. Sie k\u00f6nnen einfach handeln, ohne Zeremonie.<\/p>\n<p><strong>Vermittlung zwischen Kapital und Arbeit und die Redundanz der Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Die Rolle einer Gewerkschaft ist es, zwischen Kapital und Arbeit zu vermitteln. Die klassische marxistische Perspektive erm\u00e4chtigt die Arbeiter, kollektiv die Kontrolle \u00fcber ihre Arbeitsbedingungen auszu\u00fcben, da sie diese nicht als Individuen besitzen k\u00f6nnen. Der Plattform-Kapitalismus ist der Vermittlung beraubt. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass die Plattform sich weigert, mit den Belegschaften zu vermitteln. Die Gewerkschaft kann ein wenig \u00fcberfl\u00fcssig werden mit dem, was sie tats\u00e4chlich erreicht. Denn wenn sie keine Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeber erzwingen kann, was ist dann die Rolle der Gewerkschaft? Ich denke, dieser Ausschluss der Gewerkschaften in den rechtlichen Prozessen und im Regulierungsprozess durch die Unternehmer versch\u00e4rft die Spannung zwischen dem Streiknetzwerk, den WhatsApp-Netzwerken und der Gewerkschaft, denn die Gewerkschaft muss eine Rolle erfinden, weil sie hier nicht einbezogen wird.<\/p>\n<p>So fragen viele Arbeiter: Was ist der Zweck der Gewerkschaft? Wenn wir einen Streik selbst organisieren k\u00f6nnen, ohne eine Organisation aufzubauen, warum sollten wir uns dann die M\u00fche machen, eine Organisation aufzubauen? Wir m\u00fcssen nur unsere Telefone benutzen. Wenn wir einen Streik organisieren k\u00f6nnen, ohne an zwei Abenden im Monat an Versammlungen teilzunehmen, bei denen wir uns hinsetzen und dar\u00fcber sprechen m\u00fcssen, wie wir einen Streik organisieren, und wenn wir nur das Telefon benutzen k\u00f6nnen, werden wir die einfachere Option w\u00e4hlen. Es gibt also eine Tendenz, die Gewerkschaften auszuschlie\u00dfen, weil sie in diesem Zusammenhang fast \u00fcberfl\u00fcssig erscheinen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass wir in einer Situation enden, in der sich die Arbeiter, wenn sie die Bedingungen verbessern wollen, zuerst von der Arbeit zur\u00fcckziehen und dann fragen. Indem sie den Unternehmern wirtschaftlichen Schaden zuf\u00fcgen, gehen sie davon aus, dass sie in den folgenden Monaten Gehaltserh\u00f6hungen erhalten werden.<\/p>\n<p>Ich denke, wir k\u00f6nnen uns das als ein Plattform-\u00c4quivalent zu Kollektivverhandlungen via Aufstand vorstellen, den Eric Hobson als den Modus Operandi der Ludditen identifiziert. Obwohl es keinen formellen Kommunikationskanal gibt, wissen die Arbeiter, dass es sich auszahlt, Plattformen zu ruinieren. Sie erhalten eine Gehaltserh\u00f6hung, wenn sie Sch\u00e4den verursachen. Sie wollen durch Streiks verhandeln und setzen weiterhin auf diese Form der vernetzten Aktion, die es ihnen erlaubt, diesen Einfluss auszu\u00fcben, anstatt sich mit den Gewerkschaften einzulassen oder eine zentralere Kontrolle der Mobilisierungsprozesse aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>Wie kann diese Spannung \u00fcberwunden werden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, es ist wichtig, dass wir an die Zukunft denken. Die Gewerkschaften k\u00f6nnen viele Schritte unternehmen, um die Situation zu verbessern. Ich denke, sie m\u00fcssen sich innerhalb der WhatsApp-Netzwerke verorten, sie m\u00fcssen eine Rolle f\u00fcr sich in diesem neuen technischen Kontext finden. Das bedeutet, eine mobilisierende Rolle zu spielen, anstatt nur zu versuchen, den Arbeitsmarkt durch Gerichtsverfahren zu beeinflussen. Die Gewerkschaften m\u00fcssen weniger ein Regulator des Arbeitsmarktes und mehr ein Zentrum der Arbeitermobilisierung sein. Sie m\u00fcssen in sich selbst investieren, in diese selbstorganisierten Massenkommunikationsnetze der arbeitenden Menschen.<\/p>\n<p><strong>Kannst du Emmanuel Terrays Konzept der <em>D\u00e9localisation sur place<\/em> zusammenfassen? Worum geht es dabei?<\/strong><\/p>\n<p><em>D\u00e9localisation sur place<\/em> ist besonders wichtig im Kontext der europ\u00e4ischen L\u00e4nder, in denen Arbeitsmigranten eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Streikaktionen spielen; egal ob es sich um Arbeiter aus Nordafrika, S\u00fcdamerika oder Osteuropa handelt. In Gro\u00dfbritannien k\u00f6nnen wir die Funktionsweise dieser Plattformen nicht verstehen, ohne \u00fcber die Dynamik der Migration zu sprechen.<\/p>\n<p>Emmanuel Terray ist ein franz\u00f6sischer Marxist, der die Idee der &#8222;<em>d\u00e9localisation sur place<\/em>&#8220; vorschlug, was so viel bedeutet wie \u00ab\u00f6rtliche Verlagerung\u00bb. Er spricht grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Suche nach billigeren Arbeitskr\u00e4ften. Zum Beispiel geschieht dies in der Fertigung, wenn Fabriken ins Ausland verlagert werden. Wenn die Lohnkosten zu hoch sind, k\u00f6nnen wir die Fertigung einfach nach Vietnam auslagern und die Produkte dann auf dem Seeweg importieren. Dies erm\u00f6glicht deutlich niedrigere Produktionskosten und billigere Waren. Sie erm\u00f6glicht es einem Konzern, wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben und senkt die Arbeitskosten, was m\u00f6glicherweise die Ausbeutungsrate erh\u00f6ht, da L\u00e4nder wie Vietnam weniger regulierte Arbeitsm\u00e4rkte haben.<\/p>\n<p>Dies steht allen Branchen zur Verf\u00fcgung, die ihre Produktion auslagern k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen die Rohstoffproduktion woanders hinschicken und die Ergebnisse importieren. Nun, im Dienstleistungssektor ist das unm\u00f6glich. Eine Lieferung in London kann nicht von jemandem in Vietnam durchgef\u00fchrt werden. Es gibt keine r\u00e4umliche Justierung, um es mit David Harveys Worten zu sagen.<\/p>\n<p>Wenn es f\u00fcr diesen Sektor keine r\u00e4umliche Anpassung gibt, wie kommt man dann an billigere Arbeitskr\u00e4fte? Terrays Argument ist, dass die Hauptfunktion von Grenzregimen, die in Europa in letzter Zeit zunehmend militarisiert wurden, darin besteht, eine Kategorie von ausgelagerten internen Arbeitern zu schaffen. Das hei\u00dft, undokumentierte Einwanderer als eine h\u00f6chst gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppe zu schaffen, die f\u00fcr jeden Lohn arbeitet, weil sie unter st\u00e4ndiger Bedrohung durch das Grenzregime steht. Das Grenzregime ist also v\u00f6llig unwirksam, wenn es darum geht, Migranten zu stoppen, die nach Gro\u00dfbritannien kommen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel k\u00f6nnen die englischen Grenzbeamten nichts tun, um jemanden zu stoppen, der ohne Arbeitserlaubnis einreisen will. Es ist wie ein Elefant, der versucht, Ameisen aufzuhalten. Das militarisierte Grenzregime mag stark und m\u00e4chtig sein, aber es kann nur einen kleinen Teil der Menschen erreichen, die nach England einwandern.<\/p>\n<p>Aber was dieser W\u00e4chter tun kann, ist, Bedingungen zu schaffen, unter denen jeder Wanderarbeiter, der keine Arbeitserlaubnis hat, extremen Repressionen ausgesetzt ist. Das bedeutet, dass undokumentierte Arbeitsmigranten eher jeden Job annehmen; sie werden f\u00fcr 3 \u00a3\/Stunde arbeiten, wenn das f\u00fcr ihren Lebensunterhalt ausreicht und sie sich fortpflanzen k\u00f6nnen. Sie sind sich bewusst, dass sie, wenn sie sich organisieren, wenn sie sich an kollektiven Aktionen beteiligen, Gefahr laufen, von den Grenzsch\u00fctzern abgeschoben zu werden.<\/p>\n<p>Dies ist eine zentrale Entwicklung f\u00fcr das, was in den Lebensmittelplattformen vor sich geht. In Ermangelung eines formellen Arbeitsverh\u00e4ltnisses und eines Mindestlohns sind viele Arbeiter undokumentierte Migranten aus dem globalen S\u00fcden, die ihre Lieferungen auf Motorr\u00e4dern durchf\u00fchren und niedrige L\u00f6hne erhalten. Aber sie sind gezwungen, diese Bedingungen zu akzeptieren, denn wenn sie versuchen, sich zu wehren, riskieren sie Abschiebung und Repression.<\/p>\n<p>Aber es gibt kollektive Aktionen in Form von wilden Streiks, weil sie nicht die Form einer Gewerkschaft annehmen m\u00fcssen. Er bleibt informell, weil er einem improvisierten Stil folgt, \u00e4hnlich dem Guerillakrieg: Es gibt keine langfristigen Ziele, die eine Integration in den Staat anstreben. Es gibt keine prominenten Mitglieder der Gewerkschaft, die sagen k\u00f6nnen: \u00abOkay, diese Leute m\u00fcssen abgeschoben werden\u00bb.<\/p>\n<p>Die Plattform\u00f6konomie ist eine Arbeitsweise, die das kollektive Handeln der Lohnabh\u00e4ngigen beg\u00fcnstigt. Diese kollektive Aktion erfolgt durch selbstorganisierte Massenkommunikationsnetzwerke und nicht durch formale gewerkschaftliche Organisation. Es hat seinen Ursprung in der Art und Weise, wie Migration und digitale Kommunikation in unserer heutigen Gesellschaft funktionieren, in der Art und Weise, wie wir verschl\u00fcsselte Chatrooms als eine Art Substrat des Sozialen nutzen.<\/p>\n<p><strong>Widerspruch zwischen Plattform-Kapitalismus und der freien Produzentengemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe versprochen, \u00fcber den Widerspruch zwischen Plattform-Kapitalismus und der freien Assoziation der Produzenten zu sprechen, und das werde ich auch tun. \u00abFreie Assoziation\u00bb ist ein Ausdruck, den Marx verwendet, um die Gesellschaft zu bezeichnen, die nach dem Kapitalismus kommt, in der die Menschen nicht gezwungen sind, unter Androhung des Verhungerns zu arbeiten, in der die Produktion kollektiv und demokratisch organisiert ist, nicht f\u00fcr den Profit, in der wir den Gebrauchswert, das, was den Menschen wichtig ist, \u00fcber die Tauschwerte der kapitalistischen Form der Wertproduktion stellen.<\/p>\n<p>Ich denke, wir sehen heute diese Wahrheit in Marx&#8216; Motiv, wenn wir folgendes betrachten: Wir leben in einer Gesellschaft, in der fossile Brennstoffe als unglaublich wertvoll angesehen werden und in der ein gro\u00dfer Teil der Weltwirtschaft an die F\u00f6rderung und Nutzung dieser Brennstoffe gebunden ist. Aber in Wirklichkeit bedroht die Gewinnung und Nutzung fossiler Brennstoffe unsere Existenz als Spezies. Es gibt einen Widerspruch zwischen der kapitalistischen Wertform, der kapitalistischen Produktionsweise, und dem, was wir als Menschen grunds\u00e4tzlich brauchen. Das gilt nicht nur in Bezug auf fossile Brennstoffe, wo diese Industrie \u2013 von Firmen wie Shell, British Petroleum \u2013 das Leben auf der Erde zu zerst\u00f6ren droht.<\/p>\n<p>Wenn den Plattform-Kapitalismus betrachtet, so sieht man, dass es die Apps und die extrem wohlhabenden Eigent\u00fcmer und Investoren gibt, die die Arbeiter ausbeuten, denen sie absolute Armutsl\u00f6hne zahlen, um m\u00f6glichst viel Wert zu schaffen. Diese Leute k\u00fcmmern sich nicht um die sozialen Auswirkungen. Wenn die Arbeiter gezwungen sind, schneller zu arbeiten und versuchen, so viele Lieferungen wie m\u00f6glich zu machen, und dabei m\u00f6glicherweise Verkehrsunf\u00e4lle erleiden, ist das f\u00fcr die Bohrinseln nicht von Belang.<\/p>\n<p>Eines der Dinge, die mir am meisten aufgefallen sind, als ich f\u00fcr diese Plattformen gearbeitet habe, ist, dass es einen sozialen Nutzen f\u00fcr diese Arbeit gibt. Die Lieferung von Essen ist ein ziemlich f\u00fcrsorglicher Service. Was wir tun, ist der Person zu helfen, die ihr Essen bekommt. Wir sollten dar\u00fcber nachdenken, wie das algorithmische Management und die kapitalistische Nutzung von Algorithmen dem m\u00f6glichen sozialen Nutzen von Arbeit v\u00f6llig entgegengesetzt sind.<\/p>\n<p><strong>Soziales Potenzial von Plattformen<\/strong><\/p>\n<p>Die H\u00f6herentwicklung und Befreiung der Arbeitsformen erfordert eine Gesellschaftsform, in der wir sagen: Was ist der Wert dieser Arbeit in Bezug auf den Gebrauchswert? Was produziert sie gesellschaftlich? Wie k\u00f6nnen wir den Arbeitern erlauben, die Kontrolle \u00fcber ihre Arbeitskraft zu \u00fcbernehmen? Wie k\u00f6nnen wir eine demokratische Beteiligung an dem haben, was wir tags\u00fcber tun? Wie k\u00f6nnen wir die gesellschaftlichen Ergebnisse optimieren?<\/p>\n<p>Profitoptimierung ist meiner Ansicht nach eine zutiefst entmenschlichte, zutiefst korrupte Optimierungslogik, die unsere Gesellschaft in eine sch\u00e4dliche Richtung gef\u00fchrt hat, und zwar, wie meine Verweise auf Marx zeigen, schon seit Hunderten von Jahren.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend muss unser Forschungshorizont nicht nur darin bestehen, zu verstehen, was innerhalb des Kapitalismus geschieht, sondern auch dar\u00fcber nachzudenken, was ein Ausweg sein k\u00f6nnte. Welche Gesellschaftsformen, welche Organisationsformen, welche demokratischen M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnten es uns erm\u00f6glichen, zu einer Situation zu gelangen, in der der potenzielle Nutzwert dieser Arbeit tats\u00e4chlich realisiert wird? Wie k\u00f6nnen wir Essens-Lieferplattformen von einem erniedrigenden und unterbezahlten Sektor, in dem Menschen ihr Leben f\u00fcr den Profit von Multi-Millionen-Dollar-Plattformen quer durch die St\u00e4dte aufs Spiel setzen, in eine soziale Dienstleistung verwandeln, die f\u00fcr uns alle von Bedeutung ist?<\/p>\n<p><em>Original:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.ihu.unisinos.br\/159-noticias\/entrevistas\/607391-discriminacao-algoritmica-e-justica-social-a-situacao-dos-migrantes-indocumentados-do-sul-global-entrevista-especial-com-callum-cant\"><em>http:\/\/www.ihu.unisinos.br\/159-noticias\/entrevistas\/607391-discriminacao-algoritmica-e-justica-social-a-situacao-dos-migrantes-indocumentados-do-sul-global-entrevista-especial-com-callum-cant<\/em><\/a><\/p>\n<p>Traducci\u00f3n:<strong>\u00a0<em>viento sur<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/vientosur.info\/el-capitalismo-de-plataforma-y-su-impacto-en-la-reorganizacion-del-trabajo\/\"><em>vientosur.info&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 14. M\u00e4rz 2021; \u00dcbersetzung durch Redaktion maulwuerfe.ch mit gr\u00f6sseren K\u00fcrzungen<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patricia Fachin. Wenn einerseits die technologisch-wissenschaftliche Entwicklung die Schaffung neuer Technologien erm\u00f6glicht hat, wie z. 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