{"id":9416,"date":"2021-03-15T09:58:40","date_gmt":"2021-03-15T07:58:40","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9416"},"modified":"2021-03-15T09:58:41","modified_gmt":"2021-03-15T07:58:41","slug":"der-tragische-triumph-rosa-luxemburgs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9416","title":{"rendered":"Der tragische Triumph Rosa Luxemburgs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 150. Jubil\u00e4um des Geburtstages von\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/interview-rosa\/\"><strong>Rosa Luxemburg<\/strong><\/a><strong>\u00a0blickt der sozialistische US-Autor Paul Le Blanc auf ihr Leben und ihre Verm\u00e4chtnisse zur\u00fcck. Zusammen mit Helen C. Scott \u00fcberarbeitete Paul \u201eRosa Luxemburg: Sozialismus oder Barbarei<\/strong><!--more--><strong>, gesammelte Werke\u201c, das gerade von Pluto Press neu aufgelegt wurde, als Auswahl des Left Book Clubs.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Rosa Luxemburgs Suche nach Antworten \u00fcber den Sinn des Lebens vermischte das Pers\u00f6nliche mit dem Politischen. Ihr Tod brachte ein Ende ihrer pers\u00f6nlichen Trag\u00f6dien und Triumphe. Und doch hallen ihre Ideen und Anstrengungen auch an ihrem 150. Geburtstag diesen M\u00e4rz noch nach.<\/p>\n<p><strong>Trag\u00f6dien \u00fcberwinden.<\/strong><\/p>\n<p>Selbst aus einem relativ privilegierten Elternhaus kommend, empfand Luxemburg es als eine Trag\u00f6die, dass einige Mitmenschen Analphabet*innen waren. Es schnitt diese von der wundersamen Welt, die sie selbst zwischen den Deckeln ihrer B\u00fccher entdeckte, ab. Sie lehnte sich stark dagegen auf und versuchte schon als Kind einem\/r der Hausangestellten ihrer Familie das Lesen beizubringen. Dieser innere Drang begleitete sie ein Leben lang, ein uners\u00e4ttliches Bed\u00fcrfnis, dabei zu helfen, neue Welten zu er\u00f6ffnen und Wissen mit allen Menschen zu teilen, vor allem mit jenen Menschen, denen diese Erfahrungen traditionell verwehrt wurden.<\/p>\n<p>Doch das Leid war nicht nur auf Andere beschr\u00e4nkt. Luxemburgs fr\u00fche Kindheitserlebnisse bestanden auch aus einem H\u00fcftleiden, das sie f\u00fcr ein Jahr ans Bett fesselte und sie f\u00fcr den Rest des Lebens beeinflusste. Als Kind war sie sich dessen schmerzlich bewusst, doch stellte sie bald fest, dass es noch andere \u201eTrag\u00f6dien\u201c in ihrem Leben gab \u2013 Schwierigkeiten, die allein daraus resultierten, dass sie war, wer sie war. Sie war eine Frau in einer Welt, in der Frauen noch mehr als heutzutage unterdr\u00fcckt und abgewertet wurden. Sie war Polin und zu ihrer Zeit waren die Polen ein, vor allem von Russen und Deutschen, unterdr\u00fccktes Volk. Und sie war eine J\u00fcdin, in einer Welt, in der der Antisemitismus ausgepr\u00e4gter und einschr\u00e4nkender war, als es heute der Fall ist.<\/p>\n<p>Zudem wurde Luxemburg aufmerksam auf die\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/interview-rosa\/\">Unterdr\u00fcckung einer geknechteten und verachteten Mehrheit<\/a>\u00a0von einer starken und privilegierten Minderheit, die die Leben von Millionen von Menschen zerst\u00f6rten und verk\u00fcmmern lie\u00dfen. Sie identifizierte dies in Form der Klassengesellschaft, des Kolonialismus und des Imperialismus. Luxemburg nahm schmerzlich die vielf\u00e4ltigen Varianten von menschlicher Grausamkeit und Zerst\u00f6rungswut gegen andere Menschen, gegen Tiere und den Planeten als ganzes wahr. Sie war \u00fcberzeugt, dass solche Trag\u00f6dien verhindert werden sollten \u2013 sie hasste sie. Sie brachte zu diesem Kampf eine dynamische Pers\u00f6nlichkeit, einen scharfen Blick und einen bei\u00dfenden Humor mit \u2013 all das, was sie war.<\/p>\n<p><strong>Marxismus, Politik und Massenwirkung<\/strong><\/p>\n<p>Bei ihrem leidenschaftlichen Vorhaben, die Welt zu verstehen und zum Besseren zu ver\u00e4ndern, f\u00fchlte sich\u00a0<a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/rosa-luxemburg-als-politikerin\/\">Luxemburg<\/a>\u00a0stark zu der Orientierung und den Ideen Karl Marx\u2018 hingezogen. Folgendes wurde essentiell f\u00fcr ihren eigenen Ausblick auf die Dinge:<\/p>\n<ol>\n<li>Eine Philosophie oder eine Herangehensweise, die Realit\u00e4t zu verstehen, die dynamisch oder dialektisch ist, philosophisch materialistisch und humanistisch.<\/li>\n<li>Ein Verst\u00e4ndnis der Geschichte, die von einer \u00f6konomischen Entwicklung geformt wird. Eine besondere Betonung liegt auf den wundervollen technologischen Entwicklungen und dem Klassenkonflikt \u2013 die reiche und m\u00e4chtige Minderheit und die arbeitende Mehrheit, aus der der Reichtum gequetscht wird.<\/li>\n<li>Eine Analyse unseres aktuellen \u00f6konomischen Systems \u2013 dem Kapitalismus \u2013, die diesen als unglaublich produktiv und dynamisch, gleichzeitig aber auch als extrem destruktiv ansieht. Dies resultiert in verschiedenen Problemen und Krisen. Und dies haupts\u00e4chlich, weil es eine \u00d6konomie ist, die von einer Minderheit beherrscht wird, die davon getrieben wird, Profit auf Kosten anderer zu machen und wenn n\u00f6tig auch auf Kosten der gesamten Gesellschaft.<\/li>\n<li>Ein Glauben, dass die arbeitende Mehrheit im Kapitalismus ein politisches Programm entwickeln sollte und auch k\u00f6nnte, um ihre Interessen zu sch\u00fctzen und den Kapitalismus so letztendlich durch etwas Besseres zu ersetzen. Dies w\u00fcrde auch Konflikte um Reformen mit sich bringen \u2013 Ver\u00e4nderungen zum Besseren im Kapitalismus \u2013 und das Gr\u00fcnden von Gewerkschaften, um f\u00fcr bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen zu k\u00e4mpfen, und einer Arbeiterpartei, um \u201eden Kampf um die Demokratie zu gewinnen\u201c.<\/li>\n<li>Eine Vision von einer revolution\u00e4ren sozialistischen Alternative zum Kapitalismus, die durch den Kampf und die Widerst\u00e4nde der Arbeiter und Unterdr\u00fcckten erreicht werden k\u00f6nnte. Es war eine Vision einer \u00f6konomischen Demokratie, bei der der Reichtum, der von der Mehrheit generiert wird, auch zum Nutzen aller genutzt w\u00fcrde.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Luxemburg war Teil einer globalen Bewegung der Arbeiterklasse. Sie ist in Polen geboren, aber zu Lebzeiten existierte Polen nicht als separates Land. Ein Teil davon geh\u00f6rte zum russischen Reich und ein weiterer Teil zu Deutschland. W\u00e4hrend sie einer kleinen polnischen sozialistischen Gruppe angeh\u00f6rte, beschloss sie, nach Berlin zu ziehen und einer gro\u00dfen, deutschen Sozialistenbewegung beizutreten. Zu dieser geh\u00f6rten beachtliche Gewerkschaften, Organisationen von Frauen und jungen Menschen, Reformkampagnen, eine Vielzahl an kulturellen Unternehmungen und eine beachtliche politische Partei. Diese schaffte es, eine wachsende Zahl von Abgeordneten in den deutschen Reichstag zu bringen.<\/p>\n<p>Einige einflussreiche Mitglieder der deutschen sozialistischen Bewegung, wie zum Beispiel Eduard Bernstein, brachten die Idee auf, dass es nur n\u00f6tig w\u00e4re, mehr und mehr Reformen zu gewinnen und mehr und mehr Leute in den Reichstag zu w\u00e4hlen. Dies w\u00fcrde ausreichen, den Kapitalismus langsam in Sozialismus umzuformen. Und infolgedessen dachten sie, es w\u00e4re am realistischsten herauszufinden, wie man Wahlen gewinnen k\u00f6nne und wie man innerhalb des Parlaments agieren m\u00fcsse, um die Reformen durchzusetzen, die ihnen wichtig waren. Luxemburg stimmte dem nicht zu.<\/p>\n<p>Marx war daf\u00fcr, Mitglieder der Arbeiterpartei f\u00fcr den Reichstag aufstellen zu lassen \u2013 und Luxemburg stimmte dem zu. Aber sie stimmte ihm auch bei Folgendem zu: Erstens w\u00fcrde der Staat oder die Regierung in einer kapitalistischen Gesellschaft mehr oder weniger von Kapitalisten kontrolliert. Zweitens w\u00fcrde das Gewinnen von Reformen entschiedene Massenproteste von Arbeitern und unterdr\u00fcckten B\u00fcrgern au\u00dferhalb des Parlaments erfordern, um die kapitalistischen Arbeitgeber und die Regierung unter Druck zu setzen. Drittens seien die Probleme und destruktiven Mechanismen des Kapitalismus so tief verwurzelt, dass sie nicht einfach wegreformiert werden k\u00f6nnten. Und viertens w\u00fcrden die Kapitalisten letztendlich ihren Reichtum und ihre Macht dazu nutzen, sich zu wehren und die mehrheitliche Arbeiterklasse mit allen verf\u00fcgbaren und n\u00f6tigen Mitteln zu bezwingen und davon abzuhalten, den Kapitalismus mit dem Sozialismus zu ersetzen.<\/p>\n<p>Dies bedeutete, dass eine Revolution n\u00f6tig w\u00e4re, um den Kapitalismus zu besiegen, wie Luxemburg in ihrem antireformistischen Artikel \u201eReform oder Revolution\u201c argumentierte. In sp\u00e4teren Jahren erweiterte sie ihr und unser Verst\u00e4ndnis, indem sie die umfangreich uners\u00e4ttlichen, gewaltt\u00e4tigen, inhumanen Dynamiken des Kapitalismus in ihrer Analyse des Imperialismus \u201eDie Akkumulation des Kapitals\u201c r\u00fcckverfolgte.<\/p>\n<p>Hingezogen zum osteurop\u00e4ischen revolution\u00e4ren Wirbelwind von 1905 erlebte Luxemburg Massenproteste, Streiks und Aufst\u00e4nde. Dies waren gesellschaftliche Explosionen, die durch die beklemmenden Umst\u00e4nde und die Massen von Menschen, die alle das Gef\u00fchl hatten \u201eIch lasse das nicht mehr mit mir machen\u201c und \u201eWir stehen das hier zusammen durch\u201c und \u201eIn der Einigkeit liegt unsere St\u00e4rke!\u201c erzeugt wurden. Die halb-spontanen Massenbewegungen halfen den Arbeiterklassenorganisationen \u2013 Gewerkschaften, revolution\u00e4ren Gruppen und so weiter \u2013 zu wachsen und Teilsiege zu erzielen.<\/p>\n<p>Dies resultierte in Luxemburgs \u201eMassenstreik, Partei und Gewerkschaften\u201c. Sie argumentierte, dass diese Art von Massenbewegung, die sie 1905 erlebte, ausschlaggebend im Denken und politischen Planen der, wie sie es nannte, \u201esozialistischen Vorhut\u201c werden m\u00fcsse. Einiger ihrer ver\u00e4ngstigten Kameraden widerstanden diesem Ansatz. Aber viele radikaler eingestellte Arbeiter und sozialistische Intellektuelle sahen Sinn darin und setzen ihre Ideen in ihrem eigenen Handeln und Denken fort.<\/p>\n<p><strong>Luxemburgs Einfluss<\/strong><\/p>\n<p>Als eine brillante, mutige, wundervolle Frau mit einem lebendigen Idealismus und tief humanistischen Ideen, war Luxemburg eine anziehende Figur f\u00fcr viele Menschen, die unzufrieden waren mit den verschiedenen unterdr\u00fcckenden Faktoren einer kapitalistischen Gesellschaft. Besonders f\u00fcr j\u00fcngere Menschen waren ihre politischen Ansichten sehr inspirierend, aber nicht nur f\u00fcr diese. Sie stand f\u00fcr eine profund demokratische und humanistische Version des Sozialismus. Dies war attraktiver als sowohl die demokratische Reformierung, die Kompromisse mit den Kapitalisten einging, als auch \u2013 in den Jahren nach ihrem Tod \u2013 die repressiven Diktaturen, die sich als \u201esozialistisch\u201c ausgaben, aber eigentlich von einer neuen herrschenden Elite kontrolliert wurden.<\/p>\n<p>Viele der \u00f6konomischen, sozialen und politischen Realit\u00e4ten, die sie analysierte und mit denen sie haderte, sind den Schwierigkeiten, die den Menschen heute begegnen, sehr \u00e4hnlich. Sehr viele Menschen empfinden ihre Ideen und ihr Vorbild hilfreich bei dem Versuch, die Welt zu verstehen, und den Schwierigkeiten, diese zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die, die das bestehende soziale, wirtschaftliche und politische System beibehalten wollten, hassten sie, machten sich \u00fcber sie lustig und attackierten sie mit \u201eblutige Rosa\u201c. Einige Mitglieder ihrer eigenen sozialistischen Bewegung waren v\u00f6llig anderer Meinung als sie und bezeichneten sie als unrealistisch und sogar gef\u00e4hrlich. Andere lernten von ihr, lie\u00dfen sich von ihr inspirieren und manche verehrten sie sogar. Sie war eine f\u00fchrende Vertreterin des revolution\u00e4ren Fl\u00fcgels der sozialistischen Bewegung.<\/p>\n<p>Als der erste Weltkrieg begann, lehnte sie diesen als ungerechtfertigt und imperialistisch ab. Zu dieser Zeit zeigten viele, auch Arbeiter und Sozialisten, eine passive Haltung und nahmen den Krieg hin oder unterst\u00fctzen diesen sogar enthusiastisch unter dem Deckmantel des \u201ePatriotismus\u201c. Sie verbrachte mehrere zehrende Jahre im Gef\u00e4ngnis, weil sie sich weigerte, sich dem hinzugeben. Als der schreckliche Krieg dann endlich vor\u00fcber war, schlossen viele Menschen r\u00fcckblickend, dass Luxemburg doch Recht gehabt hatte.<\/p>\n<p>Selbst vor dem Kriegsende \u00fcberwarfen 1917 Arbeiter- und Bauernaufst\u00e4nde in Russland erst die Monarchie und dann die pro- kapitalistische, provisorische Regierung. Die war eine Reaktion auf die Verw\u00fcstung des Krieges und gegen die sich anh\u00e4ufende Unterdr\u00fcckung und Ungerechtigkeit der Zaren, Aristokraten und Kapitalisten. Die Aufst\u00e4nde f\u00fchrten dazu, dass die Macht in die H\u00e4nde des Demokratischen Rates fiel, den sogenannten Sowjets, angef\u00fchrt von den Bolschewiki (Kommunistische Partei Russlands), bei denen Vladimir Lenin den Vorsitz hatte und die die ersten kommunistischen Bewegungen in Gang gesetzt hatten. Luxemburg mochte Lenin, stimmte ihm in vielen Dingen zu, aber hatte auch scharfe Auseinandersetzungen mit ihm, selbst w\u00e4hrend sie mitten in der Revolution von 1917 steckten. Sie warnte vor den Kompromissen \u2013 speziell die demokratischen Rechte betreffend, die Lenin und seine Kameraden w\u00e4hrend den Auseinandersetzungen der Revolution eingingen, um diese zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Da sie davon \u00fcberzeugt war, dass die L\u00f6sung nur erreicht werden k\u00f6nnte, wenn andere, \u00f6konomisch besser entwickelte L\u00e4nder sich Russland in der Revolution anschl\u00f6ssen, verst\u00e4rkte sie die Anstrengungen, deutsche Arbeiter zur sozialistischen Revolution zusammenzurufen.<\/p>\n<p>Im Aufruhr, der 1919 in Deutschland herrschte, wurde sie von rechtsgerichteten Kr\u00e4ften ermordet, kurz nachdem sie dabei mitwirkte, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) zu gr\u00fcnden. Nachdem sie get\u00f6tet worden war, wurde sie f\u00fcr viele zur M\u00e4rtyrerheldin \u2013 andere wiederum beschmutzen die Erinnerung \u201eder blutigen Rosa\u201c.<\/p>\n<p><strong>Trag\u00f6dien und Triumpf<\/strong><\/p>\n<p>Luxemburg \u00fcberwand viele Hindernisse, um erstaunliche Dinge zu erreichen. Sie wurde zu einer einflussreichen politischen Figur, als Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht hatten, und zu einer treibenden Kraft in einer sozialistischen Bewegung, die von M\u00e4nnern dominiert war.<\/p>\n<p>Sie war eine brillante Schriftstellerin und politische Analytikerin, eine einflussreiche \u00d6konomin, eine wichtige soziale Denkerin, deren Werke \u2013 oft leidenschaftlich \u2013 selbst heute noch gelesen werden, ein Jahrhundert nach ihrem Tod. Einige der Auseinandersetzungen, die sie zu unterst\u00fctzen und zu st\u00e4rken half, resultierten in wichtigen Gewinnen f\u00fcr Millionen von Menschen.<\/p>\n<p>Luxemburg hatte wundervolle und sch\u00f6ne Freundschaften. Sie liebte und war in der Lage, in Literatur, kreatives Schaffen und Kultur einzutauchen. Sie wusste, wie man Spa\u00df hat, und war beseelt von einem Staunen und einer Ehrfurcht vor der Natur und dem Leben selbst. Sie lebte ein ausgef\u00fclltes, mutiges Leben voller positiver Energie \u2013 dessen war sie sich gl\u00fccklicherweise nur zu bewusst. Sie hatte vieles bewegt, in mehr als nur einer Hinsicht.<\/p>\n<p>Die Welt und das Leben sind voller Leid und Leiden war auch ein Teil von Luxemburgs Leben und Bewusstsein. Einige Menschen, die sie liebte, verlie\u00dfen sie, auf die eine oder andere Weise, manche auch durch den Tod. In manchen Momenten wurden die Grausamkeit und die Gewalt um sie herum zu einem Wirbelsturm, der sie umgab \u2013 und sie hatte nicht die Kraft, diesen aufzuhalten. Die Bewegung, der sie sich verschrieben hatte, schaffte es nicht, den Sozialismus durchzusetzen, f\u00fcr den sie den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Lebens gek\u00e4mpft hatte. Sie selbst war auf grausamste Weise ermordet und in einen Kanal geworfen worden, wo ihr K\u00f6rper mit der Zeit erst aufquoll und dann verweste.<\/p>\n<p>Luxemburg hatte noch drei Jahre vor ihrem Tod argumentiert, dass die Menschheit vor einer Entscheidung stand \u2013 im Sozialismus voranzuschreiten oder in der Barbarei unterzugehen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Sozialismus, den sie sich vorgestellt hatte, nirgends umgesetzt, doch hatten einige historische Entwicklungen tats\u00e4chlich extrem grausame, barbarische Z\u00fcge. Dies umfasst zum Beispiel den Aufstieg von Faschismus und Nazismus, die stalinistische Abwertung des Kommunismus, die Weltwirtschaftskrise, ein zweiter Weltkrieg noch schlimmer als der erste und ein ausgedehnter Kalter Krieg mit vielen grotesken Ausw\u00fcchsen auf beiden Seiten. Und dies erw\u00e4hnt noch nicht einmal die st\u00e4ndige Gefahr der nuklearen Annihilierung.<\/p>\n<p>Unser eigener funkelnder Konsumentenkapitalismus, mit den vielen technologischen Wundern, wird begleitet von einer wachsenden kulturellen und \u00f6kologischen Verschmutzung, unz\u00e4hligen Ungleichheiten und durchstochen von Terrorismus, Gewalt und Plagen. Dies alles brachte uns etwas komplett anderes als die Zukunft, f\u00fcr die Luxemburg gek\u00e4mpft hatte. Es bleibt herauszufinden, ob die Trag\u00f6die sich im 21. Jahrhundert fortsetzt und zu Ende gebracht wird oder ob es einen Triumph gibt, der sich mehr mit ihren Vorstellungen vereinbaren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>Dieser Text von\u00a0<strong>Paul Le Blanc<\/strong>\u00a0erschien zuerst auf der Seite\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/swp.org.uk\/tragedy-triumph-rosa-luxemburg\/\"><em>Socialist Workers Party<\/em><\/a><em>\u00a0und wurde von Linda Conrad ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/der-tragische-triumpf-rosa-luxemburgs\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. M\u00e4rz 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 150. Jubil\u00e4um des Geburtstages von\u00a0Rosa Luxemburg\u00a0blickt der sozialistische US-Autor Paul Le Blanc auf ihr Leben und ihre Verm\u00e4chtnisse zur\u00fcck. Zusammen mit Helen C. 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